Lade Inhalt...

Das Frauenbild in der Serie "Roseanne". Einsatz von Selbstironie und schwarzem Humor zur Sprengung traditioneller Geschlechterrollen

Hausarbeit 2012 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die einfache erfolgreiche Formel von Sitcoms

3. Die Entstehungszeit von Roseanne
3.1 Erfolge der Frauenbewegung in den 80er Jahren
3.2 Starke Frauen in Soap Operas und Sitcoms

4. Abschaffung des Patriarchats - Einblick in die Frauenbewegung und in die feministische Theorie .
4.1 Was macht eine Frau aus?
4.2 Frauenarbeit
4.3 Das Zuhause - Reich der Frau oder des Mannes?!
4.4 Bildungsungleichheit
4.5 Stärken der Weiblichkeit erkennen!

5. Roseanne - Reflektion auf die Frauenrolle
5.1 Roseanne
5.2 Die Töchter Becky und Darlene
5.3 Ihre Schwester Jackie
5.4 Ihre Freundin Crystal

6. Fazit

1. Einleitung

Im US Fernsehen wurden Ende der 80er Jahre die Familiensitcoms enorm erfolg- reich. Den ersten Platz sicherte sich die afroamerikanische Bilderbuchfamilie Cosby aus der „Die Bill Cosby Show“.1 Die Serie spiegelte allerdings nicht den Migrations- hintergrund farbiger Menschen und deren sozialen Hintergrund im Land wieder, son- dern im Vordergrund stand ein reicher Afroamerikanischer Arzt. Umso mehr hielt die- sem Bild die 1988 gestartete Serie „Roseanne“ den gesellschaftlichen Spiegel vor. In insgesamt 222 Episoden wurden bis 1997 neun Staffeln produziert, die dabei enorm erfolgreich vom US Sender ABC vermarktet wurden. Es ging um eine durchschnittli- che Familie, deren Probleme jedoch nicht zu vergleichen waren mit den Sorgen der Cosbys. Die Conners gehörten zur Arbeiterklasse und konnten sich kaum in der Mit- telschicht halten. Sie wohnten in einem Vorort der fiktiven Stadt Lanford. Hier lebte das Ehepaar Dan und Roseanne mit ihren drei Kindern, der intelligenten und hüb- schen Becky, der aufmüpfigen Darleen und dem etwas unterbelichteten DJ. Ihr Fami- lienalltag gleicht nicht unbedingt dem von anderen Familiensitcoms, denn es wurden einige Tabus gebrochen. Diese spiegelten sich hauptsächlich in Themen wie: Klas- senunterschiede in der Gesellschaft, die erste Periode, Homosexualität, Teenager- Schwangerschaften, Alkoholismus, Drogen und vor allem in Armut wieder.2 Das Be- sondere der Serie war jedoch die Rolle der Frau. Roseanne war die erste Familien- mutter, die nicht hinter dem Ehemann stand sondern vor ihm. Sie regierte die Fami- lie. In einem Interview sagte Roseanne Barr, dass üblicherweise die Familienväter immer alles wussten und die Familienmütter meist nur entzückt waren. Sie wollte die erste „richtige Mutter“ sein und eine Botschaft darüber geben, wie sich Frauen wirk- lich fühlen und wie sie sind.3 Diese Themen wurden vom Publikum wahrscheinlich deshalb sehr gut angenommen, weil die Darsteller, allen voran Roseanne selbst, durch Spontanität, Schlagfertigkeit und Wortwitz ihren eigenen Stil einbrachten und die Serie mit Comedy umrundet wurde. Roseanne Barr, die vor ihrem Fernsehdebüt als Standup- Comedian ihr Geld verdiente, kam quasi von der Bühne ins Fernsehen.

2. Die einfache erfolgreiche Formel von Sitcoms

Seit den 50er Jahren hat sich die Darstellung der Arbeitswelt im Fernsehen stetig gewandelt. Während in den 60er Jahren noch gut betuchte Berufe präsentiert wur- den, wie Richter, Ärzte oder Lehrer entstand bis zum Ende der 80er Jahre ein starker Wandel. Die Hauptrollen wurden zu Anfangs fast ausschließlich von Männern ge- spielt. Die Faustformel für eine Serie war: >>young- white- male- middle- class<<. Auch in anderen Nationen zeigte das Fernsehen ein ähnliches Bild.4 Der kulturelle Konsens wurde durch das Fernsehen wiedergespiegelt, nämlich so wie die Realität in der Gesellschaft aussah.5 Weiterhin hatte das Fernsehen dankbare Abnehmer, denn die Zuschauer mochten diese unproblematische leichte Fernsehkost. Sie muss- ten sich nicht besonders konzentrieren, sie waren vielmehr flüchtige Zuschauer. Ihnen kam ein Strom von Bildern entgegen, der von ihnen empfangen oder verpasst wurde. Auch aus diesem Grund, kam eine sich ständig wiederkehrende Erzählform auf, die dem Großteil der Zuschauer eine ihnen vertraute Handlung immer wieder aufzeigte. Die Wiederholungsstruktur ist auch heute noch besonders bei Sitcoms wiederzufinden. Wenn eine oder zwei Episoden verpasst wurden, bleiben die Ereig- nisse dennoch vertraut durch die ständigen Wiederholungen des bereits bekannten.6 Die Figuren aus den Sitcoms bzw. Serien entwickeln ein Bekannten- Verhältnis mit dem Zuschauer. Mit der Zeit werden die Figuren uns so nah werden wie Nachbarn und es entwickelt sich ein vertrautes Gefühl mit diesen Personen. Die meisten Sit- coms lassen die Zuschauer interaktiv teilhaben indem sie eine Figurenidentifikation zulassen, die sie mitfiebern oder mitleiden lässt. Ein entscheidender Vorteil einer Sit- com ist das Format. Dieses ist so aufgebaut, dass der Zuschauer jederzeit in die Se- rie wieder eintauchen kann, auch wenn eine Folge verpasst wurde. Es kommt zu ei- nem sich ständig wiederholenden Plot mit denselben Personen. Weiterhin erfolgen keine erheblichen Schritte in der Entwicklung der Darsteller, wie es bei beispielswei- se dramatischen Serien der Fall ist.7

3. Die Entstehungszeit von Roseanne

3.1 Erfolge der Frauenbewegung in den 80er Jahren

Die 80er Jahre waren von einigen Höhepunkten der Frauenbewegung geprägt. Zum einen, wurde 1981 einer der ersten Fälle über Lohngleichheit vor Gericht verhandelt. Die Aussicht auf Erfolg war allerdings gering, aufgrund einer herrschenden Diskrimi- nierung von Frauen in höheren Positionen. Die erste US- amerikanische Astronautin Sally Ride flog 1980 ins Weltall. In der Wirtschaft fand die Kosmetikindustrie eine zentrale Position, da diese 1984 einen Jahresumsatz von über 10 Milliarden Dollar erreichte. In der Musikindustrie feierte Madonna mit ihren Hits „Like a Virgin“ und „Material Girl“ entscheidende Erfolge und pflasterte ihren Weg zur Pop Ikone, die geliebt und gleichzeitig angeprangert wurde. Danielle Steele wurde als Schriftstellerin nach ihrem Durchbruch mit „Abschied von St. Petersburg“ zu einer der erfolgreichs- ten Schriftstellerinnen der Welt. Und auch in der Filmindustrie wurde 1986 Randa Haines als erste Frau für den Regie- Oscar nominiert.8

3.2 Starke Frauen in Soap Operas und Sitcoms

Die populäre Kultur wurde jedoch in den 80er Jahren stark von der Politik beeinflusst. So entstanden unter der Reagan- und Bush-Ära konservative Fernsehinhalte, in de- nen Familienwerte und Heteronormativität in den Vordergrund gestellt wurden. Es kam zu einem feministischen Umdenken, bei dem der Unterschied von Frauen und Männern betont wurde. Die Frauen sollten sich auf ihre natürliche Weiblichkeit zu- rückbesinnen. So kam es zu Serien wie „Dallas“, „Denver-Clan“ oder „Falcon Crest“. Die Frauen, die sich in eine männlich geprägte Welt wagten wurden verurteilt oder darauf hingewiesen, dass sie dadurch wesentlich wichtigere Dinge vernachlässigen.9 Mächtige Frauen wurden als böse und skrupellos dargestellt, so wie Joan Collins als Alexis Carrington in der Serie „Denver Clan“, in der sie ihre weiblichen Reize einsetz- te um Karriere zu machen und als emanzipierte und männermordende Geschäftsfrau dargestellt wurde. Sie hatte dunkles Haar und wurde besser bekannt als „Das Biest“. Ihr Gegenstück war in der Serie Krystle Carrington, gespielt von Linda Evans. Die harmlose, treue und brave Frau stand stets hinter ihrem Mann und dessen Macht, die sie nie in Frage stellte. Zum Lohn wurde sie wie ein Engel dargestellt. Ihre blonden Haare unterstützen diese Aussage bildlich. Meist bleiben bei den erfolgreichen und emanzipierten Frauen die Beziehungen und das persönliche Glück auf der Strecke. In der Sitcom „Wer ist hier der Boss“ aus dem Jahr 1984, welches auf ABC ausge- strahlt wurde, gab es ein umgekehrtes Geschlechterbild. Hier ging es vordergründlich um die geschiedene und alleinerziehende Angela Bower, die sehr erfolgreich im Be- ruf war und einen Haushälter einstellte. In ihrer Kindheit meist verunsichert und über- gewichtig, entwickelte sie sich zu einer starken und selbstbewussten Karrierefrau. Die Emanzipation übernahm sie mehr und mehr von ihrer Serienmutter, welche ihr auch riet einen Mann einzustellen, da Männer dieselben unproduktiven und unbe- deutsamen Aufgaben erledigen können wie Frauen. Ihre Mutter ist verwitwet und entwickelte sich ebenfalls zu einer starken selbstsicheren Frau, die sich Männern nicht unterstellt. Bis zum Ende der Serie standen die Beziehungen der Hauptdarstel- ler im Vordergrund. Der Zuschauer hatte bis zum Schluss die Erwartungshaltung, dass die Hauptdarsteller am Ende zusammen finden. In dieser Zeit entwickelte Tony, welcher den Haushälter in der Serie spielte, eine Vaterbeziehung zum Sohn seiner Chefin. Analog hierzu, entstand zwischen Angela und der Tochter von Tony, der ebenfalls alleinerziehend war, nachdem seine Frau starb, auch eine innige Bezie- hung.10

An dieser Sitcom ist auffallend, dass die Autoren die weibliche Hauptrolle selbst ent- scheiden ließen welchen Lebensweg sie gehen wollte, Angela entschied sich so nach der Scheidung alleine mit ihrem Sohn als berufstätige Mutter aufzuziehen. Tony hingegen hatte nach dem Tod seiner Frau kaum eine Wahl und konnte somit sein Schicksal nicht selbst bestimmen. In dieser Sitcom wird ebenfalls das bereits be- schriebene Klischee bedient, dass eine erfolgreiche Frau Abstriche im Privatleben machen muss, wenn sie im Beruf erfolgreich werden will. Vor allem wird dies deutlich durch den zunächst fehlenden Lebensgefährten und Vaterfigur für den Sohn von An- gela. Weiterhin spielte die Protagonistin eine sehr steife und verbissene Rolle, wel- che ihr hauptsächlich aufgrund ihres erfolgreichen Berufes zugeschrieben wurde. Um das Serien- Finale abzuschließen und den Zuschauern ein Happy End zu liefern, kamen die Protagonisten in diesem Comedy- Format letztendlich zusammen und wurden ein Paar.

In der „Bill Cosby Show“ arbeiteten beide Elternteile. Die Mutter Claire (Phylica Ras- had) war als Anwältin, die Ehefrau von Dr. Heathcliff Huxtable (Bill Cosby) ständig mit ihrer eigenen Karriere beschäftigt und wurde am Ende der Serie sogar Partnerin einer Anwaltskanzlei. Im Vergleich zu anderen Sitcoms mit arbeitenden Müttern ist es hier jedoch kein Hindernis, sehr erfolgreich im Beruf, eine liebende und fürsorgliche Mutter und auch noch eine ihrem Ehemann treu zur Seite stehende Frau zu sein. Claire war als afroamerikanische Frau, Mutter von fünf Kindern und einer steilen Kar- riere in einer von Männern dominierten Branche nicht einmal an ihre Grenzen gesto- ßen. Ihrer Familie, insbesondere den Kindern sind niemals schwerwiegende Schick- sale zuteil geworden. Eine Bilderbuchkarriere und -familie hat Claire sich mit Leich- tigkeit erarbeitet, was wohl zu dieser Zeit einer realen afroamerikanischen Frau un- möglich gewesen wäre zu erreichen bzw. zu erhalten und zusätzlich wie eine feine Dame zu wirken.11 Ohne jegliche Makel und deshalb fast schon unrealistisch, spielte sie eine perfekte Nebenrolle.

Ein Wandel in der Rolle der Frau läutete der amerikanische Comedy-Star Roseanne Barr mit ihrer eigenen Sitcom Roseanne ein. Sie spielte das Zentrum der Familie. Sie regierte und kontrollierte alles und jeden. Die Serie war ein Einzelstück in der langen Reihe von Sitcoms von dem US-Fernsehsender ABC. Dieser war im Bereich fami- lienorientierter Sitcoms wie „Full House“ (1987-95), „Alle unter einem Dach“ (1989- 97) und „Hör mal, wer da hämmert“ (1991-99) Marktführer in den Vereinigten Staa- ten. Neben diesen gängigen Sitcoms entstand auch „Roseanne“, die jedoch in Bezug auf das wiedergespiegelte soziale Milieu, eher in einem Satz erwähnt wird mit der ebenfalls sehr erfolgreichen Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“, die bei FOX lief. Es besteht jedoch bis auf ähnliche gesellschaftliche und soziale Missstände, wenige Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Frauenrolle. In dieser Sitcom wird ein komplett anderes Frauenbild dargestellt, denn die Familienmutter Peggy ist keine Hausfrau. Sie putzt niemals, sie kocht niemals und kümmert sich um nichts und niemanden. Das einzige was Peggy (Katey Sagal) interessiert ist Sex und Geld. Der Plot der Serie ist, dass ihr Ehemann Al (Ed O’Neill) beides nicht geben will. Ihre Lebensweis- heit versucht Peggy ihrer Tochter weiter zugeben. Diese schafft meistens, durch ihre blonden Haare und aufreißenden Kleider zu bekommen was sie will.12

Beide eben beschriebenen Familien bilden keine amerikanische Vorzeigefamilie ab. Sie stehen im sozialen Brennpunkt und sind bitterböse. Es geht meist nicht harmo- nisch zu und ein gemeiner spitzzüngiger Spruch jagt den nächsten. So wie es bei Roseanne gang und gebe war, durch schwarzen Humor und vor allem Selbstironie die Probleme einer Arbeiterfamilie herunter zu spielen. Dennoch ist es nur, durch diesen eigenen Humor ist es für die Familie Conner möglich einen Abwehrmecha- nismus zu entwickeln, mit dem das emotionale Gleichgewicht gehalten und ihre Probleme runter gespielt werden können. Es werden Probleme thematisiert, die ein jeder aus dem Alltag kennt. Obwohl der schwarze Humor an einer misslichen Lage nichts ändern kann, hebt dieser die Stimmung an und motiviert zum „weiter machen“. Er hilft in der Stressbewältigung und hält die eigene Stabilität aufrecht.13 Dieser Hu- mor machte Familie Conner letztendlich sympathisch und populär. Die Serienfiguren aus Roseanne bilden keine stereotypen dar, die in anderen Sitcoms üblich sind. Eben diese untypische Form ließ die Sitcom bis zur 8. Staffel unter den TOP 5 der erfolgreichsten Sitcoms bleiben, wie die amerikanische Quotenmessungsplattform Nielsen Rating bestätigte.14

4. Abschaffung des Patriarchats - Einblick in die Frauenbewegung und in die feministische Theorie

Die Frauenbewegung ist nicht nur im Kampf um Gleichberechtigung aktiv, sondern auch bemüht symbolische Kämpfe auszutragen um der Bedeutung und Definition der Weiblichkeit mehr Raum zugeben.

[...]


1 http://www.fernsehserien.de/index.php?serie=2318

2 http://www.whycostas.com/product.php?productid=36975&cat=0&page=1

3 http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=4004&p3= 3

4 Schumacher, Heidemarie, Fernsehen fernsehen (Ostfilden, DuMont Verlag, 2000), S.162- 164

5 Schumacher, Heidemarie, Fernsehen fernsehen, S.171- 172

6 Schumacher, Heidemarie, Fernsehen fernsehen, S.177- 186

7 http://www.medienheft.ch/index.php?id=14&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=346&tx_ttnews[backPid]=7 4

8 Spangler, Lynn C., Television Women from Lucy to Friends - Fifty years of Sitcoms and Feminism (Greenwood Pub Group Inc, 2003)

9 Leuzhofer, Karin, Chicks Rule! (Bielefeld, Transcript, 2006), S.34- 35 5

10 Spangler, Lynn C., Television Women from Lucy to Friends - Fifty years of Sitcoms and Feminism (Greenwood Pub Group Inc, 2003) S.181

11 Collins, Patricia Hill, Fighting words: Black women and the search for justice (University of Minnesota, 1998)

S. 39/40

12 Television Women From Lucy to Friends, S.180- 181

13 Frittum, Markus, Humor und sein Nutzen für Sozialarbeiterinnen (Wiesbaden, VS Verlag, 2012) S.35 - 36

14 http://www.buddytv.com/articles/rosanne/roseanne-8599.aspx

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668441460
ISBN (Buch)
9783668441477
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v359146
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Medienanalyse Sitcom Gender Roseanne Geschlechterrollen Medien

Autor

Zurück

Titel: Das Frauenbild in der Serie "Roseanne". Einsatz von Selbstironie und schwarzem Humor zur Sprengung traditioneller Geschlechterrollen