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Die furchtbare Lehre. Prädestinationsgedanke Johannes Calvins

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 38 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

1. Die geschichtliche Entwicklung des Prädestinationsgedankens

2. Calvins Prädestinationslehre
Kapitel 21: Von der ewigen Erwählung, Kraft deren Gott die einen zum Heil, die anderen zum Verderben vorbestimmt hat
1. Notwendigkeit und Segenswirkung der Erwählungslehre
2. Die erste Gefahr: der Vorwitz!
3. Die zweite Gefahr: das ängstliche Schweigen von der Erwählungslehre!
4. Vorbestimmung und Vorherwissen Gottes
5. Die erste Stufe: Die Erwählung Israels
6. Die zweite Stufe: Erwählung und Verwerfung einzelner aus Israel
7. Die Erwählung einzelner als wirksame Erwählung
8. Zusammenfassende Überschau der Erwählungslehre
Kapitel 22: Bekräftigung dieser Lehre aus Zeugnissen der Heiligen Schrift
1. Die Bestreitung der Erwählungslehre vom Verdienstgedanken her
2. Epheser 1,4ff. und verwandte Stellen
3. Römer 9-11 und ähnliche Stellen
4. Christi Zeugnis über die Erwählung
5. Die Kirchenväter, insbesondere Augustin, über das „Vorherwissen Gottes“
6. Ist nicht die Erwählung an Gottes „Vorherwissen“ der Verdienste des Menschen geknüpft, als die geschenkte Gnade solche Verdienste möglich macht?
7. Die Allgemeinheit der Einladung Gottes und die Besonderheit der Erwählung
8. Auch die Verwerfung geschieht nicht auf Grund von Werken, sondern allein nach Gottes Willen
Kapitel 23: Widerlegung der Verleumdungen, mit denen man diese Lehre zu allen Zeiten unbillig beladen hat
1. Erwählung, - aber keine Verwerfung?
2. Erster Einwand: Die Erwählungslehre mache Gott zum Tyrannen
3. Zweiter Einwand: Die Erwählungslehre nähme dem Menschen die Schuld und die Verantwortung ab.
4. Dritter Einwand: Die Erwählungslehre führe zu der Meinung, als ob es bei Gott ein „Ansehen der Person“ gäbe.
5. Vierter Einwand: Die Erwählungslehre ertöte allen Eifer zu rechtem Leben
6. Fünfter Einwand: Die Erwählungslehre mache alle Ermahnungen sinnlos
7. Augustin als Vorbild für die rechte Art, Gottes Vorbestimmung zu predigen
Kapitel 24: Die Erwählung wird durch Gottes Berufung bekräftigt
1. Die Berufung ist von der Erwählung abhängig und deshalb wie diese einzig und allein ein Werk der Gnade
2. Die Art der Berufung selbst macht deutlich, dass diese allein aus Gnaden geschieht
3. Der rechte und der falsche Weg, um zur Gewissheit der Erwählung zu kommen
4. Die Erwählung ist nur in Christus zu verstehen und zu erkennen und Jesus schenkt uns Gewissheit von der Erwählung
5. Wer wahrhaft gläubig ist, kann nicht abfallen
6. Allgemeine und besondere Berufung (Mt 22,2ff.)
7. Das Beispiel des Judas ist kein Gegenbeweis
8. Die Erwählung vor ihrer Berufung. Es gibt keinen „Samen der Erwählung“
9. Selbst die Predigt des Wortes kann der Verstockung dienen
10. Die Ursache der Verstockung
11. Schriftstellen, die das Gegenteil der dargelegten Lehre beweisen sollen Zum Schluss

3. Der Rückblick auf die Prädestinationslehre

Schluss

Literaturverzeichnis

Die Erwählungslehre ist die Summe des Evangeliums, weil dies das Beste ist, was je gesagt und gehört werden kann: daß Gott den Menschen wählt und also auch für ihn der in Freiheit Liebende ist.

K. Barth.

Einleitung

„Einer, der in der Schrift zu Hause ist“. Das ist die Visitenkarte des Theologen der Reformation Johannes Calvin. Aber es gibt noch etwas, was unmittelbar mit Calvin verbunden ist. Der erste Systematiker der Reformation ist der Autor der doppelten Prädestinationslehre. Obwohl er dieser Lehre nur vier Kapitel seiner "Institutio religionis christianae" gewidmet hat, ist die Erwählungslehre zu dem wichtigsten Bestandteil seiner Theologie geworden.

Durch die Lehre von der doppelten Prädestination differenzierte sich der Calvinismus vom Luthertum und Katholizismus. Diese Lehre wird zur „Lieblingslehre“ Calvins erklärt und wurde zur Zentrallehre erhoben.[1]

In der christlichen Lehre nimmt die Prädestinationslehre eine der schwersten und unklarsten Stellungen ein. Mehrere halten diese Lehre für verschwommen, rätselhaft und sogar absonderlich. Den anderen scheint es, als sei sie ein Versuch aus dem Ressort der menschlichen Vernunft hervor zu springen. Man nimmt allgemein an, dass solche theologischen Nuancen ganz wenig praktische Anwendung haben. Diese Lehre erleidet wahrscheinlich mehr Spott als alle anderen theologischen Lehren insgesamt.

Weil aber die Heilige Schrift mehr oder weniger Hinweise auf diese Lehre in sich impliziert, haben die suchenden Christen keine andere Wahl, als diesen Gegenstand gründlich zu recherchieren, um eine sinnvolle Erkenntnis in diesem Gebiet zu gewinnen.

In den wissenschaftlichen Kreisen sind die verschiedenen Verständnisse des Begriffs Prädestination gängig. Deswegen ist es angebracht in erster Linie den Terminus eindeutig zu definieren. Sehr oft wird die Prädestination mit Vorherbestimmung und Erwählung in einer Reihe gestellt.[2]

M. Erickson platziert die Prädestination in die Mittellage zwischen Vorherbestimmung und Erwählung. Dabei heißt Vorherbestimmung der Willen Gottes über alles, was geschieht, sei es das Schicksal eines einzelnen Menschen, oder des ganzen Staates. Prädestination bezieht sich auf Gottes Entscheidung hinsichtlich des ewigen Lebens oder des ewigen Todes. Erwählung ist eine Wahl bestimmter Menschen für das ewige Leben, demzufolge die affirmative Seite der Prädestination.

Im Rahmen dieser Arbeit sind diese Begriffe vom Sinn her nicht zu unterscheiden. Es wird die Meinung vertreten, dass Gott durch seine Vorherbestimmung erwählt. Prädestination ist ein entsprechender aus dem Latein stammender Terminus, der von den Kirchenvätern gebraucht wurde.

Bis zum heutigen Tag wird um diese Lehre Calvins viel gestritten. Viele sind durch die Definition „doppelte“ verwirrt. Die Tatsache, dass jemand zum Verderben vorherbestimmt und zuvor verurteilt ist, scheint furchtbar zu sein. Und der, der die Lehre vertritt, scheint zu einem Monster zu werden, das keine Ahnung vom liebenden und gnädigen Gott hat.[3]

Ist diese Lehre wirklich so furchtbar?

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, dieser furchtbaren Lehre ein bisschen näher heran zu treten und ihr in die Augen zu schauen. Es wird ein Versuch unternommen ein wenig Licht auf Calvins Prädestinationslehre zu werfen. Vielleicht ist der Wolf nicht so furchtbar, wie man ihn malt.

Der erste Teil der Arbeit wird einen kurzen Einblick in die geschichtliche Entwicklung der Prädestinationslehre gegeben.

Im zweiten Teil wird die Lehre aus dem Sichtpunkt Calvins betrachtet. Dieser Hauptteil besteht aus dem Extrakt, der der Erwählungslehre gewidmeten Kapitel (21-24) der „Institutio“ von J. Calvin. Die Darstellung bleibt sehr nah am Text und der Gedankenlinie des Autors.

Der Schluss der Arbeit wird mit einigen Schlussfolgerungen versehen sein.

Gottes Wille aber ist nicht nur von allen Tadeln rein, sondern ist die höchste Richtschnur der Vollkommenheit und Gesetz aller Gesetze.

Platon

1. Die geschichtliche Entwicklung des Prädestinationsgedankens

Um die Prädestinationslehre wird immer viel gestritten. Die Annahme der verschiedenen Stellungen und Formen der Lehre hängt sehr stark von den anderen Vorgängen in der Theologie und in der kulturellen Umgebung insgesamt ab. Deswegen wird es von Nutzen sein, vom Ursprung her die Entwicklung der Lehre zu betrachten.

Die Entstehung der Lehre in der christlichen Theologie kommt hauptsächlich aus den paulinischen Gedanken. Obwohl man auch in den anderen Schriften der Bibel mehr oder weniger Hinweise auf die Prädestination finden kann, dient die inhaltreiche Aussage Paulus über den "Erwählungsvorsatz" (toi/j kata. pro,qesin klhtoi/j ou=sin) in Röm 8,28f zum Anstoß aller weiteren Diskussionen.

Die erste systematische Ausarbeitung und Zuordnung der Begriffe Erwählung, Vorherbestimmung und Berufung hat Origines durchgeführt. Nach Origines ist die Erwählung ein Akt des göttlichen Vorauswissens. "Danach sieht Gott das künftige Verhalten der Menschen voraus und richtet danach die Vorherbestimmung ihrer Wege zum Heil oder zum Verderben ein".[4]

Die ersten Auseinandersetzungen um die Prädestinationslehre entstanden in der Zeit von Augustin. In der früheren Gemeinde herrschte das Bekenntnis, dass die Menschen alle Sünder sind und der Gnade Gottes bedürfen. Aber daraus wurden keine logischen Konsequenzen gezogen. Die persönlichen Erfahrungen Augustins, die mit der Wirkung der Gnade Gottes verbunden waren, ermöglichten ihm genauer als den anderen Zeitgenossen diese biblische Lehre zu begreifen. Die Vorstellungen Augustins hinsichtlich des Zustandes des Menschen formierten sich schon in der früheren Stufe seiner theologischen Tätigkeit. Nach Augustin fing Adam in der Voraussetzung der absoluten Freiheit zu leben an. Sein Wille und Handeln wurden nur durch die der Natur des Menschen entsprechenden Faktoren begrenzt. Deshalb existierte für Adam die Möglichkeit sich vom Guten abzuwenden. Durch die Sünde wurde die Natur des Menschen befleckt. Nun, weil Adam Neigung zum Bösen erworben hatte, gab er diese Anfälligkeit zur Sünde seiner Nachkommenschaft weiter. Als Folge verlor der Mensch die Fähigkeit sich dem Bösen zu widerstehen und das Gute zu tun. Nach Augustin bedeutet das nicht, dass der Wille der Menschen total gelähmt ist, sondern, dass nun der Mensch unfähig ist diesen Willen so zu benutzen, wie es Gott von ihm erwartet. Ohne Gottes Hilfe vermag der Mensch nicht das Gute zu wählen.

Im Verlauf des pelagianischen Streites arbeitete Augustin die Theorie der Prädestination aus.[5] Er wies wieder auf die Schuld Adams und breitete sie auf die ganze Menschheit aus. Alle Menschen beginnen ihr Leben in einem äußerst verdorbenen Zustand. Der Mensch ist frei zu wählen, aber die Wahl besteht nur darin, welche Sünde er begeht. Wenn der Mensch nur dann das Gute tut, wenn Gott ihn dazu bewegt, dann tut er das nur dann, wenn Gott es will. Also liegt alles nicht in unserem Wollen, sondern nur im Gottes Wollen. Dann hängt alles vom Ratschluss Gottes ab. Gott hat beschlossen, einigen seine Gnade zu erweisen. Und das hat Er vor der Grundlegung der Welt getan. Er hat eine bestimmte Zahl der Menschen erwählt, die der Zahl der abgefallenen Engel entspricht.

In seiner Schrift an Simplician, erklärte Augustin: "Die Grundlagen bzw. das Motiv der Prädestination Gottes werden nicht mehr als eine Erwählung verstanden, d.h. als eine zeitliche Erwählung zur Glorie als Folge des Geschenks des Glaubens und der Rechtfertigung und der Führung eines gerechten Lebens in Zusammenarbeit mit der Gnade, sondern die Erwählung selbst wird in dem ewigen Prädestinationsbeschluß Gottes begründet".[6] Augustin behandelt die Erwählung als einen Akt Gottes, "der in der Ewigkeit, vor aller Zeit stattfindet, entsprechend der schon bei Paulus (Röm 8,29) vollzogenen Unterscheidung zwischen Erwählung und Vorherbestimmung einerseits, Berufung anderseits".[7]

Augustin selbst lehnt die Bestimmung zum Verderben ab. Nach ihm bedeutet das aber nicht, dass Gott einige erwählt, um ihnen seine Gnade zu schenken und gleichzeitig etliche Menschen zur Verdammnis bestimmt. Aus der gesamten Masse der Menschen, von denen alle nur die Verdammnis verdienen, wählt Gott einige, die gerettet werden.

Manche Kritiker Augustins meinen, dass solche Ansicht die Grundgedanken der doppelten Prädestination bilden kann.[8]

Mit seinen Ansichten über die Frage nach der Prädestination beeinflusste Augustin das ganze abendländische Denken für mehre Jahrhunderte. Immer und immer wieder blickte man in den Äon des Kirchenvaters hinein und griff auf seine Ideen zurück.

Nach dem Tode Augustins, trotz der Annahme vieler seiner Lehre, herrschte im theologischen Denken bezüglich der Prädestination eher halbaugustinische Anschauung. Die Synode von Orange bekannte entschlossen die Unfähigkeit der Menschen allein Erlösung zu erlangen und die Notwendigkeit der Gnade Gottes. Sie beharrte aber nicht auf der absoluten Prädestination und auf der unüberwindlichen absoluten Kraft der Gnade. Diese Position dominierte bis zum IX. Jahrhundert. Der Mönch Gottschalk (gest. ca. 868) grübelte über eine der Lektüren Augustins und kam zur paradox gesteigerten Auffassung der Prädestination. "Er hat, indem er die uneingeschränkte Freiheit und Allwirksamkeit Gottes wahren wollte, Augustins Position noch zuspitzend und damit vergröbernd behauptet, auch das Böse, das die zur Verdammnis praedestinierten Menschen täten, sei von Gott vorausbestimmt".[9]

In der Periode vom XI. bis XIII. Jahrhundert verfochten manche großen Theologen die augustinische Position. Dazu gehören Anselm von Canterbury, Petrus Lombardus und Thomas von Aquino.

Thomas von Aquino war ein Anhänger Augustins in diesen Fragen. Gott wolle – behauptete er, – dass einige Menschen gerettet werden und die anderen nicht. Er unterschied zwischen dem allgemeinen Willen Gottes zu der universalen Rettung und seinem besonderen Willen, nach dem einige zu den Erwählten und die anderen zu den Verworfenen bestimmt werden. "Da durch die göttliche Vorsehung die Menschen auf das ewige Leben hingereiht sind, so gehört es also auch zur göttlichen Vorsehung zu dulden, daß etliche dieses Ziel verfehlen. Das heißt 'Verwerfung'".[10]

Thomas ordnete seine Prädestinationslehre dem Gesichtspunkt der völligen Unabhängigkeit des Willens Gottes unter. Aber auch bei ihm hat es die Einbeziehung der Verdienste gegeben als vorherbestimmte Voraussetzung für die vollendete Seligkeit.

"Gott hat im Voraus die Ordnung geschaffen, einem die Herrlichkeit aus Verdienst zu geben und: Gott hat im Voraus eingerichtet, einem die Gnade zu geben, damit er die Herrlichkeit verdient".[11]

Die nächste Seite der Geschichte der Prädestinationslehre gehört Martin Luther.

In der Zeit der Reformation spielte die Prädestinationslehre eine besondere, zentrale Rolle. Alle Reformatoren des 16. Jahrhunderts kamen in scharfen Gegensatz zum Pelagianismus und zur Selbstgerechtigkeit und in Übereinstimmung mit den Kirchenvätern und Apostel Paulus zum Dogma der doppelten Prädestination, die die ewige Bestimmung aller Menschen verkündigt.[12]

Der geistliche Vater Luthers J. von Staupitz war ein Augustiner-Mönch, der in augustinischen Ideen beharrte und sie verbreitete. Der jüngere Luther vertrat eine Ansicht, dass die Prädestination auf das Vorauswissen Gottes gegründet ist. Gott weiß, was ein Mensch tun wird voraus und darauf gründet er seine Erwählung. Aber gemäß der Untersuchung der Bibel und der Schriften Augustins veränderte Luther seine Ansichten. In seinem Kommentar zum Brief an die Römer hält Luther die Position Augustins fest.[13] Dabei war die Prädestinationslehre für Luther untrennbar vom sola gratia Prinzip und anderen zentralen Dogmen der Reformation.

Teilweise kam die reformatorische Sicht auf die Prädestination in der Lehre vom unfreien Willen zum Ausdruck. E. Kähler schrieb über Luther in diesem Zusammenhang: "Wesentliche Bedeutung gewann die Prädestination für ihn aber erst, als er sie als Voraussetzung für die Bedingungslosigkeit der Rechtfertigung erkannte, womit die völlige Entwertung des freien Willens im Heilsgeschehen verbunden war, Trost und Demütigung zugleich".[14]

Zur Zeit der Reformation nimmt einzig Luther in der Tradition der Prädestinationslehre eine Sonderstellung ein.[15] Er ist bislang der einzige gewesen, "der von der Prädestination nicht metaphysisch, sondern durchgehend theologisch handelte."[16] Die Gedanken der "doppelten Prädestination" sind (zumindest dem jungen) Luther nicht fremd, er nimmt sogar die calvinistischen vorweg, obwohl es nicht offen deklariert wird.

...o, welche Tiefe! Petrus verleugnet, der Schächer glaubt - o, welche Tiefe! Fragst du nach einer Ursache?

Ich will mich vielmehr vor solcher Tiefe entsetzen!

Augustin

2. Calvins Prädestinationslehre

Kapitel 21: Von der ewigen Erwählung, Kraft deren Gott die einen zum Heil, die anderen zum Verderben vorbestimmt hat

1. Notwendigkeit und Segenswirkung der Erwählungslehre

„Nun wird aber der Bund des Lebens nicht gleichermaßen bei allen Menschen gepredigt, und er findet auch bei denen, die seine Predigt zu hören bekommen, nicht gleichermaßen und fortwährend den gleichen Platz. In dieser Verschiedenheit tritt die wundersame Hoheit des göttlichen Gerichts zutage. Denn es kann nicht zweifelhaft sein, dass auch diese Verschiedenartigkeit dem Urteil der ewigen Erwählung Gottes dient.“[17]

Vielen erscheint die Erwählungslehre zu kompliziert zu sein. Sie bereitet aber „über die Maßen süße Frucht“, und kann von großem Nutzen sein. Solange die ewige Erwählung Gottes nicht gut genug erforscht ist, kann der Mensch nicht begreifen, dass die einzige Quelle seiner Rettung die umsonst gegebene Gnade Gottes ist.

Indem Gottes Gnade nicht alle Menschen zur Rettung annimmt, wird die Tatsache deutlich, dass ausschließlich Gott die Ursache unserer Rettung ist. Man soll sich dieser Lehre zuwenden, um die Gnade Gottes besser zu verstehen.

2. Die erste Gefahr: der Vorwitz!

„Die Erörterung über die Vorherbestimmung ist zwar an sich schon einigermaßen verzwickt; aber der Vorwitz der Menschen macht sie erst recht verwickelt und geradezu gefährlich.“[18]

Man soll sich immer daran erinnern, dass die Erforschung der Erwählungslehre ein Eindringen in die „heiligen Geheimnisse der göttlichen Weisheit“ ist. Der, der daran mit Frechheit und ohne Scheu herantritt, wird in ein Labyrinth geraten, woraus die Vernunft des Menschen kein Ausgang finden kann.[19] Das Wort Gottes ist der einzige Weg, der zeigt, was man über Gott wissen darf.

„Deshalb wollen wir uns zuerst vor Augen halten: eine andere Erkenntnis der Vorbestimmung zu erstreben als die, welche uns im Worte Gottes entfaltet wird, das ist ebenso wahnwitzig, wie wenn einer weglos schreiten oder im Finstern sehen wollte.“[20]

[...]


[1] Otten, 7.

[2] Warfield behauptet, dass die Wahl zwischen diesen Termini nur von der persönlichen Neigung abhängt. Vgl.: Warfield, 4.

[3] Pöhlman, 276.

[4] Pannenberg 1993, Bd. 3, 478.

[5] Vgl.: Эриксон, 771.

[6] McSorley, 76.

[7] Pannenberg 1993, Bd 3, 479.

[8] Vgl.: Мак-Грат, 402.

[9] Moeler, 153.

[10] Thomas von Aquin, 1,23,3, 182.

[11] Ebd., 1,23,5, 186.

[12] Vgl.: Schirrmacher, Bd 1, 132.

[13] Vgl.: Эриксон, 774. Lohse, 28.

[14] Kähler, 20.

[15] Vgl.: Schwarzwäller, 7.

[16] Schwarzwäller, 11.

[17] Calvin. Unterricht in der christlichen Religion, 615.

[18] Ebd., 616.

[19] Calvin. Commentaire sur l’Epistre aux Romains, IX, 14. In: Кальвин, 377.

[20] Calvin. Unterricht in der christlichen Religion, 617.

Details

Seiten
38
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638356404
ISBN (Buch)
9783656692706
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35836
Institution / Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau – Theologische Hochschule
Note
2,3
Schlagworte
Lehre Prädestinationsgedanke Johannes Calvins Calvinismus

Autor

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