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Ein aktiver Lebensstil und Naturverbundenheit als wichtige Ressourcen für Stressbewältigung und Resilienzförderung

Essay 2017 10 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Natur und naturnahe Umgebungen als Erholungsraum

2. Lebensstilfaktoren Naturverbundenheit und Bewegung

3. Stressfaktoren Überforderung und Reizüberflutung

4. Stressbewältigung
a) Selbstmanagement und das Kultivieren von Gelassenheit
b) Mentales Training und Sport

5. Resilienzförderung
a) Resilienzfaktoren Selbstwirksamkeit und Kontrolle / Orientierung
b) Resilienzfaktor Optimismus

Literaturverzeichnis

1. Natur und naturnahe Umgebungen als Erholungsraum

Räume der Stille sind in der heutigen Zeit eher selten (Hecht, 2015, S. 18), aber es gibt Ruhepole als Quelle für Lebensenergie wie z.B. die Stille der Natur (Hecht, 2015, S. 21). Das Gehirn kann sich in der reizarmen Natur gut erholen (Rössler, 2012, S. 21). Dies ist auch die Kernaussage der psychoevolutionären Theorie, welche die Natur als Erholungsraum und Kraftquelle definiert (Wetzel, 2015, S. 56-59). Reizüberflutung hingegen macht blind für das Wesentliche (Gamma, 2015, S.37). Wobei die jeweiligen Schwellenwerte individuell unterschiedlich sind.

In Bezug auf den Stressor Reizüberflutung kommt der Natur also eine wichtige Bedeutung zu, indem sie zum einen Erholungsraum bietet und zum anderen sinnstiftend wirken kann (Reinhardt, 2015). Das Erlangen eines Zustandes der Entspannung kann durch weitere Massnahmen unterstützt werden, wie z.B. durch Meditation (Hohensee, 2014, S. 83). Generell können Entspannung, Abstand vom Alltag, Ablenkungsmanagement und ein bewusster Umgang mit Mediennutzung zu einer besseren Balance und Leistungsfähigkeit beitragen (Rössler, 2012).

2. Lebensstilfaktoren Naturverbundenheit und Bewegung

Lebensstilfaktoren wie z.B. Bewegung und das Kultivieren von Gelassenheit können die Epigenetik (=Regulation der genetischen Konstitution durch Umwelteinflüsse und Lebensstil) positiv beeinflussen (Strunz, 2012, S. 17). Es ist zum Beispiel schon länger bekannt, dass das Praktizieren von Yoga sich positiv auswirkt auf die physische und psychische Gesundheit (Schäfer, 2015, S.72-75). Einer meditativen Form von Ausdauerlauf (Strunz, 2012, S.32) und Meditationsübungen generell (Rössler, 2012, S.47) werden in der entsprechenden Ratgeberliteratur ähnliche Effekte zugeschrieben.

Durch Meditation kann man Abstand von Gedanken, Gefühlen und Handlungen erhalten (Hohensee, 2014, S. 83). Das Trainieren von Gelassenheit durch Meditation sei relativ unabhängig von Kontext und sozialen Rollen möglich (Hohensee, 2014, S.88). Insofern gibt es unter anderem Anknüpfungspunkte zu dem im Rahmen des Resilienzfaktors Selbstwirksamkeit thematisierten Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle (Heller, 2013) und zur Theorie der gerlenten Hilflosigkeit (Seligman, 1999). Auf neurobiologischer Ebene wird der Wirkmechanismus durch eine stärkere Aktivierung des linken präfrontalen Gehirnlappens und einen Anstieg von Gammawellen im Gehirn erklärt (Strunz, 2012, S. 26).

Um die Regelmässigkeit von sportlicher Aktivität und Erholungsoasen im Alltag zu fördern, hat sich gezeigt, dass Zugang zu naturnahen Umgebungen und Naherholungsgebieten ein wichtiger Faktor ist (siehe z.B. Gobster and Buch­ner, 2010). Zudem haben sich in diesem Zusammenhang auch tiergestützte Interventionen als wirksam erwiesen, indem dadurch ein aktiver Lebensstil begünstigt und psychische Gesundheit durch weitere positive Effekte positiv beeinflusst wird (siehe z.B. Johnson and Meadows, 2010).

3. Stressfaktoren Überforderung und Reizüberflutung

Stress kann negative Auswirkungen haben auf verschiedene gesundheitsrelevante Faktoren und ist verknüpft mit schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie z.B. hoher Blutdruck, Herzinfarkt, Krebs, Diabetes, Depression (Ernst, 2015, S. 43). Chronischer Stress kann zu einem Zustand chronischer Erschöpfung führen, da eine über längere Zeit fehlregulierte übermässige Ausschüttung von Adrenalin zu einer Erschöpfung der Nebennieren beiträgt (Zentrum der Gesundheit, 2016).

Eine Überanpassung an die beschleunigte und digitalisierte Welt kann einen Überlastungszustand mit ADHS-ähnlichen Symptomen zur Folge haben (z.B. Konzentrationsschwierigkeiten, innere Unruhe, emotionale Labilität / Gereiztheit). So können z.B. Multitasking und digitale Reizüberflutung zu einem cognitiven overload führen (Schäfer, 2015, S. 69). Der konstruktive Umgang mit bewusstseinsverändernden Effekten durch Werbung und Medienberieselung etc. als kann eine Herausforderung sein (Naish, 2008).

Informationsflut und permanente Medienberieselung bewirken eine ständige Übererregtheit des Bewusstseins (=Dauerstress), wobei die Vulnerabilität dafür mit einem evolutionsbiologischen Mechanismus des immer mehr Anstrebens (Dopaminschub) zu tun hat, dem man durch eine Daten-Diät und einen Sinneswandel (Zeit, Raum, Selbstbestimmung und eine Kultur des Genughabens) entgegenwirken kann (Naish, 2008).

4. Stressbewältigung

a) Selbstmanagement und das Kultivieren von Gelassenheit

Ein Ziel von Selbstmanagement im Kontext von Bewältigung und Prävention von Überforderung kann das Erreichen von mehr Gelassenheit und innerer Balance sein (Wehmeier, 2013). Selbstmanagement in diesem Sinne soll befähigen, Harmonie zwischen widersprüchlichen Anforderungen herzustellen (Wehmeier, 2013, S. 13). Dies ist vielleicht besonders in belastenden Lebenssituationen etwas nicht Unwesentliches. Damit kann eine wahrgenommene Unkontrollierbarkeit entschärft werden, die beispielsweise durch mangelnde Kontingenz von Handlung und Reaktion entstanden ist (Seligman, 1999).

Selbstmanagement als Problemlösungsprozess kann bedeuten, dass man in die Lage versetzt wird, komplexe Probleme besser zu verstehen und dadurch eine Basis hat, schwierige Situationen konstruktiv zu bewältigen (Wehmeier, 2013, S. 23). Etwas allgemeiner formuliert kann ein Ziel von effektivem Selbstmanagement darin bestehen, Überlebensregeln, die für die Entwicklung konstruktiv und hilfreich sind zu fördern (Wehmeier, 2013, S. 61).

Mentale Mini-Timeouts, ein Tapetenwechsel oder das Erlernen einer Fremdsprache können eine wirksame Copingstrategie gegen ein Gefühl der Überforderung sein; aus neuen schönen Eindrücken und Erfahrungen können sich neue Denkpfade bilden und das hirneigene Belohnungssystem wird positiv beeinflusst (Rössler, 2012, S.12-14). Man könnte also umgangssprachlich formuliert sagen, dass es eine wichtige Ressource ist, sich hin und wieder aus dem Alltag auszuklinken und in eine eigene Welt zurückzuziehen.

Kanfer, Reinecker und Schmelzer (2006, S.28) umschreiben Selbstregulation, Selbstkontrolle und Selbstmanagement als interne psychische Prozesse, mit denen eine Person Ziele anstreben und Verhalten steuern kann. Sie gehen davon aus, dass sich diese Prozesse in einem komplexen Gefüge verschiedener Faktoren abspielen: Einwirkungen der externen Umgebung, kognitive Prozesse und Inhalte, genetische und biologische Faktoren. Daneben können auch aktuelle und frühere Kontingenzen, Werte und soziokulturelle Normen auf psychische Prozesse und Verhalten einen Einfluss haben. Subjektiv wahrgenommene Kontrollierbarkeit und kongruente Ziele erhöhen Motivation und Selbsteffizienz gemäss Kanfer, Reinecker und Schmelzer (2006, S.38).

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Details

Seiten
10
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668456242
ISBN (Buch)
9783668456259
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366853
Note
Schlagworte
Resilienz Stress Bewegung Natur Lebensstil

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