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Familie in Griechenland und Deutschland: Eine vergleichende Darstellung der familiendemographischen Trends und Einstellungen der Bevölkerungen

Hausarbeit 2001 32 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Familie in Deutschland und Griechenland
2.1 Familienformen und -strukturen
2.2 Vereinbarkeit von Familie und Beruf
2.3 Frauenerwerbstätigkeit in Griechenland und Deutschland:
2.3.1 Vorhandene Kinderbetreuungsmöglichkeiten:
2.3.2 Innerfamiliäre Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau:
2.3.3 Familienpolitische Maßnahmen:
2.3.4 Praktizierte Problemlösungen der Frauen:

3. Einstellungen der Bevölkerungen zu Familie und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau
3.1 Einstellungen der deutschen Bevölkerung
3.2 Einstellungen der griechischen Bevölkerung

4. Diskussion und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Familie als ein wichtiges Element der Gesellschaft hat in Griechenland und Deutschland eine große Bedeutung. Seit den 60er Jahren ist die Familie in beiden Ländern einer großen Veränderung unterworfen. In Deutschland war bis Mitte der 60er Jahre die ‚Kleinfamilie‘, bzw. ‚Normalfamilie‘ – ein verheiratetes Ehepaar mit seinen (leiblichen) minderjährigen Kindern - das vorherrschende Ehe- und Familienmodell, und somit eine kulturelle Selbstverständlichkeit. In Griechenland war zu dieser Zeit noch die ‚Großfamilie‘ das vorherrschende Modell, bei dem zumeist die Großeltern mit zum Familienhaushalt sowie eine größere Anzahl von Kindern gehörten (Georgas, 1989, 1991; Papadopoulos, 1998). In den 70er und 80er Jahren entwickelte sich dann auch in Griechenland der Trend hin zur ‚Kleinfamilie‘, vor allem in den städtischen Gebieten (Teperoglou und Tzortzopoulou, 1996). Zum Bild der Kleinfamilie gehören geschlechtsspezifische Rollen, in Griechenland und auch in Deutschland: während der Mann das Oberhaupt der Familie ist und die Familie nach außen vertritt, ist die Frau zuständig für den Haushalt und die Kinder.

Während heutzutage die Kleinfamilie sowohl in Deutschland als auch in Griechenland das ‚normale‘ Familienmodell ist, sind inzwischen viele andere Familien und Lebensformen anzutreffen: Alleinerziehende, Patchwork-Familien, nicht-eheliche Lebensgemein­schaften und Familien aus zweiter und dritter Ehe (Lohkamp-Himmighofen, 1993a; Neubauer und Balaska, 1993; Papadopoulos, 1998; Teperoglou und Tzortzopoulou, 1996). Diese Pluralisierung hat auch zu einem Wandel der Geschlechterrollen geführt, was daran erkennen zu ist, dass vermehrt erwerbstätige Frauen, Commuter-Ehen, Hausmänner und Zwei-Karriere-Ehen als Lebens- und Familienform gelebt werden.

Der Begriff ‚Familie‘ bezieht sich in der Regel auf die ‚Kleinfamilie’, und wird daher definiert als ‚eine sozio-biologische Einheit, die durch enge Verwandtschafts­beziehungen – vorwiegend durch Eltern-Kind-Verhältnis gekennzeichnet ist‘ (Pöschl, 1988, S. 627). Durch die Pluralisierung der Familienformen sollte der Begriff jedoch weitergefasst werden und auch Alleinerziehende und Stieffamilien in die Definition mit einbeziehen. Im Mikrozensus wird Familie definiert als ‚eng umgrenzte Personengemeinschaften innerhalb eines Privathaushaltes, die durch Ehe oder Abstammung bzw. das Sorgerecht miteinander verbunden sind. Im Einzelnen handelt es sich um zusammenlebende Ehepaare mit oder ohne ledige ,Kinder‘ im Haushalt sowie alleinstehende (d.h. ledige, getrennt-lebende, geschiedene und verwitwete) Mütter und Väter, die mit ihren ledigen Kindern im gleichen Haushalt zusammenleben.‘ (BMFSFJ, 1998, S. 179). In dieser Arbeit wird der Begriff ‚Familie‘ mit dieser Definition verwendet, um alle Familien-, Lebens- und Beziehungsformen mit einzubeziehen.

Das Thema der vorliegenden Arbeit ist die Familie in Deutschland und Griechenland im Spiegel von familiendemographischen Trends und Einstellungen beider Bevölkerungen. Besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Rolle der Frau innerhalb der Familie, und auf der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Ich möchte in dieser Arbeit die Situation und den Zustand der Familie in Griechenland und Deutschland Ende der 90er Jahre anhand von familiendemographischen Trends aufzeigen, sowie Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Ländern verdeutlichen (Kapitel 1). Vereinzelt werden hierzu Daten zum zeitlichen Vergleich herangezogen, um den Wandel der Familienformen zu dokumentieren. Im zweiten Kapitel werden die Einstellungen der griechischen und der deutschen Bevölkerung zur Familie und zur Rolle der Frau dargestellt. Anschließend (Kapitel 3) werden diese beiden Aspekte miteinander in Kontext gesetzt, um zu veranschaulichen, ob und in wie weit Wirklichkeit und Einstellungen zum Thema Familie und Gleichberechtigung übereinstimmen.

2. Die Familie in Deutschland und Griechenland

Dieses Kapitel behandelt das Thema Familie in Griechenland und Deutschland. Zu Beginn werden die Familienformen und –strukturen in den beiden Ländern dargestellt (1.1.). Im folgenden Abschnitt (1.2.) wird versucht, die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu charakterisieren, anhand einiger Fakten und Daten, wie die Erwerbsquoten, vorhandene Betreuungseinrichtungen, praktizierte Arbeitsteilung im Haushalt zwischen Mann und Frau und familienpolitische Maßnahmen. Ziel ist es, die Situation und den Zustand der Familie in den Ländern, sowie die Situation und Rolle der Frau darzustellen.

2.1 Familienformen und -strukturen

Thema dieses Abschnittes sind Familienformen und –strukturen in Griechenland und Deutschland. Ziel ist es, diese zu vergleichen, um Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen den beiden Ländern herauszustellen. Hierfür werden zuerst einige familiendemographische Trends dargestellt, wie Heirats-, Scheidungs- und Geburtenziffern. Anschließend werden die aktuellen Trends in den Haushalts- und Lebensformen beschrieben.

Innerhalb der Europäischen Union (EU) lassen sich die Mitgliedstaaten drei verschiedenen Regionen zuordnen, die in einem Nord-Süd-Gefälle durch traditionelle bzw. moderne Lebensformen gekennzeichnet sind. Nicht-traditionelle Lebensformen sind vor allem in Nordeuropa (Schweden, Finnland und Dänemark) vorherrschend. In Westeuropa, dazu gehören Belgien, England, Deutschland, Niederlande, Österreich, Frankreich, und Luxemburg, ist die moderne Kleinfamilie weit verbreitet, während in den südlichen Ländern (Griechenland, Spanien, Italien, Portugal, sowie Irland) traditionelle Lebensformen die Dominanten sind (Peuckert, 1999). Deutschland und Griechenland gehören somit zwei verschiedenen Regionen an, und sind durch unterschiedliche familiendemographische Trends gekennzeichnet. Während Griechenland zu den Ländern in Europa gehört, die vor allem traditionelle Familienformen aufweisen, zählt Deutschland eher zu den Ländern mit moderneren Lebensformen. Diese Zuordnung wird durch die folgenden familiendemographischen Trends deutlich:

Tabelle 1: Familiendemographische Trends in Deutschland und Griechen­land (1997):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*=1996, Quelle: Council of Europe, 1998

Tabelle 1 veranschaulicht die zusammengefasste Erstheiratsziffer, Geburtenziffer, Ehescheidungsziffer und die Nicht-Ehelichenquote in Deutschland und Griechenland. Da zwischen Ost- und Westdeutschland große Unterschiede bestehen, sind Daten für beide Regionen sowie für Gesamtdeutschland angegeben. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch auf einem Vergleich von Deutschland und Griechenland, so dass auf die (oft gravierenden) Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland nur teilweise eingegangen wird.

Die zusammengefasste Erstheiratsziffer verdeutlicht die Heiratsneigung in den beiden Ländern. In Griechenland ist die Heiratsneigung demnach stärker ausgeprägt als in Deutschland. Im Vergleich zu den anderen EU-Ländern wird in Portugal und Griechenland am häufigsten geheiratet, Deutschland weist mit 0,51 eine der niedrigsten Quoten auf. Beide Länder stellen somit Extreme innerhalb der EU dar. In Portugal und Griechenland findet sich ausserdem das geringste Erstheiratsalter, das zwischen 24 und 25 Jahren liegt (Peuckert, 1999). Bei einem zeitlichen Vergleich dieser Daten mit Angaben aus dem Jahr 1970 wird deutlich, dass in beiden Ländern seltener, aber in einem höheren Alter geheiratet wird.

Während seltener geheiratet wird, hat die Scheidungsziffer in allen Ländern der EU zugenommen: 1970 betrug die Ehescheidungsziffer in der EU durchschnittlich 0,11, bis 1995 ist sie um fast ein Dreifaches (auf 0,30) gestiegen. Griechenland weist mit 0,15 eine der niedrigsten Ehescheidungsziffern innerhalb der EU auf, Deutschland hingegen liegt mit einer Ehescheidungsziffer von 0,28 im unteren Mittelfeld. Auffällig ist hier jedoch, dass in Griechenland erst im Jahr 1997 der gleiche Anteil an Scheidungen auftrat wie 27 Jahre früher (1970) in Deutschland.

Die Nicht-Ehelichenquote gibt an, wie viele aller Kinder nicht-ehelich geboren werden. In den letzten zwei Jahrzehnten ist der Anteil dieser Kinder in der EU enorm gestiegen (eurostat, 9/1998). Gesamtdeutschland weist mit 29,9% einen durchschnittlichen Wert auf, Griechenland hingegen mit einem Wert von 3,3% die niedrigste Quote innerhalb der EU. Zwischen den beiden Ländern besteht also ein großer Unterschied: in Deutschland werden um ein zehnfaches mehr Kinder nicht-ehelich geboren wie in Griechenland. Die zusammengefasste Geburtenziffer macht eine Aussage darüber, wie viele Kinder eine Frau in ihrem Leben durchschnittlich zur Welt bringt. 1970 lag die Geburtenziffer in Deutschland und Griechenland über 2 Kindern je Frau (Deutschland: 2,1; Griechenland: 2,43 Kinder). 1997 wurden in Griechenland durchschnittlich nur noch 1,32 Kinder je Frau geboren, und in Deutschland nur 1,23.

Die folgende Tabelle veranschaulicht den prozentualen Anteil der Frauen, die kein, ein, zwei oder drei Kinder in ihrem Haushalt haben.

Tabelle 2: Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder (1992):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Engstler, 1997

Die Anteile der Frauen, die mit einem oder keinem Kind in ihrem Haushalt leben, liegen in Deutschland über dem EU-Durchschnitt, in Griechenland darunter. Der Anteil der Frauen mit 3 oder mehr Kindern liegt in Griechenland und Deutschland unter dem EU-Durchschnitt. Frauen mit 2 Kindern gibt es in Griechenland am häufigsten, und in Deutschland seltener. In Griechenland leben also weniger Frauen mit einem oder keinem Kind und mehr Frauen mit zwei oder mehr Kindern als in den restlichen Ländern der EU. Auffallend ist die hohe Kinderlosigkeit in Deutschland. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Kinderlosigkeit vor allem dort vertreten ist, wo die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschwert ist. In Deutschland gibt es wie in Luxemburg und Holland sehr viele kinderlose Paare. In Griechenland gibt es wesentlich weniger Paare ohne Kinder. Allerdings ist diese Tatsache, nicht darauf zurückzuführen, dass Beruf und Familie in Griechenland einfacher zu vereinbaren sind als in Deutschland und den anderen Ländern der EU. Wie im folgenden Kapitel (1.2.) dargestellt wird, sind die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen in Griechenland schlechter als in Deutschland. Die Entscheidung der griechischen Frauen fällt jedoch anders aus: sie verzichten eher auf den Beruf als auf die Kinder (vgl. auch Kapitel 2.).

Haushalts- und Familienformen sind ein weiterer Indikator für den Wandel innerhalb der EU und für die Unterschiede zwischen Deutschland und Griechenland. Die durchschnittliche Haushaltsgröße hat sich in den letzen Jahrzehnten drastisch reduziert (Höpflinger, 1997). Mit Ausnahme von Spanien, Irland und Portugal lag der Anteil der Haushalte, in denen mehr als vier Personen lebten in den restlichen Ländern der EU unter 10%; zwischen Deutschland und Griechenland bestanden keine großen Unterschiede. Hinsichtlich der Zwei- und Mehr-Generationenhaushalte lässt sich ein Nord-Süd-Gefälle feststellen: 1994 waren in Griechenland 55% aller Haushalte Zwei-Generationenhaushalte, in Deutschland waren es nur 40%. Mehr-Generationen­haushalte machten in Deutschland nur etwa 1% aus (Statistisches Bundesamt, 1998), während in Griechenland jeder fünfte in einem Mehr-Generationenhaushalt lebte. Somit leben in Griechenland auch in den 90er Jahren weitaus mehr Menschen in Mehr-Generationenhaushalten als in Deutschland. Daraus lässt sich schließen, dass in Deutschland die Kleinfamilie das vorherrschende Modell ist, während in Griechenland noch relativ viele Menschen mit mehreren Generationen zusammenleben.

Während die Anzahl von Zwei- und Mehr-Generationenhaushalten abgenommen hat, hat der Anteil an nicht-familiären Lebensformen zugenommen, d.h. es gibt mehr Ein-Personen-Haushalte, nicht-eheliche Lebensgemeinschaften und Alleinerziehende.

Tabelle 3: Anteil der Ein-Personen-Haushalte aller Haushalte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Höpflinger, 1997; Statistisches Bundesamt, 1998

Aus der Tabelle wird ersichtlich, dass in Deutschland der Anteil der Ein-Personen-Haushalte sowohl 1960 als auch 1995 deutlich über dem EU-Durchschnitt liegt. Griechenland weist 1960 und 1995 die wenigsten Ein-Personen-Haushalte innerhalb der EU auf. Auffallend ist, dass in Griechenland erst 1995 der gleiche Anteil an Ein-Personen-Haushalten aufzufinden war wie 1960 in Deutschland. Wie schon bei den Scheidungsquoten weist Griechenland somit auch bei den Ein-Personen-Haushalten eine 25jährige rückläufige Entwicklung im Vergleich zu Deutschland auf.

Die Anzahl nicht-ehelicher Lebensgemeinschaften hat zugenommen, wobei hier ein Nord-Süd-Gefälle sichtbar ist. Die skandinavischen Länder wiesen 1994 mit 9-15% den höchsten Anteil der in nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften lebenden Personen aus, während Deutschland mit 4,5 % einen durchschnittlichen Wert hat, und Griechenland mit 1.1% das Schlusslicht bildet (Vogel, 1997). Der Anteil Alleiner­ziehender Eltern mit unterhaltsberechtigten Kindern hat sich in den Jahren 1983-1998 in der EU um 58% erhöht (eurostat 12/1998). Großbritannien ist mit 23% der Spitzenreiter unter den 8 Mitgliedstaaten der EU, für die Daten vorliegen. In Deutschland deckt sich der Anteil Alleinerziehender mit dem EU-Durchschnitt, während Griechenland mit nur 7% das Schlußlicht bildet.

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Details

Seiten
32
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638362634
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36722
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,5
Schlagworte
Familie Griechenland Deutschland Eine Darstellung Trends Einstellungen Bevölkerungen

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