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Das Leben der Anderen. Zur filmischen Darstellung des Ministeriums für Staatssicherheit

Hausarbeit 2017 22 Seiten

Kulturwissenschaften - Europa

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe Das Leben der Anderen

3. Die filmische Darstellung des MfS
3.1. Charaktere
3.1.1. Minister Bruno Hempf
3.1.2. Oberstleutnant Anton Grubitz
3.1.3. Hauptmann Gerd Wiesler
3.2. Filmszenen
3.3. Musik als Stilmittel

4. Fazit

Quellenverzeichnis

Sofern sich die Bezeichnung nicht auf eine bestimmte Person bezieht, wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit die männliche Form verwendet, die aber alle Geschlechter einschließt und gleichermaßen respektiert.

1. Einleitung

Macht und Unterdrückung oder Schutz und Sicherheit - die Rolle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) ist bis heute umstritten. Erich Mielke bezeichnet das MfS als “[...] spezielles Organ der Diktatur des Proletariats, das in der Lage ist und über alle Mittel verfügt, unter der Führung der SED gemeinsam mit den anderen staatlichen Organen und bewaffneten Kräften und in enger Verbundenheit mit den Werktätigen die Arbeiter-und-Bauern-Macht und die revolutionäre Entwicklung zuverlässig gegen jede konterrevolutionäre Tätigkeit äußerer und innerer Feinde der DDR zu schützen sowie die innere Sicherheit und Ordnung allseitig zu gewährleisten“ (Gieseke 2000, 6). Es klingt nahezu nach einer Drohung: Alles ist möglich!

Zu den Aufgaben des MfS gehörten „1. die Aufklärung und Entlarvung der gegen den Frieden [...] gerichteten Pläne und Maßnahmen der imperialistischen Kräfte, 2. Aufde- ckung der verbrecherischen Aktionen [...], 3. Unterbindung jeder staatsfeindlichen Tä- tigkeit [...] und 4. Aufdeckung und Mitwirkung bei der Überwindung von feindlichen Ein- flüssen und allen Umständen, die Staatsverbrechen und andere, die sozialistische Entwicklung hemmende Faktoren begünstigen” (Akademie für Staats- und Rechtswis- senschaft der DDR 1974, 349). Diese Aufgaben bezogen sich also nicht nur auf ande- re Staaten und ausländische Geheimdienste, sondern auch auf Bürger der DDR, die mit ihrem Handeln nach Auffassung des MfS das Wohl des Landes gefährdeten.

Es zeigt sich schon in diesen kurzen Beschreibungen, dass das Leben in der DDR nicht für alle Bürger gleich und auch nicht unbeschwert war. Kritik an der Partei und am Land zu üben war in der Regel nicht ohne Folgen möglich, denn sie wurde eben als staatsfeindlich erachtet. Eine Reihe von Filmen widmet sich der Thematik und beschäf- tigt sich mit der Rolle des MfS. So auch der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der mit Das Leben der Anderen im Jahr 2006 einen der bekanntesten Filme hierzu inszenierte. Der Protagonist ist Hauptmann Wiesler, der für das MfS tätig ist. Er kommt seinen (o.g.) Aufgaben zunächst linientreu nach, macht aber im Verlauf eine Entwicklung durch und wird zu einem “guten Menschen” (vgl. Henckel von Don- nersmarck 2014, 158). So bezeichnet ihn zumindest der überwachte Dreymann als er nach der Deutschen Einheit ein Buch über seine Erlebnisse mit dem MfS schreibt.

Im Film werden neben Wiesler weitere verschiedene Stereotypen des MfS dargestellt, die in der vorliegenden Arbeit unter Zuhilfenahme einzelner Szenen genauer betrachtet werden sollen. Zudem werden auch verschiedene Situationen im Film dargestellt, die ein typisches Bild des Ministeriums zeichnen. Auch auf diese wird anschließend kurz eingegangen, bevor die Rolle des Ministeriums für Staatssicherheit im Film Das Leben der Anderen kritisch zusammengefasst wird. Zu erwähnen ist, dass die Analyse ein- zelner Szenen auf technischer und inhaltlicher Ebene erfolgt, jedoch bei allen Beschreibungen und Beurteilungen eine subjektive Meinung einfließt.

2. Inhaltsangabe Das Leben der Anderen

Gerd Wiesler (Abb. 1), Hauptmann der Staatssicherheit, erhält 1984 von seinem Vor- gesetzten Oberstleutnant Anton Grubitz (Abb. 2) den Auftrag, den erfolgreichen Autor Georg Dreymann (Abb. 3) unter dem Verfahrensnamen “Laszlo” zu überwachen. Seine Regimetreue wird durch Grubitz und Minister Bruno Hempf (Abb. 4) in frage gestellt. Letzterer hat vor allem Interesse etwas gegen Dreymann zu finden, weil er ein Auge auf dessen Freundin, die bekannte Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Abb. 5) ge- worfen hat.

Wiesler lässt die Wohnung des Paares Dreymann/Sieland mit Abhörwanzen verkabeln und übernimmt mit einem Kollegen im Schichtdienst die Abhörstation auf dem Dach- boden. Im Laufe der Observation nimmt Wiesler immer mehr Anteil am Leben des Paares und entwickelt eine Sympathie, die ihm in dieser Position nicht zuträglich ist - er beginnt Abhörprotokolle zu fälschen und Erkenntnisse zu unterschlagen.

Minister Hempf setzt Sieland unter Druck, sodass sie eine Affäre mit ihm beginnt. Wiesler befreundeter Theaterregisseur Dreymanns mit Berufsverbot nimmt sich das Leben. Daraufhin verfasst Dreymann einen Artikel über die hohe Suizidrate in der DDR, den er auf einer ihm von einem West-Redakteur bereitgestellten Schreibmaschine verfasst. Eine große Unruhe in höheren Politkreisen entsteht und es wird vermutet, dass lässt Dreymann zufällig Zeuge davon werden. Er beginnt in das Leben des Paares einzugreifen.

Einder Artikel von Dreymann stammt. Jedoch ist ihm aufgrund der von Wiesler gefälschten Protokolle nichts nachweisbar.

Sieland will sich nicht mehr mit Hempf treffen. Daraufhin erpresst er sie mit ihrem Me- dikamentenmissbrauch und lässt sie durch Wiesler verhören. Unter Druck offenbart sie den Ort der Schreibmaschine. Sie soll zudem ab sofort als Inoffizielle Mitarbeiterin (IM) für das MfS tätig werden. Während sie zurück zur Wohnung fährt, lässt Wiesler die Schreibmaschine aus der Wohnung verschwinden. Dreymann kann wiederholt nichts nachgewiesen werden. Sieland stürzt sich aus Verzweiflung vor der Wohnung vor ei- nen LKW und stirbt. Die Observation wird beendet und Wiesler strafversetzt.

Kurz nach der Wiedervereinigung beginnt Dreymann seine Geschichte zu recherchie- ren. Er veröffentlicht ein Buch: „Die Sonate vom guten Menschen“, mit einer Widmung an HGW XX-7 - das Kürzel, das in allen Akten für Wiesler benutzt wurde. Dieser arbeitet inzwischen als Briefträger und sieht das Buch in einem Schaufenster, kauft es und erkennt sich selbst wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Hauptmann Gerd Wiesler

(Henckel von Donnersmarck 2006, 00:03:40)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Oberstleutnant Anton Grubitz

(Henckel von Donnersmarck 2006, 00:07:41)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Georg Dreymann

(Henckel von Donnersmarck 2006, 00:07:18)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Minister Bruno Hempf

(Henckel von Donnersmarck 2006, 00:12:20)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Christa-Maria Sieland

(Henckel von Donnersmarck 2006, 00:03:40)

3. Die filmische Darstellung des MfS

3.1. Charaktere

3.1.1. Minister Bruno Hempf

Minister Bruno Hempf (gespielt von Thomas Thieme) taucht zwar nur in einigen Sze- nen auf, um so eindrucksvoller ist aber seine Darstellung. Er war vor seiner Tätigkeit als Kulturminister für das MfS tätig - in allen Szenen wird er mittels Sprache, Einstel- lungsgrößen und Kamerapersepektiven als ein Mann in machtvoller Position darge- stellt. Er hat stets einen Assistenten an seiner Seite, der neben ihm klein und untertä- nig wirkt und wird in vielen Szenen in einer großen Limousine chauffiert (vgl. Abb. 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Limousine von Minister Hempf.

(Henckel von Donnersmarck 2006, 00:56:20)

In einer der ersten Szenen des Films besucht er, wie auch Abteilungsleiter Oberstleut- nant Anton Grubitz und Hauptmann Gerd Wiesler, eine Theateraufführung von Autor Georg Dreymann. Hempf erteilt Grubitz den Auftrag, etwas über Dreymann herauszu- finden. In dieser Szene sitzt er mittig und seinem Assistenten abgewandt (vgl. Abb.7), was ihn gegenüber dem Assistenten klar positioniert als jemand mit wenig Interesse an seinen Mitmenschen. Zudem ist es eine weitere Klarstellung über welche Macht und Einfluss der Minister verfügt. Er erscheint zumindest auf der hier dargestellten Macht- ebene beinahe unantastbar. Im Prinzip als klassischer Antagonist aufgebaut, könnte man weiterhin deuten, dass der Umgang mit seinem Assistenten auch auf seinen Um- gang mit anderen Menschen schließen lässt. Sie scheinen für Ihn wertlos und sind bloße Schachfiguren für seine niederen Motive.

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668445581
ISBN (Buch)
9783668445598
Dateigröße
7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364759
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Das Leben der Anderen Film Filmanalyse Analyse MFS ministerium für Staatssicherheit DDR

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