Lade Inhalt...

Die Taufe Russlands zur Zeit des Fürsten Wladimir. Voraussetzungen und Folgen

Seminararbeit 2002 19 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorgeschichte – Voraussetzungen der Taufe in Russland
1.1. Die Rolle der Heiligen Brüder Kyrill und Method für die Verbreitung des Christentums in Russland
1.2. Die Fürstin Olga

2. Geschichte – Der Fürst Wladimir und die Taufe Russlands
2.1. Wladimir auf der Suche
2.2. Wladimirs Taufe
2.3. Die Taufe Russlands

3. Die Ausbreitung des Christentums in Russland und ihre Auswirkungen

Schluss

Literaturverzeichnis

Die geistliche Wiedergeburt sowohl von einem ganzen Volk als auch von einem Menschen geschieht nicht auf gleiche Art und Weise. Bei einem Volk geschieht es früher, bei einem anderen später, bei manchem Volk geschieht es schnell, beim einem anderen langsam.

Archiepiskop Filaret, “Die Geschichte der Russische Kirche”

1. Vorgeschichte – Voraussetzungen der Taufe in Russland

1.1. Die Rolle der Heiligen Brüder Kyrill und Method für die Verbreitung des Christentums in Russland

Die Verbreitung des Christentums in Russland ist in erster Linie mit den Namen der zwei Brüder Kyrill und Method verbunden. Sie hatten das kyrillische Alphabet aufgestellt, und dieses Alphabet kam nach Russland aus Mähren und Tschechien, anstatt des alten slawischen Glagolicas.

Mit Recht nennt man die Brüder auch die “Orthodoxen des byzantinischen Ritus“.

Aber komischer Weise ist alles ein bisschen anders gewesen.

Erstens, sollte das neue Alphabet nicht kyrillisch, sondern eher konstantinisch heißen. Denn der Bruder von Method hatte den Namen Konstantin, und den Namen Kyrill nahm er kurz vor seinem Tod an, als er in ein Kloster eingetreten war. Zu der Zeit war das neue Alphabet schon lange fertig.

Zweitens, bezeugt das ganze Leben der Brüder, dass sie in erster Linie von Rom ausgesandt waren.

Erst wohnten die Brüder wirklich in Konstantinopel, sie waren aber keine Priester, sondern nur schriftgelehrte Laien. Etwa um das Jahre 862 kam der Fürst Rostislav, der Regent der Mähren, zu Michael dem Kaiser von Byzanz und tat ihm kund, dass Mähren das Heidentum abgelegt hatte, und fingen an die christlichen Gesetze zu halten. Aber es mangelte an den Lehrern, die dem Volk das Evangelium auf slawischer Sprache verkündigen konnten.

So beauftragte der Kaiser die Brüder mit dieser wichtigen Mission. Die Brüder stellten das neue kyrillische Alphabet auf und kamen nach Mähren. Drei und halb Jahre verkündigten sie das Evangelium in Mähren und verbreiteten die Heilige Schrift, die schon kyrillisch geschrieben worden war.

Danach hatten sie die Absicht nach Konstantinopel zurück zu kehren, aber nachdem sie in Venedig einen papistischen Boten getroffen hatten, folgten sie ihm nach und kamen nach Rom. Gerade hier, in Rom, ordinierte sie Papst Hadrian II. Dort wurde Konstantin Mönch und starb. Das ist sogar in einem Brief von Papst an mährische Fürsten bewahrt, in dem steht: “Indem Wir uns dreifach freuen, senden Wir unseren Sohn Method, nachdem wir ihn und seine Junger ordiniert haben, in Ihre Länder, damit sie dort lehren, wie Sie das geboten hatten. Sie sollen die Schrift in Ihre Sprache übersetzen, und die heiligen Riten, Liturgie und Taufe verrichten, die schon in Gottes Gnade Philosoph Konstantin angefangen hatte.”

Aber nach dem Tode Methods wurden seine Schüler aus Mähren ausgewiesen; die slawische Liturgiesprache, von Papst Stephan V.(VI.) im Jahr 885 wieder verboten. Doch hat sie in Bulgarien, Serbien, Kroatien und sporadisch in Böhmen Aufnahme gefunden.[1]

Das Brüderpaar Kyrill und Method hat große Verdienste um die slawische Literatur- Kirchen -sprache und -musik. Sie schufen günstige Voraussetzungen für die weitere Verbreitung der Christlichen Aufklärung unter die slawischen Völker.

1.2. Die Fürstin Olga

Die ersten Nachrichten über einzelne Bekehrungen der Bewohner des Südens Russlands zum Christentum gab es schon ab dem IV. Jahrhundert. Noch Kirchenvater Hieronymus, (340/50-420) schrieb: “Hunnen lernen Psalter; die kalten Skythen werden von dem Feuer des wahren Glaubens erwärmt; die Heerscharen der rothaarigen und blonden Goten und Dazien tragen Feldtempel hinter sich”[2].

Um die Verbreitung des Glaubens unter den Goten und Skythen kümmerte sich mehr als andere Johannes Zlatoust. Er schickte die Missionare zu den Skythen. Aber durch regelmäßige Angriffe von Hunnen, Awaren und Bulgaren wurde das nicht genügend starke Christentum von dem Heidentum immer wieder entwurzelt.

Während der Regierungszeit des Heiden Oleg[3], ist der Einfluss des Christentums noch schwächer geworden. Erst unter seinem Sohn, Fürst Igor[4], hatte das Christentum Freiheit und Ruhe in Kiew. In einem Pakt mit den Griechen wurde erwähnt, dass die getauften Russen in dem Tempel des Heiligen Elias in Kiew vereidigt werden sollen. Also waren schon genügend Russen Christen, so dass es nötig war, sie in einem Pakt zu erwähnen. Es gab schon mindestens einen Tempel in Kiew. Daraus lässt sich folgern, dass noch einige Kirchen dort waren.[5]

Aber noch heller glänzte das Licht des Evangeliums nach seinem Tod. Seine Frau, die Fürstin Olga[6], wurde bei Pskov geboren. Vor der Ehe hieß sie Prekrasnaja (die Schöne). Sie regierte Russland nach dem Tod ihres Mannes. Zu dieser Zeit gab es in Kiew bereits viele Christen. Olga war klug genug und hatte die Einsicht das untadelige Leben der Christen zu bemerken. Sie begriff, dass das Heidentum unfähig ist, solche Leute so zu erziehen. Sie unterhielt sich oft mit den christlichen Lehrern und entdeckte in der christlichen Lehre “himmlische Reinheit und Höhe”. Im Jahr 957 bricht sie nach Konstantinopel auf, um das Christentum mehr kennen zu lernen.[7]

Nach drei Monaten Aufenthalt ließ Olga sich taufen. Sie wurde von Patriarch Polievk getauft. Er gab ihr den Namen Elena und sprach: “Indem du das Licht geliebt und die Finsternis abgelegt hast, bist du selig unter den Russen, und die Söhne der Russen werden dich bis zum letzen Geschlecht segnen”.[8]

Obwohl sie sich nach ihrer Heimkehr für die Verbreitung des Christentums einsetzte, gelang es ihr nicht, ihren Sohn Svjatoslav zu bekehren. Er schwärmte von Macht und Ruhm, und ärgerte sich über die Vorschläge seiner Mutter.

Nach ihrer Taufe lebte Olga noch 12 Jahre. Es gelang ihr ihrem noch kleinen Enkelsohn Wladimir und seinen Brüdern die Samen des wahren Glaubens einzupflanzen. Am 11 Juli 969 starb Olga.

Die Russische Kirche nennt Olga “der Morgenstern des Heils Russlands, die den Aposteln gleich und ebenbürtig ist”.

[...]


[1] Konstantin und Methodius, S. 2. Digitale Bibliothek Band 12: Religion in Geschichte und Gegenwart, S. 18554 (vgl. RGG Bd. 3, S. 1786) (c) J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)

[2] Граф М. В. Толстой, Р ассказы из истории Русской Церк ви , Книга 1. Глава 1., 1991. (Graf Tolstoj, Erzählungen aus der Geschichte der Russischen Kirche“ B.1, Kapitel 1), nach eigener Übersetzung.

[3] Fürst Oleg Regierungszeit 879-912. Internet Adresse: http://www.hrono.ru/biograf/oleg.html.

[4] Fürst Oleg Regierungszeit 912-945. Internet Adresse: http://www.hrono.ru/biograf/igor_ryu.html.

[5] Graf Tolstoj, Erzählungen aus der Geschichte der Russischen Kirche“ B.1, Kapitel 1., 1991.

[6] Fürstin Olga Regierungszeit 945-969. Internet Adresse: http://www.hrono.ru/biograf/olga.html.

[7] Manche Wissenschaften behaupten, dass die Bekehrung Olgas in Christentum ein taktischen Vorgang im komplizierten diplomatischen Spiel mit Byzanz war.

[8] Graf Tolstoj, Erzählungen aus der Geschichte der Russischen Kirche“ B.1, Kapitel 1., 1991.

Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638356558
ISBN (Buch)
9783656693710
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35860
Institution / Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau – Theologische Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
Taufe Russlands Zeit Fürsten Wladimir Voraussetzungen Folgen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Taufe Russlands zur Zeit des Fürsten Wladimir. Voraussetzungen und Folgen