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Die Indoktrination von Kindern im Dritten Reich. Analyse des Kinderbuches "Der Giftpilz" von Ernst Hiemer

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 14 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Kontext
1.1 Historischer Kontext
1.2 Ernst Hiemer -Biographie und Bibliographie

2. Inhaltliche Zusammenfassung (Abstract)

3. Analyse ausgewählter Stellen mit Fokus auf die indoktrinierende Wirkung der Geschichten
3.1 Die Adressaten
3.2 Die Darstellung der Juden
3.3 Die Darstellung der Deutschen
3.4 Die Lehre des Werkes

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Musik, Kunst und Literatur haben seit jeher auf den Menschen eine besondere Wirkung. Mindestens genauso lange ist diese Wirkung bekannt und wird von den Musikern, Künstlern und Schriftstellern genutzt um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen oder durch sie persönliche Botschaften zu übermitteln. Allerdings lehrt uns die Geschichte auch, dass es immer wieder Personen oder politische Systeme gibt, die die Wirkung dieser Medien skrupellos für ihre Zwecke ausnutzten oder es noch bis heute tun. Einer der Höhepunkte war sicherlich die Zeit des Dritten Reichs. Das NS-Regime nutzte Musik und Literatur um das Volk, insbesondere die Kinder, mit ihren Idealen zu indoktrinieren, indem es sehr genau kontrollierte was gelesen oder gehört werden darf. So gab es z.B. nur Veröffentlichungen von Musikern, die das Ideal der Reichsführung verbreiteten, für Kritiker war kein Platz. Ebenso wurde Kunst von Regimegegnern oder gar Juden als Entartete Kunst “ deklariert und [1].

Ein Beispiel für die indoktrinierende Wirkung von Büchern auf Kindern ist das dieser Hausarbeit zugrunde liegende Kinderbuch Der Giftpilz “von Ernst Hiemer (Hiemer, 1939). Dieses Buch werde ich im Verlauf analysieren, mit besonderem Schwerpunkt auf die Indoktrination der jungen Leserschaft. Dazu werde ich im ersten Kapitel den historischen Kontext zur Erscheinungszeit erläutern und danach kurz bio- und bibliographisch auf den Autor eingehen.

Im zweiten Kapitel werde ich ein Abstract des kompletten Buches erstellen, welches einen Eindruck des Buches Vermitteln sowie den Inhalt grob wiedergeben soll. Es wird jedoch noch keine Analyse enthalten.

Das dritte Kapitel wird den Hauptteil der Arbeit enthalten, hier werden ausgewählte Stellen mit Blick auf die Indoktrination der Leser analysiert. Hierzu werden zuerst die Adressaten, dann das Bild des Juden und anschließend das des Deutschen vorgestellt. Den Abschluss des Kapitels bildet die Darstellung der Lehre des Buches.

Das vierte Kapitel wird ein Fazit enthalten, welches den Inhalt wertend zusammenfassen wird.

1. Kontext

1.1 Historischer Kontext

Das Buch Der Giftpilz “wurde 1938 im Nürnberger Stürmerverlag veröffentlicht, und stellt sowohl eines der bekanntesten als auch judenfeindlichsten Kinderbücher des dritten Reichs dar.

Der Staatliche Zensurapparat in Form der Reichsjugendführung, genauer gesagt das, im Jahr 1935 im Rahmen von umstrukturierungsmaßnahmen errichtete, Hauptreferat Jugendschrifttum befand das der Inhalt des Buches dem Gedankengut der NSDAP entspräche und zu den kämpferischen und heldischen Idealen der neuen Jugend “ (Josting, 1997, p. 148) passen würden. Das gesamt Jugendschriftwesen wurde während der Zeit ´ des Dritten Reichs durch Erlasse des Reichsministerium für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung neu ‘ geordnet “ (Aley, 1967, p. 5) . Das bedeutete, dass alle Schriften die herausgegeben werden dem Gedankengut der NSDAP entsprechen mussten. Dies wurde durch eine immanente Überprüfung der Literatur, sowie Bücherlisten von genehmigten/verbotenen Titeln erreicht.

Bemerkenswerterweise hatte die HJ bei der Auswahl der Literatur einen hohen Mitbestimmungsanteil, indem sie in der Reichsjugendbücherei ein Jugendschriftenlektorat schuf.

Um eine kritische Würdigung und Begutachtung der deutschen Buchproduktion vom Standpunkt der jungen Generation zu ermöglichen, hat sich die Hitlerjugend in dem Jugendschriftenlektorat der Reichsbücherei ein schlagfähiges Instrument geschaffen “ (Aley, 1967, p. 29) . Durch diese Neuordnung der Institutionen war es möglich, die Kinder- und Jugendliteratur an die der Erwachsenen, thematisch und sprachlich anzupassen. Fantasiereiche Bücher, oder solche die die infantile Kreativität anregten, wurden als von der Jugend nicht erwünscht“dargestellt und aus dem Verkehr gezogen (Aley, 1967).

Hierbei sollte auch erwähnt werden, dass es einige für diese Zeit neue Mittel“gab, neben der männlichen auch die weibliche Jugend zu erreichen. Neben der Einführung des Bund Deutscher Mädels“(BDM) -einer Freizeitorganisation“für deutsche Mädchen -durch die die weibliche Jugend eine bis dato unbekannte Anerkennung der eigenen Rolle zukam, gab es auch eigene Mädchenliteratur wie z.B. Deutsche Mädels auf Fahrt“von Adolf Löhr oder

Dora im Arbeitsdienst“von Christine Holstein. Natürlich verfolgte auch deren Literatur wieder nur einen Zweck, nämlich die weibliche Jugend auf ihre zukünftige Rolle vorzubereiten. Das Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein , war eine Aussage Adolf Hitlers, die diese Rolle deutlich beschreibt.

Das Hauptziel dieses ganzen Apparats war, die Literatur komplett zu kontrollieren und so der NSDAP zu ermöglichen, auf diesem Weg der arischen Jugend“die richtigen“Werte und Rassenideale zu vermitteln. Hierzu zählte natürlich auch die explizite Darstellung der Feinde des deutschen Reiches , was, wie man am Beispiel des Giftpilzes sieht, schon bei den kleinesten begann. Hiemer schürte mit diesem Buch den Hass auf Juden bereits in den Herzen der Kinder und suggerierte das die Vertreibung, bzw. besser die Vernichtung, der Juden der einzige Weg ist die Welt zu retten. Mit unverhohlenem Zynismus wurden der Rassenwahn und der Haßgegen das jüdische Volk in die Herzen der jungen Menschen gesät “ (Aley, 1967, p. 198)

1.2 Ernst Hiemer -Biographie und Bibliographie

Ernst Ludwig Hiemer wurde am 5. Juli 1900 in Großweingarten bei Schwabach geboren und ist am 24. Juli 1974 in Altöttingen gestorben (WikiHiemer, 2014). Vor seiner beeindruckenden Karriere im dritten Reich war Hiemer Lehrer. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde er dann zunächst Vertrauensmann der Reichspressekammer beim Landeskulturverwalter des Gau Schwaben, um dann in den Jahren 1938-1941 die Position des Hauptschriftleiters der antisemitischen und volksverhetzenden Wochenzeitung Der Stürmer“zu bekleiden (Klee, 2009).

Insbesondere diese Ämter sind es, die sowohl seine Parteinähe zur NSDAP deutlich machen, als auch den Einfluss Julius Streichs vermuten lassen. Bei der Lektüre seiner Veröffentlichungen stellt man dann ziemlich bald fest, dass sein größtes Feindbild (genau wie Streichs) die Juden waren. Dies zeigt sich genau wie in Der Giftpilz“auch noch in seinen anderen Veröffentlichungen; Der Pudelmopsdackelpinscher“[2], Der Jude im Sprichwort der Völker“[3] oder einem seiner zahlreichen Leitartikel in der Wochenzeitschrift Bild 1 - Der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Stürmer , wonach z.B. Das Judentum ein organisiertes Weltverbrechertum“ist (Klee, 2009). Trotz seiner Parteitreue und der enormen Hetze gegen Juden wurde Hiemer bei den Nürnberger Prozessen lediglich zu seinem Vorgesetzten Julius Streich verhört, nicht aber selbst angeklagt (WikiHiemer, 2014).

2. Inhaltliche Zusammenfassung (Abstract)

Das Buch Der Giftpilz“ von Ernst Hiemer, Veröffentlicht im Jahr 1938 ist ein antisemitischen Kinderbuch mit Illustrationen von Phillip Rupprecht ( Fips ). Das Buch enthält 17 Kurzgeschichten, denen voran immer eine Überschrift mit der Hauptaussage und eine entsprechende Illustration stehen. Mit Ausnahme der ersten Kurzgeschichte steht am Ende immer ein kurzes Gedicht mit zwei Strophen zu je vier Versen, die den Inhalt des vorangegangenen nochmals lyrisch im Gedächtnis der Leser verankern“sollen. Die erste Kurzgeschichte, die dem Buch seinen Namen gegeben hat, endet hingegen mit den Worten;

Der Teufel in Menschengestallt! “ (Hiemer, 1939) was im Prinzip auch schon die Kernaussage des gesamten Buches wiedergibt.

In den einzelnen Kurzgeschichten werden Alltagssituationen mit Juden beschrieben um den Lesern zu zeigen wie boshaft der Jude an sich ist (W ie behandelt der Jude seine Angestellten ) , wie man ihn erkennt ( wie man einen Juden erkennt ) und wie man sich verhalten soll ( Die Erfahrungen von Hans und Ilse mit einem fremden Mann ) (Hiemer, 1939). Dabei werden so ziemliche alle schlechten Eigenschaften der Menschheit auf die Juden abgewälzt“und diese für alles Schlechte auf der Welt verantwortlich gemacht. Eine Besonderheit kommt den Kindern in den Geschichten zu, diese nämlich wissen oft besser über den Juden Bescheid als ihre ahnungslosen“Eltern und werden dazu aufgefordert, loyal zu den Aussagen, beispielsweise des BDM, zu stehen und sie evtl. auch standhaft gegenüber den eigenen Eltern zu vertreten[4].

3. Analyse ausgewählter Stellen mit Fokus auf die indoktrinierende Wirkung der Geschichten

Im folgenden Kapitel werden ausgewählte Kurzgeschichten analysiert und die Indoktrination der Kinder heraus gearbeitet. Die typische Kontrastierung (Deutscher = Gut, Jude = Schlecht) die dem Buch zugrunde liegt soll auch hierbei als Basis dienen, indem die Analyse zuerst die Darstellung der Juden (3.2) beschreibt und anschließend die der Deutschen (3.3). Vorab allerdings wird noch kurz auf den Adressatenkreis (3.1) eingegangen.

3.1 Die Adressaten

Anhand des Aufbaus und der Schreibweise lässt sich das Buch bereits gut als Kinderbuch identifizieren. Dies sticht vor allem durch die Bilder vor den Geschichten, als auch durch die kurze und einfache Schreibweise hervor. Desweiteren sind die Helden“der Geschichten meist Kinder und die Appelle der Geschichten werden direkt an die Kinder gerichtet[5].

Den zweiten Teil der Zielgruppe stellen die, noch nicht überzeugten, Eltern dar. Hier geschieht die Aufklärung“jedoch eher indirekt, zum einen durch das Vorlesen und zum anderen wird den Kindern suggeriert, dass sie sich mit den Juden unter Umständen besser auskennen als ihre Eltern[6], wodurch sie von Seiten der Kinder evtl.

[...]


[1] Heute wissen wir, dass ein großer Teil dieser entarteten“Kunst versteckt, gesammelt oder später auf dem Schwarzmarkt verkauft wurde (Siehe z.B. Fall Gurlitt).

[2] Kinderbuch: Die Juden werden hier mit Tierischen Attributen belegt, z.B. Kuckuck, Wanze, Heuschrecke.

[3] Im Prinzip eine Zitatensammlung“von internationalen, antisemitischen Redewendungen und Hetzereien.

[4] Giftpilz: Inges Besuch bei einem jüdischen Doktor“

[5] Der Giftpilz: Mutter sagt zu Franz: …Darum müssen wir die Leute Aufmerksam machen und vor den Juden warnen….“

[6] Inges Besuch bei einem jüdischen Doktor: …Du solltest wissen, das wir Mädel vom BDM die Judenfrage besser verstehen als viele von unseren Eltern….“

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668452893
ISBN (Buch)
9783668452909
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366344
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Erziehungsissenschaft
Note
1,2
Schlagworte
Nationalsozialismus Kunst im Nationalsozialismus Kindheit im Nationalsozialismus Indoktrination

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Titel: Die Indoktrination von Kindern im Dritten Reich. Analyse des Kinderbuches "Der Giftpilz" von Ernst Hiemer