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Die Zerstörung der Demokratie 1930-1932

Facharbeit (Schule) 2015 5 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Im Rahmen des Seminarfachs „Nationalsozialismus in unserer Region“ besteht die Thematik vorerst darin, eine konstruktive Wissensbasis zu erreichen, die sowohl den allgemein-bildenden Wert als auch die kritische Betrachtung der politischen[1], kulturellen[2] und sozialen[3] Sachlage dieser Zeit beinhaltet. Dieser Ausarbeitung liegt die Frage zugrunde, inwiefern der Misserfolg der Weimarer Republik zur NS-Diktatur beitrug, und welche Faktoren die „Ausschaltung des Parlamentarismus“[4] besiegelten.

Die 1918 ausgerufene erste deutsche Republik hatte recht schwierige Ausgangsbedingungen: „Die Folgen des verlorenen Krieges, Wirtschaftsprobleme und der mangelnde Rückhalt der Bevölkerung schwächen die Weimarer Republik.“[5] Nach dem überstandenen Krisenjahr 1923 stabilisierte sich die Situation in Deutschland; soziale Fortschritte ermöglichten ein vielfältig kulturelles Leben. Mitte der 1920er Jahre brachte eine „technische Modernisierung“[6] einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich, der jedoch nicht lange anhielt. Die am 25.Oktober 1929 beginnende Weltwirtschaftskrise erschütterte die deutsche Wirtschaft. Gerade der „Schwarze Freitag“[7] sorgte für eine politische Radikalisierung der Bevölkerung. Zwar trium-phierte vorerst der nationale Protektionismus[8], aber der „internationale Kapitalstrom [bedingt durch die Geldkreisläufe] nach Deutschland versiegte, Kredite wurden fällig gestellt“[9]. Die Folge: massenhafte Entlassungen und „Panik im Mittelstand“[10]. Diese Massenarbeitslosigkeit und die daraus resultierende Armut überforderte die Große Koalition unter dem SPD – Reichskanzler Herrmann Müller. Vordergründig aus einem Streit über die geringfügige Erhö-hung der Arbeitslosenversicherung zerbrach die Koalition am 27.März 1930. Die Presse betitelte dieses Ereignis als „schwarzer Tag“ für Deutschland, für heutige Politikwissen-schaftler und Historiker wie Karl Dietrich Bracher zieht dieser Regierungszerfall eine Verla-gerung der Macht zu einer „außerpolitischen Quasidiktatur“[11] nach sich.

Tatsächlich gab dieses Ereignis Hitler die Chance, Wählerstimmen für seine Partei zu erwerben. Die Basis von Hitlers politischer Arbeit im Kampf um die deutsche Herrschaft bildete seine Propaganda gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten, denen Verrat wegen ihrer Zustimmung zum Versailler Vertrag und Korruption vorgeworfen wurde.[12] Er orga-nisierte Rednerveranstaltungen und eine „zentrale Rednerschule“[13], sodass seine ausge-bildeten nationalsozialistischen Redner besonders die „Agitation auf dem Land“[14] voran-treiben konnten. Doch Hitler wollte möglichst alle Menschen von seiner Partei überzeugen, weswegen er durch seine Sturmabteilung SA Straßendemonstrationen in Großstädten und Werbemärsche in der Provinz durchführte. Mit dem folgenden Wahlerfolg 1930 stellte der immer wichtiger werdende Parteiführer die Weichen um: Die Bevölkerung hatte die Demo-kratie abgeschrieben.[15] Es genügte ihm aber nicht, den Parlamentarismus ausgeschaltet zu haben; er intendierte den „Aufmarsch der Diktaturen“[16] am Beispiel des Italienischen Faschis-mus[17] und dem Sowjetischen Stalinismus[18] und lenkte eine „nationale Revolution“[19] ein. In den Jahren zwischen den Reichstagswahlen 1930 und 1932 schwelte ein latenter Bürgerkrieg zwischen den paramilitärischen Organisationen an. Als unerbittliche, unversöhnliche Gegner standen sich die Nationalsozialisten in Form der SA und die Kommunisten in Form der „Rot-frontkämpfer“ gegenüber.[20] Ihre Haupttätigkeit bestand darin, gezielt Versammlungen zu stören, Straßenschlachten anzuzetteln und provokante „Werbemärsche“[21] durchzuführen. Auf Verlangen des Zentrumspolitiker Alfred Hugenberg kam es am 11.Oktober 1931 in Bad Harzburg zu einer Tagung der „nationalen Opposition“[22]. Da am Nachmittag die gemeinsame Sitzung aller nationalen Parteien anstand, führte die NSDAP ihre Traditionssitzung durch, nachdem sie am frühen Morgen eine große Kundgebung abhielten und ihre Machtkampagne ausstellten.[23] An dieser Traditionssitzung nahmen außer der NSDAP auch die Mitglieder der ebenfalls rechtsgerichteten DNVP, des Alldeutschen Verband und des Reichslandbund teil. Ziel war es, „im Gleichschritt in die Diktatur“[24] zu marschieren: der „Wille zur Macht“[25] war bedenklich stark. Doch Hitler forderte nicht nur Gemeinsamkeit im Kampf gegen Weimar, sondern reklamierte auch seinen Führungsanspruch.[26] Als Gegenmaßnahme bildeten die republiktreuen Linken der SPD dementsprechend die Eiserne Front: der „Machtkampf in der Harzburger Front“[27] beginnt. Besonders gewaltsam verliefen die arbeitsfreien Sonntage, an denen sich die Mitglieder der unter- schiedlichen Parteien in ihren jeweiligen Stammlokalen trafen. Infolgedessen erlegte die Regierung Brüning am 13.April 1932 ein Verbot von SA und SS, welches aber nach heftigen Drängen Hitlers vom neu ernannten Kabinett Papen am 16.Juni 1932 wieder aufgehoben wurde. Das war „Wasser auf die Mühle der NS- Bewegung“[28], denn so erreichte die Gewaltwelle ihren Höhepunkt am 17.Juli 1932 während einem Propagandamarsch der SA, dem Altonaer Blutsonntag, aufgrund der Tatsache, dass die Reichstagswahl vom 31.Juli 1932 bevorstand. Der Altonaer Blutsonntag stellte eine gewalt-tätige Auseinandersetzung der SA mit Kommunisten dar, bei der 18 Menschen starben und viele leicht bis schwer verletzt wurden. So war diese Wahl geprägt von Spannung und Erre-gung, die sonst noch keine Wahl mit sich brachte; die Wahlbeteiligung war enorm.[29] Rückblickend brachte Papen die Nationalsozialisten durch die Aufhebung des SA- und SS-Verbots zu einer Fortsetzung ihrer Propaganda und damit schließlich sowohl zum Wahlerfolg bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 als auch bei den Neuwahlen im November 1932. Das „goldene Resultat“ aus jahrelanger Mühe und Arbeit der Nationalsozialisten ist die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30.Januar 1933, welche sein Propagandachef Joseph Goebbels mit folgender Rundfunknachricht krönte: „Deutschland ist im Erwachen!“[30]

Insgesamt reflektiere ich aus unserem Vortrag, dass die durchweg positiven Rezessionen einen guten Eindruck auf unsere unterschiedlichen Vortragsstile in Form von Selbst- oder Gruppenarbeit oder in Form einer Diskussion mit dem Plenum bewirken. Hierbei ist zu betonen, dass das dementsprechend breite Wissen bezüglich dem Aufstieg der NSDAP nur vor dem Hintergrund einer ausgiebigen Analyse und Erarbeitung des vorgetragenen Referats, aber auch durch die hochgradige Zusammenarbeit mit meinen Referatspartnern zu verstehen ist.

Literaturverzeichnis:

Bagusch, Johannes: Illustrierte Weltgeschichte – Von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis heute, Berlin 1981.

Bahnsen, Uwe: Der Blutsonntag in der Altstadt von Altona, in: Welt am Sonntag Hamburg, Nr. 28, 2007, S. 3.

Bauer, Kurt: Nationalsozialismus, Kapitel 7 Die NSDAP auf dem Weg zur Macht 1930-1933, Wien/Köln/Weimar 2008.

Bender, Daniela/Bernlocher, Ludwig: Geschichte und Geschehen, Bd. 4, Stuttgart/Leipzig 2007.

Benz, Wolfgang: Geschichte des Dritten Reiches, München 2000.

Bracher, Karl Dietrich: Die deutsche Diktatur, in: Bauer, Kurt (Hrsg.): Nationalsozialismus, Wien/Köln/Weimar 2008, S.162.

Broszat, Martin: Der Staat Hitlers, München 1979.

Der Wahltag im Reich; in: Fehrbelliner Zeitung, Nr. 90 (43), 1932, S. 1.

Die Harzburger Tagung; in: Fehrbelliner Zeitung, Nr. 121 (42), 1931, S. 1.

Göttert, Karl-Heinz: Neues Deutsches Wörterbuch, Köln 2007.

Hilgemann, Werner/Kinder, Herrmann: Atlas zur Weltgeschichte – von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart, Bd. 2, München 1966.

Hoffmann, Herbert: Im Gleichschritt in die Diktatur?: Die nationalsozialistische „Machtergreifung“ in Heidelberg und Mannheim, 1930-1935, Frankfurt 1985.

Serges Medien: Lexikon der Fremdwörter, Köln 2001.

Wallerang, Volker Joachim: Gewalt und Propaganda der SA in der Spätphase der Weimarer(1929-1933), Trier 2003.

Wildt, Michael: Nationalsozialismus: Aufstieg und Herrschaft, in: Informationen zur politischen Bildung/izpb, 314 (2012), Bonn 2012.

[...]


[1] Kritik am bestehenden Staatswesen, der jeweiligen Staatsführung und der Grundordnung(Verfassung)

[2] Kritik an der Lebensweise eines Menschen und am Sinn der Lebensgestaltung aufgrund von Disparität menschlicher Bedürfnisse

[3] Kritik an gesellschaftlichen Teilsystemen infolge von möglichen ideologischen Überzeugungen

[4] Broszat, 1979, S.82

[5] Wildt, 1/2012, S.5

[6] Bender/Bernlochner/Brütting/Schröder/Thimann–Verhey/Thunich/Wallmeier, 2007, S.10

[7] extremer Börsensturz des New Yorker Finanzzentrums

[8] handelspolitische Maßnahmen zum Schutz der inländischen Wirtschaft

[9] Bauer, 2008, S.161

[10] Zitat des Soziologen Theodor Geiger, in: Bauer, 2008, S.168

[11] Bracher, 1969; in: Bauer, 2008, S.162

[12] vgl. Wildt, 1/2012, S.17

[13] Ebd., S.16

[14] Ebd., S.15

[15] vgl. Ebd., S.27

[16] Bagusch, 1981, S.392

[17] Herrschaft des „Duce“ Benito Mussolini im Königreich Italien(1923-1943)

[18] Herrschaft des Diktators Josef Stalin in der Sowjetunion(1927-1953)

[19] Benz, 2000, S.19

[20] vgl. Bauer, 2008, S.175

[21] Wallerang, 2003, S.5

[22] Kinder/Hilgemann, 1966, S. 193

[23] vgl. Fehrbelliner Zeitung, 13.10.1931

[24] Hoffmann, 1985, Cover

[25] Kinder/Hilgemann, 1966, S. 183

[26] vgl. Wildt, 1/2012, S. 24

[27] Ebd.

[28] Bahnsen, 2007, S.3

[29] vgl. Fehrbelliner Zeitung, 2.8.1932

[30] Benz, 2000, S. 19

Details

Seiten
5
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668445871
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364653
Note
1,0
Schlagworte
zerstörung demokratie

Autor

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