Lade Inhalt...

Die Entstrukturierungsdebatte

von Neema Li (Autor)

Referat (Ausarbeitung) 2017 9 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhalt

1 Worum geht es in der Entstrukturierungsdebatte?

2 Was ist die zentrale Aussage der Individualisierungsthese und wie verhält sie sich zu Konzepten wie Klasse oder Schicht?

3 Durch welche Dimensionen ist nach Beck der Individualisierungsschub gekennzeichnet?

4 Was beschreibt Beck mit dem „Fahrstuhleffekt“ und wie hängt dieser mit dem Individualisierungsprozess zusammen?

5 Um welche Aspekte der Entstrukturierung geht es bei Berger?

6 Welche Kritikpunkte werden den Entstrukturierungsansätzen entgegengehalten?

7 Welche Erkenntnisse kann man aus der Entstrukturierungsdebatte für die Untersuchung sozialer Mobilität ableiten?

Literaturangaben:

Die Entstrukturierungsdebatte

1 Worum geht es in der Entstrukturierungsdebatte?

- Individualisierung

= Freisetzung der Individuen aus traditionellen Bindungen (Klasse, Schicht), was neue Freiheiten und Ungleichheiten mit sich bringt.

- Industriegesellschaft à Risikogesellschaft
- Wohlstandssteigerung
- Fehlende Identifizierung mit der Gruppe
- Entgrenzung der Lebensführung
- Erhöhung der Risiken und Eigenverantwortung des Individuums

Individualisierung bedeutet, dass „die Menschen in einem historischen Kontinuitätsabbruch aus traditionellen Klassenbindungen und Versorgungsbezügen der Familie herausgelöst und verstärkt auf sich selbst und ihr individuelles Schicksal mit allen Risiken, Chancen und Widersprüchen verwiesen werden.“ (Berger, 1994, S.44)

Infragestellung der Nützlichkeit traditioneller Analysekonzepte wie Klasse/ Schicht - Konzepte sind nichtmehr in der Lage, wesentliche Charakteristika der Struktur sozialer Ungleichheiten zu erfassen - Klassen/ Schichten spielen nur noch eine untergeordnete Rolle für das Denken und Handeln der Menschen

Es haben sich strukturelle Veränderungen ergeben, woraus sich Wandlungsprozesse ableiten, deren Ausmaß umstritten ist. Kontrovers diskutiert wird die Frage, welche Auswirkungen diese Wandlungsprozesse auf die Wahrnehmung sozialer Ungleichheit, ihre Bedeutung im Bewusstsein der Menschen und auf das soziale Leben der Menschen haben. Kritiker der traditionellen Ungleichheitsforschung sind der Meinung, diese Ausmaße seien so gravierend, dass es nicht mehr sinnvoll ist, in modernen Gesellschaften on Schichten und Klassen zu sprechen.

Die drei klassischen vertikalen Ungleichheitsmerkmale: Bildung, berufliche Position und Einkommen seien immer weniger bestimmend für das individuelle Verhalten.

Der zentrale Stellenwert des Kategorisierungsfaktors „Arbeit“ in Frage gestellt. - Arbeit verändert ihren Charakter & verlässt überhaupt das Zentrum der Ungleichheitsstruktur - Grund: gestiegener Wohlstand, dad. Arbeitsverkürzungen; Lockerung der Abhängigkeit, dad. Entwicklung neuer Lebensziele - Veränderung der Bedeutung der Arbeit als solches - Wertewandel vom Materialismus zum Postmaterialismus

Niedergang des vertikalen Modells sozialer Ungleichheiten, Einzug neuer Ungleichheiten: Dimensionen, Ursachenfelder, Statuszuweisungsmechanismus, Gefüge

Mit diesen neuen Ungleichheiten kommen Klassen und Schichtkonzepte nicht zurecht, da gewisse Bevölkerungsschichten ganz aus dem Analyseraster herausfallen (Senioren, Frauen), Konfliktlinien werden nicht beachtet, diese führen jedoch zu neuen sozialen Bewegungen, die entlang von Konfliktlinien agieren, mit Klassenkonflikten aber nichts mehr zu tun haben.

Nur schwaches Fundament der ökonomisch, objektivistisch, deterministisch orienteirte Soziologie soz. Ungleichheiten, deshalb ist es naheliegend, eine Auflösungsperspektive einzunehmen und nach neuen Begriffen und Modellen für neue Strukturen zu suchen.

2 Was ist die zentrale Aussage der Individualisierungsthese und wie verhält sie sich zu Konzepten wie Klasse oder Schicht?

Beck ist durch die Formulierung seiner Individualisierungsthese einer der bekanntesten Vertreter von Richtungen, die man als Entstrukturierungsansätze oder Auflösungsthesen bezeichnet.

Die Individualisierungsthese ist eine Position zur sozialen Ungleichheit, die keine Begriffe wie Klasse oder Schicht verwendet, um ungleichheitsrelevante Gruppen zu identifizieren. Sie behauptet, dass sich die heutige Gesellschaft jenseits von Klasse und Stand befindet, d.h. dass heutzutage überhaupt keine gesellschaftlichen Großgruppen mehr existieren, die nicht nur rein statistische Zusammenfassungen (z.B. ähnliches Einkommen) darstellen.

Objektive Bedingungen und subjektive Lebensweisen fallen danach stark auseinander.

Die Individualisierungsthese ist nicht allein eine Position zu Ungleichheitsverhältnissen, sondern auch eine Gegenwartsdiagnose für westliche Gesellschaften seit ca. den 60er Jahren.

Beck:

Im Zuge einer steigenden Modernisierung nimmt auch die Individualisierung zu, mit ihr wiederum nehmen die Risiken der Individuen zu.

3 Durch welche Dimensionen ist nach Beck der Individualisierungsschub gekennzeichnet?

Beck stellt sich die Frage, welche gesellschaftlichen Entwicklungen sich v.a. in den sechziger Jahren (v.a. in Dtl.) vollzogen haben, verallgemeinert seine Gedanken auch generell auf moderne Gesellschaften. Er stellt fest, dass es einen Individualisierungsschub gegeben hat, der durch drei Dimensionen gekennzeichnet ist: (Vgl. Friedrichs, S. 34)

a) Freisetzung

- aus traditionellen Bindungen - keine sozial vorgegebene Biographie - der Einzelne wird zum Gestalter seines eigenen Lebens z.B. aus Ständen, Klassen, traditionellen Geschlechterrollen Durch die Freisetzung gibt es mehr Mobilität und Wahlfreiheit als vorher. Man kann z.B. seinen Beruf unabhängiger davon wählen, welchen Beruf die Eltern haben oder selbst entscheiden ob und wann man heiratet und Kinder bekommt. Insgesamt sind Handlungsorientierungen, die dadurch entstehen, dass man in eine bestimmte Fmilie und soziale Lage hineingeboren wurde oder ein bestimmtes Geschlecht hat geringer geworden.

b) Entzauberung

- Verschwinden von Sicherheiten durch Wegfall der vorgegebenen Handlungsorientierung
- Unsicherheiten/ Risiken werden den Individuen zugeschrieben

Individualisierung bedeutet mehr Freiheit, aber auch mehr Unsicherheit für das Individuum:

Dadurch, dass es keine festen Handlungsorientierungen mehr gibt, muss man selbst entscheiden, ohne es sicher zu wissen, was die richtige Wahl ist. Man kann sich z.B. einfach wieder von seinem Partner trennen, diese Freiheit birgt aber das Risiko, dass man von seinem Partner verlassen wird. Eine Frau kann sich z.B. auch im Gegensatz zu früher weniger darauf verlassen finanziell abgesichert zu sein. Es existieren mehr Entscheidungszwänge und Entscheidungsrisiken mit denen die Individuen umgehen müssen.

Außerdem werden die Risiken verstärkt den einzelnen Individuen zugeschrieben: Wird man z.B. arbeitslos, so wird dem Individuum selbst mehr die Verantwortung zugeschoben. Es hat sich nicht genügend Mühe gegeben, die falsche Berufswahl getroffen,…Auch wenn man weiß, dass die Arbeitslosigkeit möglicherweise strukturelle Ursachen haben kann führt das nicht zu einer Solidarisierung der Klasse von Arbeitslosen, es sind individualisierte Arbeitslose. Individualisierung kann somit auch als gesellschaftlicher Zurechnungsmodus verstanden werden, der die Selbstverantwortung und Selbststeuerung betont.

c) Reintegration in die Gesellschaft - Freiheit des Individuums ist nicht unendlich - Neue Art der Einbindung, nicht mehr durch Klassen vermittelt - Beschränkter Entscheidungsraum - Selbstbeteiligung an Integration nötig

Die Freiheit des Individuums ist nach der Individualisierungsthese nicht unendlich. Es gibt eine neue Art der Wiedereinbindung nicht durch Klassen vermittelt, sondern institutionelle Integration. Es gibt in der heutigen Gesellschaft einen Zwang sich zu entscheiden (z.B. welchen Beruf jmd. Ergreift) die Entscheidungen sind zusätzlich auch begrenzt (durch institutionelle Bedingungen: Arbeitsmarkt, rechtliche und sozialstaatliche Regelungen, …)

- Fazit:

Freisetzung führt zu Mobilität, jedoch auch zu Unsicherheiten und Risiken die dem Individuum zugeschrieben werden. Nach der Freisetzung wird eine Reintegration forciert, die die gewonnenen Freiheiten wieder einschränkt à Ambivalenter Charakter der Individualisierung (Freisetzung und Reintegration)

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668469464
ISBN (Buch)
9783668469471
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366537
Note
2,0
Schlagworte
entstrukturierungsdebatte

Autor

  • Neema Li (Autor)

Teilen

Zurück

Titel: Die Entstrukturierungsdebatte