Lade Inhalt...

Das Bildungswesen in Deutschland. Schulgeschichte, Schulsystem(e) und Vergleich mit Japan

Hausarbeit 2010 12 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1.Die Deutsche Schulgeschichte

2.Föderalismus

3.Schulsysteme in Deutschland
3.1 Allgemeines
3.2 Schulsystem in Bayern
3.3 Schulsystem in Mecklenburg-Vorpommern
3.4 Schulsystem in Schleswig-Holstein
3.5 Gremien zur schulischen Zusammenarbeit in Deutschland

4.Schulsystem in Japan

5.Anlage

1.Die Deutsche Schulgeschichte

Um das Bildungssystem in Deutschland besser verstehen zu können, ist es hilfreich vorab einige geschichtliche Fakten über die deutsche Schulgeschichte zu kennen. Die ersten richtigen Schulen, in denen eine Lehrkraft vor einer wissbegierigen Klasse Unterricht hält, sind im Mittelalter entstanden. Hierbei handelte es sich vorwiegend um Klosterschulen in denen Mönche und Nonnen den Unterricht leiteten. Auf dem Stundenplan standen neben Religion auch Fächer wie Astronomie, Musik, Mathematik und Geschichte. Bekannte Klosterschulen waren zum Beispiel das Kloster in St.Gallen. Bereits im Jahre 1794 wurde in Preußen im „Allgemeine(m) Landrecht für preußische Staaten“ unter anderem die Säkularisation der Schulen festgelegt. Somit waren nun der kirchliche Besitz aufgehoben und die Schulen verstaatlicht. Desweiteren wurde die Schulpflicht eingeführt, welche zunächst bei der ländlichen Bevölkerung auf großen Widerstand stoß. Die landwirtschaftlichen Betriebe sahen ihre Kinder eher als hilfreiche Arbeitskräfte und legten eher weniger Wert auf deren schulische Bildung. Auf Grund dessen gab es in der Vergangenheit auch mehrere Protestmärsche der Bauern, die jedoch ohne jeglichen Erfolg blieben. Ein weiteres Problem war der Mangel an qualifizierten Lehrerpersonal und Schulgebäuden. Erst gegen Mitte des 19.Jahrhunderts wurde die Schule in die Hand staatlicher Behörden gegeben. In der ersten demokratischen Verfassung in Deutschland, der Weimarer Verfassung, wurde dann folgendes festgelegt:

„Das gesamte Schulwesen steht unter Aufsicht des Staates;(..) Die Schulaufsicht wird durch hauptamtlich tätige, fachmännisch vorgebildete Beamte ausgeübt.“ (Art. 144)[1]

„(..) Auf einer für alle gemeinsamen Grundschule baut sich das mittlere und höhere Schulwesen auf(...)“ (Art. 146)[2]

Somit war der Weg für ein geordnetes Schulsystem in Deutschland geebnet. Willkürliches Unterrichten wurde durch die Einführung eines Lehrplans im Jahre 1837 unterbunden und so kam es, dass im Jahre 1846 bereits rund 60 Prozent aller schulpflichtigen Kinder in Deutschland eine Schule besuchten.[3]

2.Föderalismus

Die Eigenständigkeit der einzelnen Bundesländer ist auf den historischen Flickenteppich in Deutschland zurückzuführen. Trotz dieser Individualität und Unabhängigkeit der einzelnen Länder werden sie zu Gesamt-Deutschland zusammengefasst. Man spricht von einem sogenannten Föderalismus, beziehungsweise Bildungsföderalismus. Im „Erste(n) Zusatzprotokoll“ der „Europäischen Menschenrechtskonvention“ findet man in Artikel 2 beispielsweise, dass „das Recht auf Bildung (…) niemanden verwehrt werden (darf). Der Staat hat bei Ausübung der von ihm auf dem Gebiet der Erziehung und des Unterrichts übernommenen Aufgaben das Recht der Eltern zu achten, die Erziehung und den Unterricht entsprechend ihren eigenen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen sicherzustellen.“[4] Doch es existiert noch eine weitere rechtliche und internationale Einbettung des Föderalismus. Und zwar in der „Allgemeine(n) Erklärung der Menschrechte“ der UNO aus dem Jahre 1948. Dort findet man im Artikel 26,Absatz 1:

„Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muss Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen den Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.“[5]

Auch national - und zwar im Grundgesetz- findet man in den Artikeln 30, 70 Abs.1 und Art.83 ff die „Kulturhoheit der Länder“[6]. Im Artikel 28, Abs.266 steht die Einbindung der Gemeinden.[7] „Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.“[8] (Art.7, Abs.1). Somit wird festgelegt, dass die Gemeinden für die Schulen zuständig sind. Dies beinhaltet unter anderem die Instandhaltung der Gebäude und Grünanlagen sowie Pflege der Einrichtung, oder aber auch das Organisieren der Rahmenveranstaltungen rund um den Schulbetrieb, wie Gottesdienste,Theaterstücke oder ähnliches. Jedes Bundesland kann eigene Besoldungsmethoden anwenden, wobei die Besoldung der Lehrer selbst im Aufgabenbereich des Bundes bleibt.

3.Schulsysteme in Deutschland

3.1 Allgemeines

Im Alter von sechs Jahren ist jedes Kind in Deutschland schulpflichtig. Kindergärten und Vorschulen sind freiwillige Einrichtungen. Die Schulpflicht beträgt 9 Jahre, wobei man nach dieser Zeit dazu verpflichtet ist, in Form einer beruflichen Ausbildung, noch weitere zwei oder drei Jahre eine Berufsschule zu besuchen – es sei denn, man wählt den gymnasialen Bildungsweg. Meistens erfolgt der Unterricht vormittags, der Trend geht aber stark in Richtung Ganztagsschulen. Beispielsweise wurden rund vier Milliarden Euro vom Bund für die Förderung und Weiterentwicklung solcher Ganztagsschulen im Zeitraum von 2003 bis 2007 zur Verfügung gestellt.[9] Natürlich gibt es auf Grund des Bildungsföderalismus und der Kulturhoheit der Länder einige strukturelle Unterschiede in den 16 Bundesländern, was Grundschule und die Sekundarstufen I und II betrifft. Jedes einzelne Bundesland hat somit seine eigenen Lehrpläne, Ferienordnungen und Schulsysteme. Im Folgenden werden nun exemplarisch einige Bildungssysteme vorgestellt.

3.2 Schulsystem in Bayern

In Bayern besucht man – nach der Einschulung - vier Jahre die Grundschule. Sie umfasst die Jahrgangsstufen 1 mit 4. Nach diesen vier Jahren hat ein Kind die Möglichkeit, je nach Leistung eine Hauptschule, eine Realschule oder ein Gymnasium zu besuchen. In der Hauptschule, welche mindestens fünf Jahre dauert, kann man einen Hauptschulabschluss, einen qualifizierten Hauptschulabschluss und soweit in der Schule Mittlere-Reife-Klassen angeboten werden, auch die mittlere Reife ablegen ( M-Zug). Hauptaufgabe ist die Vermittlung einer allgemeinen Bildung, damit die Schüler und Schülerinnen nach ihrem Abschluss direkt in die Berufswelt einsteigen können. Die Realschule dauert sechs Jahre, mit dem Ziel der mittleren Reife. Ab der 7. Jahrgangsstufe kann zwischen verschiedenen Bereichen gewählt werden (z.B. wirtschaftlicher Bereich, mathematisch/naturwissenschaftlich/technischer Bereich ). Nach erfolgreichen Abschluss der 10.Klasse, kann man entweder direkt ins Berufsleben einsteigen oder eine Fachoberschule besuchen. Das Gymnasium, in welchem man die allgemeine Hochschulreife erreichen kann, dauert acht Schuljahre. Ziel ist das erfolgreiche Bestehen der abschließenden Abiturprüfung. Durch die Vermittlung einer enorm vertieften allgemeinen Bildung in allen Haupt- und Nebenfächern, wird garantiert, dass die Schüler perfekt auf ein mögliches Hochschulstudium oder einen qualifizierten Beruf vorbereitet werden. Wie bereits angesprochen gibt es Fachoberschulen (FOS) und berufliche Fachoberschulen (BOS), wo jeder Schüler auf freiwilliger Basis seinen Abschluss verbessern kann und , zum Beispiel, das Fachabitur erreichen kann. Desweiteren gibt es verschiedene Berufsschulen, die sich spezifisch mit der Berufsausbildung beschäftigen.[10] [11] Zunächst sieht dies nach einen starren und gliedrigem System aus. Die Wechselmöglichkeiten zwischen den Schulen sind aber durchaus gegeben. Dies liegt jedoch meist im eigenen und persönlichen Interesse der Schüler. Ein Hauptschüler kann mit Hilfe des M-Zweiges und anschließenden Besuch einer Fachoberschule doch noch sein Abitur erreichen. Ich denke durch dieses Schulsystem wird eine Chancengleichheit gewährleistet.

3.3 Schulsystem in Mecklenburg-Vorpommern

Um auf die Unterschiedlichkeit der Schulsysteme hinzuweisen, widme ich mich zunächst einen der neuen Bundesländer: Mecklenburg-Vorpommern. Genau wie in Bayern dauert die Grundschule vier Jahre. Nach der Grundschulzeit erhalten die Eltern einen Lernentwickluungsbericht. Im Anschluss gibt es eine Orientierungsstufe, die zwei Jahre dauert und schulartenunabhängig ist. In der sechsten Klasse empfehlen die Lehrer den Eltern ein weiterführende Schule für ihr Kind. Somit liegt die Entscheidung, ob Gymnasium, Regionalschule oder Gesamtschule alleine bei den Eltern. In der Regionalschule ( Jahrgangsstufe 5 bis 10) erlangt man nach erfolgreichen Bestehen der neunten Klasse die Berufsreife. Man hat nun entweder die Möglichkeit direkt in einen Beruf einzusteigen, eine berufsqualifizierende Schule zu besuchen oder aber in die 10.Klasse vorzurücken. Durch eine erfolgreiche Abschlussprüfung erlangt man die Mittlere Reife und hat bei guten Zensuren auch noch die Option eine gymnasiale Oberstufe zu besuchen. Außerdem gibt es in Mecklenburg Vorpommern noch die Integrative und Kooperative Gesamtschule. Durch das Unterrichten in gemeinsamen Lerngruppen soll in der Kooperativen Gesamtschule ( KGS) eine sowohl pädagogische als auch organisatorische Verbindung zwischen dem Bildungszweig des Gymnasiums und dem der Real- und Hauptschule hergestellt werden. Alle drei Bildungswege sind in dieser Schule miteinander verbunden. Sie werden zwar in einem Schulgebäude unterrichtet, bleiben aber trotzdem meistens getrennt. Nur in Fächern wie Kunst, Sport oder Musik erfolgt sogar Zweig-übergreifender und gemeinsamer Unterricht in den Klassen sieben bis zehn. Man spricht daher auch oft von einer Schule mit mehreren Bildungswegen. Die KGS beinhaltet die Jahrgangsstufen 5 bis 10 und besitzt zudem eine gymnasiale Oberstufe. Somit ist bei einer guten Mittleren Reife auch ein Wechsel in die 11.Klasse möglich, mit anschließender Abiturprüfung. Die Integrative Gesamtschule ( IGS) ermöglicht eine individuellere Förderung der einzelnen Schüler. In dieser Gesamtschule können wiederum alle Abschlüsse von Berufsreife bis Abitur erlangt werden, jedoch erfolgt der Unterricht, anders wie in der KGS, in gemeinsamen Klassen. Jeder Schüler kann sich den Schwierigkeitsgrad seiner Kurse selbst aussuchen und bestimmt somit über den daraus resultierenden Schulabschluss. Auch eine vertiefte und erweiterte Bildung ist in Mecklenburg-Vorpommern in Form eines Gymnasiums möglich. Das Gymnasium umfasst die Jahrgangsstufen 7 bis 12 . Sobald man die 10.Klasse erreicht hat, besitzt man die Berufsreife, wird die Prüfung am Ende des Jahres dann noch bestanden, hat man die Mittlere Reife und zugleich darf man in die 11.Klasse übertreten. Besonderheiten gibt es auch hier: in der gymnasialen Oberstufe hat man zudem die Möglichkeit die Fachhochschulreife zu erwerben. Die Allgemeine Hochschulreife hingegen setzt sich, wie in Bayern, aus den Leistungen der gymnasialen Oberstufe und der Gesamtqualifikation aus der Abiturprüfung zusammen.[12]

Abschließend ist noch zu bemerken, dass nach dem Mauerfall das Bildungssystem Bayerns als Vorbild für die Umstrukturierung in Mecklenburg-Vorpommern diente. Doch durch die Einführung der Regional- und Gesamtschulen ist dieses System in den letzten Jahren zusammengefallen.

3.4 Schulsystem in Schleswig-Holstein

Die Jahrgangsstufen eins und zwei werden in Schleswig-Holstein zusammen unterrichtet. Auch hier dauert die Grundschulzeit vier Jahre und die Eltern entscheiden nach einer Beratung mit dem Klassenlehrer, welche Schulart das Kind anschließend besuchen wird. Wie bereits in Mecklenburg-Vorpommern existiert eine zwei-jährige Orientierungsstufe. Das nördlichste Bundesland Deutschlands reformiert sein Schulsystem, so dass ab dem Jahre 2010 ein Übergangszeitraum entstand indem alte und neue Schulen parallel existieren. Die Haupt- und Realschulen ( letzter Einschulungsjahrgang 2009/2010) und die Gesamtschulen werden fortan zu einer Gemeinschaftsschule umgestaltet. Diese neue Schule beinhaltet die Jahrgangsstufen 5 bis 10 sowie eine gymnasiale Oberstufe mit den Klassen 11 bis 13. Es erfolgt ein gemeinsamer Unterricht mit differenziertem Angebot und unterschiedlichen Leistungs- und Lernanforderungen. Der Haupt- und Realschulabschluss ist nach der 9. beziehungsweise 10. Klasse möglich, bei guten Leistungen kann auch das Abitur gemacht werden. Nebenbei existieren noch weiterhin die Regionalschulen. Hier wird am Ende der 6.Klasse eine Zuteilung zum Hauptschulabschluss oder zur Mittleren Reife vorgenommen. Die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch werden zwar differenziert unterrichtet, jedoch ist ein gemeinsamer Unterricht in den restlichen Fächern die Regel. Eine Regionalschule bietet außerdem die Möglichkeit durch einen qualifizierten Realschulabschluss einen nächsthöheren Schulabschluss zu erreichen. Das Gymnasium in Schleswig-Holstein dauert neun Jahre und beinhaltet die Option mit einem Fachhochschulabschluss in der 11.Klasse die Schule zu verlassen. Bemerkenswert ist, dass erst seit dem Schuljahr 2007/2008 zentrale Abituraufgaben gestellt werden.[13]

[...]


[1] Vgl. Internetquelle a) Bildung und Schule

[2] Vgl. Internetquelle a) Bildung und Schule

[3] Vgl. Internetquelle b) Schulgeschichte

[4] Vgl. Internetquelle A1) Recht auf Bildung

[5] Vgl. Internetquelle A2) Universal Declaration of Human Rights

[6] Vgl. Grundgesetz

[7] Vgl. Grundgesetz

[8] Vgl. Grundgesetz

[9] Vgl. Döbert/Hörner/Kopp/Reuter, 2010, S.186f

[10] Vgl. Internetquelle c) Das Schulsystem in Bayern

[11] Vgl. Internetquelle d) Das Schulsystem in Bayern

[12] Vgl. Internetquelle f)

[13] Vgl. Internetquelle g) Allgemein bildende Schulen

Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668457676
ISBN (Buch)
9783668457683
Dateigröße
789 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367224
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,3
Schlagworte
Schulsystem Schule Schulgeschichte Schule in Deutschland Schule in Japan

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Das Bildungswesen in Deutschland. Schulgeschichte, Schulsystem(e) und Vergleich mit Japan