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Der Konsum von Luxusgütern zur Darstellung der Social-Identity und Self-Identity

Bachelorarbeit 2014 40 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Luxus
2.1.1 Definition Luxusgüter
2.1.2 Der neue Luxus
2.2 Grundlegende Theorien
2.2.1 Social-Identity
2.2.2 Self-Identity
2.3 Literaturüberblick

3. Zusammenhang zwischen Luxusgütern und Social- bzw. Self-Identity
3.1 Konsummotive
3.1.1 Funktioneller Nutzen
3.1.2 Beitrag zur Social-Identity
3.1.3 Beitrag zur Self-Identity
3.2 Käuferklassen im Luxusgüterbereich
3.2.1 Laute Luxuskonsumenten
3.2.2 Leise Luxuskonsumenten
3.3 Management von Luxusgütern

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Mercedes-Benz S-Klasse des Vorstandschefs, eine riesige Yacht auf offenem Meer, die Nachbarn planen die lang ersehnte Weltreise an die schönsten Strände und Sehenswürdigkeiten der Welt, offensichtlich teure prahlerische Uhren und Markenhandtaschen im Schaufenster von Läden, in welchen die Kunden alle diese besondere Attitüde besitzen. Jeden Tag in neue edle Restaurants die exklusivsten und ausgefallensten Speisen bestellen, sich nach absolviertem Triathlon eine professionelle wohltuende Massage gönnen und endlich am Wochenende mal wieder ausschlafen und freie Zeit nur für sich haben. Klingt gut? – Das alles kann eine individuelle dauerhafte oder flüchtige Form von Luxus sein.

Nicht jedes dieser Beispiele bedeutet für alle Menschen gleich eine Form von Luxus. Für den Vorstandschef ist es mittlerweile normal, jeden Tag mit seiner Oberklassenlimousine von seinem Chauffeur zu seinen Terminen gefahren zu werden; für einen autobegeisterten Studenten ist dies eher ein ferner Wunschtraum. Andersherum bedeutet es dem Vorstandschef sehr viel, einen ganzen Tag mit seiner Familie frei zu gestalten; wohingegen hält es der Student für selbstverständlich jeden Mittwochmorgen mit ein paar Freunden vor der 14 Uhr Vorlesung gemütlich zu brunchen.

Es gibt also die verschiedensten Arten von Luxus: Von einer Dienstleistung über ein Erlebnis bis hin zu Besitztum, also Geld oder Gütern. Diese Arbeit beschränkt sich auf den Konsum von Luxusgütern. Diese werden auf Grund des hohen Preises häufig gefälscht. Die oft verblüffend ähnlichen Produkt- und Markenfälschungen werden durch die Missachtung von Rechten und Vorschriften billig produziert und unter dem Preis des Originals verkauft. Hierbei sind im Luxushandtaschen-Segment eher Fälschungen von günstigeren Luxushandtaschen des Produktportfolios einer Marke mit auffälligem Markenlogo zu beobachten, da die weniger wohlhabenden Käufer der Fälschungen sich nach dem Status der vermögenden Käuferschicht der Originale sehnen und sich mit ihnen assoziieren wollen.[1] Eine Untersuchung belegte außerdem, dass Personen mit berufsbezogenem größerem Prestige Originalprodukte anstatt Fälschungen bevorzugen.[2] Das Gebiet der Luxusgüterfälschungen stellt einen weitreichenden eigenständigen Forschungszweig dar und wird daher in dieser Arbeit nicht weiter beleuchtet.

Doch aus welchen Gründen kauft die vermögende Bevölkerungsschicht überhaupt Luxusprodukte? Stammen die Käufer überhaupt alle aus dieser Bevölkerungsschicht? Gibt es keine vergleichbaren erschwinglichen Handtaschen, Schmuck oder Schuhe? Menschen stehen fortwährend in einem sozialen Gefüge der Gesellschaft. Wir gehören Gruppen an, den sog. Ingroups, denen wir uns durch diverse Gründe zugehörig fühlen.[3] Dies kann durch verschiedene Kriterien von Geburt an festgelegt sein, beispielsweise durch das Geschlecht, das Alter, die Nationalität oder der Ethnizität.[4] Aber Menschen wählen auch frei nach den eigenen Präferenzen bewusst oder unbewusst bestimmte Gruppen aus, denen sie sich innerlich schon vorher oder während der sich entwickelnden Gruppenzugehörigkeit verbunden fühlen. Welchem Fußballverein jemand beitritt, ob jemand die Ausbildung zum Anlagenmechaniker antreten möchte oder die Wahl einer bestimmten Automarke ist nur eine kleine Auswahl an Beispielen. Jeder Mensch besitzt also eine Soziale Identität, eine Social-Identity, mit der wir uns im sozialen Miteinander unter anderem durch den Kauf bestimmter Luxusgüter positionieren.[5]

Vielmals allerdings fehlt dem wertvollen Luxuserzeugnis das Markenlogo, das es als ein solches kennzeichnet und für Andere erkennbar macht. Doch warum sind eine Vielzahl von Käufern bereit eine so hohe Geldsumme auszugeben, wenn nicht die gesellschaftliche Einordnung der Grund für den Kauf eines ausgewähltes Luxusproduktes ist? Es muss unterschieden werden zwischen der oben genannten Social-Identity und der persönlichen Identität, auch Self-Identity genannt. Es genügt dem Käufer der edlen Luxus Uhr ohne sichtbares Markenlogo also, dass er selbst vom Produkt überzeugt ist, er will sich dadurch nicht zwingend in seiner sozialen Umwelt positionieren.[6] Er handelt in diesem Kontext also als Individuum und nicht als Mitglied einer Gruppe.

Integriert ergibt sich die Forschungsfrage: Wie und warum trägt der Konsum von Luxusgütern zur Darstellung der Social-Identity und der Self-Identity bei? Ziel der umfassenden wissenschaftlichen Literaturrecherche und -aufbereitung von vorwiegend nationalen und internationalen Zeitschriftenartikeln ausgehend von meiner Forschungsfrage ist das Aufzeigen des Zusammenhangs zwischen dem Konsum von Luxusgütern und der Social- und Self-Identity.

Die Struktur der Arbeit gestaltet sich wie folgt: Sie beginnt in Kapitel zwei mit der Darstellung der theoretischen Grundlagen, die die Definition von Luxus, die Beschreibung des neuen Luxusbegriffs, die Theorien der Social- und Self-Identity und einen Literaturüberblick in tabellarischer Form enthält. Anschließend wird anhand Kapitel drei erläutert, wie Luxusgüter mit der Social- bzw. der Self-Identity zusammenhängen. Damit verbunden bilden sich Konsummotive und Käuferklassen im Luxusgüterbereich heraus. Anschließend wird auf das besondere zielgruppenspezifische Management von Luxusgütern eingegangen, das sich vom Marketing herkömmlicher Güter in wesentlichen Aspekten unterscheidet. Schließlich werden im letzten Kapitel, dem Fazit, die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst, die Limitationen der Arbeit aufgezeigt und daraus der zukünftige Forschungsbedarf abgeleitet.

2. Theoretische Grundlagen

Um den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Luxusgütern und der Social- bzw. der Self-Identity verstehen zu können, müssen zuerst die theoretischen Grundlagen der Social-Identity und der Self-Identity erklärt und eine eingrenzende Definition von Luxusgütern bekannt sein.

2.1 Luxus

2.1.1 Definition Luxusgüter

Bevor die möglichen Definitionen verschiedener Autoren von Luxusgütern diskutiert werden und daraus eine Definition für diese Arbeit abgeleitet wird, wird zunächst ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung und ursprünglichen Bedeutungen von Luxusgütern gegeben.

Der Begriff “Luxus” bzw. “Luxusartikel” leitet sich vom lateinischen Wort “luxus” ab. Es bedeutet laut dem Oxford Latin Dictionary “soft or extravagant living, sumptuousness, opulence”,[7] also eine nachgiebige verschwenderische Lebensweise, Kostspieligkeit und Üppigkeit. Der Ursprung liegt zudem ebenso im Begriff “luxuria”, welches “excess, lasciviousness, negative self-indulgence”[8] bedeutet, d.h. Maßlosigkeit, Begehrlichkeit und negative Genusssucht. Die Wortherkunft zeigt den ursprünglich ambivalent positiv sowie negativ besetzten Sinngehalt von Luxus. Dies änderte sich mit dem Aufkommen der Bourgeoisie in Europa. Mit Luxus assoziierte das einfache Volk in Anlehnung an die lateinische Wurzel „lux“ Licht, positive Attribute treten in den Vordergrund. Die Vorstellung von Luxus brachten die Menschen in Verbindung mit einem prächtigen Umfeld bestehend aus edlen Gegenständen, welche ein komfortableres Leben schafften.[9] Seit der zweiten Industriellen Revolution besitzen Luxusgüter die neuzeitliche Bedeutung von komfortablen angenehmen Dingen, die über Güter des täglichen Bedarfs hinausgehen.[10] Gegenwärtige Merkmale von Luxusgütern können hohe Qualität, Langlebigkeit, anspruchsvolles Design, zuverlässige exakte Leistung oder die Zugehörigkeit zu einer Marke mit luxuriösem Image sein. Zudem gewinnen emotionale Faktoren beim Luxusprodukt selbst oder beim Einkaufserlebnis zunehmend an Bedeutung.[11]

Eine einzige eindeutige, etablierte Definition von Luxus und Luxusgütern gibt es nicht. Darüber wenigstens sind sich Experten, die Luxusgüter herstellen, entwerfen, verkaufen, damit umgeben sind und diese selbst besitzen und Forscher auf diesem Gebiet einig.[12] Dennoch werden einige weitere Ansätze von verschiedenen Autoren beschrieben, um eine Definition für diese Arbeit geltend zu machen.

Als einer der Ersten unterteilt Adam Smith in seinem berühmten Hauptwerk “An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations” Konsum in vier Kategorien: neben Notwendigem, Grundsätzlichem und Wohlstand nennt er Luxuskonsum. Er zeichnet sich durch Konsum von Gütern aus, die knapp, schwierig zu beziehen und sehr kostspielig sind.[13] Wang und Griskevicius beschreiben Luxusgüter provokant als teure Produkte, die zwar Ansehen liefern, jedoch keinen zusätzlichen Nutzen für den Konsument im Vergleich zu einem äquivalenten günstigen Produkt.[14] Hier findet sich eine im Vergleich zu Smith weitere für die Gegenwart wichtige symbolische Komponente, nämlich die bewusste Signalwirkung des Luxusartikels auf die soziale Gemeinschaft, aber auch auf den Signalsender selbst, der damit sein Selbstverständnis darstellt und bekräftigt. Die Autoren sehen allerdings die Grundkomponente von jedem Luxusgut, den funktionellen Nutzen, anders ausgedrückt die vom Produkt bereitgestellten physikalischen Eigenschaften wie auserlesene Qualität der Materialien und handwerkliches Können in der Verarbeitung, als derzeitig zu schwach ausgeprägt. Eine dritte, empirische Komponente stellt der Bereich des individuellen, subjektiv erlebten Werts dar. Er beruht auf dem persönlichen Geschmack des Käufers und kann deshalb sprunghaft und sehr eigen sein.[15] Das Markenerlebnis, das durch das Markendesign, die Markenidentität, die Markenumgebung und die Markenkommunikation als Gefühl oder Empfindung des Abnehmers wahrgenommen wird, weckt die Begierde das Luxusgut zu besitzen und beeinflusst die empirische Komponente zusätzlich.[16]

Drei von Individuen unterschiedlich zu gewichtende Komponenten beschreiben folglich Güter aus dem Luxusbereich. Jener Herangehensweise mit verschiedenen Differenzierungen bedienen sich auch andere Autoren. Hudders, Pandelaere und Vyncke schildern zwei Bestandteile, die den Käufer beeindrucken und einen ausdrucksvollen expressiven Bestandteil, mit dem das Luxusprodukt Seltenheit, Kostspieligkeit, Einzigartigkeit, Auffälligkeit und für viele Bevölkerungsmitglieder Unzugänglichkeit ausdrückt, die mit der zuvor ausgeführten symbolische Komponente zumindest partiell vergleichbar ist. Zu den Käufer beeindruckenden Bestandteilen zählt einerseits der funktionelle Bestandteil mit den physischen Attributen erstklassige Qualität, Beherrschung der Handwerkskunst, Beständigkeit und Veredlung, welcher der Grundkomponente nahekommt. Zum anderen zählt dazu der emotionale Bestandteil, bei dem Ästhetik, Eleganz, Komfort, Innovationsfähigkeit, Kreativität und Erfahrenheit entscheidend sind. In Teilen entspricht dieser der oben geschilderten empirischen Komponente.[17] Ebenso Vickers und Renand bedienen sich der trichotomischen Herangehensweise. Die drei Luxusgüter charakterisierenden Faktoren sind Funktionalismus, Empirismus und symbolischer Interaktionismus in Anlehnung an die Grundkomponente, die empirische Komponente und die symbolische Komponente.[18] Selbst nicht gruppierte Elemente anderer Autoren wie erstklassige wahrgenommene Qualität, Ästhetik, Kostspieligkeit, historische Entwicklung, Nützlichkeit und Einzigartigkeit lassen sich nun mehrheitlich den drei bekannten Hauptcharakteristika zuordnen.[19]

Auch andere Nicht-Luxusgüter sind auf Grund solcher drei Dimensionen definierbar, folglich besitzen Luxusgüter eine einzigartige Zusammensetzung dieser Dimensionen. Welche Komponenten dabei besonders ausgeprägt sein müssen, damit das Gut als Luxusgut gilt, ist individuell und führt deshalb bei empirischen Untersuchungen der Literatur auf kein universelles Ergebnis.[20] So ordnet ein Student möglicherweise eine Diesel Jeans als ein Luxusgut ein, für eine reiche Modeexpertin wahrscheinlich undenkbar.

Für diese Arbeit werden Luxusgüter als hochpreisige exklusive Güter mit herausragender Qualität, symbolischer Wirkung auf Mitmenschen und emotionaler Komponente, die zum gefühlsbetonten und somit manchmal der Vernunft widersprechenden Kauf führt, festgelegt.

2.1.2 Der neue Luxus

Neben dem klassischen elitären Luxusbegriff existieren seit einigen Jahren zwei weitere Abstufungen. Richtungsweisende Luxusmarken wie Gucci oder Louis Vuitton sind markant und wiedererkennbar und erreichen dadurch ihren Status. Beim erschwinglicheren neuen oder erreichbaren Luxus ist das mit einer bestimmten Marke, z.B. Hugo Boss assoziierten Images ausschlaggebend und nicht die physikalischen Eigenschaften des Produktes selbst. Markierungen, Symbole und Logos der Marke ziehen die angestrebte Käuferschicht der oberen Mittelschicht an, die ein Statussymbol besitzen möchte.[21] Zu unterscheiden sind drei Produktarten: Erreichbare Premiumprodukte sind in ihrer Kategorie preislich so hoch angesetzt, dass sie für die Zielgruppe Mittelschicht gerade noch erschwinglich sind. Bei günstigeren Varianten von Produkten, die sich herkömmlich nur die Reichen leisten können, sprechen Silverstein und Fiske von einer Erweiterung der klassischen Produktlinien von Luxusmarken nach unten. Zur letzten Produktart des neuen Luxus gehört hochwertige Massenware, auch „Masstige“ genannt, also Massenware mit Prestige wie beispielsweise Victoria’s Secret. Diese Produkte siedeln sich zwischen massenhaft produzierten Gütern und Spitzenerzeugnissen im mittleren Preissegment an.[22]

Hinter diesen verschiedenen Formen vom neuen Luxus existiert ein Konzept des “populence”. Gemeint ist damit ein neuer allgegenwärtiger Massen-Luxusmarkt, vergleichbar mit „Masstige“, bei dem auch das Erleben des Produktes eine Rolle spielt. Er bedient sich zwar der Massenproduktion, vertreibt aber Premiumprodukte und Premiumservices.[23]

2.2 Grundlegende Theorien

2.2.1 Social-Identity

Wie in der Einleitung bereits angesprochen besitzt jeder Mensch mindestens eine Social-Identity und eine Self-Identity. Unterschieden werden muss deshalb zwischen Verhalten, das von einer geteilten Identität mit Anderen geleitet wird und Verhalten, bei welchem Einzelpersonen als Individuen agieren. Der Kontext der Situation bestimmt, welche Identität einer Person in einem bestimmten Moment mehr hervortritt. Die Self-Identity wird im nächsten Abschnitt weiter erläutert.[24]

Der soziale Identität voran steht die soziale Kategorisierung. Menschen können sich selbst auf drei Ebenen kategorisieren: als Individuum, als Mitglied einer Gruppe oder als menschliches Wesen.[25] Menschen können sich also auf verschiedenen Stufen der sozialen Inklusion identifizieren. Beispielsweise als Student einer Universität oder in einer engeren Kategorie als Mitglied einer studentischen Sportgruppe. Abhängig von dem Grad der Identifizierung mit einer Kategorie formt diese einen Leitfaden für bestimmtes Verhalten und führt zu einer Herausbildung einer sozialen Identität.[26] Soziale Kategorisierung bedeutet demnach die kognitive Klassifikation von Menschen mit gleichwertigen Intentionen, Wertesystemen und Handlungen in diverse soziale Gruppen.[27]

Die darauf aufbauende Soziale Identität beinhaltet neben gruppenspezifischen Einstellungen, Überzeugungen und Verhalten auch Verbindungen zu Gefühlszuständen, den „Emotionsprofilen“ für verschiedene Social-Identities. Gruppenzugehörige bevorzugen intrinsisch mit der Social-Identity übereinstimmende emotionale Reize, da diese positive Folgen haben und zum Wohlbefinden beitragen können.[28] Der Fokus der Sozialen Identität liegt aber auf der den Gruppenzusammenhalt sichernden generalisierten Gruppenidentität. Die Gruppe entwickelt durch die Herausbildung eines thematischen Grundgedanken, die Verwendung von Gruppensymbolen und die Abgrenzung nach außen ihre eigene Weltansicht.[29] Dabei neigen Mitglieder einer Gruppe zu einer Bevorzugung ihrer eigenen Ingroup, zur Unterscheidung und mitunter zur Abwertung relevanter anderer Referenzgruppen, den sog. Outgroups. Dadurch halten sie die positive Social-Identity der Ingroup aufrecht und erhalten ihr Selbstwertgefühl.[30] Weniger verbreitet ist dabei die direkte Abwertung der Outgroup.[31] Eine entscheidende Rolle spielt das Selbstbewusstsein der Gruppenzugehörigen: Je höher das Selbstbewusstsein ist, desto mehr basiert das Gruppenverhalten auf der Favorisierung der Ingroup als auf der Diskriminierung der Outgroup. Je niedriger das Selbstbewusstsein, desto größer ist die wahrgenommene Abweichung zwischen der In- und der Outgroup.[32]

Welche minimalen Gruppenbedingungen ausreichen, damit es zu Intergruppendiskriminierung kommen kann, zeigt das minimale Gruppenparadigma. Demnach genügt eine willkürliche Kategorisierung von Personen in zwei Gruppen. Zudem tendieren die so eingeteilten Personen eher zur Maximierung des Unterschiedes zwischen In- und Outgroup als zur Maximierung des Nutzens beider Gruppen zusammen oder fair zu sein.[33]

Gruppenkonflikte entstehen also durch soziale Vergleiche. Ein Szenario ist hierbei besonders interessant: Gruppen mit übergeordnetem Status fühlen sich durch eine untergeordnete bedroht. Die untergeordnete Gruppe versucht entweder durch Assimilation an die übergeordnete Gruppe, durch positive Neuinterpretation bestehender minderwertiger Attribute oder Schaffung neuer vorteilhafter Merkmale positive Social-Identity zu erhalten. Die Gruppe mit höherem Status reagiert darauf, indem sie die Handlungen der niedrigeren Gruppe diskreditiert, sich durch bestimmte Handlungsweisen und Vorsichtsmaßnahmen bemüht die eigene positive Abgrenzung zu erhöhen, bestehende Unterschiede intensiviert, neue Bedingungen für die Besonderheit schafft und die Eigenart der Gruppe durch eine große Anzahl von Symbolen unterstreicht. Grundsätzlich versucht die Ingroup sich unter anderem durch das Signalisieren von Status von insbesondere Outgroups aus der gleichen Umgebung abzugrenzen.[34]

2.2.2 Self-Identity

Wer bin ich? - Diese simpel erscheinende Frage lässt sich vielfältig beantworten und führt direkt auf die persönliche individuelle Identität hin. Laut dem Oxford Dictionary beinhaltet die Self-Identity das Erkennen und Kennen der eigenen Fähigkeiten, Potentiale und Qualitäten als Individuum, auch in Bezug auf einen sozialen Kontext.[35] Dazu gehören immanente relativ stabile Charakterzüge, wie sich Individuen selbst auffassen einschließlich ihrer persönlichen Ziele, Werte, Moralvorstellungen, Einstellungen und Haltungen.[36] Die Self-Identity umfasst, wer wir auf psychischer Ebene sind. Dazu gehört auch die Social-Identity eines Menschen, also welchen sozialen Gruppen wir angehören, welche Hobbies wir haben und welchen Beruf wir ausüben.[37] Wer seine persönliche Identität durch Selbstevaluation kennt, verfügt sehr wahrscheinlich über Selbstkenntnis, folglich weiß er um den Wahrheitsgehalt einer ihn betreffenden Aussage.[38]

Weil jeder Mensch verschieden ist, vergleichen sich Individuen untereinander, wodurch sich die Self-Identity ableitet.[39] Selbstdefinitionen hängen durch den Vergleich auch davon ab, was ein Mensch glaubt, wie Andere über ihn denken. Andere Personen bewerten wer ein Individuum ist; das Individuum selbst bewertet unabhängig von der Meinung anderer wer es ist. Unsere Self-Identity setzt sich folglich personenspezifisch zu unterschiedlich großen Teilen aus einer Fremd- und Selbstbewertung zusammen.[40] Auch die Auswahl der gekauften Produkte kann die reflexive Selbstbewertung eines Menschen stimulieren und damit zu Selbstdefinitionen über Produkte führen.[41]

Die persönliche Identität ist allerdings kein unveränderliches Konstrukt. Numerisch die gleiche Person kann sich qualitativ im Laufe der Zeit verändern. Die Self-Identity der Vergangenheit z.B. als Jugendlicher, kann sich von der Self-Identity im Erwachsenenalter in grundlegenden Aspekten unterscheiden, da sie einem Wandel unterliegen kann. Die Self-Identity der Zukunft geht oft mit mentalen Verbesserungsvorstellungen und Optimierungen der eigenen Identität einher, sie stellt oftmals ein Wunschbild von der zukünftigen Persönlichkeit dar.[42]

Die Self-Identity kann sich nicht nur zeitlich gesehen verändern, es herrscht auch weit verbreitete Einigkeit über den möglichen Besitz mehrfacher Identitäten einer einzigen Person. Dabei wählt die Person, was bzw. wer sie in einer bestimmten Situation sein will. Persönliche Identität impliziert, das Handeln an das bestehende oder begehrte Bild über sich selbst anzupassen.[43]

2.3 Literaturüberblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Übersicht Konsummotive und Käuferklassen im Luxusgüterbereich[44]

[...]


[1] Vgl. Han u.a. (2010), S. 21f.

[2] Vgl. Geiger-Oneto u.a. (2013), S. 370

[3] Vgl. Bibliographisches Institut GmbH (2014), http://www.duden.de/rechtschreibung/Ingroup

[4] Vgl. Dalton, Huang (2014), S. 1017

[5] Vgl. Smith, Woodworth (2012), S. 391

[6] Vgl. Mols, Weber (2013), S. 506

[7] Dubois u.a. (2005), S. 115 ff.

[8] Brun, Castelli (2013), S. 827

[9] Vgl. Thomas (2007), entnommen aus: Brun, Castelli (2013), S. 827

[10] Vgl. Okonkwo (2007), entnommen aus: ebenda

[11] Vgl. Brun, Castelli (2013), S. 827

[12] Vgl. ebenda, S. 828

[13] Vgl. Smith (1776), entnommen aus: Berthon u.a. (2009), S. 46

[14] Vgl. Wang, Griskevicius (2014), S. 835

[15] Vgl. Stigler, Becker (1977), S. 89

[16] Vgl. Brakus u.a. (2009), S. 65

[17] Vgl. Hudders u.a. (2013), S. 393 ff.

[18] Vgl. Vickers, Renand (2003), S. 466 ff.

[19] Vgl. Gosh, Varshney (2013), S. 154 – 156

[20] Vgl. Vickers, Renand (2003), S. 472 – 474

[21] Vgl. D’Arpizio (2007), entnommen aus: Brun, Castelli (2013), S. 833

[22] Vgl. Silverstein, Fiske (2003), etnommen aus: ebenda

[23] Vgl. Granot u.a. (2013), S. 32 f.

[24] Vgl. Tajfel (1978); Tajfel, Turner (1979), entnommen aus: Mols, Weber (2013), S. 506 f.

[25] Vgl. Oakes u.a. (1994), entnommen aus: ebenda, S. 508

[26] Vgl. Turner u.a. (1987), entnommen aus: Tarrant u.a. (2001), S. 578 f.

[27] Vgl. Tajfel (1982), S. 101

[28] Vgl. Coleman, Williams (2013), S. 216 f.

[29] Vgl. Fuhse (2001), S. 27

[30] Vgl. Noel u.a. (1995), S. 127 ff.

[31] Vgl. Brewer (1979), S. 307 ff.

[32] Vgl. Tarrant u.a. (2001), S. 577

[33] Vgl. Tajfel u.a. (1971), S. 149 ff.

[34] Vgl. Tajfel (1982), S. 132 ff.

[35] Vgl. Oxford University Press (2014), http://www.oxforddictionaries.com/definition/english/self-identity

[36] Vgl. Bryson-Campbell u.a. (2013), S. 57

[37] Vgl. Kettle, Häubl (2011), S. 302

[38] Vgl. Shoemaker (1963), S. VII

[39] Vgl. Oakes u.a. (1994), entnommen aus: Mols, Weber (2013), S. 508

[40] Vgl. Laverie u.a. (2002), S. 668

[41] Vgl. Solomon (1983), S. 319 ff.

[42] Vgl. Cuypers (2001), S. 18

[43] Vgl. Sen (2004), S. 7 f.

[44] Vgl. Han u.a. (2010), Amatulli, Guido (2012), Brun, Castelli (2013), Ghosh, Varshney (2013), Hudders u.a. (2013), Wiedmann u.a. (2009), Berthon u.a. (2009)

Details

Seiten
40
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668445161
ISBN (Buch)
9783668445178
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364658
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,00
Schlagworte
Luxus Luxuskonsum Luxusgüter Social-Identity Self-Identity

Autor

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