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Die Analytik des Schönen in Immanuel Kants "Kritik der ästhetischen Urteilskraft"

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Immanuel Kant: Leben und Werk

3. Kants Analytik des Schönen
3.1 Die Qualität des Geschmacksurteils
3.2 Die Quantität des Geschmacksurteils
3.3 Untersuchung der Relation der Zwecke
3.4 Zur Modalität des Wohlgefallens am Gegenstand

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das bekannte deutsche Sprichwort „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ vermittelt einen Eindruck davon, wie viel Subjektivität einer ästhetischen Beurteilung beizumessen ist. Folglich hat es im Laufe der Zeit viele verschiedene Auffassungen davon gegeben, was unter dem Begriff „Schönheit“ eigentlich zu verstehen ist und was den Menschen dazu veranlasst, etwas als ästhetisch ansprechend zu empfinden.

Die für diese Thematik wohl einflussreichsten philosophischen Gedanken der Neuzeit stammen von Immanuel Kant und sollen in dieser Arbeit dargelegt werden.

Einleitend werde ich die wichtigsten Stationen im Leben Kants sowie seine bedeutendsten Werke in chronologischer Reihenfolge benennen; das Ziel soll hierbei insbesondere die Verortung der dieser Arbeit zugrundeliegenden „ Kritik der Urteilskraft “ im umfangreichen Gesamtwerk Kants sein. Anschließend gehe ich zu seiner stufenweisen Analyse des Begriffs des Schönen über und lege die vier konstitutiven Momente dar, anhand derer er die Charakteristika des Geschmacksurteils herausarbeitet und die letztendlich auf seine Vorstellung vom Schönen schließen lassen. Dabei werden Fragen wie „Was ist eigentlich ein Geschmacksurteil?“, „Wie entsteht das menschliche Wohlgefallen am Schönen und wie unterscheidet es sich von anderen Arten des Wohlgefallens?“ und „Welche Bedingungen sind an ein Schönheitsurteil geknüpft?“ im Fokus stehen.

Um Kants Argumentation so unverfälscht und vollständig wie möglich nachvollziehen zu können, werde ich mich in meinen Ausführungen möglichst stark am Aufbau des Primärtextes, der „ Kritik derästhetischen Urteilskraft “, orientieren.

2. Immanuel Kant: Leben und Werk

Immanuel Kant wurde 1724 im preußischen Königsberg geboren und war das vierte von neun Kindern einer in eher bescheidenen Verhältnissen lebenden Handwerkerfamilie. Sowohl seine Familie als auch das Collegium Fridericianum, die Schule, die Kant in seiner Heimatstadt besuchte, waren stark pietistisch geprägt. Anschließend wurde er Student an der Albertus- Universität in Königsberg. Hier widmete er sich einem sehr umfangreichen und vielseitigen Studium: er befasste sich neben der Philosophie auch mit der Theologie, der lateinischen Philologie, der Mathematik, der Physik sowie anderen Naturwissenschaften. 1746 veröffentlichte Kant seine erste wissenschaftliche Schrift mit dem Titel „ Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte “, in welcher er sich mit der Mathematik beschäftigte. Im gleichen Jahr musste er sein Studium unterbrechen, denn durch den Tod seines Vaters verlor er auch dessen finanzielle Unterstützung, die seine Studien ermöglichte. Er arbeitete nun für mehreren Familien als Hauslehrer, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In dieser Zeit beschäftigte er sich außerdem eingehend mit der Naturwissenschaft; die Ergebnisse deiner Studien veröffentlichte er in seiner 1755 anonym erschienenen Schrift „ Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels “. Dieses Werk zeichnet sich durch beeindruckende naturwissenschaftliche Erkenntnisse aus; „[d]ie Entstehung des Kosmos und der Sonnensysteme sowie die Entwicklung der Erde bis hin zum Auftritt des Lebens und des vernunftbegabten Menschen werden allein aus physikalischen Gesetzen abgeleitet.“1 Ebenfalls 1755 kehrte Kant an die Universität in Königsberg zurück. Hier promovierte er mit einer Arbeit „über das Feuer“ („ De igne “) und nur wenige Monate später erfolgte die Habilitation mit einer Abhandlung über die „ersten Grundsätze der metaphysischen Erkenntnis“ („ Nova dilucidatio “). Die Metaphysik prägte nun für über 25 Jahre das philosophische Werk Kants; es entstanden „zahlreiche Arbeiten, die sich um eine Grundlegung theoretischer und praktischer Metaphysik bemühen.“2 In dieser Zeit arbeitete er unter anderem als Privatdozent sowie als Bibliothekar in der königlichen Schlossbibliothek seiner Heimatstadt, denn seine erste Bewerbung auf den Königsberger Lehrstuhl für Logik und Metaphysik war nicht von Erfolg gekrönt und Rufe an die Universitäten in Erlangen und Jena lehnte er ab. 1770 gelangte er schließlich zu dem lange von ihm angestrebten Posten und wurde Professor für Logik und Metaphysik in Königsberg. Im selben Jahr verfasste er eine zweite Dissertation „über Formen und Gründe der Sinnen- und Verstandeswelt“ („ De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis “), die eine gewisse Veranlagung Kants zum kritischen Denken bereits in dessen eigentlich vorkritischer Phase andeutete3. Erst 1781, elf Jahre später, veröffentlichte er mit der „ Kritik der reinen Vernunft “ seine nächste bedeutende Abhandlung, die endgültig sein kritisches Werk einleitete. In ihr sucht Kant die Antwort auf die Frage nach den „reinen Bedingungen“ der Erkenntnis und begründet damit seine theoretische Philosophie. 1783 lieferte er mit der „ Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können “ eine Erläuterung der „ Kritik der reinen Vernunft “, indem er den gleichen Fragen auf vereinfachte und übersichtlichere Art und Weise nachgeht. Durch die Prolegomena, die die 1785 veröffentlichte „ Grundlegung zur Metaphysik der Sitten “, die, beruhend auf den Überlegungen zur reinen Vernunft, seine Moralphilosophie entwirft sowie die „ Metaphysischen Anfangsgründe der Naturwissenschaft “ aus dem Jahr 1786, die diese Überlegungen zur reinen Vernunft auf die Physik beziehen, schaffte Kant die Grundlage für die zweite, überarbeitete und ergänzte Auflage seiner „ Kritik der reinen Vernunft “, die in dieser Form bei weitem mehr Anklang fand als die erste Version und ihn zu einem der prominentesten und meistdiskutierten Philosophen seiner Zeit machte. Sie „führte […] einen Klimawechsel herbei, wie ihn die Philosophie weder vorher noch nachher erlebt hat.“4 Kants zweite Kritik ist 1788 erschienen und trägt den Titel „ Kritik der praktischen Vernunft “. Sie beinhaltet Gedanken zur praktischen Philosophie: die Übertragung der vorangegangenen erkenntnistheoretischen Überlegungen auf das praktische Handeln der Menschen begründet Kants Moraltheorie. Kants dritte Kritik, die „ Kritik der Urteilskraft “ von 1790, ist zweigeteilt: im ersten Teil enthält sie Ausführungen zur Ästhetik, also der Lehre vom ästhetischen Urteil, und der zweite Teil thematisiert die Teleologie, also die Auffassung, dass ein jeder Vorgang und ein jedes Phänomen, demnach auch die menschliche Natur und der menschliche Wille, von seinem Ziel, seinem Endzweck, bestimmt wird. Damit ist Kants kritisches Werk abgeschlossen. Sich seines fortgeschrittenen Alters bewusst, machte er sich nun daran, „die fälligen systematischen Schlußfolgerungen für einzelne Gegenstandsbereiche zu ziehen“5. Mit dem Werk „ Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft “ von 1793 legte er, trotz des erheblichen Widerstandes durch die preußischen Zensurbehörden, der sich bis hin zu einem Verbot der Veröffentlichung religiöser Schriften durch den damaligen preußischen König Friedrich Wilhelm II. entwickelte, den Entwurf einer auf Vernunft beruhenden Religion, der sogenannten Vernunftreligion, vor. Es folgte 1795 mit der Schrift „ Zum ewigen Frieden “, die in der Form eines zeitgenössischen Friedensvertrages gehalten ist, eine Verbindung seiner Moralphilosophie mit der zentralen Fragestellung der Politik nach dem „ewigen Frieden“. Kants philosophischer Entwurf soll dabei einen Weg konzipieren, der die Menschheit zu einem Leben in einem solchen permanenten Friedenszustand führen kann. Gemeinsam mit der 1796/97 publizierten „Metaphysik der Sitten“ brachte er eine Argumentation hervor, die „direkten Einfluß auf die politische Urteilsbildung der Zeitgenossen [gewann].“6 Die Metaphysik trug dazu sowohl durch eine Tugendlehre, die sich mit dem subjektiven moralischen Handeln des Menschen befasst, als auch durch eine Rechts- und Staatslehre, die sich mit dem moralischen Handeln der Menschen untereinander befasst, bei. Zu weiteren bedeutenden Veröffentlichungen und Fertigstellungen seines Werkes kommt Kant nicht: 1796 gab er seine Lehrtätigkeit in Königsberg auf und starb acht Jahre später ebenda.

Seine Nachwirkung und Rezeption ist auch heute noch groß; er gilt als einer der renommiertesten Vertreter der abendländischen Philosophie.

3. Kants Analytik des Schönen

Wie weiter oben bereits dargelegt, ist Immanuel Kants Ästhetik im ersten Teil der „ Kritik der Urteilskraft “, nämlich der „ Kritik derästhetischen Urteilskraft “, überliefert. Diese ist wiederum zweigeteilt: zuerst erfolgt die für diese Arbeit maßgebende Analytik des Schönen und danach die Analytik des Erhabenen, die für Kant jedoch weniger von Bedeutung ist und auch hier keine Rolle spielen wird.

Wie der Titel der Abhandlung es bereits vermuten lässt, setzt sich Kant in der „ Kritik derästhetischen Urteilskraft “ mit dem ästhetischen Urteilsvermögen des Menschen auseinander. Dieses ästhetische Urteilsvermögen befähigt zu dem, was er „Geschmacksurteil“ nennt. Im Wesentlichen ist das Geschmacksurteil die Antwort auf die Frage nach der Schönheit, des ästhetischen Anspruches: Was ist eigentlich „schön“? Und was bringt einen Menschen dazu, etwas als schön zu empfinden?

Unter anderem diesen Fragen geht Kant in einer schrittweisen Analyse des Geschmacksurteils nach, die gleichzeitig seine Auffassung vom Begriff der Schönheit deutlich macht. Zu diesem Zweck unterscheidet er vier konstitutive Momente des Geschmacksurteils: die Qualität des Geschmacksurteils, die Quantität des Geschmacksurteils, die Relation der Zwecke und die Modalität des Wohlgefallens.

Die in den folgenden Ausführungen von mir gemachten Seitenangaben beziehen sich auf die als Primärliteratur angegebene Suhrkamp-Ausgabe der „ Kritik der Urteilskraft “.

[...]


1 Gerhardt, Volker: Kant, Immanuel [Art.], in: Metzler Philosophen Lexikon, 2. Auflage, Metzler: Stuttgart / Weimar 1995, S. 439.

2 Gerhardt, Volker: Kant, Immanuel, S. 440.

3 Vgl. ebd.

4 Gerhardt, Volker: Kant, Immanuel, S. 441.

5 Gerhardt, Volker: Kant, Immanuel, S. 443.

6 Gerhardt, Volker: Kant, Immanuel, S. 443.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668449480
ISBN (Buch)
9783668449497
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v365523
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Schlagworte
analytik schönen immanuel kants kritik urteilskraft

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