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Projektorientierter Unterricht

Hausarbeit 2005 26 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Was ist ein Projekt?

2. Die Projektkonzeption nach Dewey: Das Projekt als pädagogisches Experiment mit der Wirklichkeit
2.1 Einige Aspekte zur Biographie und Wirkungsgeschichte John Deweys
2.2 Die Projektmethode nach Dewey

3. Die Geschichte der Projektmethode – Historische Vorbilder
3.1 Die Anfänge der Projektmethode
3.2 Pragmatismus in den USA
3.3 Reformpädagogik in Deutschland
3.4 Innovationszeit (60er und 70er Jahre)

4. Projektunterricht heute

5. Projektformen

6. Inhalts- und methodenbezogene Aufgaben des Projektunterrichts
6.1 Inhaltsbezogene Aufgaben des Projektunterrichts
6.2 Methodenbezogene Aufgaben des Projektunterrichts

7. Projektmerkmale
7.1 Produkt- und Handlungsorientierung
7.2 Interdisziplinarität
7.3 Schülerorientierung
7.4 Situations- und Gesellschaftsbezug
7.5 Gemeinsame Organisation von Lernprozessen

8. Projektorientiertes Lernen – Projektorientierter Unterricht

9. Projektverlauf
9.1 Projektinitiative
9.2 Auseinandersetzung mit der Projektinitiative (Ergebnis: Projektskizze)
9.3 Entwicklung des Betätigungsgebietes (Ergebnis: Projektplan)
9.4 Verstärkte Aktivitäten im Betätigungsgebiet (Projektdurchführung)
9.5 Fixpunkte, Zwischengespräche und Metainteraktion
9.6 Abschluss des Projektes

10. Begründungszusammenhänge des Projektunterrichts

11. Ziele des projektorientierten Lernens

12. Schluss

13. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Was ist ein Projekt?

Das Wort Projekt geht auf das lateinische Wort proicere zurück, das vorwerfen, entwerfen, hinauswerfen, vorauswerfen, planen, sich vornehmen bedeutet. Heute wird der Projektbegriff im Sinne von Plan, Entwurf oder Vorhaben verwendet, wobei die Verwirklichung der Planung beabsichtigt wird.[1]

Der Projektunterricht weist eine charakteristische Gestalt auf, die ihn von anderem Unterricht unterscheidet, ihm werden in der Literatur jedoch viele unterschiedliche Bedeutungen und Vorstellungen zugeordnet. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle nicht auf eine Beschreibung des Projektunterrichts beschränken, sondern unterschiedliche Definitionen von verschiedenen Autoren anführen.

Der Projektbegriff bezieht sich auf ein „konkretes, zeitlich und räumlich von anderem abgrenzbares Geschehen. Dieses Geschehen nimmt bei einem Problem seinen Ausgang und endet mit dessen Lösung. Das Projekt als konkretes zeitlich und räumlich abgrenzbares Geschehen fasst wie in einem Brennglas die geforderte Veränderung von Mensch und Welt zusammen und lässt sie exemplarisch sichtbar werden. (…) Es stellt ein pädagogisches Experiment dar, nämlich den geplanten Versuch, durch pädagogisches Handeln von Lehrern und Schülern Mensch und Welt höherzuentwickeln“.[2] (Dewey, zitiert nach Hänsel)

Projektunterricht „geht von einer problemhaltigen Aufgabe mit einem Produktziel aus. Dabei bestimmt die Projektgruppe durch plausibles und selbständiges Handeln den Weg und löst durch fächerübergreifendes und anwendungsorientiertes Handeln die gestellte Aufgabe in ihrer natürlichen Umgebung, d.h. meist außerhalb der Schule: ein Beitrag der Erziehung zum Handeln in einer demokratischen Gesellschaft“.[3] (Emer / Lenzen)

„Das Projekt ist eine bedeutsame praktische Tätigkeit, die Aufgabencharakter hat, von den Schülern in natürlicher Weise geplant und ausgeführt wird, die Verwendung physischer Mittel in sich begreift und die Erfahrung bereichert.“[4] (Bossing, zitiert nach Lenzen)

„Eine Gruppe von Lernenden bearbeitet ein Gebiet. Sie plant ihre Arbeiten selbst und führt sie auch aus. In der Regel steht am Ende ein sichtbares Produkt.“[5] (Frey)

2. Die Projektkonzeption nach Dewey: Das Projekt als pädagogisches Experiment mit der Wirklichkeit

Der amerikanische Philosophie- und Pädagogikprofessor John Dewey (1859 – 1952) ist einer der herausragenden Vertreter des erkenntnisphilosophischen Pragmatismus und gilt als wichtigster pädagogischer Theoretiker der Projektidee, der den Projektbegriff pädagogisch begründet hat und das Projekt als pädagogisches Experiment mit der Wirklichkeit begreift.

2.1 Einige Aspekte zur Biographie und Wirkungsgeschichte John Deweys

Dewey wird am 20. Oktober 1859 in Burlington (Vermont) geboren. 1879 absolviert er erfolgreich sein Studium an der Universität in Vermont und ist damit berechtigt, das Lehramt auszuüben. Er ist zunächst an einer Highschool tätig und unterrichtet anschließend an einer Elementarschule. Im Herbst 1882 nimmt Dewey ein Philosophiestudium an der John Hopkins Universität in Baltimore (Maryland) auf und übernimmt 1884 eine Dozentur für Philosophie an der Universität in Ann Arbor (Michigan). 1894 wechselt er an die Universität in Chicago. Dort gründet er 1896 die Reformschule „Laboratory School“ („Dewey School“), die ein didaktisches Experiment darstellt und unabhängig von amtlichen Vorschriften und der vorherrschenden Pädagogik geführt wird. Dort erprobt Dewey projektorientierten Unterricht, so dass die Schule zum Ausgangspunkt für eine pädagogische Bewegung von Lehrern und Eltern wird, die Schule verändern wollen. Da die Schule auf Spenden angewiesen ist, hält Dewey mehrere Vortragsreihen über die Theorie der Schule und veröffentlicht schließlich auch einige seiner Mitschriften, so z.B. „The School and Society“ (1899) und „The Child and the Curriculum“ (1902). 1904 wird die „Dewey School“ an die Übungsschule des Lehrerseminars verfügt und Dewey somit die Kontrolle entzogen. Er kündigt und nimmt einen Lehrauftrag am „Teacher’s College“, einer Pädagogischen Hochschule in New York City, an. Einer seiner Schüler, William Heard Kilpatrick, entwickelt dort das Konzept der Projektmethode. Dewey stirbt 1952 in New York City.[6]

2.2 Die Projektmethode nach Dewey

Dewey spricht nicht von Projektunterricht, sondern von der Projektmethode. Sein Projektgedanke steht in enger Verbindung mit den industriellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen und Entwicklungen der Jahrhundertwende (Industrialisierung, Massenproduktion, usw.), die Deweys Vorstellungen vom Schulleben maßgeblich beeinflussten. Sein grundlegendes Verständnis von Demokratie ließ ihn bei der Entwicklung seiner Projektidee vom wechselseitigen Wirkungsverhältnis zwischen Mensch und Welt ausgehen, denn auch in der Schule sollen die Schüler als gleichberechtigte Partner demokratisch handeln.

Das Ziel menschlicher Entwicklung stellt nach Dewey die „denkende“ Erfahrung dar, denn die Rekonstruktion einer gelungenen Erfahrung ist pädagogisch bedeutungsvoll und mit Erziehung gleichzusetzen. Sie bewirkt zum einen die persönliche Weiterentwicklung des Individuums, zum anderen die Weiterentwicklung der das Individuum umgebenden, sozialen Umwelt. Die „denkende“ Erfahrung stellt somit Ziel und Mittel der menschlichen Entwicklung dar und kann in der schulischen Erziehung nach dem Vorbild der experimentellen Methode verwirklicht werden, indem der Schüler sich mit einer Sachlage beschäftigt, die sich für den Erwerb bildender Erfahrungen eignet. Eine wirkliche Erfahrung kann nur dann entstehen, wenn ein echtes Problem vorliegt, an dem sich die Stoffauswahl orientiert und der Schüler angemessene Lösungen für das vorliegende Problem entwickeln muss, indem er genaue Beobachtungen anstellt, sich das notwendige Wissen aneignet und sich somit individuell weiterentwickelt.[7]

3. Die Geschichte der Projektmethode – Historische Vorbilder

3.1 Die Anfänge der Projektmethode

Die Entwicklung der Projektmethode reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. An der „Académie Royale d’Architecture“ in Paris wurden ab 1720 Wettbewerbe unter Studenten veranstaltet. Sie sollten Entwürfe für Bauvorhaben gestalten und sich dabei kooperativ und kreativ zeigen. Die entstehenden Entwürfe der Architekturstudenten wurden „projets“ genannt. Projekte stellten zunächst einfache Tätigkeiten dar, die von den Schülern selbst verantwortet und durchgeführt wurden, waren jedoch nicht identisch mit heutigen Projektkonzeptionen.

3.2 Pragmatismus in den USA

Die eigentliche Projektdiskussion beginnt erst um 1900 mit der amerikanischen Schulreformbewegung („Progressive Education Movement“). Vertreter dieser Reformbewegung reagierten auf die zunehmende Entfremdung des Menschen aufgrund der Industrialisierung und forderten die Selbstständigkeit des Schülers.

In den USA wurde 1879 die „Manual Training School“ an der Washington University in St. Louis gegründet. Die dort durchgeführten Projekte orientierten sich vor allem an den Schülern, der Wirklichkeit und den Produkten. Charles R. Richards, Leiter der Abteilung für Werkerziehung im Teachers College der Columbia University verwendete den Projektbegriff erstmals im „Manual Training Magazine“.

J. A. Stevenson gebrauchte den Begriff „Heimprojekt“ („home projects“), um das Vorgehen in seinen landwirtschaftlichen Kursen an den Berufsschulen in Massachusetts zu beschreiben. Das Vorhaben sollte das Interesse des Schülers wecken und ihn durch die Anwendung zuvor erworbenen Wissens dazu befähigen, den Wert des hergestellten Produktes selbst zu beurteilen.

Die Projektmethode entwickelte sich ab 1900 zur allgemeinen Lehrmethode, da man sehr darum bemüht war, die Interessen und Bedürfnisse des Kindes zu berücksichtigen („child-centered education“). Diese Entwicklung wurde maßgeblich durch John Deweys und William H. Kilpatricks Veröffentlichungen beeinflusst, die das Interesse und die Bedürfnisse des Kindes („child-centered curriculum“) und die Selbstorganisation („learning by doing“) in den Vordergrund rückten. Sie entwickelten eine Projektmethode und führten den Projektbegriff in die Erziehungswissenschaft ein.

Da es einer allgemeinen Theorie der Projektmethode bedurfte, veröffentlichte Kilpatrick 1918 den Aufsatz „The Project-Method“ („Die Projektmethode“) in einer amerikanischen Zeitschrift und begründete somit eine Projektmethode, die sich ausschließlich an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder orientierte und Produkt- und Wirklichkeitsorientierung eher vernachlässigte. Dewey kritisierte diesen Standpunkt und stellte Kilpatricks radikale Kindorientierung in Frage. Kilpatrick bezeichnete das Projekt als „planvolles Handeln aus ganzem Herzen, das in einer sozialen Umgebung stattfindet oder kürzer (…) herzhafte, planvolle Handlung“[8] und gliederte es in vier Phasen: Zielsetzung (Purposing), Planung (Planning), Ausführung (Executing) und Beurteilung (Judging). Es stellte sich jedoch die Frage, ob somit jede von einer bestimmten Absicht getragene und von ganzem Herzen gewollte Tätigkeit als Projekt betrachtet werden könne.

Trotz dieses Kritikpunktes hat Kilpatricks Projektbegriff die pädagogische Diskussion weltweit inspiriert, führte zu einer Ausweitung der bisherigen Auffassungen und wurde zum Erziehungsprinzip, das jedoch verschiedenartig verstanden und somit auch verschiedenartig weiterentwickelt wurde. Projektlernen wurde insbesondere in der landwirtschaftlichen und handwerklichen Ausbildung realisiert und setzte sich in den USA nur im Osten und in landwirtschaftlich-gewerblichen Bereichen durch. Die Projektmethode verkümmerte jedoch allmählich zu einem festen Schema, das daraus bestand, den Schülern eine Aufgabe vorzugeben, die sie gemeinsam lösen sollten.

[...]


[1] Vgl. Lexikographisches Institut: Lexikon der Büchergilde in 20 Bänden. Parit – Rauh. München: Büchergilde Gutenberg 1975, S.4833.

[2] Hänsel, Dagmar (Hrsg.): Handbuch Projektunterricht. Weinheim: Beltz 1997, S.70f.

[3] Emer, Wolfgang / Lenzen, Klaus-Dieter: Projektunterricht gestalten – Schule verändern. Projektunterricht als Beitrag zur Schulentwicklung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag 2002, S.11.

[4] Lenzen, Dieter (Hrsg.): Pädagogische Grundbegriffe 2. Reinbek: Ernst Klett Verlag 1989, S.1273.

[5] Frey, Karl: Projektmethode. Weinheim, Basel: Beltz 1984, S.10.

[6] Vgl. Schreier, Helmut: Dewey, John: Erziehung durch und für Erfahrung. Stuttgart: Klett-Cotta 1986, S.9ff.

[7] Vgl. Hänsel, 1997, S.63.

[8] Emer / Lenzen, 2002, S.11.

Details

Seiten
26
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638361316
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36532
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,3
Schlagworte
Projektorientierter Unterricht

Autor

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Titel: Projektorientierter Unterricht