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Frauenheilkunde in der Antike. Die Rolle der Hebamme in der Frauenheilkunde und Geburtsmedizin im Altertum

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Beruf der Hebamme in der Antike

3. Aufgabenbereiche einer Hebamme

4. Werke zur Gynäkologie

5. Bildungsgrade unter den weiblichen Heilkundigen

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

9. Onlinequellen

1. Einleitung

Die Frauenheilkunde und besonders der Beruf der Hebamme haben lange Traditionen in der Medizin. Das Bedürfnis, einer Gebärenden zu helfen und ihre Schmerzen zu lindern, scheint so alt zu sein, wie die Menschheit selbst.

Ab dem 6. Jh. v. Chr. veränderte sich die Einstellung der Griechen zur Krankheit und zur Medizin: hatte man bis dato Krankheit als eine göttliche Strafe angesehen, entfernte man sich nun von dieser Vorstellung und begann, sich mit der Medizin als eine Wissenschaft zu beschäftigen. Die rationale und wissenschaftliche Heilkunde, also die ohne Hilfe von Göttern, Religion und Kult, haben zunächst Naturphilosophen wie Alkmaion und Empedokles vorangetrieben. Sie versuchten, Vorgänge in der Natur durch Logik und Vernunft zu erklären, ohne wie bisher Begründungen für Geschehnisse in der Natur oder der Religion zu suchen. Hippokrates von Kos erweiterte diesen Versuch, indem er den rationalen und logischen Erklärungen Beobachtungen von Krankheiten und deren Verlauf hinzufügte. An der Ärzteschule von Kos lehrte er seine Schüler über die Harmonie der Körperfunktionen und Körpersäfte.[1]

Die Medizin entwickelte sich und man gab das Wissen, dass man sich über viele Jahre angeeignet hatte, weiter. Dies passierte entweder in Ärzteschulen wie zum Beispiel denen von Kos oder dem nahegelegenen Knidos, oder durch das Niederschreiben der gewonnenen Kenntnisse. Ein Beispiel dafür ist das Corpus Hippocraticum, eine Sammlung von mehr als 60 medizinischen Texten, die zwischen dem 5. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. entstanden sind. Die drei großen Themengebiete des Corpus sind die Innere Medizin, die Chirurgie und die Gynäkologie.[2] Hippokrates nach unterschieden sich Männer und Frauen so sehr voneinander, dass man für die Frauen einen eigenen medizinischen Ansatz benötigte: die Gynäkologie.[3]

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem damaligen Kenntnisstand der Hebammen und versucht, den Beruf der Hebamme in die antike Gesellschaft einzuordnen. Als antike Gesellschaft ist hier sowohl die griechische, als auch die römische gemeint, da aus beiden Kulturen Quellen zum genannten Thema zu finden sind, die bearbeitet werden sollen. Als betrachteter Zeitraum ist also grob die Zeit des 5. Jahrhunderts vor Christus bis zum 2. Jahrhundert nach Christus anzugeben. Die Zeit, in der der Corpus Hippocraticum entstand, sowie Soranos von Ephesus‘ Werk über die Gynäkologie.

In dieser Hausarbeit soll die Frage, inwiefern man die Hebamme als Ärztinnen der Antike bezeichnen kann, geklärt werden. Bereits im Zuge eines vorangegangenen Referates waren die verschiedenen Bildungsstände der heilkundigen Frauen in der Antike betrachtet worden, was in dieser Hausarbeit noch vertieft werden soll, allerdings mit Fokus auf die hochgebildeten „Arzthebammen“. Die Beschäftigung mit diesem Thema zielt auf eine möglichst genaue Abgrenzung der Berufsfelder „Hebamme“ und „Ärztin“ in der Antike ab. Diese Abgrenzung ist anhand von Begriffsklärungen und der Betrachtung der Quellenlage, in denen eben diese Begriffe vorkommen, möglich.

2. Der Beruf der Hebamme in der Antike

Besonders an der antiken Frauenmedizin war, dass die Behandlung von Frauen bzw. von Frauenkrankheiten sowohl männlichen, als auch weiblichen Ärzten offenstand.[4] Zur Zeit Platons (428/427 v. Chr. – 348/347 v. Chr.) war es Brauch, dass nur diejenigen Frauen, die selbst schon geboren hatten und nicht mehr schwanger werden konnten, den Beruf der Hebamme ausüben konnten. Grund dafür war, dass die Frauen dadurch erfahrener waren, weil sie selbst schon eine Geburt durchgestanden hatten und zudem immer zur Verfügung standen, da sie selbst nicht nochmal schwanger werden konnten.[5] Die Geburt in der Antike war ein Ereignis, dem nur Frauen beiwohnten. Geleitet wurde sie von einer Hebamme. Als Ausnahme männlicher Anwesenheit ist ein Arzt zu nennen, der bei Komplikationen zum Teil hinzugezogen wurde. Die einzige männliche Person, die einer Geburt in der Antike beiwohnen durfte.[6]

In seinem Werk „Theaitetos“ (Kap. IV) beschreibt Platon, welche Frauen als Hebammen geeignet sind. Sokrates sagt im Dialog mit Theaitetos:

„Du weißt doch wohl, daß keine Frau, die selbst noch schwanger wird und gebären kann, andere entbindet, sondern nur solche, die nicht mehr gebären können.“[7]

Hebammen waren also zumeist ältere Frauen, die sich ihr Wissen über Jahre angeeignet hatten, um es dann an jüngere, lernende Frauen weiterzugeben. Die Frauenheilkunde lässt sich als eine „Erfahrungswissenschaft“ bezeichnen, die durch Erfahrungen erlernt wurde.[8] Die Unterweisung der auszubildenden Hebammen geschah zumeist am Wochenbett und während der Geburt selbst.[9] So handelte es sich bei dem Beruf der Hebamme nicht um einen in der Art organisierten Beruf, als das es Vorschriften und Regelungen in der Antike gab, die Organisation des Berufes war aber durchaus vorhanden. So war neben der Ausbildung jüngerer Hebammen durch ältere, erfahrene, auch die Bezahlung geregelt worden. In den Digesten (Buch IX, Tit. II) wird die Zahlung eines Honorars an Hebammen befohlen. Der römische Jurist Ulpian (170 n. Chr. – 223 n. Chr.) verlangt diese Zahlung zudem auch im Falle des Todes der Behandelten:

„Item si obstetrix medicamentum dederit et inde mulier perierit...“

(„Ferner, wenn eine Hebamme eine Medizin verabreichte und daran die Frau starb…“)[10]

Diese Regelung eines Honorars spricht für eine gewisse staatliche Anerkennung und angesehene Stellung der Hebammen. Sie waren in ihrer Berufsgruppe insoweit geschützt, als dass sie nicht an dem Tod einer Patientin zu leiden hatten, weil sie durch die Angehörigen einer Verstorbenen ausgezahlt wurden.[11] Die Rationalisierung der Medizin und die Etablierung dieser als eine Wissenschaft hatte dazu geführt, dass die Krankheit und der Tod nicht mehr als göttliche Strafe, sondern als eine Naturgewalt angesehen wurden.[12]

3. Aufgabenbereiche einer Hebamme

Zu den Aufgaben einer Hebamme zählten zunächst die Geburtsvorbereitung und die Unterstützung bei der Geburt selbst. Da es damals keine Krankenhäuser gab, in denen Kinder heutzutage zur Welt gebracht werden, liefen die Geburten in häuslicher Umgebung ab. Die Hebammen bereiteten die Gebärende darauf vor und kümmerten sich auch um das Drumherum der Geburt, wie die umfassende Versorgung der Gebärenden, die Reinigung des Neugeborenen und die Ehevermittlung.[13]

„Und können die Hebammen nicht auch durch Verabreichungen von Mittelchen und durch Zaubersprüche Schmerzen erregen und sie nach Belieben auch mildern und bei Schwergebärenden die Geburt ermöglichen und, wenn die Leibesfrucht noch nicht weit entwickelt ist, eine Fehlgeburt erfolgen lassen?“ [14]

So steht es in Platons Werk „Theaitetos“ (Kap. IV). In der Quelle lassen sich die Aufgabenbereiche der Hebamme erkennen: Wehen anregen und reduzieren und das Kind entbinden. Im zweiten Satz wird die Abtreibung angesprochen: es soll eine Fehlgeburt des Kindes, hier Leibesfrucht genannt, herbeigeführt werden. Wie eine solche Abtreibung funktionieren sollte, hatte Hippokrates in seinem Corpus Hippocraticum angeführt. Denn laut Platon und Aristoteles sollte der Staat weder zu klein, noch zu groß sein.[15] Dementsprechend waren Hebammen mit der Empfängnisverhütung und Abtreibung vertraut, denn sie boten die Möglichkeit, die Bevölkerungszahl konstant zu halten.

Der Schwangerschaftsabbruch selbst wurde nicht von Ärzten, sondern meistens von Hebammen durchgeführt, wofür Hippokrates drei verschiedene Kategorien bzw. Mittel empfahl. Zunächst die inneren Mittel, wie Abführ- oder Brechmittel, dann die Mittel, die direkten Druck auf den Uterus ausübten, wie beispielsweise Pessare, die mit scharfen Substanzen getränkt waren, und zuletzt eine mechanische Einwirkung durch Drücken des Körpers, hervorgerufen durch das Tragen von schweren Lasten, Springen oder Hüpfen. Der Embryo im Uterus der Frau sollte als erstes geschwächt werden, dann sollte sich der Uterus öffnen und schließlich sollte diese von Hippokrates empfohlene Vorgehensweise zum Abgang der Frucht führen, sprich zur Abtreibung.[16]

[...]


[1] Kollesch, Jutta: Ärzteschule, in: Corpus Medicorum Graecorum/Latinorum, URL: http://cmg.bbaw.de/wissen-kompakt/lexikon, eingesehen am 03.01.2017.

[2] Weisser, Ursula: Hippokrates, in: von Engelhardt, Dietrich; Hartmann, Fritz (Hrsg.): Klassiker der Medizin I, Von Hippokrates bis Hufeland. München 1991. S. 11-13.

[3] King, Helen: s.v. Gynäkologie, in: Cancik, Hubert; Schneider, Helmuth (Hrsg.): Der neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, Band 5. Stuttgart/Weimar 1998. Sp. 29f.

[4] Schubert, Charlotte; Huttner, Ulrich (Hrsg.): Frauenmedizin in der Antike: Griechisch-lateinisch-deutsch. Darmstadt 1999. S. 487.

[5] Schönfeld, Walther: Frauen in der abendländischen Heilkunde vom klassischen Altertum bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1947. S.4.

[6] Pleticha, Heinrich: s.v. Die Römer, in: Ziegler, Konrat; Sontheimer, Walther (Hrsg.): Der kleine Pauly. Lexikon der Antike in fünf Bänden, Band 4. Stuttgart/Weimar 1979. Sp. 987.

[7] Plat. Tht. 4, 149 St. 1a.

[8] Schumann, Claudia: Weiblichkeit ist keine Krankheit – was ist für Frauen gesund?, URL: http://www.dr-claudia-schumann.de/typo3/index.php?id=29, eingesehen am 03.01.2017.

[9] Nguyen, Johanna: Gynäkologie und Geburtshilfe in der Antike, URL: http://www.westerwald-gymnasium.de/uploads/dateien/faecher/latein/Gynaekologie_und_Geburtshilfe_in_der_Antike.pdf, eingesehen am 08.09.2016.

[10] Dig. 9, 2, 22, 27.

[11] Schönfeld, Walther: Frauen in der abendländischen Heilkunde vom klassischen Altertum bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1947. S. 45.

[12] Eckart, Wolfgang; Jütte, Robert: Medizingeschichte. Eine Einführung. Köln 2007. S. 319-325.

[13] Schönfeld, Walther: Frauen in der abendländischen Heilkunde vom klassischen Altertum bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1947. S. 43.

[14] Plat. Tht. 4, 149 St. 1a.

[15] Vgl. Plat. Rep. 4, 423 St. 2a.

[16] Jütte, Robert: Geschichte der Abtreibung. Von der Antike bis zur Gegenwart. München 1993. S. 27-44.

Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668432468
ISBN (Buch)
9783668432475
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v358118
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Hebamme Ärzte Ärztin Antike Griechenland Rom

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Titel: Frauenheilkunde in der Antike. Die Rolle der Hebamme in der Frauenheilkunde und Geburtsmedizin im Altertum