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Bedeutung immaterieller Vermögenswerte in der IFRS-Rechnungslegung

Seminararbeit 2016 18 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung

2. Definitionsmerkmale von immateriellen Vermögenswerten
2.1 Identifizierbarkeit
2.2 Beherrschbarkeit
2.3 Künftiger wirtschaftlicher Nutzen

3. Sonderformen der immateriellen Vermögenswerte
3.1 Selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte
3.2 Originärer und derivativer Geschäfts- und Firmenwert

4. Bewertungsvorschriften von immateriellen Vermögenswerten
4.1 Erstbewertung
4.2 Folgebewertung
4.3 Werthaltigkeitstest

5. Bilanzielle Auswirkungen durch immaterielle Vermögenswerte
5.1 Bilanzielle Bedeutung
5.2 Berichtserstattung

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Internet Quellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Market-to-Book-Ratio der DAX-30-Unternehmen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Prozentuale Erhöhung der immateriellen Vermögenswerte

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Aufgrund der Entwicklung in Richtung einer Informations- und Technologiegesellschaft, werden die immateriellen Vermögenswerte zu zentralen Erfolgstreibern.[1] Aus den Ressourcen, wie z. B. Kunden- und Lieferantenbeziehungen, Marken, Patente oder Mitarbeiter-Know How, können Unternehmen Wettbewerbsvorteile schöpfen. Nicht zuletzt, macht sich die unzureichende Beachtung der immateriellen Vermögenswerte in der Differenz zwischen den Marktwerten und den Buchwerten bemerkbar.[2] Ein Beispiel hierfür ist die Alphabet Inc. (vormals Google Inc.). Die Marktkapitalisierung dieses Internetdienstleistungsunternehmens betrug am 31.12.2015 458 Mrd. USD.[3] Was steckt hinter dieser Summe? Sind die Bürogebäude oder die Hochleistungscomputer so viel wert? Ein Blick in die Bilanz gibt ein wenig Aufschluss. Im Jahr 2014 beträgt die Bilanzsumme der Alphabet Inc. lediglich 131 Mrd. USD, davon sind 104,5 Mrd. USD Eigenkapital.[4] Wie kann es dazu kommen, dass der Marktwert des Unternehmens mehr als das 4-fache des Buchwerts des Eigenkapitals beträgt? Gründe hierfür können Potenziale oder eine besondere Marktstellung sein, die in der Zukunft zu hohen Cash-Flows führen wird. Zudem hat allein die Marke „Google“ einen Wert von 173,65 Mrd. USD.[5]

„Ein immaterieller Vermögenswert ist ein identifizierbarer, nicht monetärer Vermögenswert ohne physische Substanz“, lautet die Definition gemäß IAS 38.8. Nicht umsonst bezeichnete der Ökonom Moxter immaterielle Vermögenswerte als „ewige Sorgenkinder des Bilanzrechts“[6]. Angesicht des Google-Beispiels stecken die Unternehmenswerte nicht mehr in materiellen Anlagen wie Immobilien und Produktions-anlagen, sondern in den immateriellen Werten. Dennoch wird lediglich nur ein Teil des immateriellen Vermögenswerts bilanziell erfasst. Der Großteil dieser Werte unterliegt einem Bilanzierungsverbot. Folglich kann allein aus der Bilanz der Wert eines Unternehmens nicht bestimmt werden.[7] Immaterielle Vermögenswerte unberücksichtigt zu lassen, ist angesichts einer informationsorientierten Rechnungslegung schwierig.[8] Um die Kluft zwischen den Marktwerten und den Buchwerten zu verringern, ist die Ausweitung der aktivierungsfähigen immateriellen Vermögenswerten und darüber hinaus auch die Weiterentwicklung des außerbilanziellen Reporting erforderlich.[9]

1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung

Ziel dieser Arbeit ist es, die bilanzielle Behandlung von immateriellen Vermögens-werten nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) darzustellen. Aufgrund des stetigen Anstiegs des tertiären Sektors in Deutschland, ist auch die Bedeutung der Werte ohne körperliche Substanz gestiegen. Es soll daher darauf eingegangen werden, welche Probleme entstehen, wenn immaterielle Vermögenswerte einen immer größeren Teil der Bilanz ausmachen. Hierzu wird die aktuelle Rechtslage erläutert und die Umsetzung in der Praxis beurteilt.

Nach der Einleitung werden im zweiten Kapitel die grundlegenden Definitionsmerk-male von immateriellen Vermögenswerten behandelt. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit zwei besonderen immateriellen Vermögenswerten, den selbst geschaffenen immateriellen VW, sowie den Geschäfts- und Firmenwert. Diese können für die Rechnungs-legung und die Analyse der Bilanz von erheblicher Bedeutung sein. Im vierten Teil wird zu den Bewertungsvorschriften Stellung genommen. Das anschließende Kapitel verdeutlicht die bilanzielle Bedeutung der immateriellen Vermögenswerte anhand eines kleinen Rechenbeispiels und einer empirischer Untersuchung. Im letzten Kapitel erfolgt eine Schlussbetrachtung der wichtigsten Aspekte und ein Ausblick in die zukünftige Entwicklung.

2. Definitionsmerkmale von immateriellen Vermögenswerten

2.1 Identifizierbarkeit

Eine der drei Kriterien für den Ansatz eines immateriellen Vermögenswerts in der Bilanz ist die Identifizierbarkeit. Ein Vermögenswert gilt dann als identifizierbar, wenn er separat vom Unternehmen bzw. getrennt von Firmen- oder Geschäftswert verkauft, übertragen oder getauscht werden kann. Dies ist gegeben, wenn ein Vertrag oder andere Rechte vorliegen, die den immateriellen Vermögenswert identifizieren.[10]

2.2 Beherrschbarkeit

Die Verfügungsmacht – als zweites Kriterium – ist gegeben, wenn ein Unternehmen die rechtliche bzw. juristische Gewalt hat, über den Vermögensgegenstand frei verfügen zu können und den Zugriff Dritter auf den zukünftigen Nutzen beschränken kann. Typisch sind hierfür die Urheberrechte, die ein Unternehmen gerichtlich durchsetzen kann. Allerdings ist eine juristische Verfügungsgewalt keine notwendige Voraussetzung für die Durchsetzbarkeit eines Rechts, da das Unternehmen auf andere Weise Verfügungsmacht ausüben kann.[11]

2.3 Künftiger wirtschaftlicher Nutzen

Der künftige wirtschaftliche Nutzen kann dem Unternehmen in Form von Umsatz-erlösen, Kosteneinsparungen oder durch andere Vorteile zufließen.[12] Bei gesonderter Anschaffung gilt dieses Kriterium als stets erfüllt.[13] Wird keins der Definitionsmerk-male erfüllt, gehört die Position zum originären Firmenwert und darf nicht in die Bilanz aufgenommen werden.[14] Folglich sind alle immateriellen Vermögenswerte, die der entsprechenden Definition und Ansatzkriterien genügen, in die Bilanz aufzunehmen.[15]

3. Sonderformen der immateriellen Vermögenswerte

3.1 Selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte

Ergänzend zu den im 2ten Kapital erläuterten Kriterien, ist die Bilanzierung von selbst geschaffenen immateriellen Vermögenswerten gesondert in IAS 38 geregelt. Demnach bestehen für den Bilanzierenden einige Ermessensspielräume bzw. Wahlrechte.[16] Aufgrund fehlenden Anschaffungsvorgangs fehlt es an der objektiven Betrachtung. Durch diese eingeschränkte Verfügbarkeit von Marktpreisen wird die Bewertung eines selbst erstellten immateriellen Vermögenswertes erschwert.[17] Für selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte gelten aus diesen Gründen erweiterte Anforderungskriterien. Um zu beurteilen, ob die Ansatzkriterien erfüllt sind, muss das Unternehmen den Erstellungsprozess in eine Forschungs- und eine Entwicklungsphase unterteilen.[18] Die Forschung ist eine eigenstände und planmäßige Suche nach neuem Wissen.[19] In dieser Phase kann ein Unternehmen die Existenz eines immateriellen Vermögenswerts nicht nachweisen. Daher gehören diese Ausgaben in den Aufwand.[20] Die Anwendung von Forschungsergebnissen oder anderem Wissen wird Entwicklung genannt. Dabei findet die Entwicklung unmittelbar vor der kommerziellen Nutzung statt.[21] Die in dieser Phase entstandenen Kosten können nur dann angesetzt werden, wenn kumulativ die nachfolgenden Bedingungen erfüllt sind. Der immaterielle Vermögenswert kann soweit realisiert werden, dass er vom Unternehmen genutzt oder veräußert werden kann. Das Unternehmen hat ausreichende finanzielle, sowie technische Ressourcen, um die Entwicklung abzuschließen. Zudem müssen die Ausgaben der Entwicklung verlässlich bewertet werden können.[22] Für die Aktivierung ist de facto eine Projektkostenrechnung erforderlich. Die Kostenrechnungssysteme können eine Hilfestellung bei der Ermittlung der Ausgaben in der Entwicklungsphase geben. Die in der Praxis oft schwierige Abgrenzung der Forschungs- und Entwicklungsphase entscheidet über die Aktivierungsfähigkeit der angefallenen Kosten. Im Zweifel sind alle Aufwendungen der Forschungsphase zuzurechnen.[23] Ferner sind selbst geschaffene Markennamen, Druck-titel, Verlagsrechte, Kundenlisten und ähnliche Sachverhalte von einer Aktivierung als immaterieller Vermögenswert ausgeschlossen, da diese Kosten von den restlichen Aufwendungen des Unternehmens als Ganzes nicht hinreichend getrennt werden können.[24]

3.2 Originärer und derivativer Geschäfts- und Firmenwert

Der selbst geschaffene Firmenwert unterliegt einem strikten Aktivierungsverbot.[25] Seine Bestandteile in Form von Mitarbeiter-Know How, Marktstellung, Innovationspotenzial etc. bieten dem Unternehmen einen wirtschaftlichen Vorteil. Jedoch lassen sich auf diese Position entfallene Aufwendungen nicht zweifelsfrei bestimmen.[26] Dagegen ist der derivativ erworbene Goodwill ein aktivierungspflichtiger Vermögenswert mit unbestimmter Nutzungsdauer.[27] Ein entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert entsteht entweder im Einzelabschluss durch einen asset deal oder auf Konzernebene durch einen share deal.[28] Der Firmenwert ergibt sich aus der Differenz zwischen dem gezahlten Kaufpreis abzüglich dessen Reinvermögen.[29] Übersteigt der Kaufpreis das Reinvermögen, so ist ein Goodwill zu aktivieren. Im umgekehrten Fall ist ein Badwill anzusetzen.[30] Ist der Unterschiedsbetrag negativ, so ist der daraus resultierende Ertrag in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen.[31] Vor der Erfassung eines Gewinns hat der Käufer alle erworbenen Vermögenswerte nochmals zu bewerten, um zu überprüfen, ob das übernommenen Vermögen bzw. die Schulden richtig identifiziert worden sind.[32] Behandlungsvorschriften für Unternehmenszusammenschlüsse werden im IFRS 3 geregelt.

4. Bewertungsvorschriften von immateriellen Vermögenswerten

4.1 Erstbewertung

Sind die primären Bedingungen für einen Bilanzansatz eines immateriellen Vermögenswerts erfüllt, wird der Vermögenswert bei Zugang grundsätzlich mit seinen Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet.[33] „Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind [dabei] der zum Erwerb oder zur Herstellung eines Vermögenswerts entrichtete Betrag an Zahlungsmitteln...“[34] Zu den Anschaffungskosten gehören der Erwerbspreis zuzüglich direkt zurechenbarer Kosten abzüglich Rabatte, Boni und Skonti.[35] Im Falle eines selbst geschaffenen immateriellen Vermögenswerts umfassen die Herstellungskosten alle direkt zurechenbaren Kosten, die erforderlich sind, um den Vermögensgegenstand in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. Dabei sind nur Aufwendungen zu berücksichtigen, die ab der Entwicklungsphase anfallen. Zudem müssen die Ansatzvorschriften (Identifizierbarkeit, Beherrschung, künftiger wirtschaftlicher Nutzen) erfüllt sein. Grundsätzlich sind Vertriebs-, Verwaltungsgemein-, sowie sonstige Gemeinkosten kein Bestandteil der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten, es sei denn sie dienen der Vorbereitung zur Nutzung des Vermögenswerts.[36]

4.2 Folgebewertung

Nach der Erstbewertung zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten erfolgt im Anschluss die Folgebewertung. Im Rahmen der Folgebewertung hat das Unternehmen ein Wahlrecht. Der immaterielle Vermögenswert kann auf Basis der fortgeführten Anschaffungskosten (Anschaffungskostenmodell) oder zum beizulegenden Zeitwert (Neubewertungsmodell), jeweils abzüglich planmäßiger Abschreibungen und außerplanmäßiger Wertminderungen, bewertet werden.[37]

Das Anschaffungskostenmodell kann im Wesentlichen für einzigartige immaterielle Vermögenswerte wie z. B. Marken, Patente oder Rechte angewendet werden. Hierfür ist die Existenz eines aktiven Marktes nicht erforderlich.[38] Ein aktiver Markt liegt vor, wenn die auf dem Markt gehandelten Produkte homogen und Preise öffentlich zugänglich sind.[39] In der Praxis findet diese Methode öfters Anwendung als das Neubewertungsmodell. Grundsätzlich hat das Unternehmen zu überprüfen, welcher Nutzungs-dauer der Vermögensgegenstand unterliegt.[40] Der immaterielle Vermögenswert ist folglich planmäßig abzuschreiben, wenn eine begrenzte Nutzungsdauer vorliegt. Die Nutzungsdauer kann anhand von internen oder externen Faktoren bestimmt werden. Liegen Hinweise auf eine Wertminderung vor, so muss das Unternehmen den Vermögenswert auf mögliche außerplanmäßige Abschreibung prüfen. Die Abschreibung kann linear, degressiv oder leistungsorientiert erfolgen und soll grundsätzlich den tatsächlichen Werteverzehr abbilden. Kann der Verlauf der Nutzenrealisierung nicht bestimmt werden, so ist linear abzuschreiben.

Der Grundgedanke des Neubewertungsmodells ist, den immateriellen Vermögenswert zum beizulegenden Zeitwert (Fair Value) zu bewerten. Bei nicht physischen Vermögenswerten besteht die Möglichkeit, dass die Wertentwicklung im Zeitablauf von den ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten abweicht.[41] Der Fair Value ist der Betrag, zu dem der Vermögensgegenstand zwischen sachverständigen und voneinander unabhängigen Personen getauscht werden könnte.[42] Dieser Neubewertungs-betrag kann aus einem aktiven Markt ermittelt bzw. abgeleitet werden. Die Überprüfung ist immer dann durchzuführen, wenn der aktuelle Buchwert deutlich vom Fair Value abweicht. Bei nicht unwesentlichen Schwankungen ist eine jährliche Überprüfung erforderlich. Ob der Neubewertungsbetrag GuV-wirksam oder GuV-neutral erfolgt, hängt von den Ereignissen der Vorperioden ab. Wenn die Neubewertung zu einer Erhöhung des Buchwerts führt, ist die Wertsteigerung im Eigenkapital unter der Posi-tion Neubewertungsrücklage im sonstigen Ergebnis (GuV-neutral) zu erfassen. Allerdings muss eine in den Vorperioden erfasste GuV-wirksame Abwertung zuerst wieder rückgängig gemacht werden. Dies bedeutet, dass die Neubewertung grundsätzlich imparitätisch erfolgt.[43]

4.3 Werthaltigkeitstest

Für Vermögenswerte gelten zusätzlich zu der normalen Folgebewertung auch die Vorschriften des IAS 36 zur Wertminderung von Vermögenswerten. Immaterielle Vermögenswerte, die eine unbestimmte Nutzungsdauer haben oder noch nicht gebrauchsbereit sind, sind regelmäßig dem Impairment-Test zu unterziehen.[44] Hierunter fällt entsprechend auch der derivative Geschäfts- und Firmenwert.[45] „Ein Vermögenswert ist Wertgemindert, wenn sein Buchwert seinen erzielbaren Betrag übersteigt.“[46] Dabei kann das Unternehmen verschiedene interne und externe Indikatoren (z. B. Überalterung; Absinken des Marktwerts; erwartete Ertragskraft sinkt usw.) beobachten, die Hinweise auf eine Wertminderung des Vermögenwerts liefern können.[47] Der erzielbare Betrag ist dabei der höhere der beiden Beträge aus Fair Value abzüglich der Verkaufskosten und seinem Nutzungswert, der aus den künftigen abgezinsten Cash-Flows abgeleitet wird.[48] Doch genau hier liegt das Problem: Wie verlässlich können die zukünftigen Cash-Flows geschätzt werden? Wurde ein realistischer Kapitalisierungszinssatz zugrunde gelegt? Ist der Risikozuschlag zu hoch oder zu niedrig angesetzt worden? Alle diese Faktoren können vom Unternehmen so beeinflusst werden, damit der Vermögenswert außerplanmäßig nicht abgeschrieben werden muss.

5. Bilanzielle Auswirkungen durch immaterielle Vermögenswerte

5.1 Bilanzielle Bedeutung

Unternehmen können durch die Ausübung von Wahlrechten und der Interpretation von unbestimmten Rechtsbegriffen ihr Jahresergebnis beeinflussen und so zielgerichtete Bilanzpolitik betreiben. Im Hinblick auf bilanzpolitische Überlegungen kommt insbesondere der Bewertung des Goodwills nach dem Wegfall der planmäßigen Abschreibung eine besondere Bedeutung zu. In dieser Bilanzposition steckt hohes Abschreibungspotenzial, das zu Gewinneinbrüchen führen kann. Die Angst des Managements die Gewinnerwartungen der Aktionäre nicht erfüllen zu können, kann dazu verleiten, eine Abwertung des derivativen Firmenwerts zu unterlassen, obwohl diese erforderlich wäre. Hinzu kommt der Druck Seitens der Kapitalmärkte positive Rendite zu erwirtschaften.

Ein weiteres Problem in Bezug auf die Aussagefähigkeit der IFRS-Bilanzen ist die Tatsache, dass ein Teil der immateriellen Vermögenswerte nicht bilanziert werden dürfen. Hierzu ist die Kennzahl Market-to-Book-Ratio von Interesse. Diese zeigt das Verhältnis der Marktkapitalisierung zum Buchwert des Eigenkapitals.[49] Die Abbildung 1 zeigt, dass der Marktwert des Unternehmens erheblich von dem bilanzierten Eigenkapital abweicht. Im Durchschnitt liegt die Überbewertung bei dem 2,58-fachen des ausgewiesenen Eigenkapitals.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Entnommen aus: Möller, K., Piwinger, M. (2009), S. 79.

Abbildung 1: Market-to-Book-Ratio der DAX-30-Unternehmen

Um die Bedeutung der Bilanzposition „Sorgenkind“ etwas deutlicher zu zeigen, ist neben dem Market-to-Book-Ratio, auch der Anteil des immateriellen Vermögens im Vergleich zur Bilanzsumme relevant. Nach einer empirischen Untersuchung von Klaus Möller und Manfred Piwinger[50] betrug das Sachanlagevermögen im Durchschnitt 35% der Bilanzsumme, während der Anteil des immateriellen Vermögens im Durchschnitt 38% des Gesamtkapitals ausmachte.[51]

In diesem Zusammenhang ist in der Tabelle 1 die prozentuale Erhöhung der imma-teriellen Vermögenswerte abgebildet. Als Quelle dient dabei das Zahlenmaterial aus den veröffentlichten Finanz- und Geschäftsberichten der jeweiligen Konzerne. Die Werte der Spalte „Summe immaterieller VW“ setzen sich aus der Summe aller in der Bilanz ausgewiesenen immateriellen Vermögenswerte zusammen. Die „Erhöhung“ ist dabei die Differenz zwischen den einzelnen Beträgen der Jahre 2014 und 2004. Wird die „Erhöhung“ ins Verhältnis zu den Bilanzwerten des Jahres 2004 gesetzt, ergibt sich die „Erhöhung in %“. In diesem Fall ist die Bayer AG mit einer Erhöhung von 428,85% Spitzenreiter. Das Schlusslicht mit nur 72,94% ist die BMW AG. Dabei wird deutlich, dass in den letzten 10 Jahren die immateriellen Vermögenswerte in den Konzern-bilanzen im Durchschnitt um 223,08% gestiegen sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 : Prozentuale Erhöhung der immateriellen Vermögenswerte [52]

Die Berechnungen zeigen die zunehmende Bedeutung immaterieller Vermögenswerte. Vor diesem Hintergrund rückt nicht nur die außerbilanzielle Berichtserstattung zunehmend in den Fokus der Standardsetter.

5.2 Berichtserstattung

In der IFRS-Bilanz ist, im Gegensatz zur nationalen Rechnungslegung, nur ein Posten für immaterielle Vermögenswerte zu bilden.[53] Darüber hinaus müssen zusätzliche Angaben im Anhang gemacht werden. Das Unternehmen hat zuerst die selbst geschaffenen von den sonstigen immateriellen Vermögenswerten zu unterscheiden. Im Anhang müssen z. B. die Nutzungsdauer, der gewählte Amortisationssatz, Bruttobuchwerte, kumulierte Abschreibungen und Wertminderungen, sowie die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung offen gelegt werden.[54] Bei Unternehmenszusammenschlüssen werden ebenfalls umfangreiche Informationen verlangt: Name und Beschreibung des erworbenen Unternehmens, Erwerbszeitpunkt, prozentuale Beteiligung am Eigenkapital mit Stimmrechten, um nur einige Pflichtangaben zu nennen.[55] Jeder aktuelle und potenzielle Investor stellt sich die Frage: wie erfolgreich das Unternehmen in der Zukunft agieren wird. Die Unternehmen stellen nur einige ausgewählte Informationen der Öffentlichkeit zur Verfügung. Dadurch herrscht große Informationsasymmetrie zwischen dem Management und den Aktionären. Doch die fehlenden Informationen sind maßgeblich für die Beurteilung der Chancen und Risiken, welches u. a. im imma-teriellen Vermögen stecken kann.

[...]


[1] Vgl. Freidank, C. C., Velte, P. (2013), S. 398.

[2] Vgl. Möller, K., Gamerschlag, R. (2009), S. 4.

[3] Vgl. http://www.finanzen.net/aktien/Alphabet-Aktie, Stand 31.12.2015.

[4] Vgl. http://www.finanzen.net/bilanz_guv/Alphabet, Stand 31.12.2015.

[5] Vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/6003/umfrage/die-wertvollsten-marken-weltweit/, Stand 31.12.2015.

[6] Vgl. Moxter, A. (1979) S. 1102.

[7] Vgl. Möller, K., Piwinger, M. (2009), S. 74.

[8] Vgl. Pellens, B., et al. (2011), S. 308.

[9] Vgl. Möller, K., Piwinger, M. (2009), S. 74.

[10] Vgl. Pellens, B. et al. (2011), S. 310 i.V.m IAS 38.11 und 38.12.

[11] Siehe IAS 38.13.

[12] Siehe IAS 38.17 und 38.21.

[13] Siehe IAS 38.25 und 38.26.

[14] Vgl. Buchholz, R. (2014), S. 64.

[15] Siehe IAS 38.18.

[16] Vgl. Schruff, L., Haaker, A. (2009), S. 58.

[17] Vgl. Dawo, S. (2003), S. 202.

[18] Siehe IAS 38.51.

[19] Siehe IAS 38.8.

[20] Siehe IAS 38.55.

[21] Siehe IAS 38.8.

[22] Vgl. Pellens, B., et al. (2011), S. 316 i.V.m. IAS 38.57.

[23] Vgl. Schruff, L., Haaker, A. (2009), S. 58 i.V.m. IAS 38.53 und IAS 38.62.

[24] Vgl. Pellens, B., et al. (2011), S. 317 i.V.m. IAS 38.63 und IAS 38.64.

[25] Siehe IAS 38.48.

[26] Vgl. Buchholz, R. (2013) S. 49.

[27] Vgl. Schruff, L., Haaker, A. (2009), S. 60 i.V.m. IFRS 3.32.

[28] Vgl. Buchholz, R. (2014), S. 133.

[29] Siehe IAS 3.32.

[30] Vgl. Dawo, S. (2003), S. 209.

[31] Siehe IAS 3.34.

[32] Siehe IAS 3.36.

[33] Vgl. Schruff, L., Haaker, A. (2009), S. 57 i.V.m. IFRS 38.24.

[34] Siehe IAS 38.8.

[35] Siehe IAS 38.27.

[36] Siehe IAS 38.65 bis IAS 38.67.

[37] Vgl. Pellens, B., et al. (2011), S. 319 i.V.m. IAS 38.72.

[38] Vgl. Angermayer-Michler, B., (2014) S. 59.

[39] Siehe IAS 38.8.

[40] Siehe IAS 38.88.

[41] Vgl. Pellens, B., et al. (2011), S. 320-323.

[42] Vgl. Schruff, L., Haaker, A. (2009), S. 57 i.V.m. IAS 38.8.

[43] Vgl. Pellens, B., et al. (2011), S. 323-324 i.V.m IAS 38.79, IAS 38.85, IAS 38.86.

[44] Vgl. Pellens, B., et al. (2011), S. 328 i.V.m IAS 38.108.

[45] Siehe IAS 36.10 b).

[46] Siehe IAS 36.8.

[47] Vgl. Dawo, S. (2003), S. 225-226 i.V.m. IAS 36.12.

[48] Siehe IAS 36.6.

[49] Vgl. Möller, K., Piwinger, M. (2009), S. 78.

[50] Prof. Dr. Klaus Möller ist Professor für Unternehmensrechnung und Controlling an der Georg-August-Universität Göttingen; Dipl.-Ing.Manfred Piwinger ist Unternehmens- und Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter an der Leipzig School of Media.

[51] Untersucht wurden die Jahresabschlüsse 2007 bzw. 2006/07 der DAX-30-Unternehmen. Vgl. Möller, K., Piwinger, M. (2009), S. 80.

[52] Vgl. Finanzbericht 2004 BASF-Gruppe (2005) S. 27; Bericht 2014 BASF-Gruppe (2015) S. 157; Geschäftsbericht 2004 Bayer AG (2005) S. 69; Geschäftsbericht 2014 Bayer AG (2015) S. 192; Geschäftsbericht 2004 BMW AG (2005) S. 52; Geschäftsbericht 2014 BMW AG (2015) S. 92; Geschäftsbericht 2004 DP DHL (2005) S. 80; Geschäftsbericht 2014 DP DHL (2015) S. 135; Finanzbericht 2004 Fresenius Medical Care (2005) S. 32; Geschäftsbericht 2014 Fresenius Medical Care (2015) S. 172.

[53] Siehe IAS 1.54 c).

[54] Siehe IAS 38.118-38.128.

[55] Siehe IAS 38.59-38.63.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668444645
ISBN (Buch)
9783668444652
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364643
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
Goodwill immaterielle Vermögenswerte IFRS Bilanzierung Rechnungslegung IAS

Autor

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