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Der Sarbanes-Oxley Act of 2002. Ein Überblick über die wesentlichen Änderungen und ihre Folgen

Seminararbeit 2015 16 Seiten

BWL - Recht

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeine Charakteristika des Sarbanes-Oxley Act
2.1 Zielsetzung
2.2 Anwendungskontext
2.3 Aufbau und Inhalte

3 Ausgewählte Änderungen
3.1 (I) Public Company Accounting Oversight Board
3.2 (III) Corporate Responsibility
3.3 (IV) Enhanced Financial Disclosures
3.4 (IX) White-Collar Crime Penalty Enhancements

4 Resultierte Folgen
4.1 Positive Auswirkungen
4.1.1 Gesetzesdurchsetzung und Eindämmung der Wirtschaftskriminalität
4.1.2 Reliabilität von Finanzinformationen - Steigerung des Marktvertrauens
4.1.3 Verbesserung der Liquidität
4.2 Negative Auswirkungen
4.2.1 Direkte Kosten
4.2.2 Indirekte Kosten

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Bedingt durch die Bilanzskandale zahlreicher amerikanischer Unternehmen im Allge- meinen sowie aufgrund der hervorzuhebenden Konkurse des Energieversorgers Enron und des Telekommunikationsdienstleisters MCI Worldcom sah sich die amerikanische Politik einem enormen Handlungsdruck ausgesetzt,1nicht zuletzt auch wegen des hier- durch massiv gesunkenen Vertrauens der Anleger. In der Folge reagierte die Regierung am 30.07.2002 mit dem Erlass eines Rahmengesetzes, namentlich dem. sog. Sarbanes- Oxley Act (SOX), der umfassende Detail- und Ausführungsbestimmungen beinhaltet, die wiederum als maßgeblich u. a. für die überwachenden Handlungen der amerikani- schen Börsenaufsicht zu konstatieren sind.2Der SOX kann als die bedeutendste Anpas- sung der regulatorischen Vorgaben der Finanzberichterstattung angesehen werden und diente nicht zuletzt auch der Modifikation der bis dato maßgeblichen, jedoch in weiten Teilen nicht mehr tragfähigen Rechtsvorschriften des Securities Act und des Securities Exchange Act.3Wesentliches Ziel war die Gewährleistung eines nachhaltigen und ver- lässlichen Investorenschutzes, wobei sich die Rahmenartikel des SOX und die dort fest- gelegten Bestimmungen u. a. an die Unternehmensleitungen, Verwaltungsgremien und auch Prüfungsausschüsse richteten.4Allen voran die Politik erhoffte sich hierdurch eine Neuregelung der Verantwortlichkeit der Unternehmensführung sowie die Etablierung einer strengeren Haftung der Wirtschaftsprüfer - ferner auch die Ausweitung der Publi- zitätspflichten im Sinne einer höheren Anlegertransparenz.5

Mit der Verabschiedung des SOX im Jahre 2002 traten folglich tiefgreifende Verände- rungen und Anpassungen in Kraft, die den Kapitalmarkt und die Unternehmen fortan geprägt haben. Vor diesem Hintergrund ist es Anspruch der vorliegenden Arbeit, den SOX zunächst hinsichtlich seiner wesentlichen Charakteristika zu analysieren (vgl. Ka- pitel 2), um daran anschließend auf die wesentlichen Anpassungen einzugehen (vgl. Kapitel 3). Darüber hinaus gilt es sodann auch die Folgen des SOX in den Fokus der Betrachtung zu rücken (vgl. Kapitel 4). Die Arbeit wird abschließend mit einem präg- nanten Fazit abgeschlossen, wobei dort auch ein Ausblick gegeben wird.

2 Allgemeine Charakteristika des Sarbanes-Oxley Act

2.1 Zielsetzung

Die Verfasser und Begründer des SOX legitimierten dessen Einführung mit den gravie- renden strukturellen und systemischen Schwächen des amerikanischen Kapitalmarktes, aufgrund derer wiederum eine mangelnde Effektivität und Verlässlichkeit hinsichtlich der Wirtschaftsprüfung und eine kaum ausgeprägte finanzielle Haftung auf Seiten der Finanzmarktakteure resultierte.6Als Reaktion auf die vielfachen Unternehmenszusam- menbrüche, die einmal mehr die bereits bekannten Schwächen des Finanzmarktes offen- legten, erließ der amerikanische Kongress im Jahr 2002 den SOX, mit dessen Inkrafttre- ten allen voran die Anleger geschützt werden sollten - hier bedingt durch die beschlos- senen strengeren Publizitätspflichten für Aktiengesellschaften.7Zugleich zielt das Ge- setz darauf ab, sowohl legale als auch illegale Aktivitäten zur Beeinflussung der Unter- nehmensbilanz zu verhindern, um dadurch in der Konsequenz den Investoren und Anle- gern eine verlässliche und realitätsgetreue Unternehmensbewertung zu ermöglichen.8Ein weiteres Ziel war, mittels Erweiterung der Befugnisse von Abschlussprüfern die vielfachen Betrugsfälle durch Vorstandsmitglieder nachhaltig einzudämmen.9

2.2 Anwendungskontext

Obwohl der SOX von der amerikanischen Regierung bzw. dem Kongress konzipiert und später auch verabschiedet wurde, entfaltet er nicht nur für amerikanische Unter- nehmen mit Börsenlistung Gültigkeit, sondern überdies auch für alle ausländischen Un- ternehmen, die an einer der zahlreichen Aktienbörsen der USA gelistet sind.10Darüber hinaus sind auch solche Unternehmen an ihn gebunden, die innerhalb der staatlichen Grenzen der USA einen öffentlichen Wertpapierhandel betreiben.11Die Entbindung von den verpflichtenden Vorschriften des SOX ist allenfalls in einigen wenigen Ausnahme- fällen und mit Einschränkungen möglich, bspw. dann, wenn sich die betreffenden Un- ternehmen vom amerikanischen Kapitalmarkt auslisten lassen, demnach also dort keine weiteren börslichen Aktivitäten vorweisen.12Ebenfalls an den SOX gebunden sind Wirtschaftsprüfer, die im Auftrag der zuvor genannten Unternehmen Prüfungsdienst- leistungen offerieren und mit diesen daher in direktem Kontakt stehen.13Verwiesen sei hier auf den Umstand, wonach Wirtschaftsprüfer, die zwar nicht in den USA tätig sind, jedoch im Ausland für Tochtergesellschaften von in den Vereinigten Staaten gelisteten Börsenunternehmen arbeiten, ebenfalls unter den Geltungsbereich des SOX fallen.14

2.3 Aufbau und Inhalte

Die innerhalb des SOX thematisierten Inhalte beziehen sich auf unterschiedliche Akteu- re innerhalb des Finanzmarktes, wobei vor allem die Börsenunternehmen selbst, ihr Management und auch die beteiligten Wirtschafts- und Bilanzprüfer im Fokus stehen.15Insgesamt ist der SOX in die elf folgenden Abschnitte unterteilt: (I) Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB), (II) Auditor Independence, (III) Corporate Responsibility, (IV) Enhanced Financial Disclosures, (V) Analyst Conflicts of Interests, (VI) Commission Resources and Authority, (VII) Studies and Reports, (VIII) Corporate and Criminal Fraud Accountability, (IX) White-Collar Crime Penalty Enhancements, (X) Corporate Tax Returns und (XI) Corporate Fraud Accountability.16

Die einzelnen Abschnitte, im Originalgesetz als titles bezeichnet, enthalten wiederum konkrete Regelungsbereiche, wobei jeder Abschnitt weiter in Unterabschnitte, sog. sec- tions, unterteilt ist und sich auf jeweils unterschiedliche Akteure und Sachverhalte be- zieht.17Auffällig ist bei der Betrachtung der Inhalte, dass im Kern das Management der Unternehmen in den Fokus gerückt und zugleich für die richtige Durchführung der Fi- nanzberichterstattung verantwortlich gemacht wird.18Obwohl alle elf Abschnitte der Sicherstellung des Investorenschutzes dienen, würde deren vollumfängliche Thematisie- rung den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Demnach wird nachfolgend ausschließlich auf diejenigen Änderungen/Abschnitte eingegangen, die in der Literatur am häufigsten Betrachtung finden und oftmals Gegenstand kritischer Diskussionen sind. Gem. den Ausführungen von Menzies handelt es sich hierbei um die Abschnitte I, III, IV und IX.19

3 Ausgewählte Änderungen

3.1 (I) Public Company Accounting Oversight Board

Die im Rahmen des ersten Abschnitts eingeführte Neuregelung zur Überwachung und Beaufsichtigung der Bilanzen amerikanischer Unternehmen ist besonders deshalb her- vorzuheben, da seitens der Regierung eine eigens hierfür spezialisierte Organisation etabliert wurde, kurz das PCAOB, welches als Aufsichtsgremium fungiert und zudem eng mit der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC zusammenarbeitet.20Maßgeblich für die Regelung der Befugnisse des PCAOB sind die Sections 101 bis 109. Entscheidend ist hier, dass dem PCAOB als überwachende Kontrollinstanz auch Sanktionsauthorität zu- gesprochen wird, wodurch es im Falle von Verstößen gegen die Regelungen des SOX Strafen gegenüber den betreffenden Unternehmen verhängen kann.21Zugleich ergeben sich aufgrund der Einführung des PCAOB auch Änderungen für die Wirtschaftsprü- fungsgesellschaften. Demnach müssen gem. SOX Section 101 (C 1) alle wirtschaftsprü- fenden Gesellschaften, die mit der Prüfung der Bilanzen und Abschlüsse von Börsenun- ternehmen beauftragt werden oder in diesen Unternehmen sonstige Dienstleistungen erbringen, beim PCAOB registriert werden.22Zudem entwickelte der PCAOB in der Folgezeit tiefgreifendere Standards und Vorschriften hinsichtlich der wirtschaftlichen Prüfung börsennotierter Unternehmen. Maßgeblich ist hier allen voran der obligatori- sche PCAOB-Wirtschaftsprüfungsstandard, der im Jahr 2004 zudem von der SEC zuge- lassen wurde.23Überdies ist es dem PCAOB gestattet, anderweitige Standards der Wirt- schaftsprüfung anzupassen oder als unzulässig zu deklarieren, sofern diese der Sicher- stellung des Anleger- und Investorenschutzes entgegenstehen.24

3.2 (III) Corporate Responsibility

Der dritte Abschnitt definiert die Pflicht der Unternehmen zur Übernahme von Verant- wortung gegenüber den Gläubigern und Investoren, wobei im Vergleich zu vorherigen Gesetzesgrundlagen hier eine deutliche Verschärfung und Ausweitung dieser Verant- wortung festgelegt wird.25Besonders in die Pflicht genommen werden gem. Section 302 der CEO und CFO börsennotierter Unternehmen. Diese müssen versichern, dass die Bilanzen und alle weiteren Finanzinformationen des Unternehmens hinsichtlich der dargestellten finanziellen Ausgangslage, Ergebnisse und Cash Flows der tatsächlichen Unternehmenssituation entsprechen und auf Basis verlässlicher Daten ermittelt wur- den.26Zugleich erklären sie sich zur Übernahme der persönlichen Verantwortung für die adäquate Umsetzung interner Kontrollen und die Aufstellung des Jahresabschlusses gem. der Vorgaben des US-GAAP bereit.27Sofern die Evaluation des internen Kontroll- systems und die Prüfung der Einhaltung der geforderten Standards, welche beide quar- talsweise durchzuführen sind, Fehler oder anderweitige Auffälligkeiten aufweisen, muss das Unternehmensmanagement diese unverzüglich melden respektive öffentlich ma- chen.28

3.3 (IV) Enhanced Financial Disclosures

Innerhalb des vierten Abschnitts des SOX finden sich umfassende Regelungen bzgl. der Erweiterung der Veröffentlichungspflichten von Informationen zur Finanzsituation des Unternehmens, wobei dies auch den Management Report on Internal Control over Fi- nacial Reporting betrifft, der u. a. die Etablierung und Überwachung eines internen Kontrollsystems für die finanzielle Berichterstattung festsetzt.29Geregelt sind diese Pflichten in Section 404, wobei letztere im Rahmen von Wissenschaft und Praxis häufig Gegenstand kritischer Diskussionen ist - nicht zuletzt aufgrund der enormen Kosten, die bei den Unternehmen für die Einführung und Pflege der geforderten Überwachungs- und Kontrollinstrumente resultieren.30Die im Rahmen der regelmäßigen Prüfung und Überwachung gewonnenen Informationen sind sodann einem eigens dafür aufzustellen- den Prüfungskomitee zu übermitteln.31Ferner schreibt Section 401 die Pflicht vor, sämt- liche außerbilanziellen Transaktionen und nicht fest mit dem Unternehmen verknüpfte Einheiten in den Quartals- und Jahresberichten offenzulegen, sofern diese ökonomi- schen Einfluss auf das Unternehmen haben könnten bzw. haben werden.32Analog zu Abschnitt III kommt auch hier sowohl dem CEO als auch dem CFO eine Schlüsselrolle zu, denn ihnen wird hinsichtlich der regelmäßigen Effektivitätsüberwachung der Internen Revision die Hauptverantwortung übertragen.33

[...]


1Vgl. Volkwein (2014), S. 11-12.

2Vgl. Caspar und Roth (2003), S. 131.

3Vgl. Emmerich und Schaum (2003), S. 677.

4Vgl. Starke (2006), S. 1.

5 Vgl. Moritz und Gesse (2005), S. 5.

6Vgl. Carroll (2006), S. 443-444.

7Vgl. Wilda (2004), S. 678.

8Vgl. Kasserer et al. (2011), S. 127.

9Vgl. Coates (2007), S. 91.

10Vgl. Menzies (2004), S. 13.

11Vgl. Moritz und Gesse (2005), S. 6.

12 Vgl. Gruson und Kubicek (2003), S. 340.

13Vgl. Caspar und Roth (2003), S. 132.

14Vgl. ebd.

15Vgl. Moritz und Gesse (2005), S. 7.

16Vgl. Glaum et al. (2006), S. 19-26.

17Vgl. Hülsberg und Brandt (2008), S. 898.

18Vgl. ebd.

19 Vgl. Menzies (2004), S. 14-15.

20Vgl. Jahmadi und Dowling (2008), S. 58.

21Vgl. Huber (2013), S. 647.

22Vgl. Shakespeare (2008), S. 351.

23Vgl. Zhang (2007), S. 79.

24Vgl. Jahmadi und Dowling (2008), S. 58.

25 Vgl. Moritz und Gesse (2005), S. 32.

26Vgl. Holmes und Neubecker (2006), S. 25.

27Vgl. ebd.

28Vgl. Zhang et al. (2007), S. 303.

29Vgl. Moritz und Gesse (2005), S. 32.

30Verwiesen sei bzgl. der kritischen Auseinandersetzung mit Section 404 beispielhaft auf die Arbeiten von Glaum et al. (2006), McEnroe (2009) sowie Singer und You (2011).

31Vgl. Kasserer et al. (2011), S. 127.

32 Vgl. Jahmadi und Dowling (2008), S. 58.

33Vgl. Fischer et al. (2014), S. 44.

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668462182
ISBN (Buch)
9783668462199
Dateigröße
799 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367772
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Schlagworte
sarbanes-oxley überblick änderungen folgen

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