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Kulturfinanzierung in Italien

Hausarbeit 2017 18 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einführung

II. Ein Ansatz zur Erklärung des Kulturbegriffes
II.I. Kultur in der Zeit der Globalisierung
II.II Kultur in der Ideologie und Praxis des italienischen Faschismus

III. Finanzierung der Kultur
III.I. Mediterrane kulturelle Diät
III.II Quellen der Finanzierung

IV. Schlussteil

V. Literaturverzeichnis

I. Einführung

Auf unserem Planeten sind im Laufe der Zeit die verschiedensten Kulturen entstanden. Das heutige kulturhistorische Erbe dieser, ist das Spiegelbild der Entwicklung der modernen Gesellschaften. Jedes Element der Kultur eines Landes ist einzigartig und spiegelt seine Seele, sprich die Normen, Werte, seine Vergangenheit, seine Gegenwart und sein Bestreben für die Zukunft wieder.

Das Land Italien ist wie ein riesiges Museum - jede Stadt in Italien könnte ein kulturelles Zentrum darstellen. Eine Menge von Baudenkmälern Italiens, hervorgehend aus verschiedenen Epochen seiner Geschichte, fügen sich harmonisch in die malerische Landschaft ein. Doch kann man die Seele Italiens nicht nur an den Baudenkmälern erkennen. Die Seele eines Volkes lebt in der Musik, in der Küche und in heißem Temperament seiner Bewohner.

Der Staatshaushalt und die Währung - sind der Indikator der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Situation des Landes. Fragen nach den öffentlichen Finanzen, des Staatshaushaltes, des Geldumlaufes im Land, wurden immer im Interesse der Wissenschaft und Wirtschaft durch die Ökonomen diskutiert. Ein sehr aktuelles Thema in modernen Gesellschaften ist die Einführung von neuen Märkten in allen Lebensbereichen der modernen Gesellschaft und die Entwicklung des modernen Haushaltssystems, als eine der wichtigsten Institutionen des Staates. Seit geraumer Zeit, wird mit der Verfügung über staatliche finanzieller Ressourcen, ein Staatshaushalt erstellt, der es ermöglicht die staatlichen Organe zu unterhalten, damit diese ihre Pflichten und Funktionen rechtmäßig erfüllen können. Das Haushaltssystem reguliert die wirtschaftliche und soziale Prozesse im Interesse der Gesellschaft. Durch eine Krise in der Wirtschaft, einer Komplikation in der Finanzierung von Ministerien und Ämtern, würde es an Mitteln mangeln, die Kultur in der Gesellschaft aufrecht zu erhalten und das Kulturerbe zu sichern. Der italienische Staat hat seine Wirtschaft lange nicht mehr unter Kontrolle. Jedes Jahr wird mit allen Mitteln versucht den Haushaltsdefizit auszugleichen (siehe statista.com 2016)

In den letzten Jahren erlebt man immer wieder wie es in Italien zu Protestaktionen kommt, die von der Reduzierung des Budgets für den kulturellen Bereich verursacht werden. Im meiner Hausarbeit möchte ich zu nächst versuchen den Begriff der Kultur zu erklären. Wichtig ist mir dabei, die Verbindung zwischen dem Kulturbegriff und dem aktuellen Geschehen in Italien herzustellen.

Außerdem werde ich mich mit der Kultur im italienischen Faschismus (1921-1940) beschäftigen. Die zentrale Fragestellung richtet sich jedoch auf die Finanzierung der Kultur in der heutigen Zeit. Es ist zwar einfach zu sagen, dass der Staat nicht mehr über genügend Mittel verfügt um den Bereich der Kultur genügend finanzieren zu können, jedoch möchte ich diesen Problemfall vertiefen und der Ursache auf den Grund gehen. Ich werde versuchen die Tendenzen zu deuten und die Auswirkung dieser auf die Zukunft interpretieren. Die Frage hier ist: Was wird mit Italiens Kulturerbe in den nächsten Jahren passieren? Welche Quellen zur Finanzierung der Kultur gibt es in Italien? Und zu guter Letzt aus welchem Grund findet man seit Jahren keine Lösung?

II. Ein Ansatz zur Erklärung des Kulturbegriffes

Der Begriff „Kultur“ kommt von dem lateinischen Wort „cultura". Verwandt ist der Begriff mit den Wörtern „praecolere" (vorarbeiten), „recolere" (wiederherstellen) oder „agri culta" (bestellte Äcker). Der Begriff „Cultura" bezieht sich also auf die Agrartätigkeit. In Begriffen wie Obst-, Misch- oder Monokultur erkennt man heute noch den agrarischen Ursprung der Kultur. Allerdings wird heute „Kultur“ meistens in Verbindung mit Kunst gebracht.

Die Kultur bestimmt das Niveau der Entwicklung einer Gesellschaft und deren Menschen, ausgedrückt in den Arten und Formen der Organisation des Lebens und der Aktivitäten. Der Begriff der Kultur wird verwendet, um Eigenschaften der materiellen und geistigen Ebene der Entwicklung von bestimmten historischen Epochen, sozioökonomischen Formationen, bestimmten Gesellschaften, Völkern und Nationen (z.B. die Antike Kultur, die Kultur der Maya), sowie die spezifischen Tätigkeitsbereiche oder Leben (Kultur, Arbeit, Kunst, das Alltagslebens) zu bestimmen. Im engeren Sinne bezieht sich der Begriff «Kultur» nur auf den Bereich des geistigen Lebens der Menschen. Generell verbindet die Kultur Kunst, Religion und Wissenschaft (usw.) in sich.

Nach Sackmann (2002) lässt sich Kultur definieren als die von einer Gruppe gemeinsam gehaltenen grundlegenden Überzeugungen, die für eine Gruppe insgesamt typisch sind. Die Kultur einer Einheit beeinflusst Wahrnehmung, Denken, Handeln und Fühlen der Gruppenmitglieder und kann sich in ihren Handlungen und Artefakten manifestieren (siehe: Sackmann 2002). Demnach ist die Kultur ein System, welches Wertevorstellungen und Normen abspeichert und von Generation zu Generation weitergibt. Heutzutage kann man Kultur aber auch als ein soziales Modell betrachten, welches durch die Kommunikation der Gesellschaft entsteht. Der Begriff der Kultur, ist nicht 100% zu definieren, da seine Eigenschaften sich ständig verändern können. Es ist also kein starrer Begriff, sondern einer der sich mit der Zeit in verschiedene Richtungen entwickeln kann. So muss man heutzutage berücksichtigen, dass wir uns im Zeitalter der Medien und Massenkommunikation befinden. Aus diesem Grund ist Kultur heute mehr als ein Träger von Kunst und Musik, sondern wie bereits erwähnt auch ein soziales Modell (siehe Schenk 1987).

Gerade die Kultur unterscheidet den Menschen von allen anderen Wesen. Der Begriff der Kultur bezeichnet die universelle Beziehung des Menschen zur Welt, durch den sich der Mensch die Welt und ein Bild von sich selbst erschafft. Jede Kultur ist ein einzigartiges Universum für sich. Mit anderen Worten, durch die Erforschung der verschiedenen Kulturen, untersuchen wir nicht nur die Bücher, Kathedralen oder archäologische Funde, - wir entdecken andere Welten.

Jede Kultur gibt dem Menschen die Möglichkeit sich selbst kreativ zu verwirklichen. Aus diesem Grund ist das Entdecken anderer Kulturen nicht nur eine Bereicherung unserer praktischer Kenntnisse, sondern auch eine neue Erfahrung der künstlichen Darstellung. Die Entdeckung anderer Kulturen, bringt nicht nur neue Erfindungen (Autos, Smartphones, Computer usw), sondern auch neue Fähigkeiten (das Niveau der intellektuellen, ästhetischen und moralischen Entwicklung, Möglichkeiten und Formen der gegenseitigen Kommunikation zwischen Menschen als Teil des Kollektivs und der Gesellschaft).

Ein Mensch erstellt und verwendet die Dinge und Ideen in der Welt, die ihn umgeben. Der Mensch schafft die Kultur, reproduziert und benutzt diese als Mittel für seine eigene Entwicklung. „Der Mensch ist von kulturellen, selbstgeschaffenen Dingen umgeben, die seine Wahrnehmungen und Handlungen nicht nur prägen, sondern bedingen.“[1] Der Begriff der Kultur umfasst alle materiellen und immateriellen Produkte der menschlichen Tätigkeit, anerkannte Werte und Verhaltensweisen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

II.I Kultur in der Zeit der Globalisierung

Kultur ist ein Produkt der menschlichen Tätigkeit und kann ohne Gemeinschaft von Menschen nicht existieren. Diese Gemeinschaft repräsentiert die Kultur und ist gleichzeitig Schöpfer und Träger. Die Nationen schaffen und bewahren Ihre Kultur als ein Symbol der Umsetzung Ihrer Rechte. Die kulturellen Produkte einer Nation sind: die Werte und Normen, die Sprache, ihre Schriften, die Kunst, die Poesie, die Gerechtigkeit, die Religion und die Moral.

Das wichtigste Ziel einer Nation sollte die Erhaltung der Souveränität des Staates sein. Die Kultur eines Nationalstaates bereichert sich, indem sie mit anderen Völkern oder Nationen interagiert. Persönliche Freiheit, ein hohes Niveau von sozialen Beziehungen und soziale Solidarität etc. — das sind die Grundwerte, die die Existenz jedes kleinen Volkes aufrechterhalten.

Die Nationen sind in der Zeit der Globalisierung dazu gezwungen sich den herrschenden politischen und wirtschaftlichen Systemen anzupassen, sodass der Eindruck entsteht, es gebe keine politische oder wirtschaftliche Vielfalt mehr. Dieser Theorie nach, verschmelzen alle Kulturen zu einer Einzigen und die kulturelle Vielfalt stirbt ebenfalls ab. Das ist einer der vielen negativen Tendenzen der Globalisierung. Schwächere Staaten mit einer einzigartigen Kultur, werden zum Lieferanten von Rohstoffen oder landen auf dem Absatzmarkt. Diesen Staaten bleibt der weitere Fortschritt verwehrt, sie können keine eigene Wirtschaft aufbauen und haben einen geringen Zugang zu neuen Technologien. Des Öfteren verlieren die „schwächeren“ Staaten an Souveränität. „Von der Globalisierung werden die Regierungen in ihrem bisherigen Rollenverständnis grundlegend herausgefordert. Die Globalisierung verändert die Rangordnung unter den Staaten und setzt neue Themen auf die politische Tagesordnung. Sie ist aber keine äußere, anonyme Macht, die sich der Beherrschung durch Gesellschaften und Staaten entzieht. Sie ordnet die Welt neu, gewiss; aber zugleich wird sie beeinflusst durch die politischen Entscheidungen von Staaten und anderen internationalen Akteuren.“[1]

Ein wichtiger Teil einer Kultur ist die Wertorientierung. Die Werte einer Gesellschaft, beinhalten sowohl ihre Ziele als auch die Mittel die sie dazu verwenden kann. Die grundlegen Normen einer Gesellschaft erleichtern auch die Integration und Sozialisierung für andere Mitglieder, sie helfen einem Individuum von der Gesellschaft berechtigte Entscheidungen zu treffen. Die Werte einer Gesellschaft dienen als soziale Indikatoren der Lebensqualität.

Das Wertesystem bildet den inneren Kern der Kultur, der geistigen Quintessenz der Bedürfnisse und Interessen der Individuen und sozialen Gemeinschaften. Ein Mitglied einer Gemeinschaft wird von den Werten und Normen beeinflusst, denn diese sind die wichtigste Motivation des sozialen Handelns.

In jeder Kultur gibt es also ein Wertesystem, die Werte in diesem System stehen in einem hierarchischen Verhältnis zu einander, sprich es gibt Prioritäten. Doch in der Zeit der Globalisierung ist die Welt der menschlichen Werte von verschiedenen widersprüchlichen Veränderungen betroffen. Doch es heißt nicht, dass eine Krise im Wertesystem, seine totale Zerstörung bedeutet, vielmehr ist dies als eine Entwicklung oder Veränderung der inneren Strukturen zu betrachten. Das heißt: Die Werte sind nicht verschwunden, sie haben sich nur stark verändert.

Die Kultur hilft den Menschen also sich zu sozialisieren, sich mit seinesgleichen zu identifizieren. Das Thema der Identitäten ist heutzutage sehr aktuell. Als Individuum identifiziert man sich mit der Vergangenheit seiner Gemeinschaft. Aus diesem Grund sind Institutionen wie Museen, Theater, Opern usw. von hoher Wichtigkeit, denn sie sind die Träger des Vergangenen. Sie helfen sich zu erinnern, sich bilden das Individuum.

Das Erwachen des nationalen Bewusstseins, welches man in der heutigen Zeit überall auf der Welt, aber vor allem in Europa erlebt, wird verursacht durch eine unnatürliche Verschmelzung der Nationen. Heutzutage erleben wir verschiedene Migrationsbewegungen, zum Beispiel aktuell die Migration der Menschen aus dem Kriegsgebiet der ISIS. Die Migration von Mitgliedern anderer Kulturen und Gemeinschaft führt dazu, dass die verinnerlichten Werte und Normen dieser Gesellschaft im Kontakt mit denen des Gastlandes treten. Nach Bourdieu gibt es drei Formen vom kulturellen Kapital: das verinnerlichte, objektivierte und institutionalisierte Kapital (siehe Bourdieu 1983). Wir sprechen hier von verinnerlichtem Kapital, bei dem die Intensität der Verinnerlichung der neuen Wertevorstellung von der Anzahl der Eingewanderten und von der Länge ihres Aufenthaltes abhängt.

Viele Bürger eines Landes, kriegen dadurch das Gefühl ihre Kultur, also die Traditionen, Normen und Werte beschützen zu müssen. So suchen viele Menschen nach einer Identität die verbunden mit ihrem Herkunftsland, was wieder zu gefährlichen Bewegungen führen kann (siehe Brandanschlag auf Flüchtlingsheime in Sachsen-Anhalt).

[1] Arbeitskreis Kultur- und Sozialphilosophie (Hg.) Der Begriff der Kultur Kulturphilosophie als Aufgabe, 2013, Einleitung

[1] Zeit-online: „Das Ende der Souveränität: Europa und die US müssen sich neu erfinden“, erschienen am 08.04.2010, verfasst von Tommaso Padoa-Schioppa

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668461697
ISBN (Buch)
9783668461703
Dateigröße
833 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367755
Institution / Hochschule
Internationale Universität Bremen – Ethnologie Institut Bremen
Note
1,0
Schlagworte
Kulturwissenschaften Italienisch Wirtschaft Finanzierung der Kultur Kulturfinanzierung Pompei ottopermille lotteria italiano cultura politica Politik

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Titel: Kulturfinanzierung in Italien