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Krankheitsbild Demenz. Aspekte der Krankheit und Möglichkeiten, respektive Grenzen, der sozialarbeiterischen Intervention

Studienarbeit 2010 13 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Das Krankheitsbild Demenz
2.1 Definition und grundlegende Informationen
2.2 Diagnose und Krankheitsverlauf

3. Die Intervention durch Sozialarbeiter
3.1 Begleitung und Betreuung der Erkrankten
3.2 Begleitung und Beratung der Angehörigen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dieser Ausarbeitung wird versucht, im ersten Teil eine Annäherung an das komplexe Krankheitsbild der Demenz herzustellen und dieses im zweiten Gliederungspunkt in Verbindung mit der Sozialen Arbeit zu bringen.

Das Thema wurde zur genaueren Betrachtung ausgewählt, da diese Krankheit in unserer Gesellschaft allgegenwärtig ist, aber scheinbar nur wenige Menschen wirklich etwas darüber wissen. In vielen Situationen wird spaßeshalber auf eine Demenz verwiesen, wenn jemandem z.B. ein Name nicht einfallen mag oder Termine etc. in Vergessenheit geraten sind. Mehr scheint vielen Personen jedoch nicht über dieses Krankheitsbild bekannt zu sein – es wird lediglich mit Vergesslichkeit in Verbindung gebracht.

Da eine Demenz vornehmlich im Alter auftritt, wird diese Krankheit mit Blick auf die demografische Entwicklung einen zunehmend höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft einnehmen. Deshalb macht es Sinn, sich etwas differenzierter mit diesem Thema zu befassen. Dies gilt vor allem auch für Sozialarbeiter/innen und andere Fachkräfte in sozialen Handlungsfeldern, da diese Personengruppen immer häufiger damit konfrontiert sein werden.

Um den Rahmen und Umfang dieser Hausarbeit um Rahmen des Studiums nicht zu überschreiten, konzentrieren sich Gliederung und Ausführungen auf die nötigsten und wichtigsten Punkte zum Thema Demenz und Soziale Arbeit, ohne dabei wesentliche Elemente völlig außen vor zu lassen.

2. Das Krankheitsbild Demenz

2.1 Definition und grundlegende Informationen

Der Begriff Demenz hat seinen Ursprung im Lateinischen und setzt sich zusammen aus den Worten de (=weg) und mens (= Geist, Verstand). Die Übersetzung ist bereits in ihrer Bedeutung charakteristisch für das Krankheitssyndrom, bei dem der der Patient durch Abbauprozesse im Gehirn seine Gedächtnisleistungen und sein Denkvermögen verliert, wodurch sich auch dessen Persönlichkeit verändert. Fast alle Formen der Demenz sind nicht heilbar, können durch Medikamente höchstens verzögert werden und führen unweigerlich nach unterschiedlich langer Zeit zum Tod. Die verschiedenen Formen der Demenz werden im ICD-10 Klassifizierungssystem mit den Codes F00-F03 angegeben. (vgl. www.medfuehrer.de, Falk 2009, S. 40).

Demenzkranke Menschen fallen meist dadurch auf, dass ihr Erinnerungsvermögen nachlässt. Generell sind die Symptome jedoch vielfältig, einzelfallabhängig und daher nicht generalisierbar. In den meisten Fällen werden in frühen Stadien der Krankheit von Außenstehenden neben dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses auch Störungen in den Bereichen Orientierung, Sprache und Gefühlskontrolle wahrgenommen. Meist erkennen auch die Erkrankten selber die ersten Veränderungen und Anzeichen, können diese jedoch nicht einordnen. Demenzkranke versuchen daraufhin aufgrund von Angst, Verunsicherung und Scham, diese Anzeichen zu überspielen und vor der Umwelt zu verbergen. (vgl. www.onmeda.de, Falk 2009, S. 22).

Das Risiko, an Demenz zu erkranken, steigt mit dem Alter. Derzeit sind in Deutschland ca. 1,2 Millionen Menschen von diesem Krankheitsbild betroffen. Dabei liegt die Prävalenz in der Altersgruppe von 60-64 Jahren bei vermutlich nur 1%. Danach steigt die Prävalenz an und verdoppelt sich ca. alle fünf Lebensjahre, bis hin zu einem Krankheitsaufkommen von ca. 45% in der Altersgruppe der über 95-jährigen Personen. Aufgrund der demografischen Entwicklung und dem Risikofaktor „Alter“ werden die Fallzahlen in Zukunft weiter steigen und die Krankheit wird in der Gesellschaft immer präsenter und bedeutsamer werden (vgl. Falk 2009, S. 20).

Der Begriff „Demenz“ beinhaltet verschiedene Krankheitsbilder und ist nicht pauschal mit der Alzheimer Krankheit gleichzusetzen. Jedoch leiden 50-60% der Betroffenen unter der Alzheimer Demenz, weshalb dieses Syndrom weit verbreitet und entsprechend bekannt ist.

Generell müssen verschiedene Formen und Ausprägungen einer Demenz voneinander abgegrenzt werden. Dabei unterscheidet man grundlegend zwischen primären und sekundären Demenzen. Eine primäre Demenz wird durch eine direkte Hirnschädigung hervorgerufen – bei der sekundären Demenz handelt es sich um eine Folgedemenz, die in Verbindung mit einer anderen Krankheit (z.B. Multiple Sklerose) auftritt. Eine sekundäre Demenz ist bei entsprechender Behandlung der ursächlichen Krankheit z.T. reversibel, d.h. rückbildungsfähig. Primäre Demenzen hingegen sind irreversibel und basieren auf neurodegenerativen Prozessen, bei denen sich Schäden in und an den Nervenzellen des Gehirns progredient (fortschreitend) und unaufhaltsam ausbreiten. Dies ist auch bei der Alzheimer Krankheit, der häufigsten Form der Demenz, der Fall. Des Weiteren zählen die Lewy-Körperchen-Demenz, die Frontotemporale Demenz (auch bekannt als Pick-Krankheit oder Morbus Pick), die Creutzfeld-Jakob-Krankheit, die Chorea Huntington und die Parkinson-Krankheit zu den Formen der primären Demenz. Diese Krankheitsformen haben gemeinsam, dass die Abbauprozesse an einem Punkt des Gehirns beginnen und sich dann ausbreiten. Im Falle der Alzheimer Demenz ist meist die Region des Hippocampus betroffen, die für das Speichern und Abrufen von Gedächtnisinhalten verantwortlich ist.

Demgegenüber zählt auch die vaskuläre (gefäßbedingte) Demenz (z.B. MID: Multi-Infarkt-Demenz) zu den primären Krankheitsformen, bei der jedoch verschiedene Hirnregionen gleichzeitig betroffen sind. Dem geht eine Gefäßschädigung in den entsprechenden Hirnarealen (z.B. aufgrund eines Schlaganfalls) voraus. (vgl. Falk 2009, S. 46-49).

Über die Ursachen der Demenz sind sich die Mediziner und Wissenschaftler noch nicht gänzlich im Klaren, weshalb eine Prävention kaum möglich ist und auch noch keine adäquaten Behandlungs-, bzw. Heilungsmöglichkeiten bekannt sind. Es wird davon ausgegangen, dass die Krankheit organisch bedingt ist und dass viele verschiedene Faktoren und biologische Ursachen zu ihrer Entstehung beitragen (vgl. Falk 2009, S. 51).

2.2 Diagnose und Krankheitsverlauf

Da eine Demenz oft schleichend und mit unauffälligen Anzeichen beginnt, konsultieren viele Patienten erst verhältnismäßig spät einen Arzt. Eine möglichst frühe Erkennung und Diagnose ist jedoch von großer Bedeutung, da eine rechtzeitige therapeutische und medikamentöse Behandlung den Patienten zwar nicht heilen kann, aber den Verlauf der Krankheit oft hinauszögert und so mehr Lebensqualität und Wohlbefinden schaffen kann. Zudem können sich Patienten und Angehörige dann auf krankheitsbedingte Veränderungen besser einstellen und entsprechende Vorkehrungen treffen.

Eine Demenz wird über ein Ausschlussverfahren diagnostiziert, indem der Arzt bei Verdacht auf eine Demenz versucht, andere Krankheiten über diverse Tests und Untersuchungen auszuschließen. Die Diagnostik beinhaltet:

1. Anamnese (Eigen- und Fremdanamnese)
2. Psychosoziale Untersuchungen (Sozialanamnese und Kompetenzdiagnostik)
3. Internistisch-geriatrische und psychiatrisch-neurologische Untersuchungen (Blutbild, Leberwerte, Elektrolytbestimmungen etc.)
4. Hirnmorphologische Diagnostik (Computertomographie und Kernspintomographie)
5. Psychometrische Diagnostik (Tests zu kognitiven, psychischen und körperlichen Funktionen)

Im Rahmen der psychometrischen Tests, die zur Diagnoseabsicherung und der Verlaufskontrolle dienen, sind folgende Untersuchungen zu benennen:

- Mini-Mental-Status-Test (MMST)
Standart-Screening-Test zur Erfassung kognitiver Beeinträchtigungen in den Bereichen Orientierung, Merk- und Erinnerungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Rechenfähigkeit, Sprache, Anweisungen befolgen und Nachzeichnen.
- DemTect
Dient zur Feststellung geistiger Beeinträchtigungen, z.B. müssen Ziffern zu Zahlwörtern und Zahlwörter zu Ziffern umgeschrieben werden.
- Uhren-Zeichen-Test
Die Ziffern einer Uhr müssen korrekt platziert und nummeriert werden, anschließend sollen die Zeiger für eine vorgegebene Uhrzeit entsprechend eingezeichnet werden.
- Subjektive Beschwerden-Skala (SB-S)
Fragebogen zur Selbstbeurteilung, bei dem der Patient seinen körperlichen und geistigen Zustand beschreiben soll.
- Geriatrische Depressionsskala (GDS)

Der Patient beantwortet selbstständig Fragen zu Beschwerden und Lebensqualität mit „ja“ oder „nein“.

Im Zuge dieser Diagnoseschritte ist auch eine diagnostische Abgrenzung zu altersbedingten Leistungsverminderungen, Depressionen („Pseudodemenz“) und einem Delir (psychische Störung, hervorgerufen durch eine organische Krankheit) vorzunehmen, welche ähnliche Symptome wie eine Demenz erzeugen können. Falls sich der Verdacht einer Demenz bestätigt, muss im Anschluss die Form der Demenz (z.B. frontotemporale Demenz, vaskuläre Demenz oder Alzheimer-Demenz) bestimmt werden (vgl. Falk 2009, S. 21-33).

Der Verlauf einer Demenz lässt sich nicht generalisieren, da jede Krankheit unterschiedlich verläuft. Dennoch wird versucht, die groben Phasen zu unterteilen, um das theoretische Verständnis für den Krankheitsverlauf zu verbessern und Beobachtungen einordnen zu können. Dazu gibt es verschiedene Modelle; Juliane Falk gliedert den Verlauf in drei Stufen am Beispiel der Alzheimer-Demenz. Der Krankheitsverlauf und die Inhalte der Phasen sollen mit Hilfe der folgenden Tabelle veranschaulicht werden (siehe Falk 2009, S. 68).

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668458604
ISBN (Buch)
9783668458611
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367337
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Note
1,0
Schlagworte
Demenz Soziale Arbeit Care-Management Alzheimer

Autor

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Titel: Krankheitsbild Demenz. Aspekte der Krankheit und Möglichkeiten, respektive Grenzen, der sozialarbeiterischen Intervention