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Möglichkeiten und Grenzen zur Signalisierung von Prüfungsqualität

Seminararbeit 2004 18 Seiten

BWL - Revision, Prüfungswesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Qualität
2.1. Klassischer Qualitätsbegriff
2.2. Prüfungsqualität

3. Signalisierung von Prüfungsqualität
3.1. Signale
3.2. Signalisierungswirkung der normativen Rahmenbedingungen
3.3. Prüferspezifische Faktoren

4. Thesenförmige Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung

Wirtschaftsprüferpraxen sind Dienstleistungsunternehmen, denen es wegen zunehmenden Wettbewerbs, fortschreitender Globalisierung, steigender Haftungs-problematik sowie größer werdender Komplexität der Jahresabschlussprüfung immer schwerer fällt zu einem sachgerechten Urteil zu kommen.[1] Aufgrund zahlreicher Unternehmenskrisen und Zusammenbrüche ist der Beruf des Wirtschaftsprüfers zunehmender Kritik ausgesetzt. Dabei bemängelt die Öffentlichkeit, dass die Prüfer häufig, obwohl die Krise schon erkennbar war, einen uneingeschränkten Bestäti-gungsvermerk erteilten. Sie stellt deswegen die Qualität der Wirtschaftsprüfer sowie deren Leistung immer mehr in Frage.[2] Um das Vertrauen in die Wirtschaftsprüfer zurück zu gewinnen, wird die Gewährleistung von Prüfungsqualität gefordert. Prüfungen vollziehen sich jedoch zu weiten Teilen nicht beobachtbar, so dass sich die Frage stellt, wie man Prüfungsqualität beurteilen kann. Es ist daher interessant zu untersuchen, inwieweit die Wirtschaftsprüfer ihren Mandanten bzw. der Öffent-lichkeit die Qualität ihrer Arbeit vermitteln oder, wie im Verlauf der Arbeit beschrieben, signalisieren. Dabei kann man zwischen Möglichkeiten der Signali-sierung einzelner und aller Wirtschaftsprüfer unterscheiden. Einzelne Prüfer können sich, wie im Weiteren beschrieben, durch gezielte Signalisierung abheben; aber auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht lässt sich untersuchen, welche Möglichkeiten der gesamte Berufsstand hat, das Vertrauen der Öffentlichkeit in seine Arbeit zu gewinnen.[3] Zuerst ist zu klären, was Prüfungsqualität aus der Sicht der Adressaten überhaupt ist und wie sie sich zusammensetzt, denn nur so kann man untersuchen, welche Möglichkeiten die Wirtschaftsprüfer haben diese gegenüber der Öffentlichkeit zu signalisieren und wo die Grenzen der Signalisierung liegen.

2. Qualität

2.1. Klassischer Qualitätsbegriff

Das Wort Qualität stammt aus dem lateinischen „qualitas“ und meint Beschaffenheit, Güte oder den Wert einer Sache, wobei bestimmte Eigenschaften jedoch noch nicht in eine hierarchische Reihenfolge gebracht werden. Dies geschieht dann, wenn man Qualität auch als wertenden Begriff versteht, also Qualität in Form von Eigenschaften eines Objekts in Bezug auf eine Erreichung von Zwecken und Zielen sieht.[4] Das deutsche Institut für Normung spricht von „einer Gesamtheit von Eigenschaften und Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen“.[5] Dabei steht für die Einheit das, was betrachtet werden soll, wie etwa eine Tätigkeit oder ein Prozess; die Erfordernisse werden durch Qualitätsanforderungen beschrieben, also durch veränderbare kundenspezifische Bedürfnisse.[6] Erweitert man den Qualitätsbegriff auf den Bereich der Dienstleistung, kann man laut Grönroos zwei Ebenen des Qualitätsbegriffs feststellen: Der technische Qualitätsbegriff umfasst messbare Merkmale der Dienstleistung, wie z.B. die Pünktlichkeit. Die Art und Weise, wie die Dienstleistung erbracht wird, beschreibt der funktionale Qualitätsbegriff, dessen Merkmale z.B. das Erscheinungsbild des Personals oder die Kommunikation zwischen Personal und Kunde sind.[7]

2.2. Prüfungsqualität

Prüfungsqualität wird in der Literatur insgesamt recht uneinheitlich gesehen und es existiert nirgendwo eine exakte Definition, so dass es notwendig ist, sich mit diesem Begriff genauer auseinanderzusetzen, um seine Bedeutung einzugrenzen.

Da es sich bei Wirtschaftsprüferleistungen um operativ schwer messbare Dienst-leistungen handelt, ist der Qualitätsbegriff um eine dienstleistungstheoretische Perspektive zu erweitern. Hierbei ist es sinnvoll, zunächst einmal die Anforderungen an professionelle Dienstleistungen zu behandeln.

Wirtschaftsprüfer sind hoch qualifizierte Personen, die für ihren Beruf eine Spezialausbildung durchlaufen haben. Die Prüfungstätigkeit ist problemlösungs-orientiert und soll die Bedürfnisse der Nachfrager befriedigen. Der Beruf des Wirtschaftsprüfers ist in einen normativen Rahmen eingebettet, der einen gewissen Qualitätsstandard sicherstellen soll.[8] Hierbei handelt es sich u.a. um die Berufsgrundsätze der WPK und um die gemeinsame Stellungnahme der WPK und des IDW VO1/1995 „Zur Qualitätssicherung in der Wirtschaftsprüferpraxis“. Aber selbst diese Verordnung enthält keine explizite Definition von Prüfungsqualität, sondern interpretiert diese lediglich als Einhaltung der Prüfungsgrundsätze. Darüber hinaus sollen interne Qualitätssicherungsmaßnahmen eine qualitativ gute Prüfung gewährleisten.[9]

Weil es sich bei Wirtschaftsprüfungsleistungen, wie bereits dargelegt, um Dienstleistungen handelt, kann der Nachfrager vor ihrer Inanspruchnahme nicht beurteilen, ob sie qualitativ hochwertig sein wird oder nicht. Er ist daher auf Ersatzkriterien bei der Auswahl des Prüfers angewiesen, wie z.B. die Qualität der Fähigkeiten des Prüfers. Allerdings sind diese Fähigkeiten genauso immateriell wie die Prüfungsleistungen und daher ebenso nur sehr schwer mess- und speicherbar.[10] Da der Prüfer neben der Fähigkeit, gute Prüferleistungen zu erbringen, auch noch über Leistungswilligkeit verfügen muss, treten Agency-Probleme auf: Eventuell will der Prüfer nur seinen eigenen Nutzen maximieren und reduziert daher aufgrund geringerer Kostenbelastungen seinerseits freiwillig die Qualität seiner Arbeit, was ihm wegen seines Informationsvorsprungs gegenüber dem Auftraggeber durchaus möglich ist.[11] Ferner handelt es sich bei Wirtschaftsprüfungsleistungen um hoch integrative Leistungen, bei denen der Auftraggeber selbst mitwirkt.[12] Daher ist die Prüfungsqualität für den Prüfer selbst ein Stück weit nicht steuerbar.[13] So vergibt der Aufsichtsrat bspw. den Prüfungsauftrag und bespricht mit dem Prüfer zusammen die Prüfungsschwerpunkte. Der Vorstand schlägt seinerseits den Prüfer vor und nimmt an der Schlussbesprechung der Prüfungsaktivitäten teil. Das Rechnungswesen und die interne Revision versorgen den Prüfer mit Informationen.[14]

Um zu einem umfassenden Qualitätsbegriff kommen zu können, müssen zusätzlich folgende Dimensionen berücksichtigt werden:

Effektivität und Effizienz der Urteilsbildung:

Urteilsbildung beschreibt den Zielerreichungsgrad der Prüfungsaktivität und kann als Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit von Prüfungshandlungen betrachtet werden.[15]

Vertrauenswürdigkeit des Prüferurteils:

In diese fließen drei Größen ein: Urteilsfähigkeit (fachliche Kompetenz), Urteilsfreiheit (der Prüfende muss gemäß den Berufsgrundsätzen unabhängig und unbefangen sein) und sachgerechte Urteilsbildung (Grundsätze der Vollständigkeit, Wesentlichkeit und Objektivität).[16]

Einhaltung gesetzlicher Vorschriften:

Der Wirtschaftsprüfer muss sich an die Berufsgrundsätze halten, die Regelungen der VO 1/1995 praxisintern anwenden und sich der externen Qualitätskontrolle unterziehen.[17]

Möglichkeiten zur wettbewerblichen Differenzierung:

Durch qualitativ hochwertige Arbeit reduziert der Wirtschaftsprüfer seinerseits das Haftungsrisiko, was ihn gegenüber anderen qualitativ schlechter arbeitenden Wirtschaftsprüfern in eine wettbewerblich vorteilhafte Situation bringt.[18]

Bei Wirtschaftprüfungsleistungen handelt es sich seitens des Prüfers um ein Leistungsversprechen, das - genauso wie die Prüfungsleistung selbst - nicht standar-disierbar ist. Bei diesem Versprechen dominieren so genannte Vertrauenseigenschaften,[19] weil Prüfungen für einen Großteil der Adressaten unbeobachtbar sind. Hierbei handelt es sich um Eigenschaften, die weder im Vorfeld noch im Nachhinein des Prüfungsauftrags beurteilt[20] werden können und auf Vertrauen des Nachfragers in das Leistungsversprechen beruhen. Daraus folgen besondere Anforderungen für die Anbahnung und Gestaltung einer Mandant-Prüfer-Beziehung, welche Maßnahmen der Informationsübertragung zur Vertrauensbildung umfassen,[21] die im Folgenden als Signalisierung behandelt werden.

[...]


[1] Vgl. Lück, Wolfgang: Überwachung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der Wirtschaftsprüferpraxis, in: Der Betrieb, 53. Jg. (2000), S. 333-337, hier S. 1; vgl. ders.: Quality Control, in: Der Betrieb, 53. Jg. (2000), S. 1-6 , hier S. 1; vgl. ders: Prüfung der Rechnungslegung. Jahresabschlußprüfung, München u.a. 1999, S. 204.

[2] Vgl. Lindgens-Strache, Ursula: Peer Review – Ein probates Mittel zur Sicherung und Verbesserung der Prüfungsqualität in Deutschland? – Anmerkungen aus der Sicht der Praxis, in: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis, 1997, S. 266-291, hier S. 266.

[3] Vgl. Doll, Rainer: Wahrnehmung und Signalisierung von Prüfungsqualität, Frankfurt am Main u.a. 2000, S. 1.

[4] Vgl. ebd., S. 22.

[5] Vgl. Deutsches Institut für Normung: DIN EN ISO 8402, Qualitätsmanagement, Begriffe, Dreisprachige Fassung, 1995, S.3.

[6] Vgl. ebd., S.6.

[7] Vgl. Grönroos, Christian: A Service Quality Model and its Marketing Implications, in: European Journal of Marketing, 18. Jg. (1984), S. 36-44, hier S. 38-40.

[8] Vgl. Doll, Rainer: a.a.O., S. 13.

[9] Vgl. ebd., S.20.

[10] Vgl. ebd., S.10.

[11] Vgl. ebd., S. 8.

[12] Vgl. ebd., S.17.

[13] Vgl. ebd., S.10.

[14] Vgl. Schmitz, Gertrud: Marketing für professionelle Dienstleistungen, Wiesbaden 1997, S. 17.

[15] Vgl. Sieben, Günter/Duch, Klaus/Minz, Rainer/Iwort, Christoph: Prüfung von Dialog-Buchführungssystemen. Ein Beitrag zur Sicherung der Urteilsqualität, Herne u.a. 1987, S. 31.

[16] Vgl. Lefferson, Ulrich: Wirtschaftsprüfung, 4. Aufl., Wiesbaden 1988, S. 61.

[17] Vgl. Doll, Rainer: a.a.O., S. 20.

[18] Vgl. Berndt, Reinhard: Total Quality Management in der Wirtschaftsprüfungsunternehmung, Lohmar u.a. 1999, S. 75-78.

[19] Vgl. Doll, Rainer: a.a.O., S. 16.

[20] Vgl. Doll, Rainer: a.a.O., S. 15.

[21] Vgl. Schade, Christian/Schott, Eberhard: Kontraktgüter im Marketing, in: Marketing ZFP, 15. JG. (1993), S. 15-25, hier S. 20; vgl. ders.: Instrumente des Kontraktgütermarketing, in: Die Betriebswirtschaft, 15. Jg. (1993), S. 491-511, hier S. 500.

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638358989
ISBN (Buch)
9783638778640
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36212
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Rechts- und Wirschaftswissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Möglichkeiten Grenzen Signalisierung Prüfungsqualität

Autor

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