Lade Inhalt...

Faust I. Vergleichende Analyse literarischer Texte im Rahmen einer Klausur der gymnasialen Oberstufe

von Jonas H. (Autor)

Klausur 2017 4 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Aufgabe 1:

Analysieren Sie den Monolog Fausts aus der Szene „Wald und Höhle“ (V. 3217-3250). Berücksichtigen Sie hierbei besonders die sprachliche Gestaltung und die Stellung der Szene innerhalb der Dramenhandlung.

Das Drama „Faust“ wurde 1780 von Johann Wolfgang Goethe verfasst. Es umfasst die Gelehrtentragödie und die Gretchentragödie. Das Werk befasst sich mit Faust, einem Wissenschaftler, welcher seinen Horizont erweitern möchte und dazu einen Pakt mit dem Teufel schließt.

Im Folgenden wird ein Monolog von Faust (V. 3217-3250), aus der Szene „Wald und Höhle“, hinsichtlich der sprachlichen Gestaltung und Stellung im Drama analysiert.

In diesem Monolog könnte Fausts neue Beziehung zu der Natur deutlich gemacht werden. Faust spricht zu Beginn seines Monologs direkt zum Erdgeist und bedankt sich bei ihm indirekt (V. 3217-3220). Wie der Name der Szene schon sagt, steht Faust in einem Wald, umgeben von dern für ihn nun, „herrlichen Natur“ (V. 3220). Der Erdgeist habe ihm ermöglicht, die Natur mit neuen Augen zu sehen, zu genießen und zu fühlen (V. 3220-3223) und dass er nicht nur einfach nur stumpf durch den Wald läuft, ohne ihr Beachtung zu schenken. Im weiteren Verlauf spricht Faust auch davon, dass der Erdgeist und die Natur ihn leiten, ihm Schutz bieten, wenn es, beispielsweise durch einen Sturm, nötig wird. „Dann führst du mich zur sicheren Höhle“ (V. 3232). In dieser Höhle wird der Erdgeist dann „… mich mir selbst [zeigen] und meiner eigenen Brust geheime tiefere Wunder öffnen…“ (V. 3233-3234). Es folgt ein Absatz, in welchem sich Faust einer bestimmten Person zuwendet. Er weist darauf hin, dass er nun weiß, dass Menschen nicht vollkommen sind und ihnen nichts Vollkommenes zuteil wird (V. 3240 f.). Nochmals weist er auch darauf hin, dass er es dem Erdgeist zu verdanken hat, diese Nähe zu den Göttern zu spüren (V. 3241 f.). Auch seinen Gefährten hat er ihm zu verdanken und möchte diesen auch nicht mehr missen (V. 3243 f.), obwohl er „kalt und frech“ (V. 3243) ist und Faust „… vor [sich] selbst erniedrigt“ (V. 3244). Dieser Gefährte ist es auch, welcher Faust Begierde und Genuss verspüren lässt. Das drückt er metaphorisch als Feuer in seiner Brust aus (V. 3247-3250).

Der Monolog beinhaltet kein klar erkennbares Reimschema. Trotzdem wirkt Faust sehr entspannt und spricht vermutlich auch ruhig. Denn der Text lässt sich angenehm lesen und es kommt kein Stress, durch springende Reime o.ä., auf. Seine Verse/Sätze beginnen häufig mit „und“ (V. 3235, 3230, 3231, 3250, 3239) und er scheint sich, obwohl er alleine ist, an jemanden zu wenden, von dem er glaubt, dass er ihm zuhört. Dieser Eindruck entsteht durch die Verwendung von „Du“ (V. 3217), „ist“ Endungen (V. 3220) und allgemein die Ansprache, die sich direkt an den Erdgeist wendet (V. 3217). Faust scheint sich außerdem als König der Natur zu sehen, da er sagt, dass der Erdgeist ihm „die herrliche Natur zum Königreich“ (V. 3220) gegeben habe. Im letzten Abschnitt benennt er einen Gefährten, auf den in der Inhaltsangabe bereits etwas eingegangen wurde. Dieser Gefährte ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Mephisto. Denn er beschreibt ihn, gegenüber dem Erdgeist, als frech, kalt und erniedrigend (V. 3244-3245). Faust spricht nur positiv über den Erdgeist und die Natur, lediglich über Mephisto äußert er sowohl positive als auch negative Aspekte, dies erzeugt die eben auch angesprochene angenehme Stimmung.

Dass Faust dem Erdgeist in seinem Monolog sogar schon fast anbetet, ist etwas verwunderlich. Denn zu Beginn des Dramas beschwört Faust in der Szene „Nacht“ bereits einmal den Erdgeist, auf seiner (Fausts) Suche nach Erfüllung und erhofft sich Hilfe durch ihn (ab V. 481). Doch als der Erdgeist auf seinen Wunsch hin erscheint, ist er vor seinem Aussehen angewidert und möchte ihn nicht mehr sehen. „Schreckliches Gesicht“ ruft Faust und in den Regieanweisungen wird deutlich, dass er sich sogar vom Erdgeist abwendet (V. 482). „Weh! Ich ertrag dich nicht!“ (V. 486). Faust setzt sich in seiner Position mit der der Erdgeists gleich „Ich bin´s, bin Faust, deinesgleichen“ (V. 500), was der Erdgeist aber ablehnt: „Du gleichst dem Geist den du begreifst, nicht mir!“ (V. 512 f.). Darauf verlässt der Erdgeist Faust und lässt diesen verwundert zurück. Mit diesem Hintergrund ist es also verwunderlich, dass Faust den Erdgeist nun so hoch anpreist und sich bei ihm für angeblich erhaltene Gaben bedankt. Aber Fausts Monolog hat nicht nur den Erdgeist, sondern auch Mephisto, als Thema. Diesen beschreibt er als kalt, frech und erniedrigend. Trotzdem möchte er ihn an seiner Seite haben. Direkt nach seinem Monolog tritt Mephisto hinzu 8V. 3251). Es kommt zu einem kleinen Streit zwischen den beiden, denn Mephisto scheint Faust belauscht zu haben. Mephisto nervt es, dass Faust so lange an der Natur festhält und möchte zu etwas Neuem weiter (V. 3251 f.). Darauf wird Faust etwas gereizt und betont, dass Mephisto ihn nerve. Daraus entwickelt sich dann der Streit, in welchem Mephisto Faust unter anderem als „arme[n] Erdensohn“ (V. 3266) bezeichnet und ihm vor Augen führt, wie sein Leben ohne Mephisto verlaufen wäre. Weiter macht sich Mephisto über Fausts Nähe zur Natur lustig und vergleicht ihn mit einer Kröte, die auf dem feuchten Waldboden nach Nahrung sucht (V. 3272). Mephisto stachelt weiter und erwähnt Gretchen. Faust reicht es und er schießt nun auch gegen Mephisto: „Schlange! Schlange!“ (V. 3338). Das Verhältnis zwischen den beiden ist also weiterhin angespannt und Mephisto hat es sichtlich schwerer, da er bei Faust immer öfter auf Wiederstand stößt.

Die aufgestellte Deutung konnte durch die Analyse bestätigt werden. Faust hat ein neues Verhältnis zur Natur. Früher hat er nur in seinem Zimmer gesessen und sich dort Wissen angeeignet. Jetzt sieht er die Welt mit anderen Augen und in direkter Verbindung mit Geistern Darüber hinaus wurde aber auch eine Verschärfung zwischen Mephisto und Faust festgestellt.

Aufgabe 2:

Vergleichen Sie, ausgehend von Ihren Analyseergebnissen aus Aufgabe 1, die Szene mit dem Monolog Gretchens am Spinnrad (V. 3374-3413) und prüfen Sie die unterschiedlichen Reaktionen Fausts und Gretchens auf die Erfahrung der existenziellen Erschütterung durch die Liebe.

Auf der Grundlage der Analyse des Monologs von Faust, wird anschließend der Monolog von Gretchen (V. 3374-3413) in der Szene „Gretchens Stube“ mit dem von Faust verglichen. Der Fokus liegt hierbei auf den Reaktionen durch die Erfahrung der existenziellen Erschütterungen durch die Liebe.

Gretchen sitzt in dieser Szene, welche ausschließlich aus dem Monolog besteht, vor ihrem Spinnrad. Diese thematisiert ihre Sehnsucht nach Faust und die dadurch resultierende innere Unruhe (V. 3374-3377). Sie zählt auf, was sie alles vermisst und wie es ihr geht (V. 3382-3385) (V. 3393-3401).

Ihr Monolog ist als Lied aufgebaut und hat einzelne Strophen mit je vier Versen. Von den zehn Stephen wird eine drei Mal gesungen, da sie den Refrain bildet. Es handelt sich um einen Kreuzreim, wodurch das Lied sehr einfach und locker zu lesen/singen ist. Die Verse bestehen aus maximal vier Worten und sind dadurch auch einfach zu verstehen.

Gretchen reagiert auf die Distanz zu Faust etwas heftiger als er selbst. Sie sind ein Lied und äußert ihren Kummer offen, was bei Faust nicht der Fall ist. Er thematisiert dies in seinem Monolog nicht wirklich offensichtlich und scheint eher eine Art Ablenkung zu suchen, die er im Wald und seiner vermeidlichen Unterhaltung mit dem Erdgeist auch gefunden zu haben scheint. Erst am Ende, im Dialog mit Mephisto, zeigt sich auch Faust ganz offen und damit sein Verlangen nach Gretchen: „Lass mich an ihrer Brust erwarmen!“ (V.3346). Allerdings denkt Faust nicht nur daran, Gretchen wiederzusehen, sondern sie soll „mit [ihm] (..) zugrunde gehen“ (V. 3365). Er liebt Gretchen also so sehr, dass er mit ihr zusammen sterben wollen würde. Mephisto bringt ihn davon aber ab. Bei Gretchen sind solche Züge nicht zu erkennen. Sie beschreibt Faust nur genau, auch das finden wir bei Faust nicht.

Gretchen und Faust sind also nicht nur bei dem Thema Religion verschieden, sondern auch bei der Sehnsucht und Liebe nach dem Partner. Gretchen spricht, zwar nur im Monolog, offen über ihre Sehnsucht, während Faust sie eher versteckt und sich ablenkt. Daran ist zu erkennen, dass Faust also irgendwo immer noch „ganz der Alte“ und manchmal immer noch verschlossen ist.

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668456297
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367778
Note
1,5
Schlagworte
faust vergleichende analyse texte rahmen klausur oberstufe

Autor

  • Jonas H. (Autor)

    1 Titel veröffentlicht

Teilen

Zurück

Titel: Faust I. Vergleichende Analyse literarischer Texte im Rahmen einer Klausur der gymnasialen Oberstufe