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"Leda und der Schwan". Die politische Botschaft hinter dem mythologischen Motiv. Kunst im Dritten Reich

Hausarbeit 2016 20 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. „Leda und der Schwan“

3. Kunst inา Dritten Reich
3.1 Aktmalerei in der NS-Kunst
3.2 „Leda und der Schwan“ im Dritten Reich
3.2.1 Rollenbilder: Leda als „die deutsche Frau“?
3.2.2 Warum ist Zoophilie darstellbar?

4. Der Umgang mit dem Motiv in der zeitgenössischen Kunst

5. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Leda und der Schwan“ ist eine der mythologischen Erzählungen der griechischen An­tike, die seit jeher ein beliebtes Motiv in der Kunst ist. In der Sage geht es um den Liebesakt zwischen dem Göttervater Zeus in der Gestalt eines Schwans und der schö­nen Leda. Das Sujet wurde von Künstlern wie Michelangelo (1475-1564), Leonardo da Vinci (1452-1519) und Caravaggio (1571-1610) aufgegriffen und erlaubte lange Zeit den Künstlern eine erotische Darstellung eines weiblichen Aktes ohne die Präsenz eines männlichen.

Der Gegenstand dieser Hausarbeit ist das Gemälde „Leda und der Schwan“ von Paul Mathias Padua (1903-1981) aus dem Jahre 1936, welches auf besonderen Wunsch Adolf Hitlers bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1939 ausgestellt wurde, wobei die offensichtliche Obszönität des Bildes zu vielen Diskussionen führte[1].

Der mögliche propagandistische Inhalt des Gemäldes und die Darstellbarkeit einer sol­chen provokativen sexuellen Begegnung zwischen einem Menschen und einem Tier ist die zentrale Frage dieser Arbeit.

Zunächst werde ich vom Objekt ausgehend auf den mythologischen Hintergrund der der Erzählung eingehen. Bezugnehmend zum Kunstverständnis im Dritten Reich, be­sonders zu Aktmalereien, werde ich das Gemälde Paul Mathias Paduas auf seine po­litische Intention analysieren. Dabei sind die Rollenbilder der Frau und des Mannes in der NS-Politik von Bedeutung. Anschließend werde ich mich mit der Frage nach der Darstellbarkeit eines zoophilen Sujets beschäftigen und auf die Bedeutung des Motivs in der zeitgenössischen Kunst beziehen.

2. „Leda und der Schwan"

Paul Mathias Padua zeigt uns die rothaarige Leda mit roten Lippen und einer Perlenkette. Sie liegt auf dem Rücken, bedeckt mit ihrem rechten Arm ihr Gesicht und hat im Gegensatz zu dem Schwan eine eher passive Teilnahme am Liebesspiel. Der weiße, überlebensgroß dargestellte Schwan besteigt sie in diesem Mo­ment. Die Flügel breit gespreizt in der Luft, den langen Hals schwingt er in die Höhe (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Paul Mathias Padua: „Leda und der Schwan“, 1936

Es ist kein zärtlich liebevoller Geschlechtsver­kehr, sondern im Gegenteil eine anstößige Dar­stellung des Aktes. Leda liegt unter dem Schwan, nach hinten kippend und es wirkt, als würde sie sich mit der linken Hand abstützen wollen. Der Schwan ist ganz klar der aktivere Partner in diesem Bild, womit das Gemälde an die eigentliche Vergewaltigungsszene, wie in der Mythologie beschrieben wird, sehr nahekommt. Denn auch in der Mythologie ergreift Zeus die Initiative.

In den Ovids „Metamorphosen“ ist die Sage im „Sechsten Buch“ in die „Arachne“-Er- zählung eingebettet[2]. Im Wettstreit mit Minerva webt Arachne einen Teppich, auf dem die Götter und ihre Liebesbeziehungen gezeigt werden, unter anderen auch Zeus/Ju­piter mit Leda: „[...] Leda bildet sie auch, wie der Schwan sie deckt mit den Flügeln; [,..]“[3]. Der Sage nach verwandelte sich Zeus in einen weißen Schwan um Leda, die Frau des spartanischen Königs Tyndareos[4], zu verführen, so wie er sich bekannter­weise für sexuelle Absichten vielen Frauen in Tiergestalten näherte[5]. Als Vorwand inszenierte er eine Flucht vor einem Adler und suchte Schutz zwischen Ledas Beinen, wobei er sie schwängerte[6]. Aus der Verbindung entstanden 4 Kinder in 2 Eiern ausge­brütet. Die zwei Dioskuren Kastor und Pollux, die schöne Helena und ihre Schwester Klytemnaestra[7].

Der Mythos von Leda und Zeus ist eins der wichtigen Verbindungen aus der griechi­schen Antike, welche durch die Zeugung Helenas den Grundstein für den Untergang Trojas und die darauffolgende Gründung Roms legte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Peter Paul Rubens nach Michelangelo: „Leda mit dem Schwan“, 1598-1600

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Leonardo da Vinci: „Leda“, 1505

Wie es in der Mythologie auch erzählt wird, sehen wir bei Padua den Schwan im Schoß Ledas. Es ist eine fast schon pornografische Darstellung im Ge­gensatz zu den alten Meistern, wie Peter Paul Rubens (1577-1640), welche eine Kopie von Michelangelos Version der Sage ist, oder Leonardo da Vinci (Abb. 2-3).

Bei Rubens und da Vinci sehen wir eine eher zärtliche und liebevolle Verbindung zwi­schen dem Tier und der Frau, wobei es bei da Vinci kein sexueller Akt direkt gezeigt, was jedoch mit den aus den Eiern schlüpfenden Kindern links von Leda suggeriert wird. Bei beiden Abbildungen scheinen beide Aktanten emotional und körperlich gleichermaßen am Akt beteiligt zu sein. Es scheint keinen überlegeneren Partner beim

Liebespiel zu geben. Von einer Vergewaltigung oder ungewollter Verbindung seitens Leda könnte man beim Betrachten dieser Werke nicht sprechen.

Dagegen zeigt uns Padua (Abb. 1) eine deutliche Macht des Tieres über die Frau. Einerseits kann man das an der Bildkonstruktion sehen und andererseits auch an der Stellung des Schwanes während des Geschlechtsaktes. Er besteigt die Frau von oben und ist in der oberen Hälfte des Bildes positioniert, während sie unter ihm liegt und in der unteren Hälfte des Bildes zu sehen ist.

Auch wenn Padua den Schwan machtvoll, stark und der Leda überlegen darstellt, kann man keine große Abneigung von Ledas Seite aus erkennen. Sie nimmt zwar eher pas­siv an dem Geschlechtsverkehr teil, wendet ihren Kopf vom Schwan ab, jedoch scheint sie sich gegen die angebliche Vergewaltigung nicht zu wehren. Vielmehr wirkt sie ero­tisch lustvoll und vom Akt erschöpft, während der Schwan durch seine Körperhaltung, seine aufgeschlagenen Flügel erregt und triumphierend aussieht. Seinen langen Hals kann man als ein Symbol für das männliche Glied deuten, was die Erotik der fast por­nografischen Darstellung nochmals unterstreicht. Den Zusammenhang zwischen ei­nem Schwan und dem männlichen Glied bestätigt die ikonografische Tradition der „Phallus-Vögel“ aus dem fünften und sechsten Jahrhundert vor Christus[8].

3. Kunst im Dritten Reich

In der Malerei des Nationalsozialismus war das Gemälde „Leda mit dem Schwan“ von Paul Mathias Padua eins der bekanntesten Aktbilder[9]. Es wurde in einer der acht „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ im „Haus der Deutschen Kunst“ in München ausgestellt. Die Ausstellungen von 1937 bis 1944 zeigten Jahr für Jahr eine Auswahl der besten deutschen Kunstwerke nach nationalsozialistischem Kunstverständnis[10]. Diese war an den traditionellen Akademismus als Vorbild für die deutsche Kunst an- gelehnt[11] und politisch instrumentalisiert, hatte folglich einen propagandistischen In­halt und bediente den „auf die Sehgewohnheit der Masse abgestimmten Klischee- Realismus“[12]. An die Kunst des 19. Jahrhunderts angeknüpft, wurden alle modernen Kunstrichtungen, wie Expressionismus, Impressionismus und jegliche Abstraktionen gezielt abgelehnt[13]. Die Aufgabe der NS-Kunst war es, den Geist des Volkes zu prä­gen und ein neues Menschenbild zu formen. Hitler selbst betonte regelmäßig den engen Zusammenhang von Politik und Kunst[14]. Bei der Eröffnung der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ im Jahr 1937 behauptete er: „Es gibt ทนท einmal kein stolzeres Dokument für das höchste Lebensrecht eines Volkes als dessen unsterbli­che kulturelle Leistunden.[15]

Mit den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ in München setzte Hitler den „Kunststempel“ der Nationalsozialisten[16]. Es sollte „ehrliche künstleri­sche Leistung“[17] gezeigt werden. So wurden von 16000 angemeldeten Kunstwerken nur 600 bei der ersten Ausstellung im Jahre 1937 präsentiert, wobei sie nach Hitlers Geschmack ausgewählt worden sind[18]. Neben Führerbildern wurden auch Blumenstillleben, sowie Landschaftsbilder, Fami­lienmotive und Akte ausgestellt. Später kamen auch Kriegsszenerien dazu[19].

Unter anderen waren auch Werke von Padua da­bei. Er war jünger als die anderen Künstler, wurde aber schnell zu einem der belieb­testen Künstler des NS-Regimes gekürt. Mit seinen propagandistischen Gemälden wie „Der Volksempfänger“ (Abb. 4.) bediente er geschickt die Nazi-Ideologie. Es zeigt uns eine idyllische deutsche Familie nach der Nazi-Vorstellung beim familiären Hören des Führers über den „Volksempfänger[20] “.

[...]


[1] Petropoulos 1999, S. 296 f.

[2] Vgl. Ovid unter: http://www.zeno.orq/Literatur/M/Ovid/Epos/Metamorphosen/Sechstes+Buch (letz­ter Aufruf: 15.10.2016).

[3] Ebd.

[4] Vgl. Krauss/Uthemann 2003, S. 12.

[5] Vgl. Alexandras 2008, S.287.

[6] Vgl. Krauss/Uthemann 2003, S. 12.

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. Alexandras 2008, S.298.

[9] Vgl. Ketter 2002, S. 128.

[10] Vgl. Hinz 1974, S. 35.

[11] SInngem. ebd., S. 1.

[12] Hinz 1974, S. 14.

[13] Vgl. Ketter 2002, S. 128 f.

[14] Vgl. Adam 1992, S. 9 f.

[15] Hitler 1937, hier in Hinz 1974, S. 161.

[16] Vgl. Adam 1992, S. 93.

[17] Hitler, hierzit. nach Adam 1992, S. 94.

[18] Vgl. ebd., S. 94 f.

[19] Vgl. Der Spiegel 33/1974. Unter: http://www.spieqel.de/spieqel/print/d-41667270.html (Letzter Aufruf: 1.11.2016).

[20] Das Propagandaradio des NS-Reglmes.

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668440777
ISBN (Buch)
9783668440784
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v359129
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Leda Zeus Kunstgeschichte Mythologie Padua Paul Mathias Padua Hitler Kunst Kunst im Dritten Reich Leda und der Schwan Schwan Rubens Aktmalerei in der NS-Kunst NS Kunst nationalsozialistische Kunst nazi Kunst Nazi Malerei Zoophilie Zoophilie in der Kunst

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