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Dänisch als Minderheitensprache in Deutschland

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 18 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung in das Thema

2. Die dänische Minderheit in Deutschland
2.1 Die geschichtliche Entstehung der Minderheit in Deutschland
2.2 Institutionen der dänischen Minderheit

3. Dänischer Sprachgebrauch in Deutschland
3.1 Dänischer Sprachgebrauch bei Schülern dänischer Schulen in Südschleswig
3.2 Dänischer Sprachgebrauch bei erwachsenen Angehörigen der dänischen Minderheit in Deutschland
3.3 Dänisch als Institutionssprache

4. Europäische Rechtsgrundlagen zu Minderheiten und ihren Sprachen
4.1 Das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten
4.2 Die europäische Charta der Regional-und Minderheitensprachen

5. Unterschiede zwischen Dänisch als Nationalsprache und als Minderheitensprache

6. Konklusion

Literaturverzeichnis

1. Einführung in das Thema

Dänisch als Minderheitensprache in Deutschland ist ein Thema, das mir als Bewohnerin Flensburgs schon mehrmals begegnet ist. Gerade in Flensburg sind viele Schilder und offizielle Broschüren zweisprachig, dänisch und deutsch. Durch die Grenznähe hört man auf der Straße immer wieder dänisch, ich habe Freunde, die auf dem dänischen Gymnasium in Flensburg ihr Abitur abgelegt haben und es gibt z. B. Filialen dänischer Banken (Sydbank), eine Bücherei (Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig) und eine Tageszeitung (Flensborg Avis), die in dänischer Sprache erscheint. Ich habe drei Semester Betriebliche Bildung und Management mit Dänisch studiert und beherrsche daher Dänisch in Wort und Schrift.

Eine sprachliche Minderheit ist eine „zahlenmäßig kleinere Sprachgemeinschaft, die mit (einer) größeren Sprachgemeinschaft(en) in einem Gemeinwesen zusammenlebt. Die Möglichkeit der Majorisierung birgt grundsätzlich die Gefahr der Unterdrückung, v.a. der übermäßigen Einschränkung von sprachlichen Rechten. Demgegenüber wird heute bisweilen sogar das Menschenrecht auf Verwendung der eigenen Sprache gefordert, und zwar nicht auf private, sondern auf öffentl. Verwendung als Schulsprache, Amtssprache, in den Medien. Die Konflikte zwischen sprachlichen Minderheiten und Mehrheiten sind z.T. sehr intensiv erforscht worden. Neben allgemein als für die sprachliche Minderheit unbefriedigend empfundene Situationen gibt es einzelne günstige, so z.B. für die Deutschsprachigen in Südtirol (Italien) oder in Nordschleswig (Dänemark).“[1]

In dieser Hausarbeit möchte ich nun herausfinden, wie es dazu kam, dass die dänische Sprache in Deutschland als Minderheitensprache gilt, wie verbreitet sie in Deutschland tatsächlich ist und was dafür getan wird, dass sie als Minderheitensprache geschützt wird. Außerdem möchte ich herausfinden, ob die dänische Sprache, wie sie in Deutschland gesprochen wird, mit der Sprache im Mutterland übereinstimmt.

2. Die dänische Minderheit in Deutschland

Heute leben etwa 50 000 Menschen in Deutschland, die sich der dänischen Minderheit zugehörig fühlen. Das entspricht etwa 8 bis 10 Prozent der Bevölkerung der Region. Sie leben in ganz Südschleswig, allerdings besonders in den Städten Flensburg, Schleswig, Husum, Rendsburg und Eckernförde. Die dänische Minderheit hat ihre eigenen Einrichtungen und Institutionen, die ich später noch näher beschreiben werde.[2]

2.1 Die geschichtliche Entstehung der Minderheit in Deutschland

Ein großer Teil von Norddeutschland, das Herzogtum Schleswig, war bis 1864 dänisch. Im Jahr 1864 kam es zu einem kurzen, aber heftigen Krieg zwischen Deutschland und Dänemark, in dessen Folge die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg eine preußische Provinz wurden. Schleswig, der Landesteil zwischen den Flüssen Kongeå (Königsau) und Eider, hatte eine Bevölkerung, die die Sprachen deutsch, dänisch, friesisch, niederdeutsch und sønderjysk (ein dänischer Dialekt) benutzte.

Nach dem 1. Weltkrieg wurden auf Grundlage der Versailler Verträge zwischen den Alliierten und Deutschland zwei Volksabstimmungen durchgeführt. Dabei ging es darum, zu welchem Land, Deutschland oder Dänemark, die Bevölkerung gehören wollte. Die Volksabstimmung in Nordschleswig, das gesammelt abstimmen sollte, ergab, dass ca. 75 % der Menschen für eine Zugehörigkeit zu Dänemark waren. In Südschleswig stimmten 80% für Deutschland. Schleswig wurde also geteilt, und so entstand die Grenze, die auch heute noch gilt.

Die Menschen, die südlich der neuen Grenze lebten, sich aber dänisch fühlten, wurden zu einer Minderheit. Sie organisierten sich in Vereinen und Institutionen. Nach dem 2. Weltkrieg gab es Bestrebungen in der dänischen Minderheit in Deutschland, aber auch in nationalen Gruppen in Dänemark, Südschleswig wieder zu Dänemark zugehörig zu erklären. Jedoch war die dänische Regierung strikt dagegen, um längerfristige Probleme an der Grenze zu vermeiden. Die Grenze lag fest.[3]

1949 wurde die dänische Minderheit in Deutschland in der Kieler Erklärung als gleichberechtigt anerkannt. In der Erklärung heißt es: „Die schleswig-holsteinische Landesregierung, von dem Wunsche erfüllt, ein friedliches Zusammenleben der dänischen Minderheit mit der deutschen Bevölkerung zu sichern (...)erklärt (...) folgendes: (...)“[4] Daraufhin werden Artikel des Grundgesetzes zitiert, die „einem jeden und damit auch jedem Angehörigen der dänischen Minderheit ohne Rücksicht auf die von ihm benutzte Sprache“[5] gewährleistet werden.

Die „Bonn-Kopenhagener Erklärungen“ von 1955 sind bis heute die Grundlage der Minderheitenpolitik in Deutschland und Dänemark. Darin wird die Gleichstellung mit der Mehrheitsbevölkerung in beiden Ländern garantiert .“Die Angehörigen der Minderheit genießen wie alle Staatsbürger die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 garantierten Rechte. Insbesondere haben sie im Rahmen des Grundgesetzes folgende Rechte: (...) das Recht auf gleiche Behandlung, nach dem niemand wegen seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Herkunft oder seiner politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf. (...) Die Angehörigen der dänischen Minderheit und ihre Organisationen dürfen am Gebrauch der gewünschten Sprache in Wort und Schrift nicht gehindert werden. Der Gebrauch der dänischen Sprache vor den Gerichten und Verwaltungsbehörden bestimmt sich nach den diesbezüglichen gesetzlichen Vorschriften. (...)“[6]

2.2 Institutionen der dänischen Minderheit

Die dänische Minderheit sucht in Deutschland stark den Kontakt miteinander, um dänisch miteinander sprechen zu können und dänisches Brauchtum zu pflegen. Daher gibt es eine Vielzahl von Institutionen, in denen die dänische Sprache und Lebensweise weitergegeben werden.[7]

Da ist zuerst der dänische Schulverein zu nennen, Dansk Skoleforening for Sydslesvig. Er ist zuständig für 49 Schulen und 57 Kindergärten in Südschleswig , die im Jahr 2000 von etwa 1600 Kindergartenkindern und 5800 Schülerinnen und Schülern besucht wurden. Über 90% der Schülerinnen und Schüler haben vor ihrer Schulzeit einen dänischen Kindergarten besucht, in dem sie ab dem Alter von 3 Jahren dänisch spielerisch lernten.

Finanziert werden die Schulen teils aus Mitteln des Landes, der Kreise und Gemeinden, größtenteils aber durch Zuschüsse aus Dänemark. Sie genießen auch bei deutschen Eltern einen guten Ruf.

Der Südschleswigsche Verein, SSF, steht für kulturelle Angebote in dänischer Sprache in Südschleswig. Jedes Jahr werden bis zu 100 Veranstaltungen organisiert. Außerdem führt der SSF die dänischen Jahrestreffen (Årsmøder) durch, bei denen die dänische Minderheit sich trifft und zeigt. Der SSF hat 15.000 Mitglieder. In seiner Broschüre schreibt er: „Dänische Kultur ist Theater und Konzert, Film, Lotto, Singabende, Skatnachmittage, Ausflüge, Studienfahrten, es ein bißchen nett zusammen haben, gemütlich beisammen sitzen – aber auf dänisch!“[8]

Der SdU (Sydslesvigs danske Ungdomsforeninger), ist der Dachverband der dänischen Sport – und Jugendvereine in Südschleswig. In den 70 angeschlossenen Vereinen waren im Jahr 2000 etwa 12000 Kinder und Jugendliche organisiert.

Neben diesen großen Organisationen gibt es noch weitere Einrichtungen: etwa die Dänische Zentralbibliothek in Südschleswig, die ihren Nutzerinnen und Nutzern dänische Literatur kostenlos zugänglich macht und etwa 12000 Entleiher hat, die dänische Kirche, die es in 39 Gemeinden ermöglicht, dänischen Gottesdiensten zu folgen oder Tauf-, Konfirmations- und Eheschließungsfeiern in dänischer Sprache abzuhalten. Dann gibt es noch den Gesundheitsdienst (Dansk sundhedstjeneste for Sydslesvig), der ein Altersheim und ein Kinderheim betreibt und Hauskrankenpflege organisiert. An der Universität Flensburg gibt es in Zusammenarbeit mit der Syddansk Universitet in Sønderborg einen grenzüberschreitenden Studiengang, International Management bzw. auf dänisch Sprøk, Sprog og Økonomi. Studierende können einen Doppelabschluss machen, den dänischen Cand.merc.int. und den deutschen MBA (Master of business administration).

[...]


[1] Glück, Helmut (hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart, Weimar 2000, S.663f

[2] Informationen, die diesem Kapitel zu Grunde liegen, habe ich entnommen aus: Kornerup, Inger, Tscherning, Maria: Die dänische Minderheit- ein Zeitbild, Kopenhagen 2002, S.5-11; European Center for Minority Issues: Teebken, Andrea; Christiansen, Eva Maria (Hrsg.): Living together: The minorities in the german-danish border regions, Flensburg 2001, S. 12-19

[3] „The south Schleswig area (in spite of strong and manifold appeals and political activism among the danish minority and among nationalist groups in Denmark) did not reunify with Denmark. Instead, Denmark in many ways came to South Schleswig- with nurses and doctors, schools and kindergartens, ministers and religious congregations.“ European Center for Minority Issues: Teebken, Andrea; Christiansen, Eva Maria (Hrsg.): Living together: The minorities in the german-danish border regions, Flensburg 2001, S. 18

[4] Höffken, Martin: Die „Kieler Erklärung“ vom 26.September 1949 und die „Bonn-Kopenhagener Erklärungen“ vom 29. März 1955 im Spiegel deutscher und dänischer Zeitungen, Frankfurt am Main 1994, S.363

[5] ebenda, S.363

[6] ebenda, S.367

[7] Die Informationen zu diesem Abschnitt habe ich entnommen aus: Südschleswigscher Pressedienst: Die Dänen in Südschleswig, Flensburg 2000 und European Center for Minority Issues: Teebken, Andrea; Christiansen, Eva Maria (Hrsg.): Living together: The minorities in the german-danish border regions, Flensburg 2001, S. 46-48 und Sydslesvigs danske Ungdomsforeninger, o.O.,O.J., Sydslesvigsk Forening: SSF er din forening, o.O., O.J.

[8] Sydslesvigsk forening: SSF er din forening, o.O., O.J., S.12

Details

Seiten
18
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638361057
ISBN (Buch)
9783656562207
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36498
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,7
Schlagworte
Dänisch Minderheitensprache Deutschland Regional- Minderheitensprachen Europa

Autor

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Titel: Dänisch als Minderheitensprache in Deutschland