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Beeinflussen Akademiker die Inhalte auf Facebook?

Hausarbeit 2016 19 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Einleitung

Die Grundlagen Studien
Studie - „Why people use social networking”
Studie - OECD Working Papers on Public Governance

Methodik
Das Ziel dieser Studie
Vorgehensweise
Beschreibung der Stichprobengruppe
Aufbau des Fragebogens

Auswertung
Ergebnisse der Studie
Aktivität und Nutzungshäufigkeit
Aktivitäten auf Facebook
Verfassen von eigenen Beiträgen
Die Wandlung sozialer Netzwerke

Abschluss

Literaturverzeichnis

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal persönlich bei allen bedanken die an meiner Umfrage teilgenommen haben und mich so unterstützt haben. Ohne sie wäre diese Studie nicht möglich gewesen und ich habe mich sehr über die große Beteiligung gefreut.

Einleitung

Facebook, viele Nutzer, wenige Akademiker. So sieht es zumindest laut einer OECD Studie in Deutschland aus. Nur knapp 40% der Deutschen Akademiker sind auf Facebook Registriert, was im Vergleich zu Ländern wie Norwegen oder Dänemark sehr wenig ist. Dort sind ~70% der Hochschulabsolventen registrierte Nutzer des Sozialen Netzwerkes.

Nun werden bereits in Deutschland erste Stimmen laut, Akademiker sollen sich auf Facebook anmelden und beteiligen (Sascha Lobo 2016)͘ Gerade in Zeiten von Rechtspopulismus und „Fake

News“ scheint dies ein vernünftiger Aufruf zu sein. Aber beeinflussen Akademiker wirklich die Inhalte auf Facebook?

Ziel dieser Arbeit ist es genau das zu ermitteln. Dazu gilt es zwei Kernfragen zu beantworten. Zum einen ob Akademiker wirklich so wenig auf Facebook vertreten sind und zum anderen ob sie sich überhaupt aktiv beteiligen. Schreiben sie eigene Beiträge und Diskutieren sie mit anderen Nutzern und bereichern dadurch Facebook, oder verhalten sie sich eher passiv.

Während schon viele Studien zur allgemeinen Motivation von Facebook Nutzern durchgeführt wurden, gibt es bisher keine die sich nur auf Akademiker bezieht. Diese Lücke soll die hier vorliegende Studie schließen.

Zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen wurde eine Umfrage unter Studenten der Hochschule Kaiserslautern durchgeführt, welche sich als sehr ergiebig erwies. Bei der Konzeption dieser Arbeit war außerdem ein Vergleich mit der Studie „Why people use social networking“ geplant. Dieser Vergleich erwies sich jedoch als nicht belastbar, da die Vergleichsstudie durch das Alter von 10 Jahren doch zu stark von der hier durchgeführten Umfrage abweicht. Diese Abweichungen werden jedoch trotzdem kritisch untersucht und erklärt. Lediglich ein direkter Vergleich zwischen Akademikern und nicht Akademikern ist dadurch nicht möglich.

Trotzdem ergaben sich viele Interessante Informationen anhand der durchgeführten Umfrage, welche im Folgenden ausführlich diskutiert werden.

Somit lässt sich zwar nicht genau sagen inwieweit Akademiker Facebook anders nutzen als andere Nutzer, jedoch zeigt sich anhand ihrer Antworten deutlich ob, und vor allem wie sie Facebook nutzen.

Die Grundlagen Studien

Studie - „Why people use social networking”

Im Jahr 2007 führten die Wissenschaftler Petter Bae Brandtzæg und Jan Heim eine Studie zur

Nutzung von Sozialen Medien durch. Ziel war es, die wichtigsten Gründe für die Nutzung von SNS zu identifizieren und nach dem uses and gratifications Ansatz zu erklären.

Um die Nutzungsgewohnheiten zu erfassen, wurde online in den vier größten SNS[1] Probanden rekrutiert, um an einer Umfrage teilzunehmen. Für die Erhebung der Daten wurden Nutzer aus folgenden SNS angeworben: 1) Underskog.no (Durchschnittsalter, 29 Jahre), 2) Nettby.no (Durchschnittsalter, 22 Jahre), 3) HamarUngdom.no (Durchschnittsalter, 17 Jahre) und 4) Biip.no (Durchschnittsalter, 16 Jahre). Facebook war zu diesem Zeitpunkt noch in seiner Anfangsphase und wurde deshalb von den Forschern nicht mit in die Studie aufgenommen.

Die Umfrage selbst bestand aus einer offenen Frage: „Was ist ihr Hauptgrund für die Nutzung von sozialen Netzwerken?“͘ Auf diese gab es 4700 Antworten, von denen die 1200 längsten für die Auswertung genutzt wurden, da man sie durch die Länge für aussagekräftiger hielt. Dadurch wurden allerdings auch 3500 Antworten nicht ausgewertet, was sich möglicherweise auf das Ergebnis ausgewirkt hat.

Die ausgewählten Ergebnisse wurden von Hand ausgewertet, und in mehrere Gruppen zusammengefasst. Näheres dazu im Kapitel „Wandlung sozialer Netzwerke“͘

Studie - OECD Working Papers on Public Governance

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (kurz OECD) führte 2013 ebenfalls eine Studie zum Thema social media durch. Dabei ging es weniger um persönliche Motivationen von Nutzern oder deren Aktivität, sondern darum wie öffentliche Behörden über das Internet mit Bürgern kommunizieren. Die Studie ergab, dass 68% der Europäer mit höherer Bildung solche Kommunikationsmöglichkeiten nutzen. Bei Bürgern mit einer eher geringeren Bildung sind es gerade mal 21%.

Im Rahmen dieser Erhebung wurden auch ermittelt welche Bildungsschicht sich eher auf sozialen

Netzwerken aufhält. Auch dabei zeigte sich das in Europa insgesamt eher Akademiker den Zugang zu solchen Netzwerken nutzen. Es wurde jedoch nicht darauf eingegangen ob dies wirklich direkt mit der Bildung zusammenhängt, oder eher mit demographischen Faktoren oder dem Zugang zu Internet und Computern zusammenhängt. (Mickoleit 2014).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Social Media Nutzung nach Bildungsgrad (Mickoleit 2014)

Ein weiterer sehr auffälliger Punkt wurde bei der Studie fast völlig außer Acht gelassen. Deutschland ist das einzige Land, bei dem der Anteil der nicht Akademiker die Facebook nutzen um 10% höher ist als der der Akademiker. Somit ist der Trend hierzulande eher umgekehrt. Jedoch ist auch hier nicht genau klar ob wirklich der akademische Abschluss den Unterschied ausmacht, oder ob nicht eher das Alter der Befragten eine Rolle spielt. (Duggan Maeve 2015)

Methodik

Das Ziel dieser Studie

Ziel der Studie ist die Beantwortung dreier Kernfragen:

- Sind junge Akademiker auf Facebook registriert und aktiv?
- Wenn ja, wie und wofür verwenden sie Facebook?
- Nutzen sie Facebook anders als Nichtakademiker?

Da es jedoch bei der letzten Frage Probleme mit der Vergleichsstudie gab, lies sich nicht genau beantworten ob Akademiker Facebook anders nutzen als Nichtakademiker. Da es unerwartete Ergebnisse bei der Umfrage gab, wurden diese dafür umfangreicher analysiert und der Vergleich gekürzt.

Mithilfe diesen einfachen Fragen wurde ermittelt, ob sich junge Akademiker auf Facebook beteiligen und zu den Inhalten beitragen.

Vorgehensweise

Um die genannten Ziele zu erreichen wurde ein Fragebogen erstellt, der alle relevanten Daten generieren soll. Da für die Studie keine sehr persönlichen Daten benötigt wurden und alle Fragen auch ohne die Hilfe eines Moderators leicht zu beantworten sind, wurde die Befragungen online erstellt (Spickermann)͘ Zur Durchführung diente die online Plattform „umfrageonline͘com“, da es Studenten dort möglich ist, kostenlos Umfragen mit beliebiger Teilnehmerzahl aufzugeben und direkt auszuwerten.

Um eine möglichst große Zahl von Probanden zu erreichen wurde der Fragebogen per E-Mail an alle Studenten der Hochschule Kaiserslautern verschickt. Zusätzlich wurde er auch auf der Facebook Seite der HS beworben. In der Email selbst wurde außerdem noch einmal ausdrücklich dazu aufgerufen, dass auch Studierende ohne Facebook Account teilnehmen sollen, um zu ermitteln wie viele Studenten keinen Account haben.

Um die Motivation zur Beteiligung etwas zu steigern, wurde ausserdem unter allen Teilnehmern ein 20€ Gutschein für mazon verlost͘

Zur Auswertung und Analyse der Studie wird schließlich der uses and gratifications Ansatz benutzt, der sich auch schon bei vergleichbaren Studien wie „Why people use social networking“ bewährt hat͘ Dieser sieht den Nutzer als einen aktiven Teilnehmer am Medium, der versucht bestimmte Ziele damit zu erreichen. Diese Ziele machen seine Motivation aus und umfassen vor allem das Bedürfnis unterhalten zu werden, Informationen zu sammeln, Kontakt zu Anderen zu pflegen und die Flucht aus dem Alltag durch Ablenkung.

Diese Motivationen sind messbar und ermöglichen so vor allem die Beantwortung der Fragen "Warum nutzt der Anwender das Medium" und "Wie nutzt er es". Dabei wird noch einmal unterschieden zwischen der gesuchten Bedürfnisbefriedigung und der tatsächlich erhaltenen. (McQuail 2010)

Die fünf Hauptmotive des Nutzer nach dem U&G Ansatz sind:

- Zweckmäßigkeit, worunter man das Erreichen bestimmter Ziele versteht, zum Beispiel die Beschaffung von Informationen
- Selbstfindung, wozu auch Soziale Interaktionen gehören
- Zwischenmenschlicher Verbindungen pflegen um in Kontakt zu bleiben und Freundschaften zu pflegen
- Steigerung des Sozialen Status innerhalb der Community
- Unterhaltung, durch Spiele, Bilder, Videos etc..

Diese Motive schwanken, je nachdem welche Plattform man betrachtet, passen jedoch alle zu Facebook. (Dholakia et al. 2004, S. 244)

Beschreibung der Stichprobengruppe

Am Fragebogen beteiligten sich insgesamt 443 Studenten, von denen 421 den gesamten Bogen abschlossen. Zu den Befragten gehören Studenten aus allen Fachbereichen der Hochschule Kaiserslautern (Genauere Informationen siehe Grafik).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Verteilung der Befragten auf die verschiedenen Fachbereiche.

Das Durchschnittsalter der Befragten beläuft sich auf 24 Jahre.

Aufbau des Fragebogens

Im Folgenden werden kurz alle Bestandteile des genutzten Fragebogens benannt und erläutert. Der vollständige Bogen befindet sich außerdem im Anhang.

Frage 1: Wie alt sind sie?

Die erste Frage hat noch keinen direkten Bezug zum Thema und dient vor allem dazu zu erfassen aus welcher demographischen Schicht die Probanden kommen. Ziel ist es, dass Durchschnittsalter der Befragten zu ermitteln, da dieses einen direkten Einfluss auf die Nutzung von SNS hat. Mit steigendem Alter sinkt die Partizipation bei Plattformen wie Facebook (Duggan Maeve 2015), weshalb es wichtig ist die Befragten richtig einordnen zu können. Für die Frage wird ein Freitextfeld verwendet, in das nur Zahlen eingetragen werden können.

Frage 2: Zu welchem Fachbereich gehört ihr Studiengang?

Neben dem Alter soll auch ermittelt werden ob sich der Fachbereich der Studierenden auf ihre Antworten auswirkt. Da auch die Technik Affinität eine Rolle bei der Nutzung sozialer Medien spielt wäre es denkbar das Studenten aus dem IT Fachbereich Facebook mehr oder anders nutzen als Studenten aus anderen Fachbereichen. Für die Frage wird eine Dropdownliste verwendet, bei der einer der vier Fachbereiche der Hochschule Kaiserslautern ausgewählt werden kann (Angewandte Ingenieurwissenschaften, Angewandte Logistik- und Polymerwissenschaften, Betriebswirtschaft, Informatik und Mikrosystemtechnik)͘ Zusätzlich gibt es noch die Option „anderer“ falls Studenten einer anderen Universität teilnehmen.

Frage 3: Besitzen sie einen Facebook Account?

Diese ist eine der wichtigsten Fragen des gesamten Bogens und dient dem Vergleich mit der OECD Studie und zu ermitteln wie der Fragebogen weitergeht. Es gibt zwei Antwort Optionen(Ja, Nein), wobei das auswählen von „Nein“ direkt zum Ende des Fragebogens führt. So wird verhindert, dass Probanden die keinen Facebook Account besitzen das Ergebnis verfälschen, da sie ja sowieso keinen Einfluss auf Inhalte innerhalb der Plattform nehmen können.

Frage 4: Wie häufig nutzen sie Facebook

Hiermit soll ermittelt werden wie aktiv angehende Akademiker auf Facebook sind und ob sie vielleicht häufig auf Facebook sind, aber sich trotzdem nur passiv verhalten oder ob Facebook allgemein nur wenig genutzt wird. Da es sich bei einer Probebefragung als zu schwer herausstellte, eine Angabe in Stunden zu machen, wurden die Antwortmöglichkeiten heruntergebrochen. Dadurch fällt es den Probanden leichter ihre Aktivität einzuschätzen. Zur Auswahl standen die sechs Optionen, von denen eine ausgewählt werden konnte (Täglich, Alle 2-3 Tage, Wöchentlich, Monatlich, Seltener, Niemals).

Frage 5: Wie viele Facebook Freunde haben sie?

Diese Frage dient vor allem dazu zu erfahren wie groß die „Reichweite“ der Probanden ist, also wie viele Menschen sie Potenziell mit ihren Statusupdates und Beiträgen erreichen können. Durch eine geringe Anzahl an Freunden kann es geschehen, dass zwar viel zu Facebook beigetragen wird, aber der Kreis der Menschen die es sehen zu gering ist. Dadurch wird die Wirkung von Posts abgeschwächt und es kann das Gefühl entstehen Akademiker würden sich weniger auf Facebook beteiligen.

Frage 6: Leiten sie eine eigene Gruppe oder Seite auf Facebook?

Eine einfach Ja/Nein Frage, welche ermitteln soll ob Studenten mithilfe eigener Gruppe bei Facebook partizipieren. Diese Frage soll auch hinsichtlich der Fachbereiche untersucht werden, da im Bereich Informatik und Mikrosystemtechnik stark socialmedia bezogene Lehrgänge angeboten werden.

Frage 7: Wollten sie schon einmal ihren Facebook Account löschen?

Diese Frage dient dazu zu ermitteln, ob von den Studenten die auf Facebook sind, eher mehr oder weniger wieder abspringen möchten. Eine hohe Fluktuation wirkt sich auch auf die Nutzerzahl des Netzwerkes auch.

Frage 8: Warum wollten sie ihren Account löschen?

Wird nur angezeigt, wenn der Befragte bei der vorherigen Frage „Ja“ als ntwort ausgewählt hat͘

Frage 9: Wofür benutzen sie ihren Facebook Account am häufigsten?

Dies ist die Kernfrage der Studie. Es soll ermittelt werden wofür Akademiker Facebook nutzen und welche Gratifikationen damit zusammenhängen. Die Antwortmöglichkeiten sind ausserdem darauf abgestimmt, sie mit der Studie der Norweger Petter Bae Brandtzæg und Jan Heim zu vergleichen. Da die Norwegische Studie von 2009 stammt und nicht direkt auf Facebook bezogen war, wurden die Antwortmöglichkeiten angepasst.

Frage 10: Wie häufig posten sie eigene Beiträge oder Bilder auf Facebook?

Um herauszufinden ob Akademiker sich auch aktiv auf Facebook beteiligen, soll mit dieser Frage ermittelt werden wie häufig gepostet wird. Da sich in den Pre-test zeigte, dass es für die Befragten schwierig ist genau Angabe zur Anzahl ihrer Posts zu machen, werden hier nur grobe Angaben verwendet. Dies reicht aus um einen guten Einblick in die Nutzeraktivität zu gewähren und gleichzeitig die Probanden nicht abzuschrecken und so Abbrüche bei der Umfrage zu riskieren.

Frage 11: Was posten sie am häufigsten?

Diese Frage wird nur angezeigt, wenn der Proband bei der vorherigen Frage nicht „Niemals“ als Antwort ausgewählt hat.

Frage 12: In welchen Themenbereich passen ihre Beiträge?

Unterliegt der selben Anzeigebedingung wie Frage 11. Bei dieser Frage dreht es sich hauptsächlich darum, herauszufinden ob Akademiker Beiträge mit wissenschaftlichen/studiumsbezogenen Inhalt veröffentlichen. Da hier bei einer einfachen Ja/Nein Frage die Gefahr bestünde das Probanden könnten sich eher für die „Ja“ Option entscheiden͘ Deshalb handelt es sich hier bei einer Frage mit mehreren Antwortmöglichkeiten, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

Danksagung und Angabe der Email-Adresse

Auswertung

Ergebnisse der Studie

Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt getrennt in drei Bereichen: Die allgemeine Aktivität und Anzahl der registrierten Nutzer, Nutzung des SNS für verschiedene Gratifikationen und das Postverhalten der Probanden.

Aktivität und Nutzungshäufigkeit

Sind angehende Akademiker auf Facebook vertreten? Diese Frage lässt sich sehr eindeutig beantworten. 80,59% (357) der Befragten verfügen über einen eigenen Facebook Account, nur 19,41% besitzen keinen. Dies zeigt deutlich, dass es für die geringen Zahlen der OECD Studie, laut der nur knapp 40% der Akademiker in Deutschland einen Facebook Account besitzen, andere Gründe geben muss als der Bildungsabschluss. Naheliegend wären hier Demographische Gründe. In der OECD Studie gibt es keine Angaben zum durchschnittlichen Alter der Probanden, bei der Umfrage die dieser Arbeit zugrunde liegt beläuft es sich jedoch auf 24.

Damit liegt sowohl das Ergebnis hinsichtlich der registrierten Nutzer als auch hinsichtlich des Durchschnittsalters sehr nahe an dem der Studie „Personality and motivations associated with Facebook use“. Hier lag das Durchschnittsalter der Probanden bei ~22 Jahren und die Zahl der registrierten Nutzer bei 85% (Ross et al. 2009). Diese Übereinstimmung legt nahe, dass die geringe Anzahl registrierter Akademiker bei der OECD Studie vor allem durch das Alter der Befragten zustande kam. Der im Vergleich höhere Prozentsatz an Nichtakademikern die Facebook nutzen, lässt sich auch durch den guten Zugang zum Internet erklären. In Deutschland haben 79% aller Bürger Zugang zum world wide web (Stand 2016) (ARD/ZDF). Betrachtet man nun Norwegen, das zweite Land, bei dem ebenfalls mehr Bürger ohne akademischen Abschluss Facebook nutzen als solche mit, zeigt sich, dass hier sogar 98% der Haushalte Internetzugang haben. (Worldometers und 7 Billion World). Untersucht man nun beispielsweise die Türkei, die den letzten Platz in der OECD Studie belegt, zeigt sich, dass dort nur 58% der Menschen einen Internetzugang haben (Worldometers und 7 Billion World). Dies legt nahe, dass in Ländern wie der Türkei ein Internet Zugang auch eine Frage des Gehalts ist, wodurch Akademiker durch höhere Verdienste bessere Chancen auf Zugang haben. Somit beeinflusst dies auch die Zahl der Akademiker auf Facebook, und die Abwesenheit von Menschen ohne entsprechenden Abschluss.

Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass ein Großteil der befragten Studenten über eine Account verfügt. Es gibt jedoch auffällige Schwankungen zwischen den einzelnen Fachbereichen. Während bei den Studenten für BWL 14,7%, und bei denen für Angewandte Logistik- und Polymerwissenschaften 12,7% angeben keinen Facebook Account zu besitzen, weichen die Zahlen der anderen Fachbereiche stark ab͘ Im Fachbereich „ ngewandte Ingenieurwissenschaften“ gaben 22,7% der Probanden an keinen Account zu besitzen, und im „Fachbereich Informatik und Mikrosystemtechnik“ waren es sogar 28%. Auffällig daran ist, dass die Zahl der registrierten Probanden abnimmt, je mehr das Studium mit Informatik im Verbindung kommt. Bedenkt man, dass die Nutzung von SNS normalerweise mit der Technischen Affinität steigt (Ross et al. 2009), ist dies eine auffällige Entwicklung. Abgesehen davon zählen zum Fachbereich für Informatik auch Studiengänge wie „Digital Media Marketing“ und Medieninformatik, in denen der Umgang mit Sozialen Medien auch zu den beruflichen Kompetenzen gehört. Diese Entwicklung weist darauf hin, dass mit wachsenden IT Kenntnissen auch das Misstrauen gegenüber Facebook wächst und Studenten mit Informatikschwerpunkt abschreckt.

Neben den Vorbehalten von Informatikern zeigte die Umfrage auch noch ein weiteres, auffälliges Ergebnis. Von den befragten Studenten mit Facebook Account gaben 57% an, dass sie darüber nachdenken ihr Konto wieder zu löschen. Dies war eine überraschend hohe Zahl und könnte auch darauf hinweisen, dass sich viele Studenten im Laufe des Studiums von Facebook abmelden. Auch dadurch würden sich die geringen Zahlen der OECD Studie erklären lassen. Die angegebenen Gründe für den Facebook Ausstieg sind dabei sehr unterschiedlich. Die einzige Ausnahme bildet der „Umstiegt auf ein anderes soziales Netzwerk“͘ Nur 3% gaben dies als Grund für die eventuelle Löschung ihres Accounts an.

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Gründe für die Löschung eines Facebook Accounts (Angaben in Prozent)

Der am häufigsten angeführte Grund ist die Angst vor mangelndem Datenschutz. Diese Antwort wurde bewusst so formuliert, da es hier nicht um den messbaren Datenschutz seitens Facebook geht, sondern um den durch die Nutzer gefühlten. Viele Studierende scheinen starke Bedenken gegenüber Facebook zu hegen, was das Vertrauen in das SNS schwächt und langfristig zum Absprung vieler User führen kann. Dies kann eine regelrechte Kettenreaktion auslösen, denn mit 17,9% war das in Kontakt bleiben mit alten Freunden für viele Probanden der Hauptgrund für die Nutzung von Facebook. Wenn also viele Freunde eines Nutzers Facebook verlassen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch er seinen Account kündigt (Bruhn et al. 2011, S. 40). Die Angst vor mangelndem Datenschutz wird von den Studenten aller Fachbereiche ähnlich hoch bewertet, der Prozentsatz unter den Informatikern ist jedoch auch hier geringfügig höher als bei den anderen Studiengängen.

Neben dem Datenschutz, ist auch vielen Befragten der zeitliche Aufwand eines Accounts zu groß. Betrachtet man dieses Aussage jedoch im Zusammenhang mit dem Ergebnis der Frage „Wie häufig nutzen sie Facebook?“ zeigt sich ein Widerspruch͘

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Häufigkeit der Facebook Nutzung. (Angaben in Prozent)

Trotzt der Aussage, Facebook würde zu viel Zeit kosten, nutzen 70% der Befragten es täglich. Dies zeugt davon, dass sich die Nutzer möglicherweise verpflichtet fühlen oder Angst davor haben etwas zu verpassen. Deshalb nutzen sie Facebook häufig, sind aber auch gleichzeitig unzufrieden mit ihrem Nutzungsverhalten. Dies weist darauf hin das erhoffte Gratifikationen nicht erhalten werden.

Bezieht man nun noch die Daten im Freitext Feld [Andere Gründe] mit ein, zeigt sich vor allem, dass Facebook als „unnötig“ empfunden wird͘ Neben einigen sehr persönlichen Gründen für die Löschung eines Accounts, sind viele mit den Inhalten auf Facebook unzufrieden. Viele Posts werden als überflüssig empfunden, während wichtige und persönliche Inhalte fehlen. SNS vermitteln teilweise ein falsche Gefühl der Verbundenheit. Obwohl man schon lange nicht mehr mit einem Freund gesprochen hat, wird doch das Gefühl, dass man an seinem Leben teilnimmt vermittelt, da man seine Status Updates sieht wie z.b was er gestern gemacht hat oder wo er in Urlaub war. Dies vermittelt das Gefühl von Kontakt, jedoch werden die Informationen vom Verfasser gefiltert und gezielt für die Öffentlichkeit aufbereitet (Archambault und Grudin). Viele der Befragten scheinen genau diese zu durchschauen und wenden sich deshalb von SNS ab.

Die Gründe für das verlassen von Facebook sind somit insgesamt vielfältig. Ob es sich jedoch um ein rein auf Akademiker bezogenes Problem handelt bleibt offen, da es keine direkte Vergleichsmöglichkeit gibt, ohne eine weitere Befragung durch zu führen.

Aktivitäten auf Facebook

Für was nutzen Studierende Facebook? Diese Frage lässt sich durch die Umfrage und das U&G Modell sehr direkt beantworten.

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Aktivitäten der Probanden auf Facebook nach Relevanz .

Wie man auf dem Diagramm erkennen kann, ist der Hauptgrund für die Nutzung von Facebook das Pflegen von Kontakten. Mit 17,9% der Gesamtstimmen ist es für viele das wichtigste Feature und erfüllt die Gratifikation des zwischenmenschlichen Kontakts. Somit ist der soziale Aspekt auch für gebildete Nutzer extrem wichtig. Auffällig ist jedoch das das Knüpfen neuer Kontakte mit gerade mal 4,5% der Stimmen sehr weit hinten liegt, was belegt, dass viele "Facebook Freunde" oft bereits vorher Bekannte waren, und keine neu gefundenen Freundschaften sind (Ross et al. 2009). Facebook dient somit eher der Erhaltung von Kontakten, nicht aber dem finden neuer Freunde. Dies geschieht weiterhin auf anderen Wegen.

Knapp hinter dem „in Kontakt bleiben“ kommen sofort zwei völlig andere Gratifikationen, die der Unterhaltung (Dholakia et al. 2004). Mit 17,3% der Stimmen für Zeit totschlagen und 16,2% für Unterhaltung belegt dies einen fast noch wichtigeren Platz als der Soziale Kontakt. Facebook wird massiv dafür genutzt sich humoristische Inhalte wie Bilder, Memes, Videos und Sprüche anzusehen. Eine auffällige Entwicklung, da eine andere Studie im Jahr 2010 behauptete, dass das Suchen von Informationen und Unterhaltung alleine kein ausschlaggebender Grund für die Erstellung eines Accounts sei. (Lampe et al. 2010). Diese Umfrage zeigt allerdings das genaue Gegenteil. Unterhaltung spielt die wohl größte Rolle für die meisten der Befragten, lediglich die von Facebook angebotenen Spiele scheinen Akademiker weniger zu reizen. Gerade mal sieben der Befragten gaben an das Spiele eine ihrer Hauptbeschäftigungen auf Facebook sind.

Nach der Unterhaltung kommt, wenig überraschend der Messenger mit 10,7% der Stimmen. Dieser lässt sich ebenfalls in die Kategorie des zwischenmenschlichen Kontaktes einordnen. Die Nutzung erfolgt höchst wahrscheinlich zur Pflege der alter Kontakte, da das Interesse am Knüpfen neuer Kontakte sehr gering ist. Somit ist es für die meisten wohl nur eine weitere Art Gratis SMS zu schreiben, ähnlich wie mit Whatsapp.

Neben der Unterhaltung und dem sozialen Aspekt folgt schließlich die dritte Gratifikation: Die Zweckmäßigkeit (Dholakia et al. 2004). Hierzu zählen das Suchen von Informationen über z.b aktuelle Ereignisse (11,4%) und das Profile Surfing (10,7%). Letzteres hat auch einen sozialen Aspekt und dient dem Beschaffen von Informationen über Mitmenschen, egal ob bekannte oder unbekannte. Somit ist auch diese Gratifikation ähnlich wichtig wie die der Unterhaltung und die des zwischenmenschlichen Kontaktes.

Verfassen von eigenen Beiträgen

Das wohl auffälligste Ergebnis bei dieser Studie bezieht sich jedoch auf das Verfassen eigener Inhalte. Dies lässt sich zur Gratifikation der Selbstfindung und Selbstverwirklichung zählen und spielt überraschenderweise so gut wie gar keine Rolle für die Befragten. Gerade mal 2,5% Bennen das posten eigener Inhalte als wichtigen Aspekt von Facebook und nur 0,9% nutzen das SNS zur Diskussion mit anderen Nutzern. Dies ist ein interessanter Fund und weist darauf hin wodurch ussagen wie „Je dümmer, desto Social Media“ (Sascha Lobo 2016) zustande kommen. Auch wenn Akademiker Facebook nutzen und sich häufig einloggen, beteiligen sie sich kaum aktiv. Das Konsumieren von Content spielt zwar eine große Rolle, nicht aber das Erschaffen. Somit haben Studierende kaum einen wirklichen Einfluss auf die rund 30 Milliarden Beiträge die jeden Monat von Mitgliedern auf Facebook geteilt werden. (Bhushan 2013)

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Häufigkeit mit der Beiträge veröffentlicht werden.

Wie man im Diagramm deutlich erkennen kann, gaben 50% der Befragten an Seltener als alle zwei Monate einen Beitrag zu schreiben. 20% geben sogar an niemals etwas zu posten. Dies zeigt deutlich, dass die befragten Studenten Facebook überwiegend Passiv nutzen und sich selber so gut wie gar nicht beteiligen. Dies ist nicht unbedingt eine Seltenheit in sozialen Netzwerken. Untersuchungen zeigten, dass ein großer Teil der veröffentlichten Inhalte von einem kleinen Teil der User stammt. (Lampe et al. 2010) Die wenigen Befragten, welche angaben, dass sie häufiger posten, machen dies teilweise auch Beruflich, da bei der Frage „Wofür benutzen sie Facebook am häufigsten“ auch mehrmals Social Media Managment genant wurde. Somit liegt nahe, dass die wenigen Posts die überhaupt verfasst werden eher geschäftlicher Natur sind.

Neben der Häufigkeit wurden die Probanden auch dazu befragt welche Art von Posts sie verfassen und in welchen Themenbereich diese am besten passen. Hierbei zeigt sich, dass knapp 67% aller Posts Bilder sind. Gerade mal 12% davon sind Texte.

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Abbildung 7 Themengebiete, in die sich veröffentlichte Beiträge einordnen lassen.

Auch bei den Themengebieten zeigt sich, dass die Befragten sich nicht unbedingt anders verhalten als andere Nutzer. Es werden hauptsächlich Beiträge zu aktuellen Ereignisse, Lifestyle und Unterhaltung gepostet. Wissenschaftliche Beiträge sind am seltensten, obwohl Akademiker gerade hier einen Beitrag leisten könnten. Betrachtet man nun die Gründe, die viele der Befragten für einen etwaigen Facebook ausstieg angaben, im Zusammenhang mit dem Postverhalten zeigt sich ein deutlicher Wiederspruch. Einerseits wünschen sich viele ein gehaltvolleres Facebook mit weniger unnötigen Beiträgen und gehaltvolleren Inhalten, gleichzeitig trägt aber kaum jemand selbst dazu bei. Gerade junge Studenten, welche hier den Großteil der Befragten ausmachen, wären in der Lage sich aktiv bei Facebook zu beteiligen und das Niveau zu verbessern. Allerdings scheint daran kein großes Interesse zu bestehen. Die Befragten sind zwar unzufrieden mit der Situation, scheinen sich ihr aber auch zu einem gewissen Masse anzupassen. Sie Posten selber hauptsächlich Beiträge zur Unterhaltung, und konsumieren auch solche. Gleichzeitig stört sie die Inhaltslosigkeit auf Facebook und sie denken darüber nach ihren Account zu löschen. Dies kann dazu führen, dass Studenten sich langfristig auch von ihrem Facebook Konto trennen. Dies geschieht dann, wenn die Vorteile die Nachteile nicht mehr aufwiegen.

Bei den Gründen die für die Nutzung von Facebook sprechen, zeigte sich auch , dass einige das Netzwerk hauptsächlich nutzen um beim Studium auf dem Laufenden zu bleiben. Das erhalten von Informationen zu Klausuren und aktuellem Stoff spielt für einige der Probanden eine wichtige Rolle. Hier besteht durchaus die Möglichkeit, dass das Ende des Studiums auch das Ende für einige Facebook Accounts wird.

Abschließend lassen sich auf jeden Fall zwei Kernfragen eindeutig beantworten. Der Überwiegenden Teil der Befragten ist auf Facebook registriert und nutzt es auch. Die Nutzung an sich fällt jedoch deutlich passiver aus als erwartet: Es wird viel konsumiert und wenig produziert. Das Verfassen eigener Beiträge ist relativ selten, und wissenschaftliche Inhalte noch seltener. Die Befragten hätten durchaus die Möglichkeit Facebook zu beeinflussen, besonders da Soziale Netzwerke von den Beiträgen ihrer Nutzer leben. Allerdings ist das Interesse seitens der Studenten recht gering, weshalb sie sich zu einem gewissen Teil selbst das Interesse an Facebook nehmen. Man könnte sagen sie passen sich an und werden Teil des Problems, das sie selber stört und möglicherweise langfristig auch zur Löschung einiger Accounts führen wird.

Die Wandlung sozialer Netzwerke

Der Vergleich mit der Studie „Why people use social media“ erwies sich wie bereits zu Anfang erwähnt, schwieriger als gedacht. Ursprünglich war er als Hauptteil dieser Studie geplant, jedoch zeigte sich, dass sich Social Media Plattformen in den letzten Jahren stark gewandelt haben. Somit kann man bei einem direkten Vergleich schwer Unterschiede zwischen Akademikern und nicht Akademikern ausmachen, da viele Abweichungen eine Folge der Entwicklung von SNS innerhalb der letzten Jahre sind. Komplett auf den Vergleich verzichtet wird jedoch nicht, da sich durch die Umfrage einige interessante Entwicklungen im Bereich social media zeigen und verdeutlichen lassen.

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Abbildung 8 Gegenüberstellung der Ergebnisse aus der Umfrage mit denen der Studie "Why people use social networking". (Brandtzæg und Heim 2009) Betrachtet man Abbildung 8, erkennt man nicht nur das sich die Nutzung Sozialer Medien stark geändert hat, sondern auch dass sie vielfältiger wurde. Die Antworten verteilen sich stärker auf die verschiedenen Aktivitäten als in der Studie von 2007. Dies zeigt auch, dass es heute mehr Möglichkeiten gibt ein SNS zu nutzen, was auch eine größere Anzahl an Nutzern anspricht.

Beim knüpfen neuer Kontakte zeigt sich der wohl größte Unterschied zwischen den beiden Studien. Dies war für die meisten Befragten eher irrelevant, während in der Vergleichsstudie 31% der Probanden es als einen wichtigen Bestandteil ihres Sozialen Netzwerkes ansahen. Der Unterschied von 26,5 Prozentpunkten zwischen den beiden Studien hängt aber vermutlich nicht vom Bildungsgrad der Probanden ab, sondern eher von der Beschaffenheit der untersuchten Plattformen. Die drei betrachteten Websites der Studie „why people use social networking“ boten wesentlich weniger Möglichkeiten bei der Nutzung als Facebook. Das Knüpfen neuer Kontakte war einer der Hauptbestandteile der Plattformen, weshalb sie auch hauptsächlich von Menschen genutzt wurden, die daran Interesse hatten.

Diese Änderung hinsichtlich der Nutzungsmöglichkeiten zeigt sich auch deutlich im Bereich Unterhaltung und Informationen. Diese beiden Faktoren sind besonders durch die Kommerzialisierung von Facebook gewachsen.

Google Trends für "social media marketing“ Datenquelle: Google Trends Betrachtet man die Google Trends Grafik zum Thema social media marketing, zeigt sich nach 2007 ein deutlicher Anstieg der Suchanfragen, die auch zeigen das es sich nach wie vor um ein relevantes Thema handelt. Durch dieses gesteigerte Interesse begannen auch viele professionelle Zeitschriften und Tageszeitungen wie z.B. „Die Zeit“ ihre Inhalte auf Facebook zu teilen͘ Dies ermöglicht es den Nutzern Informationen über aktuelle Themen aus professionellen Quellen zu sammeln, direkt innerhalb von Facebook. Ein gutes Beispiel dafür ist die New York Times, die wie viele Zeitungen über Facebook auf ihre Artikel verlinkt. Ihre Facebook Seite hat über 13 Millionen Likes (Stand: Januar 2017).

Ähnliches gilt für den Bereich Unterhaltung. Hier gibt es auch sehr viele kleine, weniger professionelle Seiten, die Inhalte von größeren Seiten teilen. So wird nicht nur die Menge an Inhalten größer, sondern auch die Verbreitung.

Die bweichung zwischen „Free SMS“ und dem Messenger lässt sich vor allem durch das ufkommen des Smartphones erklären. Während man zu Zeiten der Vergleichsstudie Soziale Netzwerke fast nur am PC nutzen konnte, können Nutzer nun von überall mit ihren Smartphones zugreifen. Dies ermöglicht das Verschicken von Nachrichten von Überall, wodurch sie einer SMS in nichts nachstehen. Zusätzlich lassen sich auch fast alle anderen Funktionen von Facebook über die Smartphone Applikation nutzen. Somit ist es natürlich wesentlich verlockender, unterwegs, z.B. beim Warten im Bus, etwas Zeit im sozialen Netzwerk zu tot zu schlagen.

Es ist wahrscheinlich, dass sich die Verbreitung des Smartphones, welche 2007 begann, sich auf alle Aspekte der Nutzung von Facebook auswirkt. Somit fand die norwegische Studie kurz vor einem Wendepunkt für Soziale Netzwerke statt.

Trotz dieser vielen Änderungen, ist jedoch ein wichtiger Faktor heute noch genauso wichtig wie 2007: Das Kontakt halten mit alten Bekannten. Hier hat sich nicht viel geändert, was zeigt, wie wichtig die Nutzerzahl für Netzwerke wie Facebook ist. Wenn die eigenen Bekannten nicht auf Facebook sind, fällt ein sehr wichtiger Grund zur Nutzung des Netzwerkes weg. Außerdem ist dies, auch im

Gegensatz zur Studie der Norweger der einzige noch relevante soziale Faktor in der unter Studenten durchgeführten Befragung. Dies unterstreicht noch einmal die Möglichkeit eines Dominoeffektes, wenn ein Nutzer seinen Account löscht, und Bekannte nachziehen.

Abschluss

Nach eingehender Analyse lassen sich die Kernfragen zur Aktivität und Nutzung von Facebook sehr gut und ausführlich beantworten. Ob Studenten jedoch Facebook wirklich anders nutzen als Menschen mit einem geringeren Bildungsabschluss lässt sich nicht klar sagen. Problem war hier der unterschätzte Zeitfaktor bei der Vergleichsstudie, der sich extrem stark auf soziale Medien ausgewirkt hat. Im Nachhinein wäre es deshalb sinnvoll gewesen, die Umfrage leicht abgewandelt mit einer zweiten Gruppe von Probanden durchzuführen. Eine Berufsschule wäre dabei eine gute Möglichkeit gewesen, um Probanden in einem ähnlichen Altersbereich zu finden, die einen anderen Bildungsweg eingeschlagen haben. Vielleicht wäre dies sogar ein Thema für eine eigenständige Arbeit oder ein Paper.

Insgesamt verlief die Umfrage jedoch sehr gut, und generierte viele interessante Daten zur Nutzung von Facebook. Mit 443 Teilnehmern, von denen 421 die Umfrage komplett absolviert haben, gab es eine geringe Abbruchquote. Dies zeigt das der Fragebogen vom Umfang gut konzipiert war und keine unangemessenen Fragen enthielt.

Das Ergebnis lässt sich sicherlich auch für weiterführende Studien nutzen, die sich beispielsweise mit vergleichbaren Netzwerken wie Whatsapp beschäftigen. Außerdem wäre auch eine nähere Untersuchung des Themas „Profile surfing“ bei kademikern interessant͘ Ähnlich wie in der Studie „Looking at, looking up, or keeping up with people?” würde sich hier ein Experiment anbieten (Joinson). Da dieses Thema schlecht mit einer Umfrage behandelt werden kann, wurden auch keine weiteren Daten hierzu erhoben.

Das Ergebnis der im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Umfrage lässt sich mit einem „starken Fortschreiten der passiven Nutzung“ sehr gut zusammenfassen͘ Studenten beteiligen sich nicht sehr viel, konsumieren allerdings viele Inhalte. Deshalb soll hier am Ende dieser Arbeit auch etwas dazu aufgerufen werden sich online öfters mal zu Wort zu melden und zu engagieren. Auch wenn sich bei der Vorstellung der Ergebnisse vor einigen Studenten der Einwand aufkam, dass es gerade bei Diskussionen oft wenig sachlich zugeht, kann sich eine Beteiligung lohnen. So können eventuell auch einige der angeführten Gründe für das Verlassen von Facebook abgebaut werden. Man sollte nicht vergessen, dass vor allem die Nutzer für die Inhalte auf Facebook verantwortlich sind. Wer selber gute Beiträger schreibt, trägt damit direkt zur Qualität bei und verbessert das Klima für alle seine Facebook Freunde.

Literaturverzeichnis

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[1] Social networking systems

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (Buch)
9783668427334
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356692
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kaiserslautern Standort Zweibrücken
Note
1,00
Schlagworte
beeinflussen akademiker inhalte facebook

Autor

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Titel: Beeinflussen Akademiker die Inhalte auf Facebook?