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Konzept der Identitätsbildung nach Erikson im Vergleich zu modernen Ansätzen der Identitätsforschung

Hausarbeit 2017 10 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse
2.1. Ich- Identität nach Erikson
2.2. Balancierende Identität nach Krappmann
2.3. Patchworkidentität nach Keupp

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gerade in der heutigen Zeit, in der Smartphone, Internet und Laptop zum täglichen Be- gleiter werden, nehmen wir durch die Bildschirme zahlreiche Einflüsse, Meinungen, Werte und Normen auf. Viele Menschen wissen durch diese Überflutung von Reizen nicht mehr, welche Normen und Werte sie für richtig halten sollen oder an welchen sie sich orientieren können. Gerade bei Jugendlichen, die bekanntermaßen in der Pubertät stecken und somit die eigene Identität erst finden müssen, kann dies zu Problemen führen. Auf viele von ihnen wirkt die Masse an Informationen, Werten und Normen ge- radezu überwältigend, wobei sie dies vielleicht noch nicht einmal direkt merken. Dies kann jedoch zu Problemen in der Identitätsbildung führen, denn diese muss erst noch gebildet werden und gerade das Jugendalter ist eine sehr sensible Phase dafür. Doch was ist eigentlich Identität und wie wird sie vom Individuum gebildet ? Diese Fragen sollen in dieser Hausarbeit bearbeitet werden.

Erik H. Erikson, ein bekannter Psychoanalytiker hat in den 1960er Jahren ein Modell zur Identitätsbildung in Form der Krisenbewältigung entworfen. Dieses Konzept soll die Grundlage dieser Arbeit werden. Da dieses Konzept aber schon einige Jahre alt ist, soll es nun auf seine Gültigkeit in der heutigen Zeit überprüft werden. Durch veränderte Normen und Werte, sowie einige andere veränderte Lebensbedingungen wie Schnell- lebigkeit, Pluralismus, Änderung der Familienstruktur und soziale Medien wurden zahlreiche andere Konzepte zur Identitätsbildung entworfen. Das Konzept der Iden- titätsbildung nach Erikson soll nun mit moderneren, wie dem der Patchworkidentität nach Keupp und dem der balancierenden Identität nach Krappmann verglichen werden. Zunächst wird die Identitätsbildung nach Erikson erläutert und auf deren wesentliche Punkte zusammengefasst. Darauf folgend werden die Konzepte der balancierenden Identität und der Patchworkidentität erläutert, miteinander und dem Konzept der Ich- Identität verglichen. Zuletzt soll ein Fazit die Hausarbeit zusammenfassen und abrunden.

2. Analyse

2.1. Ich- Identität nach Erikson

Erik Homburger Erikson wurde 1902 in Frankfurt am Main geboren und starb 1994 in den USA. Zu seinen Lebzeiten und auch heute noch war und ist er einer der bekanntesten Psychoanalytiker. Nach dem Abitur studierte er an der Kunstakademie. Später lernte er Anna Freud kennen, die Tochter von Sigmund Freud. Er lernte bei ihr und ließ sich zum Psychoanalytiker ausbilden. Eines seiner bedeutendsten Werke ist das psychosoziale Entwicklungsmodell (Conzen, 1996, S. 19, 25, 28).

Schaut man sich den Begriff der Identität näher an, merkt man, dass man nicht so ein- fach eine Definition finden kann, die alles umschreibt. Für viele Laien ist Identität das Selbstbild, der Charakter sowie die Wertvorstellungen, Stärken und Schwächen eines Menschen. Erikson beschreibt Identität jedoch als Ich- Identität, „im Sinne eines subjek- tiven Empfindens, […] das Gefühl […] im Besitz […] [der] körperlichen und geistigen Kräfte [zu sein]“ (Conzen, 1996, S. 55). Weiterhin beschreibt er, dass Identität nie etwas stagnierendes, sondern immer etwas kontinuierliches sei (vgl. Conzen, 1996, S. 55). Dies bedeutet demnach, dass die Identität immer eine Momentaufnahme im Lebens ist und sich nicht wie Persönlichkeit über das ganze Leben hinweg herausbilden kann. Darüberhinaus sei Identität immer von wechselseitigen Beziehungen geprägt, die sowohl das innerliche Selbst, als auch bestimmte gesellschaftlich Züge umfasse (vgl. Dimbath, 2012, S. 190). Zuletzt geht Erikson davon aus, dass der Mensch „aktiv [ist, sich von] andere[n] aktivieren [lässt] und […] durch schwierige Lagen nicht passiv oder un- tätig [geht]“ (Conzen, 1996, S. 64). Auf diesen Annahmen baut Erikson sein acht Stufen Modell der psychosozialen Entwicklung auf.

Das Modell zeigt das Leben des Menschen aufgeteilt in acht Phasen. In jeder Phase gebe es eine Hauptkrise, die das Individuum bewältigen müsse. Angefangen mit dem Säuglingsalter, welche eine der wichtigsten Phasen sei. Dort gelte es, die Krise „Urver- trauen gegen Urmisstrauen“ zu bewältigen. Die Krise sei für das Individuum besonders bedeutsam, da dort der Grundstein für die Beziehung zwischen Mutter/ Vater und Kind aufgebaut werde. Das Kind lerne ein grundlegendes Gefühl der Anerkennung und Liebe aufzubauen (vgl. Erikson, 1973, S. 150, 214, 215). Im Kleinkindalter bewege sich das Kind in der Krise „Autonomie gegen Scham und Zweifel“, in der sich das Kind von der Mutter löse und sich als eigenständiges autonomes Wesen betrachte (vgl. Erikson, 1973, S. 150, 214, 215). Von dort aus gehe es in das Spielalter, in der sich das Kind mit der Krise „Initiative gegen Schuldgefühl“ auseinandersetzen müsse (vgl. Erikson, 1973, S. 150, 214, 215). Dort ist es wichtig, dass sich das Kind Dinge zutraut und und dabei nicht nur Schuldgefühle zeigt, weil es vielleicht etwas falsch gemacht hat. Im Schulalter bekomme das Kind dann einen größeren Beziehungsrahmen wie zum Beispiel die Schule oder Wohngegend. Dort lerne es die Krise „Werksinn gegen Minderwertigkeits- gefühle“ zu bewältigen (vgl. Erikson, 1973, S. 150,214, 215). Hier geht vor allem darum, dass das Kind gerne neue Dinge lernt und aktiv wird, anstatt sich minderwertig und nutzlos vorzukommen, weil es vielleicht nicht alles kann. Im Folgenden beginne die Adoleszenz, auch Jugendalter genannt. Mit diesem Alter hat sich Erikson besonders auseinander gesetzt, da es dort um die Krise „Identität gegen Identitätsdiffusion“ gehe. Neben dieser Krise würden dort auch alle anderen Krisen aus den entsprechenden Phasen in ähnlicher Form wieder auftreten. Das mache die Jugendphase so besonders und komplex. Dort gehe es aber vor allem um die Elemente der Identität, um die Frage „Wer bin ich ?“ und um das „Ich“ in der Gemeinschaft. Dies ist ein zentraler Punkt in seiner Theorie, in der es vor allem um die Bildung der Ich- Identität geht. Das finde demnach hauptsächlich in der Adoleszenz statt. Doch auch in den weiteren Krisen wür- den Identitätsprobleme gelöst (vgl. Erikson, 1973, S. 151, 214, 215). Im frühen Erwach- senenalter gehe es darum, die sexuelle Orientierung zu finden („Intimität gegen Isolierung“) (vgl. Erikson, 1973, S. 151, 214, 215). Das Erwachsenenalter behandle die Krise „Generativität gegen Selbstabsorption“. Hiermit möchte Erikson ausdrücken, dass das Individuum in seiner Arbeit/ Aufgabe aufgehe und das Zusammenleben in der Ehe ein glückliches sei (vgl. Erikson, 1973, S. 151, 214, 215). In der letzten Krise „Integrität gegen Lebensekel“ werde es für das Individuum wichtig, eine Aufgabe zu haben, sich nicht vor dem Tod zu fürchten, sondern Freude am Leben zu haben und sich in die Gesellschaft zu integrieren (vgl. Erikson, 1973, S. 151, 214, 215).

All diese Krisen würden nacheinander vom Individuum gelöst und basieren auf einem epigenetischen Prinzip. Das bedeutet, dass im Fall einer fehlerhaft abgeschlossen Krise, alle darauffolgenden Krisen ebenfalls nicht richtig bewältigt werden können (vgl. Erikson, 1973, S. 149).

Zusammenfassend lässt sich zu Erikson sagen, dass er die Identitätsbildung als eine Krisenbewältigung ansieht, in der Individuum und Gesellschaft in einer Wechselbeziehung stehen. Außerdem muss das Individuum aktiv sein. Das heißt, es kann nur selbst die eigene Identität bilden, es kann nicht von außen geschehen.

2.2 Balancierende Identität nach Krappmann

Lothar Friedrich Krappmann ist ein bekannter deutscher Pädagoge und wurde 1936 in Kiel geboren. Zu seinen Arbeitsthemen gehört vor allem die Identitätsforschung.

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Details

Seiten
10
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668460751
ISBN (Buch)
9783668460768
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367665
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,3
Schlagworte
konzept identitätsbildung erikson vergleich ansätzen identitätsforschung

Autor

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