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Religion und Kirchen als Elemente der Sozialstruktur Deutschlands

Hausarbeit 1999 15 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Struktur und Funktionsbestimmung von Religion und Kirche

3. Zur Sozialgeschichte von Religion und Kirche
3.1 Die Entwicklung bis 1945
3.2 Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland
3.3 Die Entwicklung in der DDR

4. Kirchen und Religionsgemeinschaften in Deutschland

5. Zum Verhältnis Staat – Kirche – Gesellschaft
5.1 Das System der Kirchensteuer
5.2 Entwicklungen im Verhältnis Kirche - Staat – Politik
5.3 Die Kirchen als Arbeitgeber

6. Säkularisierung des öffentlichen und des privaten Lebens

7. Schlußbemerkung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich die Stellung von Religion und Kirchen in der deutschen Sozialstruktur näher beleuchten.

Dabei werde ich mich insbesondere auf die beiden großen Kirchen in Deutschland beziehen. Diese da sind die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Römisch-katholische Kirche. Jenen beiden Kirchen gehört der Hauptteil der deutschen religiösen Bevölkerung an. Zu Beginn möchte versuchen, den historischen Hintergrund näher zu beleuchten, da die Vergangenheit sehr wohl einen Einfluß auf die heutige Stellung der Kirche in der Sozialstruktur unseres Landes hat. Die Entwicklung der Stellung der Kirche in der DDR werde ich auch kurz beleuchten. Jedoch soll dies nur von untergeordneter Bedeutung sein.

Des weiteren ist mir daran gelegen, das Verhältnis von Staat, Kirche und der Gesellschaft näher zu betrachten. Hierbei werden die Bestimmungen des Grundgesetzes im Vordergrund stehen, welche ich vorstellen und erklären möchte. Am Ende meiner Ausführungen werde ich mich mit dem Einfluß der Säkularisierung auf die Kirchen und ihre Folgen auseinandersetzen. Natürlich werde ich mich auch kurz mit den Freikirchen bzw. anderen Religionsgemeinschaften beschäftigen, was aber nur am Rande Bedeutung haben wird.

2. Struktur und Funktionsbestimmung von Religion und Kirche

In diesem Abschnitt möchte ich die Begriffe Religion und Kirche näher untersuchen und darlegen, wie verschiedene Soziologen diese definieren und zu erklären versuchen. Es geht also um die Struktur und Funktionsbestimmung von Religion und Kirche.

So schreibt Kaufmann : “In religionswissenschaftlicher Perspektive bezieht sich „das Religiöse“ auf „das Heilige“, auf das jenseitige und außerhalb der alltäglichen Erfahrung liegende, es umfaßt die Riten, Kulte und Rollen und Einrichtungen, durch die sich die Menschen in ihrem Zusammenleben einer außeralltäglichen Wirklichkeit versichern.“[1] Bei Emil Dürkheim und Talcott Parsons, welche ein funktionalistisches Rollenverständnis hatten, dient die Religion durch die mit ihr geleisteten Fundierung eines Wertsystems der Integration der Gesellschaft.

Bei Niklas Luhmann leistet Religion die „ soziale Chiffrierung“ des Unbekannten. „Sie dient sowohl der Kompensation von Leid- und Unrechtserfahrungen wie der symbolischen Stabilisierung des Gesamtzusammenhangs.“[2] In Anlehnung an Max Webers umfangreiches, religionssoziologisches Werk kann man ergänzen: „Religion dient nicht nur der religiösen „methodischen Lebensführung“ im engeren Sinn, sondern auch der „innerweltlichen“ Daseinsbewältigung und sei es für die Weltbedeutung und Verständigung über letzte „Wahrheiten“.“[3]

Als nächstes soll der Begriff der Kirche näher bestimmt werden. So ist nach Kaufmann unter Kirchen zu verstehen: „... die Selbstbezeichnung der Christen für ihre Vergemeinschaftungsform.“[4] Aus soziologischer Perspektive kann man Kirchen als jene ausdifferenzierten, abgrenzbaren Sozialbereiche sehen, in denen auf eine bestimmte Religion bezogen gedacht, gehandelt und kommuniziert wird.[5] Wenn man in Deutschland den Begriff Kirchen erwähnt, versteht man an erster Stelle darunter die beiden großen christlichen Kirchen, also die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Katholische Kirche. Wenn die christliche Religion und die kirchliche Verankerung spezifische Ausprägung hat, spricht man in der Regel von der Konfession.

„ Konfessionen kann man definieren als über Glaubenssonderwissen, Sonderwerte, Sondernormen und Sonderriten integrierte... Kommunikations- und Handlungszusammenhänge mit sozialer Schließungs- und Ausschließungstendenz.“[6] Ich denke, dass gerade die beiden Begriffe Schließungs- und Ausschließungstendenz hier sehr wichtig sind. Da sich ja die unterschiedlichen Konfessionen gerade durch ihren „ Sonderglauben“ von der großen Masse der Gläubigen abgrenzen wollen.

3. Zur Sozialgeschichte von Religion und Kirche

3.1 Die Entwicklung bis 1945

Religiosität und Kirchlichkeit waren schon immer dominante Elemente der Sozialstruktur, mittelalterlicher und ständischer Gesellschaften bis ins 19. Jahrhundert. Nach der Reformation lösten sich die deutschen Protestanten von der Römischen Kirche. An die Stelle des Papstes und zumeist auch der Bischöfe traten die protestantischen Fürsten. Diese wirkten jetzt auf die Kirchenverwaltung und Kirchendisziplin ein. Dementsprechend wurden nun die protestantischen Gemeinden als Landeskirchen ein integraler Bestandteil der entstehenden Territorialstaaten. Die katholischen Landschaften standen weitgehend unter bischöflicher oder fürstäbtlicher Herrschaft. Als Napoleon zeitweise in den deutschen Ländern die Herrschaft übernahm, zerstörte dieser die geistlichen Herrschaften und zwang dadurch die katholische Kirche, ihre organisatorischen Grundlagen in ganz Europa neu zu ordnen. Unter der zeitweisen Herrschaft Napoleons und durch die Auswirkungen seiner Kriege, wurde in Deutschland Säkularisierung in einem größeren Umfang wirksam. Der in diesem Zusammenhang bedeutende Reichsdeputationshauptschluss von 1803 hatte weitreichende religiöse, kirchliche und territoriale Auswirkungen. Durch diesen Beschluß wurde der Einfluß der geistlichen Fürsten stark eingeschränkt, da sie ihre Macht an die weltlichen Fürsten abgeben mußten. Als nächstes zeichnete sich eine zunehmende Konfessionalisierung des Volksschulbildungswesen ab. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Katholisch oder Evangelisch- Theologische Fakultäten an bestehende Universitäten angegliedert. Diese Angliederungen machten katholische wie lutherische Geistliche quasi zu Staatsdienern.

Die Kirche, vor allem die katholische, tat sich schwer, sich dem Lauf der Zeit anzupassen. Neue Denkformen und Gesellschaftssysteme wie Aufklärung, Moderne, Liberalismus und Demokratie wurden nur schwer akzeptiert. Auch ihr soziales Engagement folgte zunächst ständisch feudalen Mustern.

Ende des 19. Jahrhunderts gründeten die beiden christlichen Kirchen ihre beiden großen Hilfswerke. Die evangelische Kirche rief die Innere Mission hervor und die katholische Kirche gründete den Deutschen Caritasverband.

1957 wurde die Innere Mission mit dem Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Diakonischen Werk zusammengefaßt.

1919 wurden durch die Weimarer Reichsverfassung die alten reichsrechtlichen und landesfürstlichen Sicherungen für die Kirche durch die Freiheitsgarantien des modernen Verfassungsstaates ersetzt.

3.2 Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland

Das Jahr 1945 bedeutete für die Kirchen in Deutschland einen radikalen Einschnitt. Durch die großen Wanderbewegungen der deutschen Flüchtlinge aus dem Osten in die Bundesrepublik veränderte sich auch die Konfessionskarte[7] in Deutschland.

[...]


[1] Schäfers, Bernhard: Sozialstruktur und sozialer Wandel, Enke, Stuttgart 1998, Seite 285.

[2] Schäfers, Bernhard: Sozialstruktur und sozialer Wandel, Enke, Stuttgart 1998, Seite 285.

[3] Ebd., Seite 285.

[4] Ebd., Seite 285.

[5] Ebd., Seite 286.

[6] Ebd., Seite 286.

[7] Schäfers, Bernhard, 1998, Karte „ Kirche und Glaube“, in: ders., Politischer Atlas Deutschland, 2.verb. Aufl., Bonn, Seite 34f.

Details

Seiten
15
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638356886
ISBN (Buch)
9783640203352
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35910
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,8
Schlagworte
Religion Kirchen Elemente Sozialstruktur Deutschlands

Autor

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