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Digitale Medien im Lernprozess. Analyse einer Forumsdiskussion mit Hilfe von Theorien zur computervermittelten Kommunikation (CvK)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 28 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 „Digitalisierung in der Schule –Wenn Lehrer mit der Internetverbindung kämpfen“

3 „www.faz.net“ als Diskussionsplattform

4 Computervermittelte Kommunikation

5 Analyse der Forumsdiskussion mittels Theorien zur CvK

6 Lernerfolg durch Forumsdiskussion

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Anzahl der Unique User von FAZ.net von Oktober 2015 bis Oktober 2016 in Millionen (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/382236/umfrage/ besucher -von-faznet/, 25.01.2017)

Abbildung 2 medienökologisches Rahmenmodell (Döring, 2013, S.425)

Abbildung 3 Verlauf der Forumsdiskussion (eigene Darstellung, 2017)

1 Einleitung

„Digitalisierung in der Schule – Wenn Lehrer mit der Internetverbindung kämpfen“, so lautet der Titel des Artikels der Frankfurter Allgemeine, dem sich eine Forumsdiskussion anschließt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ist 1949 gegründet worden, mit dem Leitziel einen Qualitätsjournalismus überall auf der Welt verfügbar zu machen (FAZ, 2015, S. 13). Um diesen Anspruch zu verwirklichen, veröffentlicht die Frankfurter Allgemeine neben Printausgaben auch digitale Beiträge auf der verlagseigenen Homepage, www.faz.net. So werden Leser rund um die Uhr auf dem Laufenden gehalten. Zusätzlich werden Forumsdiskussionen eingesetzt, um den Nutzern des digitalen Angebots einen kritischen Austausch zu veröffentlichten Artikel zu ermöglichen (FAZ, 2015, S. 14). Laut Kahnwald können Foren als Ort für kollaboratives Lernen angesehen werden (2013, S. 12). Daher ist das Ziel dieser Hausarbeit, die an den Artikel anschließende Forumsdiskussion mit Hilfe von Theorien zur computervermittelten Kommunikation (CvK) hinsichtlich Kommunikationsstrukturen zu analysieren und einen möglichen Lernerfolg abzuleiten. Dazu wird in Kapitel zwei zunächst der Artikel inhaltlich vorgestellt, ehe in Kapitel drei die Homepage der Frankfurter Allgemeine als Plattform beschrieben wird.

Nachdem der Artikel und die FAZ vorgestellt worden sind, beschäftigt sich das vierte Kapitel mit Theorien zur computervermittelten Kommunikation. Da sehr viele unterschiedliche Theorien zur CvK vorliegen, hat Nicola Döring einige dieser Theorien in ein medienökologisches Rahmenmodell integriert. Das Rahmenmodell wird erläutert und als Grundlage für die Analyse der Forumsdiskussion, die sich in Kapitel fünf anschließt, eingesetzt. Das medienökologische Rahmenmodell wird angewendet und auf die konkrete Situation der Forumsanalyse reduziert. Es wird abgeleitet, welche Bestandteile des Modells für die Analyse der Forumsdiskussion geeignet sind und welche in dieser konkreten Situation nicht zur Anwendung kommen. Anschließend an die Analyse der Forumsdiskussion auf kommunikativer Ebene wird in Kapitel sechs die Analyse hinsichtlich eines möglichen Lernerfolgs durch die Forumsdiskussion erörtert. Zuletzt werden die Erkenntnisse im Fazit, in Kapitel sieben, zusammengefasst und kritisch reflektiert.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nachfolgend die männliche Form der Anrede verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

2 „Digitalisierung in der Schule –Wenn Lehrer mit der Internetverbindung kämpfen“

Digitale Medien erhalten vermehrt Einzug in das deutsche Bildungssystem, da diese in Bezug auf die subjektive Entwicklung eines jeden Einzelnen eine stets bedeutendere Rolle spielen. Schulen unterliegen somit einem digitalen Wandel, der eine Medienbildung fordert. Im Rahmen einer Erklärung der Kultusministerkonferenz (KMK) von 2012 wird „die Förderung der Qualität des Lehrens und Lernens durch Medien und der notwendige Schutz vor negativen Wirkungen der Medien und des Mediengebrauchs“ (KMK, 2012, S. 9) verankert. Schüler benötigen eine adäquate Anleitung von Pädagogen, um über eine kompetente Mediennutzung nachzudenken, eine Medienkritik zu entwickeln, die eigenen Interessen zu fördern und Gefahren zu erkennen (Petzold, 2011, S. 26). Im Kontext der Schule haben digitale Medien deshalb an Aufmerksamkeit gewonnen. Hierbei besteht jedoch das Problem, dass vielen Lehrern die Akzeptanz und Kenntnis von digitalen Medien fehlt, so dass diese nicht in den Unterricht integriert werden (Herzig & Assmann, 2014, S. 45). Viele dieser Lehrer stammen aus der Generation Digital Immigrants, sind also nicht mit digitalen Medien sozialisiert worden. Die Mediennutzung stellt die Lehrer selbst vor Herausforderungen, sodass Lehrer aufgefordert sind eine Medienkompetenz zu entwickeln, auf dessen Grundlage die Schüler medial gebildet werden können (Weiß & Bader, 2010, S. 327).

Das dies schwierig ist, zeigt der Artikel „Digitalisierung in der Schule – Wenn Lehrer mit der Internetverbindung kämpfen“ (Becker, 2017, o.S.) sehr deutlich. Frau Becker, die Autorin des Artikels, beschreibt unter anderem ein Interview mit der Lehrerin Frau Toller. Frau Toller berichtet, dass eine mediale Bildung im Studium zu wenig thematisiert worden ist und ihr Einsatz von digitalen Medien im Unterricht auf Eigeninitiative beruht. Viele Lehrer befürchten eine Blamage vor den Schülern, so dass auf den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht verzichtet wird (Becker, 2017, o.S.).

Werden digitale Medien im Lernprozess eingesetzt, verändert sich die Rolle des Lehrers und der Schüler. Die Trennung von Experte und Lernenden wird aufgehoben, weil alle Beteiligten ihr Erfahrungswissen in den Lernprozess einbringen, Inhalte bewerten und sich mit den individuellen Darstellungen und Ausrichtungen der Themenkomplexe auseinandersetzen. Lehrer müssen verstehen, dass ein gemeinsamer Austausch mit Schülern auch eine Kompetenzerweiterung auf Seiten der Lehrkräfte ermöglichen kann. Das klassische Lehrerbild darf nicht mehr als zeitgemäßes Lehrerbild angesehen werden (Becker, 2017, o.S.).

Im weiteren Verlauf des Interviews bezieht sich Frau Toller auf die Vorteile des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht. „Dazu zählen sie neben der höheren Motivation der Schüler das Erlernen eines kompetenten Umgangs mit den neuen Medien und weiterer, auch für das spätere Berufsleben wichtiger Fähigkeiten wie Präsentieren, Produzieren, Kommunizieren und das Arbeiten in der Gruppe“ (Becker, 2017, o.S.).

Durch die Möglichkeit der Nutzung digitaler Medien und des dadurch zugänglichen Web 2.0 ist ein ortsunabhängiges synchrones oder asynchrones Arbeiten und eine Vernetzung untereinander möglich. Das Web 2.0 bietet neue Dimensionen des konstruktivistischen Lernens (Koch & Moskaliuk, 2009, o.S.). Nach einer Studie des MMB Institut für Medien- und Kompetenzforschung, wird E-Learning im Web 2.0 in den nächsten Jahren ein wichtiger und fester Bestandteil der betrieblichen Ausbildung werden. 86% aller Befragten stimmten dieser Aussage zu (MMB Institut, 2014, S. 9). Durch das Web 2.0 wird das kooperative Lesen und kollaborative Generieren von webbasierten Dokumenten erleichtert (Magenheim & Meister, 2011, S. 24). Schule als Institution kann somit dazu beitragen, dass ein informelles und kooperatives Lernen, als Grundlage für Lebenslanges Lernen, möglich ist (Magenheim & Meister, 2011, S. 39). Die subjektive Aussage von Frau Toller wird somit auch durch den aktuellen Forschungsstand bestätigt. Im Artikel wird die subjektive Sichtweise durch eine Bitkom-Studie verstärkt, so dass auch hier statistische Referenzpunkte aufgezeigt werden.

Durch einen solchen Lernprozess findet immer eine Selbstreflexion statt und es kann eine „lebendige Kommunikation im Netz entstehen, bei der das Wissen gemeinsam weiterentwickelt wird“ (Erpenbeck & Sauter, 2013, S. 78). Dazu tritt die Möglichkeit des kollaborativen Lernens und Arbeitens verstärkt in den Mittelpunkt von Lernprozessen (Jadin, 2007, S. 24). Dies wiederum hat eine Kompetenzentwicklung zum Ziel, so dass die Teilnehmer Probleme in der Arbeitspraxis kreativ und selbstorganisiert lösen können (Erpenbeck & Sauter, 2013, S. 78).

Zur Umsetzung des medialen Lernens fehlt jedoch eine adäquate technische Ausstattung an einzelnen Schulen. Die technischen Voraussetzungen sind nicht immer gegeben (Becker, 2017, o.S.). Wird diese Situation verbessert, bleibt die nächste Bildungsbarriere. Laut der im Artikel thematisierten Bitkom-Studie haben „knapp 50% der Lehrer in den vergangenen drei Jahren an einer Weiterbildung zum digitalen Lernen teilgenommen und ebenso viele nicht“ (Becker, 2017, o.S.). Die Medienbildung der Lehrkräfte muss demnach durch Fortbildungen ermöglicht werden oder Schulen sind aufgefordert Medienpädagogen zu beschäftigen.

Dazu hat die Kultusministerkonferenz (KMK) im Dezember 2016 die Strategie Bildung in der digitalen Welt vorgelegt. Diese besagt, dass Medienbildung als Querschnittsaufgabe angesehen werden muss und ältere sowie jüngere Lehrer die Implementation digitaler Medien in den Unterricht anstreben müssen. Dazu muss ein verantwortungsbewusster Umgang mit digitalen Medien erlernt werden. Nutzer müssen darauf vorbereitet werden, sich „gestaltend in der veränderten Lebenswelt zu bewegen, aber auch kritische Einflüsse, Gefahren zu erkennen und Gestaltung so einen Rahmen erfährt“ (Gauger, 2010, S. 67).

Als Beispiel für einen möglichen Erfolg dieser Strategie berichtet Frau Becker nun von Herrn Wagner, einem Mathematik- und Physiklehrer der älteren Lehrergeneration, der seine Affinität zum Codieren gefunden hat und nun gemeinsam mit Schülern codiert. „Was es vor allem brauche, sei die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen“ (Becker, 2017, o.S.), so die Kernaussage des Artikels am Ende dieses Absatzes. Weiterhin sei die größte Herausforderung für Lehrkräfte die „andere Art des Unterrichtens und Lernens“ (Becker, 2017, o.S.). Weg vom Lehrer und den Grundzügen des Frontalunterrichts hin zum Lernbegleiter. Schülerzentrierter Unterricht anstatt lehrerzentriertem Unterricht, das ist Zukunft (Becker, 2017, o.S.).

Der Artikel „Digitalisierung in der Schule – Wenn Lehrer mit der Internetverbindung kämpfen“ stellt eine fach- und sachliche Darstellung der Thematik des digitalen Wandels in der Schule dar. Es werden Studiengrundlagen zusammen mit subjektiven Sichtweisen beschrieben. Eine junge medienaffine Lehrerin wird ebenso beschrieben wie ein älterer Lehrer, der seine Medienaffinität erst spät entdeckt hat. Diese subjektiven Darstellungen werden durch Barrieren im Einsatz digitaler Medien und durch die Darstellung der Fortbildungsbereitschaft von Lehrern erweitert. Als Grundlage für getätigte Aussagen wird eine Bitkom-Studie zitiert. Zur kritischen Darstellung der Thematik im positiven wie negativem Sinne, wird ein Lösungsansatz für den vermehrten Einsatz von digitalen Medien im Unterricht durch eine neue Strategie der KMK präsentiert.

Zusammenfassend kann der Artikel als kritische Auseinandersetzung mit einem zurzeit sehr aktuellen Thema beschrieben werden. Der Artikel beleuchtet die Chancen digitaler Medien im Unterricht sowie die Gefahren, zeigt Bildungsbarrieren seitens Lehrern auf und zugleich einen Lösungsansatz. Der Artikel ist ganzheitlich verfasst und ermöglicht dem Leser sich einen Gesamteindruck zur Thematik zu bilden. Der Artikel lässt dem Leser dabei die Freiheit, sich selbst ein subjektives Meinungsbild zu verschaffen und dieses anhand einer objektiven Sachlage kritisch zu vertreten. Durch die verschiedenen Facetten des Artikels ist dieser als Grundlage einer Forumsdiskussion sehr gut geeignet. Zur Forumsdiskussion dient die Homepage www.faz.net, auf der der Artikel auch publiziert worden ist. Die Homepage als Plattform wird im nächsten Kapitel beschrieben.

3 „www.faz.net“ als Diskussionsplattform

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, kurz F.A.Z, ist 1949 gegründet worden und die dabei aufgestellten Grundsätze, eine unabhängige und ausschließlich dem hohen journalistischen Anspruch verpflichtete Tageszeitung zu sein, gelten noch heute (FAZ, 2015, S. 7). Einzigartig in Deutschland ist, dass diese Tageszeitung keinen Chefredakteur aufweist, sondern ausschließlich durch ein Herausgebergremium geleitet wird (FAZ, 2015, S. 8). Die FAZ als Tageszeitung hat das Leitziel einen Qualitätsjournalismus überall auf der Welt verfügbar zu machen (FAZ, 2015, S. 13). Um diesen Anspruch zu verwirklichen ist die Homepage www.faz.net gegründet worden. Rund um die Uhr und durch verschiedenste Social Media Kanäle hält die Homepage den Leser auf dem Laufenden. Dabei werden vielfältige, digitale Formate verwendet, z.B. Videos, Blogs, interaktive Grafiken, Live-Berichterstattung und Kommentare (FAZ, 2015, S. 14).

Die FAZ bietet den Lesern laut eigenen Aussagen „verlässliche Informationen aus erster Hand, ordnet sie ein und kommentiert sie: Das Blatt wirkt meinungsbildend und ist ein unverzichtbares Leitmedium“ (FAZ, 2015, S. 19). Dies wird dadurch möglich, dass täglich 300 Redakteure und 100 Redaktionsmitarbeiter sowie 90 Inlands- und Auslandskorrespondenten eines der größten journalistischen Netzwerke der Welt bilden (FAZ, 2015, S. 19).

Die These wird durch aktuelle Nutzerdaten verstärkt. Die nachfolgende Abbildung 1 zeigt die Nutzerdaten der Homepage www.faz.net von Oktober 2015 bis Oktober 2016. In diesem Zeitraum liegt die Nutzerquote immer über der sieben Millionen Marke. Im Januar 2016 sowie Juli 2016 nutzten sogar 8,87 bzw. 8.19 Millionen Menschen die Homepage. Auch aus Sichtweise der Nutzer kann somit von einem großen Netzwerk gesprochen werden. Durch die Homepage ist den Lesern somit eine Plattform eröffnet worden, auf der journalistisch hochqualitative Berichte veröffentlicht und kommentiert werden können. Dies trifft auch auf den in der Hausarbeit thematisierten Artikel Digitalisierung in der Schule – Wenn Lehrer mit der Internetverbindung kämpfen zu. Der Artikel ist, wie im vorherigen Kapitel beschrieben, gut für eine subjektive Meinungsbildung anhand objektiver Kriterien geeignet und ermöglicht eine fachlich fundierte Diskussion und kritische Reflexion der Thematik.

Auf der Homepage www.faz.net ist die Forumsdiskussion so organisiert, dass diese unmittelbar unterhalb des Artikels stattfindet. Artikel und Diskussion sind somit auf derselben Seite verlinkt und können im Bezug zueinander verfolgt und nachvollzogen werden. Hier wird auf die Benutzerfreundlichkeit geachtet. Die Diskussion erfolgt per Kommentarfunktion. Während der Eingabe des Forumsbeitrags kann stets an den Seitenanfang gescrollt werden, der Artikel erneut gelesen oder Textstellen für ein Zitat kopiert werden. So wird es dem Leser ermöglicht präzise Beiträge, sogenannte Postings, für das Diskussionsforum zu verfassen.

Ein Forum ist ein virtueller Nachrichtenbereich oder auch Diskussionsbereich zur asynchronen Kommunikation zwischen mindestens zwei oder mehreren Nutzern. Foren haben ein vorgegebenes Oberthema, wie hier der Leitartikel, und sind in Diskussionsstränge, sogenannten Threads, gegliedert (e-teaching.org, 2017, o.S.). Dieser Diskussionsstrang ist, wie bereits beschrieben, auf der Homepage www.faz.net den Artikeln direkt angegliedert, so dass eine präzise Zuordnung zum Themenfeld möglich ist. Des Weiteren sind die Diskussionsforen auf www.faz.net als offene Foren angelegt, so dass sich alle Leser daran beteiligen können (e-teaching.org, 2017, o.S.). Die durch die Leser entstandenen Kommentare können als Artefakte verstanden werden, durch die Lernaktivitäten und Lernergebnisse sichtbar werden (Kerres, Preußler, & Schiefner-Rohs, 2013, S. 587). Foren können somit als Ort für kollaboratives Lernen angesehen werden (Kahnwald, 2013, S. 12).

Daher ist die sich dem Artikel anschließende Forumsdiskussion für eine wissenschaftliche Analyse mittels Theorien der computervermittelten Kommunikation mit einhergehender Einschätzung des Lernerfolgs geeignet. Die für eine Analyse relevanten Theorien der computervermittelten Kommunikation werden im nächsten Kapitel dargestellt.

4 Computervermittelte Kommunikation

Computervermittelte Kommunikation, kurz CvK, wird definiert als interpersonale Kommunikation zwischen Einzelpersonen oder Gruppen mit Hilfe eines Computer-Netzwerks. Dazu zählt unter anderem die Kommunikation mittels E-Mail, in Online-Foren oder mittels Social Network Anbietern (Döring, 2013, S. 424). Durch CvK werden neue Kommunikationsstrukturen geschaffen, die es Nutzern ermöglichen auf andere Art und Weise, unabhängig von der klassischen face-to-face Kommunikation, miteinander in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Hier erhält der Nutzer die Option einer anonymen Kommunikationsform. Das Kommunikationsverhalten wird einerseits durch computertechnische Medienmerkmale, z.B. die Übertragung von Text und Icons, sowie durch die Nutzermerkmale, z.B. Kommunikationsregeln und Motive zur Kommunikation, bestimmt (Döring, 2013, S. 424).

Computervermittelte Kommunikation wird dazu grundlegend in zwei Varianten unterteilt, in die asynchrone und die synchrone Kommunikationsform zwischen Personen (Reips, 2006, S. 555). Die Kommunikation findet dabei zwischen mindestens zwei Personen statt. Es kann allerdings auch eine Gruppenkommunikation zwischen mehreren Personen stattfinden. Bei der synchronen Kommunikationsform senden und empfangen die Personen zeitgleich eine Nachricht. Beispiele hierfür sind der Chat, Videokonferenzen via Skype oder TeamViewer und die Internettelefonie. Die synchrone Kommunikation eignet sich für einen sozialen Austausch. Bei der asynchronen Kommunikationsform senden und empfangen Personen eine Nachricht zeitversetzt. Als Beispiele hierfür sind E-Mail, Newsgroups und Foren zu nennen. Die asynchrone Kommunikation eignet sich besonders für komplexere Diskussionen und Problemlösungen (Reips, 2006, S. 556).

Eine einheitliche Theorie der computervermittelten Kommunikation existiert zurzeit noch nicht, stattdessen liegen verschiedenste Theorien der CvK vor (Döring, 2013, S. 425). Nicola Döring hat diesbezüglich ein medienökologisches Rahmenmodell konzipiert, welches eine Bündelung verschiedenster Theorien vornimmt und somit einen Überblick zur Vielfalt der Theorien ermöglicht. Aus diesem Grund werden weiterhin nicht einzelne Theorien der CvK vorgestellt, was eher zu einer Unübersichtlichkeit anstatt zu einem Überblick führen könnte, sondern ausschließlich das medienökologische Rahmenmodell von Nicola Döring erörtert. Das medienökologische Rahmenmodell fasst einzelne Theorien anhand drei großer Blöcke zusammen: Theorien zur Medienwahl, Theorien zu Medienmerkmalen und Theorien zum medialen Kommunikationsverhalten (Döring, 2013, S. 425). Das medienökologische Rahmenmodell ist in nachstehender Abbildung 2 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Theorien zur Medienwahl machen deutlich, dass der Medienwahl ein Entscheidungsprozess vorausgeht. Der Nutzer muss die bewusste Entscheidung für ein Medium zur CvK und gegen klassische Kommunikationsstrukturen treffen. Die Auswahl wird rational, anhand von Normen oder interpersonaler Abstimmungen getroffen und kann bei richtiger Medienwahl eine Bereicherung für den Kommunikationsprozess darstellen (Döring, 2013, S. 425).

Das Modell der rationalen Medienwahl beinhaltet, dass es verschiedenste Erwartungshaltungen inhaltlicher sowie sozial-emotionaler Art gibt (Döring, 2013, S. 425). Rational gesehen wir die Auswahl des Mediums dahingehend getroffen, ob das Medium für den Kommunikationsprozess geeignet ist und die Zielvorstellungen durch das Medium erreicht werden können (Boos, 2016, S. 27). Des Weiteren kann die Medienauswahl auch durch soziale Normen beeinflusst sein. Aus Prestigegründen oder aufgrund von Vorurteilen kann die Medienauswahl unabhängig von der Eignung für den Kommunikationsprozess ausgewählt werden (Döring, 2013, S. 425). Eine Medienwahlentscheidung muss in relevanten Fällen, z.B. in der Medizin im Kontext der Teleradiologie oder Telecare, auch auf den Kommunikationspartner abgestimmt sein. Die Akzeptanz des Mediums beim Kommunikationspartner muss gewährleistet werden, um einen Kommunikationsprozess zu ermöglichen. In einigen Situationen ist somit die interpersonale Abstimmung der rationalen Medienentscheidung vorzuziehen.

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Details

Seiten
28
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668446038
ISBN (Buch)
9783668446045
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364706
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2
Schlagworte
digitale medien lernprozess analyse forumsdiskussion hilfe theorien kommunikation

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