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Prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Generation Praktikum

Seminararbeit 2015 19 Seiten

Führung und Personal - Generation Y, Generation Z

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen und Begriffserklärungen
2.1. Das prekäre Arbeitsverhältnis
2.2 Das Praktikum
2.3 Entstehung und Bedeutung des Begriffspaars „Generation Praktikum“

3. Praktikanten am Arbeitsmarkt
3.1 Verbreitung von Praktika
3.2 Zufriedenheit der Praktikanten
3.3 Ist das Begriffspaar „Generation Praktikum“ gerechtfertigt

4. Fazit

5. Abbildungsverzeichnis

6. Quellenverzeichnis
6.1 Literaturquellen
6.2 Internetquellen

1. Einleitung

„„ Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher und es wird ihr niemals gelingen unsere Werte zu erhalten ." Dieses Zitat stammt nicht etwa aus einem konservativen Provinzblatt, sondern von einer Babylonischen Tontafel im Alter von 3000 Jahren:“1

Dieses Zitat soll verdeutlichen, dass gerne und schnell eine Pauschalisierung gegenüber bestimmten Gruppen stattfindet und diese oft mit Vorurteilen und Halbwahrheiten verbunden ist.

Durch die Eingruppierung von Personen, auch durch den Generationenkonflikt bedingt, entstehen Begriffe wie „Generation Golf“, „die 68er“ oder „MTV-Generation“.

Viele dieser Begriffe sind durch Medienberichte verursachte Modeerscheinungen und werden durch einseitige Berichterstattung bzw. durch heranziehen von Einzelbeispielen am Ende verallgemeinert.

Heikle Arbeitsbedingungen und ein erschwerter Berufsstart junger Hochschulabsolventen hat das mediale Interesse geweckt und so wurde das neue Begriffspaar „Generation Praktikum“ ins Leben gerufen. Es wurden viele Diskussionen über die Schicksale junger, gut ausgebildeter Menschen geführt, sogar auf politischer Ebene, wodurch das Wortpaar den Sprung auf Platz zwei in die Wahl der Worte des Jahres 2006 schaffte.

Die umfangreiche öffentliche Diskussion sagt dennoch nichts über die tatsächliche Anzahl der Dauerpraktikanten aus. Um zu klären, ob es sich hierbei um ein Massenphänomen, oder um Einzelfälle handelt, werden verschiedene Studien in dieser Arbeit herangezogen und ausgewertet.

Dabei soll vor allem dargestellt werden, wie verbreitet Praktika am deutschen Arbeitsmarkt sind, unter welchen Bedingungen diese durchgeführt werden und ob man Praktika mit prekärer Arbeit verbinden kann.

2. Definitionen und Begriffserklärungen

2.1. Das prek ä re Arbeitsverh ä ltnis

Um detailliert zu erklären, was ein prekäres Arbeits- oder Beschäftigungsverhältnis ist, muss zuerst erläutert werden, was „prekär“ bedeutet. Das Wort „prekär“ stammt von dem französischen Adjektiv „précaire“ ab, basierend auf dem lateinischen Begriff „precarius“ und bedeutet „widerruflich“, „unsicher“, „unerfreulich“ bzw. „heikel“.

„Prekariat“ ist der „Bevölkerungsteil, der, besonders aufgrund von anhaltender

Arbeitslosigkeit und fehlender sozialer Absicherung, in Armut lebt oder von Armut bedroht ist und nur geringe Aufstiegschancen hat“.2

Der Begriff wird azyklisch unterschiedlich stark ausgeprägt verwendet. Zuletzt wurde er in Zusammenhang mit der Zunahme von unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, als Folge der Hartz 4 Reformen, zum politischen Schlagwort und auf Platz fünf der Wörter des Jahres 2006 gewählt.

Die Definition des Dudens fasst Personen, die sich vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben und Personen, die am Arbeitsmarkt teilnehmen, aber in prekären Beschäftigungsverhältnissen stecken, zusammen und zählt diese zum Prekariat, während Robert Castel diese Personengruppen unterscheidet.

Robert Castel war französischer Soziologie und betrieb Forschungen zu Transformationen von Beschäftigung, zur Arbeit und der sozialen Absicherung, sowie der Entstehung des Prekariats.3

Er unterteilt Beschäftigungsformen in drei Zonen, in die relativ gut abgesicherte „Zone der Integration“, die aus dem Arbeitsleben ausgegrenzte „Zone der Entkopplung“ und die zwischen diesen beiden befindliche „Zone des Prekariats“, in der unsichere Beschäftigungsformen und niedrige Löhne vorherrschen.4

Diese Zonen sind auf Grund einer Befragung und durch die subjektive Wahrnehmung der Teilnehmer weiter unterteilt worden. Dabei wurde die „Zone der Integration“ vier Mal unterteilt. Es entstanden „die Gesicherten“. Dies ist die am besten integrierte Gruppe am Arbeitsmarkt. Danach folgt die Gruppe der „Unkonventionellen“ oder „Selbstmanager“, die für eine atypische Integration steht. An dritter Stelle steht die Gruppe der „Verunsicherten“, gefolgt von letzteren, den „Abstiegsbedrohten“.5

Die „Zone des Prekariats“ wurde drei Mal unterteilt. Dabei sind die „Hoffenden“ diejenigen, die ihr Arbeitsverhältnis nur als Übergangslösung verstehen und nach sozialem Aufstieg streben. An zweiter Position sind die „Realisten“ zu finden, die sich mit ihrer Situation abgefunden und ein dauerndes Arrangement getroffen haben. An letzter Stelle stehen die „Zufriedenen“, die sich mit der Situation nicht nur arrangiert, sondern auch angefreundet haben.6

Man sieht, dass es Unterscheidungen innerhalb der „prekären Zone“ gibt und sich je nach Person ein unterschiedliches Wahrnehmungsbild auf die eigene Situation und Lage entwickelt. Dies kann durch unterschiedliche Berufsziele und finanzielle Wünsche bedingt sein und ist rein subjektiver Natur.

Die „Zone des Prekariats“ umfasst hauptsächlich flexible Arbeitsverhältnisse, wie Zeit- und Leiharbeit, geringfügige Beschäftigung, temporäre Projektarbeiten, sowie Vollerwerbsarbeit im Niedriglohnbereich. Sie breitet sich laut Castel kontinuierlich aus und wird von ihm als Abkopplung von sozialer Sicherheit bezeichnet, da die bisherige Bindung zwischen Berufsarbeit und sozialer Absicherung aufgehoben wird.7

Es gibt allgemeine „Standards“, ab wann eine Person als prekär beschäftigt gilt: „Als prekär kann ein Erwerbsverhältnis bezeichnet werden, wenn die Beschäftigten aufgrund ihrer Tätigkeit deutlich unter ein Einkommens-, Schutz- und soziales Integrationsniveau sinken, das in der Gegenwartsgesellschaft als Standard definiert und mehrheitlich anerkannt wird. Und prekär ist Erwerbsarbeit auch, sofern sie subjektiv mit Sinnverlusten, Anerkennungsdefiziten und Planungsunsicherheit in einem Ausmaß verbunden ist, das gesellschaftliche Standards deutlich zu Ungunsten der Beschäftigten korrigiert.“8

Erwerbstätige in prekären Beschäftigungsverhältnissen, auch atypische Beschäftigungsverhältnisse genannt, haben somit nur eingeschränkt oder keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Mitbestimmung im Betrieb, Kündigungsschutz, geregelte Arbeitszeiten, betriebliche Altersvorsorge oder bezahlten Urlaub.

Das Begriffspaar „prekäres Beschäftigungsverhältnis“ ist bislang nicht in einen Gesetzestext aufgenommen worden. Zwar wird jährlich von der Bundesregierung ein Armuts- und Reichtumsbericht veröffentlicht, indem dieses vorkommt und darüber hinaus wird es in offiziellen Äußerungen benutzt, juristisch verwendet wurde es jedoch nicht.9

Da die oben genannte Definition einen weiten Spielraum zulässt, welche Art der Beschäftigungsform als prekär gilt und welche nicht, ist eine pauschale Aussage, wie beispielsweise „jede Form von Leiharbeit ist prekäre Arbeit“ nicht möglich. Es können jedoch Aussagen getroffen werden, welche Beschäftigungsformen in die Richtung prekär tendieren.

Dazu gehört unter anderem die „Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung“, im allgemeinen Sprachgebrauch besser bekannt als „Ein-Euro-Job“. Zwar dient diese Art von Arbeit nur als Zuerwerb, da das Haupteinkommen aus dem „Arbeitslosengeld 2“ besteht, dennoch zählt diese Form der Beschäftigung als prekär und wurde 2005 von über 600.000 Menschen ausgeübt. Weitere Formen der prekären Arbeit sind unter anderem geringfügig Beschäftigte, Inhaber von Teilzeitstellen, Scheinselbstständige, freie Mitarbeiter, Praktikanten und Leiharbeiter, wenn die definierten Kriterien erfüllt sind.10

Laut Definition ist ein Praktikum dann eine Form von prekärer Arbeit, wenn der Praktikant von der Entlohnung des Praktikums leben muss, dieses nicht existenzsichernd und zeitlich befristet ist. Da ein Praktikum generell zeitlich befristet ist, besteht dementsprechend ein unsicheres Arbeitsverhältnis und dahingehend ist ein Praktikum ein prekäres Beschäftigungsverhältnis. Das Entgelt reicht oft nicht aus, um den Lebensunterhalt zu sichern. So wurde ermittelt, dass ein Großteil an Praktikanten auf Unterstützung der Eltern angewiesen ist, oder von Ersparnissen lebt. Auch Nebentätigkeiten sind keine Seltenheit. Einige sind sogar auf Sozialleistungen angewiesen (siehe dazu nachfolgende Grafik).

Abbildung 1:

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Quelle: Schmidt/Hecht, Generation Praktikum 2011, S. 22

Differenzieren muss man bei Beschäftigen mit befristeten Verträgen und Leiharbeitern. Ein befristeter Vertrag stellt zwar ein gewisses Risiko dar, muss aber nicht zeitgleich bedeuten, dass es sich um prekäre Arbeit handelt. Langfristig gesehen stellt eine Befristung für beispielsweise zwei Jahre eine finanzielle Planungsunsicherheit dar. Kurz- bis mittelfristig kann eine solche Befristung jedoch schon für ausreichend Beständigkeit sorgen, vor allem wenn man betrachtet, dass es heutzutage in vielen Branchen trotz unbefristeten Arbeitsverträgen keine Arbeitsplatzgarantie mehr gibt.

Leiharbeit, bzw. eine Arbeitsverhältnis über einen Personaldienstleister kann in prekärer Arbeit enden. Einsätze in Arbeitnehmerüberlassung sind zeitlich befristet und enden danach oft mit der Entlassung beim Personaldienstleister, trotz unbefristeten Arbeitsvertrags. Auch die Entlohnung kann unzureichend sein. Dennoch darf man nicht pauschalisieren. Leiharbeit kann durchaus angemessen bezahlt sein, um nicht als prekäre Beschäftigung zu gelten.

[...]


1 Paul Watzlawick, Vortragsreihe „Wenn die Lösung das Problem ist“, 1987 3

2 kein Verfasser, http://www.duden.de/rechtschreibung/Prekariat, 10.05.2015

3 Vgl.: Dörre: Prekariat, Abstieg, Ausgrenzung - Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts, 2009, S. 422

4 Vgl.: Mörchen, Praktikum als prekäre Beschäftigung, 2006, S.6f. 4

5 Vgl.: Horstmeier, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, S.10

6 Vgl.: Ebenda

7 Vgl.: Heitmeier/Imbusch, Integrationspotentiale einer modernen Gesellschaft, 2005, S. 366

8 Dörre/Kraemer/Speidel, Prekäre Arbeit, 2004, S.17

9 Vgl.: Horstmeier, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, S.11

10 Vgl.: Ebenda, S. 341ff

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668444003
ISBN (Buch)
9783668444010
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364498
Institution / Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn
Note
2,3
Schlagworte
Praktikum Prekär Generation y arbeit arbeitsmarkt

Autor

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Titel: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Generation Praktikum