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Emotionen und ihr aggressionsfördernder Einfluss auf den Fernsehzuschauer. Wirkung von Mediengewalt

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 15 Seiten

Psychologie - Medienpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Emotionen
2.1 Definition Emotion
2.2 Abgrenzung zu verwandten Begriffen/Konzepten
2.3 Basisemotionen
2.4 Der Einfluss von Emotionen auf die Medienwahl

3. Gewalt in den Medien
3.1 Der Begriff Gewalt/Mediengewalt
3.2 Thesen zur Wirkung von Mediengewalt
3.2.1 Die Katharsisthese
3.2.2. Inhibitionsthese
3.2.3. Die Stimulationsthese
3.2.4. Die Suggestionsthese
3.2.5 Die Kultivierungsthese
3.2.6 Die Sozial-Kognitive Lerntheorie
3.2.7. Die Habitualisierungsthese
3.3 Ergebnisse

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Amokläufe an Schulen - ob 2002 in Erfurt, 2007 an der Virginia Tech in den Vereinigten Statten oder 2009 in Winnenden - man hört und liest immer wieder über derartig schreckliche Ereignisse. Oft wird dann als Begründung angegeben, der Täter wäre besonders aggressiv und rücksichtlos vorgegangen aufgrund seines hohen Konsums von medialer Gewalt, also durch das Anschauen von besonders aggressiven Fernsehprogrammen oder auch durch das Spielen von sogenannten "Ballerspielen". Es ist allgemein bekannt, dass der Mensch von seinen Emotionen geleitet wird; sie beeinflussen wie man sich verhält oder auch mit anderen Menschen agiert. Eine der grundlegenden Emotionen ist die Wut, beziehungsweise die Aggression. Im nachfolgenden soll nun geklärt werden, ob Aggression und dadurch entstehende Gewalt wirklich durch den Konsum medialer Gewalt gefördert wird oder ob es, entgegen der in den Medien verbreiteten Meinung, sogar eine hemmende Wirkung hat.

Um über die Wirkung und den Einfluss von Emotionen überhaupt debattieren zu können, muss zuallererst eine allgemeine Definition von dem Begriff 'Emotion' gegeben werden. Was genau versteht man darunter, wie kann man es definieren und wie lässt sich der Begriff von verwandten und ähnlichen Begriffen und Konzepten abgrenzen. Des Weiteren soll geklärt werden, welche allgemeinen Basisemotionen, also die grundlegenden Gefühlsbewegungen eines jeden Menschen, sich unterscheiden lassen.

Emotionen beeinflussen nicht nur den Alltag eines jeden Menschen und wie man mit anderen Menschen umgeht, sondern auch die Medienwahl. Warum schaut der Mensch überhaupt Fernsehen und welche Bedürfnisse will er dadurch befriedigen? Im Sinne dieser Fragestellung sollen unterschiedliche Ansätze vorgestellt werden, um sich dann im späteren Verlauf auf die Grundemotion der Wut, beziehungsweise der Aggression, zu beziehen.

Um jedoch die Filmwirkung zu verstehen und zu klären, ob Filme wirklich einen aggressiven Einfluss haben können, soll zuerst der Begriff der "Gewalt" geklärt werden und insbesondere der Begriff der "Mediengewalt".

Darauf aufbauend möchte ich einige Thesen vorstellen, welche sich mit der Gewaltwirkungsforschung beschäftigen und probieren, eine hemmende, fördernde oder auch eine neutrale Wirkung von Fern- und Mediengewalt zu beweisen. Im Anschluss daran folgt dann eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse mit einem abschließenden Fazit. Es soll hierbei erwähnt werden, dass nicht alle Ansätze und Theorien genannt werden können beziehungsweise ausschweifend erklärt werden können, sondern nur ein einführender Überblick gegeben werden soll, in welche Richtung unterschiedlichste Forschungen gehen.

2. Emotionen

2.1 Definition Emotion

Obwohl jeder Mensch eine Ahnung davon hat, was er unter dem Begriff 'Emotion' zu verstehen hat, lässt sich eine allgemein gültige Definition nicht geben. Darwin beispielsweise setzt Emotionen mit Gefühlen gleich, die „durch kognitive Einschätzungen von Ereignissen oder Sachverhalten verursacht [werden]“ und ihrerseits beobachtbare Veränderungen bei Mimik, Gestik oder Körperhaltung verursachen (Meyer et al., 1997, S. 41). Laut Skinner wiederum sind „'»Emotionen« […] hervorragende Beispiele für fiktive Ursachen, auf die wir das Verhalten gewöhnlich zurückführen'“ (Schmidt-Atzert et al., 2014, S. 19, zit. nach Skinner, 1973). Wie also bereits zu Anfang erwähnt, kann man bisher keine konkrete, allein-geltende Definition für Emotionen finden. Um jedoch den Begriff für die vorliegende Hausarbeit zu definieren, möchte ich mich auf die Definition von Meyer et al. beziehen, welche zusammengefasst besagt, dass Emotionen zeitlich datierte, konkrete einzelne Vorkommnisse (z.B. Freude, Wut, Angst, ...) von aktuellen, objektgerichteten, psychischen Zuständen einer bestimmten Qualität, Intensität und Dauer sind, die in der Regel drei Aspekte besitzen: den Erlebensaspekt, den physiologischen Aspekt und den Verhaltensaspekt“ ( vgl. Meyer et al., 2001, S. 24). Um den Begriff zusätzlich zu verdeutlichen, folgt im weiteren Verlauf eine Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen, welche oft mit Emotionen in Verbindung gebracht werden.

2.2 Abgrenzung zu verwandten Begriffen/Konzepten

Oft werden die Begriffe 'Stimmung' und 'Emotion' synonym beziehungsweise sinngleich verwendet, jedoch sind Stimmungen durch „ein geringeres, aber länger andauerndes Erregungsniveau gekennzeichnet und durch das Fehlen von Objektgerichtetheit“ (Batinic, 2008, S. 151), was dazu führt, dass man häufig die Ursache für eine Stimmung nicht direkt zuordnen kann und auch kein direkter Auslöser für die Stimmung erkennbar ist. Schmidt- Atzert et al. unterscheiden darüber hinaus zwischen Emotionen und 'Gefühl'. Emotionen sind hier als allgemeiner Überbegriff zu sehen, die unter anderem eine Gefühlskomponente besitzen, wobei das 'Gefühl' das subjektive Erleben darstellt (vgl. 2014, S. 21-23). Ein weiteres verwandtes Konzept zu Emotionen sind die 'Persönlichkeitseigenschaften'. Hierbei handelt es sich um überdauernde Merkmale von Menschen, welche zur Beschreibung des Charakters einer Person herangezogen werden und damit auch einen Zustand beschreiben. Sagt man einer Person beispielsweise nach, dass sie 'zornig' ist, meint man damit, dass Zorn leicht auszulösen ist und häufig vorkommt bei dieser Person. Zu beachten ist hierbei, dass es sich bei Persönlichkeitseigenschaften um einen dauerhaften oder relativ dauerhaften Zustand handelt, während Emotionen nur von begrenzter Dauer sind (vgl. Schmidt-Atzert et al., 2014, S. 28). Ferner kann man Emotionen noch von dem Begriff 'Affekt' abgrenzen, worunter man eine „kurze und heftige Emotion“ versteht (Schmidt-Atzert et al., 2014, S. 30). Es handelt sich hierbei also um eine äußerst starke Gefühlsbewegung welche meist nur von sehr kurzer Dauer ist und vom Individuum häufig nicht gesteuert werden kann.

Es gibt also unterschiedliche Arten und Formen von Emotionen, welche das Wesen eines jedes Menschen ausmachen und auch beschreiben. Mit diesen Formen beschäftigt sich die Emotionstheorie, wobei nachfolgend die Theorie der Basisemotionen vorgestellt werden soll.

2.3 Basisemotionen

Wie bereits festgestellt wurde, ist der Begriff 'Emotion' relativ weitläufig gefasst und lässt sich nicht genau eingrenzen. Aufgrund dessen wurden Theorien entwickelt, „die das Alltagserleben in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung rücken und nach sog. Basisemotionen suchen“ (Batinic, 2008, S. 151). Ein Vertreter dieses evolutionsbiologischen Ansatzes ist Izard, der Grund- beziehungsweise Basisemotionen wie folgt beschreibt: „Any emotion that is assumed to be fundamental to human mentality and adaptive behaviour“ (2009, S. 7).1Darüber hinaus nimmt Batinic an, dass „Emotionen ererbte, adaptive Verhaltensmuster sind, die sich entwickelt haben, weil sie dem Individuum helfen, zu überleben, und die ganz unterschiedliche Verhaltensmuster determinieren“ (2008, S. 151). Es ist also davon auszugehen, dass jeder Mensch diese grundlegenden Emotionen besitzt, da sie angeboren sind und nicht erlernt werden müssen. In Anlehnung an Izard gehören folgende Emotionen zu den Grundemotionen: Freude, Interesse, Angst oder auch Furcht, Ärger beziehungsweise Wut, Traurigkeit, Ekel (vgl. Tabelle Schmidt-Atzert et al., 2014, S. 33, zit. nach Izard, 2009, 2011).2Im nachfolgenden werde ich mich nun hauptsächlich auf die Emotion der Wut beziehen, da diese von essentieller Wichtigkeit für das vorliegende Thema ist. Zuvor sollte jedoch geklärt werden, warum der Mensch überhaupt auf das Medium Fernsehen zurückgreift und was die Medienwahl der jeweiligen Person beeinflusst.

2.4 Der Einfluss von Emotionen auf die Medienwahl

Der Fernsehen ist aus der heutigen Gesellschaft kaum mehr wegzudenken. War es früher noch etwas besonderes einen Fernseher zu besitzen, ist es heutzutage schon fast üblich, dass mehrere Geräte in einem Haushalt vorzufinden sind, sodass auch jedes Familienmitglied für sich wählen kann, welches Programm es sich anschaut. Doch warum schaut das Individuum überhaupt Fernsehen? Nach Heinrich können dadurch vielseitige Bedürfnisse befriedigt werden und unterschiedlichste Bedürfnisse angesprochen werden. Unter anderem kann es beispielsweise zur Verbreitung von Nachrichten, als Mittler für Darstellende Kunst, für den Unterricht oder auch einfach zur Unterhaltung genutzt werden (vgl. Heinrich, 1967, S. 11). Darauf aufbauend stellt sich die Fr ge, wo nch dsa Individuum das Programm wählt und welche Auswirkungen sich durch das Anschauen eines Films oder eines Fernsehprogramms ergeben können. Laut Krämer et al. wird „Fernsehen zunehmend als ein Medium angesehen, das vor allem auf die Emotionen von Zuschauern zielt“ (2008, S. 207). Wenn also hauptsächlich die Emotionen einer Person angesprochen werden soll, ist es wichtig zu wissen, warum eine Person dann eine bestimmte Medienwahl trifft.

Einer der wichtigsten Ansätze, der sich mit dieser Frage beschäftigt ist der 'Uses-and- Gratification-Ansatz' oder auch 'Nutzen-und Belohnungsansatz' genannt, dessen zentrale Annahme besagt, „dass Menschen Medien nutzen, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen“ und „die beiden wichtigsten Bedürfnisse sind das Informations- und das Unterhaltungsbedürfnis“ (Batinic, 2008, S. 113, zit. nach Schweiger, 2007). Herzog, der Studien im Rahmen dieser Theorie durchführte, kategorisierte drei Bedürfnisse, welche durch die Nutzung von Medien befriedigt wurden. Darunter fallen zu m einen dre 'Emotional Release'3, wodurch der Rezipient von Angelegenheiten aus dem realen, eigenen Leben abgelenkt wird. An zweiter Stelle steht das 'Wishful Thinking'4. Hierbei kann sich der Rezipient mit dem Protagonisten des Films identifizieren und dadurch auch einen Lebensstil erfahren, den er selbst niemals haben wird. Als drittes Bedürfnis nennt Herzog den 'Advice'5. Der Rezipient bekommt durch das Anschauen Empfehlungen, aber auch Beistand bei beispielsweise unbekannten oder ihm fremden Situationen (vgl. Batinic, 2008, S. 113, zit. nach Herzog, 1944). Laut Herzog kann die Medienwahl also, je nachdem welche Art von Programm das Individuum wählt, zur Befriedigung unterschiedlichster Bedürfnisse benutzt werden.

[...]


1Izard: „Jede Emotion, die grundlegend für die menschliche Mentalität und adaptives Verhalten ist.“

2Siehe Tabelle im Tabellenverzeichnis

3Emotionale Entlastung

4Wunschdenken

5Ratschlag

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668425286
ISBN (Buch)
9783668425293
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356674
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Schlagworte
Mediengewalt Emotionen Kommunikationspsychologie Aggression Wut Gewaltspiele Amoklauf

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