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Die Rohstoff-und Energiepolitik im Zeitalter der globalen Transformation der Weltpolitik. Die Energie- und Stromversorgungssicherung

Der regionale Mannheimer Energieversorger MVV Energie AG

Essay 2016 37 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I Die Globalisierung und die Krisen als Fundament des Rohstoffkonflikts
1. Die Endlichkeit der Rohstoffträger und ihre Konsequenzen
2. Die Neudefinition des Begriffs des Effizienz im Bereich des Rohstoffmarkts
3. Die Effizienzrevolution als Wegbereiter zur Veränderung des quantitativen Wachstums

II Verteilungskonflikte als Fundament globaler Unsicherheit
1. Rohstoffabbau als Risikofaktor
2. Das Problem der Investitionsabkommen im Rohstoffhandel
3. Institutionalisierung eines gerechteren Rohstoffhandels
4. Die Golfkrisen als Risikofaktor für die Energiesicherheit

III. Regionale Energiekonzerne und das Problem der Energiesicherung
1. Risikovorsorge ist das Fundament eines regionalen Energieunternehmens
2. Alternative Handelspartner sind der erste Schritt zur Energiereservebildung.
3. Moderner Rohstoffhandel basiert auf Reservebildung.
4. Die Handelspartnerschaften müssen neu überdacht werden.
5. Die terroristische Gefahr im Inland als Problem für die Energieversorgungssicherheit
6. Die regenerativen Energiefelder als mögliche Option der Energieversorgung

Schlussbetrachtung und Thesen für die Energiewirtschaft

Zum Autor:

Literaturhinweise:

Einleitung

Die steigende Nachfrage an Rohstoffen fokussiert sich nicht mehr nur auf die Industriestaaten, sondern auch auf die Schwellenländer und Entwicklungsstaaten. Inzwischen konkurrieren sogar die Entwicklungsländer untereinander um wesentliche Rohstoffträger. Diese wichtigen, endlichen Segmente, sind jedoch nicht unendlich verfügbar. Die Problematik wird dadurch noch verschärft, dass die Nachfrage nicht nur an industriellen Produkten zunimmt, für die Rohstoffe gebraucht werden, sondern auch die Nachfrage an Nahrungsmitteln. Das liegt unter anderem daran, dass das Gesamtwachstum in der sich entwickelnden Welt ansteigt und damit die Weltnachfrage insgesamt an Intensität gewinnt. Der Pro-Kopf Verbrauch an industriellen Rohmaterialien nimmt genauso zu wie der an Nahrungsmitteln. Dies liegt auch dran, dass die Länder der entwickelten Kontinente noch auf einer der unteren Stufen der industriellen Revolution stehen. Damit wächst die Nachfrage an Rohstoffen schneller als in den Industriestaaten. Die Industriestaaten haben nämlich bereits ihren Sättigungspunkt erreicht.

Ein weiteres Problem liegt in den beiden bevölkerungsreichsten Schwellenländern und damit global größten Ökonomien der Welt: Indien und China. Der Kampf um Rohmaterialien und Nahrungsmittel wird also zunehmen. An Intensität wird dieser Kampf aber noch gewinnen, wenn man den Umstand hinzuzieht, dass die Situation, in denen sich diese Konfliktfaktoren befinden sich im Umfeld der globalen Krisenlage bewegt. Daraus resultiert nun die Frage, welche Vorbereitung gerade regionale Energiekonzerne wie beispielsweise die MVV Energie AG treffen müssen, damit sie genügend Energie sowohl für die Industrie als auch für die privaten Haushalte erzeugen können. Ebenfalls stellt sich die Frage, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, wenn die globale Konfliktsituation zunimmt. Um Antworten auf diese Fragen zu finden erscheint mir folgende Vorgehensweise sinnvoll:

1. Es wird auf die derzeitige Rohstofflage eingegangen und die Frage der Nachhaltigkeit wird genauer erläutert.
2. Es folgt dann eine Betrachtung der Konfliktsituation im Nahen Osten mit Schwerpunkt auf die Situation am Persischen Golf und auf die daraus resultierenden Folgen für den Rohstoffmarkt und die vorhandenen beziehungsweise noch zu erwartenden Risiken.
3. Am Schluss wird ein Blick auf die Situation der MVV Energie AG Mannheim geworfen.

I Die Globalisierung und die Krisen als Fundament des Rohstoffkonflikts

1. Die Endlichkeit der Rohstoffträger und ihre Konsequenzen

Durch die Globalisierung, welche keine Naturgewalt an sich ist, werden die strategischen Neustellungen im Bezug auf die Effizienzrevolution in den Bereichen der Energie und Rohstoffträger manifestiert.[1] Wer hier die bessere und intelligentere Infrastruktur zur Nutzung der Energie- und Rohstoffbasen hat, wird nicht nur den ökonomischen Zyklus bestimmen, sondern massive Wettbewerbsvorteile haben. Dabei ist auch die ökologische Infrastruktur nicht zu missachten.[2] Von beiden Komponenten, sowohl der ökologischen wie auch der ökonomischen, hängt die Zukunft der Weltwirtschaft ab. Die vorherrschenden Wachstums- und Wohlstandstheorien sind demnach nicht für die Zukunft geeignet, weil sie weder die sozialen noch die ökologischen Grenzen beachten und das gesamte Wirtschaftssystem im globalen Sinne in eine Einbahnstraße führt.[3] Dass man im 21. Jahrhundert zu kostengünstigen Verbrauch von Rohstoffen kommen könnte, liegt fernab der Realität. Dies liegt zum einen an der Endlichkeit der Rohstoffe und Energieträger, was letztlich auch dazu führt, dass es zu höheren Preisen in diesem Segment kommt, die uns in naher Zukunft mehr denn je belasten werden. Auch gibt es kaum einen Rohstoff, der seinen Preis in den letzten Jahren nicht verdreifacht hat. Alleine der Preis für ein Barrel Rohöl lag im Jahre 2000 bei 18 USD.[4] Mit dem Irakkrieg (2003), auf den noch zu verweisen sein wird, stieg der Rohölpreis pro Barrel auf 28 USD und zuletzt auf 149 USD.[5] Dieser Sachverhalt trifft für die Rohstoffe Kupfer, Chrom, Feinerz oder Kokskohle in ähnlicher Weise zu. Denn sie sind noch endlicher als das Rohöl. Auch hier stiegen die Preise signifikant. Dass es Engpässe bei vielerlei Rohstoffen gibt zeigt sich inzwischen schon mittelfristig. Dies liegt auch am wachsenden Bedarf an Rohmaterialien durch den technologischen Wandel in der Elektronikbranche.[6] Dies lässt sich vor allem an der steigenden Nachfrage der Schwellenländer nachweisen, wie beispielsweise Indien, Brasilien und China.

Gleichzeitig stößt das Ökosystem bei der Aufnahme von Schadstoffen an seine Grenzen und die Naturkreisläufe geraten ins Schwanken.[7] Heute schon sprechen viele Meteorologen von dem sogenannten Ökokollaps.[8] Dies lässt sich auch an dem globalen Klimawandel und seinen verschiedenen Dimensionen qualitativ ablesen. Es zeigt sich vor allem, dass sich ein zunehmender Temperaturanstieg mit gerade noch annehmbaren Werten kaum noch in Zaum halten lässt. Damit lässt sich feststellen, dass die Kraftanstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase erst möglicherweise in vier bis fünf Jahrzehnten sichtbar werden.[9] Spätestens jedoch in 30 Jahren wird die Erderwärmung um 2 Grad nicht mehr zu verhindern sein.[10] Es ist auch klar, dass vor allem die Schwellenländer und Entwicklungsstaaten eine nachholende industrielle Revolution durchmachen, die gekennzeichnet ist durch ein ansteigendes Bevölkerungswachstum und durch die Rohstoffkonflikte. Dies zeigt sich gerade am Beispiel des Rohöls um das bereits Ressourcenkämpfe geführt wurden, die als kaum noch als Konflikt zu bezeichnen sind.

Bereits 1992 hat die UNO festgehalten, dass es in der Verantwortung der Industriestaaten liegt, Verteilungskonflikte zu verhindern.[11] Denn die Ursachen für solche Konflikte liegen in nun mal in der konsumintensiven Wirtschafts- und Lebensweise der entwickelten Staaten. Letztlich lässt sich das auch an der Arbeitsproduktivität ab dem Jahre 1960 ablesen.[12] Jene stieg um den Faktor 4.[13] Die Materialproduktivität stieg jedoch nur um den Faktor 2, die Energieproduktivität indes um den Faktor 1,5.[14] In Deutschland allein sind 40% der bestehenden Kosten in das verarbeitende Gewerbe geflossen, wobei die Lohnkosten nur durchschnittlich unter 25% lagen.[15] Durch die maximale Steigerung der Energie- und Ressourcenproduktivität wird auch deutlich, dass diese ökologisch wie auch sozioökonomisch nicht unumgänglich ist. Denn beide Faktoren senken sowohl Arbeitslosigkeit als auch die Förderung der Transformation der technischen Entwicklung, die zusätzliche qualifizierte Arbeitskräfte regenerieren. Gleichzeitig wird die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt. Und wenn dabei auch die Arbeitskosten steigen, kommt es durch sinkende Importabhängigkeit insgesamt doch zu einem kostensenkenden Gesamtergebnis.[16] Waren billige Energie und Rohstoffe die Grundbasis des Industriezeitalters und somit das Fundament für Wohlstand und Fortschritt, so muss nun eine Neudefinition im Richtung von technischen Innovationen vorgenommen werden.

2. Die Neudefinition des Begriffs des Effizienz im Bereich des Rohstoffmarkts

Die Ökonomie ist nur insofern leistungsfähig, indem sie auch ökologisch verträglich ist. So steht Ökonomie und Ökologie in direktem Beziehungszusammenhang und nicht, wie viele behaupten, in einem Gegensatz. Deshalb ist der Begriff des Wachstums einer Volkswirtschaft qualitativ neu zu bewerten.[17] Ein ökonomisches System wird nur so erfolgreich sein, wie es ein Maximum an Ökoeffizienz hervorbringt.[18] Die Chancen hierbei werden bis dato nur sehr gering rezipiert und dies liegt mit daran, dass bisher nur kurzfristige ökonomische Interessen verfolgt wurden. Der Begriff der Nachhaltigkeit ist deshalb letztlich der maßgebliche Begriff der Zeitpolitik. Folglich ist das auch die Leitlinie und der Maßstab für jede Form der Modernisierung in Zeiten des globalen Umbruchs. Denn jenes Wissen, das heute generiert wird, muss auch noch in 50 bis 100 Jahren von Nutzen sein.[19] Nur so ist die Möglichkeit gegeben, dass ein nachhaltiges Wohlstandsmodell möglich wird. Die Bedeutung jener Faktoren heißt auch, dass das Fundament einer jeden Volkswirtschaft umgebaut werden muss und die industrielle Wertschöpfung durch eine nachhaltige Produktion gedeckt werden sollte.[20] Der Begriff der Effizienz wird also auf der Grundlage schonender Ressourcen und Energieträger zurückgeführt.[21] Das eröffnet auch neue Herangehensweisen des Naturhaushalts. Damit müssen endliche Rohstoffe durch erneuerbare ersetzt oder ergänzt werden. Dies muss letztlich auch dazu führen, dass erkennbare Einsparmöglichkeiten in der Nutzung von Rohstoffen und Energieträger deutlich wird.[22] Beispielsweise verliert man heute beim bisherigen Verbrauch von Energie bis zu 90% der Rohstoffe.[23] Fördert man jedoch erneuerbare Energien, so kann man diese Verluste massiv reduzieren. Bisher tun dies leider nur 66 Staaten.[24] Das Knappheitsproblem und die damit einhergehende Umweltzerstörung auf dem Ressourcen- und energieeffizienten Markt zwingen jedoch auch zu systematischen Lösungen. Daraus resultiert, dass die Staaten notwendige Impulse setzen müssen, damit die Wirtschaftsakteure sich den neuen Zukunftsherausforderungen auch stellen können.[25]

3. Die Effizienzrevolution als Wegbereiter zur Veränderung des quantitativen Wachstums

Das quantitative Wachstum ist bisher das eigentliche Modell des Erfolgs. Die Folge davon allerdings ist, dass immer mehr produziert werden muss. Es zählt also nicht die Qualität, sondern die Quantität. Die Folgekosten für diese Produktionsweise haben langfristige negative Wirkungen. Wenn die Energie- und Ressourceneffizienz die Grundlage des weltweiten Wirtschaftens wäre, würden die Großunternehmen vor allem zu recycelnde Produkte mit geringen Materialeinsatz produzieren und dies würde sogar noch die Kosten senken. Wenn von den Grenzkosten ausgegangen wird, dann spricht einiges dafür, hohe Material und Energiekosten und die damit verbundenen Langzeitschäden zu vermeiden, folglich braucht man dezentrale Lösungsansätze.[26] Die Bedeutung dieses Umstandes gilt nicht nur für Großkonzerne, sondern auch für Klein- und Mittelständische Betriebe. Gerade sie brauchen Potenziale der Einsparung, um in der Kreislaufwirtschaft bestehen zu können, wodurch auch die regionale Wirtschaft wie beispielsweise in Mannheim gestärkt und Nachhaltigkeit auch für die Zukunft gesichert wird. Der Terminus der Effizienzrevolution beginnt also mit dem Ressourceneinsatz und wird zum Dreh- und Angelpunkt der Güterproduktion.[27] Es geht also nicht alleine um die Abkapslung des stetigen Anstiegs des Ressourcenverbrauchs, sondern eher um dessen Senkung. Durch die Effizienzsteigerung im Bereich der Rohstoff und Energieträger werden nicht nur Umweltbelastungen vermieden, sondern es werden auch die wertvollen Rohstoffe in Reserve gehalten. Damit begibt man sich in eine Win-Win-Situation. In der Wirtschafts- und Technologiegeschichte gibt es immer wieder Leittechnologien. War es im 19. Jh. die Dampfmaschine oder die Eisenbahn, so ist es heute die Elektrotechnik oder die Robotik.[28] Zukünftig wird daher derjenige in der Weltwirtschaft Vorteile erhalten, der auf die Effizienztechniken als strategische technologische Innovationen setzt.[29]

Diese Entwicklung impliziert ein grundsätzliches Umdenken im Konsum. Der durchschnittliche Bürger Deutschlands verbraucht pro Jahr 80 Tonnen feste Stoffe und 600 Tonnen Wasser.[30] Dies belastet das Ökosystem immens. In Japan kam man in den 90er Jahren gerade mal mit der Hälfte des Deutschen Verbrauchs aus.[31] Natürlich bedeutet die Senkung des Rohstoffverbrauchs auch ein Maß an Komfortverlust. Der Grundauftrag ist also ökologische Dienstleistung zu generieren. Damit muss eine Kreislaufwirtschaft entwickelt werden, welche auf das Recycling von Materialien baut. Mitte des 20. Jh. gelang es in Deutschland beispielsweise die 5500 Watt-Gesellschaft Kopf zu einem Verbrauch von nur noch 2000 Watt pro Kopf zu bringen.[32] Dies gelang jedoch nur mit Hilfe erneuerbarer Energien. Erneuerbare Energien können jedoch nur gewährleistet werden, wenn eine Steigerung der Produktivität durch Reduktion der Umweltbelastung in der gesamten Prozesskette vorgenommen wird.[33] Das bedeutet zugleich eine weit umspannte Aufklärung über das Thema Recycling und die forcierte Anwendung. Und dies wiederum bedarf klarer Konzepte zur Steigerung der Energie und Ressourcenproduktivität. Das heißt: Der Ansatzpunkt liegt bei der Einpreisung des Naturkapitals, der Technologieförderung bei gleichzeitiger Senkung der Subventionen, sowie der Kennzeichnung von Marktanreizprogrammen.

II Verteilungskonflikte als Fundament globaler Unsicherheit

1. Rohstoffabbau als Risikofaktor

Dass Verteilungskonflikte die globale Sicherheit und damit auch die Energiesicherheit schädigen ist evident. Denn, wie schon gesagt, sind die Energie- und Rohstoffträger Auslöser zwischenstaatlicher Konflikte. Dass die Nachfrage nach Energieträgern bis 2030 um 60% steigen wird ist dabei im Auge zu behalten![34] Zum heutigen Zeitpunkt nutzen gerade 1,4 Mrd. Menschen, ungefähr 70% der tatsächlichen Energieträger.[35] Nimmt man nun die stetig steigende Konsumnachfrage in China und Indien, so steigen natürlich die Krisen- und Konkurrenzsituationen. Auch darf man nicht missachten, dass circa 2 Mrd. Menschen zum gegenwertigen Zeitpunkt keine gesicherte Energieversorgung haben.[36] Die stetig steigenden Energiepreise drängen gerade die Entwicklungsstaaten aus dem Markt und führen dazu, dass die öffentliche Haushalte an die Stelle des Marktes treten müssen. Der Klimawandel, gerade im Bereich der Küsten aber auch in besonders armen Ländern, birgt auf kurz oder lang einiges an Konfliktpotenzial. Auch der momentane Migrationsdruck resultiert letztlich mit daraus.

Verteilungskämpfe werden demnach in vielerlei Schattierungen sichtbar. Beispielsweise führt China seit nicht geringer Zeit eine neomerkantilistische Wirtschaftspolitik gerade im Bereich der Öl und Gasfelder durch.[37] Die Europäische Union und andere westliche Industriestaaten verfolgen dagegen eine andere Strategie, die sich nach dem Kyoto-Protokoll ausrichtet. Das grundsätzliche Problem liegt darin, dass gerade in Förderländern von Rohstoffen und Energieträgern Korruption und Misswirtschaft gefördert und geduldet wird. Andere Staaten basieren ihre Energienutzung auf eine verstärkte Atomkraft. Hieraus wird ein neuer Konflikt geboren, der sich gerade am Beispiel Iran verdeutlichen lässt, denn es ist schwer bei einem despotischen Staat zwischen ziviler- und militärischer Nutzung zu unterschieden.[38] Aber auch bei der Atomkraft sind die Uranvorkommen endlich. Nach der OECD sind in rund 30 Jahren bei dem gleichen Verbrauch die Uranvorkommnisse erschöpft.[39] Gerade im Bereich des Urans und Plutoniums sieht man die wirkliche Unsicherheit der Energieinfrastruktur. Spätestens seit dem 11. September 2001. Die Verwundbarkeit der Industrienationen mit atomaren Waffen oder gar die Zerstörung von Atommeilern durch terroristische Aktionen lässt sich nicht grundsätzlich in Abrede stellen. Hinzu kommt die terroristische Gefahr im Segment der Raffinerien und Pipelines, gerade an der Meerenge von Hormuz.[40] Die globale und regionale Energieversorgung ist also explizit mit der Außen- und Sicherheitspolitik verbunden. Dabei muss unterschieden werden zwischen der Energieversorgung als militärischem Fakt und als zivile Aufgabe andererseits.[41] Damit ist auch klar, dass die Sicherheit der Energieversorgung regional wie global organisiert werden muss. Dasselbe gilt im Übrigen auch für alle anderen Ressourcen, und damit wird dieser ganze Bereich zum Problem des nachhaltigen Ressourcenmanagements auf politischer Ebene.[42]

Die Konflikte richten sich also vom Marktgeschehen her aus, denn steigende Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise treffen direkt die Individualebene. Deshalb ist die ökologische Innovation und Modernisierung der Grundsatz moderner Gesellschaften.[43] Damit verbunden sind die Herausforderungen einer neuen Wirtschaftsordnung, welche Modernität zulässt und Kapital bereit stellt um das Ökosystem dementsprechend zu fördern. Das Marktgeschehen allein wird die marktwirtschaftliche Systematik nicht verändern. Daher ist es wichtig, dass eine Struktur geschaffen wird, die Rohstoffverschwendung und hohe Emissionen vermeidet. Das bedeutet zugleich, dass die Kosten klar zu definieren sind und auch der Öffentlichkeit transparent gemacht werden.[44] Solche Forderungen gibt es bereits in den USA. Hierbei werden die sozialen und natürlichen gesellschaftlichen Güter, die ein Konzern in Anspruch nimmt, nach seinem Wert aufgelistet.[45] Jeder Konzern hat somit die Pflicht, auch die natürlichen und sozialen Güter zu schützen. Die Grundlage hierbei ist der Erhalt des Natur- und Sozialkapitals. Zugleich ist es auch wichtig, dass Europa möglicherweise die Drehscheibe der ökologischen Innovationen wird. Es ist die EU die die Möglichkeiten hat, den Klimaschutz zu fördern, hierzu zählt auch eine klare Definierung der CO2-Kosten, um auch dazustellen wie sich die ökologischen Märkte entwickeln.[46] Gleichzeitig müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die Korruption und unnötigen Raubbau abmildern. Eine Option dafür ist es, eine sogenannte Grenzsteuer zu erheben, um einen Ausgleich zur ökologischen Modernisierung zu schaffen. Frankreich hat hierzu einen Vorschlag gemacht, nämlich die Einführung eines Klimazolls.[47] Eine andere Möglichkeit ist die Tobin-Steuer, die bei Termingeschäften an der Börse gerade im Bereich der Energie- und Rohstoffträger die Spekulationsgewinne abschöpft.[48] Hierzu muss es allerdings auch dazu kommen, dass eine gewisse Transparenz geschaffen wird, wenn es zu Zahlungsflüssen in diesem Segment kommt.[49] Dies wiederum setzt voraus, dass Reformen in der Weltwirtschaft angestoßen werden, welche eine Synthese zwischen globaler Geldordnung und nationalem Arbeitsmarkt und Umweltpolitik ermöglicht. Der internationale Währungsfonds ist hier mehr als gefragt, denn er ist die ausgleichende Hand zwischen Schuldner und Gläubiger.

2. Das Problem der Investitionsabkommen im Rohstoffhandel

Schon im 15. Jh. haben Rohstoffe mit der Entdeckung des neuen Kontinents über dem Atlantik Konflikte hervorgerufen. Dies zeigt die immense Nachfrage Europas an Gewürzen, Seide und Gold.[50] Bereits in den 70er Jahren des 20. Jh. haben gerade die westlichen Nationen dazu beigetragen, dass es zu massiven Wachstumskrisen kam, die man als Folge der Rohstoffengpässe ansehen muss.[51] Durch die niedrigen Preise im Segment der Energieträger geriet die Problematik der Rohstoffpolitik Ende des 20. Jh. fast in Vergessenheit. Es waren die technologischen und innovativen Neuerungen die den Wohlstand förderten. Heute jedoch ist die Rohstoffpolitik zu einem grundsätzlichen Problem vieler Politikfelder geworden. Die Öffentlichkeit spricht schon von nahenden Rohstoffkriegen oder gar vom Ende sämtlicher Rohstoffe.[52] Deshalb braucht man eine systematisierende Sichtweise, die die globale Rohstoffpolitik als Synthese als Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik, Außen- und Sicherheitspolitik, Umwelt und Technologiepolitik begreift. Am Beispiel des Erdöls und Erdgases wird deutlich, dass gerade diese beiden Rohstoffsegmente die Grundlage jeder Sicherheitspolitik ausmachen. Denn auch heute noch sind industrielle Gesellschaften auf die Energieträger angewiesen. Mit beiden verbinden sich nicht nur Mobilität sondern so gut wie auch die meisten anderen Grundbedürfnisse eines Menschen. Von geopolitischer und strategischer Bedeutung sind deshalb despotisch-autoritäre Staaten wie Saudi-Arabien, Iran, Irak und Russland. Diese Staaten können das Außen- und Sicherheitsgefüge aus dem Gleichgewicht bringen, wenn sie mit einer protektionistischen Wirtschaftspolitik drohen. Rohstoffsicherheit jedoch konzentriert sich nicht allein auf die fossilen Rohstoffe. Die heutigen Produktionsprozesse bauen häufig in der Sparte der Hochtechnologien auf mineralische Rohstoffvorkommen. Dies zeigt sich schon alleine an den Mobiltelefonen.[53] In diesem befindet sich Lithium, Tantal, Kobalt und Antimon. Auch die Computer- und Fernsehbildschirme brauchen die Stoffe. Alleine die PCs brauchen 60 verschiedene Stoffe und viele von denen sind nicht in Europaverfügbar.[54] Jene Stoffe müssen unter großen Anstrengungen und hohen technischen Kosten abgebaut werden. Damit ist der Abbau dieser wesentlichen Metalle nicht nur ein ökonomisches Risiko, sondern auch ein geologisch-politisches Risiko. Die außenpolitischen Verbindungen in diesem Bereich sind nicht nur politischer Natur sondern im Importgeschäft auch von ökonomischer und technischer Natur. Den Gedanke, dass Rohstoffreichtum Sprungbrett der Industrialisierung war, bestätigen die Beispiele der industriellen Revolution in Großbritannien und den USA im 18. und 19. Jh.[55] Dies trifft aber auch für Staaten wie Norwegen oder Chile zu, die rein auf Rohstoffe bauen. Jeffrey Sachs verweist jedoch darauf, dass die wirtschaftspolitische Orientierung allein auf Rohstoffe auch zum Untergang von Nationen führen kann.[56] Beispiele wurden bereits genannt: In Saudi-Arabien oder Russland stärkte der Reichtum an Rohstoffen Habgier und Korruption, Despotie und Diktatur sowie Rechtsunsicherheit. Hinzu kommen jedoch auch die Verzerrung von Löhnen und Wechselkursen die durch kurzfristige Rohstoffboome entstehen können. Das beste Beispiel für den Rohstoffuntergang zeigt das Beispiel Nigeria. Dieser Staat hat einen immensen Ölreichtum, ist aber das ärmste Land auf dem afrikanischen Kontinent.[57] Derzeit steht Nigeria auf dem Entwicklungsprogramm der UN. Der menschliche Index (HDI) liegt bei Nigeria in der Rangliste aller Staaten auf Platz 154.[58] Im Falle der demokratischen Republik Kongo, welches ebenfalls sehr rohstoffreich ist, liegt dieses sogar auf Platz 179.[59] Auch die arabischen Länder haben in den letzten 30 Jahren keine wesentlichen ökonomischen Entwicklungen durchlaufen.[60] Sie bleiben hinter den ostasiatischen Schwellenländern zurück. Damit stellt sich eine wesentliche Frage: Wie kann Rohstoffpolitik so betrieben werden, dass sie zur Entwicklung und Wohlstand beiträgt? Wesentlich dabei ist die Transparenz der Zahlungsströme im Bereich des Rohstoff- und Energiehandels. Nur hierdurch kann man Korruption und Misswirtschaft aufdecken und eine effiziente Allokation der öffentlichen Ausgaben forcieren.[61] Dies setzt natürlich demokratische Kontrolle voraus. Gleichzeitig setzt es aber auch voraus, dass die jeweiligen Konzerne kooperativ sind.[62] Zur Transparenz zählen deshalb auch Kommunikationsnetzwerke und die Bereitschaft, Fragen der Ethik in den Mittelpunkt des Wirtschaftens stellen. Dass sich verantwortliches Unternehmertum lohnen kann zeigen gerade die ostasiatischen Länder wie Indonesien oder Malaysia.[63] Der Rohstoffbegriff darf deshalb nicht nur auf die Energieträger zugespitzt werden, sondern auch auf den Faktor der Agrarprodukte, denn der Boom im internationalen Rohstoffgeschäft hat direkte Auswirkungen auf die Entwicklungsstaaten, wie noch zu erläutern sein wird. Je nach dem wer der Hauptexporteur ist, richten sich auch die Auswirkungen aus. Exporteure, die gerade mineralische Träger exportieren, können mit Sicherheit von einem modifizierten Terms of Trade profitieren.[64] Damit könnte sich der Rohstofffluch wie im Falle Nigerias in einen Segen umwandeln. Im Falle der Agrarprodukte müssen die Preisschienen grundsätzlich verbessert werden. Durch die steigenden Importgüterpreise, gerade bei Öl, konnte man die Disparitäten im Agrarexportsegment abfedern.[65] Ohne diese Abfederung kam es zu einem negativen Terms of Trade.[66] Beim Süd-Süd-Handel im Rohstoffsegment kam es sogar zu einem neuen Begriff, nämlich zum Terminus der neuen Geografie des Handels. Dies ist ein wesentlicher Faktor, weil Schwellen- und Entwicklungsländer nicht nur Exporteure sind, sondern inzwischen durchaus auch Importeure im Rohstoffhandel. Dies gilt vor allem im Bereich der mineralischen und landwirtschaftlichen Rohstoffe. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind daher vor allem im Bereich des Bergbausektors von wesentlicher Bedeutung. Ohne rechtsstaatlichen Rahmen kommt es zu einer Entwicklungsstagnation und damit zur Konfliktlage.[67] Die Beispiele Chile, Ghana und Peru beweisen, dass rechtliche Rahmenbedingungen zu einer gerechteren Verteilung führen.[68] Eine entscheidende Rolle spielen dabei Investitionsabkommen. Bisher war es jedoch so, dass gerade wenn es um Investitionen ging, Entwicklungsstaaten bei Verhandlungen über diesen Punkt schlechter abschnitten als ihre Partner. Dies liegt allerdings auch an der fehlenden Bildung und an einem wenig qualifiziertem Personal.[69] Erst mit einer Humankapitalbildung gelingt es effektiv internationale Standards zu erlangen. Deshalb sind solche Investitionsabkommen wohl sinnvoller, die die Investitionen in den Mittelpunkt der Nachhaltigkeit stellen.[70]

[...]


[1] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil: Globale Rohstoffpolitik, Michael Müller: Neues Denken in der Energie- und Rohstoffversorgung, S.11 ff., Baden-Baden 2009.

[2] Ebd.

[3] Ebd. S. 12.

[4] Ebd. S. 11.

[5] Ebd.

[6] Ebd. S 13 ff.

[7] Ebd.

[8] Ebd. S. 12.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Ebd. S. 13.

[18] Ebd.

[19] Ebd. S. 13/14.

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Ebd.

[23] Ebd.

[24] Ebd., S. 15 ff.

[25] Ebd.

[26] Ebd. S. 16.

[27] Ebd.

[28] Paul Kennedy: Der Weg ins 21. Jahrhundert.

[29] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil: Globale Rohstoffpolitik, Baden-Baden 2009.

[30] Ebd. S. 14.

[31] Ebd.

[32] Ebd.

[33] Ebd.

[34] Ebd. S. 14/15.

[35] Ebd.

[36] Ebd.

[37] Ebd. S. 15.

[38] Journal Diplomatie 2016.

[39] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil: Globale Rohstoffpolitik, Baden-Baden 2009, S. 16.

[40] Ebd. Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil, Global Ressource Governance, S. 22/23.

[41] Siehe Weißbuch der Bundeswehr 2016.

[42] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil, Global Ressource Governance, S. 23.

[43] Siehe Paul Kennedy: Der Weg ins 21. Jh.

[44] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil, Global Ressource Governance, S. 24 ff.

[45] Ebd.

[46] Siehe hierzu auch Lissabon Vertrag.

[47] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil, Global Ressource Governance, S. 24 ff.

[48] Ebd.

[49] Ebd.

[50] Ilja Mieke (1998): Geschichte der frühen Neuzeit.

[51] Siehe Paul Kennedy: Der Weg ins 21. Jh.

[52] Siehe Klimakriege von Harald Welzer (2010): Er verweist darauf, dass mit Versiegung der Rohstoffe aber auch des Wassers und der vermehrten Bildung von Wüstenregionen es unabdingbare Kriege geben wird.

[53] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil, Global Ressource Governance, S. 24 ff.

[54] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil: Globale Rohstoffpolitik, Baden-Baden 2009, S. 13.

[55] Siehe hierzu: Christoph Buchheim, Industrielle Revolutionen.

[56] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil, Global Ressource Governance, S. 25 ff.

[57] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil: Globale Rohstoffpolitik, Baden-Baden 2009, S. 16.

[58] Ebd.

[59] Ebd.

[60] Ebd.

[61] Ebd.

[62] Ebd.

[63] Siehe Journal Diplomatie Jahrgang 2011/2012.

[64] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil: Globale Rohstoffpolitik, Baden-Baden 2009, S. 14-15.

[65] Ebd.

[66] Ebd.

[67] Raimund Bleischwitz/ Florian Pfeil, Global Ressource Governance, S. 26-27 ff.

[68] Ebd.

[69] Ebd.

[70] Ebd.

Details

Seiten
37
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668442627
ISBN (Buch)
9783668442634
Dateigröße
783 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v359271
Institution / Hochschule
Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer (ehem. Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer) – Abendakademie Mannheim
Note
Schlagworte
Energiepolitik Rohstoffpolitik MVV Energie AG regenerative Rohstoffe

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Titel: Die Rohstoff-und Energiepolitik im Zeitalter der globalen Transformation der Weltpolitik. Die Energie- und Stromversorgungssicherung