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Stereotype und Vorurteile. Entstehung, Auswirkungen und Interventionsmöglichkeiten

Bachelorarbeit 2016 57 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Stereotype
2.2 Vorurteile

3 Entstehung von Stereotypen und Vorurteilen
3.1 Soziale Kategorisierung als Basis für Stereotype
3.1.1 Kategoriale Differenzierung
3.1.2 "Who said what?“-Paradigma
3.2 Subtyping vs. Subgrouping (Subtypisierung vs. Untergruppierung)
3.3 Kontrollierte und automatische Prozesse von Stereotypen und Vorurteilen.
3.4 Inhalte von Stereotypen

4. Auswirkungen von Stereotypen (und Vorurteilen)
4.1 Stereotype - threat theory
4.1.1 Möglichkeiten Stereotype threat entgegenzuwirken
4.1.2 Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden
4.2 Auswirkungen von Stereotypen auf die Wahrnehmenden
4.2.1 Auswirkungen auf das Handeln

5. Interventionsmöglichkeiten
5.1 Dekategorisierung und Rekategorisierung
5.2 Die Kontakthypothese
5.2.1 Der erweiterte Kontakteffekt
5.2.2 Kritik an der Kontakthypothese

6. Diskussion

7 Literatur

Zusammenfassung

Die Basis für Stereotype und die damit verbundene Stereotypisierung ist die soziale Kategorisierung; dabei teilen Menschen andere Menschen in Gruppen ein. Taylor, Fiske, Etcoff und Rudermann (1978) konnten zeigen, dass Menschen Kategorien wie Geschlecht oder Ethnizität dazu nutzen, um Informationen über andere Menschen zu ordnen. Stereotype sind dabei Attribute, die Menschen aufgrund ihrer Kategoriezugehörigkeit zugeschrieben werden. Durch diese Einteilung ergibt sich auch die Unterscheidung zwischen Eigen- und Fremdgruppe(n). Tajfel & Wilkes (1963) konnten mit ihren Untersuchungen den grundlegenden Prozess demonstrieren (Akzentuierungsprinzip), durch den es zur Über- und Unterschätzung von Unterschieden zwischen verschiedenen Gruppen kommt und durch den die wahrgenommene Homogenität von Fremdgruppen entsteht. Subtyping und Subgrouping stellen zwei Formen der Stereotypisierung dar, mittels derer Menschen Mitglieder einer Gruppe entweder in eine separate Subkategorie einordnen und als Ausnahme von der Regel betrachten (Subtyping) oder andere Individuen aufgrund stereotypkonsistenter oder stereotypinkonsistenter Informationen in verschiedene Gruppierungen ordnen (Subgrouping). Die Ergebnisse von Kunda & Oleson (1995) veranschaulichen dabei den kreativen Prozess, mit dem Menschen eine Subtypisierung anderer Menschen rechtfertigen. Devine (1989) konnte zeigen, dass vorurteilsbehaftete Reaktionen durch kontrollierte kognitive Prozesse verhindert werden können. Bezüglich der Inhalte von Stereotypen konnten Fiske, Cuddy, Glick und Xu (2002) mit ihren Untersuchungen die Vielseitigkeit dieser demonstrieren und wie sie mit der wahrgenommenen Kompetenz und Wärme sowie dem Status von Gruppen variieren.

Die Stereotypisierung hat für die betroffenen Mitglieder dabei verschiedene Auswirkungen. Steele und Aronson (1995) demonstrierten in ihrer Untersuchung das Phänomen des stereotype threat (Bedrohung durch Stereotype), welcher die Leistung von stereotypisierten Personen in Leistungssituationen beeinträchtigen kann. In der empirischen Forschung wurden verschiedene Möglichkeiten untersucht, der Bedrohung durch Stereotype entgegenzuwirken. Aronson, Fried &

Good (2002) konnten zeigen, dass die Sichtweise von Intelligenz als veränderbar und formbar die negativen Effekte von stereotype threat verringern kann. Johns, Schmader & Martens (2005) wählten dagegen den Ansatz, die Betroffenen über die Bedrohung durch Stereotype aufzuklären, wodurch sich auch die negativen Effekte verringern ließen.

Stereotype und daraus entstehende Vorurteile können auch Auswirkungen auf die Gesundheit und die emotionalen Reaktionen von Personen haben, wie Frost, Lehavot & Meyer (2013) und Sawyer, Major, Casad, Townsend & Mendes (2012) durch ihre Untersuchungen zeigen konnten. Wie stereotypisierte Mitglieder mit Vorurteilen und negativen Erlebnissen umgehen ist unterschiedlich. Branscombe, Schmitt & Harvey (1999) schlugen ein Ablehnungs-Identifikationsmodell vor, nach dem stabile Attributionen auf Vorurteile einen negativen Effekt auf das Wohlbefinden haben, wohingegen positive Effekte auf das Wohlbefinden durch die Identifikation mit der eigenen (Minderheits-)Gruppe entstehen sollten, welches auch durch ihre Untersuchungen gestützt werden konnte.

Auf Seite der wahrnehmenden Personen demonstrierten die Untersuchungen von Correll, Park, Judd & Wittenbrink (2002), wie Stereotype das Handeln von Personen in einer Entscheidungssituation beeinflussen können, insofern, dass die Hemmschwelle auf eine Person (in einem Videospiel) zu "schießen" bei Personen, über die negative Stereotype herrschen, niedriger ist als bei Personen, über die keine negativen Stereotype herrschen. Dieser so genannte "Shooter Bias" fand sich in der Untersuchung von Correll, Hudson, Guillermo & Ma (2014) zwar bei Studenten, nicht jedoch bei Polizisten.

Im Bereich der Intervention gegenüber Stereotypen, Vorurteilen und Feindseligkeiten entwickelte Allport (1954) seine Kontakthypothese, die spezifiziert, unter welchen Bedingungen Kontakt zwischen Gruppen zur Reduktion von Vorurteilen führen sollte. Pettigrew (1998) entwickelte die Kontakthypothese weiter und schlug verschiedene Prozesse vor, durch die dieses Ziel erreicht werden sollte. In der empirischen Forschung zeigte sich überwiegend, dass Kontakt unter den von Allport (1954) vorgeschlagenen Bedingungen generell zur Reduktion zwischen Gruppen führt, diese jedoch nicht essentiell für einen solchen Effekt sind. Neben direktem Kontakt zeigte sich auch, dass allein das Wissen um intergruppale

Freundschaften Vorurteile reduzieren kann (vgl. Wright, Aron & McLaughlin-Volpe (1997)). Eller, Abrams & Gomez (2012) fanden heraus, dass dieser erweiterte Kontakteffekt jedoch nur dann wirksam wird, wenn der direkte Kontakt niedrig ist. Trotz der überwiegend positiven Befundlage wurde auch Kritik gegenüber der Kontakthypothese geäußert, die größtenteils an ihrer Prämisse der "optimalen Kontaktbedingungen" ansetzt, die laut einiger Autoren (Dixon, Durrheim und Tredoux (2005)) wenig mit alltäglichen Kontaktsituationen zu hat.

1 Einleitung

Stereotype und Vorurteile gegenüber Fremdgruppen sind mehr denn je, mit Blick auf den Zuzug zahlloser Menschen aus anderen Kulturen nach Europa, oder dem gravierenden Regierungswechsel in den USA, ein hoch aktuelles Thema. Doch wie entstehen diese und was kann getan werden, um Vorurteile und die daraus resultierende soziale Diskriminierung zu reduzieren?

In dieser Bachelorarbeit soll dargestellt werden, wie Vorurteile und Stereotype entstehen, welchen Einfluss sie auf die Wahrnehmung und das Handeln, und welche Auswirkungen sie auf die Zielpersonen haben. Des Weiteren werden die Prozesse von Stereotypisierung und die Konsequenzen, die sich für den Wahrnehmenden ergeben, behandelt. Zudem soll es darum gehen, inwiefern sich die Inhalte von Stereotypen unterscheiden.

Darüber hinaus werden Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt, mit denen man Vorurteilen und sozialer Diskriminierung entgegenwirken kann.

Zunächst werden grundlegende relevante Begriffe erläutert, anschließend die Grundlagen von Stereotypen sowie damit zusammenhängende Prinzipien beleuchtet. Danach werden verschiedene Formen von Stereotypisierung thematisiert sowie automatische und kontrollierte Prozesse von Stereotypen. Es folgen die Inhalte von Stereotypen. An diese schließen zunächst die Auswirkungen von Stereotypen auf die betroffenen Personen an, danach werden die wahrnehmenden Personen in den Fokus gerückt. Und zum Schluss wird die Kontakthypothese als eine mögliche Intervention zur Reduktion von Vorurteilen und Feindseligkeiten zwischen Gruppen und deren Kritikpunkte behandelt.

2 Begriffsbestimmungen

Bevor die Entstehung von Stereotypen und Vorurteilen thematisiert wird, ist es wichtig, eine Begriffsbestimmung dieser Phänomene vorzunehmen.

2.1 Stereotype

Bei Stereotypen handelt es sich um "die sozial geteilten Überzeugungen bezüglich der Attribute, Eigenschaften, Verhaltensweisen, etc., hinsichtlich derer die Mitglieder einer Gruppe einander ähneln" (Stürmer, S. 76, 2013) Dabei ist es wichtig anzumerken, wie auch Stürmer (2013) hervorhebt, dass es sich nicht um individuelle, sondern um sozial geteilte Überzeugungen handelt. Bei Stereotypen handelt es sich also nicht um die Bewertung, sondern um die kognitive Repräsentation einer Gruppe (Stürmer, S. 77, 2013).

2.2 Vorurteile

Im Gegensatz zu Stereotypen lassen sich Vorurteile definieren als "die positive oder negative Bewertung einer sozialen Gruppe und ihrer Mitglieder aufgrund der ihr zugeschriebenen Merkmale, der mit der Gruppe assoziierten Effekte und verhaltensbezogener Informationen" (Stürmer, S. 77, 2013). Vorurteile entstehen danach erst durch das Bestehen von Stereotypen und sind eine mögliche Folge dieser. Dies bedeutet jedoch nicht, dass aus Stereotypen zwangsläufig Vorurteile entstehen müssen. Wann genau es bei Menschen zur Entstehung von Vorurteilen gegenüber anderen kommt soll in einem späteren Abschnitt behandelt werden.

3 Entstehung von Stereotypen und Vorurteilen

Die meisten Menschen kennen sie, Stereotype über bestimmte Personengruppen, seien es die "fleißigen Deutschen" oder "kriminelle Afroamerikaner". Je nach Konnotation der Stereotype kann dies negative Konsequenzen für die Betroffenen haben. Bevor jedoch auf diese Auswirkungen eingegangen wird, stellt sich die Frage, wie Stereotype entstehen und wo ihr Ursprung liegt. Diese Fragen sollen im folgenden Abschnitt behandelt werden.

3.1 Soziale Kategorisierung als Basis für Stereotype

Die soziale Kategorisierung beschreibt den Prozess, mittels dem Menschen andere Menschen in verschiedene Gruppen einteilen und kategorisieren. Dabei ist jeder Mensch Mitglied einer Vielzahl von sozialen Kategorien und es bestehen oft Subkategorien. So können zum Beispiel in der Kategorie "Student" Subkategorien wie Psychologiestudent und Medizinstudent unterschieden werden. Grundlage dieser sozialen Kategorien können neben selbst gewählten Kategorien wie dem Studiengang oder einer Parteizugehörigkeit auch Faktoren sein, über die man keine Kontrolle hat, wie zum Beispiel Herkunft oder Hautfarbe. Oft sind mit bestimmten Kategorien bestimmte Vorstellungen und Stereotype verknüpft. Diese mit der Kategorisierung verfügbar werdenden Stereotype erlauben es Menschen, eine Beurteilung und Bewertung anderer zu treffen, ohne dass außer der Kategorienzugehörigkeit weitere Informationen vorliegen müssen (Petersen, L. E. & Six, B., S. 24, 2008).

3.1.1 Kategoriale Differenzierung

Eine Besonderheit bei der Wahrnehmung von Fremdgruppen ist die wahrgenommene Homogenität. Grundlage der wahrgenommenen Homogenität ist das sogenannte Akzentuierungsprinzip, welches von Tajfel & Wilkes (1963) in einer Untersuchung demonstriert wurde. Die Untersuchung von Tajfel & Wilkes (1963) zeigte, dass Kategorisierung zu einer perzeptuellen Akzentuierung der wahrgenommenen Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen Kategorien führt. Das bedeutet, dass Merkmale derselben Kategorie als ähnlicher wahrgenommen werden, als diese tatsächlich sind (Assimilation). Merkmale unterschiedlicher Kategorien werden dagegen als unähnlicher wahrgenommen (Konstrastierung).

Tajfel & Wilkes (1963) stellten sich die Frage, wie die Kenntnis darüber, dass Stimuli in bestimmte Kategorien fallen, die Beurteilung einer physikalischen Dimension dieser Stimuli beeinflusst, und zwar dann, wenn die

Beurteilungsdimension in Zusammenhang mit der Kategorie steht.

Dabei gehen die Autoren davon aus, dass die Kategorisierung von Stimuli, wenn diese in Zusammenhang mit der Beurteilungsdimension (hier die physikalische Größe) steht, einen Effekt auf die Beurteilung dieser Dimension hat. Bei einer Klassifikation von Stimuli, bei der die Kategorien keinen Zusammenhang mit der Beurteilungsdimension aufweisen, sollte diese Klassifikation dagegen keinen Effekt auf die Beurteilung haben. Die Unterschiede zwischen den Urteilen der physikalischen Größe sollten in einer Urteilsfolge mit Stimuli, die zu verschiedenen Kategorien gehören, größer sein als in einer identischen Urteilsfolge, in der keine Klassifikation der Stimuli vorgenommen wurde, es also keine Kategorien gab. Dagegen sollten Unterschiede zwischen den beurteilten Größen in einer Urteilsfolge mit Stimuli, die zur selben Kategorie gehören, kleiner sein als in einer Urteilsfolge, in der die Stimuli keine Kategorienzugehörigkeit aufweisen. Tajfel & Wilkes (1963) argumentieren, dass bei Stimuli, die in direkter Beziehung zur physikalischen Dimension, die beurteilt werden soll, stehen, die Kategorie der Stimuli eine zusätzliche Informationsquelle über die Relation der Größe dieser Stimuli im Vergleich zu anderen Stimuli liefert (Tajfel & Wilkes, S. 103, 1963).

Um diese Hypothesen zu überprüfen, führten die Autoren mehrere Experimente durch, bei denen Probanden die Größe von verschiedenen Linien einschätzen sollten. Ingesamt gab es drei Klassifikationsgruppen (Tajfel & Wilkes, S. 105, 1963).

In der Gruppe C ("classified") wurden den Probanden Linien präsentiert, die in zwei Kategorien aufgeteilt waren. Dabei bestand zwischen der Kategorie und der Größe

ein Zusammenhang. Über den vier kürzeren Linien stand der Buchstabe "A", über den vier längeren der Buchstabe "B".

In der Gruppe R ("randomly classified") wurden die Linien auch in zwei Kategorien (A und B) aufgeteilt, es bestand jedoch kein vorhersagbarer Zusammenhang zwischen der Größe der Linien und ihrer Kategorie.

In Gruppe U ("unclassified") wurden den Probanden die Linien ohne Kategorien präsentiert.

Über alle Experimente hinweg zeigte sich, dass die Unterschiede zwischen den Urteilen beim Übergang (zwischen Stimuli 4-5) in Gruppe C ("classified") signifikant größer waren im Vergleich zu Gruppe R ("randomly classified") und Gruppe U ("unclassified"). In der ersten Sitzung (siehe Fig. 1) war der augenscheinliche (beurteilte) Unterschied in Gruppe C 100 % größer als der tatsächliche Unterschied, in Gruppe R und U waren es dagegen nur 11 %. In der zweiten Sitzung (siehe Fig. 2) war der beurteilte Unterschied in Gruppe C 122 % größer, in Gruppe R und U waren es dagegen 44 m% (Tajfel & Wilkes, S. 107, 1963).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fig. I. Comparison of actual and apparent differences between adjacent stimuli in

Expta. Ια and Ila.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Adiaccni stimuli

Fig. 2. Comparison of actual and apparent differences between adjacent stimuli in

Expts. Ila and II b.

Die Autoren ziehen aus diesen Ergebnissen die Schlussfolgerung, dass eine Klassifikation von Stimuli, wenn diese in direktem Zusammenhang mit der Größe dieser steht, die wahrnehmbaren Unterschiede zwischen den Stimuli signifikant erhöhen. Dies geschieht genau an dem Punkt des Übergangs von der einen Kategorie zur anderen (Tajfel & Wilkes, S. 112, 1963). Dabei führen die Autoren aus, dass diese Befunde eine simplifizierte Ausübung von Stereotypisierung darstellen, bei der es auch zur Über- und Unterschätzung von Differenzen zwischen verschiedenen Gruppen kommt (Tajfel & Wilkes, S. 113, 1963).

3.1.2 "Who said what?“-Paradigma

Nachdem es im letzten Abschnitt um die Grundlage der wahrgenommenen Homogenität von Fremdgruppen und den Effekt der Kategorisierung auf Urteile ging, soll es nun um spontane soziale Kategorisierung gehen. Taylor, Fiske, Etcoff und Rudermann (1978) demonstrierten in drei Studien die Auswirkung von spontan aktivierten sozialen Kategorien auf die Erinnerung und Wahrnehmung.

Dabei stellen die Autoren eine Reihe von Hypothesen zur kognitiven Basis für Stereotype auf, von denen im Folgenden die zentralen genannt werden sollen (Taylor et al., S. 779, 1978).

Taylor et al. (1978) gehen davon aus, dass Menschen Merkmale wie Geschlecht oder Ethnizität dazu nutzen, um andere Menschen zu kategorisieren und Informationen über diese zu organisieren. Des Weiteren postulieren sie, dass aufgrund dieser Kategorisierung wahrgenommene Unterschiede innerhalb einer Gruppe minimiert und Unterschiede zwischen den Gruppen verstärkt wahrgenommen werden. Das Verhalten von Mitgliedern innerhalb einer Gruppe sollte laut der Autoren außerdem im Sinne bestehender Stereotype interpretiert werden.

In der ersten Studie sollten die Probanden eine Gruppe von Individuen beobachten, die eine Diskussion führten. Dabei waren die Individuen gemischt nach Geschlecht und Ethnizität. Anschließend sollten die Probanden sich daran erinnern, wer was während der Diskussion gesagt hatte. Aus dieser Aufgabenstellung ergibt sich auch der Name des Paradigmas (Who said what?“-Paradigma"). Die Autoren begründen ihre Wahl des Fehlertyps als abhängige Variable damit, dass Probanden mehr Fehler innerhalb einer Kategorie als zwischen den Kategorien machen sollten, wenn sie die Individuen auf Basis des Geschlechts bzw. der Ethnizität kategorisieren, und zwar aufgrund der höheren wahrgenommenen Ähnlichkeit (Taylor et al., S. 781, 1978).

Es zeigte sich, dass die Fehler innerhalb einer Kategorie (z. B. wurde die Aussage einer schwarzen Person fälschlicherweise einer anderen schwarzen Person zugeordnet) signifikant häufiger auftraten als Fehler zwischen den Kategorien. Dieser Kategorisierung folgend wurde das Verhalten von Mitgliedern einer Subgruppe zudem stereotypengemäß interpretiert. So wurden männliche Personen als zuversichtlicher, weniger sensibel, einflussreicher, analytischer und weniger herzlich angesehen als Frauen, obwohl das Verhalten gleich war (Taylor et al., S. 791, 1978). Darüber hinaus war, wie von den Autoren erwartet, zu beobachten, dass bei weißen Probanden Verwechslungen innerhalb einer Kategorie vermehrt auftraten, wenn die Personen schwarz waren.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Geschlecht und Ethnizität soziale Kategorien sind, die von Menschen dazu benutzt werden um Informationen über andere Menschen zu ordnen (Taylor et al., S. 792, 1978). Laut den Autoren sind Stereotype dabei Attribute, die Menschen aufgrund ihrer Kategoriezugehörigkeit zugeschrieben werden. Taylor et al. (1978) ziehen den Vergleich zu den Experimenten von Tajfel & Wilkes (1963), bei denen diese Zuschreibung von Attributen auf Objekte erfolgte. Der grundlegende Prozess, der hinter der Stereotypisierung und damit der Zuschreibung von Attributen aufgrund einer bestimmten Kategoriezugehörigkeit liegt, scheint damit sowohl für Objekte wie auch für Menschen ähnlich zu sein. Aus diesen Überlegungen kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Grundlage von Stereotypisierung in normalen kognitiven Prozessen wie die der Kategorisierung liegt (Taylor et al., S. 792, 1978).

3.2 Subtyping vs. Subgrouping (Subtypisierung vs. Untergruppierung)

Nachdem es im vorangegangen Abschnitt um soziale Kategorisierung als Basis für die Entwicklung von Stereotypen ging, sollen verschiedene Formen der Stereotypisierung thematisiert werden. Dabei lassen sich zwei Prozesse unterscheiden, Subtyping (Subtypisierung) und Subgrouping (Untergruppierung). Beim Subtyping werden Mitglieder einer Kategorie/Gruppe in eine separate Subkategorie eingeordnet und als Ausnahme von der Regel betrachtet, wenn diese bestehende Stereotype widerlegen sollten. Diese Individuen werden dadurch als untypisch für die Kategorie betrachtet (Richards & Hewstone, S. 52, 2001).

Beim Subgrouping geht es hingegen darum, wie die wahrnehmende Person andere Individuen aufgrund stereotypkonsistenter oder stereotypinkonsistenter Informationen in verschiedene Gruppierungen ordnet. So könnte zum Beispiel die Gruppe der Frauen in verschiedene Gruppierungen unterteilt werden (Hausfrauen, Karrierefrauen, Singles,...). Dabei können diese Gruppierungen sowohl Mitglieder enthalten, welche die Stereotype bestätigen, als auch Mitglieder, die diese widerlegen (Maya, Machunski, Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung, S. 49, 2005, Weinheim: Beltz.).

Es zeigte sich, dass Individuen, welche die bestehenden Stereotype ihrer Gruppe widerlegen, als eigenständige und unrepräsentative Subgruppe betrachtet werden (Weber & Crocker, 1983, zitiert nach Kunda & Oleson, S. 565, 1995). Durch diese Abspaltung einzelner Individuen von der Gruppe ist es Menschen möglich, ihre Stereotype beizubehalten, auch wenn sie auf Ausnahmen stoßen, die diesen widersprechen (Kunda & Oleson, S. 565, 1995). Kunda & Oleson (1995) argumentieren, dass Menschen ihre bestehenden Stereotype jedoch nur dann beibehalten sollten, wenn sie eine solche Subtypisierung rechtfertigen können (Kunda & Oleson, S. 566, 1995).

Die Autoren nehmen an, dass zusätzliche untypische Attribute Menschen einen Grund dafür geben, Mitglieder, welche die bestehenden Stereotype widerlegen, zu subtypisieren. Dabei sollten sogar neutrale Attribute eine solche Subtypisierung fördern, da laut Kunda & Oleson (1995) Menschen versuchen werden, selbst zuvor neutrale Attribute als Grund für die Subtypisierung anderer Individuen anzusehen. Wenn dieser Prozess der Rechtfertigung einer solchen Subtypisierung jedoch misslingt, sollte eine Generalisierung vom Individuum auf die gesamte Gruppe erfolgen und damit zur Veränderung des Stereotyps führen (Kunda & Oleson, S. 567, 1995). Darüber hinaus wird von den Autoren angenommen, dass, wenn das neutrale Attribut als Grund und Rechtfertigung für die Subtypisierung dient, dieses als untypisch für die stereotypisierte Gruppe angesehen werden sollte. In ihrer letzten Hypothese gehen Kunda & Oleson (1995) davon aus, dass, wenn ein vorher neutrales Attribut die Generalisierung von einem untypischen Mitglied einer Gruppe auf die gesamte Gruppe verhindert, dieser Effekt nur dann auftreten sollte, wenn die abweichende Person auch wirklich entgegengesetzt des Stereotyps ist.

Diese Hypothesen wurden in mehreren Studien untersucht. In ihrer ersten Studie verwendeten die Autoren den Stereotyp des Anwalts, welcher, wie sich in Vortests herausstellte, darin besteht, dass Anwälte als extrovertiert angesehen werden. Den Probanden wurde eine Mitschrift eines Interviews mit einem Anwalt gegeben, der introvertiert dargestellt wurde und damit den Stereotyp infrage stellt. Einige Probanden erhielten dazu noch eine zusätzliche Information über den Anwalt (der Anwalt arbeitete für eine kleine oder eine große Firma). Kunda & Oleson (1995) erwarteten, dass die Probanden, die keine zusätzliche Information über den Anwalt erhielten, von ihm auf die Gruppe der Anwälte generalisieren und infolgedessen Anwälte generell als introvertierter ansehen würden als die Kontrollgruppe (welche Anwälte einstuften, ohne das Interview gelesen zu haben). Die Probanden, die eine zusätzliche Information über den Anwalt zur Verfügung hatten, sollten dagegen diese Information dazu nutzen, um den Anwalt zu subtypisieren (Kunda & Oleson, S. 567, 1995). Es zeigte sich, wie von den Autoren erwartet, dass Probanden, die keine zusätzliche Information über den Anwalt bekamen, Anwälte generell als introvertierter bewerteten als die Kontrollgruppe und Probanden in den Bedingungen mit zusätzlicher Information.

Die Autoren vermuteten, dass ein zusätzliches Attribut die Generalisierung vom Individuum auf die Gruppe verhindert, da die Probanden annehmen würden, dass Anwälte, die durch dieses Attribut beschrieben werden können, generell eher untypische Anwälte sind. Daher wurde in einer zweiten Studie untersucht, wie Probanden Anwälte beurteilen, die in kleinen Firmen arbeiteten. Wie von den Autoren erwartet, zeigte sich, dass Probanden, denen mitgeteilt wurde, dass der Anwalt in einer kleinen Firma arbeitet, Anwälte, die in kleinen Firmen tätig sind als deutlich weniger typisch generell bewerteten als Probanden, denen keine zusätzliche Information über die Firmengröße zur Verfügung stand. Dabei ist anzumerken, dass Anwälte, die in kleinen Firmen arbeiten, als weder typisch noch untypisch für Anwälte im Allgemeinen angesehen wurden. Kunda & Oleson (1995) schlussfolgern aus diesem Ergebnis, dass, wenn eine Person, die den Stereotyp der Gruppe widerlegt (introvertierter Anwalt) durch ein neutrales Attribut (arbeitet in einer kleinen Firma) beschrieben wird, dieses Attribut aufhört neutral zu sein und stattdessen als untypisch für die Gruppe angesehen wird (Kunda & Oleson, S. 570, 1995).

In ihrer dritten Studie untersuchten die Autoren, ob zusätzliche Attribute, mit welchen die abweichende Person beschrieben wird, als typisch und wahrscheinlich für diese Subgruppe angesehen werden. Kunda & Oleson (1995) argumentieren, dass Menschen sich denken könnten, dass die Subgruppe, zu der die abweichende Person gehört, besonders jenes Attribut aufweist, welches die Person beschreibt, die dass Stereotyp der Gruppe widerlegt. Im Hinblick auf ihre Studie würde dies bedeuten, dass Personen Anwälte, die in einer kleinen (oder großen) Firma arbeiten, nicht nur als untypisch für Anwälte im allgemeinen ansehen, sondern dazu noch, dass diese Anwälte auch eher introvertiert sind (Kunda & Oleson, S. 570, 1995). Um dies zu überprüfen, erhielt ein Teil der Probanden die Information, dass der introvertierte Anwalt für eine kleine oder große Firma arbeitet. Der andere Teil der Probanden erhielt keine Information über die Firmengröße. Wie von den Autoren erwartet, zeigte sich, dass Probanden, die eine zusätzliche Information über die Firmengröße erhielten, Anwälte die für diese Firmen (klein oder groß) arbeiteten als introvertierter ansahen als Probanden, die keine Information über die Firmengröße erhielten. Dieses Ergebnis verdeutlicht, wie Menschen, die Informationen, die ihnen über andere Individuen zur Verfügung stehen, dazu nutzen, um eine Subtypisierung zu rechtfertigen und in ein kohärentes Bild über diese Subgruppe zu integrieren.

Mit ihrer letzten Studie überprüften Kunda & Oleson (1995) ihre Hypothese, dass ein neutrales Attribut die Generalisierung vom Individuum auf die Gruppe verhindert, da das Attribut benutzt werden sollte, um das abweichende Gruppenmitglied "wegzuerklären". Die Autoren schlussfolgern daraus, dass, wenn dies der Fall sein sollte, die Generalisierung nur dann verhindert werden sollte, wenn die Person auch wirklich stereotypunkonform ist (Kunda & Oleson, S.573, 1995). Um die externe Validität ihrer Ergebnisse zu erhöhen benutzten die Autoren in Studie 4 ein anderes Stereotyp und neutrales Attribut, das des schwulen Mannes. Dieses besteht darin, dass schwule Männer promiskuitiv seien. Auch hier zeigte sich das zuvor gefundene Muster. Probanden nutzten die zusätzliche Information nur dann um von schwulen Männern zu generalisieren, wenn diese entgegen des Stereotyps (als unpromiskuitiv) beschrieben wurden.

Die Ergebnisse von Kunda & Oleson (1995) veranschaulichen, wie diese auch in ihrer Diskussion herausstellen, dass Subtypisierung ein sehr kreativer Prozess ist, mittels dem Menschen versuchen, eine Subtypisierung zu rechtfertigen (Kunda & Oleson, S. 575, 1995). So nutzen Menschen zusätzliche Informationen über andere Individuen, um von diesen nicht auf die Gruppe zu generalisieren. Darüber hinaus verlieren im Zuge dieses Prozesses zuvor neutrale Attribute ihre Neutralität.

3.3 Kontrollierte und automatische Prozesse von Stereotypen und Vorurteilen

Zuvor ging es um die Grundlagen der Entstehung von Stereotypen und welche Arten von Stereotypisierung es gibt. Im Folgenden soll es nun darum gehen, wie Stereotype und persönliche Überzeugungen mit Reaktionen gegenüber stereotypisierten Gruppen zusammenhängen, und die dahinter stehenden automatischen und kontrollierten Prozesse von Stereotypen und Vorurteilen. Oft besteht die Vorstellung, dass, solange es Stereotype gibt, daraus auch Vorurteile entstehen. Devine (1989) argumentiert dagegen, dass diese Auffassung eine zentrale Unterscheidung übersieht, und zwar die zwischen dem Wissen um kulturelle Stereotype und deren Befürwortung. So können Menschen zwar um die bestehenden Stereotype Bescheid wissen, die persönlichen Überzeugungen können jedoch davon abweichen (Devine, S. 5, 1989).

Devine (1989) untersuchte diese Thematik in mehreren Studien. Dabei ist es zunächst wichtig, zwischen automatischen (ungewollten) und kontrollierten (größtenteils gewollten) Informationsverarbeitungsprozessen zu unterscheiden. Während automatische Prozesse die spontane Aktivierung von gelernten Assoziationen (wie z. B. Stereotype) widerspiegeln und keine bewusste Anstrengung benötigen, sind kontrollierte Prozesse bewusst und benötigen kognitive Kapazität. Devine (1989) argumentiert, dass durch die zunächst automatische Aktivierung von Stereotypen (vgl. Smith & Branscombe, 1985) und deren Festigung im frühen Alter ein Konflikt für das Individuum entsteht, wenn die bestehenden Stereotype abgelehnt werden (Devine, S. 6, 1989). Zwar sollten sowohl Menschen mit starken als auch weniger starken Vorurteilen über kulturelle Stereotype Bescheid wissen, jedoch sollten sich die persönlichen Überzeugungen

unterscheiden. Wohingegen sich die persönlichen Überzeugungen von Menschen mit starken Vorurteilen mit den Stereotypen decken, entscheiden sich Menschen mit weniger starken Vorurteilen bewusst und aktiv dafür, diese Stereotype nicht als Grundlage für das eigene Verhalten und die Bewertung anderer Menschen heranzuziehen (Devine, S. 6, 1989). Die Aktivierung dieser persönlichen Überzeugungen sollte bewusste Anstrengung benötigen, zum einen die Hemmung der automatisch aktivierten Stereotype sowie die bewusste Aktivierung dieser andererseits.

Devine (1989) untersuchte diese Thematik in mehreren Studien. Die erste Studie untersuchte dabei die Annahme, dass sowohl Menschen mit starken als auch weniger starken Vorurteilen über kulturelle Stereotype Bescheid wissen. Um dies zu überprüfen, sollten die Probanden kulturelle Stereotype über Schwarze auflisten, unabhängig von ihren persönlichen Überzeugungen. Anschließend wurde ein Test durchgeführt (seven-item Modern Racism Scale), der das Ausmaß ihrer Vorurteile messen sollte. Wie erwartet zeigte sich, dass das Ausmaß der Vorurteile nur wenig Auswirkung auf das Wissen um Stereotype hatte. So wussten Probanden mit starken als auch weniger starken Vorurteilen gleichermaßen über kulturelle Stereotype Bescheid (Devine, S. 8, 1989).

In der zweiten Studie wurde untersucht, wie sich die automatische Aktivierung von Stereotypen (durch Priming) auf die Interpretation einer mehrdeutigen Situation auswirkt und ob es dabei Unterschiede zwischen Personen mit starken und weniger starken Vorurteilen gibt. Nachdem die Probanden mit Wörtern für die soziale Kategorie "Schwarze" oder damit verbundenen stereotypischen Assoziationen (arm, faul ...) geprimed worden waren, lasen sie einen Abschnitt über eine Person mit zweideutigen feindlichen Verhaltensweisen. Anschließend sollten sie diese Person auf mehreren Eigenschaftsskalen bewerten, wobei die Hälfte dieser Skalen mit Feindseligkeit zusammen hingen. Es zeigte sich, dass das Priming nur auf die Skalen, die mit Feindseligkeit zusammenhingen, einen Einfluss hatte. Dieser Effekt war zudem gleich stark für Probanden mit starken als auch weniger starken Vorurteilen. Die Ergebnisse aus Studie 2 legen damit nahe, dass die automatische Aktivierung von Stereotypen, und wenn Personen diese nicht bewusst überwachen können, sowohl bei Menschen mit starken als auch weniger starken Vorurteilen vorurteilsbehaftete Reaktionen hervorruft (Devine, S. 12, 1989). Diese Reaktionen spiegeln damit die Aktivierung der kognitiven Strukturen mit einer längeren Entwicklung wider.

Die dritte Studie befasste sich im Gegensatz zu den ersten beiden Studien mit dem Konflikt zwischen bekannten Stereotypen und den persönlichen Überzeugungen. Personen mit wenigen Vorurteilen sollten, wenn sie mit Stereotypen konfrontiert werden, motiviert dazu sein, diese abzulehnen und ihre vorurteilsfreien Überzeugungen auszudrücken. Bei Menschen mit starken Vorurteilen sollte dies nicht der Fall sein und ihre persönlichen Überzeugungen sollten sich mit den Stereotypen überschneiden. Die Probanden sollten unter anonymen Bedingungen ihre Gedanken über die soziale Gruppe "Schwarze" aufschreiben. Durch diese Aufgabenstellung konnten sie sorgfältig über ihre Antworten nachdenken. Während Probanden mit starken Vorurteilen mehr negative als positive Gedanken auflisteten, war es bei Probanden mit wenigen Vorurteilen genau anders herum. Darüber hinaus war zu beobachten, dass Personen mit starken Vorurteilen mehr Eigenschaften aufschrieben, Personen mit wenigen Vorurteilen dagegen eher Überzeugungen. Diese Ergebnisse veranschaulichen, dass Personen mit wenigen Vorurteilen automatisch aktivierte negative Stereotype bewusst ersetzen durch Gedanken, die ihre wahren Überzeugungen widerspiegeln (Devine, S. 14, 1989). Personen mit starken Vorurteilen sind im Gegensatz dazu gewillt, ihre negativen Gedanken über eine Gruppe auszudrücken und bestimmte Eigenschaften auf die gesamte Gruppe zuschreiben.

Die Untersuchungen von Devine (1989) zeigen damit, dass, obwohl Personen mit starken als auch wenigen Vorurteilen gleichermaßen über kulturelle Stereotype Bescheid wissen und die automatische Aktivierung dieser in beiden Fällen gleich stark ist, bei Personen mit wenigen Vorurteilen kontrollierte kognitive Prozesse vorurteilsbehaftete Reaktionen verhindern können. Die Autorin zieht aus diesen Ergebnissen den Schluss, dass Menschen vielmehr ihrer begrenzten kognitiven Kapazitäten unterliegen, als dass die automatische Aktivierung von Stereotypen zwangsweise zu vorurteilsbehafteten Reaktionen führt (Devine, S. 15, 1989).

3.4 Inhalte von Stereotypen

Nachdem es in den vorangegangenen Abschnitten um die Prozesse und Hintergründe von Stereotypisierung ging, sollen nun verschiedene Inhalte von Stereotypen in den Fokus gerückt werden.

Fiske, Cuddy, Glick und Xu (2002) schlagen vor, dass die Inhalte von Stereotypen womöglich genau wie der Prozess der Stereotypisierung bestimmten Grundsätzen folgt (Fiske et al., S. 878, 2002). Die Autoren stellen ein Modell vor, welches Stereotype aufgrund von zwei inhaltlichen Dimensionen (Wärme und Kompetenz) einteilt. Sie argumentieren, dass die Zuschreibung dieser beiden Eigenschaften von zwei Variablen (Status und Wettbewerb) abhängt. Hohe und niedrige Ausprägungen und deren Kombination auf die Dimensionen Wärme und Kompetenz führen in ihrem Modell zu vier unterschiedlichen Typen von Stereotypen (Tabelle 1). Des Weiteren behaupten sie, dass unterschiedliche Kombinationen von Wärme und Kompetenz zu verschiedenen Emotionen gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen führt.

Bei untergeordneten Gruppen (Status niedrig), die nicht wettkampforientiert sind (Wettkampf niedrig; wie z. B. Behinderte, alte Menschen ...) und die damit keine Konkurrenz darstellen, ist die Dimension der Wärme hoch ausgeprägt. Dagegen ist die Kompetenz solcher Gruppen niedrig, wodurch die Überlegenheit der mehr privilegierten Gruppen aufrechterhalten wird. Fiske et al. (2002) bezeichnen diese Kombination von Stereotypen als paternalistische Stereotype, welche sich in Vorurteilen aufgrund der Ethnizität, dem Alter und dem Geschlecht von Menschen wiederfinden (Fiske et al., S. 880, 2002). Diese paternalistischen Stereotype spiegeln damit Fremdgruppen wieder, die weder dazu gewillt noch in der Lage sind, Mitglieder der Eigengruppe zu schaden. Infolgedessen sollten diese Gruppen wenig respektiert sein, jedoch sollte auch Mitleid gegenüber diesen empfunden werden.

[...]

Details

Seiten
57
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668491397
ISBN (Buch)
9783668491403
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366468
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Schlagworte
Stereotype Vorurteile Intervention Big Five Psychologie Persönlichkeit Gruppen

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Titel: Stereotype und Vorurteile. Entstehung, Auswirkungen und Interventionsmöglichkeiten