Lade Inhalt...

Karikaturen im Geschichtsunterricht

Seminararbeit 2015 6 Seiten

Geschichte - Didaktik

Leseprobe

Inhalt

1) Definition und Merkmale der Karikatur

2) Ursprung und Entwicklung der Karikatur

3) Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

4) Literaturangaben

Karikaturen im Geschichtsunterricht

1) Definition und Merkmale der Karikatur

Die Karikatur ist laut Fremdwörterlexikon die „bildliche Darstellung, die eine Eigenschaft oder ein Merkmal stark übertreibt und dadurch lächerlich macht, Zerrbild, Spottbild (< ital. caricatura, ´Überladung; übertriebene, komisch verzerrte Darstellung charakteristischer Eigenarten von Personen oder Sachen´)“[1]

Karikaturen konzentrieren sich also auf ein Objekt oder eine Aussage, verfremden dieses / diese und bieten pointierte, kritische, tendenziöse Urteile über Personen, gesellschaftliche Verhältnisse und politische Ereignisse, ohne historische Sachverhalte wiederzugeben. Adressat ist ein zeitgenössisches Publikum, das zum Nachdenken provoziert wird. Eine Karikatur will Fragen und Einsichten auslösen, emotionalisiert und entlarvt. Sie ist ein Mittel der politischen Auseinandersetzung und in ihrer Aussage meist sehr deutlich. Anstatt Ereignisse direkt zu beschreiben, werden diese parteiisch kommentiert. Sie bezieht Stellung und wertet und verzichtet auf jedes Wenn und Aber, indem sie auf das Wesentliche reduziert. Sie kann nie ausgewogen sein.[2] Auch wenn viele Karikaturen lustig anzusehen sind, lacht man meist nur im ersten Augenblick. Das Lachen bleibt im Hals stecken und wird durch Erschrecken oder sogar einen Schock abgelöst. „Karikaturen regen an.“ Eine gute Karikatur löst beim Betrachter zuerst Emotionen aus und richtet sich dann erst an den Verstand.[3]

„Der karikierte Sachverhalt, die Person oder der Handlungsbezug werden aus ihrem ursprünglichen Kontext in einen anderen Sinnhorizont transferiert.“ Der Karikaturist kann dabei den Mensch-Tier-Vergleich anstellen, die Berufswelt heranziehen oder Nationalallegorien anwenden, wie Marianne für Frankreich, der Michel für Deutschland und John Bull für England. Dabei ist es wichtig, dass der Betrachter in der Lage ist, die Karikatur problemlos zu entschlüsseln, um zu einem Aha-Erlebnis zu kommen. Viele ältere Karikaturen sind heute kaum mehr verständlich, weil dem Betrachter das Hintergrundwissen fehlt.[4]

Eine Form der Karikatur ist die Individualkarikatur, in der bekannte Leute so dargestellt werden, dass sie eindeutig wiedererkannt werden können. Chruschtschow ist etwa an der Glatze und der Nase zu erkennen, Kennedy an der Haarrolle und seinem Anzug, während Helmut Kohl als Birne dargestellt wird. Des Weiteren gibt es personale Typenkarikaturen, in denen ganze Staaten, Volksgruppen und Völker durch einen scheinbar typischen Vertreter dieser Gruppe dargestellt werden. Die reichen Länder der Nordhalbkugel werden etwa durch einen übergewichtigen Mann dargestellt, arme Länder der Südhalbkugel z.B. durch einen unterernährten Farbigen. Die dritte Form ist die apersonale Sachkarikatur, in der keine Personen erscheinen.[5]

2) Ursprung und Entwicklung der Karikatur

Karikaturen werden spätestes seit Beginn der Neuzeit als Mittel der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung eingesetzt. Während sie heutzutage meist im vorderen Teil jeder größeren Tageszeitung zu finden ist, wurde sie bis weit ins 20. Jahrhundert auch als Mittel der Propaganda verwendet. Von Ludwig XIV, den Jakobinern und Napoleon wurde die Karikatur als Kampfmittel in Auftrag gegeben. Während des Ersten Weltkrieges wurden Karikaturen zur Dämonisierung und Abwertung des jeweiligen Gegners eingesetzt. Dem NS-Regime diente die Karikatur als Mittel der antisemitischen Hetzpropaganda. In allen Fällen kann man also von „Karikatur als Waffe“ sprechen.

Frühe Formen des bildlichen Angriffs sind seit dem Altertum bekannt. Neu an der Karikatur und zugleich elementares Merkmal dieser ist ihre Ausrichtung auf ein breites und anonymes Publikum. Die Entwicklung einer flexiblen Vervielfältigungstechnik war also Voraussetzung für ihre Entwicklung und Verbreitung. Letztendlich begünstigte also Gutenberg die Entwicklung der neuzeitlichen Karikatur. Durch die Reformation wurde die Karikatur erstmals zur Propaganda genutzt. Während der Französischen Revolution bekamen Bildsatiren einen zentralen Stellenwert. Umbrüche und Krisenzeiten waren also stets auch Blütezeiten der Karikatur.

In den heutigen Karikaturen, die in den Tageszeitungen zu finden sind, wird inzwischen jedes Thema von gesellschaftlicher Relevanz aufgegriffen. Dazu gehören somit auch Umweltschutz oder Probleme in den Entwicklungsländern. Der Anteil der Karikaturen an der öffentlichen Meinungsbildung ist allerdings gering und mit dem früherer Zeiten nicht mehr zu vergleichen.[6]

3) Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Im Lehrplan wird die Interpretation von Bildern, zu denen neben Comics und Gemälden auch Karikaturen aufgeführt werden, unter dem Punkt Kriterien und Verfahren zur Leistungsbewertung genannt.[7]

Karikaturen sind Bildquellen, die seit Jahren einen festen Platz in den Lehrbüchern haben. Im Abitur werden diese oft zur Leistungsmessung herangezogen. Eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Karikaturen im Unterricht ist die sorgfältige Auswahl dieser durch die Lehrkraft. Wie bei jeder Art von Quellenarbeit müssen bei der Auswahl einige Dinge beachtet werden. Die Karikatur muss vollständig sein, also auch Titel und Unterschrift beinhalten. Datum der Entstehung und Veröffentlichung sowie die Herkunft sind wesentliche Bestandteile einer Karikatur. Die Lehrkraft sollte sich ferner darüber Gedanken machen, welche Zeichen, Symbole, Zitate und Anspielungen in der Karikatur enthalten sind und welche die Schülerinnen und Schüler davon schon kennen. Karikaturen müssen zunächst „übersetzt“ werden. Zuviel Vorwissen darf von den Lernenden dabei natürlich nicht erwartet werden.

In vielen Fällen werden Karikaturen auf Folie gezogen und als Impuls zum Einstieg in eine Stunde benutzt. Der Vorteil ist, dass sie meist motivierend ist und schnell ein Unterrichtsgespräch entstehen lässt, aus dem man weiterführende Fragen entwickeln kann. Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist die Arbeit mit „Doppelbildern“. In diesem Fall werden Karikaturen von verschiedenen Künstlern zum gleichen Thema herangezogen. So werden oft gegenseitige politische Positionen deutlich. Manchmal nimmt eine Karikatur sogar Bezug auf eine vorher erschienene Karikatur. Wenn die Lehrkraft ausreichend Karikaturen zu einem Thema gesammelt hat, können diese in Kleingruppen oder auch in Freiarbeit ausgewertet werden.

Karikaturen eignen sich aber nicht nur zum Einstieg in eine Thematik, sondern auch für die zusammenfassende Wiederholung oder Festigung eines Lerninhaltes. Sie sind aber auch zur Erarbeitung in der Hauptphase des Unterrichts einsetzbar.

Es ist auch eine fächerübergreifende Arbeit mit den Fächern Deutsch und Kunst denkbar, da viele Karikaturen Werke bekannter Künstler wie Dürer oder Picasso zitieren.

Auch der kreative Umgang mit Karikaturen ist möglich. Über- oder Unterschriften können z.B. bewusst weggelassen werden und durch die Schülerinnen und Schüler vervollständigt werden. Die Karikatur kann durch Sprechblasen ergänzt werden oder zum Entwurf einer „Gegenkarikatur“ anregen.[8]

[...]


[1] Wahrig Fremdwörterlexikon, S. 449, Stichwort „Karikatur“

[2] Vgl. Brösamle-Lambrecht, in: Praxis Geschichte, S. 8 f.

[3] Vgl. Gautschi, S. 127 f.

[4] Vgl. Brösamle-Lambrecht, in: Praxis Geschichte, S. 9

[5] Vgl. Gautschi, S. 126 f.

[6] Vgl. Brösamle-Lambrecht, in: Praxis Geschichte, S. 8 ff.

[7] Vgl. Lehrplan Geschichte, S. 45

[8] Vgl. Bunz, in: Praxis Geschichte, S. 4 ff.

Details

Seiten
6
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668442139
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v359341
Institution / Hochschule
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein
Note
2
Schlagworte
Karikatur Karikaturen Geschichtsdidaktik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Karikaturen im Geschichtsunterricht