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Interpunktion im Deutschen. Unterrichtsentwurf für die Jahrgangsstufen 6 und 7

Unterrichtsentwurf 2016 17 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

1. Sachanalyse

1.1 Kategorisierung und Funktion

„Satzzeichen […] haben nicht den Status von Buchstaben, denn sie lassen sich nicht zu größeren Einheiten kombinieren.“1 Die Satzzeichen in der deutschen Sprache dienen zunächst dazu, um Satzgrenzen zu erkennen, beziehungsweise festlegen zu können. Hier ist es wichtig Kenntnis zu haben, an welcher Stelle des Textes ein Punkt, Ausrufezeichen, Doppelpunkt oder Fragezeichen notwendig ist.2 Ein Satz wird unter anderem als ein solcher erkannt, wenn beispielsweise ein Punkt am Ende steht.3 Im Lehrplan selbst geht das Themengebiet der Interpunktion immer mit den verschiedenen Satzarten einher. Eine explizite Schulung loser Satzzeichen gibt es also nicht. „Die Satzzeichen beziehen sich (…) auf den Satz und dessen Glieder. Die Regeln für die Verwendung der Satzzeichen sind Teil der Orthographie, der Norm der Schreibung.“4 Die deutsche Sprache umfasst insgesamt zwölf Interpunktionszeichen. Diese Zeichen lassen sich in insgesamt drei Kategorien einordnen.5 Bei der Literaturrecherche bin ich auf zwei verschiedenen Herangehensweisen gestoßen. Bei Wahrig spricht man von den Satzschlusszeichen, die dazu dienen, Sätze voneinander abzugrenzen. Hierzu zählen Punkt, Frage-, Ausrufezeichen und die Auslassungspunkte. Außerdem gibt es noch die Kategorie der Satzmittelzeichen, die Teilsätze zusammengesetzter Sätze sowie Wörter und Wortgruppen voneinander abgrenzen. Zu dieser Kategorie zählen Semikolon, Doppelpunkt, Komma und Gedankenstrich. In der dritten Kategorie befinden sich die paarigen Satzzeichen. Diese Art der Doppelzeichen zu denen Klammern, Anführungszeichen, paariges Komma und paariger Gedankenstrich zählen, sollen hauptsächlich bestimmte Satzteile hervorheben, die in einem Satz eingeschoben sind.6 Die zweite Herangehensweise ist auf Bredel zurückzuführen, welche für mich auch stimmhafter und übersichtlicher erscheint. Auch Bredel ordnet die Satzzeichen in drei Kategorien ein. Die nachfolgende Tabelle zeigt einen Überblick.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Apostroph, Auslassungspunkte Unvollständigkeit

Eines haben alle Satzzeichen gemeinsam: sie haben eine Grenz- und Gliederungsfunktion im geschriebenen Text. Dadurch hat der Leser einen schnelleren Zugriff auf den Text und erhält einen Überblick. Mit Hilfe der Interpunktionszeichen im Deutschen kann der Leser komplexe Textstrukturen erfassen.8 Auch die Funktion und die Bedeutung eines Satzes hängen von verschiedenen Aspekten wie zum Beispiel Modus, Stellung des finiten Verbs oder auch der Interpunktion ab.9 Doch neben diesem gemeinsamen Nenner, lassen sich die Satzzeichen auch durch die Stellung und durch die Art und den Umfang der von ihnen abgegrenzten sprachlichen Einheiten unterscheiden. Darüber hinaus dienen die Zeichen auch zur Schreibstilistik. Oftmals lassen sich mehrere verschiedene Zeichen, je nach Aussageabsicht des Autors, einsetzen. Abhängig ist das alleine von der Aussageabsicht und vom stilistischen Empfinden des Schreibers, denn verschiedene Satzzeichen decken sich in manchen Funktionen. Dadurch stehen dem Verfasser oftmals mehrere Satzzeichen zur Auswahl. Beispielsweise können Hauptsätze durch Punkt, Semikolon oder Komma gegliedert werden.10

1.2 Syntaktische Zeichen

Zu den Syntaktischen Zeichen gehören Komma, Punkt, Doppelpunkt und Semikolon. Es handelt sich hierbei also um Satzzeichen, die reglementiert und obligatorisch sind. Dementsprechend machen die Satzzeichen syntaktische Strukturen für den Leser transparenter.11 Alle syntaktischen Zeichen zählen zu den Grenz- und Gliederungszeichen. Der Punkt zeigt die syntaktische Grenze eines Satzes oder einer größeren Texteinheit und schließt diese semantisch ab. Dem Punkt folgt immer die Großschreibung des Anfangsbuchstaben des ersten Wortes des folgenden Satzes.12 Die abgegrenzten Sätze werden als Ganzsätze bezeichnet. Grundsätzlich kann man feststellen, dass der Punkt zur Markierung von Aussagesätzen dient. Aber auch am Ende von indirekten Fragesätzen (z.B. Ich fragte sie, wann sie kommen würde.) setzt man dieses Satzzeichen. Natürlich gibt es aber auch einige Sonderformen bei welchen man trotz der eben genannten Regel keinen Punkt setzt, wie beispielsweise bei Überschriften in der Zeitung, Werktitel (von Filmen, Büchern, etc.), frei stehenden Zeilen in Inhaltsverzeichnissen oder Veranstaltungstiteln.13 Ein weiteres syntaktisches Zeichen ist der Doppelpunkt, der auch als Gliederungs- und Grenzzeichen dient. Der Doppelpunkt, der gewissermaßen als eine Art Ankündigung fungiert, regt die Aufmerksamkeit des Lesers an und bereitet diesen auf das Folgende vor. Er steht vor Aufzählungen oder Erklärungen, die angekündigt wurden, vor einer angekündigten direkten Rede oder auch vor Zusammenfassungen aus dem zuvor Gesagten. Nach einem Doppelpunkt wird kleingeschrieben, wenn es sich nicht um ein Substantiv oder einen Eigennamen handelt. Folgt dem Doppelpunkt jedoch ein vollständiger Satz, so wird dieser mit der Großschreibung fortgesetzt14 (z.B. Achtung eine Durchsage: Bitte nicht vom Beckenrand springen!). Das Semikolon, oder auch Strichpunkt genannt, dient nur dem Satzbau. Hauptsächlich tritt das Semikolon in zusammengesetzten Sätzen auf. Im Gegensatz zum Komma kann es nicht als abgrenzendes Satzzeichen zwischen einem Hauptsatz und einem Nebensatz stehen. Wichtig wird der Strichpunkt auch bei der Aufzählung einer Gruppe zugehöriger Glieder: in diesem Fall wird das Semikolon verwendet, um eine Grenze zur anderen Gruppe zu ziehen. Dies ähnelt zunächst sehr dem Doppelpunkt. Jedoch besitzt das Semikolon keine Hindeutungsfunktion. In Abgrenzung zum Punkt muss ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen zwei Sätzen vorhanden sein, wenn ein Semikolon steht15 (z.B. Katharina wünscht sich ein neues Auto; leider hat sie nicht genug Geld.). Das letzte Satzzeichen der syntaktischen Kategorie ist das Komma. Es hat eine Herausstellungs-, Aufzählungs- und Abgrenzungsfunktion.16 Das bedeutet, es besitzt die Eigenschaft, die Einheiten der Sätze semantisch nur vorrübergehend und nicht vollständig abzuschließen. Hinzu kommt, dass es Sätze sowohl gliedert und übersichtlicher macht, als auch unselbstständige Satzteile voneinander trennt. Ebenso kommt es bei aufgezählten Wörtern und Wortgruppen, sowie doppelt oder mehrfachvorkommenden Satzgliedern zum Einsatz. Es grenzt sowohl nebengeordnete Teilsätze, als auch Infinitiv- und Partizip-Gruppen voneinander ab und fungiert daher als eine Satzgrenze innerhalb von syntaktischen Sätzen.17 Das Komma gilt als „das schwächste syntaktische Interpunktionszeichen“18, da seine Anwendung oftmals komplex und schwierig erscheint. Ein Schreibanfänger hat zunächst weniger Probleme mit den Satzschlusszeichen, als mit der komplexen Kommasetzung der deutschen Sprache. Die Probleme treten hier auf, da die Regeln der Kommasetzung oft durch syntaktische Merkmale begründet werden. Der Durchblick gelingt meist nur, wenn fundiertes Wissen über Parataxe und Hypotaxe vorliegt.19 Liegen zwei Hauptsätze vor, dient das Komma lediglich zur Abgrenzung der beiden Sätze. Eine ähnliche Funktion ist auch dem Punkt und dem Semikolon zuzuschreiben, jedoch isoliert oder trennt das Komma die Sätze nicht so entscheidend. Sind unverbundene Parataxen vorhanden setzt man das Komma dazu ein, eine neue Sachlage darzustellen (z.B. Katharina fuhr zum Flughafen, die Passagiere stiegen in das Flugzeug, der Airbus hob ab.). Es kann aber auch Hauptsätze trennen, die gedanklich zusammengehören (z.B. Katharina wollte vereisen, aber ihr fehlte das nötige Kleingeld). Wenn ein Hauptsatz in den Satz eingefügt wird, wird dieser in ein paariges Komma eingeschlossen. Der ursprüngliche Satz wird durch den eingeschobenen Satz in seiner Konstruktion kurz unterbrochen und danach weitergeführt.20 Problematisch wird das Ganze natürlich bei Sätzen die durch das Setzen eines Kommas ihren Sinn ändern. Beispiele hierfür wären:

- Meine Schwester, Katharina, und ich waren in Kuba.

Meine Schwester, Katharina und ich waren in Kuba.

- Katharina sagt, Peter sei hübsch.

Katharina, sagt Peter, sei hübsch.

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, wie wichtig die Kommasetzung im Deutschen ist. Man erkennt ebenso die syntaktische Gliederungsfunktion. In den Hypotaxen gestaltet sich die Kommasetzung ebenfalls schwierig. Meist ist der Nebensatz aber durch eine unterordnende Konjunktion, ein Fragewort oder Relativpronomen gekennzeichnet, was die Setzung des

Kommas erleichtern kann. Aber auch hier gibt es Besonderheiten: eine eingeleitete

Satzverbindung zieht ein Komma mit sich (z.B. Katharina möchte nach Kuba, weil sie das Land kennenlernen möchte). Wenn kein Signalwort wie etwa eine Konjunktion vorhanden ist, ist es für die Setzung des Kommas entscheidend, den Unterschied zwischen einer bestimmten Wortgruppe und einem Nebensatz zu erkennen. Nebensätze können voran- oder nachgestellt werden oder auch eingeschoben werden. Bei diesen Optionen steht immer ein Komma. Grundsätzlich kann man also festhalten, dass Haupt- und Nebensätze voneinander durch Komma getrennt werden. Auch gleichrangige Nebensätze, die mit dem gleichen, übergeordneten Hauptsatz in Verbindung stehen werden durch ein Komma getrennt. Unsicherheiten in der Schule sind auch erkennbar, wenn ein und oder oder im Satz vorkommt. Die Komplexität soll nachfolgende Tabelle verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Tabelle soll zeigen wie komplex die Kommasetzung ist. Allein für die Konjunktionen und und oder gibt es viele Besonderheiten und Sonderfälle. Es ist verständlich, dass es bei Schülern zu vielen Unsicherheiten kommt, da die Regelungen sehr komplex sind.

[...]


1 Vgl. Eisenberg: Schriftsystem und Orthographie. S.14.

2 Vgl. Vollmert: Grundkurs Sprachwissenschaft. S.248.

3 Vgl. Bergmann: Einführung in die deutsche Sprachwissenschaft. S.148.

4 Vgl. Baudusch: Zeichensetzung klipp & klar. S.16.

5 Ebd., S.14.

6 Ebd.

7 Vgl. Bredel: Interpunktion.

8 Vgl. Baudusch: Zeichensetzung klipp & klar. S.14.

9 Vgl. Kessel/Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. S.3.

10 Vgl. Baudusch: Zeichensetzung klipp & klar. S.15.

11 Vgl. Bredel: Interpunktion. S.66f.

12 Vgl. Bredel/Müller: Interpunktion. S.8.

13 Vgl. Baudusch: Zeichensetzung klipp & klar. S.17ff.

14 Ebd., S.56ff.

15 Ebd., S.51ff.

16 Vgl. Bredel/Müller: Interpunktion. S.8.

17 Vgl. Baudusch: Zeichensetzung klipp & klar. S.69ff.

18 Vgl. Bredel/Müller: Interpunktion. S.8.

19 Vgl. Vollmert: Grundkurs Sprachwissenschaft. S.248.

20 Vgl. Baudusch: Zeichensetzung klipp & klar. S.101-104.

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668460966
ISBN (Buch)
9783668460973
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367230
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
3
Schlagworte
interpunktion deutschen unterrichtsentwurf jahrgangsstufen

Autor

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Titel: Interpunktion im Deutschen. Unterrichtsentwurf für die Jahrgangsstufen 6 und 7