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Internet. Agora oder Apokalypse der politischen Öffentlichkeit?

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ursprüngliche Begriffsdefinition
2.1 Agora
2.2 Apokalypse

3 Übertragung der Begriffe auf das Internet
3.1 Agora
3.2 Apokalypse

4 Allgemeine Eigenschaften des Internets
4.1 Begünstigende Faktoren für die politische Öffentlichkeit
4.1.1 Aktivität
4.1.2 Publizität
4.1.3 Aktualität
4.1.4 Authentizität
4.1.5 Multimedialität
4.1.6 Transparenz (und Originalität)
4.1.7 Vielfalt
4.1.8 Zugänglichkeit
4.2 Benachteiligende Faktoren für die politische Öffentlichkeit
4.2.1 Sorgfaltspflicht
4.2.2 Journalistische Unabhängigkeit
4.2.3 Beziehung zu Onlinenutzern
4.2.4 Transparenzregel

5 Das Internet als Agora der politischen Öffentlichkeit
5.1 Nutzerebene
5.2 Politikerebene

6 Das Internet als Apokalypse der politischen Öffentlichkeit
6.1 Nutzerebene
6.2 Politikerebene

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Internet ist aus unserem Alltag mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Es besteht die Möglichkeit, sich überall und zu jeder Zeit mittels weniger Clicks über das aktuelle Geschehen zu informieren. Jeder kann selbst Beiträge ins Netz stel- len und für die Allgemeinheit zugänglich machen. Diese technischen Innovatio- nen sind natürlich auch an den deutschen Politikern nicht spurlos vorbeigegan- gen und werden auch innerhalb von Parteien vielseitig verwendet. Doch was hat das eigentlich für eine Auswirkung auf die politische Öffentlichkeit und letztlich auch auf unsere Demokratie? Um diese Frage zu beantworten, wird einerseits die Sichtweise derer dargestellt, die im Internet eine neue Agora der politischen Öffentlichkeit sehen und andererseits die Argumente derer aufgeführt, die eine Apokalypse unserer Demokratie durch das World Wide Web prophezeien. Hierfür soll zunächst einmal die herkömmliche Definition beider Begriffe geklärt und an- schließend ihre Bedeutung auf das Internet übertragen werden. Im dritten Kapitel sollen dann zum einen begünstigende Faktoren des Internets für die politische Willensbildung der Bürger genannt werden, wie auch problematische Eigenschaf- ten, die eine Politikverdrossenheit hervorrufen können. Darauf folgen dann kon- krete Ansichten, die eine Agora der politischen Öffentlichkeit favorisieren, aufge- teilt auf die Nutzerebene einerseits und die Politikerebene andererseits. Nach demselben Prinzip werden dann auch Argumente folgen, die für eine Apokalypse durch das Internet sprechen. Schließlich sollen in einem Fazit beide Seiten ge- geneinander abgewogen werden, um zu einem Schluss zu kommen, welche Auswirkungen das Internet auf unsere Demokratie hat.

2 Ursprüngliche Begriffsdefinition

2.1 Agora

Die Agora galt als der wichtigste Teil der griechischen Polis, da sich hier das öf- fentliche Leben abspielte. Sie war das demokratische Zentrum von Athen (Bihler, 2004).

2.2 Apokalypse

Als Synonyme für Apokalypse können die Begriffe Grauen, Unheil, Untergang, Verderben, Verhängnis, Zerfall, Zerstörung, Zusammenbruch gelten (Duden On- line, 2015).

3 Übertragung der Begriffe auf das Internet

3.1 Agora

„Viele Netz-Apologeten prophezeien beispielsweise eine Art elektronische Wie- dergeburt der griechischen Agora, in der politische Entscheidungen im öffentli- chen computergestützten Diskurs aller Bürger gefällt werden. Politische Willens- bildung werde hierarchiefrei in dezentralen Netzwerken stattfinden, politische Eliten ihren Informationsvorsprung verlieren und die Vertretung der Bürger durch gewählte Berufspolitiker nicht mehr nötig sein“ (Friedrichsen und Kohn, 2013, 2015, S.4). Das Internet führt also insgesamt zu einer Stärkung der Demokratie.

3.2 Apokalypse

„Auf der anderen Seite stehen die pessimistischen Warner, die im Internet nicht die Agora, sondern die Apokalypse der politischen Öffentlichkeit sehen. Sie sa- gen voraus, dass im Internet der Medienkonsum übermäßig individualisiert wird. Ein Verlust an kollektiver Orientierung im Informations-Dschungel, so argumen- tieren sie, werde der politischen Diskussion die wichtige Basis eines geteilten Grundwissens entziehen. Nicht eine Stärkung der Demokratie, sondern eine Fragmentierung der Öffentlichkeit in voneinander isolierte und kaum noch koope- rationsfähige Segmente werde die Folge sein“ (Friedrichsen und Kohn, 2013, 2015, S.4).

4 Allgemeine Eigenschaften des Internets

4.1 Begünstigende Faktoren für die politische Öffentlichkeit

4.1.1 Aktivität

Aktivität oder auch Interaktivität gilt als Überbegriff für das Phänomen, dass die Kommunikator- und die Rezipientenrolle austauschbar sind. Die Nutzer können sich hierbei nicht nur auf der Antwort-, sondern auch bereits auf der Eingangsstu- fe beteiligen, das heißt, sie können selbst Beiträge verfassen (Engesser, 2011). Dies bietet Politikern zum einen die Chance, sich fernab vom Medialisierungs- zwang des Rundfunks oder der Presse mitteilen zu können. Zum anderen be- kommen die Bürger dadurch die Möglichkeit, ihre eigene Meinung kundzutun, auf Missstände aufmerksam zu machen und Politiker über soziale Netzwerke bei- spielsweise direkt anzusprechen. Dadurch kann das politische Interesse verstärkt und somit dem Problem der Politikverdrossenheit entgegengewirkt werden.

4.1.2 Publizität

Publizität gilt als Index dafür, inwieweit mediale Öffentlichkeit hergestellt werden kann. In Engessers Studie wird sie gemessen über die Anzahl regelmäßiger Nut- zer, die im Internet vergleichsweise hoch ist (Engesser, 2011). Dies bietet insbe- sondere für Politiker natürlich die Chance, auf relativ einfachem Weg möglichst viele potentielle Wähler mit ihrer Botschaft zu erreichen und Mitglieder für ihre Partei anzuwerben.

4.1.3 Aktualität

Das Internet, das ja bekanntlich als das schnellste aller Medien gilt, bietet hier natürlich den geraumen Vorteil, die Bürger zeitnah über aktuelle politische Ereignisse zu informieren. Besonders durch Twitter werden Beiträge im Minutentakt ermöglicht, die insbesondere bei einem plötzlich auftretenden Schlüsselereignis geeignet sind, um die Nutzer ständig auf dem Laufenden zu halten.

4.1.4 Authentizität

Diese Eigenschaft des Internets ist besonders nützlich zur positiven Selbstdar- stellung von Politikern. Denn indem diese ein eigenes Profil in einem sozialen Netzwerk anlegen, verbessern sie dadurch die Bürgernähe und wirken weniger unnahbar. Es besteht sogar für einfache Privatpersonen die Möglichkeit, den Politiker persönlich auf sein Programm anzusprechen, Verbesserungsvorschläge und sogar Kritik vorzubringen. Wenn der Politiker sein Profil dann auch aktiv nutzt und auf die Anfragen der anderen Nutzer eingeht, kann das erhebliche Auswirkungen auf sein Image haben.

4.1.5 Multimedialität

Die Multimedialität stellt ebenfalls eine neue Möglichkeit dar, die erst durch das Internet gegeben wurde. Es gilt, das technische Potential voll auszuschöpfen und verschiedene Dokumentationsformen wie Text, Audio- und Videodateien gemeinsam zur unterhaltsamen und authentischen Darstellung von politischen Informationen zu verwenden (Engesser, 2011). Als Politiker kann man durch die geschickte Nutzung der Multimedialität auch seine Authentizität erhöhen. Durch sympathisch wirkende Fotos und Videobeiträge kann leicht ein positives Bild ge- schaffen werden. Außerdem können Politiker somit auch den sogenannten „shrinking soundbites“ des Rundfunks entgehen und selbst die Länge des eige- nen O-Tons bestimmen.

4.1.6 Transparenz (und Originalität)

Transparenz ist als Basis für eine funktionierende Demokratie essentiell. Das Internet bietet eine Plattform, auf der leicht politische Entscheidungen und Pro- zesse offengelegt und für alle zugänglich gemacht werden können. Um Transpa- renz auch in der Politikberichterstattung zu gewährleisten, ist es allerdings von großer Wichtigkeit, die Quellen zu nennen, damit sich der Rezipient über die Ge- samtqualität des politischen Beitrags besser klar werden und auch darüber hin- aus weiterinformieren kann. Insgesamt lässt sie einen Artikel glaubwürdiger und vielfältiger erscheinen. Die Ergebnisse von Engesser zeigen indes, dass im Onli- ne-Journalismus ein Transparenzdefizit herrscht. Quellen werden oft nicht ge- nannt, oder der Artikel bezieht sich einzig auf eigene Erfahrungen oder auf be- reits vorhandene Artikel der Presse (Engesser, 2011).

4.1.7 Vielfalt

Im Internet gibt es keinerlei Beschränkung an Themen und Beiträgen, wodurch eine Vielfalt gegeben ist, die es auch kleineren Parteien ermöglicht, ihr Programm umfassend vorzustellen und auf Interesse unter den Nutzern zu stoßen. Auch politische Themen, die zwar von Bedeutung sind, aber in den anderen Medien häufig durch sogenannte „killer issues“ verdrängt werden, haben eine Chance im Internet Gehör zu finden.

4.1.8 Zugänglichkeit

Das Internet ist heutzutage eigentlich für jeden erschwinglich, so gut wie jeder Haushalt verfügt über die technischen und finanziellen Möglichkeiten, Zugang zum World Wide Web zu erhalten. Dies ermöglicht eine umfassende Bürgerbetei-ligung im Netz, welche wiederum der Politikverdrossenheit entgegenwirken kann.

4.2 Benachteiligende Faktoren für die politische Öffentlichkeit

4.2.1 Sorgfaltspflicht

Das Internet besitzt die Möglichkeiten zur Archivierung von Informationen einer- seits und deren Veränderung andererseits. Zum einen sind Online-Beiträge zeit- lich beständig, da Informationen sich im Netz schnell verbreiten und nur schwer wieder gelöscht werden können. Das bedeutet für Politiker, dass ein ihnen einmal unterlaufener Fauxpas dauerhaft im Netz kursiert und somit das Potential hat, nahezu jeden Nutzer zu erreichen und letztendlich sogar zu einer ernsthaften Schädigung des Images führen kann. Zum anderen sind politische Informationen im Netz im Gegensatz zu gedruckten Informationen aber auch flüchtig, da sie unmerklich verändert werden können. Dies führt allerdings dazu, dass der Nutzer gar nicht merkt, dass er nicht mehr auf dem aktuellen Stand ist. Somit sollten Online-Journalisten Korrekturen kenntlich machen, um ihrer Sorgfaltspflicht ge- recht zu werden. Außerdem besteht im Internet die Notwendigkeit, die Sorgfalts- pflicht zu erweitern. Sie darf sich hier nicht nur auf die Ergebnisse beschränken, sondern muss auch externe Links miteinschließen, die auf Quellen und Zusatzin- formationen hinweisen (Neuberger, 2004).

4.2.2 Journalistische Unabhängigkeit

Sie ist im World Wide Web insbesondere dadurch gefährdet, dass redaktionelle Inhalte mit kommerziellen Angeboten vernetzt werden können. Da sich politische Beiträge im Internet eher begrenzt vermarkten lassen, neigen Online-Portale e- her zu Verletzungen der Trennungsnorm, um sich so eine andere Erlösquelle zu erschließen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass das Internet, im Gegensatz zur Presse, nicht auf einfache Werbung beschränkt ist, sondern auch gleich der Verkauf des beworbenen Produktes abgewickelt werden kann (Neuberger, 2004).

4.2.3 Beziehung zu Onlinenutzern

Durch die Interaktivität des Internets wird den Nutzern immer mehr Einfluss ein- geräumt. Doch dies bringt die Gefahr von gezielten Manipulationen anderer Le- ser mit sich, weshalb sich die Frage stellt, ob die Sorgfaltspflicht der Journalisten auch auf öffentliche Foren und Chats ausgeweitet werden sollte (Neuberger, 2004). Sogenannte „Shit Storms“, also massive Beleidigungen gegen Politiker können deren Reputation ernsthaft schaden.

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Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668433571
ISBN (Buch)
9783668433588
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v358960
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Schlagworte
Internet Politik Öffentlichkeit Web 2.0 Agora Apokalypse

Autor

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