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Depression. Interventionsansätze

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Depressionstherapie

II. Interventionsansätze
1. Medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva/Somatische Behandlung
2. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
2.1.Diagnostik und Aufbau einer unterstützenden Beziehung
2.2 Vermittlung des therapeutischen Modells
2.3 Aktivitätsaufbau
2.4 Aufbau von Selbstwirksamkeit
2.5 Kognitionsveränderung
2.6 Stabilisierung und Rückfallprophylaxe
3. Andere psychotherapeutische Ansätze
4. Effektivität

III. Effekte pharmakologischer und psychotherapeutischer Interventionen auf Depressionen bei Kindern und Jugendlichen
1. Medikamentöse Therapie
2. Psychotherapie
3. Pharmakologische und Psychotherapeutische Behandlung bei Kindern und Jugendlichen

IV. Fazit

Literaturverzeichnis:

I. Depressionstherapie

Depression wird als eine Störung des gesamten Organismus bezeichnet, da sie sich auf physiologischer, emotionaler, motivationaler, kognitiver und behaviouraler Ebene manifestiert. Depressive Störungsbilder sind durch Symptome wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Grübeln oder Appetitlosigkeit und durch eine bestimmte Zeitdauer, Persistenz und Intensität gekennzeichnet. Sie werden in ICD 10 (WHO, 2010) als ein Teil der diagnostischen Hauptgruppe “Affektive Störungen” geführt und beinhalten die Depressive Episode, die Rezidivierende depressive Störung und die Anhaltende affektive Störung (Dysthymia). In der DSM-5 (APA, 2013) werden sie als “Depressive Disorders” bezeichnet und in Major Depression und Persistent Depressive Disorder (Dysthymia) zusammengefasst. Eine Major Depression ist eine episodisch verlaufende Störung (ein bis mehrere Episoden in der Lebensgeschichte), wogegen Dysthymia sich als über mindestens zwei Jahre anhaltende depressive Verstimmung ausbreitet, ohne die vollen Kriterien einer depressiven Episode zu erfüllen.

Dementsprechend bestehen mehrere Theorien zur Ätiologie und Symptomenaufrechterhaltung, die als Erklärung zur Depressionsentstehung dienen und unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Man kann grob zwischen dem kognitiv- und verhaltenstheoretischem Störungskonzept unterscheiden. Die verhaltenstheoretische Hypothese ( Lewinsohn, 1974) geht davon aus, dass eine geringe Rate positiver Verstärkung bezüglich sozialer Interaktionen, Aktivitäten und mangelndem Verhaltensrepertoire auslösend und aufrechthaltend für depressives Verhalten wirkt. Langfristig wirkt sich depressives Verhalten negativ auf das persönliche Leben der Betroffenen aus, indem sie z.B. durch Antriebslosigkeit und Interessenlosigkeit ihre Partnerbeziehungen stören bzw. die Unterstützung von wichtigen Personen verlieren, und sich somit in einer abwärts gerichteten Depressionsspirale befinden.

Der kognitivpsychologischer Ansatz (Beck 1974; Seligman 1975) besagt, dass dysfunktionale Kognitionen und Schemata sowie die wiederholte Erfahrung mangelnder Kontrolle depressive Reaktionsmuster nach sich ziehen. Depressive Patienten neigen zu kognitiven Verzerrungen, falschen Attributionen und fehlerhaften Wahrnehmungen und es besteht ein Zusammenhang zwischen Gedanken, Gefühlen und Handlungen (Hautzinger,1998, S.128). So entsteht eine negativ verzerrte Interpretation der Realität, die pessimistische Einstellungen depressiver Patienten zu sich selbst, zu ihrer Umwelt und ihrer Zukunft (sog. „kognitive Triade“, Beck 1974) auslöst. Außerdem entwickeln depressive Menschen eine negative Erwartungshaltung und falsche Ursachenzuschreibung. Man glaubt, keine Kontrolle über bestimmte Ereignisse zu haben und sich für diese global, stabil oder internal wegen mangelhafte r Kontrolle verantwortlich zu fühlen, sodass sich letztlich die depressive Verstimmung verstärkt.

Aus diesen Ansätzen kann man hilfreiche Punkte für die Depressionstherapie entnehmen und gemeinsam eine erweiterte multifaktorielle Modellvorstellung der Depressionsgenese bilden. Wichtig dabei ist, die Aspekte der Störung und den Schweregrad der Ausprägungen bei dem jeweiligen Patienten zu beachten. Ziele des kognitiv-verhaltenstheoretischen Ansatzes sind die Förderung sozialen Verhaltens und die Veränderung von automatischen Gedanken und negativen Einstellungen. Von diesem Konzept leitet sich die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ab, die eine der am häufigsten eingesetzten Therapieformen der Depression ist.

Neben den psychologischen Therapien sind die pharmakologischen Therapien eine weitere Behandlungsmöglichkeit. Sie gehen davon aus, dass Depressionen mit gestörten Transmitterprozessen verbunden sind und diese durch die entsprechende Medikation beeinflusst werden können , um eine Verbesserung der akuten Symptomatik oder Remission der Störung zu erreichen.

Beide Therapiewege lassen sich sinnvoll gleichzeitig einsetzen, jedoch spielen die „individuelle Gegebenheiten jedes einzelnen Patienten, seine Depressionsproblematik, der Störungsverlauf und das Krankheitsstadium“ (Beesdo&Wittchen, 2010, S.898) eine entscheidende Rolle. Als weitere Grundprinzipien der Therapie, besonders bei der KVT, gelten eine hohe Strukturiertheit, Übungs- und Zielorientiertheit und die Dauer der Behandlung. Weitere epidemiologische Risikofaktoren der Depression können z.B. Alter, Geschlecht, Familiäre Belastung und Genetik, Komorbidität, Trauma und frühe adverse Ereignisse oder soziale und psychologische Faktoren sein.

II. Interventionsansätze

1. Medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva/Somatische Behandlung

Zur medikamentösen Behandlung von Depression werden sog. Antidepressiva eingesetzt. Die ersten Medikamente wurden bereits in der 50er Jahren entwickelt, allerdings ist bis heute ihre genaue Wirkweise weitgehend nicht bekannt. Zu den modernen Antidepressiva zählen die Gruppen der Selektiv Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), Selektiv Serotonin-und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer (SNRIs), Noradrenalinwiederaufnahmehemmer (NaRI), Noradrenerg und spezifisch serotonerges Antidepressivum (NaSSA) sowie pflanzliche Antidepressiva. „ Es wird angenommen, dass Antidepressiva über eine Beeinflussung zentraler Neurotransmitter, vor allem Serotonin und Noradrenalin, in komplexer Weise in die Regulation gestörter Transmitterprozesse, die an der Depression beteiligt sind, eingreifen“ (Beesdo&Wittchen, 2010, S.900).

SSRI sind am häufigsten eingesetzten Medikamente. Sie sind überwiegend für die Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin in den Rezeptoren verantwortlich und beinhalten als Wirkstoff z.B. Fluoxetin oder Paroxetin. Sie können Übelkeit, Schlafstörungen, Unruhe u.a. verursachen. Im Vergleich zu den älteren trizyklischen Antidepressiva weisen SSRI weniger Nebenwirkungen und keine Abhängigkeit auf. Demensprechend blockieren die NaRI die Aufnahme des Botenstoffs Noradrenalin. Die SNRIs und NaSSA sind dual wirkende Antidepressiva. SNRIs hemmen die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, wogegen NaSSA die verstärkte Ausschüttung von Noradrenalin bewirken und zudem Antagonisten an spezifischen Serotoninrezeptoren sind. Ein alternatives Antidepressivum ist das Johanniskraut, das bei Stimmungsschwankungen und leichten Depressionen verschrieben wird, jedoch weist es auch einige Nebenwirkungen wie z. B. Müdigkeit und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit auf. Bis ein Patient die stimmungsaufhellende Wirkung von Antidepressiva bemerkt, kann es zwischen zwei und vier Wochen, sog. Latenzzeit, dauern. Stellt sich kein Effekt nach 4 bis 6 Wochen ein, so ist eine Veränderung der Dosis oder ein Wechsel des Präparats bzw. der Therapie nötig. Die Wahl des Medikamentes, die Dosis und die Dauer der Behandlung sind spezifisch an den jeweiligen Patienten und seiner Symptomatik anzupassen. Eine 6 Monate durchschnittliche Einnahmedauer nach der Remission der Symptomatik ist bei einer erstmalig aufgetretenen depressiven Episode empfehlenswert. Bei zwei oder mehr depressiven Episoden erhöht sich dementsprechend die empfohlene Einnahmedauer, außerdem wird bei einigen Patienten eine medikamentöse Langzeitbehandlung verschrieben, um Rückfälle und Neuauftreten depressiver Episoden zu verhindern. Allerdings bestehen bei bestimmten Patientengruppen weitere somatische Behandlungsmöglichkeiten wie z.B. die Elektrokrampftherapie(EKT) und Schlafentzugstherapie, die als alleinige Therapien nicht empfehlenswert sind. EKT wird nur bei schweren depressiven Störungen, wenn der Patient auf die medikamentöse Behandlung nicht anspricht, eingesetzt, weil sie auch erhebliche Nebenwirkungen wie retrograde und anterograde Amnesie haben kann. Andererseits ist die Schlafentzugstherapie um kurzfristig eine Verbesserung der Symptomatik zu erreichen, geeignet.

2. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Unter der kognitiven Verhaltenstherapie versteht man einen multimodalen Therapieansatz, indem sich, je nach Problemlage des Patienten, die kognitiven oder auf das soziale Verhalten bezogene Interventionselemente anschließen. Die KVT ist ein problemzentriertes und strukturiertes Verfahren, dessen Methoden, Materialien, Übungen und Durchführung individuell an den Patienten angepasst werden können. „ Während kaum eine Aussage darüber möglich ist, welche dieser einzelnen Maßnahmen spezifische Effekte erbringt, so konnte jedoch für Therapieprogramme, die aufeinander abgestimmte kognitiv und/ oder behaviourale Interventionskomponenten standardisiert anbieten, zumindest gezeigt werden, dass sie gegenüber anderen Therapieformen (z.B. Antidepressiva) gleich wirksam sind bzw. eine bessere rückfallprophylaktische Wirkung aufweisen“ (Beesdo&Wittchen, 2010, S.901)

2.1.Diagnostik und Aufbau einer unterstützenden Beziehung

In der ersten Phase wird eine Anamnese erstellt , außerdem sind zentrale Probleme zu erkennen, je nach Dringlichkeit zu klassifizieren und die Symptomatik und den Verlauf der Depression festzustellen. Dabei werden schon die ersten Ziele erarbeitet. Sie können kurz-, mittel- und langfristig sein, um eine Präzisierung der angestrebten Veränderungen herbeizuführen und motivierend auf den Patienten einzuwirken. In jeder therapeutischen Behandlung hat der Therapeut eine zentrale Rolle auf einer Ebene mit dem Patienten, um ein kooperatives Arbeitsbündnis aufzubauen und die Therapie in Gang zu setzen. Grundlegende Merkmale zum wirksamen Umgang in der Therapie sind die fachliche Kompetenz, Problemorientierung und beruhigendes Verständnis für die aktuelle Störung. Der Patient soll sich unterstützt vom Therapeuten fühlen und versichert werden, dass er kein Einzelfall ist. Es soll eine Grundlage für die bevorstehende Zusammenarbeit geschafft werden. Zu den wichtigsten Fertigkeiten des Therapeuten in der Arbeit mit depressivem Patienten gehört es auch, die aktuelle Problematik, die Leistungs- und Belastungsfähigkeit des Betroffenen einschätzen zu können und die Therapie darauf zu bestimmen.

2.2 Vermittlung des therapeutischen Modells

Weiterhin ist eine ausführliche Psychoedukation über das Störungsbild wichtig. Die Aufklärung über typische Symptome, Häufigkeit und Verlauf der Depression steigert das Krankheitsverständnis bei dem Patienten und dementsprechend fördert sie den selbstverantwortlichen Umgang mit der Krankheit und die aktive Zusammenarbeit in der Behandlung und Rehabilitation. Von besonderer Bedeutung ist, das Verständnis über den Zusammenhang von Gedanken, Verhaltensweisen und Gefühlen zu entwickeln, da diese in den nächsten Phasen einzeln erarbeitet werden sollen. Im Folgenden wird gezeigt, dass die Bearbeitung negativer Gedanken und reduzierter Verhaltensweisen einen Einfluss auf die Stimmungsverbesserung hat und es ermöglicht, die negative Depressionsspirale umzukehren.

2.3 Aktivitätsaufbau

In dieser Phase werden schon die ersten Versuche der Aktivierung gestartet, um positive Erfahrung und Verstärkung zu verschaffen. Einerseits werden angenehme Tätigkeiten erarbeitet und gezielt gesteigert, und auf der anderen Seite wird darauf geachtet, negative und belastende Aktivitäten möglichst einzuschränken. Ein wichtiges Instrument in dieser Therapiephase ist der Tages- und Wochenplan. Im ersten Schritt soll der Patient 2 Wochen stündlich seine Aktivitäten täglich protokollieren. Unter Selbstbeobachtung soll er auch seine Stimmung dabei notieren. Daraufhin wird vom das Protokoll mit dem Therapeuten ausgewertet und Ziele bezüglich der Aktivitätsgestaltung herausgearbeitet. Es werden Aktivitäten hervorgehoben, die Patienten als angenehm empfunden werden und zur positiven Stimmung führen. Dabei ist es wichtig, den Zusammenhang von positiven Ereignissen und dem Wohlbefinden zu erarbeiten und im Alltag einzusetzen. Aber das tägliche Leben wird nicht nur von Aktivitäten ausgefüllt, die man positiv erlebt. Weiterhin sind auch Pflichten und Routinen ein wichtiger Teil des Alltags, die einbezogen werden müssen. Nach der Erstellung des Tages- bzw. Wochenplans soll der Patient seine Woche nach dem Plan gestalten. „ Je mehr es gelingt, positive Aktivitäten regelmäßig in den Tagesablauf einzubauen, desto besser fühlt sich der Patient. Diese verbesserte Stimmung steigert dann wiederum die Bereitschaft, aktiver zu sein. Dieser Zusammenhang soll zunächst über Selbstbeobachtungen erkannt und als Wirkmechanismus verstanden werden” (Hautzinger, 1998, S.130).

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Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668421592
ISBN (Buch)
9783668421608
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356837
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
Depression intervention Diagnostik Therapie

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