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Das Prinzip Hoffnung in den Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert

Hausarbeit 2004 24 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema
1.2. Abgrenzung des Themas

2. Das Prinzip Hoffnung
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Hoffnung nach der „Stunde Null”
2.3. Hoffnung im Leben Wolfgang Borcherts

3. Die Gattung der Kurzgeschichte
3.1. Eine kurze Begriffsbestimmung
3.2. Die wesentlichsten Kennzeichen einer Kurzgeschichte
3.3. Die deutsche Kurzgeschichte in der Zeit von 1945-1950

4. Die Kurzgeschichte bei Wolfgang Borchert
4.1. Die drei dunklen Könige
4.1.1. Inhaltsangabe
4.1.2. Analyse und Interpretation unter Berücksichtigung der Schwerpunktsetzung
4.2. Nachts schlafen die Ratten doch
4.2.1. Inhaltsangabe
4.2.2. Analyse und Interpretation unter Berücksichtigung der Schwerpunktsetzung

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1. Die drei dunklen Könige
7.2. Nachts schlafen die Ratten doch

1. Einleitung

1.1. Hinführung zum Thema

Mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Es war ein Krieg der Ideologien und ein Vernichtungskrieg ohne Präzedenzfall. 72 Staaten und 4/5 der Weltbevölkerung wurden direkt oder indirekt in den Krieg hineingezogen. Insgesamt forderte er über 50 Millionen Tote und 35 Millionen Kriegsverletzte sowie die Vernichtung erheblicher materieller Werte. Deutschland war weitgehend zerstört. Großstädte wie Berlin, Hamburg und Dresden lagen in Trümmern. Die Mehrzahl der überlebenden Zivilbevölkerung war nach dem Ende des zwölfjährigen NS-Regimes zunächst wie gelähmt. Ihr Alltag war von Hoffnungslosigkeit und Erschöpfung, von einem Zustand der Teilnahmslosigkeit und der Sorge um vermisste Angehörige bestimmt.1 Die Nachkriegszeit von 1945 bis 1960 ist aber auch durch den Wieder- oder Neuaufbau gekennzeichnet. Wie auf der im Februar 1945 statt gefundenen Konferenz von Jalta endgültig beschlossen wurde, erfolgte unmittelbar nach Kriegsende die Einteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen, deren oberste Regierungsgewalt von dem jeweiligen Vertreter der alliierten Mächte übernommen wurde. Ihr gemeinsames Ziel lag unter anderem in der Entmilitarisierung und Entnazifizierung, in der Bestrafung der am Weltkrieg und an den unvergleichlichen Verbrechen des NS-Regimes Schuldigen sowie in der Auferlegung von Reparationskosten.

Doch der Wille zum Aufbau zeigte sich nicht nur im politischen und ökonomischen, sondern auch im kulturellen Bereich, wobei er die traditionellen und konventionellen Bahnen zunächst nur selten verließ. Neben der Musik war das Theater eines der ersten und sichtbarsten Zeichen für den Wiederbeginn des Lebens in Deutschland, das äußerlich sichtbar nur einer Totenlandschaft ähnelte. Klassiker wie Goethes Faust oder Lessings Nathan der Weise standen anfänglich auf dem Spielplan, wurden jedoch schon bald durch brisante Stücke wie Bertolt Brechts Furcht und Elend des Dritten Reiches oder Die Rassen von Ferdinand Bruckner verdrängt. Sie erinnerten an die Ereignisse von 1933 bis 1945 und holten somit die Erinnerungen an die jüngste Vergangenheit wieder ins Bewusstsein der Menschen zurück.2

Auch der Film erfuhr eine rasche Wiederbelebung und bot dem Zuschauer die Möglichkeit, für zwei Stunden in eine andere Welt einzutauchen. Doch auf der Leinwand waren nicht nur harmonische Heimat- und Schlagerfilme zu sehen, sondern auch Filme, die sich mit den verheerenden Ereignissen der letzten Jahre oder der Gegenwartsproblematik auseinandersetzten. Der erste deutsche Nachkriegsfilm Die Mörder sind unter uns ist eine DEFA-Produktion und entstand 1946.3

Für die deutschsprachige Literatur der unmittelbaren Nachkriegszeit haben sich Bezeichnungen wie Trümmerliteratur, Heimkehrerliteratur oder Literatur des Kahlschlags eingebürgert, die in jedem Fall das Programm einer realistischen, auf die Probleme der unmittelbaren Gegenwart bezogenen Literatur meinen. Ihre Entwicklung muss unter Berücksichtigung der territorialen Bedingungen gesehen werden. Demnach unterscheidet man zwischen der westdeutschen Literatur und der Literatur der sowjetischen Besatzungszone (SBZ).

Die ersten Anzeichen einer separaten Literaturentwicklung in Ost und West zeigten sich auf dem ersten und zugleich letzten gesamtdeutschen Schriftstellerkongress, der im Oktober 1947 in Berlin stattfand und auf dem Elisabeth Langgässer und Johannes R. Becher zwei gegensätzliche Literaturkonzepte vorstellten. Während sich die jüdische Schriftstellerin für die Autonomie der Dichtung und ihren Rückzug aus der Politik aussprach, betonte der Präsident des Kulturbundes die gesellschaftliche Verpflichtung der Schriftsteller.4

Johannes R. Becher gehörte neben Bertolt Brecht, Friedrich Wolf, Arnold Zweig, Stefan Heym, Bruno Apitz u.a. zu jenen Autoren, die nach 1945 aus dem Exil nach Deutschland und hier nahezu ausnahmslos in die damalige sowjetische Besatzungszone zurückkehrten und einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der ostdeutschen Literatur nahmen. Anna Seghers begründete ihre Entscheidung, sich im östlichen Teil Deutschlands niederzulassen, mit den Worten: „Weil ich hier die Resonanz haben kann, die sich ein Schriftsteller wünscht. Weil hier ein enger Zusammenhang besteht zwischen dem geschriebenen Wort und dem gelebten Leben. Weil ich hier ausdrücken kann, wozu ich gelebt habe.”5 Die SBZ begrüßte die Exilautoren ebenso wie ihr literarisches Werk. Ihre Erfahrungen waren wichtig für den Prozess, der unter dem Anspruch der allgemeinen antifaschistisch-demokratischen Erneuerung stand. Um den verderblichen Nachlass des Nationalsozialismus zu beseitigen, knüpfte man bewusst am so genannten ‘Erbe’ der klassischen Traditionen deutscher Kultur an. Organisationen wie der Kulturbund, der Aufbau-Verlag und die Wochenzeitung Sonntag bemühten sich um die Pflege des Nachlasses. All das geschah jedoch stets unter Aufsicht und Lenkung der sowjetischen Besatzungsmacht.

Das Ziel der westlichen Siegermächte war es, den deutschen Nationalcharakter durch eine grundlegende Umerziehung nach vornehmlich amerikanischen Mustern zu verändern. Die Bestrebungen der so genannten re-education wurden unter anderem durch eine Reihe literaturpolitischer Maßnahmen wie zum Beispiel Lizenzvergabe, Zensur und Papierzuteilung unterstützt. Bereits während des Sommers 1945 wurden in einzelnen Städten amerikanische Lesesäle und Büchereien eingerichtet. In hohen Auflagen produzierte man Kitsch- und Schundliteratur. Literatur, die sich der zeitgenössischen Realität stellte, war vom Leser nur schwer zu finden, was den Eindruck der Verdrängung des Geschehens erweckte.

Die deutsche Literatur der westlichen Zonen wurde überwiegend von den Autoren der so genannten Inneren Emigration bestimmt, von Schriftstellern also, die Deutschland während des NS-Regimes nicht verlassen hatten. Die in dieser Zeit entstandene Literatur, wie zum Beispiel die Naturlyrik von Gottfried Benn oder Werke von Oskar Loerke und Elisabeth Langgässer, war in der Regel „apolitisch und bar jeglicher Kritik”.6 Neben den inneren Emigranten bestimmten auch Autoren der Jungen Generation das literarische Leben in den westlichen Besatzungszonen. Die Bezeichnung „jung” bezieht sich dabei nicht auf das biologische Alter, sondern vorrangig auf den Rückgriff „auf eine spezifische Generationserfahrung mit dem Anspruch, diese stellvertretend zu formulieren”.7 Zu ihnen zählen nicht nur die Anhänger der Gruppe 47 und Wolfgang Borchert, sondern auch der Einzelgänger Arno Schmidt sowie Ilse Aichinger und Peter Weiss, um nur einige weitere Namen zu nennen. Zu ihren zentralen Themen gehörte unter anderem die Problematik des Kriegsheimkehrers. Das Drama Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert gilt hier als repräsentatives Beispiel.

Wolfgang Borchert gehörte zu denjenigen, die das Inferno des Krieges hautnah miterlebt hatten. Als er nach kurzer Kriegsgefangenschaft 1945 in seine Heimatstadt Hamburg zurückkehrte, blieben ihm nur noch zwei Jahre, um all das hervorzubringen, was in ihm „glühte und gesagt zu werden verlangte”.8 Der Schauspieler und Schriftsteller verfasste nicht nur das bereits erwähnte Drama, sondern schrieb auch zahlreiche Erzählungen, Gedichte sowie Kurzgeschichten, von denen in dieser Arbeit zwei genauer untersucht werden sollen.

1.2. Abgrenzung des Themas

Zur Bearbeitung des Themas „Das Prinzip Hoffnung in den Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert” möchte ich meine Arbeit in einen theoretischen und einen praktischen Teil gliedern.

In Punkt 2.1. werde ich mich zunächst dem Terminus Hoffnung zuwenden und eine für diese Arbeit gültige Definition vorstellen. Im Anschluss daran soll der Versuch unternommen werden, anhand der Erfahrungen meiner Großeltern die Frage nach der Hoffnung im Leben der Menschen nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges zu beantworten. Der Gliederungspunkt 2.3. erfährt besondere Aufmerksamkeit, da dieser für die Bearbeitung des praktischen Teils durchaus relevant ist. Er beschäftigt sich mit den persönlichen Erlebnissen Wolfgang Borcherts und den damit verbundenen hoffnungsvollen Erwartungen.

Punkt 3 wird die wichtigsten Ausführungen zur Gattung der deutschen Kurzgeschichte umfassen. Dazu gehört eine kurze Begriffsbestimmung sowie die Erläuterung der wesentlichsten Kennzeichen. Da Borchert in seinen letzten beiden Lebensjahren unter anderem auch Kurzgeschichten verfasst hat, wird der Vollständigkeit wegen die historische Entwicklung in der Zeit von 1945 bis 1950 kurz aufgezeigt.

Im praktischen Teil soll anhand von zwei selbstgewählten Beispielen die Frage geklärt werden, ob sich das Prinzip Hoffnung in den Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert finden lässt und wenn ja, durch welche Mittel es der Schriftsteller zum Ausdruck bringt. Auf eine umfassende Analyse der beiden Werke soll aufgrund der Schwerpunktsetzung verzichtet werden. Der Nachweis, dass es sich tatsächlich um Kurzgeschichten handelt, wird unter Punkt 4 nicht erbracht, sondern als gegeben vorausgesetzt.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Zitate aus wissenschaftlichen Quellen und älteren Veröffentlichungen sowie die Borcherttexte original übernommen werden. Die Neuregelungen der Rechtschreibung finden in diesen Passagen folglich keine Anwendung.

2. Das Prinzip Hoffnung

2.1. Begriffsdefinition

Das semantische Feld, welches sich um den praktisch-philosophischen Terminus Hoffnung rankt, ist nicht nur weitreichend, sondern auch vielfältig. Der Begriff kam in der jüdischen und christlichen Tradition zur Ausprägung, wo er sich auf die Erlösung beziehungsweise das Reich Gottes bezog und somit zum Bestandteil des religiösen Glaubens wurde.9 Die antike und neuzeitliche Philosophie definiert Hoffnung als eine konträr zur Furcht oder Verzweiflung stehende Grundempfindung des Menschen. In der erkenntniskritischen Philosophie der Neuzeit nutzt man den Begriff meist nur zusammen mit der Warnung, sich von ihr nicht in seinem Leben und Handeln bestimmen zu lassen, da Hoffnung nicht auf sicherem Wissen, sondern vorrangig auf einer bloßen Meinung beruhe. Innerhalb der praktischen Philosophie gewinnt der Terminus durch Immanuel Kants „moralischen Gottesbeweis” an Bedeutung. Der Philosoph geht davon aus, dass diejenigen, die durch ihr moralisches Handeln der Glückseligkeit würdig sind, dieser auch teilhaftig werden und mit der Hoffnung darauf begründet er die Annahme des Ideals des höchsten Gutes, das heißt Gottes, da er diese erfüllen kann.10 In der Philosophie von Ernst Bloch nimmt der Begriff Hoffnung eine zentrale Stellung ein. In ihr sieht er das die Geschichte vorantreibende Prinzip, „das die Menschen zur Entdeckung und zu den Verwirklichungsversuchen ihrer Möglichkeiten bewegt und sie zugleich erkennen läßt, daß das jeweils Erreichte und Bestehende im ‘Noch-Nicht’ der Erfüllung dieser Möglichkeiten verharrt”, das heißt, „der Mensch ist noch nicht, was er sein kann” beziehungsweise „S ist noch nicht P”.11 Blochs Philosophie der Hoffnung hat vor allem die Generation von Schriftstellern stark beeinflusst, die in den zwanziger und dreißiger Jahren geboren wurde.12

Im Hinblick auf die nachfolgenden Abschnitte wird in dieser Arbeit der Begriff Hoffnung als ein Gefühl der Erwartung verstanden, das sich mit einem gewissen Optimismus auf einen noch nicht existierenden, jedoch möglichen Zustand in der Zukunft richtet. Das angestrebte Ziel kann utopischer oder realer Natur sein, dem Wunsch eines einzelnen oder mehrerer Menschen entsprechen und während oder jenseits eines Menschenlebens realisiert werden. Aus der Vorstellung zukünftiger positiver Möglichkeiten erwächst wiederum eine Hoffnung, die zum Motiv und Antrieb des zielorientierten Handelns eines Menschen avancieren kann.13 Im Gegensatz dazu besteht die Gefahr, dass bei ständigen Enttäuschungen und Rückschlägen ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit entsteht, das an den Kräften des Menschen zehrt und ihn in einen Zustand der Gleichgültigkeit versetzt.

Die alltagssprachliche Redewendung vom Prinzip Hoffnung ist immer dann gefragt beziehungsweise wird immer dann beschworen, „wenn man sich in Situationen, die nach menschlichem Ermessen aussichtslos sind, gleichwohl nicht aufgeben mag”.14 Sie beschreibt demnach eine Haltung, aus der Akte des Hoffens auf das Eintreten bestimmter Möglichkeiten und deren Wahrscheinlichkeiten hervorgehen, wobei in ungewissen Situationen auf den noch offenen Ausgang der Zukunft vertraut wird.

2.2. Hoffnung nach der „Stunde Null”

Im Gegensatz zum vorherigen Abschnitt, dessen fachlicher Inhalt der angegebenen Literatur entnommen werden konnte, lassen sich die Ausführungen für die folgenden zwei Kapitel nur schwer in Büchern nachschlagen. Zwar gibt es zahlreiche Werke, die sich mit dem Thema Nachkriegszeit beschäftigen und die auch versuchen, auf die Situation der betroffenen Generation einzugehen, doch was wirklich in den Menschen vorging, können sie uns oftmals nicht verdeutlichen. Es sind die Großeltern und Eltern unserer Mütter und Väter, die wir befragen müssen, um aus ihren persönlichen Erinnerungen und den damit verbundenen Emotionen annähernd eine Vorstellung vom Kriegs- beziehungsweise Nachkriegsalltag zu bekommen. Aufgrund dessen möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die nachfolgenden Ausführungen soweit möglich entsprechender Literatur entnommen wurden, aber andererseits auch auf Erzählungen meiner Großeltern oder persönlichen Vermutungen beruhen und in diesem Fall sicherlich keine allgemeine Gültigkeit besitzen.

In der deutschen Geschichte stellt das Jahr 1945 einen wichtigen Wendepunkt dar. Es gilt als das Ende der zwölfjährigen Herrschaft der Nationalsozialisten und gleichzeitig als Anfang eines neuen historischen Abschnittes. Die Mehrzahl der überlebenden Bevölkerung war zunächst wie gelähmt, doch sollte dieser Zustand nicht lange anhalten und der Nachkriegsalltag sie schon bald einholen. Hungersnot, Arbeitsuche, der Handel auf dem Schwarzmarkt sowie das Beseitigen der Trümmer prägten unter anderem das Bild. Die Machtübernahme der Alliierten wurde nur von wenigen als Befreiung empfunden. Der überwiegende Teil der Bevölkerung erlebte diese als hinzunehmende Demütigung. Hoffnungslosigkeit und ein Gefühl der Gleichgültigkeit breiteten sich aus. Laut Psychologen kann diese Ausweglosigkeit die Lebenskräfte zum Erliegen bringen und bei abruptem Fall sogar tödlich sein.15

Mein Opa war zwölf, als der Krieg ein Ende fand und er unmittelbar mit der Nachkriegssituation konfrontiert wurde. Seine Eltern besaßen etwas Weideland und einen kleinen Wald, wo es immer Arbeit gab. Der Vater war während des Krieges in russische Gefangenschaft geraten und kehrte erst 1949 heim, so dass mein Opa als ältester Sohn einen Großteil der Pflichten des Familienoberhauptes übernehmen musste. „Wenn man plötzlich für seine fünf Geschwister verantwortlich ist, hat man gar nicht die Zeit, in ein tiefes Loch zu fallen. Man lebte und arbeitete von Tag zu Tag und war für alles dankbar. Und worauf hofften wir? Meine Mutter sollte um alles in der Welt gesund bleiben, sonst wäre ich mit den Kleinen ja ganz allein. Meine älteste Schwester Leni sollte doch endlich nach Hause kommen! Sie war Flakhelferin an der Front und wir wussten nicht, ob sie noch lebt. Und unser Vater? Die Hoffnung, dass er den Krieg überlebt hatte, war klein und tat eigentlich richtig weh. Deshalb redeten wir darüber kaum. Wir hatten auch echt andere Sorgen! Mein jüngerer Bruder hatte mit einer Gefahrenkapsel gespielt. Weißt du was das ist? Damals gab es noch keine Handys und wenn ein Zug angehalten werden musste, hat der Bahndammwärter so eine Knallkapsel auf die Schienen geklemmt. Die ist dann unter dem Zug explodiert und der Lockführer wusste Bescheid. Dem Zug hat das nichts ausgemacht, aber mein Bruder war schwer verletzt. Seine Arme, seine Brust waren aufgerissen. In seinem Hals steckte ein Splitter. Wir wohnten drei Kilometer vom nächsten Ort mitten im Wald. Unsere Rettung waren die serbischen Flüchtlinge. Sie hatten einen Wagen und fuhren uns zu einem russischen Militärarzt. Wir hofften zwei Tage und Nächte, dass Hans am Leben blieb. Ist Hoffen und Wünschen eigentlich dasselbe? Auf alle Fälle waren es, glaube ich, gerade diese Hoffnungen, die uns jeden Tag halfen, unsere Pflichten so gut es ging zu erfüllen.”

[...]


1 Vgl. BpB, Informationen zur politischen Bildung, 1998, S. 6, Sp. 1

2 Vgl. Hoffmann, H./ Klotz, H., Die Kultur unseres Jahrhunderts, 1991, S. 78, Sp. 1 f.

3 Vgl. ebd., S. 137, Sp. 2

4 Vgl. Glaser, H. A., Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1995, 1997, S. 51 f.

5 Beutin, W. u.a., Deutsche Literaturgeschichte, 2001 6, S. 482

6 Vgl. Hoffmann, H./ Klotz, H., Die Kultur unseres Jahrhunderts, 1991, S. 64, Sp. 1

7 Winter, H.-G., „Uns selbst mussten wir misstrauen”, 2002, S. 11

8 Meyer-Marwitz, B., in: Wolfgang Borchert. Das Gesamtwerk, 2002 4, S. 325

9 Vgl. Ulfig, A., Lexikon der philosophischen Begriffe, 1997², S. 179

10 Vgl. Mittelstraß, J., Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie (Bd. 2), 1984, S. 119, Sp. 1

11 ebd., S. 119, Sp. 1

12 Vgl. Kirchner, V., Im Bann der Utopie, 2002, S. 10

13 Vgl. Rehfus, Wulff D., Handwörterbuch Philosophie, 2003, S. 389 f.

14 Sandkühler, H.-J., Enzyklopädie Philosophie (Bd. 1), 1999, S. 557, Sp. 2

15 Vgl. www.50plus.at/Default.htm?http%3A//www.50plus.at/gesundheit/hoffnung.htm

Details

Seiten
24
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638357326
ISBN (Buch)
9783638806282
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35975
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Prinzip Hoffnung Kurzgeschichten Wolfgang Borchert Nachkriegsliteratur Thema Die drei dunklen Könige

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Titel: Das Prinzip Hoffnung in den Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert