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Die Bedeutung des Bilderbuches für den Grundschulunterricht anhand der "Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte" von Martin Baltscheit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 40 Seiten

Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Sachanalyse
1. Historische Entwicklung des Bilderbuches
2. Definition Bilderbuch
3 Typologien von Bilderbücher
4 Einteilung von Bilderbüchern nach Qualitätsmerkmalen

III Didaktische Analyse
1 Bilderbücher als Unterrichtsgegenstand
2 Bildungswert von Bilderbüchern

IV Bilderbuch „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“
1 Kurzbiographie Martin Baltscheit
2 Inhaltsangabe
3 Bilderbuchanalyse

V Unterrichtssequenz Dschungel
1 Überblick über die einzelnen Stunden der Unterrichtssequenz Dschungel
2 Lehrplanbezug (Lehrplan Plus Bayern - Grundschule)
3 Sachanalyse - Analyse des Unterrichtsgegenstands
4 Artikulationsschemata der Deutschstunden
4 Vorstellung der weiteren Stunden

VI Resümee

VII Literaturverzeichnis

VIII Anhang

I. Einleitung

„Bilderbücher sind die ersten Bücher, zu denen Kinder eine intensive Beziehung entwickeln und durch sie zur Literatur hingeführt werden“ (Spinner 1992, S.17)

Bilderbücher sind meist die ersten Bücher im Leben eines Kindes. Durch die Verknüpfung von Bild und Text gelingt es ihnen, die Aufmerksamkeit von Kindern zu wecken und ihre Vorstellungen und Phantasie auf verschiedene Ebenen anzuregen. Bilderbücher sind eine unentbehrliche Quelle für die pädagogische Arbeit im Kindergarten und in der Grundschule, da sie wichtige Impulse für die Entwicklung von Kindern geben können.

Leider wird diese so vielseitige und wichtige Gattung der Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht oft vernachlässigt und mit dem „kommerziellen Bilderbuch“ gleichgesetzt und als Trivialliteratur abgetan.

Eine Ursache mag sein, dass der Bilderbuchmarkt von Werken beherrscht wird, die Thiele „Kaufhausbilderbücher“ nennt und die „künstlerisch und inhaltlich anspruchsvollen Bilderbücher“ oft keine Aufmerksamkeit erlangen.1

Ziel dieser Arbeit ist die Bedeutung des Bilderbuches für den Grundschulunterricht zu beleuchten. Zuerst erfolgt eine Darstellung der Entwicklung, der Definition, der Typologien und der Betrachtung der Qualitätsmerkmalen, von Bilderbücher. Eine didaktische Analyse soll das Empfinden des pädagogischen Wertes des Bilderbuchs stärken. Im nächsten Teil der Arbeit wird eine mögliche Unterrichtssequenz zum Bilderbuch „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ von Martin Baltscheit dargelegt. Ein Resümee schließt das Thema „Die Bedeutung von Bilderbüchern in der Grundschule“ ab.

II. Sachanalyse

1. Historische Entwicklung des Bilderbuches

Die ersten bebilderten Bücher, wie wir sie heute kennen, entstanden kurz nach der Erfindung des Buchdruckes 1445 durch Gutenberg. Sie waren jedoch nicht an Kinder adressiert, sondern an leseunkundige Erwachsene. Es spielten vor allem drei Genres eine bedeutende Rolle: Das illustrierte ABC-Buch zum Lesenlernen, bebilderte Fabelbücher und die Bilderbibel, die den modernen Bilderbüchern schon sehr nahe kamen.2

Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde dieses Angebot durch illustrierte Sachbücher ergänzt. Als Beispiel dafür ist das Lehrbuch „Orbis Sensualium Pictus“ (1658) von Johann

Amos Comenius zu nennen. Der „Orbis Sensualium Pictus “ war nicht nur die erste Enzyklo- pädie, sondern gleichzeitig ein Lehrbuch und eine Lateinfibel, das der Erziehung und der Bildung diente. Ziel von Comenius war es, die Welt als Gesamtschau in Wort und Bild aufzuzeigen.3 Seinem Vorbild folgten eine Reihe weiterer Sach- und Elementarbilderbücher. Richteten sich diese bebilderten Bücher noch überwiegend an den erwachsenen Leser, so erlebte das Bilderbuch ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Wende: Es galt seitdem als ein speziell für das Kleinkind geschaffenes Medium. Da die Buchproduktion in dieser Zeit stark anstieg und Verlagswesen und Buchhandel kommerzialisiert wurden, entwickelte sich das illustrierte Buch zu einem Massenartikel.4

In Deutschland entstand das „poetische Bilderbuch spätromantischer Intention“ (Künne- mann, Müller 1977, S. 161). Es wurden vor allem illustrierte Darstellungen von Volksliedern und Kinderreimen, sowie erzählende Gedichte abgebildet. Neben dieser Entwicklung des poetischen Bilderbuchs, entstanden auch zahlreiche Genre-Bilderbücher. Sie thematisierten bürgerliche Lebensideale. Verniedlichende Darstellungen dominierten.5 Eine weitere Gattung waren Bilderbücher, deren Stil durch die Karikatur charakterisiert wurde. Zu den bekanntes- ten Werken dieser Art gehören „Max und Moritz“ (1865) von Wilhelm Busch und der „Struw- welpeter (1845) von Heinrich Hoffmann.6

Das Bilderbuch zum Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts beinhaltete die neuen Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie, welche die Psyche des Kindes als etwas Eigenständiges definieren.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden nur noch Bilderbücher im Sinne der nationalsozi- alistischen Ideologie gedruckt. Zu den bekanntesten Werken jener Zeit zählen „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid!“ (1936) und „Der Giftpilz“ (1937) von Elvira Bauer.7

Die temporäre Bilderbuchproduktion ist gekennzeichnet durch ein vielseitiges und großes Angebot.

2. Definition Bilderbuch

Jens Thiele bezeichnet das Bilderbuch als „eine spezielle Untergattung der Kinderliteratur, die in der Regel 30 Buchseiten nicht überschreitet und sich durch eine enge Wechselbezie- hung von Bild und Text auszeichnet“. (Thiele 2003b, S. 71) Von einer eigenständigen Litera- turgattung spricht Hans Adolf Halbey, da die Bilder bei anderen Gattungen der Kinderlitera- tur, neben dem weitaus größeren Textanteil, eine eher untergeordnete Rolle spielen. Im Bil- derbuch dominiert jedoch der Bildanteil. Der Text dient als erläuternde oder kommentierende Funktion.8 Auch das Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur bezeichnet das Bilderbuch als ein Buch für Kinder zwischen zwei und acht Jahren, das überwiegend Illustrationen enthält und nur wenig oder gar keinen Text.9 Das Besondere an Bilderbüchern ist sein Verhältnis zwischen Bild und Text. Gudrun Hollstein unterstreicht: „Das gelungene narrative Zusam- menspiel von Bild und Text, wobei sich jedes Medium seiner spezifischen erzählerischen Möglichkeiten bedient, stellt ein wesentliches Qualitätsmerkmal eines Bilderbuches dar“ (Hol- lstein 1999, S. 11).

3 Typologien von Bilderbücher

Die Buchgattung Bilderbuch lässt sich in zwei wesentliche Typologien unterteilen: die Sachbilderbücher und die problemorientierten Bilderbücher.

Sachbilderbücher stellen Inhalte allgemeinverständlich dar, vermitteln Wissen, belehren und dienen der Unterhaltung.10 Des Weiteren sollen sie „[...] kompliziertes Fachwissen so einfach darstellen, dass es jeder verstehen kann. Außerdem beschäftigen sie sich fast immer mit aktuellen Themen und spiegeln Probleme und Trends der jeweiligen Zeit wieder, in der sie geschrieben wurden.“ (Kriegel 2010, S. 158)

Problemorientierte Bilderbücher beschäftigen sich mit diversen Problemen und Konflikten sozialer oder persönlicher Natur. Die meist fiktiven Geschichten sollen die aufgeführten Thematiken beleuchten, dazu beitragen, dass sie verstanden werden und zur Reflexion dar- über anregen.11

4 Einteilung von Bilderbüchern nach Qualitätsmerkmalen

Thiele und Dehn unterscheiden das Bilderbuchangebot des Buchmarktes allgemein in die Gruppen der sogenannten „Warenhaus- und Kaufhausbilderbücher“ und der „künstlerisch und inhaltlich anspruchsvolleren Bilderbücher“. (Hollstein 1999, S. 39) Für die qualitative Beurteilung eines Bilderbuches ist nach Grünewald eine umfassende Analyse des Zusam- menspiels von Inhalt, Gestaltung, wozu Bild, Sprache sowie die Text-Bild-Relation gezählt werden, und Erzählweise nötig.12 Diese Analyseschwerpunkte werden im Folgenden kurz erläutert.

Inhaltliche Aspekte:

Qualitätsvolle Bilderbücher thematisieren nicht nur eine heile Kinderwelt, losgelöst von allen Problemen täglichen Lebens, wie es in den „Kaufhausbilderbüchern“ geschieht. Der Inhalt soll dazu beitragen, Kindern bei der Bewältigung von spezifischen Problemen zu helfen und zu unterstützen. Außenseiter, Geschwisterrivalität, Interkulturalität der Gesellschaft und Glo- balisierung sind aktuelle Themen der Bilderbücher. Auch die sogenannten Tabuthemen der Kinder- und Jugendliteratur, wie Tod, Scheidung, Krieg und Verfolgung werden angespro- chen.13

Nur wenn der Buchinhalt Raum zur Identifikation, zur emotionalen Auseinandersetzung oder die Möglichkeit sich von den Protagonisten zu distanzieren bietet, sowie an die Erfahrungswelt, Vorlieben und Probleme der Kinder anknüpft, nehmen die Kinder auch Anteil am Geschehen. Die Handlung sollte der Phantasie der jungen Leser entsprechen und ihnen Anregungen zum Mit- und Weiterdenken, wie auch Spielraum für Wünsche und Träume bieten. Verzichtet werden sollte im Bilderbuch auf rassistische Elemente, wie auch auf politische, soziale, ethisch-moralische oder religiöse Ideologien.

Bildnerische Aspekte:

Besonders die Bilder entscheiden darüber, ob ein Bilderbuch gekauft wird und daraufhin mit Freude gelesen und betrachtet wird. Ziel eines anspruchsvollen Bilderbuchs sollte sein, den Betrachter zum genauen und bewussten Hinsehen aufzufordern. Das gelingt nur, wenn sie Fragen in ihm auslösen und seinen Blick einzufangen vermögen. Es sollte auf abstoßende, diskriminierende und furchterregende Bilder verzichtet werden. Bilder geben Stimmungen wieder, sie können Gefühle auf optisch ansprechende Weise darstellen, sie erzählen ein Geschehnis oder vermitteln Wissen. Oft ist es nicht möglich, die Botschaft künstlerisch an- spruchsvoller Bilder sofort zu entschlüsseln.14 Grünewald betont, „dass die Bildsprache ihre dem Stoff adäquate narrative Funktion verständlich macht“. (Grünewald 1991, S. 6) Das schließt eine bildnerisch passende Abbildung ein, so dass die Bilder mit den Protagonisten vor allem in Mimik und Gestik im Einklang stehen.15

Sprachliche Aspekte:

Die „Sprache [soll] erzählerisch im Einklang mit den Bildern“ stehen. (Grünewald 1991, S.9) Außerdem soll sie lebendig sein, sich gängigen Sprachrhythmen, Reimen, Wortspielen, Ver- gleichen und Metaphern bedienen. Hollstein weist darauf hin, dass „für lesende Kinder Rhythmus, Klang und Reim eine deutliche Leseerleichterung bilden“.16 Um die Stimmung einer Erzählung durch die Sprache widerzuspiegeln sind Lautmalereien, Interjektionen, wört- liche Rede, sowie umgangssprachliche Elemente notwendig. Sprachliche Qualität bedeutet auch, dass die Sprache dem Kind verständlich ist und nur wenige Fremdwörter und komple- xe syntaktische Strukturen verwendet werden. Unbekannte Begriffe sollten aus dem Textzu- sammenhang erschließbar sein. Es darf dabei aber auch nicht zu einer Unterforderung der Kinder hinsichtlich Satzbau und Wortwahl kommen. Leseerfahrung und Rezeptionsvermögen der Kinder, an die sich das Buch richtet, müssen immer mit berücksichtigt werden.17

Erzählerische Aspekte:

Die Dramaturgie einer Bilderbuchgeschichte brilliert, wenn die Handlung mittels ihres Textes und ihrer Bilder so erzählt wird, dass die Lesenden oder Betrachtenden sie bis zu ihrem Ende mit Interesse verfolgen. Dies wird begünstigt, indem die Möglichkeit zur Identifikation mit den Protagonisten geboten wird. Des Weiteren ist die Entwicklung eines Spannungsbogens im Verlauf der Geschichte maßgebend.18

Offene und geschlossene Formen:

Eine weitere Möglichkeit Bilderbücher anhand von Qualitätsmerkmalen zu unterscheiden ist die von Halbey. Er schlägt die Bestimmung in „offene“ und „geschlossene“ Formen vor. In offenen Bildformen kann der Betrachter die Aussage der Bilder und des Textes nur in Ver- bindung mit eigenen Erfahrungen erfassen. Durch diese kreative Betrachtung wird das Bil- derbuch zu einem ästhetischen Ganzen. Geschlossene Bilderbücher sind eher negativ kon- notiert, da sie sich tendenziell naive Gebrauchsliteratur erweisen. Sie verfolgen klare, ein- deutige und vordergründige pädagogische Ziele und streben wenig künstlerisches Niveau an. Die Aussageabsicht wird deutlich und die Bilder haben primär eine illustrierende Funkti- on. (Ritter 2014)

Neue Bilderbücher setzen sich vom naiv-pädagogisch-erzieherisch orientierten Bilderbuch ab. Sie zeichnen sich durch innovative Bild, -Text, - und Themengestaltung aus. Text und sprachliche Gestaltung sind oftmals offener gestaltet und der Rezipient ist gefordert, Zusammenhänge zu erkennen, sowie eigene Schlüsse zu ziehen und zu reflektieren. In der Bildgestaltung ist ein hoher künstlerischer Aspekt deutlich erkennbar. Das Bild wird aktiv in die Entwicklung der Erzähldramatik miteinbezogen.19

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die sogenannten „Waren-, Kaufhausbilderbücher“ wenige oder keine dieser Qualitätsmerkmale aufweisen. Sie thematisieren meist eine heile Welt mit den traditionellen Rollenbildern von Mann und Frau. Auch optisch sind sie weniger ansprechend, da die Bilder meist in grellen Farben und ohne Räumlichkeit gemalt wurden, als die qualitativ hochwertigen Bilderbücher. Eine weitere Differenz ist in Auflage und Preis zu finden. Während die preisgünstigen Bilderbücher aus dem Kaufhaus (meist unter fünf Euro) eine sehr hohe Auflagezahl haben (25000-30000 Exemplare), zeichnen sich die „künstlerisch und inhaltlich anspruchsvollen Bilderbücher“ durch einen höheren Preis (13-20 Euro) und einer geringeren Auflagenzahl (5000-8000 Exemplare) aus. Sie sind lediglich in ausgewählten Buchhandlungen zu finden.20

III Didaktische Analyse

1 Bilderbücher als Unterrichtsgegenstand

Da Bilderbücher die ersten Bücher sind, zu denen Kinder eine intensive Beziehung aufbauen und so zur Literatur hingeführt werden21, ist der didaktische Wert diese zum Erstlesen zu verwenden hoch. Bilderbücher dienen somit als Brücke zwischen vorschulischen literari- schen Erfahrungen der Kinder und den Ansprüchen des (Erst-) Leseunterrichts. Durch die Einfachheit der Bilderbuchtexte wird die Leseförderung legitimiert. „Daneben beinhaltet das Bilderbuch auch die Chance eine „Grundschule der Künste“ (Mattenklott 2002, S. 33) zu sein, also bildästhetische Kompetenzen des Kindes zu entwickeln und zu differenzieren. Es eignet sich somit als Gegenstand einer umfassenden, fächerübergreifenden und ästheti- schen Erziehung.“ (Thiele 2011, S. 227)

Bilderbücher können auch kunstpädagogisch auf Grund der Möglichkeit zentrale ästhetische Erfahrungen sammeln zu können, herangezogen werden: „Bilder und Texte in Ruhe wahrzunehmen, sie zum Gegenstand von Neugier, Genuss und Kritik zu machen, eine Wege der Annäherung an Bilder und Texte zu finden und sich auf den fiktionalen Charakter des Buches einzulassen. So können elementare ästhetische Erfahrungen an, beziehungsweise mit, Bilderbüchern gewonnen werden.“ (Thiele 2011, S. 228)

Ferner können Bilderbücher die sprachlich-visuelle Kommunikation der Lernenden fördern. Durch das Betrachten und Deuten der Bilder und der Texte werden „Formen literarisch- bildnerischen Verstehens und Interpretierens geübt“. (Thiele 2011, S. 228) Die Bedeutung von Bilderbüchern wird deutlich. Das Bilderbuch erfährt eine beobachtbare Kontinuität. Sie werden vor allem in der Grundschule eingesetzt, da sich die Lernenden noch im Bilderbuchalter befinden. Die einfache Struktur des Bilderbuches erleichtert zudem das Erstellen von Übungsmaterial in den Bereichen Lesen und Schreiben.22

2 Bildungswert von Bilderbüchern

Das Bilderbuch fungiert oft als Impulsgeber zur Auseinandersetzung mit bestimmten Themen und Problemen. Sie leisten zudem einen erheblichen Beitrag zur ganzheitlichen literarischen Erziehung. Die durch Text und Bild erzählenden Geschichten bieten Anlass und Motivation zum Verfassen eigener Texte, zum Austausch oder für künstlerische Aktivitäten. Des Weite- ren bieten sie Impulse für das szenische Spiel, wie das Jeux Dramatique, oder zur Anferti- gung eigener Bilderbücher und Lapbooks. Durch die Verwendung des Mediums Bilderbuch kann ein handlungsorientierter Unterricht vollzogen werden. Außerdem eignet sich das Bil- derbuch für einen fächerübergreifenden Unterricht, da die Themen der Bücher vielfältig, wenn nicht sogar allumfassende sind.23

IV Bilderbuch „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“

1 Kurzbiographie Martin Baltscheit

Martin Baltscheit wurde 1965 in Düsseldorf geboren. Er studierte an der Folkwangschule Essen Kommunikationsdesign. Anschließend war er als Comiczeichner, Illustrator, Schauspieler, Kinderbuch- Prosa- Hörspiel- und Theaterautor. Er illustrierte, schrieb und veröffentlichte zahlreiche Bilderbücher, sowie Theaterstücke, Hörspiele, Trickfilme und CD-ROMs für Kinder. Baltscheit wurde mit vielen Preisen, wie dem Max-und-Moritz-Preis (1996) als bester deutscher Comiczeichner, dem Kaas & Kappes Dramatikpreis (2003), dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 & 2011), dem Lesekünstler (2014) und dem BEO Sprecher-Hörspreis (2015) ausgezeichnet. Heute lebt der vielseitige Autor in Düsseldorf.24

2 Inhaltsangabe des Bilderbuches

Im Mittelpunkt des Bilderbuches „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ von Martin Baltscheit steht der König der Tiere und die Probleme, die das Verliebt-Sein mit sich bringen kann.

Der Löwe ist zunächst äußerst zufrieden. Er kann laut brüllen und mit den Zähnen fletschen. Als einziger der Dschungeltiere ist er nicht in der Lage zu schreiben, was aber nicht weiter schlimm ist, bis er eines Tages eine schöne Löwen-Dame trifft, die gerne liest. Sofort verliebt sich der Löwe in sie und möchte sich am liebsten direkt auf sie stürzen, um sie zu küssen. Doch es wird ihm bewusst, dass sie ein Dame ist - „Und Damen schreibt man Briefe“ (S.4). Der Löwe wendet sich nun an die anderen Tiere und bittet zuerst den Affen, ihm einen Lie- besbrief für die Löwin zu schreiben. Was der Affe schreibt, das Angebot auf Bäume zu klet- tern und Bananen zu essen, ist natürlich nicht der Inhalt, den der Löwe erwartet hatte. Em- pört marschiert der Löwe zum Nilpferd, um es um Hilfe zu bitten. Doch auch hier wird er ent- täuscht. So schreiben noch der Mistkäfer, die Giraffe. Das Krokodil und der Geier einen Brief im Auftrag des Löwen. Aber niemand schafft es die Gefühle, die der König der Tiere für die Löwin hat, in Worte zu fassen Dabei wird der Löwe immer wütender.

Schlussendlich ist der Löwe so wütend, dass er sich seine Enttäuschung aus der Seele brüllt. Er schreit, was er der Löwin all schönes schreiben würde, wenn er nur könnte. Die Löwin, die ihn per Zufall gehört hat, fragt, wieso er es denn nicht selber geschrieben habe. Er gesteht ihr, dass er nicht schreiben kann und sie nimmt ihn mitfühlend bei der Hand. Die Geschichte endet in einem Happy End. Es wird angedeutet, wie beide Seite an Seite im Gras liegen und sie ihm das Alphabet beibringt: „A wie Anfang“.25

3 Bilderbuchanalyse

Inhaltliche Analyse

Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte, beginnt mit einer kurzen Einleitung, in der der Löwe vorgestellt wird (S. 2). Er ist Analphabet, doch das stört ihn nicht, da er in seinem Alltag diese Eigenschaft nicht braucht. Er muss lediglich brüllen und die Zähne flet- schen. Nach dieser Hinführung beginnt die eigentliche Geschichte. Der König der Tiere trifft eine Löwendame und verliebt sich in sie. Von einem Missionar hat er gelernt, dass man Da- men umwerben und ihnen Briefe schreiben muss. Seine Unfähigkeit zu schreiben wird zum Problem. Ab diesem Zeitpunkt wird die Geschichte linear erzählt: Nacheinander sucht der Löwe verschiedene Tiere auf, die ihm einen Liebesbrief für die Löwin schreiben sollen.

Als König der Tiere ist der Löwe nicht gerade zimperlich und funreundlich zu seinen Mittie- ren. „Schreib du mir einen Brief für die Löwin!“, befiehlt er dem Affen (S. 6). Danach „musste“ der Affe den Brief vorlesen (S. 6). Auch das Nilpferd wird vom Löwen zum Briefschreiben gezwungen. „Dort musste das Nilpferd einen neuen Brief schreiben“ (S. 8).

Die Suche des Löwen nach der richtigen Liebeserklärung dauert sechs Tage. Die Tiere ha- ben über Nacht Zeit einen Brief zu verfassen. Am folgenden Morgen möchte der Löwe den jeweiligen Brief zur Post bringen, lässt ihn sich zuvor aber vorlesen. Enttäuscht über jeden Brief, zerreißt er das Geschriebene und brüllt: „Aber neiiiiin! So etwas hätte ich doch nie ge- schrieben!“ (S. 8). Er sucht sich ein neues Tier, das für ihn einen Brief schreiben soll. Der Tagesablauf und die Inhalte der Briefe, beginnend mit „Liebste Freundin“ und einer Ein- ladung zu einer gemeinsamen Unternehmung (auf Bäume klettern (S. 6), im Fluss schwim- men (S. 8), auf der Erde kriechen (S. 14), über den Dschungel fliegen (S. 20)) und einer Ein- ladung zum Essen, welche tierspezifisch ist (Bananen (S. 6), Algen (S. 10), Dung (S. 14), Giraffenfleisch (S. 18), Aas (S. 20)), die durch die Worte „Total lecker!“ betont wird und die Gruß- und Schlussformel „Gruß Löwe“, machen auf das Prinzip der Wiederholung aufmerk- sam.

Der Löwe wird immer verzweifelter über die misslungenen Briefe. Das wird auch am Schriftbild sichtbar. Mit wachsender Wut wird zum einen die Schrift immer größer (S. 16, S. 23) und zum anderen wird der Protestsatz „Aber neiiiiin! So etwas hätte ich doch nie geschrieben!“ zur Verdeutlichung mit der Signalfarbe rot geschrieben.

Das einzige Tier, das in etwa die Erwartung des Löwen erfüllt , ist der Geier. „Liebste Freundin, ich bin der Löwe und ich bin der Boss hier. Ich will dich kennenlernen!“ (S. 20) Der Rest des Briefes ist jedoch wieder tierspezifisch, da er vorschlägt über den Dschungel zu fliegen und Aas zu fressen (S. 20).

Der Löwe brüllt seine Liebeserklärung (S. 24), welche voller Emotionen ist. „Er brüllte all die wunderbaren Dinge, die er schreiben würde, wenn er könnte.“ (S. 25)

Die Löwin hört das Geschrei des Löwen und fragt, wieso er keinen Brief selber geschrieben hat. Der Löwe beichtet, dass er Analphabet ist. (S. 26-28)

Die Geschichte endet am siebten Tag mit den Worten „A wie Anfang“. Die Löwin bringt ihrem Verehrer das Schreiben bei.

Sprachliche Analyse

Der Autor verwendet hauptsächlich kurze parataktische Sätze, die mit der Konjugation „und“ verbunden werden. Es wird nicht ausschweifend erzählt, sondern sich auf das Wesentliche konzentriert. Im Text sind viele Wiederholungen zu finden, die ihn einprägsam machen und leicht verständlich sind. Einige umgangssprachliche Redewendungen sind außerdem zu fin- den („Total lecker“ (S. 6), „gab sich mächtig Mühe“ (S. 12), „superwütend“ (S. 16)). Da die Sätze kurz und ohne Fremdwörter oder fachspezifische Wörter sind, ist die Geschichte leicht verständlich und kindgemäß. Ob die Ironie („Das hatte er von einem Missionar gelernt, den er gefressen hatte.“ (S. 4)) von Kindern verstanden wird, ist fraglich.

Bilderanalyse

Die Umschlagsgestaltung, sowohl innen, als auch außen, ist sehr ansprechend. Das Buch hat die Form und das Aussehen eines Briefumschlags. Absender ist der Autor. Das Postsie- gel ist deutlich zu sehen und die Briefmarken spiegeln den Inhalt des Buches (Löwin unter- richtet den Löwen, Dschungelbild) wieder. Martin Baltscheits Bilder imponieren durch ihre farbliche Kraft. Sie sind überwiegend in Dschungelfarben gehalten (Braun-, Grüntöne). Der Himmel ist oft in einem zarten aquarellblau gemalt. Die Briefpapiere variieren farblich (blau, grün, rosa). Die Tiere werden stereotypisch abgebildet (der Löwe als Macho (S. 2, 3), die Löwin mit rosa Sonnenbrille (S. 5), der Affe hängt mit seinen Extremitäten in den Baumästen (S. 9), der Mistkäfer sitzt auf einem Dunghaufen (S. 13), von der Giraffe sieht man nur den langen Hals, der die Baumwipfel überragt (S.15), das Krokodil ist im Wasser (S. 17), der Geier sitzt auf einem Ast (S. 19)).

Text-Bild-Korrespondenz

Text und Bild ergänzen sich gegenseitig (Der Löwe wird als König der Tiere beschrieben (S. 2, 3), der Löwe schlägt sich mit der Pfote an die Stirn, passend zum Text (S. 18)). An man- chen Stellen zeigen die Bilder weniger, als der Text beschreibt (Kopf der Löwin, wie sie liest, jedoch ohne abgebildetes Buch (S. 5). An anderen Stellen ist eine Wechselbeziehung zwi- schen Text und Bild, sodass die Wirkung inhaltlich und bildlich verstärkt wird (Wut des Lö- wen (S. 16, 22, 25).

V Unterrichtssequenz Dschungel

1 Überblick über die einzelnen Stunden der Unterrichtssequenz Dschungel

1. Stunde: Einen Brief an die Löwin verfassen (Deutsch)
2. Stunde: Stationenarbeit (Deutsch)
3. Stunde: Löwe - Karneval der Tiere (Musik)
4. Stunde: Vertiefung Löwe - Karneval der Tiere (Musik)
5. Stunde: Erstellen Dschungelbild mit vorgefertigten Moosgummi-Stempel (Kunst)
6. Stunde: Erstellen Dschungelbild mit vorgefertigten Moosgummi-Stempel (Kunst)
7. Stunde: Forscherheft zum Thema Löwe (HSU)
8. Stunde: Jeux dramatique zu Gefühlen (HSU)

[...]


1 vgl. Thiele 1986, S. 144.

2 vgl Künnemann; Müller 1977, S. 160.

3 vgl. Sahr 2001, S. 24.

4 vgl. Thiele 2000, S. 234.

5 vgl. Kaminski 1994, S. 43.

6 vgl. ebd., S. 163 f.

7 vgl. http://www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de/2012/05/28/erziehung-im-nationalsozialismus---holsterhausenerin-fand-zwei- antisemitische-bilderbucher-aus-ihrer-kindheit-wieder-heute-ist-sie-fassungslos/

8 vgl. Halbey 1997, S. 11; Thiele 2000, S. 228 / 229.

9 vgl. Künnemann, Müller 1977, S. 159.

10 vgl. Ossowski, 1996, S. 1.

11 vgl. Seminar Fr Spannbauer.

12 vgl. Grünewald 1991, S. 9.

13 vgl. ebd., S. 7.

14 vgl. Hollstein 1999, S. 45-48.

15 vgl http://www.geschichtendrache.at/static/media/geschichtendrache/materialien/qualitaetskriterien_fuer_kinderbuecher.pdf.

16 vgl. Hollstein 1999, S. 132.

17 vgl. ebd., S. 53 / 54.

18 vgl http://www.geschichtendrache.at/static/media/geschichtendrache/materialien/qualitaetskriterien_fuer_kinderbuecher.pdf.

19 vgl. Hollstein, S. 68 f.

20 vgl. Thiele 1985, S. 142 ff.

21 vgl. Spinner 1992, S. 17.

22 vgl. Thiele 2000, S. 176.

23 vgl. Hollstein 1999, S. 108.

24 vgl. http://www.baltscheit.de/vita

25 vgl. Baltscheit 2008.

Details

Seiten
40
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668434950
ISBN (Buch)
9783668434967
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v358337
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,3
Schlagworte
Grundschule Bilderbücher Bilderbuch Schriftspracherwerb Deutsch Löwe nicht schreiben konnte

Autor

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Titel: Die Bedeutung des Bilderbuches für den Grundschulunterricht anhand der "Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte" von Martin Baltscheit