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Und was war eigentlich mit der Polizei? Zur Organisation der städtischen Sicherheit in der römischen Republik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Gliederung

Deckblatt

1. Einleitung

2. Probleme

3. Herstellung einer Ordnung

4. Mittel

5. Sicherung von Ordnung

6. Nach der Republik

Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In Deutschland und auf der Welt gibt es Probleme und Unzufriedenheit mit dem bestehenden politischen System. Eigentlich geht es uns ja ganz gut. Gesetze regeln alles. Grundlegend von der Unantastbarkeit unserer Würde bis hin zu den verstricktesten nationalen sowie international denkbaren Fällen. Und wir halten uns daran. Zumeist immerhin. Der Staat regelt des öffentliche Leben. Bei Schwierigkeiten besteht im 21. Jahrhundert die Möglichkeit die Polizei zu rufen. Meist reicht auch schon die Erwähnung des polizeilichen Rufens und die Drohung kann dazu führen, dass jemand, der eine rechtswidrige Tat begehen wollte, davon ablässt. Jedoch gibt es die Polizei nicht seit allen Zeiten, ist als Produkt zufällig entstanden oder war einfach da. Die Polizei nach unserer Ansicht als Ordnungshüter ist ein Produkt der Moderne. Der Begriff Polizei kommt aus der Neuzeit und meint ursprünglich die gute Ordnung des Gemeinwesens.1 Das 1794 in Kraft getretene „Allgemeinen Landrecht für die Preussischen Staaten“ beinhaltet bereits den Begriff der Polizei, so wie wir ihn kennen und verwenden.2 Neben der Polizei als Teil der Exekutiven stehen Legislative, die gesetzgebende Gewalt, und die Judikative, die gesetzsprechende Gewalt und bilden zusammen die Glieder der Gewaltenteilung. Ein jeder Bürger kann von der Polizei die Bewahrung seiner Rechte fordern. Seit dem 19. Jahrhundert kommt der Aspekt der Gefahrenabwehr hinzu und enthebt die Bürger einer Gesellschaft damit von dem Gebrauch der individuellen sowie kollektiven Selbsthilfe.3 Anfänglich ist folglich mit Polizei keine Behörde gemeint, sondern ein allgemeiner Zustand. Die Institution gibt es in der Antike nicht, es fehlt „eine“ Polizei. Es stellt sich die Frage nun, wie man bestehendes Recht ohne einen Erzwingungsmaßstab, was die Polizei im modernen Sinne ist, durchsetzen konnte und eine Ordnung im Gemeinwesen herstellt. Die Begründungen, dass die Institution Polizei im antiken Rom fehlt, reicht nicht aus um die bestehenden Probleme der Zeit zu begründen.4 Eine Ordnung bei einer wahrhaften Masse in einem begrenzten Gebiet zu organisieren ist eine Sache, dass diese dann befolgt wird eine andere. Diese Gedankenansätze haben mich dazu angeregt danach zu schauen, wie es war, wenn kein Staat im modernen Sinne alles regelt und meine Frage lautet: Wie wurde die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der römischen Republik bewahrt und lässt sich der anachronistische Begriff „Polizei“ in Organisationsformen wiederfinden? Dafür werde ich auf die Missstände und auf was es überhaupt im antiken Rom zu ordnen galt eingehen. Dann auf das römische Staatswesen mit besonderen Blick auf die Ämter, den sogenannten Magistraturen, und ihren Amtsgehilfen. Zuletzt befasste sich Christopher J. Fuhrmann in „Policing the Roman Empire“ mit der Thematik. Eher sozialgeschichtlich, jedoch für den Überblick zum Polizeibegriff geeignet ist das Werk „Kriminalgeschichte der Antike“ des Münchener Althistorikers Jens-Uwe Krause. Des Weiteren erschien eine Vielzahl von Publikationen von Wilfried Nippel, hier wären unter anderem „Public Order in Ancient Rome“, „Policing Rome“ und „Aufruhr und „Polizei“ in der späten römischen Republik und in der frühen Kaiserzeit“ zu erwähnen. Interessant ist dabei der Gegensatz zwischen der neueren Forschung von Fuhrmann und das weit erforschte Feld Nippels.

2. Probleme

Schauen wir im folgenden, woraus sich Konflikte in der römischen Antike ergeben haben könnten. Dafür werde ich folgend die vor allem alltäglichen Probleme jene die breite Masse der römischen Bevölkerung traf darzustellen, damit ein umfassendes Bild der Lebensbedingungen entsteht. Ein grundlegendes Problem ergibt sich daraus, dass die Geschichte nicht von „unten“ geschrieben worden ist.5 Die Zeugnisse, die wir zu den Problemen der Massen haben, ist recht gering. Erst in neuerer Zeit gibt es eine Unterschichtenforschung. Die breite Masse, die hier bereits mehrfach erwähnt worden ist, bezieht sich auf etwa eine Million Einwohner in der späten römischen Republik. Diese Menge lässt sogar das antike Rom nach heutiger Auffassung enorm erscheinen. Das elementarste Problem war, dass die Mehrheit der Bewohner Roms ärmer wurde und die herrschenden Schichten sich wirtschaftlich besserten.6 Die Reichen lebten in der Stadt in Villen, außerhalb auf großen Latifundien, während die plebs urbana, die städtische Bevölkerung Roms, in insulae (Einzahl insula) wohnten. Die insula ist, wenn überhaupt, vergleichbar mit einem heutigen Mehrfamilienhaus. Die Wohnsituation erlaubt auch die Verwendung des modernen Begriffs Slum. Zusammenwohnend in ärmeren Bezirken lebten die Allerärmsten auf engen Raum in den oberen Stockwerken eines Hauses, jene kein ordentliches Zusammenleben ermöglichten.7 Die Eigentümer dieser insulae sind in der Regel Wohlhabende gewesen, die aus den Mieteinnahmen auch den Hauptteil ihres Vermögens schöpften. Es ergeben sich zwei grundlegende Probleme im Bereich Wohnen. Zum einen sind die bewohnten Häuser an sich ein Problem und zweitens ist es die zu zahlende Miete, die die Masse trifft. Jene Probleme lassen sich gut an Crassus aufzeigen, vom antiken Schriftsteller Plutarch niedergeschrieben: „Da er ferner die der Stadt Rom eigenen, ihr stets gesellten Plagegeister gewahrte, Brände und Einstürze von Häusern infolge ihrer Größe und Schwere,[…], welche die Eigentümer aus Furcht und wegen der Unsicherheit des Kommenden um einen geringeren Preis hergaben, so dass der größte Teil Roms in seine Hand kam.“8 Die Bauweise der insulae war grauenhaft schlecht. Baustoffe von geringer Qualität und schwache Mauern ließen Gebäude häufig einstürzen.9 So wurden Steine zur Qualitätsüberprüfung zwei Jahre an einem Ort liegen gelassen und durch Einfluss der Witterungen geschaut, ob der Stein ihnen widerstand oder nicht.10 Eine maximale Bauhöhe der insulae von etwa 21m wurde erst unter Kaiser Augustus eingeführt, knapp 100 Jahre später setzte Kaiser Trajan diese Höhe weiter auf 18m herab.11 Dazu ist anzunehmen, dass die insulae nicht beheizt waren, wenig belüftet und nicht an die öffentlichen Abwasserkanäle angeschlossen.12 Einstürzende Häuser und das Wohnungsproblem machten sich einige Leute sehr zu Nutze. So konnte ein Bauunternehmer, obwohl bei Baubeginn eines Hauses ein Preis festgesetzt worden ist, zur Fertigstellung der Preis mal eben um die Hälfte höher sein.13 Da es immer mehr Menschen nach Rom zog, bebaubares Land immer knapper wurde und Wohnhäuser einstürzten, hatte sich ein Bauunternehmer und Eigentümer wie Crassus sehr reich gemacht. In Rom brannte es zudem sehr häufig. Die Angst vor dem Feuer in der Stadt muss enorm gewesen sein. Das wohl heftigste wütete zur Kaiserzeit Neros 64 n. Chr. und es war „schwerer und furchtbarer als alles, was je die Wut des Feuers in dieser Stadt angerichtet hat.“14 Dieses Feuer zerstörte drei Bezirke komplett, betraf ingesamt sieben der 14 Bezirke Roms und dauerte ganze neun Tage lang.15 Brände konnten sich vor allem wegen des billigen Holzes, aus jenem das Dach einer insula bestand, rasch verbreiten. Es war nicht so, dass es kein schwer entflammbares Holz gab, auf dieses wurde aber wie auf andere gute Baumaterialien eher verzichtet.16 Ebenfalls brach die Pest in Rom zwischen 181 und 171 v. Chr. aus.17 Das letzte Problem, auf das ich hier eingehen möchte und zugleich das größte war, ist das der Versorgung. Die Getreideversorgung der Bewohner Roms stellte ein enormes Problem in der Antike dar. Lieferungen oder Transporte fertiger Lebensmittel wie heute gab es nicht, alles musste in den bestimmten Vierteln Roms erworben oder im Haus zubereitet werden. Es gab zwar eine bestimmte Anzahl an Bewohnern Roms, die kostenlos Getreide erhielten haben müssen, die Zahl wird auf ca.

23 000 Menschen geschätzte, doch waren es nur Männer, die auch empfangsberechtigt gewesen sein sollen.18 Zur Versorgung einer Millionenstadt waren Importe aus Afrika, Sizilien und Sardinien nötig. Die Transporte von Getreide sind jedoch durch Piraten und Kriegen nicht immer sicher gewesen.19 Die landbesitzende Oberschicht war einer Umverteilung ihres bebaubaren Landes nicht unbedingt angetan und einige zogen es sogar vor, dass aus Italikern, den fremden Völkern um Rom herum jene die Römer unterwarfen, römische Bürgern, also gleichberechtigte Bürger, werden, damit diese dann ihre Streitigkeiten um Grund und Boden beenden.20 Dem römischen Senat missfiel dieser Gedanke zutiefst, doch gelang es gegen Ende der römischen Republik dem Volkstribun Gaius Gracchus, ebenfalls ein politischer Amtsträger, dass jedem Bürger Getreide monatlich auf Kosten des Staates zugeteilt wird.21 Hier ist aber das selbe Problem, dass mit Bürger keine Frauen, Kinder und Sklaven gemeint sind. Die Versorgung des Volkes, der Kampf gegen die Getreidearmut in einer Stadt die immer größer und größer, auch durch zugezogene Landbevölkerung wurde, war deshalb ein beliebtes Mittel der popularen Politik und Ausgangspunkt von Unruhen, auf das später noch eingegangen wird. Wenn man ein Fazit zieht, sieht es allen in allem eher dunkel für die plebs urbana aus. Das Leben der riesigen amorphen Masse in Rom ist geprägt von mangelnden Wohnungsraum, mangelhafter Wohnsituation, ständiger Gefahr des Feuers und weiterer kaum beherrschbarer Katastrophen und die Bedrohung der wirtschaftliche Lage durch die Mietlast.

3. Herstellung einer Ordnung

Die wesentlichen Einrichtungen der römischen Verfassung waren der Senat, seine Magistrate und die Volksversammlungen. Jede Institution hatte ordentliche, sowie außerordentliche Ermächtigungen. Magistrat leitet sich aus dem lateinischen magistratus ab, was wörtlich sowohl für das obrigkeitliche Amt in Rom als auch die Würde eines Magisters steht.22 Mit dem Begriff Magistratus ist folglich sowohl der Amtsträger als aus das bestimmte Amt zur Ausführung der staatlichen Gewalt gemeint.23 Die Ämter der Ämterlaufbahn, der sogenannte cursus honorum, wurden nicht besoldet, was den Vergleich mit heutigen Staatsbeamten schwierig macht. Römische Ämter wurden in niedere und höhere aufgeteilt. Höheren Amtsträgern waren Träger des Imperiums, einer militärischen und politischen Amtsbefugnis, die rechtlich fast nicht eingeschränkt gewesen ist. Wenn es nun in Rom zu Unruhen gekommen ist, sei es durch die hier angeführten oder andere Probleme, muss sich eine Person oder ein Kollektiv diesem Problem angenommen haben, damit nicht das Chaos ausbricht. Diese Ordnungsfunktion hatten nun in der römischen Republik primär die Amtsträger in Verbindung mit dem Senat und der römischen Bürger inne. Aufgeteilt wurde die Ordnungsfunktion auf niedere und höhere Magistrate, die dann bei prekäreren Angelegenheiten die Aufgabe zu bewältigen hatten.24 Eine dieser prekären Angelegenheiten und die Unterscheidung zwischen ordentlichen und ausserordentlichen Aufgaben der Magistrate wird von Livius überliefert. Als Hannibal, ein Feldherr aus Karthago, gegen Ende des 2. Jahrhunderts es schaffte, Rom im zweiten punischen Krieg große Verluste zuzuführen und sich aufgrund des militärischen Defizits in Rom fremde Bräuche ausbreiteten, wurden die Aedilen und die tresviri capitales beauftragt, diesen untypischen Bräuchen Einhalt zu gebieten.25 Jedoch schafften es die vom Senat Beauftragten nicht die Masse, während sie diesen Bräuchen nachgingen, vom Forum, dem Zentrum der Stadt, zu vertreiben und sind selbst nur knapp schweren Verletzungen entkommen.26 Als deutlich gewesen ist, dass die Unruhe nicht mehr durch die niederen Magistrate beseitigt werden konnte, ist der Stadtpraetor zur Lösung des Konflikts gerufen worden. Der Stadtpraetor verlaß einen Erlass des Senats nachdem alle Bücher, die Wahrsagerei oder fremde Gebetsformen enthielten, abzugeben seien.27 Weiter

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1 Wilfried Nippel: Polizei, in DNP, Bd. 10, Stuttgart 2001, Sp. 34-35.

2 Vgl. Allgemeines Landrecht für die Preussischen Staaten II 17 § 10.

3 Nippel, Aufruhr und Polizei in der späten römischen Republik und in der frühen Neuzeit, S. 86 f.

4 Nippel, Policing Rome, S. 20.

5 Krause, Kriminalgeschichte der Antike, S. 73.

6 Yavetz, Die Lebensbedingungen der „plebs urbana“ im republikanischen Rom, S. 103.

7 Ebd., S. 105.

8 Plut. Crass. 2

9 Vitr. 2, 8, 17.

10 Vitr. 2, 8, 19.

11 Brunt, Der römische Mob, S. 286.

12 Brunt, Mob, S. 287.

13 Yavetz, Lebensbedingungen, S. 111.

14 Tac. Ann. 15, 38.

15 Tac. Ann. 15, 38 ff.

16 Yavetz, Lebensbedingungen, S. 114.

17 Yavetz, Lebensbedingung, S. 107.

18 Brunt, Mob, S. 281.

19 Brunt, Mob, S. 296.

20 App. bell. civ. 1, 21.

21 App. bell. civ. 1, 21.

22 Georges, Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, Sp. 763-764.

23 Lorenta de Libero: Magistratus, in: DNP, Bd. 7, Stuttgart 1999.

24 Nippel, Aufruhr und Polizei in der späten römischen Republik und in der frühen Kaiserzeit, S. 89.

25 Liv. 25, 1, 6 ff.

26 Liv. 25, 1, 10.

27 Liv. 25, 1, 11 ff.

Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668459571
ISBN (Buch)
9783668459588
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367400
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,3
Schlagworte
Polizei Sicherheit Römische Republik Rom Gewaltenteilung

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