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Homosexualität im Profifußball und der Kampf gegen die Homophobie

Warum ist der Fußball als Profisport trotz aufgeklärter Gesellschaft weiterhin homophob?

Bachelorarbeit 2017 45 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Homosexualität
2.1 Homophobie

3 Männerdomäne Fußball
3.1 Moderne Männlichkeit
3.2 Heteronormativität
3.3 Homoerotisches Verhalten

4 Justin Fashanu

5 Thomas Hitzlsperger

6 Homophobie im Frauenfußball

7 Ausblick

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

10 Internetquellenverzeichnis

1 Einleitung

„Homosexualität ist abnormal. Ich werde niemals Homosexuelle in mein Team berufen.“

Otto Baric, Trainer der kroatischen Nationalmannschaft

In der westlichen Gesellschaft ist die Homophobie in den letzten Jahren zurückgegangen. Eine US-amerikanische Studie legt dar, dass die Toleranz gegenüber homosexuellen Menschen in Ländern, die diesbezüglich seit den 1980er Jahren befragt wurden, in 90 Prozent dieser Länder gestiegen ist. (vgl. Sutthoff 2014)

Des Weiteren hat das Berliner Marktforschungsinstitut Dalia 2016 eine Studie veröffentlicht, die darlegen soll, wie viel Prozent der Bewohner der Europäischen Union sich selbst als nicht ausschließlich heterosexuell bezeichnen. Hierzu wurden Menschen aus Polen, den Niederlanden, Spanien, Italien, Frankreich, Österreich, Großbritannien und Deutschland befragt. Die Anzahl derjenigen, die sich als nicht ausschließlich heterosexuell bezeichneten, lag hierbei bei zehn Prozent. Deutschland ist hierbei mit mehr als sieben Prozent auf dem ersten Platz vertreten. (vgl. Brauns 2016)

Jedoch gibt aktuell keinen noch aktiven Profifußballer, der sich zu seiner Homosexualität bekannt hat.

Insbesondere in Anbetracht dessen, dass es in anderen Bereichen der Gesellschaft, wie in der Politik und der Unterhaltung, berühmte Persönlichkeiten gibt, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannt haben, ohne damit ihrer Karriere zu schaden, ist es interessant zu untersuchen, wieso dies im Fußball offenbar nicht der Fall ist.

Auch in anderen Sportarten hat die Bekenntnis zu der eigenen Homosexualität, für die betreffenden Sportler ihre Karriere nicht beendet. Als Beispiel kann hierfür der walisische Rugbyspieler Gareth Thomas genannt werden. Er bekannte sich 2009 öffentlich zu seiner Homosexualität. Obwohl Rugby als eine klassische Männersportart wahrgenommen wird, konnte er seine Karriere in der walisischen Nationalmannschaft nach seinem Bekenntnis erfolgreich weiterführen. (vgl. Niggel 2013: 1)

Es liegt also der Verdacht nahe, dass der Fußball eine besondere Stellung in der Gesellschaft hat, die ihn von anderen Bereichen der Gesellschaft abgrenzt. Dies wird auch an dem einleitenden Zitat des ehemaligen kroatischen Fußball-Nationaltrainers Otto Baric deutlich. Dieses Zitat ist in seiner Intensität zwar ein besonders gravierendes Beispiel, jedoch gibt es eine Vielzahl von weiteren Äußerungen aus dem Bereich des Fußballs, die die nicht vorhandene Akzeptanz von Homosexualität im Fußball verdeutlichen.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es herauszufinden, ob der Fußball tatsächlich eine Sonderstellung in der Gesellschaft, insbesondere bezogen auf den Umgang mit Homosexualität, hat. Sollte sich dies bestätigen, soll sie außerdem Aufschluss darüber geben, wie sich diese Sonderstellung äußert und welche Ursachen sie hat.

Um diese Ziele erreichen zu können, werden als Basis zunächst die als Grundbegriffe fungierten Bezeichnungen „Homosexualität“ und „Homophobie“ erläutert.

Da sich diese Arbeit überwiegend mit dem Männer-Fußball befasst, da dieser weltweit deutlich etablierter ist als der Frauen-Fußball, wird im Folgenden der Fußball als Männerdomäne betrachtet, um herauszufinden, wie sich der Fußball als Männersportart entwickelt und etabliert hat.

Darauf aufbauend wird erläutert, was die moderne Vorstellung von Männlichkeit ist und inwiefern sie mit dem Fußball verbunden ist.

Was folgt ist die Betrachtung der Heteronormativität als Bestandteil der Vorstellung von Männlichkeit. Aufgrund der nicht vorhandenen, offen homosexuellen Profispieler wird die Heteronormativität des Weiteren als Bestandteil des Fußballs aufgegriffen.

Paradoxerweise lässt sich im Fußball ein homoerotisches Verhalten unter den Akteuren beobachten. So sind Umarmungen und Küsse als Form des Torjubels keine Seltenheit. Auch der Klaps auf den Po durch den Trainer im Zuge einer Auswechslung kann des Öfteren beobachtet werden. Bei diesen Beobachtungen wird jedoch kein sexuell motiviertes Verhalten vermutet. Die Gründe hierfür werden anschließend an das Kapitel der Heteronormativität erläutert.

Es gibt vereinzelte Beispiele von Spielern, die sich während ihrer aktiven Profikarriere oder im Anschluss an ihre Profikarriere öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannt haben. Ein Spieler dessen Bekenntnis bereits während seiner aktiven Karriere veröffentlicht wurde, ist der Engländer Justin Fashanu. Fashanu nahm sich im Jahr 1998 das Leben. Die Hintergründe seines Suizids und seiner Bekenntnis zur Homosexualität sollen in dieser Arbeit als eines von zwei Beispielen für homosexuelle Fußballspieler fungieren.

Als zweites Beispiel folgt das Outing des deutschen Nationalspielers Thomas Hitzlsberger, der sich erst nach Beendigung seiner Karriere überraschend zu seiner Homosexualität bekannte.

Die Auswahl dieser zwei Beispiele erscheint als sinnvoll, da sie sowohl einen Spieler betreffen, der sich während seiner aktiven Profikarriere outete, als auch einen Spieler, bei dem das Bekenntnis zu seiner Homosexualität erst nach dem Ende seiner Profikarriere erfolgte.

Da der Frauen-Fußball hierzulande an Popularität gewinnt und in den Vereinigten Staaten populärer ist als der Männer-Fußball, wird in dieser Arbeit auch ein Seitenblick auf die Homophobie im Frauenfußball geworfen.

Bevor die vorliegende Arbeit mit einem Fazit schließt, wird in dem Ausblick dargelegt ob es in den vergangenen Jahren Bestrebungen gegeben hat, die Homophobie im Fußball zu bekämpfen und die Homosexualität im Fußball möglich zu machen.

2 Homosexualität

Der Begriff Homosexualität wird laut Duden als ein sexuelles Empfinden und Verhalten definiert, das sich auf das eigene Geschlecht richtet. (vgl. Dudenredaktion o.J.a)

Eine allgemein gültige Definition von Homosexualität, die den wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, gestaltet sich jedoch als schwierig. Dies lässt sich durch eine Komplexität erklären, die dieser Begriff mit sich bringt. Diese Komplexität wird deutlich, wenn man den Wandel der Definition von Homosexualität im Laufe der Geschichte betrachtet. (vgl. Eder 2004: 19)

Bei einer Betrachtung der verschiedenen Kulturen in der Geschichte der Menschheit zeigt sich, dass gleichgeschlechtliche Praktiken häufig nicht nur der Vergnügungen und dem Ausdruck sexueller Begierde galten. Vielmehr waren sie oftmals mit den Eigenschaften der betreffenden Personen verbunden und galten als Ausdruck ihres sozialen Status oder ihrer rituellen Stellung. (vgl. ebd.)

Der österreichisch- ungarische Schriftsteller Karl Maria Kertbeny verwendete 1868 erstmalig den Begriff Homosexualität. In Folge dessen wurde versucht mit diesem Begriff eine kategorische Abgrenzung des Begriffs Heterosexualität zu schaffen, den Kertbeny als Gegenstück zur Homosexualität verwendete. Unter dem Begriff Homosexualität wurden die sexuelle Orientierung, das Verhalten und die Objektwahl berücksichtigt. (vgl. ebd.)

In der westlichen Gesellschaft fand in diesem Zeitraum die Zuschreibung einer spezifischen Geschlechteridentität, teilweise auch eine eigene Geschlechterkategorie für Menschen statt, die als homosexuell kategorisiert wurden. Diese Geschlechteridentität und Geschlechterkategorie umfasste eine eigene Subjekt- und Identitätsbildung. (vgl. ebd.)

Mit dieser Definition wurde somit psychische Orientierung vermutet, die mit der gleichgeschlechtlichen Handlung einhergeht. Die Sexualtheorie des Tiefenpsychologen Sigmund Freund vermutete zumindest eine latente homosexuelle Orientierung, wenn die homosexuelle Orientierung bei einer gleichgeschlechtlichen sexuellen Handlung nicht als manifest erkennbar war. (vgl. ebd.: 30)

Der Kinsey-Report, der 1948 veröffentlicht wurde, legte in seinen Forschungsergebnissen dar, dass sich bei einer Person die Balance zwischen homosexuell und heterosexuell in beide Richtungen verschieben kann. (vgl. Fiedler 2004: 71) Des Weiteren beinhaltete er die Erkenntnis, dass homosexuelle Erlebnisse zu dem Erfahrungsschatz vieler Menschen gehören. (vgl. Eder 2004: 30)

Eine enge Definition des Begriffs Homosexualität wird weiterhin dadurch erschwert, dass Probanden, die an einer Studie teilnehmen, dann als homosexuell kategorisiert werden können, wenn sie sich selbst als homosexuell identifizieren, wenn sie homosexuelle Empfindungen haben, oder wenn sie homosexuelle Erfahrungen haben. Die Dimensionen und Indikatoren von Homosexualität sind somit sehr weitumfassend. (vgl. Plöderl 2005: 2)

Im 20. Jahrhundert hat sich die Definition verfestigt, dass Homosexualität die sexuelle Neigung zum eigenen Geschlecht bezeichnet. Wie sich diese sexuelle Neigung äußert, wird aufgrund der Vielfältigkeit und der Schwierigkeit der genauen Benennungen, hierbei außen vor gelassen. (vgl. Eder 2004: 30f.)

Die Diskussionen über eine genaue Definition des Begriffs Homosexualität sind auch heutzutage nicht abgeklungen, da sie sich im Spannungsfeld von Identität, sexueller Begierde, biologischem Geschlecht und sozialem Geschlecht befindet. (vgl. ebd.: 19)

2.1 Homophobie

Der Begriff Homophobie wurde 1972 erstmalig von dem Psychologen George Weinberg verwendet, um die auf Angst gründende Ablehnung von Homosexualität durch die Gesellschaft zu beschreiben. (vgl. Fiedler 2004: 74)

Homophobie setzt sich aus den griechischen Wörtern „homós“ = gleich und „phóbos“ = Angst zusammen. (vgl. De Hek 2011: 70)

Die Sportwissenschaftlerin Kari Fasting definiert Homophobie als eine irrationale Form von Angst und Intoleranz, die sich auf die Homosexualität und auf homosexuelle Menschen bezieht, sowie auf deren Verhaltensweisen, mit der Begründung, dass diese nicht den erwarteten Vorstellungen der Geschlechterrolle entsprechen. Die Irrationalität der Homophobie gründet darauf, dass die Angst und die Intoleranz nicht rational begründbar sind. (vgl. ebd.: f.)

Die Entstehung von Homophobie wird durch Faktoren wie fundamentalistische Religiosität, Unkenntnis, sowie rigide Geschlechternormen beeinflusst. (vgl. Klocke 2014: 1)

Die rigiden Geschlechternormen sind bei der Homophobie im Fußball von besonderer Bedeutung. Sie entstehen durch eine gesellschaftliche Vorstellung des männlichen und des weiblichen Geschlechts. Diese gesellschaftlichen Vorstellungen sind über Jahrhunderte entstanden. Sie beinhalten ein klassisches Rollenverständnis von Mann und Frau. Dem Mann werden Attribute, wie Mut, Verstand, Aktivität und Durchsetzungskraft zugesprochen. Der Frau hingegen werden Attribute, wie Einfühlsamkeit, Emotionalität, Schwäche und Zurückhaltung zugeschrieben. Wenn ein Mann dem klassischen Rollenverständnis nicht entspricht, wird dies in der Gesellschaft härter sanktioniert, als wenn eine Frau dies macht. (vgl. Walther 2006: 5) Homosexuellen Menschen wird von der Gesellschaft häufig das Merkmal zugesprochen, dass sie Grenzen ihrer Geschlechterrolle überschreiten und Männer verweiblichen und Frauen vermännlichen. (vgl. Wilhelm o.J.)

Die Erscheinungsformen der Homophobie sind vielfältig. Sie reichen von Ignoranz, über Nichtwahrnehmung, Diskriminierung, soziale Ausgrenzung bis zu manifesten körperlichen Übergriffen. (vgl. ebd.)

Im Fußball treten die Erscheinungsformen von Homophobie sowohl offen als auch verdeckt auf. Die verdeckte Erscheinungsform ist von der Tabusierung der Homosexualität im Fußball gekennzeichnet. Überwiegend geschieht dies durch die Nichtwahrnehmung. Homophobie wird hierbei durch das Schweigen und die Unsichtbarkeit von Homosexualität, aber auch durch ein klares leugnen der Selbigen ausgedrückt. Dies wird besonders deutlich daran, dass sich bislang nur eine sehr geringe Anzahl aktiver und bekannter Fußballprofis als homosexuell bekannt hat. Auch gibt es weiterhin Akteure des Fußballs, sowohl im Spielerbereich, als auch im Funktionärsbereich, die leugnen, dass es überhaupt homosexuelle Fußballspieler im Profibereich gibt. (vgl. De Hek 2011: 71)

Homosexuelle Profifußballer befinden sich durch die Nichtwahrnehmung der Homosexualität im Fußball in einer Art Gefangenen-Dilemma. Diese Nichtwahrnehmung findet nur solange statt, bis sich ein Profispieler zu seiner Homosexualität bekennt. Somit wird ein homosexueller Profifußballer nur diskriminiert, wenn er sich zu seiner Homosexualität bekennt, aber er bekennt sich nicht zu ihr, da er Angst vor der Diskriminierung hat. (vgl. Walther 2006: 8)

Die offene Erscheinungsform der Homophobie hat zwei Unterkategorien. Dies sind die direkte offene Homophobie und die indirekte offene Homophobie. Die direkte offene Homophobie hat das Ziel einzelne homosexuelle Menschen gezielt durch verschiedene Formen anzugreifen. Die indirekte offene Homophobie richtet sich hingegen indirekt gegen homosexuelle Menschen. Dies geschieht im Fußball insbesondere durch homophobe Äußerungen. Diese erscheinen als ein integraler Bestandteil eines habitualisierten Sprachgebrauchs, der in der Fußballwelt gefestigt ist. (vgl. De Hek 2011: 71f.) Die auftretenden homophoben Fangesänge -und -sprüche sind so massiv in der Fußballwelt verankert, dass sie häufig nicht hinterfragt werden. (vgl. Walther 2006: 8) Bei dieser Form der Homophobie wollen die Menschen, die homophobe Äußerungen tätigen, in der Regel homosexuelle Menschen nicht direkt angreifen. Vielmehr wird die Homosexualität zu einem Symbol der Entmännlichung gemacht. Dies hat das Ziel diejenigen, denen die entsprechenden Ausrufe gelten, herabzuwürdigen und diese damit zu provozieren. Auch wenn das Ziel zumeist nicht die Diskriminierung homosexueller Menschen ist, so ist diese indirekte Form der offenen Homophobie eine große Hürde für homosexuelle Profifußballer. (vgl. De Hek 2011: 72)

3 Männerdomäne Fußball

Dass Fußball überwiegend als Männer-Sportart angesehen wird, verdeutlicht die Tatsache, dass von Männern gespielter Fußball nicht als Männerfußball bezeichnet wird, sondern lediglich als Fußball. Von Frauen gespielter Fußball wird hingegen explizit als Frauenfußball bezeichnet. Wenn Frauen Fußball spielen, wird dies somit geschlechtlich markiert, um eine deutliche Abgrenzung zu dem gesellschaftlich „normalem“ Fußball, der von Männern gespielt wird, zu schaffen. (vgl. Kreisky 2006: 27)

Um zu verstehen, warum die Gesellschaft Fußball klassischerweise als Männer-Sportart klassifiziert, empfiehlt sich ein Blick auf die Geschichte des Fußballs.

Zunächst gilt es jedoch klarzustellen, dass Fußball nicht in jeder Gesellschaft, auch nicht in jeder westlichen Gesellschaft, als Männer-Sportart angesehen wird. Fußball gilt nur in Gesellschaften von Ländern als Männer-Sportart, in denen Fußball ein Nationalsport ist. (vgl. Kreisky/Spitaler 2006: 8f.) Dies lässt sich an dem Beispiel der USA belegen, wo ca. 40 Prozent der Fußballer weiblich sind. Dort ist der Fußball keine Nationalsportart und er wird auch nicht als Männer-Sportart angesehen. Vielmehr werden mit dem Fußball in den USA Attribute wie Weichlichkeit und Gewaltfreiheit assoziiert. Auch wenn er in den USA immer mehr an Popularität gewinnt, gilt der Fußball dort überwiegend als eine Familiensportart, da er insbesondere von Müttern favorisiert wird, die nicht wollen, dass ihre Kinder den Nationalsport American Football spielen, der als gewalttätig gilt und eine hohe Verletzungsgefahr mit sich bringt. (vgl. Sülzle 2011: 89f.)

Der moderne Fußball findet seine Anfänge im 10. Jahrhundert in England. Zu dieser Zeit wurde Fußball von Männern, Frauen und Kindern gespielt. Dort war er ein Volksspiel, das zwischen Dörfern ausgetragen wurde. Von Bedeutung waren Attribute, wie Ausdauer, Kraft und Gewalt. Dennoch war er nicht den Männern vorbehalten. Fußball wurde als ein Ventil für Emotionen genutzt, die im sonstigen Alltag ausgeschlossen waren. Insbesondere waren sie eine kontrollierte Form der Konfliktbewältigung zwischen den Dörfern und den verschiedenen sozialen Gruppen. (vgl. Kreisky 2006: 25)

Von den autoritären Kräften des Landes wurde Fußball als nutzlos angesehen, insbesondere für Männer, da es als sinnvoller angesehen wurde, wenn diese den Gebrauch von Waffen übten. Die ausgesprochenen Verbote des Fußballspielens wurden jedoch von der Bevölkerung ignoriert. (vgl. ebd.)

Die Vermännlichung des Fußballs geht mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert einher. Zu dieser Zeit fand auch die Polarisierung der Geschlechtscharaktere statt. (vgl. Staudenmeyer 2014)

Fußball wurde von nun an überwiegend in exklusiven Privatschulen gespielt. Dort wurde der Fußball auch mit Regeln versehen. Ziel war es die männliche Jugend aus der Bürgerschicht zu einer angemessenen Männlichkeit zu erziehen. (vgl. Kreisky 2006: 25) Somit fungierte der Fußball auch als Erziehungsmethode für männliche Jugendliche. Ihnen sollte anhand des Fußballs Attribute wie Stärke, Disziplin und Durchsetzungsfähigkeit vermittelt werden. Auch die Unterordnung und der Umgang mit Niederlagen wurden hierbei vermittelt. (vgl. Staudenmeyer 2014)

Beliebt war der Fußball ebenso in der Arbeiterschicht. Fußball wurde von den Arbeitern in ihrer Freizeit ausgeübt und stellte somit im Vergleich zu der Arbeit nichts Notwendiges dar, sondern erfüllte einen Selbstzweck. (vgl. Kohlhaas 2009: 25)

Dass die Möglichkeit zur vermehrten Ausübung des Fußballs in der Freizeit der Arbeiter möglich war, wurde dadurch begünstigt, dass in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Arbeitssituation verbessert wurde. So wurden höhere Löhne gezahlt, die wöchentliche Arbeitszeit reduziert und der Samstag als freier Tag festgelegt. (vgl. ebd.: 31)

Die Begründung dafür, dass der Fußball zur Freizeitgestaltung gewählt wurde kann damit gegeben werden, dass er eine Einfachheit mit sich bringt. Die Regeln sind leicht verständlich und man benötigt lediglich einen Ball und ein Spielfeld. (vgl. ebd.: 26)

Des Weiteren kann angenommen werden, dass sich die Arbeit im Zuge der Industrialisierung in dem Maße veränderte, dass den Arbeitern etwas fehlte. Die Arbeit in der Industrie war von Monotonie und Entfremdung zu dem, was zuvor als Arbeit ausgeübt wurde, geprägt. So war der einzelne Arbeiter durch die Arbeitsteilung nicht mehr in die komplette Produktion eingebunden. Hierbei ging den Arbeitern das Gefühl von Erfolg in der Produktion verloren. Die Arbeit, die der einzelne Arbeiter ausführte, war zu dem häufig stets dieselbe. (vgl. ebd.: f.)

Durch den Fußball konnten die Arbeiter sich kreativ betätigen und durch Wettbewerbe Erfolge erleben. Außerdem erschaffte der Fußball eine neue Form von Geselligkeit, die durch die Urbanisierung verloren gegangen war. (vgl. ebd.: 27)

In der Epoche der Weltkriege wurde der Fußball als gute Vorbereitung auf den Einsatz im Krieg gesehen, was seine Popularität als Männersportart weiter förderte. Deutlich wird dies an dem militärischen Vokabular, das bis heute im Fußball verankert ist. So ist die Verteidigung für Deckung zuständig, der Ball schlägt im Tor ein und einer Mannschaft gelingt ein Befreiungsschlag. (vgl. Zeyringer 2014: 41)

3.1 Moderne Männlichkeit

Das Zeitalter der Moderne findet seinen Beginn in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum entwickelte sich die bürgerliche Gesellschaft. Mit dieser Entwicklung einher geht ein sich veränderndes Bild von Männlichkeit. Neben der Veränderung der Attribute, die Männlichkeit umfasste, steigerte sich auch die Bedeutung von Männlichkeit, was sich anhand der stärkeren Festlegung der Konturen aufzeigen lässt. (vgl. Kottow 2004: 80)

Symbole erlangten mit der Moderne an Bedeutung, was auch dem Körper einen Symbolcharakter verlieh. (vgl. ebd.)

Die Vorstellungen von Männlichkeit bezogen sich vor dieser Zeit auf das ritterliche Ideal. Dies beinhaltete Attribute, wie Tapferkeit, Loyalität, Ausdauer und Rechtschaffenheit. Die Ästhetik des Mannes spielte bei dem ritterlichen Ideal keine Rolle, da die Rüstung des Ritters diese Rolle übernahm.

Das moderne Bild von Männlichkeit behielt diese Attribute bei, erweiterte sie jedoch um moralische Werte und Ästhetik. Hierin enthalten waren Attribute, wie Recht und Ordnung, Gleichheit und Gerechtigkeit. Diese moralischen Aspekte hatten den Zweck die bürgerliche Gesellschaft zu ordnen. (vgl. ebd.)

Die Ästhetik, die sich auf das körperliche Erscheinungsbild bezieht, ist eng mit den moralischen Attributen verknüpft. Grund hierfür ist die Auffassung, anhand der Ästhetik die moralischen Attribute ablesen zu können.

Die Idealvorstellung von Ästhetik lässt sich im alten Griechenland finden. Die Statuen der männlichen, nackten Körper standen für Virilität, Kraft, Proportion und Harmonie. Diese Attribute wurden als Symbole für Selbstkontrolle verstanden. (vgl. ebd.: 81)

Die Klassiker der Männlichkeitsforschung erwähnen zumeist die Bedeutung, die der Sport in dieser Zeit für die Konstruktion von Männlichkeit innehat. (vgl. Kreisky/ Spitaler 2006: 8) Grund hierfür ist, dass Sport den Körper in der Weise formt, die als ästhetisch akzeptiert wurde. Hiermit einhergehend wurde mit dem Treiben von Sport die Stärkung der Willenskraft und der Selbstkontrolle über unerlaubte Eigenschaften in Verbindung gebracht. (vgl. Kottow 2004: 81)

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Details

Seiten
45
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668445741
ISBN (Buch)
9783960950455
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v365428
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,7
Schlagworte
Soziologie Fußball Homophobie Homosexualität

Autor

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Titel: Homosexualität im Profifußball und der Kampf gegen die Homophobie