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Rentabilitätsanalyse auf der Grundlage von IAS/IFRS- Abschlüssen

Diplomarbeit 2004 49 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit

2 Rentabilitätsanalyse
2.1 Begriff der Rentabilität
2.2 Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten der Rentabilitätsanalyse
2.3 Ableitung und Aussagegehalt von Rentabilitätskennzahlen...
2.3.1 Kapitalbasierte Rentabilitätskennzahlen
2.3.2 Umsatzbasierte Rentabilitätskennzahlen
2.3.3 Vermögensbasierte Rentabilitätskennzahlen

3 Rechnungslegung nach IAS/IFRS
3.1 Grundlagen und Zielsetzung von IAS / IFRS
3.2 Rechnungslegungsgrundsätze nach IAS/IFRS
3.2.1 Übergeordnete Rechnungslegungsgrundsätze
3.2.2 Untergeordnete Rechnungslegungsgrundsätze
3.3 Bestandteile des IAS/IFRS-Jahresabschlusses
3.3.1 Die Bilanz
3.3.2 Die Gewinn- und Verlustrechnung
3.3.3 Die Kapitalflussrechnung

4 Ermittlung von Rentabilitätskennzahlen aus dem IAS / IFRS- Abschluss
4.1 Kapitalbasierte Rentabilitätskennzahlen
4.2 Umsatzbasierte Rentabilitätskennzahlen
4.3 Vermögensbasierte Rentabilitätskennzahlen

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kombinatorische Möglichkeiten der Rentabilitätskennzahlen

Abbildung 2: Schema zur Bereinigung Jahresüberschusses, in einem nach HGB-Vorschriften erstellten Abschluss (Anhang)

Abbildung 3: Schema zur Bereinigung Eigenkapitals, in einem nach HGB- Vorschriften erstellten Abschluss (Anhang)

Abbildung 4: Bestandteile des ordentlichen Betriebsergebnisses nach HGB (Anhang)

Abbildung 5: Organisationsstruktur der IASCF

Abbildung 6: Systematik der Rechnungslegungsgrundsätzen nach IAS/IFRS

Abbildung 7: Bestandteile der Rechnungslegung nach IAS und HGB im Vergleich (Anhang)

Abbildung 8: Gliederungsvorschlag für die Bilanz nach IAS (Anhang)

Abbildung 9: Mindestinhalt der Gewinn- und Verlustrechnung nach IAS 1.75

Abbildung 10: Ordentliches Betriebsergebnis nach IAS/IFRS

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit

Die Jahresabschlussanalyse dient dem Unternehmen und den etwaigen externen Interessenten zur Beurteilung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage und der künftigen Entwicklung des Unternehmens im Zeitverlauf sowie zur Bestimmung seiner Position im Wettbewerb. Die Jahresabschlussanalyse ist nicht wegzudenken, denn erst dadurch erhält man entscheidungsrelevante Daten für die Beurteilung des Unternehmens. Da die Analyse auf den Informationen des Jahresabschlusses basiert, ist es notwendig, die angewendeten Rechnungslegungsvorschriften zu beachten.

Im Zuge der zunehmenden Globalisierung der Märkte wächst der internationale grenzenübergreifende Wettbewerb, folglich steigt das Interesse der Unternehmen an der Entwicklung und Anwendung der internationalen Rechnungslegungsvorschriften. Ab 2005 sind alle kapitalmarktorientierte Gesellschaften der EU-Staaten verpflichtet ihre konsolidierten Jahresabschlusse nach internationalen Rechnungslegungsstandards (d.h. nach IAS/IFRS) zu gestalten. Die vorher nach US-GAAP bilanzierenden Konzerne haben eine Frist bis 2007, um ihre Abschlüsse nach IAS umzustellen. Außerdem besteht für die nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen ein Wahlrecht in Bezug auf Anwendung von IAS.1 Damit ist es unumgänglich, dass auch jegliche Art von wirtschaftlichen Analysen auf der Grundlage von IAS/IFRS-Abschlussdaten durchgeführt wird.

In der vorliegenden Arbeit wird ein Teil der erfolgswirtschaftlichen Analyse, die Rentabilitätsanalyse, auf den Grundlagen des IAS-Abschlusses untersucht. Des Weiteren wird darin auf die Frage eingegangen, ob und inwieweit sich der Aussagegehalt der Rentabilitätskennzahlen durch Anwendung der IAS/IFRS- Vorschriften im Vergleich zu den HGB-Vorschriften ändert.

Zunächst wird das Konzept der Rentabilitätsanalyse (Kapitel 2) erläutert. Dabei wird auf den Begriff „Rentabilität“ eingegangen (Abschnitt 2.1), und Aufgaben der Rentabilitätsanalyse mit unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten dargelegt (Abschnitt 2.2). Im weiteren Verlauf werden die Ableitung und Aussagegehalt der

Rentabilitätskennzahlen ausführlich beschrieben (Abschnitt 2.3). Da die Internationale Rechnungslegung eine wichtige Stelle in dieser Arbeit einnimmt, befasst sich Kapitel 3 ausschließlich damit. Dabei wird auf Grundlagen, Zielsetzung (Abschnitt 3.1) und auf Rechnungslegungsgrundsätze (Abschnitt 3.2) von IAS / IFRS eingegangen. Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Ermittlung von Rentabilitätskennzahlen aus dem IAS / IFRS- Abschluss (Kapitel 4). Abschließend werden im Kapitel 5 die Ergebnisse zusammenfassend dargestellt.

2 Rentabilitätsanalyse

Die Rentabilitätsanalyse ist ein wichtiger Teil der erfolgswirtschaftlichen Analyse, mit dem Ziel, Erkenntnisse über Ertragskraft, Erfolge oder Misserfolge eines Unternehmens zu gewinnen. Zusammen mit anderen Kennzahlen der erfolgswirtschaftlichen Analyse ermöglichen Rentabilitätskennzahlen eine hinreichend genaue Beurteilung der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens. Aus der Rentabilitätsanalyse gewonnene Informationen bilden eine Grundlage für Entscheidungen der Unternehmungsleitung, der Anteilseigener und auch der Gläubiger.2

Rentabilitätskennzahlen werden nicht nur bei der Bilanz- und Finanzanalyse eingesetzt, sondern finden ihre Anwendung auch im Rahmen der Investitionsrechnung sowie als Planungs- und Steuerungsinstrument. Das lässt Rückschlüsse auf die große praktische Bedeutung der Rentabilitätsanalyse ziehen.3

2.1 Begriff der Rentabilität

Die Rentabilität wird durch eine Beziehungszahl dargestellt, wobei eine erwirtschaftete Ergebnisgröße zu einer vermuteten Einflussgröße in Relation gesetzt wird. Die Rentabilität gibt an, in welcher Höhe sich das Kapital in einer Abrechnungsperiode verzinst hat.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Rentabilität handelt es sich um eine Verhältniszahl, die einen sachlogischen Zusammenhang - eine Ursache-Wirkungs-Beziehung - zwischen Zähler und Nenner zeigt. Die ermittelte Relation zeigt eine wertmäßige Ertragskraft einer Bezugsgröße.

Als Bezugs- oder Einflussgröße kommt Folgendes in Betracht:

- das Kapital in den verschiedensten Dimensionen,
- die Umsatzerlöse oder
- das Vermögen.

An Stelle von Erfolgs- bzw. Ergebnisgröße können

- Jahresergebnis (vor oder nach Steuern),
- der ordentliche Betriebserfolg,
- verschiedene Cashflow- Ausführungen eingesetzt werden.5

Durch unterschiedliche Kombinationen der Bezugs- und Ergebnisgrößen ergibt sich eine Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten der Rentabilitätskennzahlen, von denen einige im nächsten Kapitel verdeutlicht werden.

2.2 Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten der Rentabilitätsanalyse

Die Aufgabe der Rentabilitätsanalyse besteht im Wesentlichen in der Lieferung von Informationen über die Ertragskraft eines Unternehmens und Aufdeckung der Ursachen für ein profitables oder unwirtschaftliches Ergebnis durch detaillierte Aufstellung der Daten. Dabei kann die Rentabilitätsrechnung sowohl für interne als auch für externe Zwecke eingesetzt werden.6

Die Gestaltungsmöglichkeiten der Rentabilitätsanalyse sind vielfältig und von der jeweiligen Aufgabe oder Funktion, die sie erfüllen soll, geprägt. Im Folgenden werden Gestaltungsmöglichkeiten der Rentabilitätsanalyse und die entsprechenden Aufgaben, die damit erfüllt werden, aufgezeigt:

- Außer als relative Erfolgsgröße kann Rentabilität ebenso als absolute Größe dargestellt werden. Dabei zeigt die absolute Rentabilität den erwirtschafteten Überschuss des Ergebnisses über dem Einsatz von einer Unternehmung in einer Abrechnungsperiode. Ist diese Differenz positiv bzw. zeigt ein Unternehmen einen Gewinn, so ist es rentabel. Weil die absolute Ergebnisgröße weniger aussagefähig ist, wird in der Praxis die relative Rentabilitätsgröße mehr beachtet.7 Deshalb werden in dieser Arbeit auch nur die relativen Rentabilitäten behandelt.
- Die Rentabilitätsanalyse kann sowohl auf das ganze Unternehmen als auch auf deren Teilbereiche, Abteilungen, Produktionsbereiche usw. bezogen werden. Als Instrument der Unternehmungsführung bei den Großunternehmen wird die spartenorientierte Rentabilität besonders oft errechnet. In diesem Zusammenhang ermöglicht die Rentabilitätsrechnung einen innerbetrieblichen Vergleich und erfüllt Aufgaben der Unternehmungssteuerung.
- Darüber hinaus erlaubt die Rentabilitätsanalyse den zwischenbetrieblichen Vergleich. Dabei werden Rentabilitäten von Unternehmen einer oder auch unterschiedlichen Branchen miteinander verglichen. Da es sich bei der Rentabilitätsanalyse um eine relativierte Erfolgsrechnung handelt, ist es möglich, einen Vergleich zwischen Unternehmen oder Branchen durchzuführen, ohne dass es zu einer Verzerrung der Kennzahlen durch die unterschiedlichen Unternehmensgrößen kommt. Hier wird ein Unternehmen als ein Teil des gesamten wirtschaftlichen Systems betrachtet.8
- Die Rentabilitätsrechnung wird ebenso bei Investitionsentscheidungen eingesetzt. Dabei wird mit Hilfe von statischer und dynamischer Rentabilitätsrechnung die Vorteilhaftigkeit einzelner Investitionsobjekte beurteilt. Hier spricht man von der objektbezogenen Rentabilitätsrechnung. In diesem Fall trägt die Rentabilitätsrechnung dazu bei, eine Investitionsentscheidung zu treffen.
- Die Rentabilitätsanalysen können auf der Grundlage unterschiedlicher Zeiträume durchgeführt werden (z.B. monatlich, quartalsweise oder jährlich) und erlauben somit einen zeitlichen Vergleich.
- Die Rentabilität kann ebenso auf Basis von Ist- und Plangrößen berechnet werden und damit die Funktion der Soll-Ist-Vergleichsrechnung erfüllen.
- Die Rentabilitätsanalyse kann auf der Grundlage von internen oder externen Daten beruhen. Dabei basiert die interne Analyse auf den wesentlich umfangreicheren und detaillierten Angaben und dient als ein innerbetriebliches Kontrollinstrument. Die externe Rentabilitätsprüfung kann sich dagegen nur der veröffentlichen Angaben bedienen und ist für die aktuellen oder potentiellen Kapitalgeber sowie Mitbewerber besonders interessant.
- Durch Zusammensetzen mehrerer Kennzahlen kann ein Kennzahlensystem gestaltet werden. Während eine einzelne Rentabilitätskennzahl keine adäquate und ausreichende Aussagefähigkeit bei der Beurteilung eines Unternehmens liefern kann, ist es mit dem Kennzahlensystem möglich, Interdependenzen zwischen einzelnen Kennzahlen aufzuzeichnen und zu untersuchen. Kennzahlensysteme ermöglichen eine bessere und aktuellere Kontrolle und Steuerung eines Unternehmens.9

2.3 Ableitung und Aussagegehalt von Rentabilitätskennzahlen

Die Systematisierung der Rentabilitätskennzahlen kann nach der Einflussgröße oder nach der Ergebnisgröße erfolgen. Entsprechend der Wahl der Einflussgröße klassifiziert man Rentabilität in

- kapitalbasierte Rentabilität, z.B. Gewinn/ Kapital,
- umsatzbasierte Rentabilität, z.B. Gewinn/ Umsatz und
- vermögensbasierte Rentabilität, z.B. Ergebnis/ betriebsnotwendiges Vermögen.10

Wird Rentabilität nach der Ergebnisgröße differenziert, so ist zu unterscheiden, ob die Ergebnisgröße der GuV oder der Cashflow-Rechnung verwendet wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kombinatorische Möglichkeiten der Rentabilitätskennzahlen

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Kirsch, H. [a] (2004) S.261

Die Grundlagen für die Rentabilitätskennzahlen werden aus Jahresabschluss gewonnen, wobei es von Bedeutung ist nach welchen Rechnungslegung diese aufgestellt worden sind. Wird die Rentabilitätsanalyse auf Grundlage des HGB- Abschlusses gemacht, ist es empfehlenswert, mit den bereinigten Werten zu operieren. Die Bereinigungsmaßnahmen sind nötig, um die Verzerrungen zu eliminieren, die aufgrund steuerlicher Maßgeblichkeit und ihrer Rückwirkung und wegen der wahrgenommenen Bilanzansatz- und Bewertungswahlrechten entstanden sind.11 Genauer wird auf die unterschiedliche Behandlung von HGB und IAS im Kapitel 4 eingegangen.

Im folgenden Abschnitt werden die Ableitung und die Aussagegehalt der ausgewählten Rentabilitätskennzahlen entsprechend der Systematisierung nach Einflussgrößen dargestellt.

2.3.1 Kapitalbasierte Rentabilitätskennzahlen

Zu den kapitalbasierten Rentabilitätskennzahlen zählen Eigenkapitalrentabilität, Gesamtkapitalrentabilität und Cashflow-Gesamtkapitalrentabilität.

Die Eigenkapitalrentabilität wird durch eine Beziehung zwischen dem Jahresüberschuss/-fehlbetrag und dem hierfür durchschnittlich eingesetzten Eigenkapital gebildet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sowohl der Jahresüberschuss als auch das Eigenkapital können jeweils direkt aus dem offengelegten Abschluss entnommen und eventuell bereinigt werden.12 Es ist zu beachten, dass die Kapitalgröße immer als Durchschnittswert aus Jahresanfangs- und Jahresendbestand in die Rechnung genommen werden soll, da Zähler und Nenner einheitlich durch eine (dynamische) Stromgröße präsentiert werden müssen.13

Von besonderer Bedeutung ist die Eigenkapitalrentabilität für die Unternehmenseigner, denn diese Größe, die als Unternehmerrendite bezeichnet wird, zeigt, inwieweit das monetäre Unternehmensziel - Einkommen bzw. Gewinn für die Anteilseigner zu erzielen - erreicht wurde. Eine hohe Rentabilitätskennzahl zeigt, dass ein Unternehmen fähig ist, Gewinne zu erwirtschaften, zu investieren und Risiken zu tragen. Sie weckt somit das Interesse der Investoren und begünstigt die Kapitalbeschaffung. Folglich zeigt diese Kennzahl die Profitabilität des in diesem Unternehmen gebundenen Eigenkapitals an.14

Die Gesamtkapitalrentabilität gibt die Höhe der Verzinsung des gesamten in einem Unternehmen eingesetzten Kapitals an. Im Gegensatz zu der Eigenkapitalrentabilität wird hier Jahresüberschuss/-fehlbetrag zuzüglich Zins- und Steueraufwand in Beziehung zu dem Gesamtkapital gesetzt:15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da es sich hier um eine Gesamtkapitalrentabilität handelt, wird der Einfluss der Finanzierungsstruktur (=Relation Eigen-/Fremdkapital) neutralisiert. Dieses geschieht zum einen dadurch, dass die Kapitalgröße nicht nach ihrer Herkunft aufgegliedert, sondern in ihrer Gesamtheit berücksichtigt wird und zum anderen durch die Addition der Fremdkapitalzinsen zum Jahresüberschuss/-fehlbetrag. Die Fremdkapitalzinsen müssen konsequenterweise hinzuaddiert werden, weil sie durch das investierte Kapital erwirtschaftet worden sind. Um die Einwirkung unterschiedlicher Steuersätze auf Unternehmen verschiedener Rechtsformen zu berücksichtigen, werden Steuern vom Einkommen und Ertrag hinzugerechnet. Dieser Vorgang ermöglicht einen Vergleich zwischen Unternehmen mit unterschiedlichen Kapitalstrukturen (Verhältnissen von Eigen- und Fremdkapital).16

Bei dieser Kennzahl wird die Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens beurteilt. Deswegen wird Gesamtrentabilität als Unternehmensrendite bezeichnet.17 Man spricht von der Profitabilität des insgesamt im Unternehmen durchschnittlich gebundenen Kapitals.

Eine weitere Variante der Formel ergibt sich bei der Betrachtung der Gesamtkapitalrentabilität nach Abzug von Ertragsteuern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Variante hat eine besondere Bedeutung bei der Betrachtung der Gesamtkapitalrentabilität in ihrer Wechselwirkung zur Eigenkapitalrentabilität mittels des Laverage-Effektes18, da die Eigenkapitalgröße als Nachsteuer-Größe analysiert wird. Bei der Untersuchung des Leverage-Effektes wird die Gesamtkapitalrentabilität mit dem Zinssatz des Fremdkapitals verglichen. Ist die Gesamtkapitalrentabilität größer als der Fremdkapitalzinssatz, kann offenbar ein höherer Gewinn erzielt werden, als an Zinsen für Fremdkapital zu zahlen ist.

Daraus wird abgeleitet, ob eine weitere Fremdkapitalaufnahme noch weitere Gewinnsteigerung mit sich bringt. Da die Eigenkapitalrentabilität durch das Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital mitbestimmt wird, kommt es zu einer Erhöhung der Eigenkapitalrentabilität (Leverage-Effekt).19

„Die Cashflow-Gesamtkapitalrentabilität gibt an, wie viel Prozent Einzahlungsüberschüsse das Unternehmen auf das durchschnittlich eingesetzte Gesamtkapital erwirtschaftet.“20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die hierfür verwendete Cashflow-Größe setzt sich bei der indirekten Ableitung aus folgenden Bestandteilen zusammen21:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Vorteil der Cashflow-Gesamtkapitalrentabilität liegt darin, dass die Cashflow- Größe im Gegensatz zu dem Jahresüberschuss weniger durch bilanzpolitische Maßnahmen (Abschreibungs- und Rückstellungspolitik bzw. Anwendung der Wahlrechte) beeinflusst wird.22 Lediglich ein Leasing-Geschäft größeren Umfangs kann bei dem Leasing-Nehmer eine Auswirkung auf die Cashflow-Größe ergeben und somit die Rentabilitätskennzahl beeinflussen. Der geleaste Gegenstand wird nur bei dem Leasing-Geber und nicht bei dem Leasing-Nehmer aktiviert und abgeschrieben. An Stelle der Abschreibungen tritt beim Leasing-Nehmer nur ein Teil der Leasing-Gebühr, der unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst wird und somit nicht zum Cashflow gerechnet werden kann. Dadurch wird beim Leasing-Nehmer ein geringerer Cashflow ausfallen als beim Käufer der gleichen Anlage.23

Die Rentabilitäten auf Basis von Cashflow-Größe sind in der Regel höher als die auf dem Jahresüberschuss basierende Rentabilitäten, weil die Abnutzung der Investitionsgüter nicht berücksichtigt wird.24 Die Cashflow- Gesamtkapitalrentabilität wird in Verbindung mit anderen Kennzahlen betrachtet und häufig als Schätzung für den Cashflow Return on Investment (CFROI) 25 verwendet.

Zur Absicherung der Aussage der Gesamtkapitalrentabilität und auch der Rentabilität des betriebsnotwendigen Vermögens wird oft die Rentabilität des langfristigen Kapitals berechnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Berechnung auf Basis des langfristigen Kapitals bietet den Vorteil, dass langfristig gebundenes Kapital keinen großen Schwankungen ausgesetzt ist, wie das beim kurzfristigen Vermögen und beim kurzfristigen Kapital der Fall ist.26 Das langfristige Kapital setzt sich aus dem Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital zusammen. Wobei das langfristige Fremdkapital folgende Positionen enthält27:

Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit >5 Jahre (Anhang, §285 Nr.1 HGB)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.2 Umsatzbasierte Rentabilitätskennzahlen

In diesem Abschnitt wird auf Umsatzrentabilität und Cashflow-Umsatzrentabilität eingegangen.

Die Umsatzrentabilität gibt einen Aufschluss über eine positive oder negative Entwicklung bzw. über die relative Erfolgssituation des Unternehmens im Zeit- und Betriebsvergleich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Umsatzrentabilität zeigt den Anteil28 der Gewinnerzielung, der aus dem Umsatzprozess (bzw. aus der operativen Tätigkeit) zustande kommt. Die Umsatzerlöse und ordentliches Betriebsergebnis werden aus der Gewinn- und Verlustrechnung entnommen. Das ordentliche Betriebsergebnis ist dabei um außergewöhnliche Effekte zu bereinigen29, wobei unterschiedliche Möglichkeiten der Erstellung von GuV-Rechnung (Gesamt- oder Umsatzkostenverfahren) beachtet werden sollen.30

Besonders wichtig ist diese Kennzahl, weil in ihr sowohl vom Markt bestimmte Faktoren wie Absatzmengen und Preise (in Umsatzerlösen), als auch die intern beeinflussbaren Größen, wie erfassten Aufwendungen (im Betriebserfolg) berücksichtigt werden.

Im Zeitvergleich können negative oder rückläufige Umsatzrentabilitäten entweder ein Symptom für eine schlechte gesamtwirtschaftliche Entwicklung oder ein Signal für eine schlechte Geschäftsführung sein. Außerdem können veränderte Betriebsleistungen, neues Fertigungsprogramm oder Umstrukturierung des Kundenkreises eine Ursache für Veränderungen der Umsatzrendite sein.31

[...]


1 vgl. Coenenberg, A. G. (2003) S. 23

2 vgl. Gräfer, H. (2001) S. 91

3 vgl. Küting, K./ Weber, C.P. (2001) S.290

4 vgl. Coenenberg, A.G. (2003) S. 1040

5 vgl. Baetge, J. (1998) S. 425ff.

6 ebd. S. 423

7 vgl. Küting, K./ Weber, C.P. (2001) S.292f.

8 vgl. Baetge, J. (1998) S. 424f.

9 vgl. Küting, K./ Weber, C.P. (2001) S.292f. und Baetge, J. (1998) S. 424f.

10 Kirsch, H. [a] (2004) S. 261

11 vgl. Coenenberg, A.G. (2003) S. 926 und 994f.

12 Bereinigung des Jahresüberschusses und des Eigenkapitals siehe Abb. 2 und 3 im Anhang

13 vgl. Coenenberg, A.G. (2003) S. 1042

14 vgl. Gräfer, H. (2001) S. 92f. und Kirsch, H. [a] (2004) S. 262

15 Coenenberg, A.G. (2003) S. 1052

16 vgl. Gräfer, H. (2001) S. 94 und Küting, K./ Weber, C.P. (2001) S. 296

17 vgl. Gräfer, H. (2001) S. 94

18 Als Leverage-Effekt wird Verbesserung des Eigenkapitals durch die Hebelwirkung des Fremdkapitals bezeichnet. Solange die Gesamtkapitalrentabilität den Fremdkapitalzinssatz übersteigt, kann das Unternehmen seine Eigenkapitalrentabilität durch die Aufnahme zusätzlichen Fremdkapitals erhöhen. Baetge, J. (1998) S. 436

19 vgl. Coenenberg, A.G. (2003) S. 1055 und Bieg, H./ Kussmaul, H. (2003) S. 320f.

20 Kirsch, H. [a] (2004) S. 262

21 In der Literatur sind zahlreiche mehr oder weniger unterschiedliche Definitionen des Cashflows vorzufinden. In dieser Arbeit wird von hier dargestellter nach indirekter Ableitung erfolgten Definition ausgegangen. Vgl. dazu Coenenberg, A. G. (2003) S. 973, Bieg, H./ Kussmaul, H. (2003) S. 326 und Baetge, J. (1998) S. 418

22 vgl. Bieg, H./ Kussmaul, H. (2003) S. 326 und Baetge, J. (1998) S. 455

23 vgl. Riebell, C./Grün, D.J. (2003) S. 66. Große und mittelgroße Kapitalgesellschaften müssen gemäß § 285 Nr. 3 HGB mehrjährige Verpflichtungen aus Miet- und Leasing-Verträgen im Anhang angeben. Das ermöglicht die Berücksichtigung daraus folgender Effekte auf die Rentabilitätsanalyse.

24 Küting, K./ Weber, C.P. (2001) S. 307

25 CFROI wird im Kapitel 2.3.3 Vermögensbasierte Rentabilitätskennzahlen beschrieben.

26 Vgl. Coenenberg, A. G. (2003) S. 1056 und Kirsch, H.[a] (2003) S. 262

27 Coenenberg, A. G. (2003) S. 931

28 Nach dieser Formel errechnete Umsatzrentabilität wird auch „betriebsbezogene Umsatzrentabilität“ genannt.

29 Ableitung des ordentlichen Betriebsergebnisses siehe Abb. 4 im Anhang

30 Aus Vereinfachungsgründen wird manchmal Jahresüberschuss anstelle des Betriebserfolges in die Formel eingesetzt. Das führt aber zu einem ungenauen Ergebnis, weil es keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen den Umsatzerlösen und dem Jahresüberschuss gibt. Gräfer, H. (2001) S. 96f.

31 vgl. Gräfer, H. (2001) S. 96f.

Details

Seiten
49
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638357296
ISBN (Buch)
9783640315536
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35972
Institution / Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)
Note
1,75
Schlagworte
Rentabilitätsanalyse Grundlage IAS/IFRS- Abschlüssen

Autor

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Titel: Rentabilitätsanalyse auf der Grundlage von IAS/IFRS- Abschlüssen