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Die Segmentberichterstattung nach IFRS 8. Eine kritische Würdigung

Seminararbeit 2016 27 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Arbeit

2. Regelungen des IFRS 8
2.1 Anwendungsbereich
2.2 Geschäftssegmente
2.2.1 Segmentabgrenzung
2.2.2 Operative Segmente
2.2.3 Berichtspflichtige Segmente
2.3 Segmentinformationen
2.3.1 Allgemeine Informationen
2.3.2 Informationen zur Ertrags- und Vermögenslage
2.3.3 Überleitungsrechnung
2.3.4 Segmentübergreifende Informationen

3. Kritische Würdigung der Segmentberichterstattung nach IFRS 8
3.1 Harmonisierung des internen und externen Rechnungswesens
3.2 Veränderung und Verbesserung in der Publizitätspraxis durch IFRS 8

4. Zusammenfassung der Ergebnisse

Verzeichnis der Rechnungslegungsnormen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Identifizierung der berichtspflichtigen Segmente

Abkürzungsverzeichnis

FASB Financial Accounting Standards Board

IASB International Accounting Standard Board

IAS International Accounting Standard

IFRS International Financial Reporting Standard

SFAS Statement of Financial Accounting Standard

US-GAAP US - Generally Accepted Accounting Principles

OTC Over the counter

1. Einführung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Jahresabschlussadressaten werden mit zunehmender sektoraler und regionaler Diversi- fikation der Unternehmen, häufig mit dem Problem einer abnehmenden Aussagekraft des konsolidierten Abschlusses über die wirtschaftliche Lage konfrontiert.[1] Besonders bei Unternehmen mit starker Diversifizierung ist oftmals nicht zu erkennen aus welchen Teilen sich die Risikostruktur zusammensetzt. Die Segmentberichterstattung soll dem Berichtsadressaten Informationen zur Verfügung stellen, um eine angemessene Beurtei- lung über ausgeübte Geschäftstätigkeiten des Unternehmens sowie das wirtschaftliche Umfeld zu ermöglichen.[2] Das IASB veröffentlichte hierzu den Standard IAS 14, der mit dem sog. risk and reward approach, das Ziel verfolgte eine Abgrenzung der Segmente nach der Ähnlichkeit der Risiko-Chancen-Struktur der Unternehmensbereiche zu er- möglichen.[3] Im Jahre 2006 verabschiedete das IASB den neuen Standard IFRS 8 zur Segmentberichterstattung. Dieser war Bestandteil des Konvergenzprojektes zwischen dem IASB und dem FASB im Jahre 2002, mit dem Ziel weniger komplexe Unterschie- de der Regelwerke IFRS und US-GAAP zu beseitigen. Somit wurde im Zuge des Kon- vergenzprojektes der management approach aus dem SFAS 131 übernommen.[4] Vielfach wird die Umsetzung des management approaches als Paradigmenwechsel bezeichnet, da hier anders als im risk and reward approach des IAS 14 die Segmentabgrenzung und Segmentinformationen in Verbindung mit dem internen Reporting stehen.[5] Das Ziel der folgenden Kapitel ist es die grundlegende Konzeption des Standards vorzustellen und dem Leser einen Einblick in die Regelungen des IFRS 8 zu geben. Des Weiteren wird über den Zielerreichungsgrad des IASB bezüglich einer gesteigerten Aussagekraft der Segmentberichterstattung diskutiert.

1.2 Gang der Arbeit

Zu Beginn dieser Arbeit sollen die Regelungen des Standards näher betrachtet werden. Dabei wird eine Eingrenzung in der Anwendung des IFRS 8 vorgenommen und danach auf Geschäftssegmente i.S.d. IFRS 8 eingegangen. Das zweite Kapitel wird mit dem Punkt Segmentinformationen beendet. Im Anschluss daran soll kritisch hinterfragt werden, ob das IASB mit Einführung des Standards sein Ziel erreicht hat. Im abschließenden Kapitel werden die Ergebnisse der kritischen Würdigung diskutiert.

2. Regelungen des IFRS 8

2.1 Anwendungsbereich

Der IFRS 8 ist auf den Einzelabschluss und Konzernabschluss gleichermaßen anzuwen- den, da der Bezug auf die gesamte wirtschaftliche Einheit besteht. Der Segmentbericht ist elementarer Bestandteil solcher Abschlüsse und ist entweder im Rahmen des An- hangs oder als eigenständiges Instrument auszuweisen.[6] Die Pflicht zur Erstellung eines Segmentberichts gilt jedoch nicht für alle Unternehmen. Laut IFRS 8.2 ist der Standard anwendbar auf „den Einzelabschluss eines Unternehmens: dessen Schuld oder Eigenka- pitalinstrumente an einem öffentlichen Markt gehandelt werden (d.h. einer inländischen oder ausländischen Börse oder an einem OTC-Markt, einschließlich lokaler und regio- naler Märkte); oder das seinen Abschluss einer Wertpapieraufsichtsbehörde oder einer anderen Regulierungsbehörde zwecks Emission beliebiger Kategorien von Instrumenten an einem öffentlichen Markt vorlegt; und den Konzernabschluss einer Gruppe mit ei- nem Mutterunternehmen: dessen Schuld oder Eigenkapitalinstrumente an einem öffent- lichen Markt gehandelt werden (d.h. einer inländischen oder ausländischen Börse oder an einem OTC-Markt, einschließlich lokaler und regionaler Märkte); oder das seinen Abschluss einer Wertpapieraufsichtsbehörde oder einer anderen Regulierungsbehörde zwecks Emission beliebiger Kategorien von Instrumenten an einem öffentlichen Markt vorlegt.“[7] Daraus ist zu erkennen, dass der Anwendungskreis der Unternehmen nach Einführung des IFRS 8 größer ist, als jener der kapitalmarktorientierten Unternehmen im Sinne der IAS-Verordnung. Der Grund hierfür ist die explizite Nennung der over- the-counter-Märkte, die unter IFRS 8.2 als öffentliche Märkte definiert werden.[8] Unter- nehmen, die freiwillig eine Segmentberichterstattung erstellen möchten, sind nach IFRS

8.3 verpflichtet die Anforderungen des IFRS 8 vollständig zu erfüllen. Allerdings darf im Falle einer freiwilligen Erstellung eines Segmentberichts die Bezeichnung Segment- berichterstattung nicht genutzt werden. Jedoch kann diese Regelung umgangen werden,

indem Unternehmen den Segmentbericht nicht im Jahresabschluss, sondern im Lagebericht veröffentlichen.[9] Der IFRS 8.4 weist des Weiteren darauf hin, dass eine getrennte Erstellung der Segmentberichterstattung im Einzelabschluss des Mutterunternehmens und im Konzernabschluss nicht erforderlich ist, falls die Segmentinformationen auf Basis des Konzernabschlusses erfolgen.[10]

2.2 Geschäftssegmente

2.2.1 Segmentabgrenzung

Im Rahmen der Segmentberichterstattung liegen hinsichtlich der Segmentabgrenzung und Ermittlung der Segmentdaten verschiedene Konzeptionen zugrunde. Im Fokus stehen dabei zwei Ansätze. Zum einen der sog. risk and reward approach und zum anderen der sog. management approach.[11]

In den Regelungen des IAS 14, der durch das Inkrafttreten des IFRS 8 ersetzt wurde, stand der risk and reward approach im Fokus. Dieser Ansatz orientierte sich an den Chancen und Risiken eines Unternehmens. Demnach wurden Segmente so abgegrenzt, dass ein homogener Unterschied bezüglich der Chancen und Risikostruktur entstand.[12] So bildeten je nach Dominanz des Chancen- und Risikoprofils entweder produktorien- tierte Geschäftsbereiche oder geographische Regionen das primäre bzw. sekundäre Be- richtsformat.[13] Bestand ein Zweifel hinsichtlich des primären und sekundären Berichts- formates, wie z.B. im Falle einer Matrixorganisation, mussten produktorientierte Ge- schäftsbereiche als primäre und geographische Geschäftsbereiche als sekundäre Seg- mentebenen festgelegt werden.[14] Der wesentliche Unterschied zum management ap- proach besteht darin, dass im risk and reward approach zwingend die externen Rech- nungslegungsgrundsätze des berichtenden Unternehmens herangezogen werden müs- sen.[15]

Der management approach stellt das zentrale Konzept dar, das den IFRS 8 prägt. Entwickelt wurde der Ansatz vom FASB und gleichzeitig im Standard SFAS 131 konsequent umgesetzt.[16] Die zentrale Aussage des Ansatzes ist es „[...] den Nutzen von im Ab- schluss veröffentlichten Informationen über Unternehmenssegmente zu steigern, indem diese unmittelbar aus dem unternehmensinternen Berichtswesen entnommen und nicht für externe Berichterstattungszwecke spezifisch generiert werden.“[17] Dadurch sollen externe Adressaten einen besseren Einblick in die Steuerungs- und Entscheidungsstruk- turen sowie -kriterien erlangen. Zusammenfassend ist das Ziel, dem Berichtsadressaten den Blickwinkel des Managements zu vermitteln.[18] Dabei sind hinsichtlich der Ermitt- lung der Segmentinformationen die zur internen Steuerung erhobenen Daten in die ex- terne Segmentberichterstattung zu übernehmen. Vor allem betrifft dies auch den Seg- mentdaten zugrunde liegenden Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze.[19]

2.2.2 Operative Segmente

Wichtig für die Abgrenzung von operativen Segmenten sind die aus obersten internen Steuerungs- und Berichterstattungsebenen segmentierten Daten. Diese dienen zum ei- nen zur Überwachung der Ertragskraft von Unternehmenseinheiten und zum anderen als Grundlage für Entscheidungen über die Verteilung von Ressourcen auf diese Einhei- ten.[20] Laut IFRS 8.5 gilt es dann ein operatives Segment abzugrenzen, wenn:

• durch die Geschäftstätigkeiten Umsatzerlöse erzielt werden sowie Aufwendungen verursacht werden, einschließlich Umsatzerlöse und Aufwendungen aus Geschäfts- vorfällen mit anderen Bestandteilen desselben Unternehmens;
• dessen operatives Ergebnis regelmäßig zum Zwecke der Erfolgsbeurteilung und der Ressourcenallokation von einem Hauptentscheidungsträger überprüft wird;
• eigenständige Finanzinformationen vorhanden sind.[21]

Ein operatives Segment besteht auch dann, wenn bislang noch keine Umsatzerlöse ge- neriert worden sind.[22] Häufig ist dies bei Unternehmensbereichen zu beobachten, die in der Gründungsphase sind.[23] IFRS 8.6 stellt klar, dass nicht jeder Teil eines Unternehmens notwendigerweise ein operatives Segment darstellt.[24] So kann bspw. die Haupt- verwaltung kein operatives Segment sein, da keine oder nur geringe Umsatzerlöse er- zielt werden.[25] Gemäß IFRS 8.7 ist unter dem aufgeführten Hauptentscheidungsträger nicht unbedingt ein Manager mit einer Bezeichnung zu verstehen. Vielmehr geht es um die Funktion, segmentbezogene Ressourcen zuzuordnen sowie die Ertragskraft des ope- rativen Segments zu bewerten. Häufig wird in diesem Zusammenhang von Chief Opera- ting Officer gesprochen. Jedoch sind auch Vorstandsvorsitzende oder andere Mitglieder vorstellbar.[26] Im IFRS 8.8 wird darauf hingewiesen, dass Unternehmen oftmals operati- ve Segmente anhand den drei genannten Kriterien identifizieren. Allerdings können Unternehmen mehr als eine Reihe von Segmentinformationen heranziehen, um ein ope- ratives Segment zu identifizieren. Merkmale hierzu sind die Art der Geschäftstätigkeit der einzelnen Teilbereiche, das Vorhandensein von Führungskräften und die Ausgestal- tung der an die geschäftsführende Ebene weitergeleiteten Informationen.[27] Nach IFRS

8.9 ist grundsätzlich für jedes operative Segment ein Segment-Manager zuständig. Die- ser, ist der Unternehmensleitung berichterstattungspflichtig und steht mit ihr regelmäßig in Kontakt.[28] Der Begriff Segment-Manager ist hier ebenfalls funktional und nicht per- sonen- oder titelbezogen zu verstehen. Insbesondere steht hier die Übernahme der Ver- antwortung für ein Segment gegenüber dem Hauptentscheidungsträger im Vorder- grund.[29] Verwendet ein Unternehmen eine Matrixorganisation, also Verknüpfung von produktorientierten Geschäftsbereichen mit geographischen Geschäftsbereichen, hat die Unternehmensleitung zu entscheiden, welche Segmentierung für die externe Berichter- stattung gewählt wird.[30]

[22] Vgl.IFRS 8.5

[...]


[1] Vgl.Küting, K./Weber, C.(2012), S. 664.

[2] Vgl.Petersen, K./Bansbach, F./Dornbach, E.(2013), S. 577.

[3] Vgl.Weißenberger, E. et al.(2013), S. 13.

[4] Vgl.Coenenberg, A./Haller, A./Schultze, W.(2016), S. 913.

[5] Vgl.Weißenberger, E./Franzen, N./Kurt, R.(2013), S. 136.

[6] Vgl.Coenenberg, A./Haller, A./Schultze, W.(2016), S. 913.

[7]IFRS 8.2

[8] Vgl.Coenenberg, A./Haller, A./Schultze, W.(2016), S. 914.

[9] Vgl.Fink, C./Hütten, C.(2014), §36, Rz. 12.

[10] Vgl.IFRS 8.4

[11] Vgl.Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S.(2015), S. 526.

[12] Vgl.Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S.(2015), S. 526.

[13] Vgl.Alvarez, M./Büttner, M.(2006), S. 310.

[14] Vgl.Alvarez, M./Büttner, M.(2006), S. 310.

[15] Vgl.Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S.(2015), S. 526.

[16] Vgl.Haller, A.(2002), Teil B, S. 6, Rz. 5.

[17]Haller, A.(2002), Teil B, S. 6, Rz. 5.

[18] Vgl.Haller, A.(2002), Teil B, S. 6, Rz. 5.

[19] Vgl.Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S.(2015), S. 526.

[20] Vgl.Fink, C./Hütten, C.(2014), §36, Rz. 19.

[21] Vgl.IFRS 8.5

[23] Vgl.Pellens, B. et al(2011), S. 934.

[24] Vgl.IFRS 8.6

[25] Vgl.Pellens, B. et al(2011), S. 935.

[26] Vgl.IFRS 8.7

[27] Vgl.IFRS8.8

[28] Vgl.IFRS 8.9

[29] Vgl.Fink, C./Hütten, C.(2014), §36, Rz. 30.

[30] Vgl.Fink, C./Hütten, C.(2014), §36, Rz. 30.

Details

Seiten
27
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668450660
ISBN (Buch)
9783668450677
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366076
Institution / Hochschule
Universität Ulm – Rechnungswesen & Wwirtschaftsprüfung
Note
3
Schlagworte
IFRS8 Segmentberichterstattung

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