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Wertanlagemöglichkeiten für Privatpersonen

Facharbeit (Schule) 2017 44 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Weltwirtschaftskrise ab 2007
2.1 Ursachen der Weltwirtschaftskrise ab 2007
2.2 Folgen der Weltwirtschaftskrise ab 2007
2.2.1 Unternehmensinsolvenzen in Europa
2.2.2 Privatinsolvenzen in Europa

3 Immobilien als Wertanlage
3.1 Verbraucherfreundliche Richtlinien und günstige Darlehen
3.2 Grundüberlegungen zur Eigenkapitalrendite und der Finanzierung
3.3 Entwicklung des Immobilienmarkts am Beispiel Österreichs
3.4 Kriterien zur Auswahl von Renditeimmobilien

4 Wertpapiere als Kapitalanlagen
4.1 Anleihen
4.1.1 Bonität der Emittenten und Kurs- bzw. Zinsanpassungen
4.2 Investmentfonds
4.2.1 Offene Immobilienfonds
4.2.2 Rentenfonds
4.3 Aktien
4.3.1 Grundüberlegungen zum Handel mit Aktien

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis
Printmedien
Internetquellen

Darstellungsverzeichnis

Abstract

When mortgage banks issued subprime credits, a speculative bubble was formed, which led financial institutions like Lehman Brothers to insolvency. Since the world economic crisis of 2007 private investors fear that banks and financial systems are unable to save and increase their income.

This thesis aims at identifying the causes and consequences of this world economic crisis which are investigated and critically analyzed with the help of literature research. The intention is to learn from the financial crimes committed by the mortgage banks and find the most profitable method for increasing assets and capital. Therefore, a variety of capital investment possibilities for private investors are critically reviewed and compared. First, real estate investments are analyzed and practical examples are carried out by calculating the possible return of equity. Second, a description of bonds is given and their possible outcome for private investors is evaluated, followed by a discussion of the profitability of investment funds, in which two funds and their economic development are practically estimated by using their statements of account. Furthermore, stock trading is described in general and critically investigated.

The research has shown that real estate investments are very lucrative although the markets are overstretched. Investors who do not have the essential capital for real estate investments should make an investment in real estate funds. Due to the European prime rate, investments in bonds at a fixed rate of interest cannot be recommended. The investigation has shown that stock trading is not profitable either for private investors who do not have the opportunity to invest a certain amount of time in their investment strategy due to the need of essential knowledge and a high risk of losing money.

1 Einleitung

Am 15. September 2008 begann die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers ihr Insolvenzverfahren. Damit stürzte sie in einen finanziellen Abgrund und riss die gesamte Weltwirtschaft mit, indem sie unser Wirtschaftssystem in seinen fundamentalen Grundzügen erschütterte. Diese Wirtschaftskrise führte dazu, dass wir unser Denken an die Zukunft und unsere Reflexion gegenüber dem Bankwesen und der Politik des Geldes ins Negative veränderten.

In der vorliegenden Arbeit werden die retrospektiven Ursachen dieser Finanzkrise skizziert. Anschließend werden die Konsequenzen dieser Krise am Beispiel der Privat- und Unternehmensinsolvenzen in Europa kritisch reflektiert. Um aus den Delikten der Vergangenheit zu lernen, werden die vorhandenen Opportunitäten für eine erfolgreiche Kapitalanlage aus der Perspektive eines privaten Investors analysiert.[1]

Um die Grundzüge der Finanzkrise ab 2007 systematisch zu erfassen, wird die englischsprachige Publikation „The Subprime-Solution“ miteinbezogen.[2] Darin schildert der Ökonom Robert J. Shiller den Verlauf der Wirtschaftskrise aus amerikanischer Perspektive. Dabei werden die Ursachen für die Euphorie am amerikanischen Immobilienmarkt sowohl psychologisch als auch pragmatisch am Beispiel der Suggestion der Kreditinstitutionen erklärt. Zusätzlich wird anhand einer Publikation der „Administration of George Bush“ die Suggestion der US-amerikanischen Bevölkerung seitens der Politik erörtert.[3] Die Rolle der medialen Manipulation durch renommierte Ökonomen wird ebenfalls anhand einer Publikation des Ex-Vorsitzenden der US-Notenbank, in der die Geschehnisse in der amerikanischen Ökonomie verharmlost wurden, dargestellt.[4] Anhand einer publizierten Reportage des Unternehmens Creditreform, das ein Instrumentarium verschiedenster Dienstleistungen im Bereich der Finanzbranche zur Verfügung stellt, in der die relevanten Daten für die vorliegende Arbeit akkumuliert und interpretiert wurden, werden die Konsequenzen auf die finanzielle Situation der europäischen Bürger und Unternehmen systematisch dargestellt.[5]

Um ein größeres Sortiment an Wertanlagen zu betrachten, werden verschiedene Opportunitäten analysiert und hinsichtlich ihrer Rentabilität näher betrachtet. Mithilfe eines renommierten Lehrbuches zur Investition in Wohnimmobilien wird die Kapitalanlage in Immobilien diskutiert und anhand eines pragmatischen Exempels konkretisiert.[6] Hierbei muss erwähnt werden, dass es sich dabei um fiktive Ziffern handelt, die nicht aus einem realen Angebot am österreichischen Immobilienmarkt entnommen wurden. Da eine detaillierte Deskription der benötigten Partnerschaften eines gelungenen Immobilieninvestments den Rahmen einer vorwissenschaftlichen Arbeit sprengen würde, wurden diese außer Acht gelassen und nicht näher deskribiert. Wegen derselben Problematik wurde auch auf eine umfassende Auseinandersetzung mit den steuerlichen Aspekten verzichtet und diese nur oberflächlich betrachtet. Jedoch werden innerhalb dieses Abschnittes reformierte Finanzierungsrichtlinien aus der Perspektive der Konsumenten dargestellt und die Entwicklung am österreichischen Immobilienmarkt statistisch behandelt. Die benötigten akkumulierten Daten des österreichischen Immobilienmarkts wurden aus dem Immobilienmarktmonitor der Österreichischen Nationalbank vom Mai 2016 entnommen und anhand mehrerer Grafiken interpretiert.[7]

Nachfolgend werden sowohl Anleihen als auch Investmentfonds konkret behandelt undüber eine Wertanlage basierend auf der Spekulation in Aktien informiert. Aufgrund der umfassenden Thematik werden diese Wertanlagen anhand einer Publikationüber Anlagestrategien skizziert.[8] Eine empirische Auseinandersetzung findet in den Abschnittenüber Immobilienfonds und Rentenfonds Eingang, wobei je ein Exempel anhand von Rechenschaftsberichten analysiert und interpretiert wird. Diese Paradigmen sind auf zwei sehr breit gestreute und volumenstarke Fonds bezogen. Um diverse Parallelen zur Situation am österreichischen Immobilienmarkt zu ziehen, wird im Falle der Immobilienfonds der Bank Austria Real Invest Fonds näher betrachtet.[9] Im Zuge der Analyse des KEPLER Vorsorge Rentenfonds werden Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bezüglich der zukünftigen Entwicklung des Leitzinses berücksichtigt.[10] Die Problematik einer zu breit gefächerten Thematik ist auch im Kapitel 4.1 zu finden. Aufgrund dessen ist ebenfalls die Thematik des Aktienhandels lediglich allgemein behandelt. Eine fundamentale Quelle, die in diesem Abschnitt Eingang gefunden hat, ist ein Factsheet der Österreichischen Nationalbank.[11] Unter der Bezugnahme dieser Quelle werden Einflüsse auf den Aktienkurs an der Börse erwähnt und eine Sortierung der verschiedenen Aktientypen vorgenommen. Um den Ertrag eines Aktieninvestments zu konkretisieren, wird eine grobe Trennung in Dividendenausschüttung und Kursgewinn praktiziert. Dabei wird die kontroverse Einflussnahme der Dividendenausschüttung auf den Aktienkurs mithilfe einer betriebswirtschaftsbezogenen Seminararbeit belegt.[12] Da lediglich ein allgemeiner Überblick geschaffen werden soll, wird diese Relation nicht weiter ausdiskutiert. Außerdem wird aufgrund derselben Problematik keine detaillierte Deskription der fundamentalen Aktienanalyse vorgenommen. Abschließend werden steuerliche Aspekte erwähnt, in denen ebenfalls geschildert wird, welchem rechtlichem Steuergrundsatz diese zu Grunde liegen.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Weltwirtschaftskrise ab 2007 grundlegend zu erfassen, indem der Nährboden dieser Wirtschaftskrise veranschaulicht und mithilfe mehrerer Quellen betrachtet wird, zudem sollen die Effekte der Spekulationsblase am amerikanischen Immobilienmarkt analysiert und durch Implikation diverser Statistiken illustriert werden. Außerdem sollen die behandelten Wertanlagen aus der Perspektive einer Privatperson veranschaulicht und unter Einbezug ihrer Rentabilität und ihres Risikos beurteilt werden, um privaten Anlegern die Opportunität zu schaffen, sich gegen zukünftige Wirtschaftskrisen finanziell zu stabilisieren.

2 Weltwirtschaftskrise ab 2007

2.1 Ursachen der Weltwirtschaftskrise ab 2007

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 1: Amerikanischer Hypothekenmarkt (The Financial Crisis Inquiry Commission 2011, S. 70)

Die Entstehung der Immobilienblase begann mit der kontinuierlichen positiven Entwicklung der Immobilienpreise am US-amerikanischen Markt und einer damit einhergehenden Euphorie am Immobilienmarkt. Das führte dazu, dass Banken vermehrt Hypotheken an Privatpersonen emittierten, welche die Rückzahlung des Kredits nicht durch eine hohe Bonität garantieren konnten.[13] Kreditnehmer mit sehr geringer Bonität, die in ihrer Vergangenheit bereits einmal zahlungsunfähig waren, werden auch als „Subprime“-Kreditnehmer bezeichnet. Die vorstehende Darstellung 1 zeigt die Entwicklung des amerikanischen Hypothekenmarkts. Aus dieser Statistik geht hervor, dass Subprime-Kredite bis ins Jahr 2003 weitestgehend nur einen Anteil von maximal 8,3% am Hypothekenmarkt bezifferten. Durch das aggressive Verkaufsverhalten der Kreditgeber und dem Fehlverhalten der Ratingagenturen stieg der Anteil an Subprime-Krediten ab dem Jahr 2003 rasant an und erreichte im Jahr 2006 vor dem Kollaps der Immobilienblase das Maximum von 23,5%.

Um zu verstehen, weshalb die amerikanischen Kreditgeber so viele Hypotheken an Subprime-Kreditnehmer vergaben, ist es nötig, den von der Firma Standard & Poor’s veröffentlichten Case-Shiller Home Price Index zu analysieren. Dieser Index ist der führende Immobilienindex in den USA und deskribiert die Entwicklung der Immobilienpreise am US-amerikanischen Markt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 2: Case-Shiller Home Index (Federal Reserve Bank of St. Louis 2015)

Die vorstehende Darstellung 2 zeigt den Case-Shiller Home Index, der sich in diesem Fall mit der Preisentwicklung im gesamten amerikanischen Immobilienmarkt befasst. Es ist klar zu erkennen, dass sich das Preisniveau in den Jahren 1987-2000 und darüber hinaus konstant positiv entwickelt. Dieser Prozess bestärkt die Theorie der immer weiter steigenden Immobilienpreise und gibt zu verstehen, dass die amerikanischen Kreditgeber spekulierten, sie könnten bei Verzug der Kreditnehmer, die Immobilien trotzdem gewinnbringend veräußern.[14] Die Kommerzialisierung und Verbriefung der Hypotheken in Wertpapieren wird auch in einem Artikel im Handelsblatt beschrieben[15] und ist aus einer Anklage des US-Justizministeriums an die Ratingagentur S&P im Jahr 2013 ersichtlich.[16] Der amerikanische Ökonom Robert J. Shiller, der auch an der Entwicklung des Case-Shiller Index maßgeblich beteiligt war, schildert die Ursachen der Immobilienblase folgendermaßen:

What was the chain of events in the subprime-crisis? Overly aggressive mortgage lenders, compliant appraisers, and complacent borrowers proliferated to feed the housing boom. Mortgage originators, who planned to sell off the mortgages to securitizers, stopped worrying about repayment risk. They typically made only perfunctory efforts to assess borrowers’ ability to repay their loans [...].[17]

Ab dem Jahr 2000 gibt es eine starke Progression in der Preisentwicklung. Die Gründe für diese starke Entwicklung finden sich in der vermehrten Ausgabe von Subprime-Krediten und der dadurch immer weiter steigenden Nachfrage an Immobilienangeboten. Damit markiert das Jahr 2000 den Beginn des sog. „Booms“ am Immobilienmarkt der USA. Außerdem illustriert die Grafik den Höchststand der Immobilienpreise während der Explosion der Immobilienblase in den Jahren 2006-2007 und den drastischen Preisverfall nach dem Kollaps des Immobilienmarkts.

Damit ist die Rolle der Finanzinstitutionen und Ratingagenturen hinsichtlich der Bildung der Immobilienblase und der internationalen Verbreitung und Verbriefung der Subprime-Kredite geklärt. Abgesehen davon müssen die Rollen der Medien und der Politik in diesem Fall kritisch betrachtet werden. Der US-amerikanische Ökonom Alan Greenspan, der bis 2006 Vorsitzender der US-Notenbank war, beschrieb in seiner Publikation „The Age of Turbulance: Adventures in a new World“ die Immobilienblase nicht als Ganzes, sondern als eine Struktur mehrerer sehr kleiner lokaler Blasen, die keinen weitgehenden internationalen Einfluss haben werden.[18] Seitens der Politik wurde auch kurz vor dem Höchststand der Immobilienpreise keine eindeutige Position gegenüber dem bevorstehenden Kollaps eingenommen. Der damalige Präsident George W. Bush sprach in seinen wöchentlichen Radioauftritten nurüber die positiven Aspekte der amerikanischen Ökonomie und deskribierte die Entwicklungen am Immobilienmarkt als einen positiven Prozess.[19] Auch Alan Greenspans Nachfolger, der Wirtschaftswissenschaftler Ben S. Bernanke äußerte sich zu den wirtschaftlichen Entwicklungen in einem Bericht im Jahr 2005:

Although speculative activity has increased in some areas, at a national level these price increases largely reflect strong economic fundamentals, including robust growth in jobs and incomes, low mortgage rates, steady rates of household formation, and factors that limit the expansion of housing supply in some areas.[20]

Aus diesen Aussagen wird klar, dass sowohl die Politik als auch führende Wirtschaftswissenschaftler, die eine immense Suggestion auf die Geschehnisse am amerikanischen Finanzmarkt und ein großes mediales Echo haben,über die Entwicklung der Immobilienblase zwar informiert waren, allerdings das Ausmaß und die Konsequenzen dieser Euphorie am Immobilienmarkt verharmlosten und sogar als positiv skizzierten. Damit trieben die Politik und die US-amerikanischen Medien die Euphorie am Immobilienmarkt, die bereits ab dem Jahr 2005 ein beachtliches Niveau erreichte, noch weiter in die Höhe.

2.2 Folgen der Weltwirtschaftskrise ab 2007

Aufgrund der internationalen Verbriefung der Subprime-Kredite hatte das Platzen der Spekulationsblase am amerikanischen Immobilienmarkt weitreichende Effekte. Analysiert man den Aktienchart des Branchenführers im Bereich der US-amerikanischen Hypothekenemittenten Fannie Mae, sieht man, dass dieses Unternehmen bereits ab Oktober 2007 unter den Folgen des Kollapses am US-amerikanischen Immobilienmarkt litt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 3: Fannie Mae Aktienchart (Yahoo 2016)

Am 1. Oktober 2007 stand die Aktie des Unternehmens Fannie Mae noch bei 67,30 $. Die Fannie Mae Aktie verlor nach der Explosion der Spekulationsblase drastisch an Wert und erreichte am 8. September 2008 einen Tiefststand von nur 0,74 $.

Zudem ging die IndyMac Bank, der damals siebtgrößte Hypothekenemittent in den USA, am 11. Juli 2008 in den Bankrott und verursachte damit den zweitgrößten Zusammenbruch einer amerikanischen Bank in der Geschichte. Die US-amerikanischen Behörden schlossen die IndyMac Bank undübertrugen sämtliche Bankgeschäfte an die staatliche Bundeseinlagensicherung (FDIC).[21]

Am 15. September 2008 meldete die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an. Der damalige US-Finanzminister Henry Paulson weigerte sich allerdings dem Unternehmen ein Rettungspaket zu schnüren, da die Regierung bereits die Investmentbank Bear Stearns rettete und ein 200 Milliarden Dollar Rettungspaket für die Unternehmen Fannie Mae und Freddie Mac ausgab. Damit brachte die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers den Stein der internationalen Wirtschaftskrise ins Rollen und am Ende mussten zahlreiche Banken weltweit mit Rettungspaketen vor der Insolvenz gerettet werden und nicht nur die US-amerikanischen Finanzinstitutionen.[22] Matthias Auer, ein Journalist der Tageszeitung „Die Presse“, beschrieb die Konsequenz der Insolvenz des Unternehmens Lehman Brothers folgendermaßen:

Mit ihrem Bankrott riss Lehman Brothers um ein Haar das globale Finanzsystem mit sich, Banken misstrauten einander, gaben ihr Geld nicht mehr aus der Hand. Die Welt verlor an den Börsen zwischenzeitlich ein Vermögen vonüber zehn Billionen Euro. Die Weltwirtschaft schlitterte in die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.[23]

2.2.1 Unternehmensinsolvenzen in Europa

In erster Linie ist die Weltwirtschaftskrise ab 2007 eine Banken- und Finanzkrise. Allerdings griff die Finanzkrise rasant auf die Realwirtschaftüber. Die dadurch sinkende Wirtschaftsleistung der Staaten ist ebenfalls an den Rückgängen der Auftragslage in verschiedenen Wirtschaftsbereichen zu sehen. Vor allem der Maschinenbau und die Bauwirtschaft in Europa litten an der Finanzkrise ab 2007.[24]

Die nachstehende Darstellung zeigt den Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in den einzelnen Staaten Europas. Sie zeigt deutlich, dass die Länder Spanien und Irland massiv von der Weltwirtschaftskrise betroffen waren. In Spanien stieg die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen um mehr als 90% und in Irland um mehr als 80%. Auffallend ist auch, dass der prozentuelle Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Österreich in Relation zu anderen europäischen Staaten gering ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 4: Unternehmensinsolvenzen in Europa (Creditreform 2010, S. 2)

Aber in Relation zum Bestand der Unternehmen gab es in Österreich und Luxemburg die meisten Unternehmensinsolvenzen. Wie man in der nachstehenden Darstellung sehen kann, gab es in Österreich nämlich 235 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen. Die Insolvenzquote ist im Vergleich dazu in Spanien äußerst gering. Hier gibt es nur 14 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen. Diese Statistik wird allerdings verfälscht und ist daher nur bedingt aussagekräftig. Die Wirtschaftsforschung des Instituts „Creditreform“ beschreibt diese Statistik folgendermaßen:

Allerdings wird das Bild verzerrt, da die Insolvenzstatistik der einzelnen Staaten nur bedingt miteinander vergleichbar ist. So wird die Insolvenzquote beispielsweise in den Staaten Südeuropas durch eine Vielzahl an Kleinstbetrieben und Selbstständigen nach unten verzerrt. Zum anderen beschreiten in einigen Ländern zahlungsunfähige bzw.überschuldete Firmen seltener den Wegüber ein Insolvenzverfahren wie es u. a. in Deutschland bekannt ist. […][25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 5: Relation der Unternehmensinsolvenzen in Europa (Creditreform 2010, S. 5)

Anhand der nachfolgenden Darstellung lässt sich die Verteilung der Unternehmensinsolvenzen in den einzelnen europäischen Staaten nachvollziehen. Den größten Teil belegen die Staaten Deutschland und Frankreich, zusammen machen diese beiden Staaten 49,6% der Unternehmensinsolvenzen in ganz Europa aus. Während Spanien und Österreich einen sehr geringen Teil von nur 6,4% ausmachen. Seit 2013 sind die Firmeninsolvenzen in Europa rückläufig, im Jahresvergleich 2014/15 gingen die Unternehmensinsolvenzen in den EU-15-Staaten um 4,0% zurück. Jedoch ist die Anzahl der jährlich registrierten Insolvenzfälle immer nochüber dem Niveau als vor der Finanzkrise.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 6: Verteilung der Unternehmensinsolvenzen (Creditreform 2010, S.4)

2.2.2 Privatinsolvenzen in Europa

Im Zuge der Wirtschaftskrise stieg auch die Anzahl der Privatinsolvenzen. Die nachstehende Darstellung zeigt die exakten Zahlen der insolventen Privatpersonen in Europa. Es ist klar zu erkennen, dass die Anzahl der Privatinsolvenzen stark gestiegen ist. Frankreich und Großbritannien verzeichnen eine besonders starke Intensivierung. In Frankreich stieg die Anzahl der Verbraucherkonkurse um 27,8% und in Großbritannien um 23,3% im Jahresvergleich 2008/09. Im Jahr 2003 etablierte man in Frankreich einen Schuldenbereinigungsplan (procédure de rétablissement personnel, PRP), der die persönliche Entschuldung vieler Bürger vereinfacht und mit den sogenannten „Nullplänen“, die ein Insolvenzverfahren nach dem so genannten „Vollerlassmodell“ darstellen, in Deutschland vergleichbar ist.[26] Seit seiner Einführung gibt es in Frankreich einen starken Anstieg der insolvent gemeldeten Privatpersonen.[27]

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser vorwissenschaftlichen Arbeit die Sprachform des generischen Maskulinums angewendet. Ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass die ausschließliche Verwendung der maskulinen Form geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.

[2] vgl. Shiller 2008

[3] vgl. Administration of George W. Bush 2005

[4] vgl. Bernanke 2005

[5] vgl. Creditreform 2010

[6] vgl. Goldwein 2015

[7] vgl. Österreichische Nationalbank 2016

[8] vgl. Spreitzer 2014

[9] vgl. Bank Austria Real Invest Immobilien-Management GmbH 2015

[10] vgl. KEPLER-FONDS Kapitalanlagegesellschaft m.b.H. 2015

[11] vgl. Österreichische Nationalbank 2013

[12] vgl. Herzberger 2013

[13] vgl. Shiller 2008, S. 4 f.

[14] vgl. Shiller 2008, S. 6

[15] vgl. Handelsblatt.com 2013

[16] vgl. finanzen.net 2013

[17] Shiller 2008, S. 6

[18] vgl. Greenspan 2007, S. 231

[19] vgl. Administration of George W. Bush 2005, S. 1309 f.

[20] Bernanke 2005

[21] vgl. Der Spiegel 2008

[22] vgl. Focus 2008

[23] Auer 2013

[24] vgl. Creditreform 2010, S. 1

[25] Creditreform 2010, S. 5

[26] vgl. Stürner u.a. 2014, S. 107

[27] vgl. Creditreform 2010, S. 7

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