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Methodenkritische Stellungnahme zur Studie „Ain’t no makin‘ it“ von Jay MacLeod

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 28 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsprozess

3. Ergebnisse

4. Schlussfolgerung

5. Beschreibung der Methoden
I. Die Stichprobe
II. Die Erhebungsmethoden
a) Beobachtungen
b) Gruppendiskussionen
c) Interviews
III. Die Analysemethoden

6. Bewertung der Methoden
I. Erhebungsmethoden
a) Beobachtungen
b) Gruppendiskussionen
c) Interviews
II. Analysemethoden
III. Bewertung der Methoden anhand von Gütekriterien

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit untersucht die Methoden der Studie „Ain’t no makin‘ it“ von Jay MacLeod und betrachtet sie kritisch. Die Studie erforscht Jugendliche des sozialen Wohnungsbaus „Clarendon Heights“ und wie soziale Ungleichheit in ihrem Fall reproduziert wird. Dabei führte MacLeod Interviews, Gruppendiskussionen und Beobachtungen mit zwei unterschiedlichen Gruppen von männlichen Jugendlichen durch. Die neueste Ausgabe von „Ain’t no makin‘ it“ beschreibt eine Ausgangsstudie und zwei im Abstand von acht bzw. 15 Jahren durchgeführte Folgestudien, bei denen die gleichen Jugendlichen befragt wurden. Jedoch konzentriert sich meine Analyse ausschließlich auf die erste Studie von 1987.

Die Studie „Ain’t no makin‘ it” wurde gewählt, weil es sich hierbei um einen soziologischen Klassiker handelt. Jay MacLeod hat einen bedeutenden Beitrag zur Forschung über soziale Reproduktion geleistet (Brisman 2009: 231). Darüber hinaus trägt der Einsatz qualitativer Methoden dazu bei, dass der Prozess der Reproduktion sozialer Ungleichheit veranschaulicht wird.

Im Folgenden wird zuerst der Forschungsprozess von MacLeod skizziert. Als Nächstes werden die Ergebnisse der Studie zusammengefasst. Darauf folgt die methodische Analyse der Studie „Ain’t no makin‘ it“. Dabei wird zuerst die Stichprobe genauer betrachtet. Daraufhin werden die Erhebungsmethoden beschrieben. Diese gliedern sich in Beobachtungen, Gruppendiskussionen und Interviews. Schließlich werden die Analysemethoden dargestellt. Hier ging MacLeod scheinbar nach der Grounded Theory vor. In den darauffolgenden Abschnitten werden die Methoden bewertet. Zuerst werden dabei die Erhebungsmethoden und dann die Analysemethoden evaluiert und im Anschluss wird eine allgemeine Bewertung der Methoden gemessen an gängigen Gütekriterien der Sozialforschung vorgenommen. Zuletzt erfolgt eine Zusammenfassung.

2. Forschungsprozess

Das Forschungsproblem der Studie „Ain’t no makin‘ it“ von Jay MacLeod ist die Reproduktion sozialer Ungleichheit. Dabei erforscht er, welche Rolle der verschiedenen Ambitionen der Jugendlichen bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit zukommt und sucht nach Gründen für diese unterschiedlichen Ambitionen. Er baut dabei auf verschiedenen Theorien zur sozialen Reproduktion auf. Hier betrachtet er die Theorien von Samuel Bowles und Herbert Gintis, Pierre Bourdieu, Basil Bernstein und Shirley Brice Heath, Paul Willis und Henry Giroux (MacLeod 2009: 12-22). Da die Bedeutung des Begriffes „Ambition“ unklar ist, spezifiziert MacLeod das Konzept der Ambition und grenzt es von Erwartung ab. Obwohl es sowohl bei Ambitionen als auch bei Erwartungen um eine Beurteilung von Fähigkeiten und Wünschen geht, stehen bei den beiden Begriffen andere Aspekte im Vordergrund. Während bei Erwartungen die eigenen Fähigkeiten und die eingeschätzten Chancen am höchsten gewichtet werden, spielen bei den Ambitionen die eigenen Vorlieben eine größere Rolle (MacLeod 2009: 62). Genauer betrachtet, wurden die drei Bereiche Familie, Schule und Arbeit. Diese drei Bereiche beeinflussen die Jugendlichen maßgeblich und haben große Auswirkungen auf ihre Ambitionen. Die Auswahl der untersuchten Personen folgte keinen bestimmten theoretischen Überlegungen, sondern beruhte auf den Zugang MacLeods zu diesen Personen. In seiner Arbeit als Jugendarbeiter in einem sozialen Wohnungsbau namens Clarendon Heights (MacLeod 2009: 4), fielen ihm zwei Gruppen männlicher Jugendlicher auf, die sich in ihren Einstellungen, ihrem Verhalten und ihren Zukunftshoffnungen sehr unterschieden (MacLeod 2009: 6) und er beschloss diese genauer zu erforschen. Die Datenerhebung erfolgte ausschließlich durch qualitative Methoden. Insbesondere machte er Beobachtungen und führte Gruppendiskussionen durch. Darüber hinaus führte er auch informelle und semi-strukturierte Interviews mit den Jungen, den Eltern, den Lehrern und Beratern. Dabei führte er mit jedem Jungen Einzelgespräche (MacLeod 2009: 9). Diese Daten wurden anschließend schriftlich erfasst und strukturiert (MacLeod 2009: 478). Zwischendurch analysierte und organisierte er die Daten und suchte nach Mustern. Dies half ihm bei seinem weiteren Vorgehen (MacLeod 2009: 479). Für die Datenanalyse scheint MacLeod von Elementen der Grounded Theory Gebrauch gemacht zu haben. Im Anschluss verglich er seine Ergebnisse mit den Theorien zur sozialen Reproduktion.

3. Ergebnisse

MacLeod unterteilte die Darstellung der Ergebnisse in folgende Abschnitte: die Charakterisierung beider Gruppen und die Einflüsse der Familie, der Schule und der Arbeitswelt auf die Jugendlichen. Daraus erschloss McLeod die Gründe für die verschiedenen Ambitionen der beiden Gruppen und bezog seine Ergebnisse auf die Theorien zur sozialen Reproduktion.

Die eine Gruppe nennt er „Hallway Hangers“, da die Mitglieder dieser Gruppe meistens in einem bestimmten Gang der Clarendon Heights aufzufinden waren (MacLeod 2009: 6). Die Mitglieder waren zum Zeitpunkt der Untersuchung zwischen 16 und 19 Jahre alt. Der Großteil der Gruppe ging nicht zur Schule und verbrachte stattdessen die Zeit damit, in dem Gang Bier zu trinken, Zigaretten und Joints zu rauchen sowie auch härtere Drogen zu nehmen (MacLeod 2009: 27) und sich gegenseitig zu beschimpfen (MacLeod 2009: 29). Um Anerkennung innerhalb dieser Gruppe zu erreichen, mussten die Jugendlichen beweisen, dass sie hart sind und an Schlägereien teilnehmen. In dieser Gruppe verlieh der Besuch im Gefängnis den Respekt der Gruppe (MacLeod 2009: 28). Einige Mitglieder der Hallway Hangers hatten schon Probleme mit der Polizei aufgrund von gestohlenen Autos, Alkohol- und Drogenkonsum, Drogenhandel und Körperverletzung (MacLeod 2009: 31-32). Fast alle Mitglieder der Hallway Hangers sind weiß (MacLeod 2009: 6) und haben starke Abneigungen gegen Schwarze (MacLeod 2009: 37). Dies äußerte sich oft durch rassistische Kommentare auch gegenüber ihren zwei schwarzen Mitgliedern (MacLeod 2009: 39). Sie zeigten aber starke Loyalität gegenüber anderen Mitgliedern ihrer Gruppe, gingen Risikos füreinander ein und teilten miteinander (MacLeod 2009: 36-37).

Die zweite Gruppe nannten sich selbst die „Brothers“ (MacLeod 2009: 6). Im Gegensatz zu den Hallway Hangers sind hier alle Mitglieder schwarz mit einer Ausnahme. Die Brothers konsumierten kein Alkohol oder sonstige Drogen und rauchten nicht. Sie gingen in die Schule (MacLeod 2009: 45) und verbrachten ihre Freizeit oft damit, Basketball zu spielen (MacLeod 2009: 47). Die Brothers wurden oft von den Hallway Hangers mit rassistischen Kommentaren beleidigt, doch meistens ignorierten sie diese (MacLeod 2009: 48).

Um die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zu erklären und diese besser zu verstehen, untersuchte MacLeod verschiedene Bereiche: die Familie, die Arbeit und die Schule. Die Mitglieder beider Gruppen wohnten in zerrütteten Familien, mit Eltern, die niedrige Bildungsabschlüsse haben und entweder einfachen ungelernten Jobs nachgingen oder arbeitslos waren (MacLeod 2009: 56). Dennoch bestanden auch einige Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Während die Familien der meisten Brothers erst seit 5 -13 Jahre in Clarendon Heights wohnten (MacLeod 2009: 57), waren die Familien der meisten Hallway Hangers schon mehr als doppelt so lange in Clarendon Heights (MacLeod 2009: 54). Durch diese lange Verweildauer entstanden Gefühle von Hoffnungslosigkeit, Stagnation und Immobilität (MacLeod 2009: 57). Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Erwartungen der Eltern. Die Eltern der Hallway Hangers hatten nur niedrige Hoffnungen für ihre Kinder und überließen ihnen die Entscheidung über ihre Zukunft. Sie griffen auch allgemein nur wenig in das Leben ihrer Kinder ein (MacLeod 2009: 57). Die Eltern der Brothers auf der anderen Seite, hatten hohe Erwartungen an ihre Kinder. Sie erwarteten gute akademische Leistungen und hofften auf zukünftigen beruflichen Erfolg der Kinder. Einige wünschten sich, dass ihr Kind einen Collegeabschluss erhält und wollten vermeiden, dass die Kinder später schwere körperliche Arbeit verrichten müssen. Die meisten Eltern der Brothers erlaubten keinen Alkohol, Zigaretten oder Drogenkonsum und es folgten Disziplinarmaßnahmen wie Hausarrest, wenn die Jungen gegen die Regeln verstießen (MacLeod 2009: 59-60). Außerdem haben viele der Hallway Hangers ältere Geschwister, die akademisch versagt haben während einige der Brothers ältere Geschwister haben, welche im akademischen Bereich Erfolg hatten. So stellen die Geschwister der Brothers ein Vorbild dar, welche ihnen Hoffnung geben, dass auch sie es schaffen können (MacLeod 2009: 61).

Auch in der Arbeitswelt lassen sich Unterschiede zwischen den beiden Gruppen finden. Die Brothers hatten nur wenig Erfahrungen in der Arbeitswelt und hegten Hoffnungen auf einen guten Job in der Zukunft (MacLeod 2009: 76). Sie äußerten konkrete Berufswünsche wie Arzt (MacLeod 2009: 77), Koch oder Architekt (MacLeod 2009: 79). Die Brothers glaubten an die Offenheit der Chancenstruktur in Amerika. Ihrem Einschätzen nach, hätten sie die gleiche Chance einen guten Job zu bekommen wie Kinder aus anderen Schichten (MacLeod 2009: 82). Die Hallway Hangers teilten diese Ansicht nicht. Diese glaubten, dass sie aufgrund ihrer Herkunft nur sehr geringe Chancen auf eine gute Arbeit hätten. Sie begründeten ihre schlechten Chancen mit Vorurteilen gegenüber Menschen aus sozialen Wohnungen und ihrem Mangel an Beziehungen (MacLeod 2009: 74). Sie gaben auch den Schwarzen die Schuld, da diese ihrer Meinung nach, in der Schule und im Arbeitsleben bevorzugt werden (MacLeod 2009: 122-123). Diese Ansicht deckt sich auch mit den Erfahrungen, die sie in der Arbeitswelt gemacht haben und mit dem Misserfolg ihrer Familienmitglieder (MacLeod 2009: 72). Aus diesen Gründen hatten sie nur geringe Hoffnungen für ihre Zukunft. Sie sahen keinen Sinn in hohen Ambitionen und strebten lediglich nach irgendeiner Einkommensquelle, beispielsweise durch ungelernte Arbeit oder im Militär (MacLeod 2009: 70).

Da die Hallway Hangers glaubten, dass ihre Chancen auf Erfolg sehr gering waren, sahen sie wenig Nutzen in der Schule (MacLeod 2009: 103). Sie waren der Schule gegenüber sehr negativ eingestellt und verbrachten dort auch nur wenig Zeit. Stattdessen tranken sie Bier und rauchten Marihuana. Wenn sie doch im Unterricht erschienen, standen sie unter dem Einfluss von Drogen und störten den Unterricht. Das führte dazu, dass alle mehrmals in ein anderes Programm versetzt worden sind (MacLeod 2009: 95) und nur wenige die Schule abgeschlossen haben (MacLeod 2009: 98). Die Brothers glaubten daran, dass sie die gleichen Chancen auf Erfolg hätten wie Kinder aus höheren Schichten (MacLeod 2009: 98) und waren gut in der Schule integriert. Die meisten der Brothers erbrachten nur mittelmäßige akademische Leistungen (MacLeod 2009: 93) aber gaben sich selbst die Schuld dafür (MacLeod 2009: 102).

Die beiden Gruppierungen hatten also zwei gänzlich verschiedene Ansichten. Die Brothers glaubten an faire Chancen und gaben ihr Bestes, um später einen guten Job zu bekommen. Im Gegensatz dazu, dachten die Hallway Hangers, dass sie benachteiligt waren und strengten sich deswegen auch nicht in der Schule an (MacLeod 2009: 29). MacLeod suchte nach Erklärungen für diese Diskrepanz und schlägt drei mögliche Ansätze vor. Erstens haben die Hallway Hangers schon sehr lange in Clarendon Heights gewohnt, während die Brothers noch nicht so lange dort wohnten und Clarendon Heights für viele der Brothers bereits ein Aufstieg von ihren Wohnverhältnissen davor war (MacLeod 2009: 131). Zweitens dienten die älteren Geschwister den Brothers als Vorbild, dass akademischer Erfolg möglich ist (MacLeod 2009: 133). Zuletzt konnten die Brothers den Misserfolg ihrer Eltern den früheren Rassenverhältnissen zuschreiben. Da sich diese inzwischen verbessert hatten, konnten sie der Leistungsideologie in Amerika Glauben schenken. Die Hallway Hangers hatten diese Möglichkeit nicht. An gleiche Chancen für alle zu glauben, bedeutet für sie, dass ihre Familie aufgrund von persönlichen Defiziten versagt hätten (MacLeod 2009: 130).

Insgesamt zeigen sich damit einige eindrückliche und konsistente Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Gruppen, insbesondere im Hinblick auf die Erwartungen und Ambitionen der männlichen Jugendlichen. Der Kontrast zwischen vergleichbarem sozialen Umfeld und ausgeprägten Unterschieden zwischen Erwartungen und Zielen eröffnet damit MacLeod eine gute Gelegenheit isoliert den Einfluss persönlicher Ambitionen auf den schulischen und beruflichen Erfolg zu untersuchen. Die Studie präsentiert damit ein eindrückliches Beispiel dafür wie soziale Gegebenheiten und persönliche Faktoren wechselseitig an der Entstehung und Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheiten beteiligt sind. Die Phase der Studie, welche dieser Hausarbeit zugrunde liegt, konzentriert sich auf den Einfluss der beschriebenen Faktoren auf die schulische Laufbahn. Bereits in dieser Phase finden sich allerdings Zusammenhänge, die einigen gängigen Modellvorstellungen zur Entstehung sozialer Ungleichheiten widersprechen. Um die theoretische Relevanz der im Anschluss methodisch zu analysierenden Studie zu erläutern, sollen diese Widersprüche und deren theoretischen Folgen im Folgenden kurz besprochen werden.

4. Schlussfolgerung

Ein erster Widerspruch ergibt sich mit den Theorien von Bowles und Gintis (1976). Diese behaupten, dass Schulen soziale Ungleichheit reproduzieren, indem Schüler aus unterschiedlichen Schichten verschiedenen Bildungswegen zugeführt werden. Schüler mit niedrigem sozioökonomischen Hintergrund kommen in niedrigere Bildungszweige und werden damit auch für Berufe mit geringerem Status vorbereitet. Auf der anderen Seite kommen Kinder aus höheren Schichten in Bildungszweige, die sie für anspruchsvollere und besser bezahlte Tätigkeiten qualifizieren (MacLeod 2009: 13). Zwar erkennt auch MacLeod die Rolle dieser schon früh festgelegten Karrierepfade an, betont jedoch, dass auch bei Jugendlichen, die sich im gleichen schulischen Zweig und im gleichen sozialen Umfeld finden, deutliche Unterschiede im schulischen Verhalten und schulischen Fortkommen finden (MacLeod 2009: 137-138). Offenkundig prägen neben strukturellen Faktoren auch die Entscheidungen und Einstellung, kurz die Autonomie des Individuums, die schulische Erfahrung der Jugendlichen (MacLeod 2009: 138).

Auch die Theorie von Willis (1977) lässt sich nicht ohne Widersprüche mit den Beobachtungen von MacLeod in Einklang bringen. In Willis Modell kommt der Rebellion der Jungen gegen ihre Schule eine zentrale Rolle zu. Diese Rebellion folgt aus der Einsicht der Jugendlichen, dass in der gegenwärtigen Gesellschaft der soziale Aufstieg auch bei schulischem Engagement nicht möglich ist. Konsequent entwickeln die Jugendlichen daher selbständig Pläne, die auf ein Arbeitsleben mit Tätigkeiten ohne Qualifikationsvoraussetzungen abzielen (MacLeod 2009: 139). Der Vergleich der Hallway Hangers und Brothers zeigt jedoch, dass diese Charakterisierung zwar auf die Gruppe der von der Gesellschaft enttäuschten Hallway Hangers zutrifft, aber die Realität anderer Lebensentwürfe, die in diesem Umfeld ebenfalls entstehen können (nämlich solche, wie im Fall der Brothers) ignoriert, und damit als Modell nur einen Teil der sozialen und persönlichen Realität unterprivilegierter Jugendlicher in Amerika abbildet.

Am ehesten findet MacLeod in seinen Beobachtungen das von dem französischen Soziologen Bourdieu (1977) beschriebene Konzept des „Habitus“ bestätigt. Der Habitus bezeichnet die Gewohnheiten, Einstellungen und Werte eines Individuums, welche durch sein soziales Umfeld geprägt sind (MacLeod 2009: 138). Durch den Habitus wird soziale Ungleichheit reproduziert, da die Jugendlichen aufgrund ihrer Einstellungen, Vorlieben und Verhalten in der unteren Schicht bleiben. Dies lässt sich gut auf die Hallway Hangers und Brothers übertragen (MacLeod 2009: 140). Kritisch betrachtet MacLeod hingegen Bourdieus Annahme eines strengen Zusammenhangs zwischen den objektiv gegebenen Berufsperspektiven und den subjektiven Berufs- und Zukunftshoffnungen. Während Bourdieu davon ausgeht, dass die subjektiven Erwartungen ein getreues Abbild der objektiven Realitäten darstellt, zeigt sich am Vergleich der Hallway Hangers und Brothers, dass dies nicht immer der Fall sein muss. Tatsächlich sind die objektiven Berufschancen der vorwiegend kaukasischen Hallway Hangers besser als jene der mehrheitlich dunkelhäutigen Brothers. Dennoch entwickeln die Brothers ehrgeizigere Berufsziele und zeigen folglich auch ein höheres schulisches Engagement (MacLeod 2009: 139-140).

Letztendlich kommt MacLeod zu der Schlussfolgerung, dass man sowohl strukturelle Einflüsse als auch individuelle Entscheidungen heranziehen muss, um den Prozess der Reproduktion sozialer Ungleichheit zu verstehen (MacLeod 2009: 152). Obwohl es nicht zu bestreiten ist, dass die soziale Mobilität von Jugendlichen aus niedrigen Schichten durch die Sozialstruktur eingeschränkt ist (MacLeod 2009: 150 - 151), ist die Autonomie der Jugendlichen nicht zu vernachlässigen und der Umgang der Jugendlichen mit ihrer Situation kann variieren (MacLeod 2009: 152).

5. Beschreibung der Methoden

I. Die Stichprobe

MacLeod’s Stichprobe besteht aus den zwei Gruppen männlicher Jugendlichen, den Hallway Hangers und den Brothers. Die Hallway Hangers bestehen aus acht Mitgliedern (MacLeod 2009: 25) und die Brothers aus sieben Mitgliedern (MacLeod 2009: 45). Insgesamt hat MacLeod also Daten über 15 Jungen. Er wählte diese Stichprobe, da er in Clarendon Heights bereits bei einem Jugendprogram mitarbeitete (MacLeod 2009: 4) und dort auf die zwei unterschiedlichen Gruppen aufmerksam wurde (MacLeod 2009: 6). Die Stichprobe wurde also nicht per Zufall gewählt, sondern weil MacLeod Zugang zu diesen Personen hatte.

Diese Stichprobe spiegelt zwar die Grundgesamtheit nicht wider, jedoch ist das Ziel qualitativer Forschung nicht die statistische Repräsentativität, sondern die qualitative Repräsentation. Es ist also entscheidend, eine genaue Beschreibung eines Typus und dessen Wesensmerkmalen zu leisten, statt zu zeigen wie oft ein Typus in Wirklichkeit auftritt (Kruse 2015: 241). Auch wenn die Stichprobe nicht bewusst von MacLeod ausgesucht wurde, sondern er sie mehr oder weniger per Zufall entdeckt hat, stellt die Stichprobe ein kontrastierendes Sampling dar. Bei diesem Samplingverfahren werden zwei Fälle genommen, die sich maximal voneinander unterscheiden. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass die Heterogenität des Untersuchungsfeldes trotz kleiner Fallauswahl gewährt ist (Kruse 2015: 242). Die beiden Gruppen aus Clarendon Heights unterschieden sich durch mehrere Merkmale. Sowohl in ihrer Hautfarbe, als auch in ihren Zukunftsambitionen und -erwartungen und ihr Freizeitverhalten zeigen die beiden Gruppen grundlegende Unterschiede auf. Gleichzeitig besteht ein Bedeutungszusammenhang, da beide Gruppen in dem gleichen sozialen Wohnungsbau wohnen und aus einer niedrigen sozialen Schicht stammen.

II. Die Erhebungsmethoden

MacLeod’s Erhebungsmethoden beschränkten sich auf qualitative Methoden. Er machte Beobachtungen über die Jungen, hielt Gruppendiskussionen mit beiden Gruppen fest und führte Interviews sowohl mit den Jungen selbst als auch mit ihren Eltern, ihren Lehrern und ihren Beratern durch (MacLeod 2009: 9-10).

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Details

Seiten
28
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668461178
ISBN (Buch)
9783668461185
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367657
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Schlagworte
Methoden Soziologie Jay McLeod Ain''t no Makin' it qualitative Methoden Interview

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Titel: Methodenkritische Stellungnahme zur Studie  „Ain’t no makin‘ it“  von Jay MacLeod