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Textrekonstruktion zu "Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt" von Alfred Schütz

Hausarbeit 2016 7 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract:

Schlüsselwörter:

Mitwelt, Umwelt, Alter ego, Idealtypus

Soziale Mitwelt und Idealtypus Übergang zum Problem der sozialen Mitwelt. Kontinuierliche Sozialbeziehungen.
Das Alter ego in der Mitwelt als Idealtypus. Die Ihr-Beziehung
Die Konstitution des idealtypischen Deutungsschemas
Die Anonymität der Mitwelt und die Inhaltserfülltheit des Idealtypus
Die mitweltliche soziale Beziehung und die mitweltliche Beobachtung

Literaturverzeichnis

Abstract:

In der vorliegenden Arbeit, versucht Alfred Schütz die Handlungstheorie von Max Weber phänomenologisch zu begründen. Das entsprechende methodologische Konzept findet er in Edmund Husserls phänomenologischer Konstitutionsanalyse. Der zentrale Begriff des Handlungssinns wird von Schütz weiter ausgearbeitet. Schütz setzt beim Handelnden an und fragt nach der Konstitution des subjektiven Sinns. Dem Wissenschaftler ist der vom Akteur erzeugte Sinn nicht zugänglich und kann nicht identisch mit dem vom Beobachter selbst sein. Dabei beschreibt er die Problematik des Fremdverstehens und stellt sich die Frage wie unsere alltägliche Kommunikation in der Gesellschaft funktionieren kann. Schütz zufolge greifen Akteure im Alltag auf bestimmte Methoden zurück, die es ihnen ermöglichen, von einem intersubjektiv geteilten Sinn auszugehen.

Schlüsselwörter:

Mitwelt, Umwelt, Alter ego, Idealtypus

Soziale Mitwelt und Idealtypus

Übergang zum Problem der sozialen Mitwelt. Kontinuierliche Sozialbeziehungen.

Im ersten Abschnitt unterscheidet Alfred Schütz die beiden Begriffe Mitwelt und Umwelt. Anhand von zwei Alltagssituationen verdeutlicht er den Übergang von der Umwelt in die Mitwelt.

Aug in Aug und Hand in Hand verabschiede ich mich von meinem Freund. Nun entfernt er sich. Noch ist er in Reichweite und ruft mir zu. Dann kann ich ihn, den sich mehr und mehr Entfernenden noch winken sehen. Schließlich ist er meinem Blick entschwunden. Es ist unmöglich anzugeben, mit welcher Phase die umweltliche Situation in mitweltliche überging.“ (SCHÜTZ, Alfred 1932: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Seite 247).

Als weiteres Beispiel wird ein Zweiaugengespräch unter zwei Freunden angeführt, welches durch ein Telefongespräch oder einen Briefwechsel oder durch eine durch Dritte vermittelte Botschaft ersetzt wird. Nach Schütz sind die Begriffe Mitwelt und Umwelt nicht gleichbedeutend, er bezeichnet sie als polare Gegensätze. Als Umwelt wird die von einem Individuum unmittelbar erlebte Sozialwelt bezeichnet. Die Mitwelt existiert laut Schütz parallel, wird aber von der jeweiligen Person nicht wahrgenommen. An dieser Stelle verweist er auf die Problematik in der Praxis des täglichen Lebens – auf den nicht reflektierten Übergang zwischen umweltlicher und mitweltlicher Situation.

Das Alter ego in der Mitwelt als Idealtypus. Die Ihr-Beziehung

In diesem Abschnitt fragt Schütz nach den Konstitutionsweisen der Mitwelt und definiert die verschiedenen Beziehungen zwischen Individuen. Dabei unterscheidet er zwischen einer „reinen Wir-Beziehung“ und der so genannten „Ihr-Beziehung“. Bei Ersterer ist eine gemeinsame raum-zeitliche Anwesenheit gegeben. Die „reine Wir-Beziehung“ kann, so Schütz, auch als „lebendige umweltliche Beziehung“ bezeichnet werden und ist mit dem soziologischen Begriff der „Wechselwirkung“ von Georg Simmel vergleichbar. Soziale Interaktion ist die Wechselwirkung zwischen mindestens zwei Akteuren, die sich gegenseitig in ihrem Handeln beeinflussen. Als Kontrast stellt er der „Wir-Beziehung“ die so genannte „Ihr-Beziehung“ gegenüber, die ausschließlich auf die Mitwelt bezogen ist. Diese Art der Beziehung existiert zwischen Personen, die zwar zur gleichen Zeit leben, aber nicht unmittelbar in Interaktionen stehen. Das Wissen über den anderen, seine Motive und Sinnzusammenhänge können nicht unmittelbar erworben werden. Solche Beziehungen können als Typus gesehen werden, der rein auf die eigene Erfahrung mit der Lebenswelt basiert und gedanklich konstruiert wird, um Handlungen zu verstehen und zu interpretieren. Als Beispiel gibt Schütz einen Freund an, der über seinen ihm unbekannten Bruder erzählt.

Mein Freund schildert mir im Gespräch seinem mir unbekannten Bruder enthüllt sich bei näherer Analyse nur als Variation der soeben beschriebenen ersten Konstitutionsweise. Auch hier erfasse ich das mitweltliche alter ego in einem Typus seines So-seins, und zwar vermöge mitvollziehende Reproduktion von fremden Invariantsetzungen abgelaufener umweltlicher Erfahrungen. Indessen ich aber bei Konstitution der Mitwelt aus der Reproduktion meiner eigenen vergangenen Umwelt das Sosein des Du in der Fülle der mit ihm durchlebten Konkretisationsstufe des Wir in den Blick bringen kann, bin ich bei der Kostitution meiner Mitwelt aus der fremden vergangenen Umwelt auf Kundgabeakte desjenigen (meines Freundes) angewiesen, dessen vergangene Umwelt (Bruder) im Augenblick des Kundgebens ja nicht nur seine, sondern auch meine Mitwelt ist. (SCHÜTZ, Alfred 1932: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Seite 255).

Die typisierende Erfassung eines unbekannten Menschen, die von der Vorerfahrung unserer Bewusstseinserlebnisse geprägt ist, nennt Schütz „Synthesis der Rekonstruktion“ und erwähnt in diesem Zusammenhang den Begriff „Idealtypus“ von Max Weber. Hier möchte er auf die Grenzen des Verstehens hinweisen. Die Erlebnisse und Erfahrungen jedes Menschen sind sehr unterschiedlich. Da Handlungen nach Schütz auf Erfahrungen basieren, können sehr unterschiedliche Interpretationen bei den Beobachtern entstehen. Ein Mensch kann denselben Gegenstand aus seiner Perspektive in einer anderen Gestalt als sein Nachbar, der einen Meter von ihm entfernt ist, wahrnehmen.

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Details

Seiten
7
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668456778
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367549
Institution / Hochschule
Universität Wien – Soziologie
Note
1
Schlagworte
textrekonstruktion aufbau welt alfred schütz

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Titel: Textrekonstruktion zu "Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt" von Alfred Schütz