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Jugendsprache und Sprachersatz in sozialen Netzwerken

Facharbeit (Schule) 2017 24 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Auswahl des Themas und persönliches Interesse

2. Bedeutung der sozialen Netzwerke für Jugendliche

3. Gefahren der sozialen Netzwerke

4. Arten der sozialen Netzwerke
4.1 Facebook und Instagram
4.2 WhatsApp
4.3 Snapchat

5. Sprachverwendung in sozialen Netzwerken
5.1 Sprachveränderung in Lexik und Syntax
5.2 Sprachersatz durch Emoticons und Emojis
5.2.1 Arten von Emoticons
5.2.2 Arten von Emojis

6. Bedeutung der Sprachveränderung für die Kommunikation der Teilnehmer an sozialen Netzwerken

7. Auswirkungen der Sprachverwendung im Netz auf die Alltagssprache

8. Zusammenfassende Beurteilung

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang
10.1 Arten von Emoticons
10.2 Abkürzungen in sozialen Netzwerken
10.3 Die wichtigsten Begriffe in sozialen Netzwerken

1. Auswahl des Themas und persönliches Interesse

Seit über zehn Jahren finden verschiedene soziale Netzwerke unter den Jugendlichen große Verbreitung. Es gibt heute kaum einen Jugendlichen, der nicht in einem der verschiedenen Netzwerke wie Facebook, Instagram, WhatsApp oder Snapchat aktiv ist. Ich bin 17 Jahre alt und verbringe täglich ungefähr eine Stunde in den vier eben genannten Netzwerken. Für mich, wie für fast alle Teenager, gehören die sozialen Netzwerke zum Alltag. Sie sind ein Teil meines Lebens.

Ein erster Blick in die schriftliche Kommunikation in den sozialen Netzwerken zeigt: Die Sprache hat sich gewandelt. An die Stelle von Wörtern treten Abkürzungen, Emoticons[1] und Emojis[2]. So verwendet zum Beispiel die häufig gebrauchte Schreibweise „I ♡ U“ das Emoji „♡“ für „Love“ und die Abkürzung „U“ für „You“. Diese Sprachentwicklung ist ein integraler Bestandteil der Kommunikation in sozialen Netzwerken.

Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich von der Entwicklung der sozialen Netzwerke und ihrer besonderen Kommunikationsweise direkt betroffen bin. Zudem ist davon auszugehen, dass die Bedeutung der sozialen Netzwerke mit allen Konsequenzen weiter zunehmen wird. Dieses Thema betrifft somit nicht nur die Jugendlichen, sondern die gesamte Gesellschaft.

2. Bedeutung der sozialen Netzwerke für Jugendliche

Die rasante Entwicklung der Informationstechnologie und die damit einhergehenden neuen SN[3] sind im Alltag nicht mehr zu übersehen. Ohne Smartphone oder Tablet in der Hand findet sich heute kaum ein Jugendlicher. In der U-Bahn, in Cafés, im Park und sogar in der Schule sind digitale Medien fast immer präsent. Laut der Jugendmedienstudie 2013 sind 12- bis 19-Jährige in Deutschland 179 Minuten täglich online (vgl. Sickmann 2014). Das erste SN, Facebook, hat weltweit inzwischen 1,8 Milliarden monatlich aktive Nutzer (vgl. Buggisch 2017). Buggisch schätzt die Anzahl der Nutzer in Deutschland auf rund 26 Millionen.

Die SN sind bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt, weil sie wichtige Funktionen in ihrem Alltag übernehmen (vgl. elternnet.ch). Zunächst einmal sind die SN digitale Treffpunkte. Ihre Mitglieder finden hier leicht Gleichgesinnte. Sie bekommen Zugang zu Informationen, die ihren Interessen entsprechen. Die SN vermitteln den Eindruck von Zugehörigkeit, was für Jugendliche von großer Bedeutung ist. Sie dienen auch als Kontaktbörsen. Die SN ermöglichen es, leicht neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Kontakte aufrechtzuerhalten. Die Tatsache, dass die Nutzer der SN eine gewisse Anonymität bewahren, erleichtert auch schüchternen Jugendlichen die Kontaktaufnahme. Die SN bieten Jugendlichen einen digitalen privaten Raum. Sie können sich ohne Aufsicht von Erwachsenen treffen. Kommunikation und Beisammensein mit Freunden sind hier unabhängig von Zeit und Raum möglich.

3. Gefahren der sozialen Netzwerke

Die Nutzung der SN bringt nicht nur positive Aspekte mit sich. Es gibt auch verschiedene Gefahren. Jugend und Medien, eine schweizerische Plattform zur Förderung von Medienkompetenz, nimmt hierzu Stellung: „Internet kann süchtig machen, Kinder und Jugendliche können in sozialen Netzwerken gemobbt werden, ihre persönlichen Daten können missbraucht werden, es kann zu sexuellen Übergriffen kommen“ (Jugend und Medien 2011).

Darüber hinaus ist fraglich, ob die ständige Erreichbarkeit der Jugendlichen per Handy positiv zu bewerten ist. So haben Schulen begonnen, Handys im Unterricht und auf dem Pausenhof komplett zu verbieten (vgl. Sickmann 2014). Zudem muss die Echtheit der Freunde in SN in Frage gestellt werden (vgl. Damrow, Reus, Westerhoff u. Schmidt-Spielmann 2013). Es ist nicht unüblich, auf Facebook im Durchschnitt 130 „Freunde" zu haben, von denen nur sechs oder sieben Freunde im „echten Leben" sind (vgl. Jimdo). Die in SN geschlossenen „Freundschaften“ können sich als sehr oberflächlich und kurzlebig erweisen.

Die Selbstdarstellung der Jugendlichen in den SN hat dazu geführt, dass ihr Problembewusstsein bezüglich des Datenschutzes sehr gering ist. Der „gläserne Mensch“ wird zum alltäglichen Phänomen (vgl. Damrow, Reus, Westerhoff u. Schmidt-Spielmann 2013). Die SN ermöglichen es, ein virtuelles Doppelleben zu führen und eine Scheinidentität aufzubauen (vgl. Benke 2012, S. 47).

Dieses ist nicht nur positiv zu bewerten. Letztlich muss man sich fragen, ob die SN nicht auch eine Flucht in eine Scheinwelt bieten.

4. Arten der sozialen Netzwerke

Zu den populärsten SN in Deutschland zählen Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter, Tumblr, Google Plus, LinkedIn und Pinterest (vgl. Schröder 2016). Ein Blick in die U.S.A. zeigt, dass die Jugendlichen sich nicht von einzelnen Diensten abhängig machen (vgl. Sickmann 2014). Selbst das zuerst gegründete Netzwerk Facebook ist nicht der Fokus im Onlineleben vieler Teenager. Sie sind flexibel und benutzen verschiedene SN. So dokumentiert ein Beobachter der sozialen Medien Anfang Januar 2017: „Eine Befragung unter Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren ergab, dass nur 32 Prozent der Jugendlichen Facebook nutzen, während es im Vorjahr noch 41 Prozent waren. Erfolgreicher in dieser Zielgruppe sind Snapchat mit 35 Prozent, Instagram mit 52 Prozent und WhatsApp mit 91 Prozent" (Buggisch 2017).

Im Folgenden werden Facebook, Instagram, WhatsApp und Snapchat kurz vorgestellt. Die Kommunikation in diesen SN ist asynchron ausgelegt. Das bedeutet, dass die Kommunikation zeitversetzt und nicht gleichzeitig (synchron) stattfindet. Die genannten SN können jedoch annähernd synchron genutzt werden, sofern die Gesprächspersonen online sind. Die Verbreitung der Internetzugänge einschließlich WLAN[4] macht es möglich, fast überall und jederzeit die SN zu nutzen (vgl. Reips 2006, S. 557).

4.1 Facebook und Instagram

Facebook ist das SN, das jeder kennt. Es wird von fast 1,9 Milliarden Menschen weltweit benutzt (vgl. Wiese 2017). In 2004 von Marc Zuckerberg in den U.S.A. gegründet, findet sich das Netzwerk nun schon seit 13 Jahren auf fast jedem Smartphone, Computer und Tablet (vgl. Böhner 2015). Instagram wurde von Kevin Systrom und Mike Krieger im Jahr 2010 ebenfalls in den U.S.A. entwickelt. Es ist eine Mischung aus Microblog[5] und audiovisueller Plattform[6], die es ermöglicht, Beiträge auch in anderen SN als Facebook zu verbreiten.

Facebook und Instagram dienen dazu, Neuigkeiten und Informationen über sich selbst öffentlich bereitzustellen. Beide Netzwerke bieten die Möglichkeit Fotos hochzuladen, andere Jugendliche kennenzulernen und zu „chatten”[7]. Auf Facebook und Instagram kann jeder nach eigenem Ermessen über sich selbst erzählen und Fotos zeigen. Zudem erfahren Jugendliche hier die neuesten Informationen von Unternehmen, Marken oder bekannten Personen (zum Beispiel Stars oder Politiker). Diese Neuigkeiten können dann in Facebook- und Instagramgruppen kommentiert und diskutiert werden. Solche Diskussionsforen können öffentlich oder privat - also mit eingeschränktem Zugang nur für die Mitglieder dieses Forums - eingerichtet sein.

4.2 WhatsApp

Gegründet wurde WhatsApp in den U.S.A. im Jahr 2009 von Jan Koum. WhatsApp hat derzeit 1,2 Milliarden Nutzer weltweit (vgl. Wiese 2017). Ursprünglich wurden über WhatsApp ausschließlich Statusmeldungen[8] geteilt (vgl. Focus Online). Ein Profilbild und der individuell gestaltete Status machten jeden Kontakt persönlicher. So konnte Freunden mitgeteilt werden, was man gerade macht. Erst später kam die heutige Hauptfunktion des Nachrichtendienstes dazu. Seit dem 22. Februar 2017 können auch Fotos und Videos, die mit Emojis, Texten und Zeichnungen personalisiert werden, in den Status eingefügt werden (vgl. Focus Online).

Das Prinzip der App[9] ist einfach und sehr erfolgreich. Im Gegensatz zu anderen Nachrichtendiensten ist WhatsApp kostenlos. Nach der Anmeldung wird sofort angezeigt, welche Kontakte die App nutzen. Der WhatsApp Nutzer kann jedem Kontakt schreiben sowie Fotos und Sprachmemos senden. Die WhatsApp- Gruppen, deren Mitglieder von den Teilnehmern gewählt werden, ermöglichen die Kommunikation mit bis zu 100 Personen gleichzeitig. Die Zeit des Zustellens und Lesens der Nachricht kann von dem Sender der Nachricht eingesehen werden. WhatsApp bietet darüber hinaus die Option, zu sehen, welcher der persönlichen Kontakte momentan aktiv ist und wann sie zuletzt aktiv waren.

4.3 Snapchat

2011 erschien Snapchat in den U.S.A., ins Leben gerufen von Evan Spiegel. Es hat derzeit mehr als 150 Millionen aktive Nutzer weltweit, die täglich über eine Milliarde Bilder und Videos verschicken. Es wird als „soziales Netzwerk der Jugendlichen“ bezeichnet, da mehr als die Hälfte seiner Nutzer zwischen 16 und 24 Jahren alt sind (vgl. Gruner 2015). Snapchat ist ein Messenger[10], der zwei grundlegende Funktionen bietet: das private und öffentliche Versenden von Snaps[11]. Die Bilder und Videos können digital bemalt, beschrieben und mit Filtern[12] versehen werden. Zudem kann der Snapchat Benutzer Emojis einfügen.

Jeder Snap kann maximal nur zehn Sekunden angeschaut werden. Die genaue Zeit wählt der Sender des Bildes. Screenshots und wiederholtes Abrufen eines Snaps werden sofort beim Sender angezeigt. Bei privat verschickten Snaps zerstört sich die Nachricht nach dem Anschauen sofort. Daher muss der Empfänger aufmerksam sein, um Nichts zu verpassen. Die sogenannten Stories[13] sind öffentlich und für alle Abonnenten 24 Stunden lang sichtbar. Im Gegensatz zu anderen SN wie Instagram, WhatsApp und Facebook bietet Snapchat die Möglichkeit, sich wirklich „live" zu sehen. Ein weiterer großer Unterschied zwischen Snapchat und den weiteren eben genannten SN ist, dass es nicht möglich ist, Snaps zu kommentieren, zu teilen oder zu „liken“[14].

[...]


[1] Emoticons bestehen aus einer Kombination verschiedener auf einer Computertastatur vorhandener Zeichen. Sie drücken in der schriftlichen Kommunikation Stimmungs- und Gefühlszustände aus.

[2] Ein Emoji ist ein aus Japan stammendes Piktogramm, das in elektronischer Kommunikation Gefühlslagen, Gegenstände, Orte, Tiere, Essen oder Ähnliches abbildet (vgl. Duden).

[3] Der Begriff "soziales Netzwerk" wird im Folgenden für alle Deklinationen durch die Abkürzung "SN" ersetzt.

[4] WLAN ist die Abkürzung für „Wireless Local Area Network“. Ein WLAN ist ein drahtloses lokales Netzwerk, das einen Internetzugang ohne Kabel ermöglicht

[5] Microblogs sind Anwendungen für die Veröffentlichung kurzer Textnachrichten, die oft weniger als 200 Zeichen lang sind. Diese Nachrichten können privat oder öffentlich zugänglich sein. Sie werden wie in einem Blog chronologisch dargestellt. Twitter ist die bekannteste Plattform für Microblogging. Es ist auch in SN wie Facebook oder XING möglich (vgl. onlinemarketing praxis).

[6] Unter audiovisuellen Medien (AV-Medien) versteht man Medien, die Informationen über Ton und Bild vermitteln.

[7] Der Begriff "Chat" kommt aus dem Englischen von "to chat", was "plaudern" oder "sich unterhalten" bedeutet. Ein Online-Chat bezeichnet die elektronische Kommunikation in Echtzeit, meist über das Internet (vgl. Wikipedia).

[8] Der Status ist eine kurze Botschaft der Person.

[9] App ist die Abkürzung für „Application Software“. Eine App ist eine Anwendungssoftware, die unterschiedliche Funktionen erfüllen kann. Apps sind Zusatzprogramme, mit denen die Funktionalität von Computer, Smart-TV, Smartphone oder Tablet beliebig erweitert werden kann (vgl. Chip)

[10] Ein Messenger ist eine App für das Handy. Es ist ein Programm zur schriftlichen Sofortkommunikation (vgl. Isegrimm 2012).

[11] Ein Snap ist ein digitales Snapchatbild.

[12] Die verschiedenen Snapchat Filter modifizieren die digitalen Bilder. Sie können beispielsweise die aktuelle Uhrzeit, die Temperatur, den Akkustand oder die Höhe angeben, auf der man sich befindet. Zudem gibt es verschiedene Farbfilter, die Sättigungsfilter genannt werden. Des Weiteren gibt es Geofilter. Sie sind ortsspezifisch und meistens nur in größeren Städten verfügbar (vgl. Wikipedia).

[13] Eine Snapchat Story (zu Deutsch: Geschichte) ist die Zusammenfügung von einzelnen Snaps zu einem Album. Eine solche Story kann Fotos, Videos und Bilder enthalten (vgl. Giga Android).

[14] „Liken“ (zu Deutsch „Gefällt mir“) bedeutet, in einem SN eine positive Bewertung abzugeben, indem eine bestimmte Schaltfläche angeklickt wird (vgl. Duden).

Details

Seiten
24
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668432581
ISBN (Buch)
9783668432598
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v357880
Note
1
Schlagworte
jugendsprache sprachersatz netzwerken

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Titel: Jugendsprache und Sprachersatz in sozialen Netzwerken