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Die Geburt der Kinematographie. Wie die Gebrüder Lumière die Welt veränderten

Hausarbeit 2017 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Gesellschaft vor der Erfindung der Kinematografie - Massenmedien und kulturelle Rezeption im 19. Jahrhundert

3 Die Entstehung des bewegten Bilds

4 Die Gesellschaft nach der Erfindung der Kinematografie - Massenmedien und kulturelle Rezeption bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im März 1895 präsentierten die Brüder Auguste Marie Louis Nicolas Lumière und Louis Jean Lumière den ersten Film. Das bewegte Bild gilt neben der Fotografie und dem gedruckten Wort als eine der größten medialen Errungenschaften der Menschheit. Die erste Filmvorführung fand im Dezember desselben Jahres statt und gilt als Geburtsstunde des Films und vor allem des Kinos.

Doch wie konnte sich das Medium Kino durch die Erfindung der Gebrüder Lumière entwickeln und welche Bedeutungsentwicklung hat es bis heute?

Um zu verstehen in wie fern die Gebrüder Lumière mit ihrer Entwicklung des Cinématographe die Welt der Massenmedien verändert haben, sind zunächst die Bedeutung des Medium Film, des Kinos und der Massenmedien zu erläutern.

Dem Medium Film werden im allgemeinen drei hauptsächliche Bedeutungen beigemessen. Zum einen ist der Film ein bedeutendes Massenmedium. Es liefert Informationen und hat Einfluss auf die Bewusstseinsbildung. Als Massenmedium werden im Allgemeinen Kommunikationsmittel zur Verbreitung von Informationen in der Öffentlichkeit bezeichnet. Kennzeichnend ist hierbei, dass die Verbreitung wesentlich schneller funktioniert als bei der Individualkommunikation. Allerdings sind bei Massenmedien auch höhere Streuverluste zu verzeichnen. Nach Gustave Le Bon sind Menschen in der Masse impulsiv, empfänglich für Suggestionen, leichtgläubig, kritiklos, simpel und fanatisch:

„Im Sinne [Gustave] Le Bons wurde dem Film die Fähigkeit zugeschrieben, das Publikum beliebig manipulieren zu können. Nach massenpsychologischer Auffassung geschieht die Rezeption des Films vor allem auf emotionaler, unbewußter Ebene; der Zuschauer befindet sich in einem Zustand der Ichschwäche. Der Film übernimmt, als autoritärer Führer, die Rolle des Hypnotiseurs, seine »verhängnisvolle Suggestion« rüttelt die Leidenschaft ungebildeter Menschen auf.“1

Der technische und finanzielle Aufwand der Produktion professioneller Filme gibt dem Medium Film eine wirtschaftliche Bedeutung. Außerdem kann der Film als Kunstgattung verstanden werden.

Das Kino stellte dabei die erste Möglichkeit dar, überhaupt bewegte Bilder zu sehen, vor allem für die spätere Arbeiterklasse. In den Anfängen des Kinos wurde ein besuch bald zum Erlebnis, etwa wie ein Besuch in der Oper oder im Theater, es hatte Einfluss auf den eigenen sozialen Stand. Das Kino verlor jedoch sehr schnell seine Bedeutung und zwar zu jenem Zeitpunkt als die Technik zum Abspielen bewegter Bilderfürjeden käuflich war.

Die Gebrüder Lumière sind in diesem Zusammenhang für das Kino dahingehend bedeutsam, als dass sie die erste Möglichkeit einer als solches zu bezeichnenden Kinovorstellung erschufen, dahingehend ist sich die Literatur weitestgehend einig. Gérard Betton sagt dazu:

„Le mérite de l’invention du cinématographe revient incontestablement á un Français: Louis Muière (1864-1984) [Dans ses travaux, Louis Munière était assistè de son frère Auguste (1862-1954)]. La première représentation publique a lieu, le 22 mars 1895, devant la Scoiété d’Encouragement ßa l’Indsutrie nationale sous la présidence de l’astronome Mascart, président de l’Adadémie des Sciences. A partir du 28 décembre de la même année, dans le sous-sol du Grand Café, à Paris, le cinématographe de Lumière devient véritablement un spectacle public [Dans les débuts, un même appareil servait à la fois pour la prise de vues et pout la projection sur l’écran.].“[1]

Dies bestätigt ebenso Daniel Fritsch in seinem Buch Georg Simmel im Kino. Die Soziologie des frühen Films und das AbenteuerderModerne: „Kurz vor dem Jahrhundertwechsel, 1895, erlebt die Kinematographie ihre Geburtsstunde und führt fragmentarisch fotografische Aufnahmen in eine scheinbar fließende Bewegung über.“[2]

2 Die Gesellschaft vor der Erfindung der Kinematografie - Massenmedien und kulturelle Rezeption im 19. Jahrhundert

Der Kunsthistoriker Onathan Crary spricht im Zusammenhang des 19. Jahrhunderts von einer Erneuerung des visuellen Raums, er bezeichnet diese Epoche als eine „Neu- und Umstrukturierung des Sehens“[3]. Während das Medium Zeitung mit den Karlsbader Beschlüssen 1819 eine stark geregelte Zensur erfährt, gewinnt das Medium Bild zunehmend an Bedeutung. 1830 wird die Fotografie entwickelt, das ältestes bekanntes Foto stammt aus dem Jahr 1826. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert erfährt die Fotografie massenhafte Verbreitung im alltäglichen Gebrauch der Bürger durch die Zeitung und 1843 erscheint die erste deutsche Illustrierte. Fotografie wird dabei auch zunehmend als Mittel der Kriegsberichterstattung genutzt, der Krimkrieg 1853 gilt das der erste vollständig fotografisch dokumentierte Krieg. Hier beginnen auch die ersten Versuche der Fotomanipulation, aus propagandistischen Interessen heraus. Die visuelle Wahrnehmung der Menschen verändert sich stark.

Neben der Fotografie sind jedoch auch das Stereoskop und das Panorama beliebte visuelle Medien, wie Fritsch formuliert: „Im 19. Jahrhundert sind die Panoramen eine bedeutende Form der Vergnügungskultur in Europa und Nordamerika.“[4]. Dabei, so schreibt Fritsch weiter, soll das Panorama, wie später auch das Kino, die Illusion einer realistischen Darstellung erzeugen:

„In den Panoramen stehen die Bilder noch still. Ihre Bilder laden dazu ein, den Blick beliebig lange über das unbewegte Gemälde schweifen zu lassen, bei einzelnen Szenen zu verharren und über andere hinwegzuschauen. Um das gesamte Bild zu erfassen, kann der Betrachter auf der runden Plattform im Kreis gehen oder diese auch überqueren. Die runde Fläche gibt keine gezielte Richtung vor.“[5]

1837 entwickelt Samuel Morse den ersten Schreibtelegraphen und ermöglicht somit die Telekommunikation mittels Morse-Alphabet als elektrische Signale. 1866 wird nach mehreren gescheiterten Versuchen die erste Telegraphenverbindung zwischen Europa und Nordamerika hergestellt und 1870 ist bereits ein Großteil derWelt vernetzt.

1855 wird in Berlin die erste Litfaßsäule aufgestellt, eine der wichtigsten Plattformen für Plakate, die damals das wichtigstes Mittel für Werbung und Verbreitung öffentlicher Informationen waren.

1870 wird die Postkarte eingeführt, zunächst als Geschäftskorrespondenz und Brieftelegramm, ab 1871 auch als Ansichtskarte, die in den Kriegszeiten des frühen 20. Jahrhunderts auch als Frontpost sehr große Bedeutung erlangt.

Seit den 1830er Jahren gab es zudem Bemühungen um die Entwicklung von Fernsprechern. 1876 gelang es Alexander Graham Bell das erste funktionsfähige Telefon vorzustellen. Diese Erfindung bildet später eine Grundlage für den Tonfilm.

Eine weitere Grundlage schafft Thomas Edison 1877 mit dem Phonographen. Nun veränderte sich neben der visuellen Wahrnehmung der Menschen auch die akustische Wahrnehmung. Das Kino etablierte sich somit, nach Fritsch, in einer Zeit der Neuerung und Modernisierung, die Gesellschaft befindet sich zu diesem Zeitpunkt in einem allgemeinen Umbruch: „Ihr [die Epoche des frühen Films] Beginn wird oft mit der „Entwicklung der modernen Industriegesellschaften in Europa“[6] verknüpft.“[7].

[...]


[1] Betton, Gérard: Histoire du cinéma. Centans de cinéma mondial (Des origines à 1995), 5e édition corrigée, Paris 1997, S. 4f.

[2] Fritsch, Daniel: Georg Simmel im Kino. Die Soziologie des frühen Films unddas AbenteuerderModerne, Bielefeld 2009, S.11.

[3] Crary, Jonathan: Techniken des Betrachters: Sehen undModerne im 19. Jahrhundert, Dresden 1996, S. 13.

[4] Fritsch, Daniel: Georg Simmel im Kino. Die Soziologie des frühen Films unddas AbenteuerderModerne, Bielefeld 2009, S. 23.

[5] Fritsch, Daniel: Georg Simmel im Kino. Die Soziologie des frühen Films unddas AbenteuerderModerne, Bielefeld 2009, S. 26.

[6] Brockhaus - Die Enzyklopädie: in 24 Bänden. Band 20. 20. Auflage, Leipzig, Mannheim 1996, S. 495.

[7] Fritsch, Daniel: Georg Simmel im Kino. Die Soziologie des frühen Films unddas AbenteuerderModerne, Bielefeld 2009, S.11.

Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668482296
ISBN (Buch)
9783668482302
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v359489
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
Schlagworte
geburt kinematographie gebrüder lumière welt

Autor

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