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Stress und Stressmanagement

von Miriam Finke (Autor) Romina Hülsenbeck (Autor)

Seminararbeit 2004 31 Seiten

Gesundheit - Stressmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung (Miriam Finke)

2. Die transaktionale Stresstheorie nach Lazarus (Miriam Finke)
2.1 Die Person – Umwelt – Variable
2.2 Der Einschätzungsprozess

3. Die Theorie der Ressourcenerhaltung (Miriam Finke)
3.1 Die Grundidee
3.2 Die Ressourcen
3.3 Die Prinzipien
3.4 Die Auswirkungen

4. Burnout (Romina Hülsenbeck)
4.1 Annäherung an den Begriff
4.2. Die Symptome
4.3 Der Verlauf der Krise
4.4 Warum betrifft das Burnout – Syndrom häufig LehrerInnen
4.5 Der Umgang mit der Krise

5. Literatur- und Abbbildungsverzeichnis

6. Anlagen S. 30 – 31

1. Einleitung

Stress ist ein Phänomen, das jeder kennt, jeder schon erlebt hat und wohl auch immer wieder erleben wird. Dabei kennen wir viele Arten von Stress: Kinder leiden unter Schulstress, die Jugendlichen unter stressigen Eltern, diese wiederum unter ihren Arbeitsbelastungen…[1]

„Den Deutschen wächst der Stress über den Kopf. In einer repräsentativen Umfrage der Gesundheitszeitschrift Apotheken Umschau (durchgeführt von GfK, Nürnberg, 1.995 Bundesbürger ab 14 Jahren) gaben knapp 80 Prozent der Befragten an: ‚Ich fühle mich zur Zeit gestresst.’ Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung bedeutet das: 51 Millionen Bundesbürger über 14 Jahren klagen über extreme Belastungen - in Schule, Job und Familie. Sie fürchten körperliche Leiden und Arbeitslosigkeit und stehen permanent unter Zeitdruck. Jeder Vierte (26,2 Prozent) klagt über zu hohe Arbeitsbelastung und Überarbeitung, jeder Fünfte (21,2 Prozent) gibt an, auch am Wochenende nicht zur Ruhe zu kommen. Fast jeder Dritte (30,2 Prozent) fühlte sich zum Befragungszeitpunkt ganz besonders durch Krankheit und gesundheitliche Probleme belastet.“[2]

Aber auch die meist mit positiven Assoziationen behafteten Begriffe wie Familie, Freizeit und Beziehung können uns stressen. Die Symptome sind dabei so zahlreich wie ihre unterschiedlichen Stressauslöser, die Stressoren.

So finden sich auch in der noch jungen Wissenschaftsbetrachtung dieser körperlichen und psychischen Beanspruchung (erst knapp 50 Jahre alt) diverse Ansätze, angefangen bei dem Physiologen Hans Seyle (1956), der Stress als „totalen Verschleiß an sich“ bezeichnet, über die wohl bekannteste und immer noch am weitesten verbreitete kognitive Stresstheorie von Richard Lazarus (1966) bis hin zu neueren, alternativen Ansätzen von Stevan E. Hobfoll (1988). Die beiden letztgenannten Konzepte werden hier im Folgenden beschrieben, wobei jeweils die aktuellsten überarbeiteten Versionen vorgestellt werden.

Den zweiten großen Abschnitt nimmt dann das Thema „Stress bei Lehrern und Lehrerinnen ein“. Dass dieser Faktor bestimmend ist für den Berufsalltag zeigen Statistiken zu Krankheitsrisiko und vorzeitigem Ruhestand: Das Risiko der Herz- und Kreislauferkrankung ist bei der Berufsgruppe der Lehrerinnen und Lehrern am zweithöchsten – hinter den Transportberufen wie Piloten, Fluglotsen etc.

„Nahezu 55 Prozent der im Jahr 2002 pensionierten Lehrerinnen und Lehrer schieden vorzeitig wegen Dienstunfähigkeit oder Schwerbehinderung aus dem aktiven Dienst aus; jeweils 23Prozent quittierten den Dienst auf eigenen Antrag vor Erreichen der Regelaltersgrenze von 65Jahren bzw. auf eigenen Antrag nach dem 63. Lebensjahr.“[3]

Da der häufigste Grund für das frühe Ausscheiden der Lehrkräfte aus ihrem Beruf das so genannte „Burnout - Syndrom“ ist[4], soll es ebenfalls genauer beschrieben werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, den berufsmitbestimmenden Faktor „Stress“ einmal näher zu beleuchten und Wege aufzuzeigen, diesem besser begegnen zu können.

2. Die transaktionale Stresstheorie nach Lazarus (Miriam Finke)

Im alltäglichen Sprachgebrauch versteht man Stress häufig als etwas, das durch eine belastende Situation verursachst worden ist. Am Häufigsten wird ein zu Viel an Aufgaben im Zusammenhang mit fehlender Zeit zur Bewältigung als stressreich empfunden. Aber auch kritische Lebensereignisse wie der Tod eines einem nahe stehenden Menschen, ebenso wie die kleinen täglichen Widrigkeiten können uns belasten. Dabei ist allerdings die Intensität des Stresserlebens individuell verschieden, d.h. auch bei Stressoren, „denen relativ hohe Belastungswerte zugeordnet werden, [führt dies] keineswegs bei jedem Menschen zu jeder Zeit zu vergleichbaren Stressempfindungen

[…]“.[5] So wird eine Scheidung, die normalerweise als besonders stressreich eingestuft wird, belastender oder weniger belastend wahrgenommen – abhängig davon, ob man die Trennung als Verlust oder Erleichterung einschätzt.[6]

Dieser Einschätzungsprozess ist auch wesentlicher Bestandteil der transaktionalen Stresstheorie nach Lazarus, der davon ausgeht, dass „Stress nicht ausschließlich aus äußeren Reizen (Zeitdruck, Lärm, Hitze) resultiert[7], sondern vielmehr zum einen davon abhängt, ob ein Ereignis als stressend bewertet wird und zum anderen, ob Bewältigungsstrategien und –potentiale verfügbar sind. Transaktion bedeutet in diesem Zusammenhang also eine Interaktion zwischen Person und Umwelt, bei der sowohl die Umwelt auf das Verhalten der Person einwirkt, wie auch die Person aktiv Einfluss auf ihre Umwelt nimmt.

Bevor jedoch die Person durch Stressbewältigung (engl. coping) Einfluss auf ihre Umwelt nimmt, durchläuft sie einen Prozess an Bewertungen (engl. appraisal). Dabei unterscheidet Lazarus zwischen primärer und sekundärer Bewertung (primary / secondary appraisal), sowie einer Neubewertung (s. Abb. 2). Die beiden erstgenannten Einschätzungsprozesse laufen dabei fast gleichzeitig ab[8]

Bei der primären Bewertung wird ein Ereignis hinsichtlich seiner Bedeutung für das Wohlbefinden der Person geprüft. Es kann nach Lazarus entweder als irrelevant, günstig / positiv oder als stressend eingestuft werden. Wird das Ereignis als irrelevant betrachtet, heißt dies, dass es keinerlei Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Person haben wird. Ist es positiv und angenehm, „sieht die Person in dem Ereignis ein Zeichen für Sicherheit oder eine positive Lage, sie fühlt sich wohl und erlebt Emotionen wie Freude, Liebe und Heiterkeit.“[9]

Wird das Ereignis jedoch als stressend eingeschätzt, lässt sich noch eine weitere Differenzierung vornehmen. Die Intensität des Stressempfindens richtet sich nämlich danach, ob das Ereignis als Verlust / Schaden, Bedrohung oder Herausforderung empfunden wird. Dabei wird nicht ausgeschlossen, dass mehr als nur eins dieser Ergebnisse auftritt. Dann jedoch ist zumindest eine der Empfindungen dominant.[10] Bedrohung und Herausforderung beziehen sich auf bevorstehende Gefahren und Gelegenheiten, wohingegen sich Schaden / Verlust „auf Ereignisse beziehen, die schon zu einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens geführt haben.“[11] Ob eine Person ein Ereignis als bedrohlich oder herausfordernd einschätzt, hängt davon ab, ob sie glaubt, diese bewältigen zu können – z.B. bewerten manche Schüler eine Klausur als bedrohlich, andere hingegen wiederum nicht.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass bei der primären Einschätzung „geprüft wird, was auf dem Spiel steht“[12] und man auch erst ab diesem Zeitpunkt laut Lazarus von „Stress“ sprechen kann, denn „Stress is a postappraisal state“.[13]

Bei der sekundären Bewertung wird die Effektivität der eigenen zur Verfügung stehenden Bewältigungsstrategien geprüft. Dabei werden subjektive Merkmale (Personenmerkmale wie Selbstwirksamkeit, Selbstsicherheit, Ergeiz etc.) und objektive Merkmale (z.B. Geld, soziale Unterstützung, Zeit) bewertet. Finden sich genügend Bewältigungsstrategien, fallen die Stressreaktionen geringer aus. Sind aber die Anforderungen zu groß, die zur Verfügung stehenden Ressourcen jedoch zu knapp, kommt es zu Stressreaktionen - jedoch

sind die Bewertungen nicht statisch. Sie sind veränderbar und zwar dann, wenn z.B. „Erfahrungen im Umgang mit Belastungssituationen zukünftig zu veränderten Bewertungen […] [führen]. Dann spricht man von Neubewertungen der Situation. Sie können je nach Bewältigungserfolg oder – misserfolg positiver oder negativer ausfallen. Ein Schüler mit Klausurangst wird bei einem Misserfolg die Situation bei der nächsten Arbeit noch prekärer einschätzen, bei einem guten Ergebnis jedoch etwas sicherer in die Klausur gehen.

Je nach Art und Weise der Einschätzungen sind dann, laut Lazarus, zwei verschiedene Bewältigungsmöglichkeiten denkbar. Er unterscheidet problembezogene und emotionsbezogene Bewältigungsstrategien. „Im ersten Fall zielt das Verhalten auf die Lösung des Problems, im zweiten auf die Linderung der Belastungsysteme.“[14]

„Im Falle einer problembezogenen Bewältigung [(instrumentell)] wird die stressvolle Auseinandersetzung [also] direkt verändert, indem entweder die Umwelt verändert wird (z.B. durch eine Umorganisation des Umfeldes) oder

sich die Person an die Umwelt anpasst (z.B. durch eine Veränderung von Zielen oder Überzeugungen). Dagegen werden bei der emotionsbezogenen Bewältiung [(Palliation)] stressbegleitende Emotionen, wie Angst, Zorn oder Depression reguliert […] (z.B. durch Bagatellisierung der Situation).“[15]

Je nach Copingstrategie werden die Auswirkungen dann – ob positiv oder negativ – sichtbar in Bezug auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und das Sozialverhalten der Person (s. Abb. 3). Dies kann eine Änderung der Gefühlslage, Kopfschmerzen, Isolation … bedeuten.

3. Die Theorie der Ressourcenerhaltung (Miriam Finke)

Die Theorie der Ressourcenerhaltung (engl. „Conversation of Resources Theory“), abgekürzt COR – Theorie „sieht Ressourcenveränderungen als Schlüssel zum Verständnis von Stress, wobei Ressourcenverluste wichtiger sind als Ressourcengewinne, Gewinne aber zukünftige Verluste auffangen können.“[16]

Dabei macht die COR – Theorie darauf aufmerksam, dass das Individuum immer im Kontext seines sozialen Umfeldes (konstituiert durch Nationalität, Geschlecht, Klasse und Kultur) gesehen werden muss, was zur Folge hat, dass nicht nur individuelle Ressourcen in die Theorie eingeschlossen sind, sondern auch kollektives Ressourcenmanagement bedacht ist.[17]

„Zentral für das ressourcenorientierte Modell ist die Annahme, dass Menschen die eigenen Ressourcen schützen wollen und danach streben, neue aufzubauen. Stress ist definiert als eine Reaktion auf die Umwelt, in der (1) der Verlust von Ressourcen droht, (2) der tatsächliche Verlust von Ressourcen eintritt oder (3) der adäquate Zugewinn von Ressourcen nach einer Ressourceninvestition versagt bleibt.“[18]

[...]


[1] vgl. Klein-Heßling, Johannes: Streßpräventionstraining für Kinder im Grundschulalter. - 2. erw. und akt. Aufl.. - Göttingen: Hofgrefe – Verlag 2000. S. 9.

[2] http://www.m-ww.de/meldungen/news_archive.html?id=625 ( 10.08.2004 )

[3] http://www.lds.nrw.de/includes/php/druckversion.php?site=/aktuelles/ pressemitteilungen/2003/pres_145_03.html (10.08.2004)

[4] vgl. http://www.guvv-wl.de/schriften-medien/zeitschriften/schule/01_2002/ lehrergesundheit01.htm (10.08.2004)

[5] Lohaus, Arnold: Kinder im Streß und was Erwachsene dagegen tun können. München: Beck 1999. S. 12.

[6] vgl. ebd.

[7] Klein – Heßling, J.: Stresspräventionstraining. S. 9.

[8] Schwarzer, Ralf: Streß, Angst und Handlungsregulation. - 4. überarb. Aufl.. - Stuttgart: Kohlhammer 2000. S. 15.

[9] Belschak, Frank: Streß in Organisationen. Entwicklung eines integrativen Stressmodells für den Organisationsbereich und dessen empirische Überprüfung. Lengerich: Pabst Science Publishers 2001. S. 117.

[10] vgl. Schwarzer, R.: Streß, Angst und Handlungsregulation. S. 15.

[11] Belschak, F.: Streß in Organisationen. S.117.

[12] Schwarzer, R.: Streß, Angst und Handlungsregulation. S. 15.

[13] Lazarus, Richard S.: Emotion and Adaption. Oxford: Oxford University Press 1991. S. 4.

[14] Schwarzer, R.: Streß, Angst und Handlungsregulation. S.16.

[15] Hampel, Petra; Petermann, Franz: Anti – Stress –Training für Kinder. - 2. überarb. und erw. Aufl.. - Weinheim: Beltz Verlag 2003. S. 12

[16] Hobfoll, Stevan E.; Buchwald, Petra: Burnout. In: Weiterbildung und Beratung. Zum Dialog von Theorie und Praxis. Hrsg. von Koblitz, Joachim; Posse, Norbert. Berlin: Logos Verlag 2004. S. 89.

[17] Hobfoll, Stevan E.; Buchwald, Petra: Die Theorie der Ressourcenerhaltung und das multiaxiale Copingmodell – eine innovative Stresstheorie. In: Stress gemeinsam bewältigen. Ressourcenmanagement und multiaxiales Coping. Hrsg. von Buchwald, Petra; Schwarzer, Christine & Hobfoll, Stevan E.. Göttingen: Hogrefe Verlag 2004. S. 12.

[18] Hobfoll, S.; Buchwald, P.: Burnout. S. 90.

Details

Seiten
31
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638362764
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36741
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1.3
Schlagworte
Stress Stressmanagement Seminar Lernen Netzen

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Titel: Stress und Stressmanagement