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Die rationalistische Erkenntnistheorie des Rene Descartes

von Lars Plantholt (Autor)

Zwischenprüfungsarbeit 2002 17 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Descartes‘ Erkenntnisziel und Methode
2.1. Intuitiv erkannte Axiome
2.2. Der methodische Zweifel
2.3. Die Hypothese des malin génie
2.4. Die Bedeutung des cogito
2.5. Die Gottesbeweise

3. Kritik und Kartesischer Zirkel

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit Rene Descartes verbindet man nicht nur den Satz cogito, ergo sum und den Beginn der neuzeitlichen Philosophie. Im Besonderen gilt er als der Philosoph, der den Fragestellungen der Erkenntnistheorie auf dem als Rationalismus bezeichneten Wege zu einer universellen Antwort verhelfen wollte.

Jene Problematik, die - vereinfacht - die Fragen aufwirft, welches das tatsächliche Verhältnis von Mensch und Welt sei, und welches die Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen der Erkenntnis seien[1], waren für Descartes auch von maßgeblich praktischem Interesse. In vielseitigem Sinne Wissenschaftler und der scholastischen Tradition abgeneigt, war es sein Bestreben, allen Wissenschaften eine rational begründete sichere Basis und Methode zur Erkenntnisgewinnung zu verschaffen.

Auf den ersten Blick erscheint ein solches Unterfangen gegenüber empiristischen Theorien weniger nachvollziehbar. Zwar war die skeptische Auffassung, daß allein die sinnliche Wahrnehmung keine Gewißheit über Natur und Verhältnis von erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt ermöglicht, schon seit der Antike begründet vertreten worden. Jedoch hat es erkennbar den außergewöhnlicheren Anschein, wenn der Lösungsversuch die Möglichkeit der sicheren Erkenntnis durch Sinneswahrnehmung nachhaltig verneint und vielmehr auf den Gebrauch der Vernunft als probates Mittel gründet.

Es wird sichtbar, daß es Ziel dieser Arbeit sein soll, darzulegen, wie dieser besondere Lösungsversuch bei Descartes aussah, und welche Probleme dieser mit sich führt. Dabei wird vorab knapp auf die Frage einzugehen sein, wie seine Zielvorstellung und seine Auffassung von sicherer Erkenntnis sich auf die von ihm entwickelte Methode zur Gewinnung solcher auswirkte. Diese Methode soll anschließend an Hand der hierfür als zentral erachteten Passagen der cartesianischen Argumentation, namentlich dem ‚methodischen Zweifel‘, der ‚Hypothese des malin génie‘, dem ‚ersten Prinzip‘ und der ‚Gottesbeweise‘ des Descartes verfolgt und untersucht werden.

Denn zentral anhand dieser Argumentation soll gezeigt werden, warum der cartesianische Rationalismus in der Frage, ob eine sichere vernunftbegründete Erkenntnis möglich sei, letztendlich nicht über ein unsicheres Fundament hinaus gekommen ist.

Die Tatsache, daß Descartes´ Konzeption unter diesen Gesichts-punkten nur in begrenzten Maße analog der zeitlichen Anfertigung seiner Texte erfaßt werden kann, läßt es hier sinnvoll erscheinen, die Untersuchung nicht strikt an die Chronologie seiner Werke zu binden.

2. Descartes‘ Erkenntnisziel und Methode

Wie angedeutet wollte Descartes ein Programm zu entwerfen, daß zum einen der wissenschaftlichen Praxis die Basis einer rational ermittelten, sicheren Erkenntnis verschafft, und zum anderen auch dafür sorgt, daß eine solche Praxis auch ausschließlich „unerschütterliche und wahre Urteile herausbringt[2]. Da dieses Ziel aller wissenschaftlichen Tätigkeit dienen sollte, mußte es sich also um eine elementare Theorie handeln, deren vernunftbegründete Grundlage und Methode vom theoretischen in den praktischen Raum hinein wirken kann.

Folglich sieht Descartes sich gezwungen zu zeigen, daß die Vernunft die Qualifikation zur Gewinnung absolut wahrer Erkenntnis innehat und, daß sie ein Vermögen zur praktischen Umsetzung besitzt.

Voraussetzung dafür ist es, daß die Möglichkeit unbedingt wahrer, objektiv gültiger Urteile vorhanden ist. Descartes´ Kriterium für derartige Urteile liegt in der Evidenz, d.h. in der subjektiven Unbezweifelbarkeit und unmittelbaren Einsicht in den beurteilten Sachverhalt.[3]

2.1. Intuitiv erkannte Axiome

An dieser Stelle stellt sich zunächst einmal die Frage, wie eine solche Evidenz erreicht werden und auf welche Sachverhalte sie sich beziehen kann. Bereits in den Regulae macht Descartes deutlich, daß er den Methoden und Objekten der Geometrie und Arithmetik weit mehr Zutrauen als empirischen entgegenbringt, „weil nämlich sie allein mit einem so reinen und einfachen Objekt umgehen, daß sie gar nichts voraussetzen, was die Erfahrung unsicher machen wird, sondern ganz auf vernünftigen Deduktionen von Folgerungen beruhen[4].

Es wird deutlich, daß Descartes darauf abzielt, daß jegliches sicher Erkennbare – zumindest zunächst – nur an sehr einfachen Objekten erkannt kann. In der dritten Regel wird dies deutlicher, denn Gegenstand soll nur sein, „was wir in klarer und evidenter Intuition sehen oder zuverlässig deduzieren können[5]. Dabei gebürt der Intuition nach seinem Verständnis der Vorzug, denn sie ist „ein so müheloses und deutlich bestimmtes Begreifen des reinen und aufmerksamen Geistes [...] und das, weil einfacher, deshalb zuverlässiger ist als selbst die Deduktion[6]. Intuitiv erkannt werden können so z.B. die geometrische Beschaffenheit eines Dreiecks oder einer Kugel.[7] Solche intuitiven Einsichten oder Axiome sind grundsätzlich voraussetzungslos. Somit schafft die Intuition sowohl die Einsicht in das, was grundlegend ist, als auch die Erkenntnis, weshalb diese Einsicht grundlegend ist.[8]

Das intuitive Erfassen einfacher Wahrheiten ist für die Methode zur Gewinnung von Erkenntnis für Descartes von zentraler Bedeutung. In der fünften Regel stellt er für diese Methode fest, daß sie dann zuverlässig zu notwendig wahren Urteilen führt, wenn man komplexe Sachverhalte „stufenweise auf einfachere zurückführen und sodann von der Intuition der allereinfachsten zur Erkenntnis aller anderen über dieselben Stufen hinaufzusteigen“[9] versucht. Es handelt sich also zunächst um die analytische Zerlegung von fraglichen Sachverhalten bis zu den einfachsten, intuitiv erkannten und für Descartes damit notwendig wahren Axiomen. Ausgehend von diesen Axiomen soll sich dann mittels einer schrittweisen Synthese deduktiv die Wahrheit oder Falschheit der vorher zergliederten Sachverhalte bzw. Urteile erweisen. Insofern zeigt sich hier auch der erforderliche Zusammenhang zwischen der Feststellung der notwendigen Möglichkeit gewisser und wahrer Urteile und einer vernunftorientierten wissenschaflichen Praxis.[10]

[...]


[1] Vgl. Gabriel, Gottfried: Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Von Descartes zu Wittgenstein, Paderborn u.a. 1993, S. 20ff.; Artikel ‚Erkenntnistheorie‘, in: Metzler Philosophie Lexikon. Begriffe und Definitionen, hrsg. von P. Prechtl und F.-P. Burkard, 2. Aufl., Stuttgart, Weimar 1999, S. 147-149, S. 147.

[2] Descartes, Rene: Regulae ad directionem ingenii/Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft, lat.-dt., in: ders.: Philosophische Schriften in einem Band, Hamburg 1996 (zukünftig zitiert: Reg.), Reg. I.

[3] Vgl. Röd, Wolfgang: Descartes. Die Genese des Cartesianischen Rationalismus, 3. erg. Aufl., München 1995 (zukünftig zitiert: Röd: Descartes), S. 46.

[4] Reg. II, 5.

[5] Reg. III.

[6] Reg. III, 5.

[7] Vgl. Reg. III, 5.

[8] Vgl. Prechtl, Peter: Descartes zur Einführung, Hamburg 2000 (zukünftig zitiert: Prechtl: Descartes), S. 40.

[9] Reg. V.

[10] Vgl. dazu auch Röd: Descartes, S. 46f.

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638360968
ISBN (Buch)
9783638824118
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36485
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Philosophisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Erkenntnistheorie Rene Descartes Proseminar

Autor

  • Lars Plantholt (Autor)

    4 Titel veröffentlicht

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Titel: Die rationalistische Erkenntnistheorie des Rene Descartes