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Die Spannung zwischen Österreichern und Deutschen im österreichischen Film

Auf eure Kosten (auf unsere auch manchmal)

Bachelorarbeit 2017 37 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Definitionen
1.1 Was ist Humor?
1.2 Vorurteile
1.3 Der Piefke: Vorurteile von Österreichern gegen Deutsche
1.4 Der Ösi: Vorurteile von Deutschen gegen Österreicher

2 Das Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern
2.1 Die Wurzeln und die Realität der „Piefkophobie“
2.2 Die Piefka Saga: Zusammenfassung
2.3 Poppitz: Zusammenfassung

3 Analyse
3.1 Wie werden Österreicher und Deutschen in diesen Filmen dargestellt?
3.2 Analyse der Reaktionen auf die Filme

Schlussfolgerung

Resumé

Literaturverzeichnis

Poďakovanie

Moje poďakovanie patrí najmä Mag. Andreas Schiestl, za jeho odbornú pomoc a ochotu stále poradiť a odpovedať na všetky otázky, ktoré som v procese písania mala. Ďakujem veľmi aj za jeho povzbudzovanie, ktoré ma neraz veľmi potešilo.

Abstrakt

ARGAYOVA, Ivana. Auf Euere Kosten (Auf Unsere auch manchmal) - Die Spannung zwischen Österreichern und Deutschen im Österreichischen Film [Bakalárska práca] / Ivana Argayová - Univerzita Pavla Jozefa Šafárika v Košiciach. Filozofická fakulta; Katedra germanistiky. - Školiteľ: PaedDr. Ingrid Puchalová, PhD. - Stupeň odbornej kvalifikácie : Bakalár. - Košice : FF UPJŠ, 2017. 38 s.

Táto bakalárska práca sa zaoberá napätím medzi rakúskym a nemeckým národom vo filmovej tvorbe Rakúšanov. Napätie je zobrazené v dvoch vybraných rakúskych filmoch: ’Die Piefke Saga‘ a ‘Poppitz‘. Cieľom bakalárskej práce je analýza týchto filmov s dôrazom na predsudky Rakúšanov voči Nemcom a Nemcov voči Rakúšanom. V teoretickej časti sú čitateľovi ozrejmené termíny humor a predsudky a názory významných osobností minulosti a súčasnosti na ne. Humor je opísaný ako jedna zo súčastí komiky, pričom rozoberáme jeho jednotlivé formy. Ďalej sa venujeme vzťahom medzi Rakúšanmi a Nemcami v minulosti a súčasnosti. Odkrývame význam hanlivého označenia Piefke, ktoré dostali Nemci od Rakúšanov a bližšie poukazujeme na predsudky, ktoré oba národy voči sebe pociťujú. Záver teoretickej časti obsahuje stručné obsahy oboch rakúskych filmov. V praktickej časti analyzujeme rakúske filmy ’Die Piefke Saga‘ a ‘Poppitz‘. Vo vybraných scénach poukazujeme na to, ako predsudky ovplyvňujú správanie hlavných aktérov filmov a akým spôsobom je vyjadrený ich zmysel pre humor. V závere uvádzame reakcie na predmetné filmy uverejnené v rakúskych časopisoch.

Kľúčové slová: Filmová analýza. Humor. Predsudky. Rakúsky film.

Abstrakt

ARGAYOVA, Ivana. Auf Euere Kosten (Auf Unsere auch manchmal) - Die Spannung zwischen Österreichern und Deutschen im Österreichischen Film [Bakalárska práca] / Ivana Argayová - Univerzita Pavla Jozefa Šafárika v Košiciach. Filozofická fakulta; Katedra germanistiky. - Školiteľ: PaedDr. Ingrid Puchalová, PhD. - Stupeň odbornej kvalifikácie : Bakalár. - Košice : FF UPJŠ, 2017. 38 s.

Die Spannung zwischen Österreichern und Deutschen wird in zwei ausgewählten österreichischen Filmen analysiert und dargestellt: Die Piefke Saga (1990-93) und Poppitz (2002). Das Ziel dieser BA-Arbeit ist eine Analyse dieser Filme mit dem Schwerpunkt auf Vorurteile von Deutschen gegen Österreicher und vice versa. Im theoretischen Teil wird näher auf die Begriffe „Humor“ und „Vorurteile“ eingegangen Es wird auch die Beziehung, die zwischen Österreichern und Deutschen herrscht, beleuchtet. Wir decken die Bedeutung des schmähenden Bezeichnung ’Piefke’ auf, die man in Österreicher benutzt, um über Deutsche zu berichten. Wir betrachten näher die Vorurteile, die die Nationen einander gegenüber empfinden. Die letzten Kapitel in dem theoretischen Teil beschäftigen sich mit den Zusammenfassungen der beiden Filme. Im praktischen Teil werden die Filme Die Piefke Saga und Poppitz analysiert. In den jeweiligen Szenen wird darauf hingewiesen, wie die Vorurteile das Verhalten der Hauptfiguren beeinflussen und wie ihr Sinn für Humor zum Ausdruck kommt. Schließlich werden die Reaktionen auf die beiden Filme, die wir in österreichischen Zeitungen gefunden haben, diskutiert.

Schlüsselwörter: Filmanalyse. Humor. Österreichischer Film. Vorurteile.

Einleitung

Das Ziel dieser Arbeit ist es die Beziehung zwischen Deutschen und Österreichern anhand von Humor und Vorurteilen in zwei österreichischen Filmen zu analysieren. In dieser Arbeit bilden Humor und Vorurteile den zentralen Analysegegenstand. Die Spannung zwischen Deutschen und Österreichern wird in zahlreichen Filmen demonstriert, wobei für diese Arbeit die vierteilige Filmserie Die Piefke Saga (1990- 1993) und der Film Poppitz (2002) ausgewählt wurden. Im theoretischen Teil wird näher auf den Begriff „Humor“ eingegangen. Mit seiner Definition beschäftigen sich viele Disziplinen und jede einzelne versucht den Humor aus verschiedenen Perspektiven zu analysieren. Im Fokus stehen auch Vorurteile, deren Wurzeln oft in der Geschichte liegen.

Die Vorurteile, die Deutsche und Österreicher einander gegenüber empfinden, haben eine lange Geschichte. Schon seit dem 19. Jahrhundert gehört der schmähende Begriff “Piefke“ zum Wortschatz der Österreicher. Mit diesem Namen bezeichnen die Österreicher ihre nördlichen Nachbarn, wobei sie es gar nicht mögen. Nach Duden lautet die Definition des Wortes “Piefke“ folgendermaßen: „eingebildeter Angeber, dümmlicher Wichtigtuer“ (www.duden.de 2017). Auf der anderen Seite gibt es auch bei den Deutschen die Bezeichnung “Ösi“, die mit zahlreichen Vorurteilen verbunden ist. 1990 hat die Filmserie Die Piefke Saga Aufsehen erregt. Als Inspiration für diesen vierteiligen Film galt das gespannte Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern. 2002 wurde der Film Poppitz gedreht, der sich auch dieser Problematik widmet. Die Spannung zwischen diesen beiden Nationen nahm Gestalt in der Form von Vorurteilen an. Die Vorurteile werden auf humorvolle Weise in Szenen dargestellt, sodass sich das Publikum damit identifizieren und darüber lachen kann. Im praktischen Teil werden die Vorurteile im Rahmen der Filme analysiert. Die Reaktionen auf die Filme in ausgewählten österreichischen Zeitungen schließen den praktischen Teil ab.

1 Definitionen

1.1 Was ist Humor?

Mit dem Begriff Humor und seiner Definition beschäftigen sich Wissenschaften wie Anthropologie, Biologie, Computerwissenschaft, Bildung, Filmwissenschaft, Geschichte, Linguistik, Literaturwissenschaft, Mathematik, Medizin, Philosophie, Physiologie, Psychologie und Soziologie. Die Psychologie setzt sich mit der Bezeichnung schon seit 100 Jahren auseinander und die letzten Jahrzehnte waren sehr produktiv, was die unterschiedlichsten Theorien und Forschungen betrifft. Die Teildisziplinen der Psychologie konzentrieren sich auf Humor aus unterschiedlichen Perspektiven. In der Psychologie der Emotionen ist Humor zum Beispiel ein Gefühl. In der kognitiven Psychologie ist es ein Zeichen der Intelligenz und in der Psychoanalyse trägt Humor die Bedeutung des Verteidigungsmechanismus (Piotr 2013). Freud unterscheidet zwischen zwei Formen von Humor, nämlich zwischen dem positiven (gutmütigen, wohlwollenden) und dem negativen (hässlichen, aggressiven) Humor (1927: 160). In seinem Buch Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten behauptet er, dass „der Humor [...] nun ein Mittel [sei], um die Lust trotz der sie störenden peinlichen Affekte zu gewinnen; er tritt für diese Affektentwicklung ein, setzt sich an der Stelle derselben“ (1905: 112). Er sagt, dass die Wesensverwandtschaft zwischen dem Komischen und dem Humor wenig zweifelhaft ist (1905: 113).

„Der Humor ist die genügsamste unter den Arten des Komischen; sein Vorgang vollendet sich bereits in einer einzigen Person, die Teilnahme einer anderen fügt nichts Neues zu ihm hinzu. Ich kann den Genuss der in mir entstandenen humoristischen Lust für mich behalten, ohne mich zur Mitteilung gedrängt zu fühlen“ (1905: 115).

William Ruch, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich, schlägt vor, dass wir die beste Erklärung des Begriffes bekommen, wenn wir ihn in das ganze Netz von Wörtern einsetzen (1998: 6).

„Humor ist einfach ein Element in der Komik, genauso wie der Witz, das Vergnügen, der Unsinn, der Sarkasmus, der Spott, die Satire oder die Ironie und im Grunde bezeichnet er eine freundliche Einstellung dem Leben und seiner Fehlordnungen gegenüber“ (Ruch 1998: 6). Wie oben erwähnt wurde, ist Humor nur ein Aspekt in der Komik, deshalb widmen wir uns auch der Komik. Die Autorin Kallwies-Meuser stellte in der Komik unterschiedliche Formen von Komödien auf. Diese Formen sind: die eindimensionale, die mehrdimensionale und die polyvalente Komik. Um die eindimensionale Komik zu verstehen, muss der Rezipient kein spezifisches, kulturelles Vorwiesen besitzen. Das Geschehene kann der Zuschauer wegen Gestik und Mimik leicht verstehen und wird dadurch unterhalten. In der mehrdimensionalen Komik werden Figuren lächerlich gemacht, obwohl sie über positive Eigenschaften verfügen. In der polyvanten Komik, ist es notwendig, dass der Adressat über ein kulturelles Vorwissen verfügt, um den Humor nachvollziehen und darüber lachen zu können (Kallwies-Meuser 2008: 246). Jörg Räwel, der Humor als Kommunikationsmedium geschrieben hat, behauptet, dass wir den Humor unterschiedlichen Sachformen unterordnen können. Räwel unterscheidet verschiedene Sachformen wie Satire, Ironie, Sarkasmus, Witz und andere. Die Satire übt Kritik, es geht ihr um die „Bekanntmachung von achtens- und missachtenswerten Personen oder Zuständen (für die wiederum Personen verantwortlich sind)“ (Räwel 2005: 95). Satire zeigt Schwächen und Fehler von Menschen auf und stellt sie auf ironischer und überspitzter Weise dar. Ironie ist eine Anmerkung, die durchblicken lässt, dass eigentlich das Gegenteil gemeint ist. Was wird behauptet, ist nicht ernst gemeint, sondern gerade das Gegenteil. Man muss aber an der Stimme oder an den Augen merken können, dass das Ausgedrückte nicht der Wahrheit entspricht, ansonst wird Ironie nicht funktionieren (Räwel 2005: 94). Nach Räwel können wir unter dem Witz „vorgefertigte, vom Kontext, also weitgehend von spezifischen sozialen Situationen unabhängige kommunikative Formen […] verstehen“ (Räwel 2005: 113). Durch das Gesagte sollte eine Pointe verständlich werden, damit diejenige Person, die den Witz liest oder hört zum Lachen gebracht wird (Räwel 2005: 114).

Der „Sinn für Humor“ ist ein anderer Begriff, der mit Humor im Netz liegt. Was meinen wir, wenn wir sagen, dass jemand Sinn für Humor hat? Eysenk, ein deutschstämmiger britischer Psychologe, weist auf drei unterschiedliche, mögliche Bedeutungen hin. Erstens könnte es bedeuten, dass man über die gleichen Sachen lacht wie wir. Zweitens könnte sie eine Person verkörpern, die sehr viel lacht und leicht zu amüsieren ist. Drittens ist damit eine Person gemeint, die sozusagen das Herz und die Seele einer Party ist. Sie erzählt immer lustige Geschichten und belustigt andere (Ruch 1998: 15f). Man sagt, dass der Sinn für Humor eine Eigenschaft ist, die sehr wünschenswert ist. Wie der amerikanische Essayist Frank Moore Colby sagt: „Männer gestehen den Hochverrat, Morde, die Brandstiftung, Zahnprothesen oder sogar Perücken. Aber wie viele von ihnen werden den Mangel an Humor gestehen?“ (Ruch 1998:15). Allport, ein amerikanischer Psychologe, behauptet, dass der Sinn für Humor ein Zeichen einer gesunden oder reifen Persönlichkeit ist. Die Person scheint auch tolerant sein und keine Vorurteile zu haben (Allport 1961: 292). Er beschreibt gesunden Sinn für Humor, als „die Fähigkeit, über die Sachen zu lachen, die man liebt (natürlich auch über sich selbst und alles was zu sich selbst gehört)“ (Allport 1961: 437). Für Freud ist ein gesunder Sinn für Humor die Fähigkeit, sich zu unterhalten, obwohl man sich bedroht fühlt (Ruch 1998: 43).

In der Filmwissenschaft ist Humor auch variantenreich. Es gibt Humor für jede Gesellschaftsschicht und für alle Intelligenzniveaus, den verbalen und auch den visuellen Humor. Man vermutet, dass die Zuschauer in unsystematischer oder einzeln subjektiver Art auf die Komödie reagieren. Auf der anderen Seite gibt es eine kritische Untersuchung von einigen psychologischen Theorien, die wesentliche Verbindung zwischen der Erkenntnis und der Komödie ans Licht bringt (Innes 2014: 1). „Der Humor wurde auch als unfreiwilliger Vergnügungszustand definiert, zu dem es durch die Beobachtung von Handeln, Sprechen, Schreiben oder von der Introspektion kommt“ (Olson 2007: 3). Durch diese Fähigkeiten werden Emotionen hervorgerufen, ohne dass wir es beabsichtigt haben. „Obwohl dieser Vergnügungszustand nicht freiwillig ist, sind die kognitiven Prozesse, die mit dem Humorerkennen und -bewerten verbunden sind, voraussagbar und zu einem gewissen Grad manipulierbar. Für Filmemacher ist es wichtig, die kognitiven Prozesse, die mit dem Humorerkennen und -bewerten verbunden sind zu kennen und die verschiedenen Humortheorien, die erklären, wie das Verhältnis von Einzelpersonen zum Humor ist, zu verstehen“ (Innes 2014: 1). Die kognitiven Prozesse umfassen hier die Fähigkeit eine Situation wahrzunehmen, die Informationen intellektuell zu verarbeiten, sich auf die daraus resultierende Interpretation auf emotionaler Ebene zu beziehen und mit einer gewissen messbaren Verhaltensweise zu reagieren (Innes 2014: 2f).

1.2 Vorurteile

Wir ordnen Menschen ein, sobald wir einem begegnen. Wenn wir jemanden nicht persönlich kennen oder einen Fremden sehen, entstehen in unserem Gehirn Gedanken, die das Unbewusste füllen. Aber was sind eigentlich diese Gedanken? Sie heißen Vorurteile. Sie bestimmen unsere Gefühle, Meinungen, können sogar festlegen, was wir als nächstes tun werden. Das Wort Vorurteil stammt vom Lateinischen ’praejudicum’ und bedeutet Gericht oder Urteil, der auf den vorigen Erfahrungen und Entscheidungen gegründet ist (Santos 2006: 21). G. J. Allport definiert in seiner Arbeit Die Natur des Vorurteils Vorurteile als „ablehnende oder feindselige Haltung gegenüber einer Person, die zu einer Gruppe gehört, einfach deswegen, weil sie zu dieser Gruppe gehört und deswegen dieselben zu beanstandenden Eigenschaften haben soll, die man dieser Gruppe zuschreibt“ (1979: 76).

Allport fasste unterschiedliche Stufen von Vorurteilen in der sogenannten Allport- Skala zusammen, die die fünf Stufen der Entwicklung und Erscheinungsformen eines Vorurteils darstellt (www.karteikarte.com 2017):

- Die erste Stufe ist Verleumdung: allgemeine Weitergabe von Vorurteilen und oftmals feindseligen Meinungen an andere.
- Die zweite Stufe ist Vermeidung: die abgelehnte Gruppe oder das abgelehnte Individuum wird gemieden, wobei eigene Umwege oder Unannehmlichkeiten in Kauf genommen werden.
- Danach folgt die dritte Stufe, die Diskriminierung genannt wird: aktive Beteiligung an der Ausgrenzung der Person oder Gruppe, Versuch der Fernhaltung von z. B. bestimmten Berufen, politischen Rechten oder sozialen Einrichtungen.
- Die vierte Stufe ist körperliche Gewaltanwendung: Verknüpfung von Vorurteilen mit gesteigerten (frustrierten, wütenden) Emotionen können zu Gewaltausübungen führen.
- Die fünfte und damit die letzte Stufe ist Vernichtung: extremste Ausübung von Gewalt. Beispiele: Lynchjustiz, Massen- und Völkermorde. „[...] Vorurteile knüpfen meist an äußere Merkmale an, die besonders auffällig (auch „salient“) sind. Insbesondere Hautfarbe, Geschlecht sowie andere Besonderheiten im Aussehen [...]“ (Allport 1979: 233).

Wir können zwischen mehreren Arten von Vorurteilen unterscheiden. Die größten Vorurteile gegenüber Personen sind aufgrund von Geschlecht und Rasse (Sexismus bzw. Rassismus). Andere beruhen auf dem Alter (sog. Altersdiskriminierung) und auch auf der äußeren Erscheinung, zum Beispiel gegenüber übergewichtigen Personen, oder anderen die vom gängigen Schönheitsideal abweichen. Ob man Vorurteilen ausgesetzt ist, hängt gerade davon ab, welchem Geschlecht oder welcher Rasse zu welcher Zeit und welchem Kulturkreis man angehört (Werth et al. 2008: 381). Jedoch existieren „Vorurteile [...] nicht nur in einer negativen Form. Menschen sind auch von positiven Vorurteilen geprägt, insbesondere gegenüber den Mitgliedern der eigenen Gruppe: ihres Landes, oder ihrer politischen Partei, ihrer Glaubensgemeinschaft oder ihres Fan-Klubs, ihres Berufstandes oder ihres Freundeskreises. [...]. Vorurteile sind Bestandteil des Prozesses der Identitätsbildung“ (Pelinka 2012: 22). Vorurteile werden jedoch nicht nur auf andere, sondern auch auf sich selbst angewendet ((www.rbb-online.de 2016)):

„Wir sortieren nicht nur die anderen in Gruppen ein, sondern ordnen uns ja auch selbst Gruppen zu. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Gruppen, denen ich angehöre und solchen, denen ich nicht angehöre. Und es ist eine menschliche Tendenz, Gruppen, denen ich selbst angehöre, besser zu bewerten“.

Eng mit dem Begriff „Vorurteil“ verbunden ist der Begriff „Stereotyp“. Stereotype sind „mentale Vereinfachungen komplexer Kontexte“ (IKUD 2013):

„Ein Stereotyp (griech. stereós - „fest, hart, haltbar, räumlich“ und týpos - „- artig“) ist eine mentale Vereinfachungen von komplexen Eigenschaften oder Verhaltensweisen von Personengruppen. Obwohl diese vereinfachten Eindrücke und Darstellungen nicht immer wahrheitsgetreu sind, benötigen wir Stereotype, um die Komplexität unserer Umwelt zu vereinfachen und die Interaktion mit Menschen anderer Gruppen zu erleichtern. Die Anwendung und das Vorhandensein von Stereotypen ist also ein gewöhnlicher Vorgang und ist nicht negativ zu bewerten, solange man sich über die starke Reduzierung der Realität bewusst ist.”

Für die Filmwissenschaft sind Vorurteile und Stereotype ein großes Thema. Der Einfluss von Filmen auf die Meinungsbildung und Einstellung von Menschen ist sehr bedeutend. Auf den Einfluss von Medien gehen zwei grundlegende Theorien zurück.

Zum einem die Kultivationshypothese (cultivation theory) und die Theorie des sozialen Lernens (social learning theory). Die Kultivationshypothese wurde von G. Gerbner aufgestellt. Diese Forschung beschäftigt sich mit und beruht auf der Medienwirkung. Sie besagt, dass das Fernsehen (d.h. Filme und Filmserien) einen großen Einfluss auf die Alltagswahrnehmungen und Einstellungen der Zuschauer ausübt (Shanahan et al. 1999: 12). Gerbner spricht auch darüber, dass die Massenmedien Verhalten und Werte, die sich bereits in einer Kultur befinden, formen. Diese Theorie stellt auch fest, dass die häufigsten Fernsehzuschauer (heavy viewers) anfälliger für die Botschaften der Medien sind. Die gelegentlichen Zuschauer können alternativen Informationsquellen ausgesetzt werden (www.masscommtheory.com 2014). Die Theorie des sozialen Lernens geht davon aus, dass Lernen nicht nur durch direkte Erfahrung, sondern auch durch das Beobachten und Empfinden hervorgerufen wird. Auch beim Beobachten medialer Inhalte wird viel an den Zuschauer weitervermittelt (Bandura 1977: 37).

Filme waren und sind eine große Quelle von stereotypen Charakteren. Heutzutage greifen Filmemacher diese Themen auf, um bei dem Publikum das Bewusstsein von Stereotypen und Vorurteilen zu wecken und auch um ein Verständnis für das Fremde und Unbekannte entwickeln zu helfen. Filme, die sich mit der Situation des Zusammenkommens von verschiedenen Kulturen auseinandersetzen, nennen sich Multikulti- und Migrationsfilme (Twele 2015). Diese Themen sind in mehreren formell unterschiedlichen Filmen zu finden, zum Beispiel in Komödien, Dokumentarfilmen, Kurzfilmen oder auch in Märchenfilmen.

1.3 Der Piefke: Vorurteile von Österreichern gegen Deutsche

Bevor wir zu den jeweiligen Vorurteilen kommen, analysieren wir, wie sich die Österreicher selbst sehen: „Wir Wiener leben ja in dem guten Gefühl, in der Hauptstadt der Welt zu wohnen. Vielleicht mag die Welt das anders sehen - Wien und seine Bewohner sind sich jedenfalls sicher, dass die Erdachse eine Verlängerung des Stephansdoms ist “ (Groebner 2011: 45). Insbesondere glauben die Wiener, dass sich der Wiener nicht wohlfühlen darf. Dass es ihm nicht in die Wiege gelegt wurde (Groebner 2011: 16) [denn] „dann hätte er keinen Grund mehr sich zu beschweren, umanandazuseiern, zu raunzen und grantig zu sein“ (Groebner 2011: 16). Wie sich aber die Wiener im Ausland präsentieren ist ganz unterschiedlich davon, wie sie sich in der Wirklichkeit fühlen: „Die Österreicher sehen sich als charmant, selbstrelativierend, leise und beliebt“ (Sixtus/Sillaume 2010). Eine andere Quelle besagt: „Nach ihrem Selbstbild befragt, [...] sehen sich die Österreicher selbst vor allem als lustig und gemütlich“ (Mappes-Niediek 2012: 98). Aber wie sind die Gefühle, die in ihnen wirklich abgehen? „[...], dass sich die Wiener eigentlich nur dann wirklich gut fühlen, wenn es ihnen schlecht geht. Wenn ich so richtig am ‘fäun‘ bin, ist alles okay. Wenn die Welt im ‘Oasch‘ (Arsch, richtig vermutet) ist, läuft es eigentlich gerade ganz gut“ (Groebner 2011: 58). Der Schauspieler Christoph Waltz hat in einem Interview über die Österreicher gesagt: „Erstens die Österreicher sind sehr höflich, und zweitens die meinen es nicht ernst“ (www.teamcoco.com 2013). Der Österreicher Groebner bestätigt dies mit seinen Worten, im Buch Servus Piefke (2011: 63):

„Wir Österreicher würden zwar niemals etwas dagegen sagen, weil wir höflich sind. Dafür haben wir auch immer irgendwo einen halb geöffneten Taschenfeidl (Taschenmesser) griffbereit, aber ansonsten sind wir höflich. Doch wir denken uns währenddessen unseren Teil, beispielweise: ‘Hallt die Pappn, du kannst des net‘.

Jetzt betrachten wir näher das Bild der Deutschen aus der österreichischen Perspektive.

„Ich weiß es noch ganz genau: Es waren viele. Sie waren laut. Die ganze Straßenbahn dröhnte. Und sie waren betrunken. Sehr betrunken. Und fröhlich. Sehr fröhlich. Und sehr betrunken. Und sehr laut. Von Ostern bis Allerheiligen waren sie da und machten Umsatz und Lärm. Das waren die Deutschen. also, wie sie bei uns in Wien heißen: Die Piefke. Und das ist korrekt geschrieben. Die Mehrzahl von Piefke heißt nämlich Piefke. Wer “Piefkes“ sagt, ist selbst ein Piefke“, beschreibt Severin Groebner in seinem Buch die Begegnung mit den Deutschen in Wien (2011: 12). Schon seit einigen Jahren lebt der Wiener Kabarettist, Autor und Schauspieler in Deutschland, in dem Land, das der Wiener zärtlich als „Piefkei“ bezeichnet. Das österreichische Wort Piefke geht auf den deutschen Militärmusiker Johann Gottfried Piefke zurück. Im Jahr 1866 fand am Ende des preußischösterreichischen Krieges in der Nähe von Wien eine große Parade vor König Wilhelm I. statt. Preußen hat Österreich im Krieg niedergeschlagen und ungefähr 50000 Preußen haben diesen Sieg gefeiert (Achleitner 2016).

Bei diesem feierlichen Akt waren auch zahlreiche Wiener. Neben Gottfried Piefke dirigierte sein Bruder Rudolf ein Musikkorps. Als die Wiener die preußischen Soldaten sahen, riefen sie: „Die Piefke kommen!“. Bis heute nennt man in Österreich die Deutschen die ’Piefke’, wobei diese Bezeichnung mit einer negativen Assoziation verbunden ist (Drösser 2007).

Dass es sich beim österreichischen und deutschländischen Deutsch nicht um zwei verschiedene Sprachen handelt, das wissen wir. Aber was denkt ein Österreicher darüber? Groebner schreibt dazu folgendes (2011: 62):

„Die Deutschen glauben, das Wienerische sei eine Sprache, die mit der ihren verwandt sei. Das ist an und für sie richtig. Sie ist so verwandt, wie ich mit dem Cousin der Nichte meines angeheirateten Großvaters verwandt bin. Entfernt”.

Für Bayern ist die Situation etwas anders, denn er „[...] kann sich aufgrund seines Dialektes in Österreich relativ gut einleben. Spricht man allerdings nur Hochdeutsch oder wie man manchmal in Österreich sagt ’nach der Schrift’, hört sich das für österreichische Ohren sehr arrogant an“ (Kranjc 2011: 73). Versucht ein Deutscher wienerische Worte auszusprechen, wird das normalerweise von Wienern als Faux-Pas bewertet (Groebner 2011: 63):

„Was uns daran stört, ist, dass die Deutschen wienerische Worte Deutsch aussprechen. Und das geht nicht. Denn Wienerisch ist eine Sprache aus deutschen, tschechischen, italienischen, jiddischen, ungarischen, türkischen, slowenischen und anderen Begriffen, die man am besten schlampig ausspricht. Also nicht deutsch. Nicht mit viel Artikulation und laut, sondern mit halb geschlossenem Mund, irgendwo hervorgurgelnd“.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die Österreicher ihre Sprache als ihr nationales Erbe ansehen und auf ihren Variantenreichtum der Laute sehr stolz sind.

Ein Klischee besagt: Die Deutschen hätten keinen Sinn für Humor (Linthout 2008: 231f):

„Schon in Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre heißt es: Es sitzt im Charakter der Deutschen, dass sie alles schwermütig stimmt und sie alles tragisch nehmen. [...] Deutsche wirken durch ihr schwieriges Verhältnis zum Humor schwermütig und allzu ernst. Hinzu kommt, dass sie durch ihre Direktheit und ihr Bedürfnis, alles in Sprache zu fassen und zu verdeutlichen, weniger empfänglich für Mimik, Gebärdensprache, Understatement, doppelte Böden und Ironie sind. Selber manche Deutsche sind davon überzeugt, dass die deutsche Form des Humors eher zum Weinen ist“.

[...]

Details

Seiten
37
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668469501
ISBN (Buch)
9783668469518
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366747
Institution / Hochschule
Univerzita Pavla Jozefa Šafárika v Košiciach
Note
C
Schlagworte
Filmanalyse Humor Österreichischer Film Vorurteile Österreicher Deutsche

Autor

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