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Reputationsrisikomanagement von Banken

Seminararbeit 2015 27 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen zu Reputationsrisiken
2.1 Definition und Abgrenzung von Reputationsrisiken
2.2 Quellen bankbezogener Reputationsrisiken
2.3 Bedeutung von Reputationsrisiken in der Praxis

3 Reputationsrisikomanagement
3.1 Analyse von Reputationsrisiken
3.1.1 Identifikation von Reputationsrisiken
3.1.2 Methoden zur Bewertung von Reputationsrisiken
3.2 Management von Reputationsrisiken
3.2.1 Maßnahmen zur Steuerung von Reputationsrisiken
3.2.2 Controlling und Reporting von Reputationsrisiken

4 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Webverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Reputationsrisiken in der Risikolandschaft

Abb. 2: Reputationsrisiko-Treiber

Abb. 3: Reputationsrisiko-als eigene Risikoart

Abb. 4: RepTrak-Modell

Tabelle 1: Methoden der Risikoidentifikation

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In den Fokus der Öffentlichkeit geriet das Reputationsrisikomanagement der Banken insbesondere in Folge der Finanzkrise im Jahr 2008, die negative Auswirkungen für die gesamte Weltwirtschaft nach sich zog. In der Nachbetrachtung der damaligen Ereignisse wird oftmals von einer Vertrauens- bzw. Reputationskrise gesprochen und somit scheinen Reputationsrisiken als einer der Auslöser dieser Krise zu gelten.1

Dies wirft natürlich die Fragen auf, wie sich das Management von Reputationsrisiken in den letzten sieben Jahren entwickelt hat und inwieweit die Kreditinstitute die Bedeutung eines eigenständigen Reputationsrisikomanagement erkannt haben, obwohl bisher keine expliziten aufsichtsrechtlichen Vorgaben existieren, die z.B. eine Eigenkapitalunterlegung des Risikos fordern. Es sollte dennoch im Eigeninteresse der Banken liegen, ein effektives Reputationsmanagement zu implementieren, da die Reputation einen wesentlichen Bestandteil des immateriellen Vermögens darstellt und Reputationsverluste zukünftige Erträge mindern können.2

Dabei ist es Ziel der Arbeit die einzelnen Stufen des Reputationsrisikomanagements näher zu erläutern und zu bewerten, ob in der Praxis angewandte Verfahren ein effektives Reputationsmanagement gewährleisten.

Zunächst gilt es, in Kapitel 2 ein grundlegendes Verständnis für Reputationsrisiken zu schaffen, indem man Reputationsrisiken klar definiert, Quellen für ihre Entstehung nennt und deren Bedeutung aufzeigt. Darauf aufbauend gibt Kapitel 3 einen Überblick über die einzelnen Stufen des Reputationsrisikomanagement. Wobei sich Teil 3.1 mit der systematischen Analyse von Reputationsrisiken befasst und somit die Informationen für das Management von Reputationsrisiken zur Verfügung stellt, welches in Teil 3.2 erläutert wird. Abschließend werden die gesammelt Ergebnisse gebündelt und es wird ein Ausblick auf die erwartete Entwicklung im Reputationsrisikomanagement gegeben.

2 Theoretische Grundlagen zu Reputationsrisiken

2.1 Definition und Abgrenzung von Reputationsrisiken

Um ein grundlegendes Verständnis für die Bedeutung von bankspezifischen Reputationsrisiken zu entwickeln, ist zunächst zu klären, wie Kreditinstitute den Begriff Reputation definieren. Dabei gilt die Reputation als „(…) aus den Wahrnehmungen der Anspruchsgruppen resultierender öffentlicher Ruf einer Bank bezüglich ihrer Kompetenz, Integrität und Vertrauenswürdigkeit“.3

Die Wahrnehmung interner und externer Stakeholder (Anspruchsgruppen) über die Handlungen einer Bank ist folglich ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensreputation. Zudem ist Reputation dadurch gekennzeichnet, dass sie zu den wichtigsten immateriellen Vermögensgegenständen eines Unternehmens gehört, der Ursprung von Wettbewerbsvorteilen ist4 und somit einen Einfluss auf die finanzielle Performance bzw. die Entwicklung des Unternehmenswertes besitzt.5

Bislang existiert weder eine aufsichtsrechtliche noch eine allgemeingültige Definition von Reputationsrisiken.6 Dennoch ist es sinnvoll sich an den Empfehlungen des Basler Komitees für Bankenaufsicht zu orientieren, die das Reputationsrisiko wie folgt definiert, „(…) Risiko einer negativen Wahrnehmung von Kunden, Gegenparteien, Anteilseignern, Investoren, Einlegern, Marktanalysten (…), Mitarbeitern, weiterer relevanter Anspruchsgruppen oder Regulierungsbehörden verstanden werden, das dazu geeignet ist, die Fähigkeit der Bank zum Bestands- oder Neugeschäft, die Pflege von Kundenbeziehungen und die Nutzung Refinanzierungsquellen (…) nachhaltig zu beeinflussen“.7 Das

Reputationsrisiko wird somit nicht zu den operationellen Risiken gezählt, sondern wird genauso wie das strategische Risiko explizit von ihnen ausgeschlossen.8

Diese Abgrenzung erfolgt aufgrund der mangelnden Quantifizierbarkeit von Reputationsrisiken und der daraus folgenden Problematik bei der Berechnung der Eigenkapitalunterlegung, die im Rahmen von Basel III für die übrigen Risikokategorien verlangt wird.9 Des Weiteren wird eine eindeutige Abgrenzung benötigt, um zu gewährleisten, dass Wechselwirkungen zu den anderen Risikoarten bei der Berechnung der Eigenkapitalunterlegung nicht doppelt berücksichtigt werden.10 Dabei lässt sich das Reputationsrisiko aus drei Sichtweisen betrachten (vgl. Abb.1):

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Quelle: Kaiser/Kasprowicz (2012), S.7.

Abb. 1: Reputationsrisiken in der Risikolandschaft

1. Es kann als Folgerisiko anderer Risikoarten entstehen11 - so kann bspw. der Eintritt eines operationellen Risikos z.B. ein größerer Betrugsfall einen Reputationsverlust bewirken.
2. Es kann als Auslöser für Verluste in anderen Risikoarten verantwortlich sein12 - Gerüchte über Liquiditätsengpässe eines Instituts könnten zu Reputationsverlusten führen, welche letztendlich in eine schlechte Refinanzierungsfähigkeit münden.
3. Oder es kann als eigenständiges bzw. originäres Risiko existieren. Ein Beispiel für ein als eigenständig einzustufendes Reputationsrisiko, könnten unangebrachte Aussagen des Vorstands sein, welche keiner Primärrisikoart zu zuordnen wären.13

2.2 Quellen bankbezogener Reputationsrisiken

Die Quelle von Reputationsrisiken liegt allgemein darin begründet, dass das erwartete Reputationsniveau der Stakeholder nicht mit dem tatsächlich wahrgenommen Reputationsniveau des Unternehmens übereinstimmt, d.h. die Erwartungen, die die Stakeholder an das Unternehmen stellen, werden nicht erfüllt.14 Die daraus resultierende Diskrepanz, kann indirekt zur Folge haben, dass Ertrags- und Umsatzpotentiale verringert werden, da es zu einer Abwanderung von Kunden kommen könnte.15 Die Quellen von Reputationsverlusten sind sehr unterschiedlich und unternehmensindividuell zu betrachten, sie können sowohl unternehmensinternen, als auch unternehmensexternen Ursachen entspringen.16 Dennoch ist es möglich, generelle Quellen bzw. Treiber von Reputationsrisiken zu nennen. Dabei gibt Abb. 2. einen Überblick über Treiber, die die Reputation wesentlich beeinflussen können, es ist jedoch darauf zu achten, dass dies keine abschließende Aufzählung ist und durch weitere Treiber ergänzt werden könnte.17

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Pohl/Zaby (2008), S. 16.

Abb. 2: Reputationsrisiko-Treiber

Dabei bilden die genannten Treiber Kontaktpunkte zwischen der Bank und ihren relevanten Stakeholdern. Dies kann man anhand von Beispielen für die in Abb. 2. genannten Treiber verdeutlichen. Gesellschaftliche Anforderungen definieren den Rahmen des wirtschaftlichen Handelns eines Kreditinstituts, da die Kultur einer Gesellschaft definiert, was als ethisch vertretbar gilt und somit den gesellschaftlichen Anforderungen entspricht, so werden bspw. überhöhte Managergehälter als unethisch erachten und infolgedessen kommt es zu einem Reputationsverlust.18

Die finanzielle Performance ist insbesondere für Aktionäre, Gläubiger und Ratingagenturen von besonderer Bedeutung, so kann der Ausfall eines Großkredites die Reputation einer Bank schädigen und dazu führen, dass die Refinanzierung eines Instituts durch schlechte Marktkonditionen gefährdet wird.19

Ein Verlust von Kreditkartendaten kann bspw. dazu führen, dass das Kommunikationsmanagement in Kontakt mit der Öffentlichkeit treten muss, falls die Kommunikation unkoordiniert und widersprüchlich wirkt, mangelt es an der Qualität interner Prozesse und hat negative Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung.20

Die Reputation hat in gesättigten Käufermärkten einen hohen Stellenwert, denn meist wird die Entscheidung über den Kauf einer Ware aufgrund emotionaler Komponenten wie der Reputation getroffen, da Preis und Qualität der Produkte sich annähern. Deshalb gilt es sicher zu stellen, die Qualität der Produkte zu bewahren und auf Kritik der Kunden einzugehen, um die Kundenzufriedenheit herzustellen und keinen Reputationsverlust zu riskieren.21

2.3 Bedeutung von Reputationsrisiken in der Praxis

Die in Teil 2.2 aufgeführten Beispiele zeigen das Reputationsrisiken in der Finanzdienstleistungsbranche ein hoher Stellenwert beigemessen wird, dies ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass Bankdienstleistungen durch eine starke Vertrauensempfindlichkeit seitens der Kunden gekennzeichnet sind22 und laut Definition inhärent mit der Bildung der Unternehmensreputation verbunden sind. Trotz der exponierten Stellung, die die Reputation für Unternehmen der Finanzbranche einnimmt, befindet sich laut des RepTrak Pulse Score ausschließlich Mastercard, als Unternehmen aus der Finanzbranche, auf Platz 49 unter den Top 100 der „World´s Most Reputable Companies“.23 Wenn man dieses Ergebnis in den Zusammenhang damit setzt, dass die Unternehmensreputation ein wesentlicher Bestandteil der immateriellen Vermögenswerte ist und durch Wettbewerbsvorteile Einfluss auf die finanzielle Performance nehmen kann, ist dieses Ergebnis überraschend und zeigt das Reputationsrisiken in Kreditinstituten mehr Beachtung geschenkt werden sollte.

Des Weiteren sind Institute durch den Ausbau von Social Media24 und die ständige Medienpräsenz erhöhten Reputationsrisiken ausgesetzt, da sich negative Nachrichten schnell ausbreiten und Reputationsverluste hervorrufen, die nur korrigiert werden können, wenn die Institute ihre Kommunikation auf die Medien ausrichten.25 Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Reputation eines Unternehmens durch die Reputation der gesamten Branche beeinflusst wird,26 so ging z.B. im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008 das Vertrauen in die Finanzbranche als systemrelevantes Element der Wirtschaft ein Stück weit verloren.27

Laut einer Finanzmarktstudie aus dem Jahr 2014 betrachten 60 Prozent von 40 befragten Banken das Reputationsrisiko als eigenständige Risikoart (Vgl. Abb. 3).28

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Hoffstetter/Quick (2014)

Abb. 3: Reputationsrisiko-als eigene Risikoart

[...]


1 Vgl. Kerbl/Kauck/Lanter (2012), S. 263f.

2 Vgl. Abenthum (2012), S. 14.

3 Schierenbeck/Grüter/Kurz (2004), S. 6.

4 Vgl. Engel/Sieler (2010), S. 241.

5 Vgl. Sprengel (2015), S. 41.

6 Wuttke/Quick (2015), S. 50.

7 Einhaus (2011), S. 314. und vgl. Basel Committee on Banking Supervision (2009), S. 19, Tz. 47.

8 Vgl. Kaiser/Köhne (2007), S. 25. und Basel Committee on Banking Supervision (2006),

S. 144, Tz. 644.

9 Vgl. Rüstmann (2013), S. 134.

10 Vgl. Bartetzky (2012), S. 76.

11 Vgl. Beil/Merl (2012), S. 51.

12 Vgl. Wuttke/Quick (2015), S .50.

13 Vgl. Kaiser/Kasprowicz (2012), S. 6.

14 Vgl. Schierenbeck/Grüter/Kurz (2004), S. 7.

15 Vgl. Abenthum (2012), S.14

16 Vgl. Bitz (2007), S. 77.

17 Vgl. Pohl/Zaby (2008), S. 15.

18 Vgl. Schierenbeck/Grüter/Kunz (2004), S. 13.

19 Vgl. Einhaus (2011), S. 332

20 Vgl. Einhaus (2007), S. 286f.

21 Vgl. Pohl/Zaby (2008), S. 19.

22 Vgl. Süchting/Paul (1998), S. 11.

23 Vgl. Reputation Institute (2015), S. 9.

24 Vgl. Ternès/Runge (2015), S. 23.

25 Vgl. Eisenegger/Künstle (2003), S. 60.

26 Vgl. Zeitzen (2011), S. 39.

27 Vgl. Kerbl/Klauck/Lanter (2012), S.263f.

28 Vgl. Hoffstetter/Quick (2014).

Details

Seiten
27
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668467767
ISBN (Buch)
9783668467774
Dateigröße
778 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v359234
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Schlagworte
Reputationsrisikomanagement

Autor

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Titel: Reputationsrisikomanagement von Banken