Lade Inhalt...

Das Werk des Fotografen Henri Cartier Bresson und der entscheidende Moment

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Biografie
2.1 Kindheit
2.2 Jugend
2.3 Der junge Maler
2.4 Henri Cartier-Bresson und die Fotografie

3. Henri Cartier-Bresson und seine Arbeit
3.1 Die Leica
3.2 Sein Selbstportrait
3.3 Der „Motivjäger“ und sein „photographischer Schuß“
3.4 Die Ethik des Schützen
3.5 Der entscheidende Augenblick und der Zufall
3.6 Die Farbe und der Weg aus den zwei Gattungen
3.7 Arizona 1947

4. Schlussbemerkung

5. Fußnoten

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit einem der berühmtesten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Die Rede ist von Henri Cartier-Bresson, welcher in seinen Reisen um die Welt oftmals zur rechten Zeit am rechten Ort war und sein entscheidender Moment zum Triumph seiner Arbeiten wurde.

So konnte er beispielsweise hautnah miterleben, wie Paris 1944 befreit wurde, 1959 die Kommunisten die Macht in China übernahmen oder war der letzte Fotograf an Gandhis Sterbebett und bei der Beisetzung, nachdem die Fotografin der Auftragszeitschrift Vogue der Örtlichkeit verwiesen wurde.

Er ist Vorbild für viele kommende Fotografen und Künstler, da er zu den Pionieren der Fotografie gehört und neben der Fotografie an sich, sich auch mit der Wissenschaft und den Hintergründen beschäftigt hat und fast schon philosophisch an die Materie heran ging.

Sein Markenzeichen war ohne Frage die Leica und die Suche nach dem perfekten, entscheidenden Moment.

Ich möchte mich damit beschäftigen, wie die Werke Henri Cartier-Bressons entstanden, welchen Einflüssen sie unterlagen und auf das Phänomen des entscheidenden Augenblicks und des Zufalls vertieft eingehen.

2. Biografie

2.1 Kindheit

Henri Cartier-Bresson wurde am 22.08.1908 geboren und wuchs in Paris auf. Er war der älteste von fünf Geschwistern und stand innerhalb der Familie seiner Mutter besonders nahe. Er wurde besonders zur Sparsamkeit erzogen, ebenso wurde ihm vermittelt, dass jedes Ding auf der Welt wertvoll sei. Die Familie Cartier-Bresson war sehr christlich-konservativ und versuchte durch verschiedene Ansätze die von der Industrialisierung zerrissenen Familien ihrer Arbeiter zu stärken und zu festigen.

Diese Grundsätze, vor allem die Frage woher das Geld kommt, beschäftigen den Fotografen ein Leben lang.

2.2 Jugend

Der schnell aufbrausende Henri erkennt schnell, dass er nicht in das Familienunternehmen, das erfolgreich Nähgarn vertreibt, einsteigen möchte. Er scheitert dreimal mit dem Versuch, das Abitur erfolgreich abzuschließen und befasst sich vermehrt mit den schönen Künsten: die Malerei, Literatur aber auch die Dichtkunst. Er erhält von seinem Onkel Louis den ersten Kunstunterricht und war sehr belesen, was er bis zu seinem Tod im Jahre 2004 beibehielt.

Nach der Schulzeit beschäftigt er sich überwiegend mit der Suche nach seiner Maltechnik, um erfolgreicher Maler zu werden.

2.3 Der junge Maler

Hierfür setzt er sich in seiner Familie durch und besucht schließlich die „Académie Lhote, die von dem Kubisten André Lhote geleitet wird. Diese Schule ist in Paris relativ neu, im Gegensatz zu ihrem Lehrer. Der junge Cartier-Bresson beschäftigt sich dort im Rahmen seines Studiums der Malerei mit den Grundsätzen der Komposition, der Formen und der Geometrie. Es zeigt sich, dass er zwar mit Mathematik wenig anfangen kann, von Natur aus aber auf Harmonie geprägt ist aber seine Werke stets im dem goldenen Schnitt liegen. Sein oberstes Anliegen ist, dort Ordnung zu schaffen, wo sonst die Dinge im Chaos liegen. 1

Schon in dieser Zeit fühlt er sich vom Surrealismus angezogen2, kann sich begeistern von dessen suche nach dem Unerwarteten. Trotz seinen späteren Werken in den 30er Jahren möchte er aber nicht als surrealistischer Fotograf gelten.

Um seinen eigenen Weg zu finden und er selbst zu werden, verlässt er die Akademie von Lhote wieder. Die folgende Zeit verbringt er oft in Cafés und in der künstlerischen Nachtszene von Paris.3

Henri Carter-Bresson irrte er eine geraume Zeit in beruflicher Hinsicht umher und konnte sich für nichts so recht begeistern, außer für die Malerei.

2.4 Henri Cartier-Bresson und die Fotografie

1929 sollte dies schließlich ein Ende haben. Als Henri Cartier-Bresson eine Fotografie von dem Ungarn Martin Munkácsi sah, konnte er nicht beschreiben, was er in diesem Moment fühlte und erlebte.4

Das Bild zeigt drei Jugendliche, vermutlich aus einem afrikanischen Land, die im Taganjka-See im Kongo baden. Im Hintergrund kann man nicht wirklich einen Horizont ausmachen, der einzige Horizont auf diesem Bild ist der See. Er erscheint endlos weit, sozusagen schon surrealistisch und empfängt die Kinder mit aufspritzenden Wellen. Man kann die Kinder nur von hinten sehen, wie sie gerade mit Anlauf in den See springen. Diese Aufnahme ist bichromatisch in Schwarzweiß gehalten, wobei vor Allem der Kontrast zwischen der dunklen Hautfarbe der Kinder und dem hellen Wasser auffällt. (Abb. 1)

Henri Cartier-Bresson findet in dieser Fotografie eine spontane, unbändige Lebensfreude und erkennt, die „Fotografie kann in einem Augenblick die Ewigkeit festhalten“.5

Dies öffnet ihm die Augen. Er erkennt, dass er ein Mann der Bewegung ist und nicht immer nach der Natur arbeiten und malen kann. Für diesen Neustart vernichtet er einen Großteil seiner Gemälde, obwohl er sonst so sehr auf die Unversehrtheit seiner Werke achtet.

„Während man ein Foto knipst, malt man“ rechtfertigt in seinen Augen den Wandel und den Wechsel der Werkzeuge vom Pinsel zur Leica.6

3. Henri Cartier-Bresson und seine Arbeit

Als Henri Cartier-Bresson zur Fotografie umschwenkt, erlebt diese ebenfalls einen Wandel: zum einen ist sie aus beruflicher Sicht immer noch Informationsmittel, zum anderen Liebhaberei für das große Publikum. Dies verstärkt sich vor allem dadurch, als der Negativfilm erfunden wurde und die Leica, Cartier-Bressons Kamera. Zudem können schnellere Ergebnisse geliefert werden durch die Erfindung schnellwirkender chemischer Emulsionen. Gute Voraussetzungen für den nervösen Cartier-Bresson, der endlich von zeitlichen und räumlichen Zwängen der Technik und dem Druck seiner Familie befreit ist.

3.1 Die Leica

Erfunden wurde sie von Oskar Barnack, einem Ingenieur, der 1913 die erste Kleinbildkamera der Welt im Auftrag der Firma Leitz entwickelt.7 Die Leica findet viele Anhänger dank ihrer Handlichkeit. Da sie eine mobile Kamera ist, ist es möglich, bewegliche Bilder und Orte, die mit Stativ nicht erreichbar waren, abzulichten. Vergängliche Bilder sind nun die Ziele und nicht mehr starre Posen.

Ausgestattet war sie mit einem einzigen Objektiv. In den Augen von Cartier-Bresson zeigt sie den Blick des Menschen, andere Objektive würden die Perspektive entstellen oder verzerren. Dadurch würde der Fotograf die Natürlichkeit eines Moments zerstören. Die Harmonie zwischen Henri und der Leica bestärkt sich noch durch den Sucher: die Verhältnisse der Seiten des Rechtecks liegen genau im goldenen Schnitt. Die Leica ist „die optische Verlängerung [seines] Auges“.8

Als er schließlich diese Kamera 1932 in Marseille erworben hat, beginnt er mit Schnappschüssen und entwickelt sich nach und nach zu einem Fotojournalisten, der professionelle Reportagen im Auftrag ausführt. Hierfür verfasst er auch umfangreiche Bildunterschriften und Artikel, die er mit mindestens genau so großer Leidenschaft verfasst wie die Fotografien an sich. Die Texte waren dem Kontext angepasst, dies bedeutet auf das Publikum optimiert. Die Inhalte hatten meist einen sozialen, historischen oder politischer Hintergrund.9

3.2 Sein Selbstportrait

Im selben Jahr knipst er auch das einzige bis dato bekannte Selbstportrait. Am Rand einer italienischen Landstraße liegt Henri Cartier-Bresson lang ausgestreckt auf einer Mauer. Im Hintergrund erkennt man ein Dorf und eine herannahende Person sowie knapp den Hintergrund und ein paar Berge. Unterhalb der Mauer sieht man ein Gestrüpp und eine zweite Mauer, die parallel zu der ersten verlaufen könnte. Vorne, etwas unscharf, sieht man den Bauch des Fotografen. Etwas schärfer sieht man dann die Hose und im oberen Drittel des Bildes dann den rechten Fuß. Diesen streckt Henri Cartier-Bresson frech in die Kamera. Verfolgt man die Linien der beiden Mauern genau, so führen beide zum nackten Fuß, was auf seine Weltreisen anspielen könnte. Der nackte Fuß verdeutlicht außerdem die Natürlichkeit und Spontaneität der Aufnahme. Die Aufnahme hat einen lässigen Anschein, wirkt keck und herausfordernd. Sie unterstreicht die Jugend des Akteurs, das Unbescholtene und dessen Freigeist. (Abb. 2)

[...]


1 Pierre Assouline, Henri Cartier-Bresson. Das Auge des Jahrhunderts, Göttingen 2003, S. 38 – 46.

2 Ebd. S 51.

3 Ebd. S. 46 – 48.

4 Ebd. S. 74.

5 Ebd. S. 74 Z. 22ff.

6 Ebd. S. 72 Z. 26f.

7 Ebd. S. 75.

8 Jean-Pierre Montier, Henri Cartier-Bresson. Seine Kunst – Sein Leben, München 1997, S. 68.

9 Peter Galassi, Henri Cartier-Bresson. Sein 20. Jahrhundert, München 2010, S. 14.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668435094
ISBN (Buch)
9783668435100
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v358142
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Institut für Kunstgeschichte
Note
1,7
Schlagworte
Henri Cartier-Bresson Fotografie Photographie Geschichte Frankreich

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Das Werk des Fotografen Henri Cartier Bresson und der entscheidende Moment